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Wiener Morgenzeitung · 1926-07-14 · Heft 2654 (14.7.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2654 (14.7.1926)
Date
1926-07-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2654 KM S n 1* Die«, MttMH ggfefäg MsWmzrMUtz ~ r; - ^n. MIM * ArMschr Stenoma-hr«. Nach lange« SttMen U es dem Ingenieur A r i a n in Kairo gelungen, eme auf die Bedürfnisse, >er arabischen Sprache zugeschnittene Kürzschrist zu erfinden, die berufen fein dürfte, in der gesamt«« orientalischen Welt eine große Rolle zu spielen. DaS Gy;tem Arkm, daS auf den phonefischen Elementen der Sprachen anfgebaut ist. ist so abgosaßt. daß man e8 gleichzeitig m Armenischen, Persischen. Georsiischen und Türkischen verwenden kann. Die ägyptische Regierung pat das System offiziell anerkannt und im ParlamenkSbetrW eingeführt _ Bühne und Kunft. Ae Salzburger Fest,viele. Prof. Max Reinhardt hat die endgültige Bsfetzttttg deS im F e ft s p i e l h a u s e zur Aufführung gelangenden MLrchenspieleS „Turandot" wie folgt festgesetzt r Kaiser -« Gustav Waldau;' Turanbot — Helene T h i m i g; Zesima -- Dagny ServaeS; Adelma — Ltli DarvaS; Sktrtna Frieda Richard; Kalaf — Lothar M ü t h e l; Truffalotno -- Max Pallenberg; Pantalone — Richard RomaNoVSky ' Brigella — OSkar H o m o l k o; Tartaglia — HanS Moser Barak — Friedrich Kühne; Jjmael — Herbert Dirrmoser Ttmur — Josef Danegger. Die Ueberfetzung stammt von Karl Vollmoeller. Alfred Polgar steuert die Stegreifimpressionen bei. Die Musik stellen Einar R i l s o n und Dr. Bernhard Baumgartner nach alten Italienischen und französischen Meistern zusammen. Die Choreographie besorgt Heinrich K r ö l l e r. Prof. Dr. Oskar S t r n a d entwirft die Bühnenbilder. Die Erstaufführung erfolgt am 14. August. Vormittags, 11 Uhr, wird UniversitätSprofesfor Dr. R. Arnold t» deutscher und in englischer Sprache über „Turandot" sprechen. Aus den Theater». Burgtheater. Morgen, 7*8 Uhr abends, „I nt w e i ß e n N Ü ß l". Operntbeater. Morgen, 7,6 Uhr abends, „Wiener Walzer" — „D i e Puppenfee"-— „Sonne und Erde". Theater in der Joiefstadt. Heute, 7,8 Uhr abends, Erstaufführung von „D e r I g e l". Schwank von Toni Impekoven und HanS N e i m a n n, im Wiener Lokalton bearbeitet von HanS S a ß m a n u. Bürgertheater. AIS nächste Novität gelangt „DaS R a d i o m ä d e i" von Paul W e t n e r zur Aufführung. Ernst Tollers „Hinkemjann" wird im jüdischen Theater in Lodz Samstag den 17. d. zum ersten Mal« aufqeführt. Die Hauptrolle spielt der berühmte Schauspieler Julius Adler. : , _ Gerichtssaal. Mn Hausbesitzer als Financier einer Einbrecher' baude. Das Urteil. Nach stchstägiger VerhandlungSdaUtt wurde gestern mittags -nter ungeheurem Andrang desPublikumSder Pryzeß gegen die Einbrecherbands zu Ende geführt, die z a h lreiche Diebstähle in Wien und in anderen alpenländischen Städten Verübt hat. Da8 Urteil lautete gegen Josef Lipscha und gegen Johann Diermann aufjefÜnfJahreschwe» ren Kerkers, gegen Leopold Katholntg auf drei Jahre schweren Kerkers, gegen Franz S e v c i k und Robert Katholnig auf je zwei Jahre schweren Kerkers, gegen HanS Schwarzbart auf acht Monate einfachen Kerkers, gegen dessen Sekretär Anton Schifter auf z e h nM onate einfachen Kerkers, gegen Methodius Kafka auf zwei Monate strengen Arrests, welche durch die Untersuchungshaft verbüßt erscheinen. Bei Josef P u d i l, der gegenwärtig eine sechsjährige Kerkerstrafe zu verbüßen hat, wurde mit Rücksicht darauf von einer weiteren Zusatzstrafe abgesehen. Den Verurteilten wird die Untersuchungshaft eingerechnet. Hans Schwarzüart meldete gegen dar Urteil die Nichtigkeitsbeschwerde an. Seinem Sekretär Anton Schifter wurde mit Rücksicht auf sein neugeborenes Kind ein Strafaufschub von drei Monaten bewilligt. Josef L i p s ch a hielt sich B e d e n k z v i t offen. Beim Abführen sagte L l p s ch a: „Jetzt mach' ich die Wiederaufnahme und dann müssen >ie anderen auch fünf Jahr' kriegen. Jetzt werd' ich erst aufdecken!" Svler der Frauksspelulntion. Der Bankgefchäftsinhaber Cu,gen Theodor Hermanhi- Herzmann halte sich gestern vor einem SckMensenat unter Vorsitz des Oberlandesgerichtsrates Hellmer ivegen Vergehens der fahr! affigen Krida und Verbrechens der Veruntreuung zu veranworten. Hermayyi^Herzntanu betrieb in Wien seit Jänner 1921 ein BaiMommlssionsgeschäft, das sich hauptsächlich mit. Spekulativnstransaktioiuit von Komittellten befaßte. Da die Äommittonten die für ihre Rech» nnng flcfauftcu Effekten nur zu? e i n ein geringen Teil bezahlte»^ mußte das Bankgvschä'st die Äevdmiltol durch Alffilahme von Tag-- geldern austbringen. Dieses System führte nach dem Börsenkrach Ende 19LÜ dazu, daß die Koenmittentenkonti stark ins Verschulden gerieten und für die Taggelder keine entsprechende Deckung, vorhanden war. Allstatt nun die KomnMentellefMm noch rechtzeitig zu vertauseil, unt wenigstens einen Teil der Schulden abzudecken, begnügte sich Hermanyi-Herzmann mit der bloßen Aufforderung zur Leistung voll Nachschüssen, dev jedoch in keinent Fall entsprochell wurve. Schließlich brach das Bankhaus zusammen, denn die Kommittenten zahlten ihre Schulden teils wegen Bermögenslostgtelt nicht, zum Teil machten sie die Einwendung von Spiel und Wette. .Hermanyi-Herzmann führte auch etfjeue Efsektonspekulattonen durch; Ende 1923 erreicht«. , sein EffMsnstand die Höht von 18# MilliaBe«. Dusch den Tendenz- Umschwung an der Börse nach der mißglückten Francspekulation erlitt er auch an diefen eigenen Spvkulatioüen beträchtliche Verluste. Gegen Ende des Jahres 1RS betrieb das Bankhaus Hermanyi-Hevzmann das Geschäft ausschließlich mit fremden Mitteln. Zur Beschaffung der Taggelder verpfändete Hermanyi-Herzmann von allem Anfang an die in Verwahrung des Bankhauses befindlichen Effekten. Hiebei machte er keinen Unterschied zwischen voll auSbezahlten Effekton, welche Eigentum der betreffenden Kommittenten waren, und belehnten Effekten. Darin, daß er ausschließlich die voll ausbezahlten Effekten der Kommittenten nicht ausfolgen konnte, erblickt die Staatsanwaltschaft den Tatbestand der Veruntreuung. Die Anklage führt den Zusammenbruch deS Bankhauses zum Teil auch auf den übermäßigen Aufwand zurück, den Hermanyi-Herzmann von allem Anfang an urib auch in den kritischen Zeiten getrieben hat. Zur Bestreitung eines großen Haushaltes, großen Vergnügungsreisen in den teuersten Orten der französischen Riviera hatte er große Summen dem Geschäfte entnommen, so im Jahre 1922 366 Millionen, im Jahre 1928 2880 Millionen. Da 'das Jahr 1923 mit einem Verlust von einer Milliarde endete, so kommt die Anklage auf den Schluß, daß Hermanyi-Herzmann die Verluste dieser beiden Jahre durch eine mäßige Einschränkung seines Haushaltes hätte beseitigen können, auch die großen Spielverluste in den Dpielkasinoz der Riviera bekamen die Kunden und das Geschäft zu spüren. Der Angeklagte verantwortete sich damit, daß er ein O p f d r des Währungsverfalles in Oesterreich wurde. Cr kam Ende 1981 mit einem Vermögen von einer Million Dolla* nach Wien und hat dieses Vermögen fas! gänzlich eingebüßt. An cmcr e'nzrgen groß angelegten Transaktion — er hat für englische Pfund Krupp-Aktien in großen Posten auf- ..lautst — verlor er ungefähr 20 Milliarden, lieber die zeitweiligen Schwierigkeiten half Ihm immer die Budapester Schwesterunternehmung, die Firma Bertold Hermanyi-Herzmann hinweg. Schließlich gab der Angeklagte an, daß er sein ganzes Privatvermögen zur Befriedigung der Gläubiger heranzuzichcn gewillt sei, doch können gerade die wertvollsten Vernrögenstesie — Grundstücke in Ungarn — infolge der derzeit hrrrscherckrn Depression tvdder verkauft, noch belehnt werden. Die BerhaMung »vurde in den MrchmittaMunden abgebrochen und wird heute fortgesetzt. Eigenartige EhwnbeleidiMiliaskla-e aeaen einen Richter. Die Geschichte des Herrn Abraham Pietuch wird vielwicht noch >iN Erinnerung sein. Herr Pietuch. Schr i ftsteller und Erfinder, hatte sich im Jahre 1984 gleichzeitig um drei von der Gemeinde Wien ausgeschrieben- Preise für hie' besten Schöpfungen der bdldenden Kirnst, für Musik und Litekatnr beworben. Er war von der Ansicht durchdrungen, daß ihnt auch sämtliche Preise gebühren. Ta er keinen der Presse erhielt, hatte er gegen die Gemeinde Wien einen Zivilprozeß Ms Zahlung eines Betrages von 4660 S. und Ansfolguna der drei Preise e'rhsben. Me Klage wurde Heuer abgewiesen und Pietuch brachte nachträglich gegen den Vorsitzenden O b e r l a n d e s g c r i ch t 3 r a t Dr. St ar k eine Ehrenbel e id ig ungs'tilageein, in welcher er behauptet, daß der Richter ihn durch' ztvei im Verlaufe der Zivilvechandlung gemachte Bemerkungen dem öffentlichen Spotte ausgesetzt habe. Gestern würbe über diese Angelegenheit beim S-trg>>'bezrrksaericht 1 (Obcrlandesgerichtsrat Doktor Fuchsig) verhandelt. Pietuch wollig anssühren. daß schon die Mweisung feiner Zivilklage eine Verspottung enthalte. Mehrere Zangen, darunter auch der Vertreter Pietnchs im seinerzEitigen Zwilprozeß, gaben an. daß Oberlandesgerich'.tzrat Doktor Stavk die Verhandli.ng in besonders konzilianter Weise geleitet unb gegenüber denk Kläger große Geduld an den Tag gelegt habe. Der Richter lehnte alle Bewcisanträge Pietnchs. darunter die Vorladung des Bürgermeisters Seitz und des Stadtrates Professor Dr. Tandler als unerheblich ab und forderte den Kläger ans, feinen Schlirßantrag zu stellen. Der Kläger nahm arrs seiner Tasche eine kleine Wachsfigur hervor, veröde Arme und Füße fehlten und deren Körper auch sonst verstümmelt war. stellte die >Figur auf den Gerichtstisch und betonte mit erhobener Summe: ,^m Interesse dieses Un alückl I chc n beantrage ich. die Bestrafung des Angeklagten." (Große Heiterkeit und Bewegung im Auditorium.) Der Richter sprach den Angelklagten von der Uebertretung der Chrenbeleidigung frei und führte aus, daß es sich im konkreten Falle um eine mutwillige Eh r e n b ele i d i g u n g s k la.ge gchandelt habe. Pietuch erklärte, daß er gegen den Fre'i'spruch 'die Berufung und die Ni cht i g<k ei t s befchwerd e anmejde. < > Beleidigung der deutschen Republik. Vom Schwurgericht in Freiburg wurde der 25 Jahre alte Lehramtsassessor Wichelm K i r ch m ü l l e r zu 200 Mark GeWrafe verurteilt, weil er in einer Rede bei einer Verfassungsifeier gesagt hatte, die RepMÄ sei nicht vom deutschen Volk, sondern von den Juden errichtet worden. Dis Unterzeichneten geben schmerzerfullt allen Freunden und Bekannten Nachricht von dem Ableben ihres Sohnes, Bruders und Schwagers, des Herrn j. u. Dr. Max Rosenberg Redakteur > der „Wiener Morgenzeüuag" Deridttertiatter, des „Hamburger Fremdenblafl", der „Frankfurter Zeitung* der „Baseler Nafional-Zeifang" und des „Fester Lloyd" der nach kurzem, schwerem Leiden, knapp vor Vollendung seines £Ö, Lebensjahres, Dienstag abends verschieden ist. GzernoWitZ, Wien, am 14. Juli 1926. Isaak und Amalie Rosenberg als Eltern Frieda Peschka, Rosa Rosenberg, Jetii Mark, Br. Jakob Rosenberg als Geschwister Hans Pesdtka, Bernhard Mark als Schwäger Um stilles Beileid wird gebeten! Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, von dem gestern abends erfolgten Ableben unseres Kollegen j. u. Dr. Max Rosenberg Kenntnis zu geben. Br war uns ein treuer Freund und Mitkämpfer, ein unermüdlicher Berater, ein pflichtgetreuer Kollege, von dem wir in tiefer Trauer Abschied nehmen. Wir werden ihm stets ein dankbares Andenken bewahren. Wien, am 14, Juli 1926, Die Verwaltung und die Redaktion der „Wiener Morgenzeitung " Ä

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