Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2660 (20.7.1926)
- Date
- 1926-07-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. ma Men, Mensrag rmener MorgenzeNuns . . rm. im t&Gffg *9 Hitzewellen. llngrwtzhnNche Hitze in alle» Tellen Kurovar. Petljuras Schuld. ErklSrungen des Präsidenten der Prosknvower jüdischen Gemeinde. In Warschau weilt jetzt der gewesene Präsident der jüdischen Gemeinde in ProSknrow und Mitglied der Fraktion Achduth im Proskurower Stadtrat. Einem Vertreter des „Moment" gegenüber äußerte sich der Augenzeuge des Pogroms in Proskurow in einem längeren Gespräch über die Tatsachen, die die Schuld Petljuras beweisen. Den Namen des Gewährsmannes verschweigt daS Blatt und erklärt nur, daß es ihn dem Komitee für Schwarzbarths Verteidigung übermittelt bat. Seinen Ausführungen entnehmen wir folgende bemerkenswerte Einzelheiten: „Ich habe Petljura einigemal begegnet. Einmal kam ich ihm mit Brot und Salz entgegen, das zweitemal lvar ich bei ihm mit einer Delegation, ein drittesmal in irgend einer andern Angelegenheit. Ich habe ihn also gut gekannt. Stit Freitag, dem Vort^ der ProSkmowar Schlächter«!, sah ich Petljura durch die Stadt fahren. Ich stand fci* mM fcrf der Apotheke Ochsmanns in der Alexan-rolvSka- Straße und Petljura sichr in der Richtung zur Bahn." Nach einer detaillierten Schilderung des Pogroms am Samstag und des Schreiens am Sonntag, mit besonderer Betonung der Tatsache, daß ein Orchester um 6 Uhr das Zeichen zum Schluß der Schlächterei zu geben pflegte, erzählt der Prosknrower Zeuge von der denkwürdigen Stadtratssitzung am Montag um 11 Uhr vormittags in Anwesenheit S e m e s s e n k o s und des Stadtkommandanten Kiwercznk. „Ich bat um .das Wort und sagte: Wir haben euch eingeladen, um zn erfahren, warum ihr Inden geschlachtet habt? Semessenko antwortete: „W e i l s i e B ols ch ew i k e n sin d!" „Sind aber Säuglinge und Greife auch Bolschewiken?" Semessenko antwortete: ,>Jch besitze eine Li sie aller B olf chew i ke n der Stadt. Ihre Zahl beträgt 3000." „Wenn wir auch annchmen, daß es wahr ist," sagte ich darauf, so konnten Sie ja doch nach dieser Liste die Bolschewiken aburteilen und nicht kleine, unschuldige Kinder töten!" Semessenko 'hat darauf nicht gcanÄvortet. Ich wandte mich akso an Kiwerczuk und fragte ihn, warum er als Stadtkommandant die Metzeleien nicht verhindert habe. Kiwerczuk,. ein Mann mit einem Verbvechergelsicht, dachte >nicht lange nach imb antwortete bedenkenlos: »Ich habe nur eine Verordnung des Ataman, vollstreckt." Wir blieben wie versteinert sitzen. Obwohl wir ja schon bisher verstanden hatten, daß die Schlächtereien n a ch e i n e m höheren Befehl iniszeniert wurden, hatte doch niemand eine solch zynische Antwort erwartet. Einen Augenblick lang herrschte Totenstille, die erst Semessenko mit der Frage unterbrach: „Und was nun?" ,Mr verlangen die Erlaubnis, die Leichen zu begraben!" Nach einem Augenblick Nachdenkens sagte Semessenko: ,^Ich will euch eine genügende Zahl Schlitten geben." Semessenko blickte den jüdischen Stadtratsmitglredern in die Augen, ob sie von seiner „Gutherzigkeit" entzückt sind, und sagte plötzlich streng: ,^ch fordere, daß ihr ein Protokoll aufftellt, ixaß es nicht mehr als 60 Lei chen gibt!" FH antwortete: ,Mr wissen nicht, wieviel Leichen da «sind. Wenn wir sie begraben haben Werder^, werden wir eine Liste anfertigen." Semessenko war ganz zornig geworden. Seine Augen sprühten Feuer und er sagte kategorisch: „Das 'kann nicht sein!" „Trotz großer Bemühung", erzählt der Proskurower Gewährsmann weiter, „gelang es Semessenko nicht, das geforderte Protokoll von den Juden zu erhalten. Nach einiger Zeit schickte Petljura nach Pwsikurow den Herrn K r a ß n y ans dem jüdischen Ministerium, um Lunch ihn das Protokoll zu erreichen. Obwohl Kraßny eine Million Rubel für die Hinterbliebenen der Pogromopfer in Aussicht stellte und vom Zorn Petljuras.sprach, konnte auch er den jüdischen Bürgern von Proskurow das Protokoll nicht abringen." ,^Jch will bernerken," sagt der Informator des „Moment", daß in der Stadt Leute erzählt haben, daß Petljura in Proskurow auch Samstag und Sonntag anwesend WM, also auch am Tage des Pogroms. Ob das stimmt, weiß ich nicht; ich sah ihn nur am Freitag." „Für alle diese Tatsachen bin ich verantwortlich und werde, wenn cs notwendig sein wird, darauf ( auch der; Eid leisten. Ich hielt es für notwendig, dies jetzt schon zu veröffentlichen, da man zweifelt, ob Petljura an den ukrainischen Pogromen schuldig sei. Die Erklärung Kiwerczuks bietet hierfür schon ei tt c n genüge nde n B ew e i s!" endet der Proskurower Zeuge. Gin polnischer Advokat bestätigt die Gewalttätigkeiten Petljuras. Wilna, 19. Juli. Der bekannte Wilnaer Advokat und demokratische Politiker, Dr. Stephan M i e e k i e w i c z, richtete an den Verteidiger Schwarz,barths, Torr es, eilten Brief, in dem er ihn benachrichtigt, daß ihm viele Tatsachen bekannt sind, die bestätigen können, daß Petljura gegenüber der polnischen und jüdischen Bevölkerung G ew a l t geübt habe. Mieekiewicz ersucht Torres, seine Informationen zu berücksichtigen. ras Attentat gegen Pere» Mein. K. Paris, 19' Juli. Der verwundete Perez S t e i n hat un Gespräch mit einem Zeitungskorrespondenten die folgenden Mitteilungell gemacht: Stein war während der Pogrome in der Ukraine Mitglied des jüdischen S e l b stsch u. tz e s. Bei Warmer ober kalter Gommer? Das bleibt die aktuellste Frage. Nach wie vor gehen über den wahrscheinlichen Wettercharakter des Sommers die Ansichten weit auseinander, ja sie stehen zu einander sogar in direktem Gegensätze. Browne, der Vorstand der Wetterwarte zu Washington, .erklärt, das; nach seinen Berechnungen 1926 ein Jahr ohne Sommer sein wird. Er stützt seine Voraussagen besonders auf die Beobachtung der So n ne n sie ck e n, die 1926 bis 1927 ein gewisses Maximum erreichen, wodurch die Ausstrahlung der Sonne znriickgchalten wird lind ein Sillken der Evdtemperatur die Folge ist. Grimm, ein tüchtiger deutscher astronomischer Meteorologe, dagegen verspricht sich doch rroch einen günstigen So in» in e r, warm und feucht, bezeichnet die beiden für den Sommer hauptsächlich in Betracht kommenden Monate (zweite Hälfte) Juli und August als echte Sommermonate nm hoher D n r chs ch n l t t 8 t e inp e r a tii r. Astrometeorologisch liegen jedenfalls gegensätzliche Anzeichen vor. Start ansgesiprochen sind die An,Zeichen, die auf einen warmen Sommer schließen lassen. Die Gegenkräfte sind bei weitem nicht in gleicher Stärke zu erkennen, weshalb astrometeorologisch eher auf einen warmen als auf keinen Sommer geschlossen werden fa/.. Die »fW?e, die Sonntags einsetzte, dauerte auch gestern an. Bei einem ganz wolkenlosen Himmel herrschte eine wahre Hundshitze. Die Temperatur hat in den Noodalpen 30 Grad überschritten. Die sengenden Sonnenstrahlen trocknen das durch die starken Regengüsse der letzten Wochen auf den Feldern angesammelte Wasser aus, was die unangenehme Folge hat, daß zahllose Gelsen die durch .das Wetter ohnehin genug geplagten Menschen noch mehr peinigen. Die Voraussage verheißt ein Anhalten des heißen Schönwetters. Zahlreiche Hi tz schlage in Berlin. Berlin, 19. Juli. Die Temperatur erreichte heute mittags einen Stand von 3 0 Grad Celsius. Die Hitze ist weiter im Zunehmen begriffen. Es sind zahlreiche Hitzschläge vor- Schmerinka wurde seine Abteilung von Petljura-Banken eingeschlossen und dezimiert. Mehrere Inden wurden lebendig begraben, manche auf genagelte Bretter gelegt. Stein selbst schnitt man mit seinem Seitengewehr zwei Finger .der rechten Hand ab und brannte den Körper mit glühendem Eisen. Stein ist also ein lebendiger Beweis für die Taten der Petljura-Banden und mußte deshalb befer t.i g t werde n. Er sollte in den nächsten Tagen nach Antwerpen verreisen und bat den Untersuchungsrichter, ihn so schnell als möglich zu vernehmen. Zwei Ta ge darauf wurde das Attentat ausgeführt. Stein befindet sich außer Gefahr. Er hat eine Kugel im rechten Arm. Rechtsanwalt Torres, .der Verteidiger Schwartzbarths, hat aus eigenem Antrieb die Vertretung der Interessen Ski ns übernommen. Die Magdeburger Affäre. Berlin, 18. Juli. Nach Meldungen aus Magdeburg ist es dem Kommissär Bu ß da rf bisher nicht erlaubt worden, mit Schröder oder mit Haas zu sprechen. Er hofft, daß die Durchsuchung des Schließfaches des Chauffeurs Grosse die Sache um einen Schritt weiter bringen wird. Es kommt jedenfalls nicht alle Tage vor, daß ein armer Chauffeur, der vor kurzem noch postenlos war, bei der Privat- und Kommerzbank ein Schließfach mietet. Eine der Vermutungen, die sich an die Eröffnung des Tresors knüpft, ist die, daß man vielleicht ' dort das Scheckbuch des e rmordeten Helling findet. Schröder redete sich nach seiner Verhaftung, wie es die meisten in-seiner Lage tun, auf einen Unbekannten, aus; er nannte ihn Adolf und gab ihm die Beschreibung, die ans tausend Magdeburger paßt. Es war nun Kriminalkommissar Tenholt, der Schröder den Gedanken suggerierte, das Verschwinden Hellillgs in Verbindung zu bringen mit einer Anzeige wegen. Steuerhinterziehung, die gegen die große und hochangesehene Firma Louis Haas erstattet worden war. Von dem Kriminalkommissär Tenholt, der mit der Stahlhelmorganisation in Verbindung steht, stammte die Idee, .daß Robert Haas wegen dieser Anzeige die Ermordung des Helling angestiftet haben könnte, und diese Idee wurde von dem Verbrecher Schröder anfgegriffen. Das Komplott gegen Haas. K. Berlin, 19. Juli. Zu der Magdeburger Mordaffäre erfährt Ihr Korrespondent: In der Sache handelt es sich tatsächlich lim ein br'c:it angelegtes Komplott, das von ha k e n k re uzl e r i s ch e r Seite ausgeheckt wurde, um Haas zu ruinieren. Ter Fabrikant, der sich im Gefängnis befindet, und sein Schwager Paul Krön, der Zionist ist, gehörten zu den Gründern der Magdeburger Ortsgruppe des Reichsbanners Schwär,z-Rot-Gol). Die Dentschoölkischen sichten schon seit längerer Zeit einen Vorwand, um gegen Haas Vorgehen zu können, und nützten jetzt dje Mordaffäre aus, indem sie sie als eine auf Betreiben des Fabrikanten .Haas ^folgte Nachetat hinstellten. Storni FM. Pmls, 1V. Juli. Ivan v. Justh, der am 6. Juni in Gens den ungarischen Ministerpräsidenten Gtasen Bethlen ohrfeigte, hat den Vorsitzenden der Liga für Menschenrechte, Guernat, gebeten, seine Verteidigung har. hem Schweizer BuOesgeMt zu übernch.men, GuerMt Mt MsMt.' gekommen, von denen aber glücklichertveffe keiner tödlich Verlaufen ist. Rekovdhihe in Nunrünien. AuS Bukarest wird Uns gemeldet: In der Hauptstadt und im ganzen Reiche herrscht eine unbeschreibliche Hitze. Das Thermometer zeigt in Bukarest 34 Wärmegrade im Schatten und 52 Wärmegrade in der Soun.. Ungewöhnliche Hitze ln Schweden. Aus Stockholm wird berichtet: Der di-esjährige Sommer ist in Schweden der heißeste, den man hier jemals beobachtet hat. In B'rsby. wurde mittags eine Temperatur von 3 7 Grad Celsius beobachtet, das ist 17 Grad m ehr als die für diese Jahreszeit normale Mitteltemperatur. Infolge der feit Wochen anhaltenden starken Hitze hat. der Wasser- und E i s v e r b r a u ch nt der schwedischen .Hauptstadt in den letzten Tagen Rekordzifsern erreicht. Sumpffieber in Schlesien. Breslau, 19. Juli. Die riesigen U e b e r» schwemmungen der letzten Wochen haben zu einer Fieberepidemie geführt. In zahlreichen Orten Schlesiens sind H n n d e r t e v o n P e r s o n e n an S u nt p sfieber. erkrankt. Die Krankenhäuser sind überfüllt. Das Fieber tritt so Plötzlich auf, daß die von ihm befallenen Landarbeiter vom Felde weg direkt ins Krankenhaus transportiert werden müssen. Der Erreger der Krankheit konnte bisher noch nicht fcstgcstellt werden. Die in das Epidemiegebiet entsandten Aerzte der Universität Breslau haben festgestellt, daß Typhus unb Malaria nicht in Frage kommen. Vielmehr scheint die Krankheit auf eine Jnsektenart zurückzttgehen, die in riesigen Schwärmen über den durch das Hochwasser hervorgerufenen Versttntpsltngen lagertt. Die Drau aus den Ufern getreten. . Nagy-Kauizsa, 19. Juli. Die Dran hat Samstag nachts die Dämme an mehreren Stellen durchbrochen und die tiefer gelegenen Orte überflutet. Sonntag ist der Fluß um 30 Zentimeter gestiegen. Die Ernte wurde an vielen Stellen vollständig vernichtet. Die Pylenletle der Baronin Fames Rothschild Aus Paris wird uns gemeldet: Die Baronin James Rothschild hatte jüngst bei einer Autofahrt eine Perlenhalskette in einem Wert von eineinhalb Millionen Franken verloren. Sofort wurde ein ganzer Apparat in Bewegung gesetzt, um die Kette aufgusiuden. Poiltzisten und Detektivs durcheilten die Stadt, große Plakate mit genauer Beschreibung der Kette forderten den eventuellen Finder auf, gegen einen beträchtlichen Finder lohn den Schmuck ahzugeibeu. 24 Stunden vergingen ergebnislos. Da meldete sich eine junge Modistin im Palais Rothschild. Sie wurde sofort zur Baronin geführt und übergab ihr die unversehrte Perlenschnur, die die Baronin bei einer Anprobe im Modistensalon verloren hatte. Das glückliche Mädchen, welches die Kette fand, hat 50,000 Franken Finderlohn bekommen. Siebenfacher Mord wegen eines Andels. Aus Moskau wird uns telegraphiert: In einer AnsiMung bei Wlad i Wostok wurde die Familie A n d r e s ch e wski von einem Landstreicher ermordet. Der Mörder hatte den Ehemann,' seine Frau, vier Kinder im Alter von 4 bi? 16 Jahren und einen sechzigjährigen Wächter umgebracht. Die gesamte Beute, die der Täter durch einen siebenfachen Mord erzielte, betrüg einen einzigen Rubel. Mit Hilfe eines Poliyeihunües wurde der Unhold gestellt und dem Gerichte eingeliefert. . Der Unfug der „Hungerwnstler". Ein entlarvter und bestrafter Betrüger. Leipzig, 19. Juli. Bor dem hiesigen Schöffengericht hatte sich honte der Hungerkünstler Harry Nelson alias Neinhold Jlmer aus Berlin, der Ka-usmann Schützenzühel aus Berlin und der Wärter Bernhard Müller wegen B et r u g e s zu verantworten, Nelson war in Leipzig als Hungerkünstler ausgetreten und wollte 45 Tage hungern. Am 32. Tage kam auf, daß der Hungerkünstler durch längere Zeit in der Fxühe B io malz zu sich genommett hatte, das ihm vom Wärter Müller im Einverständnis mit dem Angeklagten Schützenzühel zugosteckt worden war. Bis zu diesem Tage hatten Nelson und Schützenzühel insgesamt Einnahmen von 32,00 0 Mark. Nach Abzug der Unkosten entfielen auf joden 11.000 Mark. Nelson wurde Kt acht Monaten Gofängnis,Sch«tzenzühelzuvierMönäteuGefängn is und Müller zu ei n er Woche Gefängnis verirrteilt. ‘ Der Wein der Kontrollkommlffion. 3000 unverzollte Flaschen in Berlin beschlatznalhmt. Berlin, 19. Juli. Wie die „BoMsche Zeitung" erführt, sind Vor einigen Tagen 3009 Flaschen n nv e vzo l! t e r Weine und Liköre im Keller des Hatlses, in dem sich die Interalliierte Kvntrolllkommission mtd ihre Kantine befindet, beschlagnahmt worden. Die Beschlagnahrne erfolgte durch das Hauptzollamt Charlottenburg. Die unverzollten Waren tvurden mit Lastautos abgeholt und zum Hauptzollamt gebracht, wo sie jetzt noch liegen. Der Leiter der interalliierten KontrollkommWon, General Wa lsh, hat gegen die Beschlagnahme Einspmch erhoben mit der Begründung, daß »bet Wein nur für die Soldaten der KommWov MinMt lei.