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Wiener Morgenzeitung · 1926-07-11 · Heft 2651 (11.7.1926) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2651 (11.7.1926)
Date
1926-07-11
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Rr. SM Me«, Sonnldg Wiener Morftenzettü««» 11. Juli 1926 A/löbelfabrik J. Spira Peine WlM, NI. IIMMMI |—2- Wohnungseinrichtungen (EckeKarl-Schweighoter-üasse) Mary Fisch II. Abraham Singer Cand. jur., VIII. Verlobte Wien, Thamus 5686 lieft herzlichst seinem Ausschussmitgliede Fiäulein Mary Fisch anlässlich ihrer Verlobung mit Herrn Abraham Singer Anlässlich der Verlobung meines lieben Bruders, Herrn Leser Müller (Joslo) mit Fräulein Toni Helsingcr (Lancuf) gratuliere ich herzlichst und wünsche 21k2 Oskar Müller, Paris Die Lese- und Rcdchalle jüdischer Hochschüler in Wien gratuliert herzlichst ihrem Vizepräses Bb. Abinhom Singer anlässlich seiner Verlobung mit Fräulein Mary Fisch -KUNSTMÖBELFABRIK- Joh. GRÜNWALD5 WSS i., Fleischmarkt 17 I., Weihburggasse 11 Wohnungen, Cieschäfislofrale, Cnlfcs, Kinos, Theater, nach eigenen Kniwürfen. Stets ( ross «s. assortiertes Lager 520 Feinste Herrevgarderobe nach Maß liefert ,u milsiigr» Prelle» in tadelloser AuSsühru»^ tauch altf TeilMlitug i Nuvotf Golvftein. Zivil- und Uniformschneider Gegr. 1666 Wien, 2. Bez.. Laüorstraße 54 Tel. 45-6-29 Kultus- und ZufLiz'Taiare sowie Barette 135 IWWMZ SIEQH. KORNHEHL GROSSFLEISCHHAUEREt Zentrale: IX., Berggasse Nr. 19, Tel. 17-3-99 u. 16*9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilung für 1CT-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der isr. Kultusgemeinde Wien IX., Berggasse 15 / XVIIL, Wahringerstr. 97 Bühne nud Kunst. ,8as6 Elektrik." (Nolarrdbühne.) Er endet mit Lues, sie durch eine primitive Messerstecherei. Schließlich läßt Felix F i s ch e r, sexuelle Aufklärung vortragen. Nach 21 augcdcutcten Szenen „realistischer" Konflikte (d. h. dialogisierte Polizeiberichte, Kopien der Straße). Nach einer Fabel, die weder interessant noch spannend ist. Die sexuelle Belehrung ist auch sehr primitiv und erschöpft sich in der Weisheit: Wer fiel; einläßt, kann's bekommen. Die meisten im Publikum haben es wahrscheinlich schon vor den 21 Verwandlungen gewußt. Gespielt wurde flott und intelligent. Karl M i k s ch drückt seinen! Wahnsinnigen den Stempel der Glaubwürdigkeit ans. Ausgezeichnet Hella Berg als bedenkenlose „Gefallene". Rnth Beckmeister, eine gute Sprecherin, versteht durch ihr Spiel zu gewinnen, obwohl sie „nur" eine opferbereite Anständige zu sein hat. Fritz R a i m u n d, der jüngst berühmte Verbrecher-Entdecker, ist auch hier ein strenger Detektiv. Aber and) alle anderen am langen Theaterzettel, (darunter Gustav Tellhcim, Hans Winter b c r g und August W o k a n n) spielten die populären Eharaltcrthpen verdienstlich. Es kam ja nur darauf an, geschickt anzndeuten. ,l. th. Die Glatze und der Bubilop). (Nenaissancebilhne.) Bliebe von diesem Sommerstück, verfaßt von Lajos Luria, nichts als der Titel, so wäre es sehr anrüsant. Aber eS folgen noch drei Akte, und die sind es nicht im entferntesten. Josef Jarno ist der rühmliche Entdecker schauspielerischer Begabungen, insbesondere weiblicher. Die Ausnahme bestätigt die Regel. Fräulein Jda Meixner ist die Ausnahme. Ein zweiter amwBmanEnaHMM WUW npäiffi MAMI iMMÜMii] MZU WMMMW MUU MW» mmmaM Die Welttonserenz des „liberalen Judentum»". (Gestern begann in London die erste Weltkonferenz des liberalen Judentums. Für die Tagung sind drei Tage bestimmt. Unter liberalem Judentum ist hier nicht jener Teil des Judentums zu verstehen, der im politischen Sinne liberal orientiert ist, sondern jene Richtung, die sich ihrem Wesen entsprechender „Refornijndeutnm" nannte und, von Mendelssohn ausgehend, in Amerika unter Führung Jonah I. Wises zu größerer Bedeutung gelangt ist. Splitter von geringerer Bedeutung finden sich auch in anderen Ländern. Stärker ist das Reformjudentnm noch in Deutschland, nicht an Zahl, aber an Willen, eine einflußreiche Rolle zu spielen. Das Resormjundentum oder, wie cs sich jetzt nennt, das liberale Judentum hat sich, besonders dort, wo es bis zur äußersten Konsequenz getrieben wurde, nicht als ein Weg im Judentum, sondern als Abweg vom Judentum erwiesen. Die Folge war die Notwendigkeit einer Rückreform des Neformjndentums. Da es sid) den Anhängern des liberalen Judentums hauptsächlich um Reformen religiöser Natur handelt, herrscht naturgemäß über das Ausmaß und das Ziel solcher Reformen im liberalen Lager selbst die weitestgehende Meinungsverschiedenheit, die während der Londoner Tagung sicherlich zum Ausdruck kommen wird. Wichtige Fragen im Widerstreit der Ansichten innerhalb des Nesormjndentnms bildeten die Z i o n sbe zi ehn n g e n in der synagogcilen Liturgie und das Ausmaß des Gebrauches der hebräischen Gebete. Die Ausmerzung aller der Sehnsucht nach Zion gewidmeten Gvbetsrollen und die fast völlige Ausschaltung des Hebräischen ans der Synagoge waren die ersten Schritte der Resornr. Seitdem hat das Resormjundentum tiefgehende Wandlungen durchgemacht. Seine angesehensten Führer in Amerika, wie Stephen S. W i s e, haben sich dem Zionismus angeschlossen und gehören zu seinen eifrigsten Propagatoren und den überzeugtesten Verfechtern der hebräischen Sprache im privaten und öffentlichen Leben der jüdischen Gemeinschaft. Auch in Frankreich regt sick) bereits der Wille zur Rückkehr zum positiven Judentum. In Engl and steht Claude M o n t e f i o r e fast ganz allein, trotzend mit seinem negativen Resormjundentum, umbraust vom Unwillen selbst jener, die dem Schlagwort der jüdischen Reformation bisher gefolgt tvaren. Auch inOesterrei ch hat es vor dem Kriege einen kleinen Kreis gegeben, der unter Führung Maximilian Paul-Schiffs einer jüdischen Reformgemeinde die gesetzliche Anerkennung erzwingen wollte. Der zähe Widerstand des damaligen Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, und dann der Ausbruch drs Krieges haben diesen Bemühungen ein Ende bereitet, ehe sie greifbare Erfolge anfznweisen vermochten. Wie die Stimmung in den reformjüdischen Kreisen Deutschlands ist. wo die Reform in den ersten Jahren am weitesten von der Tradition abgcwichen tvar, geht am deutlichsten aus ihrer Begrüßungsadresse an die Londoner Konferenz hervor. Es heißt hier unter anderem: „Wir erwarten von dieser Versammlung die Verkündigung einer wohlerwogenen Plattform, des gesamten liberalen Judentums, ein Bekenntnis vor allein zu der unvergänglichen Sendung des Judentums, das die göttliche Bestimmung und die heilige Aufgabe Israels inmitten der Völker der Erde mit prophetischem Geiste erfassen und damit die Gleichgültigen unter uns aufrütteln, die' Kalten erwärmen und die Entfremdeten zurückführen soll zu der religiösen Heimat. 5 In einer Zeit, in der n ene Menschen und neue Gedanken und Forderungen überall, an die Türen pochen, geben wir uns der Zuversicht bin, das Ohr dieser Versammlung geöffnet zu wissen dem religiösen Sehnen und Verlangen der Mischen Gegenwart, die den Ruf der Jugend nicht uberhört, aber auch die Ewigkeitsfordernngen des Judentums, die Treue und den Gehorsam zu dem Vermächtnis der Väter zu bewahren gewillt ist, um so dem Judentum einen Weg ans der Zerrissenheit der Gegenwart in eine sichere Zukunft zn verbürgen." Paul Marburg — Ehrendoktor der Heidelberger UniverWt. K- Berlin, 10. Juli. Die staatswissenschaftliche KommUion der Universität Heidelberg hat den Bankier Paul Marburg in New-Uork zum DBtor der Staatswissenschaften ehrenhalber ernannt „in Würdigung seiner Verdienste, um den Ausbau des Bankwesens und oes allgemeinen Wirtschaftslebens". Der P. E. N.-Aub bildet keine Wische Sektion. Ans London wird uns gemeldet: Der jüdische Schriftsteller Leo König hat an den P. E. N.-Klnib, die bekannte internationale Schriftstellergenossenschaft, ein Schreiben gerichtet, in welchem er die Errichtung einer b e s o n d e r c n j ü d i s ch e n Sektion verlangt. Der Klub hat ihm geantwortet, daß er die Frage durch eine Kommission habe prüfen lassen, die ihren Bericht dem Kongreß, der im Jahre 19 2 7 in Brüssel stattfinden wird, vorlegen werde. Doch erkläre die Kommission schön jetzt, daß sie die Frage nicht entscheiden könne wegen der Haltung der polnischen Kollegen, die gegen eine eigene jüdische Sektion sich ausgesprochen haben. Wenn die Inden sick) mit ihren polnische» Kollegen nicht verständigen, so könne eine eigene jüdische Sektion n i ch t b e g r ü n d e t werden. Professor Lasarsohn, der bekannte rr.Mche Gelehrte, ist, wie uns aus Riga gemeldet wird, zum Ehrenbürger von Prel in Litauen ernannt worden. Der jüdische Beirat in Kotvno hat beschlossen, einen eigenen Fonds zur Unterstützung des Budgets der jüdischen Sejmsr/ktion zn bilden. - Werbet Abonnenten für die tz; „Wiener Morgenzeitung"! Gast, der Komiker Heinrich Verden, ist tüchtig und routiniert, manchmal auch wirklich komisch. Voll Verdienst die Herren üj> negg, Reinhardt und Triembacher. A Richard Beer-Hofmann wird heule 60 Jahre alt. Die Vornehmheit des Mannes, daß große Verantwortungsgefühl des Dichters verpflichten uns. Er hat an seinem Ehrentage Anspruch darauf, nicht mit Kundgebungen bedrängt zu werden, die er — in seiner Menschenfreundlichkeit nur darauf bedacht, die Gratulanten in ihrem löblichen Vorhaben nicht zu behindern — bereitwilligst entgegennähme, gütig verbergend, daß sie ihn verletzen. Er hat doppelt Anspruch darauf, von allen, die das Jndentnm lieben, nicht mit Fcstartikeln, Lobpreisungen und „Würdigungen" bedrängt zu werden. Nur ein Wort des Dankes, daß die jüdische Gegenwart diesen hat, der den uralten jüdischen Adel in. seinem Blute erbte und in seinem schöpferischen Werke bewährt.'" Als die Habima während ihres Wiener Gastspiels zum ersten Male vor dem Dichter „Jaakobs Traum" aufgeführt hatte, versanimelten sich die Darsteller auf der Bühne und begrüßten ihn begeistert. Am zweiten Abend, bei der Reprise, erkannte ihn das Publikum in der Loge. Er hatte schon das Theater verlassen und mußte zurückgeholt werden, die stürmischen Ovationen der Theaterbesucher entgegenzunehmen. So wurde — einmal durch die neuen jüdischen Künstler, das anderemal durch das jüdische Volk — spontan und herzinnig der jüdische Dichter begrüßt. Es war die schönste Vorfeier seines 60. Geburtstages, und sie war, so glauben wir, dem Gefeierten willkommen. Uns selbst in der Freude an diesem köstlichc-r Besitz der jüdischen Moderne zu bestärken, und in der Hoffnung auf das weitere Schaffen Richard Beer-Hofmanns, wiederholen wir einige Verse aus „Jaakobs Traum", Jaakobs Gebet in der Schlukszene: „Herr! Was Dein Wille mir auch auferlege. . Wie Krone will ich's tragen — n i ch t wie Joch 1 Hast Du mein Biut erwählt zur Feueifackel, Die ob den Wogen aller Völker flammt... Laß Deiner heiligen WahlHerr — nie der. essen, Was fern und spät noch meinem Blut entstammt! — Doch wenn sie es vergessen — müde sinken Am Weg — laß sie in Kleinmut nicht vergehen, Herr — rufe, rufe — und aus meinem Blute Wird immer wieder einer dann erstehen. Anfachen das, was — Herr — von Dir entzündet — Heilige Glut — noch unter Trümmern fchwält. Und ihnen sagen — (mit geballte» Brauen, gebietend und drohend) tagen — sagen.. Wozu sie Gott — in alle Zeit — erwählt. Kraft seihe — Herr — dann seinen armen Lippen! Von Deiner Herrlichkeit, die mir erschien. Wirf einen Strahl, Herr, auf sein Wort — nur e t n e n.. Herr — tn'S um D e i n e t w i l l e n — n i ch t um ihn! e Tagore spricht zur Jugend. Rabindranath Tagore ist in Wien eingetroffen, um köuts menden Mittwoch den 14. Juli, abends 8 Uhr, im Großen Konzerthanssaale seinen Vortrag zn halten. Karten zum Preiseavon 1, 2 und 8 Schilling in der Hellerschen Buchhandlung (Bukmr A.-G.), 1. Bez., Bauernmarkt 3. Aus den Theatern. Burgtheater. Morgen, V»8 Uhr abends, „© i j» S o m m e r nach t 8 t r auin". 7 O p e r n r d e a r e r. Morgen. Va8 Uhr abends, Ballette r „DiePrinzesstnvon T.r a g a n t", „B a 1 c o s t u m 6" und „DteJahreSzettenderLiebe". Deutsches B o lk 8 th eater. Mittwoch findet die erste Aufführung deS neu einstudierten Schauspieles „Die Brüder von St. Bernhard" von Anton Ohorn statt. Theater in der Joiefstadt. Mittwoch gelangt als erste Premiere der Sommerspielzeit der Schwank „D e r I g e l" von Toni Impekoven und HanS Netmann zur Erstaufführung. Modernes Theater. Ab Montag gelangt täglich „Noshivara" (Das Haus der Laster) zur Aufführung. Burggarten-Bühne. Montag: Tanzgruppe Grete Groß. Dienstagt Symvhoniekonzert. Mittwoch: „Tannbäuser"-Parodie. Donnerstag 1 Bunter Aben d. Freitag r Richard-Wagner-Abend. Samstag r S ch n b e r t - S t r a u ß - A b e n d, Sonntag r „Der Bajazzo" — „C a v ä 11 e r i a r u s t i c a n a". Gegen den Revuewahn wandte sich gestern das Publiikum der Berliner V oilksbüh ne. In der Vorstellung der Revue „Darüber läßt sich reden" schrien während eines Charlestontanzes die Zuschauer plötzlich: „Wir wollen Shakespeare und keinen Charleston!" Die Vorstellung mußte unterbrochen werden. Die Demonstration hatte keine politische Tendenz, sondern richtete sich nur dagegen, daß in der Volksbühne, die ja für ernste Kunst geschaffen wurde, Revuen gespielt werden. Das Apollotheater wird wieder eröffnet. Direktor Viktor Eckhardt hat mit dem Ben Tiberschen Erben einen mehrjährigen Vertrag abgeschloffen. Er wird das Apollotheater seiner ursprünglichen Bestimmung als Barietetheater zu-führen und 'am 31. Juli eröffnen. Rudyard Kipling' wurde von der Londoner Royal Societe öf Literature in Anerkennung seiner Literatnrverdienste die Goldmedaille dieser Gesellschaft verliehen. Eine. Thoma-Fiilschmig von Thoma signiert. Eine Firma stl Berlin hatte Ende März vom Kunsthändler Findel in Leipzig ein Qelgemälde als..„Äsoma" für 4000 Mark gekauft. Es stellte sich jedoch heraus, daß es nur eine von fremder Hand m Oel übermalte Lithographie war, die von Thoma signiert worden ist, angeblich, um seinem Freunde, dem Medizinalrat R. einen Gefallen zu erweisen. Die Käuferin macht Schadenersatzansprüche wegen Fehlens einer zugesicherten Eigenschaft und aus dem Gesichtspunkte der arglistigen Täuschung geltend. Die Beklagte bestreitet, eine Zusicherung der Echtheit angegeben zu haben. Die von der Klägerin gegen dieses Urteil beim Reichsgericht eingelegte Revision ist ohne Erfolg geblieben und vom Zweiten Zivilsenat des Reichsgerichtes zurückgewiesen Wörden.

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