Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2656 (16.7.1926)
- Date
- 1926-07-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2658 ly. JIM 1S26 Me«, FresW WHmt MvrgenreNutts SW9 Schicksale, heißt eS. Da- Schicksal dieseneuen Buchemöge «- sein, unsere Nerven zu schonen. T. R. * Plötzlicher Tod. In dsr AHenbergstraße in Meidling ist vor dem Ärbeitslosenamt der 48jährige Hilfsarbeiter Anton C \ c x n \) infolge Herzschlages plötzlich bewußtlos zusammcngesiürzt und noch vor Eintreffen der Rettungsgesellschaft g e* storbcn. Nus der jüdischen Welk * Opfer der Badezeit. Der Manrergehilfe Johann Pavel, der Hutmacher Otto Wohryzka und der Chauffeur Max Titz sind beim Baden ertrunken. * Verfolgungswahn. Mittwoch abends wurde die 17jährige, aus Einöd in Mähren anläßlich des deutschen Turnfestes zugereiste Private Hedwig Paeak anscheinend von Verfolgungswahn befallen und mußte durch die Rettungsgesellschaft auf die erste Unfallstation gebracht werden. * Nach elf Jahren aus der Gefangenschaft heimgekehrt. Aus Ko morn wlrd berichtet: Nach elfjähriger Gefangenschaft >ist dieser Tage der Buchdruckergehilfe Julius V a j d a zurückgekehrt, der 1915 in russische Gefangenschaft geriet und mit et' Kameraden nach Persien geriet, wo sich jetzt ein reicher ungarischer Kaufmann erbarmte und sie auf seine Kosten in die Heimat gelangen ließ. * Ein vermißter Wachebeamter. Der 30jährige Oberwachmann Friedrich L i t f ch a u e r, Stalehnergasse 25, ist seit dem o. d. ans seiner Wohnung abgängig. Er hat anfangs Juli eine Partie auf die Rax unternommen und am 6. d. noch eine Karte vom Otty-Schuhhaüs an seine Braut gesandt, in der er nur mitteilt. daß er m der Schutzhütte weile. Seither fehlt von ihm jede Spur, obwohl er am 7. d." seinen Dienst wieder antreten sollte. * Verhaftung des Steueramtsdirektors aus WolkerSdsrf. Seit etwa drei Wochen ist der Steueramtsdirektor von Wolkers darf, Rudolf Frühstück!, spurlos verschwunden. Es stellte .sich heraus, daß er aus den Steuerkassen 7000 Schilling veruntreut hat und flüchtig geworden -tft. Frühstück! ist gestern in Döbling verhaftet worden. Er hatte ein Fläschchen Lysol bei sich, mit dem er Selbstmord begehen wollte. Er wird dem Landesgericht eingeliesert werden * Die Affäre des Generaldirektors Fried. Wie aus dem -Haag berichtet wird, beschäftigte die Tagung der Vertreter der internationalen Bäckerindustrie in Scheveningen sich eingehend mit dem Wiener Ankerbrotprozeß und beschloß, dem Bundespräsidenten Dr. H »i n i s ch die Bitte zu unter breiten, den Generaldirektor Fried zu begnadigen. * Lebensmittel dürfen nicht in bedrucktes Papier gepackt werden. Die Genossenschaft der nicht protokollierten Handelsleute hat folgenden Aufruf an die Lebensmittelhändler erlassen: „Aus Konsumentenkreisen wurde in letzter Zeit wiederholt an die Marktämter dir Anzeige erstattet, daß Lebensmittel, wie Fleisch, ausgeschnittene Würste, Fett und besonders in der jetzigen Zeit O b st in bedrucktes oder beschriebenes Papier verpackt wird. Die gefertigten Gremien machen daher ihre Mitglieder nochmals aufmerksam, weder bedrucktes, noch beschriebenes Papier zum Ver packen obgenannter Waren zu verwenden, da die Marktamtsorgane von der Marktamtsdirektion den strikten Auftrag erhalten haben, alle FäTe, die die Verwendung der erwähnten unzulässigen Verpackung betreffen, zur Anzeige zu bringen. * Ein neues Waksenhans auf der Hohen Warte. Die Gemeinde Wien hat,-wie bereits berichtet, die Grundflächen der Filmgesellschaft Dreamland auf der Hohen Warte angekauft und wird dort ein großes Schwimm-, Luft- und Sonnenbad errichten. Ferner wird das ehemalige Direktionsgebäude der Filmgesellschaft in ein Waise n'h aus umgewandelt werden, Das Objekt Wird derart umgestältet, daß sechs Schläfsäle, zwei Tagräume und die dazugehörigen Nebenräume zur Unterbringung von fünfzig Waisenknaben geschaffen werden. * Die Hanauer Quarzlampe im Technischen Museum. Die von Berlin als neue technische Erfindung durch die Tagespresse bekanntgegebcne Hanauer Quarzlampe zur Erkennung falscher Banknoten, von Schriftfälschungcn m Urkunden, von Papier- und Oelsorten, ist bereits seit Wochen im Technischen Muieum in der Abteilung Chemie aufgestellt und wird während der Besuchszeiten vorgeführt. Das Museum ist jeden Werktag um 10 Uhr vormittags, außerdem am Mittwoch von 9 bis 12 Uhr, samstag von 1 bis 5 Uhr und Sonntag von 9 bis 1 Uhr vormittags zugäugig. .An allen Werktagen findet um 10 Uhr vormittags eine Führung durch die Sammlungen statt. Außerdem stebt der Lesesaal mit seinen 100 technischen Zeitschriften allen Besuchern frei zur Verfügung. * Das Turnfest des Deutschen Turnerbundes hat gestern Mit einem Fackelzug über die Ringstraße seinen offiziellen Beginn genommen. Einige tausend Turner und Turnerinnen, Frontkämpfer und Hakenkrcuzler in Uniformen beteiligten sich unter klingendem Sp:el an dem Umzug auf der Ringstraße. Auf dem Schwarzenbcraplatz kam es zu unbedeutenden Plänkeleien zwischen 1u g endlichen K o m m u rt t ft c n und Festteilnehmern: die Polizei bereitete den Ausschreitungen bald ein Ende. Dabei wurden einige Verhaftungen vorgenommen. Gegen halb 11 Uhr löste sich der Zug in Ruhe auf und die einzelnen Gruppen marschierten in die äußeren Bezirke ab. * Die Verhaftung des Bela Klemens in Brldapcst. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Unter dem zutreffenden Titel heftet. Sß o I i a c i macht sich schon wieder wichtig veröffentlichten sie die Nachricht, wonach Bela Klemens m Budapest verhaftet wurde, da er sich in Wien hatte Unter- Ichlagungen zuschulden konlmen lassen. Er soll laut derselben i?""eil!lng emcr anarcho-kommunistischen Gruppe, die mich, zu ihre,, Mitgliedern zahlte, und ans Grund eines an Bela Kun gerichteten Briefes wahrscheinlich auch der Moskauer Bewegung angehort haben. Ich,erkläre, daß ich Klemens nicht kenne und dag er memes Wissens in keinerlei Beziehung zur ungarischen reDolutuntarert Bewegung stand. — Ibrahim Köder." * Mittelalter in Czcaled. In der ungarischen Stadt Czeglcd hat die antisemitische Verwaltung ein Gesetz angenommen, dos den Juden die Benützung des öffentlichen Schwimmbades nur an Montagen erlaubt. Dieser Befehl wurde offen am .vor des Magistrats verlautbart. Die ungarlschen Blätter vor- Ilchern, daß das Ministerium für Inneres sich zwar bemüht habe, diese mittelalterliche Verordnung aufzuheben, daß aber die Stadt unter keinen Umständen nachgeben wolle. * Diebstahl an einer Wienerin i« Pisthan. Nach einer :c Iinm der Val!/>>-> di vi'ktwn h» s.*» stq Mitteilung der Polizeidirektion in Preßburg wurden der Wiener Graveursgattm Hedwig Link in Pistyan von unbekannten entern Schmuckstchen ,m Werte von Lo.OOO tschechischen Kronen entwendet. Der Tater ist geflüchtet. ™ * Capablanca zum Kampf um die Weltmeisterschaft bereit. Aus Rciv-Uork w,.d gemeldet:. Der kubanische Weltschachmeister Capablaiica veröffentlicht eine Erklärung zu der von ihm voil Niemzowltsch zngegangeueu Heraus orderuug. Der Weltmeistor erklärt, er sei bereit, den Titel binnen Jahresfrist auf Gr>md der Bestinnnungen über die Weltmeisterschaft zu verjeidigem In diesen sei vorgesehen, daß 10.000 Dollar sichergestellt wurden, wovon, der Inhaber des Titels zunächst 25 Prozent von vornherein erhält, während der Nest derart ausgeteilt werden müsse, daß der Sieger 60 Prozent und der Unterliegende 40 Prozent erhält. Außerdem müßten die Spesen der beiden Spieler vergütet werden. Ser wirtschaftliche Zusammenbruch ver Mische« Bevölkerung in Sfteurova. Das Juliheft des „Weltwirtschaftlichen Archivs" bringt eine größere Abhandlung über die s o z i a l e u it b wirtschaftliche Entwicklung der Ostjuden nach dem Kriege, in der der Verfasser, der bekannte jüdische Nationolökonom Jakob L e st s ch i n s k y, die Wandlungen im Wirtschaftsleben der Juden in Rußland, Polen, Litauen und Lettland skizzierte. Die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen die ostjüdischen Massen ihren Cxisteuzkampf in den Nachkriegsjahren führen müssen, charakterisiert Lestschinsky folgendermaßen: 1. Jn-folge des Staaten- und Bürgerkrieges, der Zerrüttung der Landwirtschaft, des Ausfalles oder Rückganges der Agrarausfuhr ist die Aufnahmefähigkeit der bäuerlichen Massen für städtische Erzeugnisse stark gesunken. 2. Die Zerrüttung der Industrie hat der Nachfrage nach städtischen Erzeugnissen noch mehr Einhalt geboten. 8. Das Steuersystem ist überall zugunsten des Bauerntums abgeändert worden und belastet insbesondere das städtische Elcincnt. 4. Das im Verhältnis zur Vorkriegszeit kulturell und politisch stark vorgeschrittene Bauerntum hat durch ein verzweigtes Genossenschaftswesen eine Art ökonomischen Selbstschutzes aufgebaut. Zirka eine Million Juden lebte vor dem Kriege im Ansiedl, lngsrayon vom Agrarproduktenhandel. Diese Masse wurde infolge der Veränderungen in der osteuropäischen Wirtschaftsstruktur an den Bettelstab gebracht. In ihrem wirtschaftlichen und sozialen Gesundungsprozeß sind die Ostjuden auf Jahrzehnte zurückgeworfen worden. Der Prozentsatz der werktätigen Elemente ist gesunken; der ungesunde Kleinhandel nimmt zu. So oblagen zum Beispiel unter den Juden in Lettland im Jahre 1897 35,4 Prozent dem Handel, im Jahre 1920 schon 50 Prozent, im Jahre 1923 63,6 Prozent. Dagegen ist der Prozentsatz der in der Industrie beschäftigten Juden von 45,2 Prozent im Jahre 1897 auf 32,4 Prozent im Jahre 1920 gesunken. In Litauen waren im Jahre 1897 30,9 Prozent der Juden im Handel, im Jahre 1923 schon 40 Prozent, in der Industrie aber im Jahre 1897 38 Prozent, jetzt nur 33 Prozent. Unter den Juden in Weißrußland sind 60 Prozent Handels- und Luftmenschen, bloß 7 Prozent leben von Lohnarbeit und nur 20 Prozent vom Handwerk. In der Ukraine leben vom Handel 54 Prozent der Juden, von Lohnarbeit 6,3 Prozent, vom Handwerk 18 Prozent. Die jüdische Arbeiterklasse hat überall harte wirtschaftliche Schläge erlitten, die sie dazu gezwungen haben, viele schwer errungene Positionen aufzugeben. Unter den jüdischen Arbeitern in Osteuropa herrscht eine schon konstante Arbeitslosigkeit. 30 Prozent aller jüdischen Schneider in Ukraine und Weißrußland sind monatelang arbeitslos. Die Arbeitergeneration der Vorkriegszeit ist fast völlig verschwunden. Ein großer Teil ist zu Händlern geworden. Sehr traurig ist die Lage des jüdischen Handwerkes. Lestschinsky vergleicht dabei die Ergebnisse der von ihm im Jahre 1914 in Wilna durchgeführten Betriebszählung mit den Ergebnissen der Jointschen Betriebszählung im Jahre 1921 und kommt zum Schluß, daß die Zahl der jüdischen Werktätten in Wilna sich um 32 Prozent, die der Werkstätten mit Lohnarbeitern um 42,3 Prozent, die Zahl der Lohnarbeiter um 63,7 Prozent und die der Lehrlinge um 92,7 Prozent zurückgegangen sind. Auch in den großen Fabriken in Polen machen die irdischen Arbeiter einen viel geringeren Prozentsatz als vor dem Kriege aus. In Sowjetrußland bilden die jüdischen Arbeiter in den großen Fabriken nur einen geringen Prozentsatz. Ein sicherer und rationeller Weg zur Verhütung einer weiteren Degradation und Degeneration der Ostjuden kann nur in der Richtung der wirtschaftlichen und sctzialen Gesundung der Wirtsvölkei? gefunden, werden. Vor allem in der freien Entwicklung der Industrie, de§ Handels und des Verkehres. Jüdischer SchMMum in Amerika. Eine interessante Zusammenfassung der Ergebnisse des Schulstudiums in Amerika und insbesondere der jüdischen Erfolge finden wir im New- Norker „Vorwärts". Die amerikanischen öffentlichen Schulen verläßt jährlich eine «sehr große Zahl von Juden mit bestem Erfolg, ja sogar „summa cum laude". Unter den Ausgezeichneten der allgemeinen Schulen bilden fast durchwegs die Juden die Mehrheit. Es entsteht daher die Frage, was im spätcreu Leben mit all diesen Schülern geschieht, die die Elementar-, bezw. Mittelschule mit solch glänzendem. Erfolg absolviert haben. In Amerika gibt es viele jüdische Talente uiid nur wenige jüdische Genies, große Männer der Wissenschaft. Nur zum geringsten Teil trägt daran der Antisemitismus die Schuld, der den Inden den Weg zu den höheren Stellen an den Universitäten erschwert. Der Antor des Aussatzes, der mit den Verhältnissen gut vertrant ist, meint, daß die Ansicht, den" Juden wäre der Eintritt in die höheren Lehranstalten Amerikas versperrt, übertrieben sei. Im königlichen Preußen waren doch sicherlich die Zustände viel ärger und die Juden hatten dort wirklich keine Möglichkeit, irgend eine wissenschaftliche Stelle zu erhalten und doch sind aus Preußen viele bedeutende jüdische Wissenschaftler und Gelehrte hervorgcgangen. Die Quelle dieses Mißverhältnisses zwischen Anstrengungen und Erfolgen' in der Schule und wissenschaftlichen Leistungen im -äteren Leben liegt wo anders. Zunächst ist es eine allgemeine Leltkranvheit, daß vielfach Leute, die ein Gewerbe lernen sollten, tudieren und manchmal durch Fleiß, Gedächtnis und ein beönderes Talent zu Prüfungen sogar im Schulstudium AuSeichnungen erlangen. In Amerika und unter den Juden scheint diese Krankheit besonders verbreitet zu sein. Im Leben versagen diese „Borzugsschüler" meistens. Der zweite Grund, warum wirklich talentierte Schüler nach Absolvierung der Schule nur in dm seltensten Fällen bei der Wissenschaft bleiben, liegt in der Mentalität des amerikanischen Studenten. Der amerikanische Student sieht im Studium nur den Weg zu einer gutbezahlten Beschäftignng. Das Wissen an sich ist ihm nichts. (Diese Mentalität ist auch in Europa schon längst zu Hanse. — Red.) Wobei jedoch bemerkt werden muß, daß geistige Arbeit in Amerika nicht gut bezahlt wird und zum Beispiel Techniker nur sehr wenig verdienen und geringe Anstellungsmöglichkeilen haben. Der einzige geistige Beruf, den man noch in jüdischen Kreisen für einträglich hält, ist die Medizin. Diese Fakultät ist aber auf allen Universitäten stets überfüllt und es wird hier ein« — peinliche Auslvahl geübt. Hiebei kommt es vielleicht manchmal zu Ungerechtigkeiten gegenüber Juden. (Die aber noch lange nicht die mitteleuropäische,! Zustande in dieser Beziehung erreichen. — Red.) Der praktische Sinn der Amerikaner, meint der Autor, hätte die wahre Bildung behindert. Das europäische Schulstudium geht jetzt zwar ähnliche Wege, ohne aber andererseits die bedeutenden praktischen Erfolge Amerikas zu erreichen. Wir werden seicht, wie unsere Brüder jenseits des Ozeans und trotzdem stehen wir in „Busineß" doch noch weit zurück . . . 2!e Erneuerung der hebräischen Sprache. Aus Jerusalem wird uns gemeldet: Herr Isaak G o l d b e r g hat dem Waad H a l a s ch o n den Betrag von 7000 Pfund zur Verfügung gestellt. Diese Vereinigung hat die philologische Ausgabe, neue Termine und moderne Begriff e i n H e b r ä i s ch zu schassen. Der Vereinigung gehören Vertreter der Zionistischen Organisation, der hebräischen Universität, des Schriststellerverbandes und der Kulturorganisation ver Arbeiterschaft an. Die letztere hat aber vor wenigen Togen ihren Austritt aiigekündigt. Luziattks 88. Geburtstag. Ein Gespräch mit dem Staatsmann. Der berühmte italienische Gelehrte und Staatsmann Luigi L u z z a t t i vollendete in diesen Tagen sein 86. Lebensjahr. Der I. T. A.-Berichterstatter in Rom, der ihn aus diesem Anlaß besuchte, fand den greisen Gelehrten noch ganz rüstig und voller Arbeitslust. Liizzatü bat, ihm über die neuesten Fortschritte in Palästina zu erzählen, da er sich in der letzten Zeit in Gedanken viel mit Palästina und dem jüdischen Nationalheim beschäftigt hat. Luzzatti kam dann aus Rumänien zu sprechen und gab der Meinung Ausdruck, daß unter der Regierung des Generals Averescu sich die Lage der Juden bessern wird. Luzzatti sprach dann von seiner Vergangenheit und wie er unermüdlich für die Emanzipation der Juden in Rumänien gekämpft hat. Er sprach niit großem Bedauern über den Geist der Intoleranz, der in den letzten Jahren in manche Völker gedrungen ist. Ein großes jüdisches Kraukeuhaus in Bukarest. Die bekannte jüdische Poliklinik in B u k a r e st JubireS de oameni (Menschenliebe) wird stark erweitert und zu einem Krankenhaus nach den modernsten Vorschriften der Medizin ausgestaltet. Das Krankenhaus besitzt zwölf Abteilungen, außerdem zahlreiche Spezialkabinette. In den Jahren 1921 bis 1925 waren in der Poliklinik 20.240 Patienten untergebracht, außerdem wurden 48.762 Krankenbesuche erledigt und ebensoviele Medikamente verabfolgt. Unter der Leitung des bekannten Arztes Und Sozialpolitikers L. Gelehrter sind gegenwärtig 26 jüdische Aerzte und Studenten an der Anstalt tätig. Die Ausgestaltung der Poliklinik geschieht u. a. auch mit dem Ziele, jüdischen Aerzten und Medizin Studierenden, die infolge der antisemitischen Strömungen unter der Studenten- und Professorenschaft in ihrer wissenschaftlichen Fortbildung behindert werden, Gelegenheit zu geben, sich an der jüdischen Politik zu vervollkommnen. Die Kosten der Erweiterung werden 20 Millionen Lei betragen. Me Bibel wird in das Afrikandksche übersetzt. In Südafrika wohnt bekanntlich eine große Zahl Buren, die bis vor 20 Jahren noch eine eigene Burenrepublik bildeten. Sie bilden jetzt einen Teil der südafrikanischen Union. Diese Buren sind eigentlich Holländer, die ihr Mutterland verlassen haben, um sich als Kolonisten in Südafrika anzusiedeln. Ihre Sprache ist holländisch. Aber im Lause der Jahre hat sich die Sprache der Buren, die jetzt die a f r i k a n d i s ch e genannt wird, soweit geändert, daß sie ein selbständiges Idiom wurde. Bor kurzem haben nun die Buren den bekannten holländischen Philologen Professor van Geldern eiugeladen, nach Südafrika zu kommen, um dort die B i b e l ins A f r i k a n d i s ch e zu übersetzen. Diese Uebersehung wollen die frommen Buren statt der holländischen benützen, da diese ihnen schon nicht mehr so leicht verständlich ist. Es muß bemerkt werden, daß Afrikandisch > neben Englisch die zweite o s s i z i e l l e Sprache von Südafrika ist. Jubiläum der ersten jüdischen Schule in Deutschland. In diesem Jahre feiert die erste jüdische Schule in Deutschland, die Samson-Schule in Wolfenbüttel, ihr 140. Jubiläum. Der jüdische Bankier Philipp Samson gründete die Schule im Jahre 1786 fiir jüdische arme Kinder. Die Schule nahm eine rasche Entwicklung, bis sie in den Srebzigerjahren in eine Mittelschule umgewandelt wurde. Sie wurde dann eine Realschule und bekam im Jahre 1892 das vollständige OeffentlichkeitSrecht. Aus dieser Schule kam unter vielen anderen auch Emanuel Z u n z, de" Gründer der Wissenschaft des Judentums, hervor.