Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2665 (25.7.1926)
- Date
- 1926-07-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ft. S665 Mtt, EoMW Meme Moegrrrzettarrs Tagesbericht. Sie 8ude» Wiens. Eine statistische Studie von Dt. Leo Gsldhammeik. 1. Vorbemerkung. Die Hundertjahrfeier der Stadtshnagoge im April 1926 hat vielfach Anlaß gegeben, daß von verschiedenen Seiten die Geschichte der Inden Wiens und ihre Bedeutung in kultureller, politischer und sozialer Beziehung behandelt wurde. Dagegen wurde es vollständig unterlassen, die gegenwärtige Situation der Judengemeinde. und ihre Zukunft einer Ueberprüfung zu unterziehen. Und doch sollte gerade diese Frage, schon wegen der Besorgnis,. die sie unbedingt Hervorrufen mutz, in beit Vordergrund gestellt werden. Man vergegenwärtige sich folgendes: Die Republik Oesterreich hat eine jüdische Bevölkerung von zirka 230.000 Seelen, von denen in Wien 201.613 sich aufhalten. Wir haben es also mit einer ausgesprochen großstädtischen Bevölkerung zu tun, einer Siedlungsform, die, wie im allgemeinen, nebst vielen Vorteilen, zweifellos ungeheuer viele Schattenseiten hat, insbesondere hinsichtlich der Vermehrung. Für jede Großstadt bildet nämlich das flache Land die Quelle ihres steten Wachstums. Für die Juden Wiens bildeten zur Zeit des Bestandes der österreichisch-ungarischen Monarchie die „Dorfjuden" des heutigen tschechoslowakischen Gebietes sowie die jüdische Bevölkerung des Ostens den Ersatz des flachen Landes. Durch die Aufrichtung der Grenzen gegenüber der Tschechoslowakei, Polen, Ungarn und Jugoslawien, wie sie in den Friedsverträgen von St. Germäin festgelegt worden sind, sind bei den Juden diese Zltwanderungsquellen fast vollkommen versiegt. Dazu kommt, wie in fast allen Großstädten des Kontinents und außerhalb desselben, der Abfall v o m I u d e.n t u m und die Tau f e hon zahl r e i ch e n K i ndern, um ihnen den Lebensweg zu erleichtern, die gewollte Einschränkung des Kinderreichtums, hervorgerufen durch die Not der Zeit, und die gehobenen Lebensansprüche der modernen Welt, die Zunahme der Ehelosigkeit sowie der st er ilen Ehen und Mischehen, von denen die zuletzt genannten meist nie zur Vermehrung beigetragen haben. Läßt sich doch statistisch Nachweisen, datz in den letzten Jahrzehnten fast kein Geburtenüberschuß mehr vorhanden ist — ja die Jahre 1924 und 1925 weisen mehr Sterbefälle als Geburten auf. Im nachfolgenden wollen wir versuchen, an der Hand der offiziellen Erhebungen sowie der zahlreichen zerstreuten Arbeiten über einzelne Probleme der jüdischen Bcvölkeruugsstatistik, ein genaues Bild der Judenschaft Wiens zu bieten. Die Schlüsse aus diesen Tatsachen zu ziehen, wird Sache aller jener sein, die sich mit der jüdischen Politik beschäftigen. 2. Zahl, Verteilung, Gebürtigkeit, Ein- und ÄnsbrirAsrung. Wir dürfen es wohl als bekannt voraussetzen, daß bis zum Jahre 1850 die Volkszählungen im alteil.Oesterreich von Militärorganen vorgenommen wurden und im allgemeinen und in bezug auf die Juden insbesondere sehr unzuverlässig sind. Die Volkszählungen vom Jahre 1867 und 1869 sind ebenfalls noch mangelhaft, speziell soweit sie die Juden betreffen, weil sich diese damals noch der Einreihung in den Heeresdienst zu entziehen suchten. .Erst die nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht vorgeuommenen Volkszählungen vom Jahre 1880 an sind verläßlich. Wenn wir also, auf das Jahr 1867 zurnckgreifend, die Zahl der in Wien wohnenden Inden betrachten, so ergibt sich folgendes Bild: Jahr Juden 1857 6.217 1830 72.588. 1890 118.495 190s>. 146.926 1910 175.318 1913 201.513 5K-— in Prozenten der Gesamtbevölkerunz 2.1.6 . / 10.06 8 69 8 77 8.63 10.80 Red Sorechl und seine Tochter.*) Bon Schalom Alejchem. in. „Fovtflefahren . . ♦!“ Als es zur Bestimmung des Tages der Hochzeit kam, schob fich eine Szene ohne Worte cip: Der Thoraschreiber blickte auf den Lehrer, der Lehrer auf die Lehrersfrau, die Lehrersfrau auf den Bräutigam, der Bräutigam auf i>ic Braut, die Braut auf den Thoraschreiber üsw. . . . Das hieße, würde man's in welche Sprache immer übersetzen, wie folgt: Der Thoraschreiber zmn Lehrer: „Nun, was schweigt Ihr? Ihr seid doch der Brautvater?" Der Lehrer zur Lchrcrssrau: „Woher soll ich das wissen, fragt sic.. .!" ' Die Lehrersfrau zum Bräutigam: „Warum redest du nicht, die Kosten fallen'ohnedies aus dein .Haupt?" Der Bräutigam zur Braut: „Mir ist das gleich, meinetwegen schon nwrgen. Was meinst du, Pesscl?" Die Braut zum Thoraschreiber: „Fragt den Vater, wiemahl ich schon jetzt weiß, daß er es wird hiuausschieben wollen!" Kurz, es blieb dabei, 'daß die Hochzeit am Ersten des.Monats statt'ufiudeu habe. d. h. in einigen Wochen. Und als man den Teller zerbrach, „Masal tow! Masal low!" rief, bemerkte ich, wie Reb Sorechl totenbleich wurde. Mit dem Teller schiert auch sein Her; in-Brüche;u gehen. Ich habe es selbst gehört, wie er es dem Borbeter nach den: ersten Glas Schnaps ('das bloß anblickcn bei ihnr schon trmrken sein hieß) sagte: „Kommt ein Fremder daher, fängt das Beste weg. Wer? Was? Wen? Ach. ach. ach!" „Ba!" erwiderte der Borbeter, der schon mehr als ein halbes Gläschen Schnaps ausgetruuleu hatte und dem daher die Zunge den Dienst zu versagen begann, .„6a na ba, Gott gebe Siehe „Wiener Morgenzeitnng" vonr 23. und 24. d. Es ist also eine stetige Zunahme der jüdischen Bevölkerung Zn konstatieren, mit Ausnahme -es Jahrzehntes 1880 bis 1890. Die Verminderung des Prozentsatzes in diesem Zeiträume von 10,06 auf 8,69 Prozent trotz der Erhöhung der absoluten Anzahl von 72.588 auf 118.196 ist darauf zttrückzuführen, daß in dieser Periode die Eingemeindung einiger Vororte stattgefnnden hat, die eine fast.ausschließlich nichtjüdische Bevölkerung anfwiesen. In den 6'/- Jahrzehnten 1867 bis 1923 hat sich somit die jüdische Bevölkerung Wiens von 6217 auf 201.613 erhöht, also fast verfnnf- und dreißigfacht, während die Gesamtbevölkernng von 287.824 auf 1,866.780 stieg, d. i. sich versiebenfacht hat. Diese auffallend starke Vermehrung der jüdischen Bevölkerung Wiens gegenüber der nichtjüdischen ist vornehmlich ans die stetige Abwanderung der Juden von den Dörfern in die kleinen Städte und von da in die Großstadt Wien zurückzuführen. Obwohl der „Dvrfjude" in der Regel besser situiert war als der Jude in der Stadt, war es doch sein unablässiges Bestreben, in diese zu ziehen. Dieser Gegensatz zwischen Dorf- und Stadtjuden war oft ein derartig großer, daß nur selten eine städtische Jndenfamilie sich mit einer solchen auf dem Lande verschwägerte. Dazu kam die durch die Kapitalisierung der Wirtschaft im alten Oesterreich hervorgerufene systematische Verdrängung der Juden vom flachen Lande, da ihre Vermittluugsfunktioneu durch die Organisierung der Landbevölkerung im handelspolitischen Sinne immer stärker ausgeschaltet wurden. lieber die Verteilung der jüdischen Bevölkerung auf die einzelnen Bezirke Wiens gibt die nachfolgende Tabelle Aufschluß: von 100 Eiuwobnern Bezirk Juden waren Juden 1910 19 3 1910 1923 l (Innere Sladt) 19.507 10.462 20 35 24.32 H (Leovoldstadr) . 56.779 59 722 33 95 38 49 Ul (Landstraße) , 9.931 14.204 6.32 9 83 IV (Wieden) . . , 3.792 5.570 6 02 9 66 V (Margareten) . 3.691 4 471 3.53 4 97 VI (Mar'abils) . 8.253 8.941 12.85 16.36 VII (Neubau) . . . 8 095 8.838 1L 07 15.69 vin (Josefsladt) . 4 708 6 932 8 75 13.83 IX (Alsergrund) . 21615 23.746 20 70 2510 X (Favoriien- . . . 3 412 4011 2 24 2.82 XI (Simmering) . , 458 400 0 97 0.87 XII (Meidling) . 1 886 2 405 1.79 2.47 XIII lH'etzing) . . 3 244 5977 2.74 461 XIV (RudoUske m). 3.737 3.’C6 3.89 4 72 XV (Fünfhaus) . 2.382 2.9'. 4 5.42 b.59 XVI (Ottakring) . . 4 525 4.881 2.55 3.14 XVII (Hernals) . . 3 425 3 829 3.32 4 32 XVIU (Währing) . 4.031 4601 4.63 5.13 XIX (Töblirg) . . 3.808 5 665 7.42 10 20 XX (Brigittenau) . 14.144 17.572 13 96 18.04 XXI (Floridsdorf) . 1.767 1.676 2.28 2.00 In acht Bezirken bildet d'e jüdische Bevölkerung mehr als den -zehnten Teil der Gesamtemwohnerschaft und zwar in :eit Bezirken Leopoldstadt 38.5% (59 722 Juden), Al'ergrund 251% (23 746 Juden), Innere Sta:t 24.3% (10.462 Inden), Brigittenau 18% (17 5.2 Juden). Mariahilf. 16.4% (8941'Juden). Neubau 15.6% ,9838 Juden), Josefstabt ' 13.8°/o (6932 Inden) und Döbl'ng l0 2% (5665 Inden). Mit Ausnahme der römisch-katholischen Bevölkerung erreicht kein anderes Bekenntnis in irgend einem Wiener Bezirk einen sr hohinAnteil wie die Inden. In drei Bezirken hat eine A b n a h m c der jüdischen Bevölkerung stattgefunden, und zwar iu der Inneren Stadt um 3,19 Prozent, Mariahilf um 0,83 Prozent und Floridsdorf um 5,16 Prozent. Bei der Entscheidung der jetzt in zionistischen Kreisen so lebhaft diskutierten Fragen der i n n e r p o l i t i s ch e n Betätigung und der Geltendmachung der,. M i n o r i t ä t e n r e ch l e ans Grund des Friedensvertrages von St. Germain wird zu wenig auf diese Tatsache geachtet, noch weniger auf die berufliche Gliederung der jüdischen Bevölkerung in diesen Bezirken, ans die wir noch zurück kommen werden. Freuden ... Mit Hilfe des Herrn Glück über ganz, ganz Israel!" „Amen!" rief Reb Oser, der Tempeldiener, der sich von keiner Geschichte stören läßt, das Glas umkehrt und den ganzen Inhalt ohne Zeremonie 'in die Gurgel schüttet. Braut und Bräutigam saßen ganz voran dicht bei einander, so dicht, daß ich auf keinen Fall mich zwischen sie niengen konnte, aber von der Ferne sah ich sehr gut — ich bin nicht kurzsichtig —, daß ihre Hand in der seinen lag. Das Gesicht brannte, die Augen brannten, sie bekam Reiz, wurde schön, schön wie die Welt. Wohin haben sich die grellroten Haare versteckt? Wer hat die Sommersprossen von ihrem Gesicht entfernt? Sie war, sag' ich euch, einfach bezaubernd. Und nicht nur an jenem Abend, die ganze Zeit, da man die .Hochzeit vorbereitete, leuchtete das Gesicht Pessels wie' ein Sonunertag; sie wurde von Tag zn Tag schöner. Aber am Tage der Hochzeit war es nicht mehr so, denn sie weinte sehr; sehr weinte sie. Vielleicht sagte ihr das Herz, daß sie bei ihrem Auscrwählt-en nicht übermäßig glücklich werden wird. Und vielleicht bangte sie um den Vater, der allein znrückblejbt, einsam wie ein Stein. Mar es für Pessel schwer, vom Vater zu scheiden, so war es für den Vater tausendmal schwerer, die Tochter ziehen zu lassen. Der Lehrer Reh, Sorechl weinte nicht. Ist er'ein Weib, daß er weinen soll? Aber Reb Sorechl verzehte sich im stillen, schwaüd wie eine brennende. Kerze dahin. Als man beim Abschiednehmen'warspielte sich folgende Szene ab: Das Gepäck, das Bestgewand und fein Kramwagen waren schon zusannneugetan. Der Lehrer Reb Sorechl wartete wortlos, daß Pessele in den Magen steige. Die Lehrersfrau stand in ihrer ganzen Länge, die Arme über dem Herzen gebreitet, den Kopf auzwei Finger gelehnt, und blickte auf den Lehrer mit jenem Blick, der besagt: „Qfn die Erde mit dir mit den kurzen Beinen! WiH du dich verabschieden oder nicht?" Der Lehrer Reb Sorechl verstand den Blick und sagte zu seinem Eidam, zu Feiwel dem Tausendsassa, mit dem Tone des stumpfen Geräts: sä. Juki me ZeWS Genug der Lewen! irr Mi: MRTE 8EUI QffEtfK. GEFÜHLE ’s —-_2NM1SS—LLMML St -Rochus-Jubfalz macht einen neuen Futz! ES genüg«, wenn wir eine freie Menge von diesem Fiitzsalz — welches sich «in Ausland schon seit langer Zell bewährt dal — tit nn mit warmem Waise« ge« jÜllteS fcaoolr geben unv den schmerzenden stutz lu bis 15 Minuten lang in dem» selben welche» la-en. Wäii cno dieser Zeit hör n d t Anschwellung des stutz S, sein Que schnng nnd dte p inigende», v'tnnenden Gesüble mir einem Schlage auf. Die Schmerze», welche durch da« Drücke» der Schuhe verursacht . weide», hörnt sofort auf. Ein längerer Weichen in diesem Wasser erw.tch« dte Hühneraugen nnd die Haut« Verhärtungen so sehr» datz dieselben sehr leicht ohne Messer oder Rasiermesser entfeint werde» können.. Eie könne» überzeugt sein, vatz da» St.»ltoch»r»FuksaIz den Futz voll ommen ne» gehaftet. ÜS b »reit Sie von den verschieden »Störungen oeS stutze». Sie rönnen io viel gehen, als Sie nur wollen. Sie könne» an einer Stelle stuiideit« lanq siehe» unv Sie loeiven nicht »aS geringsie der Müdigkeit verspüren. Gl» groszeS Pater Et.RochiiS-FirKsalz kostet 8 1.80. ES ist in teoet Apotheke erocil lieh. Fall Sie ea nicht vekominen sollten, wenden Sie sich an da» Harrpldepot: Bnndesapotheke „Mariahils" Telephon 64-99 VI. Mariahilferstrasse 05 Telephon 64-99 Wfirmrna f St.-Rochus- Faßsalz hat sieh glänzend eingebürgert, " *»»•*****« Diener Umstand hat za wertlosen Nachahmungen ne« ________ Dieser Umstand hat za wertlosen Nachahmungen erführt, und diese Präparate weiden skrupellos in Verkehr gesetzt, d e natürlich m't unserem echten St.-RochUS-FuBaalX nicht oerwechselt werden dürfen. Wir bitten das P. I. Publikum, beim Einkauf auf den Namen „St.-Rochus-Fußsalz“ in gelber Packung genauestens zu achten. Bon der Wiener Bevölkerung waren geboren: in Wien im sonst. Oesterreich im Ausland Juden ... 77.269 (38.34%) 7.967 ( 3 95%) 116.286 (57.71%« Nichtjuden . 927 041 (55.70%' 296.770 (17.83%) 440.456 (26.47%' Es waren demnach pr:.untucll ungefähr so viele Juden im Auslande geboren, als Nichtjüden m Wien geboren sind. Das Ausland 'umfaßt aber auch die früher zur: österreichischen Monarchie gehörigen Länder Demnach ist gegenüber den Verhältnissen vor dem Zusammenbruch eigentlich n.-r rnsoferne eine Aenderuug ernaetre'.en, als dre -'tinder, aus denn«.. der jüdische Zustrom nach Wi-'N erfelgte, durch die im Dez.ni'.ium zwischen den ber .n l.'tzlen Volkszählirngen vor gekommenen V.'rändernracn nunmehr Ausland geworden sind. Die stärkste Ansländerznwanderung haben jene Bezirke aufznweisen, in denen die Inden einen bedentenden Prozentsatz der Bevölkerung ausmachen, wie zum Beispiel Leopoldstadt 44 Prozent, Alsergrund 37,6 Prozent und Brigittenau 36,8 Prozent. So lange die Monarchie bestand, )var speziell bei der jüdischen Bevölkerung absolut nicht das Bestreben vorhanden, in.Wien die Heimatszuständigkeit zn erlangen; das christlichfoziale Regime in dem damaligen Wien war keineswegs so-verlockend; daß die Juden ihre alte Zuständigkeit mit der nach Wien eingetauscht hätten. „Hm ... hm ... hm .. . wir werden uns also verabschieden . . .!" „Bleibt gesund, SchUviegervatcr! Bleibt Mund, Schwieger, mutter!" „Fahr' gesund, fahr' ^osnnd!" „Bleib' gesund, Mutter! Bleib' gesund, Vater!" Da warf sich plötzlich Pessel, reisefertig, wie sie war, ein« gehüllt in zwei schwere Tücher,;um Vater hin, fiel ihm um den Hals, weinend, jammernd, schreiend: „Vater — Teuerster . . .!" Alle Leute in der Gasie weinten. Pessel weinte und der Lehrer, die Lehrersfrau- Feiwel der Tausendsassa und ich und «der Kutscher, der am Bock faß, mit der Peiische in der Hand, und alle die Mitfahrer, Dlvosche, die Tempeldienersfrau, eine Nachbarin der Lehrersfrau, die leider krank ist, und Dwofches ältere Tochter Slate, die gelbe mit den fchvarzen Zähnen, die ein kleines Kind auf den -Händen hi-elt, lind die Christin Ukalina, die jedes Wort Jüdisch versteht, und der Schuster Chlawne, der einen Schuh zur Reparatur holen kam und keinen fand, und außerdem noch ein ganz fremder Jude, der vorbei gekommen und stehen geblieben war, als er gesehen hatte, 'daß man fortfährt und -daß geweint wird — auch er seufzte und wischte sich die Augen. Lange, lange blieben wir noch draußen und blickten dem Magen nach, der langsam Verschrvand und dann eine in der Luft hängende Staubwolke zurückließ und den Geruch der Pferde und der geschmierten Räder. „Fortgefahren!" sagte der ganz fremde Jude, der vorbeigekommen war, als wollte er uns damit eine Neuigkeit erzählen, die wir nicht wußten. „Fortgefahren!" antwortete ihm Neb Sorechl, wie wenn er darauf gewartet hätte, dieses Wort sagen zu können. „Fortgefahren!" sagten wir alle auf einnral, als brächten wir einander weiß Gott welche Botschaft. ... (Aus dem Jiddischen von P. H.)