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Wiener Morgenzeitung · 1926-07-18 · Heft 2658 (18.7.1926) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2658 (18.7.1926)
Date
1926-07-18
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2668 ffiten, Sonntag Wknet Mor«enMttir«s 18. Juli M6 Ssitö 8 Bölkswirt. Ser Plan der Rentcnfverre. Folgen der Versäumnisse in der ValorisatlonSfrage. Nach längerer Zeit ist uns gestern wieder einmal zu Gemüie geführt worden,, daß tv-ir, vom Generalkommissär befreit und der Finanz- und. Budgetkontrolle ledig, unS darum noch keineswegs einbilden dürfen, unsere Ge schrie selbst bestimmen zu können. Die regierenden Männer' Oesterreichs, die erst vor kurzem einen Beweis wundersamer 'Selbständigkeit und Unerschrockenheit gegeben haben, als sie alle Reserven des Staates zugunsten eines herabgewirtschafteten Instituts opferten, -diese - selben- Männer haben es für notwendig befunden, die-Bevölkerung Oesterreichs daran zu erinnern, daß es eine -Instanz gebe, die mächtiger ist als alles, was in Oesterreich, mit Machtbefugnissen ausgestattet, sich berufen glaubt, den Staat zu dirigieren. Man erfuhr also wieder einmal, daß die Reparationskommission, deren Ansprüche, wie erinnerlich, anläßlich der Etablierung der (allerdings wieder entschwundenen) Finanzkontrolle man auf 20 Jahre zurückgestellt weiß, an uns gewisse Ansprüche' hinsichtlich der Behandlung der Renten titres stellt, Ansprüche, deren Befriedigung dem Staat zwar nicht unmittelbar Geld kosten wird, die sich aber als Eingriff in die finanziell-administrative Gebarung des Staates därstellt. Die Reparationskommission, hieß es, verlangt/ daß gemäß ß 203 des F.viedensvertrages von St.-Germain, der die Frage der üichtsnn-diertew Schulden des alten Oesterreich, zu regeln sucht, die auf dem Boden Oesterreichs vorhandenen Renten in amtliche Verwahrung genommen werden, wie diesin Ungarn geschehen ist. Sechs Jahre nach Abschluß des Friedensvertrages hat sie sich darauf besonnen daß, was das amtliche Oesterreich in der Rentenfrage getan und nicht, getan, völlig unzureichend sei,und.dem Geiste des tz 203. nicht entspreche. Das amtliche Oesterreich hat vor Jahren, Um. das Ausmaß der ihm aus der Uebernahme von Renten erwachsenden Verpflichtungen festzustellen, die hier vorhandenen Rentenbestände ausgenommen, sie mit dem Stempel „Oe." als österreichischen Besitz gekennzeichnet und die Talons abgetrennt und zurückbehalten; fast sechs Jahre nach dieser „gelungenen Operation" hat es im Frühjahr 1926 etwas zur Belebung, des Rentenhandels tun zu müssen geglaubt unddie Renten für den Kulissenverkehr freigegeben. Sonst Ist alles beim alten geblieben, das heißt,, von irgend welchen-Vorbereitungen zur Regelung des Zinsendienstes und von Leistungen an die Rentengl.äubiger hat man weder etwas gehört nochetwas gesehen,' im Gegenteil, jede neue Phase der Belebung des Rerttengeschästes wurde zum Anlaß genommen, um-immer wieder-zu betonen, daß Krone Kron e ist u n d. bl e i b e n w i r d> daß die Renteninhaber nur-Anspruch auf vier Kronen Zinsen pro 100 Kronen Nominale, hätten und von: eurer Valoristerung' — einer Anpassung des Zinsendienstes an die auf das 14AQ0\td entwertete Kronenwährung.— nicht-die Rede sein könne.. Die Rentenbesitzer waren nicht darüber -'im .unklaren, was Hnen die Gegenwart'bieten könne, und vertagten ihre'Ansprüche aus Äe mehr .yder. minder ferne, aber, wie sie hoffen, gerechtere'Zukunft. Wenn die Reparationstommission nun plötzlich das Verlangen gestellt haben sollte, die Renten aus dem Verkehr zu ziehen und in amtliche Verwahrung zu nehmen, so müßte man sich auch damit äbfinden. Sie hat dieses Verlangen-tatsächlich'vorgebracht, im April zum ersten Male und. dann wiederzum.zweiten Male im Juni. Im April und im Juni hat sich aber die Regierung anscheinend nicht viel daraus gemacht und man fragt sich daher, warum sie sich daraus gerade im Juli etwas machen müsse? ' Man - würde den Platts.die Rente zu sperren. (woran nach.unseren- Informationen nicht zu zweifeln ist), noch verstehen/ wenn man die Nachricht von den damals eingegangenen. Noten dev' Reparationskommission brühwarm der Oeffentlichkeit übergeben hätte; man würde ihn vielleicht noch verstehen, wenn die amtlichen Kreise von der Notwendigkeit, sich der Reparätiönskommission zu fügen, die Oeffentlichkeit durch ejne offizielle. Verlautbgrstng verpänöigts hätten. Daß aber der geradlinige Weg nicht eingeschlagen wurde, sondern die Nachricht im, Wege. nichtamtlicher Publikationen lanciert worden sst, das. ist es, was' das stärkste Mißtrauen h.erausfovdrrt. unddie größte Beunruhigung Hervorrufenmußte. Die Oeffentlichkeit vermutet, daß die Fittanzverwaltung, die Noten der Reparätwnskommisfion nur darum jetzt hervörgsholt habe, weil' chr Ne feit der Verlegung'der Renten in die Kulisse, eingetretene. Kursgufwertung dieser-Titres, die sich auf mehrere hundert Prozent beläuft, unbequem geworden ist. An der Kursaufwertung sei aber die Finanzverwaltung selbst schuld, denn sie hätte/voraussehxn müssen, daß die Freigabe des Rentenhandels süx. die Kulisse von der Börsenspekulation als Entgegenkommen an die Valorisierungsan-. Hänger aus gelegt werden würde-. Es gehe aber nicht an, Rentenkäuser und -Händler dafür büßen zu lassen, daß die amtlichen Kreise die Tragweite des' freien Rentenhandels nicht erkannt hatten. Da der Rentenhandel seit dem Frühjahr einen großen Umfang angenommen hat, so würde die, Beschlagnahme der-Titres die Finanzkreise ungemein schädigen und es würden vor. allem die Reporbgläubiger Gefahr laufen, große Verluste zu erleiden, wenn durch denDePytzw-ang plötzlich eine Stockung im Rentengeschäft hervorgevufen werden würde..' v :../ -- " ' ", \. Aus diesem Grunde hat-sich, wie wir erfahren, Samstag vormittags ,; ' ein Vertreter der BörsenlÄmmer in das Finanzministerium begeben, nm bei der zuständigen Stelle Vorstellungen gegen den, neuen Plan zu erheben. Die 'Erklärungen/die ihm dort zuteil geworden, sind, .waren. Möbelfabrik J. Spira ferne WohmjiiÄsefiirioliitün^in Vien m. . i-r rEcke Kari-Schweichoter-Oasse) Feinste Hetrenimderobe nach tteser, ,u inäßtg-nHrNssn m radellüstt Äuefahrung (üuch au» rnpahkuug, Rudolf Goivsteln. Ztöil- und Untfermschnrlber Gegr. 1868 Wien. 2. »er. Laborstraße 84 Tel. 48^.29 lluitu». «nv Iu'jiz Ta vre sowie Barette m SIEGM. 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Je größer der Preis, der für den Jndustriekonzern erzielt werden kann, desto günstiger würde sich die Situation dos Staates gestalten, bezw. desto größer würden seine Chancen sein, die vorgestreckten Beträge refundiert zu erhalten. Unter solchen Umständen kann von einem en-bloc-Bcrkauf der Industrien der Zentralbank nicht die Rede sein, ganz abgesehen davon, daß man es dabei nicht bloß mit Sachen, sondern auch mit Menschen zu tun hat, deren Existenz an die Fortführung der Jndustriennternehmungen der Zentralbank gebunden ist. Auch würde ein günstiger Verkauf der Industrien der Zentralbank die Fortführung des Institutes als Sammelstelle für die Provinzsparkassen naturgemäß erleichtern. Maßgebend für die Bereitstellung staatlicher Mittel zur Flottmachung des Institutes war die Erwägung gewesen, daß die Majorität der Aktien der Zentralbank der deutschen Sparkassen, bei verschiedenen Provinzsparkassen placiert war, so daß der Ruin der Zentralbank und eine Entwertung ihrer Aktien mit dem Ruin der Provinzsparkassen identisch gewesen wäre. Bei dem neuen Plan, die Zentralbank als Sparkasieninstitut aufrecht zu erhalten, handelt es sich nun darum, die Provinzsparkassen, die Aktionäre der Zentralbank sind, vor Verlusten, die sie im Falle der Entwertung der Zenträlbankaktien erleiden müßten, zu bewahren. Es ist nun, wie uns mitgeteilt wird, vorgesehen, daß diese Kategorie von Aktionären im Zuge der Abstoßung des Jndustriekonzerns der Zentralbank die Aktien gegen Obligationen um getauscht werden s o H e n. Die Verwandlung von Aktien in Obligationen stellt in der Finanzgeschichte nichts Ungewöhnliches die Provinzsparkassen ans Gebank anhing, zu befreien. Das alles setzt natürlich voraus, daß es gelingt, Abnehmer für die Industrien der Zentralbank zu finden, die einen guten- Preis bezahlen würden, da aus dem Erlös der Industrien vor allem, die Forderungen des Staates befriedigt werden sollen. Ailleaung bei der Alpinen MoittangeselisMkt. Aus Graz Wird uns gemeldet: Am 19. d. wird das Stahl- und Walzwerk der Alpinen Montangesellschast in Donawitz eingeschränkt und. 300 Arbeiter abgebaut werden. Der nächste Schritt dürfte die Einstellung eines Hochofens sowie des Stahl- und Walzwerksbetriebes sein, so dsß nur noch ein Hochofen im Betrieb verbleiben wird. Da die Erzvorräte der Alpinen Montangesellschaft ziemlich bedeutend , sind, wird auch mit der StiN.egungdes E c zb e r g e s gerechnet. Auch die Förderung in den Kohlenwvrkest Wird eine ziemlich , bedeutende Reduktion erfahren. jedoch befriedigend, so daß von der ursprünglich von der Vor senkammer in Aussicht' genommenen Kundgebung Abstand ^rUd hätte bcn^ißotteif „ UI„ genommeit wurde. Die $tnattjbei^Itutt'g wird voraussichtlich j schäftspartnern in Gläubiger zu verwandeln und sie von dem noch längere Zeit verstreichen lassen, brs sre der Forderung der i spekulativen Charakter, der ihnen als Aktionäre der Zentral- Reparalionskommlsfton entsprechen wird. Sie wird vor allem - » -- - ~ - -• ■ ■ —• -*• .- eine regelrechte Abwicklung der Engagements abwarten, um Erschütterungen des Marktes zu vermeiden. Eine Erfüllung der Forderungen der Reparationskommisiion sei jedoch unvermeidlich, da eine gleichlautende Note an alle N a ti o n al st aa t e n gerichtet worden ist. Da die meisten Nationalstaaten übrigens schon früher den Depotzwang für Renten verfügt haben, wird, eine zwischenstaatliche Erörterung. der Rentenfrage nicht notwendig fein. Im übrigen wirst die Note der. Reparationskommission auch noch anders Fragen auf, die sich auf die SchuLdenregelung beziehen. Wenn auch der in Börfenkveifen geäußerte Verdacht, daß die Regierung sich hinter der Reparationskommisiion verschanzt habe, um eine' Regelung der Balorr-sationsfrage zu umgehen, völlig grundlos ist, so kann man doch unseren maßgebenden .Faktoren den Vorwurf, nicht ersparen, daß sie bis nun dem Valorisationsproblem nicht in positivem Sinne nähevgetreten sind. Die Reparationskommisfton ist, nach Ansich maßgebender Juristen, auf Grund des. § 203 des Friedensvertrages von St.-Germain gar nicht.befugt, Widerstand gegen eine Befriedigung der inländischen Gläubiger zu erheben. Cs ist aber klardaß es im Interesse der Sregerstaäten gelegen ist, dereinst die Reparationsforderungen wieder aufleben zu lassen und' daß ihre Chancen sich uw' so günstiger gestalten müssen/ je weniger der Staat vorher zugunsten der heimischen Gläubiger finanziell belastet worden ist. Di« Gefahr ist sehr groß, 'daß, was der österreichische Staat den eigenen Bürgern versagt, er einst dem Ausland mit Zinsen und Zrnsenzinsen werde leisten müssen. Wer ihm daher den Rat erteilt, sich mit den Rentengläubigern auszugleichen, handelt daher Patriotischer als wer, den Grundsatz „Krone ist Krone" akzeptierend, darauf bedacht, ist, ihm die Valorisationszahlungen zu ersparen. War geschieht mit den Fordernnae« des Staates an die zentral bnnk? Ein neuer Plan zur Rettung der aufgewendeten Gelder. Um dis 60 Millionen Schilling, die der Staat für die' Zentralbank der deutschen- Sparkassen geopfert hat, ist es recht-stille .geworden.. Niemand scheint sich mehr darum zu kümmern, was geschehen soll, um dem Staat, der alle seine Reserven in einem fraglichen Unternehmen gebunden hat, zu seinem Gelds wieder zü verhelfen. Der ursprüngliche Plan, wonach die. Sparkassen gemäß der Höhe der Einlagen Beiträge^ an einen Einlageversicherungssonds leisten sollen, wußte, wie-evinnerlich/ infolge des Widerstandes der Opposition fallen gelassen werden, und so hat aS den Anschein, als ob der Staat in ein aussichtsloser Geschäft sein ®elb gesteckt hätte.. - Wie wir vernehmen, ist aber inzwischen ein anderer Plan aufgetaucht,, dessen Verwirklichung gegeignet ist, dem Staat die aufgewendeten Beiträge zu resundieren. In diesem Plan spielen die Industrien der Zentralbank der deutschen Sparkasien die wichtigste Rolle. Zwar soll der. Zentralbank auch weiterhin der Fortbestand als D ins jüdische Haus | as indische Blaii « Krise di der tschechoslowakischen Glasindustrie. Prag, 17. Juli. Aus Kreisen der Glasindustrie erhalten die Blätter folgende. Mitteilung: In der Haidaer Glasindustrie sind in der letzten Zeit weitere V e t r i e b s e i nschränkungen erfolgt, so daß nur noch mit zehn Oefen, der Hälfte der früheren Produktion, gearbeitet wird. Selbst die noch arbeitenden Betriebe sind nicht voll beschäftigt. Es bestcht keine Hoffnung auf Besserung der Lage, da die Bestellungen bloß für kurze Zeit hinreichen. In der Guß gl a sind ustrie wird gegenwärtig nur noch auf einer Wanne und einetw Oftn in Zp.ckmante-l'und Neusatt «!• gearbeitet während fünf, Wannen sind ein Ofen außer Betrieb stehen. Der Prrvatverkehr. Im gestrigen PrivatveiKehr standen Renten im Zeichen der Meldungen Wer die geplante Sperre, so daß die Taxationen durchweqs beträchtlich niedriger als die Schlußkurse des Freitagverkehres lauteten. Dagegen zeigte sich für Aktien -der Großibanken sowie für Staatsbahn lebhafteres Interesie. Bevorstehende ArbeiteventLasimrg bei der Brünn« Maschft NLvsabtA. AuS P r a g,17. IM wird telegraphiert: Gestern kam eL, wie „EesLo. Slovo" meldet, anläßlich der Berchandlun-gen des GeweraldrvÄtors der Ersten Brunner Mafch^uenfabriz mit den Vertretern der Ackeiterschaft wegen der von dem Generaldirektor geäußerten Absicht, 460 Arbeiter zu entlassen und die Löhne von 10 bis 40 Prozent herabzusetzen, zu einer sofortigen Ar>be i t s« i n st eil u ng der gesamten Arbeiterschaft dieses Unternehmens. Erst den Bemühungen der Vertrauensmänner gelang es, die Avbeiter «wieder zur Arbeitsaufnahme zu bewegen, Die- Frarckenwährungen. In Erwartung der Kammerdebatte in Paris war-die international« Speikulation gestern zurückhaltend, infolgedessen konnte sich der französische Franiven gegen Zürich von 12.28 ouif 12.60 erholen. Brüssel besserte sich von 1-2.15 auf 12J58. Der inzwischen erfolgte Sturz Cs a illa ux dürfte -di« Kontermim« zweisetlos zn neuen Angriffen gegen den Franken ermuntern. , Neubemessnng der BermSgenszuwächSabgabe in der Tschechoflow«ck:i. Prag, 17. Juli. Das ^Prager Tagblait" schreibt: Dieser Tage ist ein« Verordnung erschienen, mit welcher.die Bemessung der Vermögensabgabe von Immobilien in den Gemeinden und eine teilweise Valorisierung der Sätze vorgenommen wird. Die Verordnung enchäilt eine neue Stafsckung, und zwar unterscheidet sie für die Bemesiung d« Abgabe Bewertungen jener Erwerbungen, di« vor dem 1. Jänner 1826, und solchen, die in den Jahren nachher erfolgt sind. 9670

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