Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2651 (11.7.1926)
- Date
- 1926-07-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Ukraine 3× ep/1001131
- Odesa 1× ep/1000834
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0ir. 265. »if, Sonntag Mene? MorAenzeitung ii. gritTi 1026 Sette 7 Aavincttsrat das Erschießen Angells gcsordart hat, Pelljnra verweigerte jedoch den Vollzug." ..Wissen Sie von der Behauptung ukrainischer Führer, daß Samosfenko, der Held von PrvSkuww, Äuf Peil ja ras Befehl erschossen worden sei?" „Das ist nicht Svahr. Sanwsienko ist nach dem Schlachten in Prosknrcw nicht einmal verhaftet worden. Der Bürgermeistor von Pwskurow, der Sozialdemokrat Wercholo, bat acht Tage nach 'iNent Pogrom Pctljura, der M jener Zeit sich in Proskurow anfhielt, daß er Samosfenko beseitige. Petljura wollte jedoch diesem Ansuchen nicht nachgeben. Und dies zu einer Zeit, als die Gefahr eines zweiten Schlachtens über den Inden schwebte. Der Vorsitzende dor jüdischen Gemeinde, Dr. L i ßne r, hoffte, daß Petljura in diesem Moment die furchtbar wilden Hajdamaken bcelnfkrssen werde, die auch den Namen trugen: Saporoschjcr Pctljura-Brigade. Samosfenko ist spater ivohl voihaftet worden, jedoch wegen Gesdnnterschlagrmgerr in der Armee selbst. Er war in Kamenetz eingesperrt, imnfec aber später auf freien Fnß gesetzt, Interessant ist folgende Geschichte: Im Zuchihaus von Kamenetz saß zusammen mit Samosfenko ein jüdischer junger Mann Chomski, ein Mitglied des jüdischen Selbstschutzes, der von den Ukrainern zürn Tode verurteilt worden war. Es gelaug ihm jedoch, seine Unschuld zu beweisen. Vor einigen Jahren vmössentlichtc er seine Erinnerungen, in denen er mitteilt, daß ihm Sanwsienko während eines Gesprächs über den Pygrom von Proskurow sagte: „Warum bin ich schuldig? Bin ich denn der einzige? Hätte man das nicht wollen, so hätte man das doch sagen können!" Man nimmt an, daß Samosfenko später unter dem Namen Doroschenko eine Bande geführt habe." „lind was denken Sie über die BGauPtnng der Ukrainer, daß Petljura nichts tun konnte, daß er selbst ohnmächtig war?" „Erstens ist das keine Entschuldigung, Zweitens ist es nicht wahr. Uns sind Falle bekannt, wo man Exzessen vorbcugtc, weil man sie wirklich nicht wollte. Ko wen ko zum Beispiel gab im Jahre 1919 in Winnitza an Rewntzki das Versprechen ab, daß Pogrome nicht mehr stattfinden, und ließ wirklich keine Pogrome inehr zu. Ter ukrainische Kriegs- Minister Schi roten ko und dar Ataman Melnik drohten für den Fall eines Pogroms mit Erschießen, und es wirkte! Auch Petljura erließ, besonders in der Kamenetz-Podvlsker Periode, ein paar Aufrufe, um die Massen zu beruhigen, Form und Anhalt seiner Aufrufe sind aber immer derart, daß sie leine "Wirkung ausüben. Im Gegenteil, sie schädigten voll). Sie konnten nicht Sätze unterdrücken, wie zum Beispiel: „D i e Juden müssen selbst zu sehen, daß sie ihre Bolschewiken bekämpfen" nstv. Eine starke .Hand M Unterdrückung der Pogrome war bei Petljnra niemals zu merken." . ' - „Wen wird das Gericht als Zeugen vornehmen müssen?" ,Kufjer den autoritären jüdischen Zeugen auch Franzosen und Ukrainer. Ter Propaganda chef der Ukrainer, 'Herr Nasar u k, erzählt zum Beispiel in feinrm Buche „Ein Jahr in der großen Ukraine" das folgende über die Delegation, die Petljura nach Odessa entsandte, nm Hilfe von d'^n Franzosen zn bitten. Ter Delegation.war auch Ostapc nko'beigcordnet, der später Petljnras Premierminister wurde. Herr Nasarnk stellt fest, daß der Stabschef des Generals A n s e l in, des Oberbefehlshabers dc«r französischen Truppen in der Ukraine, der Oberst Frendenberg, der Delegation erwiderte: „Mit dem Anführer der Banditen kann die französische Armee nicht kooperieren." (Tie „Wiener Morgenzcitung" hat diese Aenßevung bereits niitgeteilt. — Red.) Frendenberg ist nicht der einzige Franzose, der sich in jenen furchtbareil Tagen in der Ukraine aufgehalten itmb mit eigenen Augen gesehen hat, was die „Petljurowtschina" unter den Inden richtete. Auch die ehrlichen Ukrainer waren sich über die Bedeutung dieser Ereignisse klar. Ein Mann wie Tschechowsky, der Premierminister im Direktvrinmkabinett war, legte seine Stelle nieder, als ihm der wahre Charakter der Petljnrischen militärischen Partei klar wurde. Tschechowsky ist jetzt Bischof in Rußland. Er könnte sicher vieles darüber erzählen. Es wäre zn wünschen, daß vor dem Gericht Ukrainer erscheinen, die keine Bolschewiken sind, damit ihre Aussagen keine Zweifel Hervorrufen. Es sind genügend autoritäre ukrainische Persönlichkeiten vorhanden, die den Mut haben tverden, die „Pctljmowischina" nicht in ihren Schutz zn nehmen." „Bianche Ukrainer behaupten, wie Ihnen bekannt sein dürfte, daß nicht Petljura, sondern die weiße russische Armee das Blutbad in der Ukraine angerichtet hat?" ,.Es ist wahr, daß die Meißen furchtbare Pogrome angerichtet habe»,. Aber das soll keine Reinwaschllng für Petljura sein. Merkwürdig ist es, baß im August 1919 Petljura für einen Tag Kiew beseht hat. Am Abend kamen schon die Denikinschen Truppen herein. In« Laufe des einen Tages aber, an dem die Petljina-Lcute die Machthaber in der Stadt waren, ließen sie 62 Personen der jüdischen Jugend erschießen, die die jüdischen Viertel mit Genchnügung der Stadtvevivaltung bewacht hatten." „Die Ukrainer operieren jetzt oft mit den Namen der jüdischen Minister in ukrainischen Negierungen. Wie lvar in der Wirklichkeit das Verhalten der jüdischen Mitglieder der Negierung zn der Pogromtätigkeit Petljnras und seiner Helforchelfer?" „Wir hatten ehemals sechs jüdische Mitglieder in den ukrainischen Legierungen: Silberfarb, L a tz k y, R eiv u tz k y, M a r g o l i n, G o l d e l m a n n und K r a ß u Y. Der einzige, der Petljura verteidigte, war Amold Margnlin. Man muß aber beachten, daß er Vertreter der Regierung im Ausland war. In der Ukraine war er während dor Pogrome Genug ver Lewen! HARTE , __ BEI/LÖ& —^ RElW!WEtf_ „ St.-Rochus-Iußsalz macht einen uenen Frrtz! LS flctiftftt, wenn wir eine kleine Menge von diesem Fttlisasz — welchesich im Ausland schon seit langer Zeit bewähre da» — in ein mit warmem Masse« gestillte- Lavoir gebe» uno den schmerzenden F»s> bis »5 Minuten lang in demselben Weichen Innen. WKh env oirser Zeit HSr n d e Aiischwrlinng de- F»» i, feine Queischung und die p iiiigendcn, l»eniiende» kveflible mir einem Schlage auf. Die Schmerze», welche durch dnö Driikken der Schuhe vcnirjacyt weine», hören sofort ans. Ein liingereS Weich,'« in Vielem M. sser erivitchi die Hiilineeattgen und die Hantverhtletnngen so sehr, dich dieselben lebe leicht ohne Messer oder Rasiermesser ciilsoni werden können. Sie könne» tiverzengt sein, da» da- Sl.-RoclinS.Fnfilolz de» voll omme» ne» gei'icütet. us b ireit Sie von den verschieden.» Stöningen ve- Fi'ste-. Sie tönneil so viel gehen, als Sie nur wollen. Sie kbiineil an e>n>r Stelle stundenlang stebe» und Sie weide» nicht das geringste der Müdigkeit versvnrc». 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Damals sind die B r ü d e-r M c i s e l erschossen worden und Exzesse wurden eine alllögliche Erscheinung. betrifft, so war er im Kabinett nur drei Wochen und verlies; seinen . Posten noch im Jahre 1918. Die Stellung Latzkys zu Petljura ist deutlich geiulg tu seinen Artikeln dargelegt, die er jetzt voröfftckkIlicht und in denen er über Pctljura und feint Helden nur mit den Bcgleitwortcn „Zmach Tchmom" reden kann. Goldesmann schreibt in seinem Buche, das deutsch, jiddisch und ukrainisch erschienen ist, ganz offen, dich; die militärische Partei au den? Judeuprgronien die Schuld trägt. Goldelmann will nur, wie andere ukrainische Staatsmänner, Petljnra nicht mit der Ukraine identifizicreu. Tie Memoiren von Rewntzky sind direkt ein Bcschuldigungsakt gegen Petljura. . Pinchas Kraßny ist gegen den Willen der jüdischen Parteien in die Negierung Petljnras eingetreten und hatte im Kabinett selbst fast nur eine einzige Arbeit: die Pogrome zn bckämpfeli. Seine Bemühungen haben auch nichrere Male zur Vorbeugung von Exzessen beigetragen. Kraßny legte den Standpunkt d-ar, daß man der Meinung der Entente Rechnung tragen muß und auf diesen Standpilnkt stellte sich auch die ukrainische Regierung der Kamcnetzer Periode, als eine Inspektion zur Verhütung von Pogromen gebildet worden war. Alles dies zeigt, daß die Anwesenheit von jüdischekr Ministern in der ukrainischen Negierung nur eine knappe Entlastung für die Pctljura-Partei ist." „Was sagen Sie 31t den Gerüchten", war meine letzte Frage, „daß bie Bolscheiviti au der Ermordung Pelljuras interessiert liKmcit und daß Schwarzbarth ein bolschewikischer Agent sei? Sie verfolgen doch immer die ukrainische Bewegung, meinen Sie wirklich, daß Petljiira in der letzteil Zeit für die Bolschewiki eine Gefahr .darstellte, so daß solch ein Verdacht auftauchcn konnte?" „Absolut nicht. In der ukrainischen Bewegung ist jetzt keine ernste Gnrppe dortzanden, die sich an Petljrm.i halten könnte. Weder die Ukrainer in Polen, noch die gaKzische> Ukrainer stützten in der letzten Zeit Petljnra. Was -k« w gesehenen nkrrünischen Persönlichkeit betrifft, so ginget Tütüilik und MordolÄvitsch zu den Bolschewiken über, Pro fessor Gruschewski ttut» Tschechowsch beschäftigen sich nri! rmrtmler Knlwrarbeit, und Winnitschenko, der bannte Schriftsteller, der früher Petljura sehr nahe stand, grenzte sich von ihm ans das schärfste ab. Es ist Unsinn, zn denken, daß die Bolschewiken rrnbodingt Petljura beseitigen mußtm. Don dieser Seite drohte Sowjctrußlanv kaum ewe Gefahr. Die Verknüpfung des Schuwrzbarthschpn Namens mit den Moskmr-er Koinrnnnisten ist ein sehr schlecht gelungener Trick." ... Das ist im weselitlichcn das Material, das tu kurzen schematischen Zügen den Beschuldigungsakt gegen Petljnra und gleichzeitig die Grundlage für die Verteidigung Schwarzbarths 'bildet. Selbstverständlich ist das noch nicht alles. Es tst nicht einmal der kein sie Teil von deni, was noch zu sagen bleibt. Aber auch aus donr hier Mitgeteilten gcht bereits deutlich hervor, welche Nolle Pctljura und die „Petljurowtschina" in dem Blutbad gespielt haben, das die Ukrainer unter den Juden angerichtet haben. Pettsum» Frau als Nebenklögerin. ■K. Paris, 10. Juli. Die Gattin des Oberatamans Petljura erschien heute in Begleitung ihres Nechtsanctaltes K 0 m p i n s ch i beint Untersuchungsrichter und erklärte, daß sie selbst als N e b c n k l ä g e r i n i n dem Prozeß e»e g e n S ch w a r z b a r t h auftreten werde. Mae Warnung UM! Die anrüchige Tätigkeit der Schwedenmission in der Seegasse ist zur Genüge bekannt, so daß jeder anständige Jude diesen sonderbaren Heiligen ausweicht. Aber Not und Elend der jüdischeit Masseil lassen die Missionäre immer neue Wege finden. Freilich, Kinder im schulpflichtigen Alter darf man „leider" nicht tailfen.?lber in dieser Altersstufe ist der jilnge Mensch am meisten beeinflußbar itub auf dem Umweg über das Kind „hoffentlich" allch die fürsorglichem Eltern für das Chrifterltum zu gewinnen. Das schlvedis ch e Hei m in H a d e r s f e l d bei G r e i f e n st e i lt- Attenberg wird aris diesen Gründen von der Missronsgesellschaft seit nahe 5 n f ü n f I a h r e n a il s s ch l i e ßl i ch mit i ii d i s ch e n K i u d e r n b e s ch i ck t. Die Herren Missionäre wnßteti aber, daß ihnen direkt keine Opfer ins Garn Taufen würden und daß vielleicht Kinder, denen von daheim genügetid seelisches Nüstzeng mitgegeben wird, die Gelegenheit einer meist unentgeltlichen Sonnnererholnng benützen könnten. Sie wollteit Kinder von jüdischen Eltern, die keinen Verdacht schöpfen, und nahmen deshalb nicht selbst die Kinder ans, sondern beglückten sogenannte interkonfessionelle Verelrie mit dem Angebot, ihre jüdischen Schützlinge gratis auf dem Land nnterznbringen. Im Vorjahr waren es mehrere V e z i r k s s e kt i 0 u eit des V e r e i il e s B e r e i t s ch a f t, ivelche diese Henchelei nKht durchblirkten mtb ihre jüdischen Kinder dun angeblichen jüdischen Heim übergaben, dessen Charakter sie Nicht ahnen konnten. . Erst zil spät, als die Kinder schon zmrückkehrten und sehr schön über Christus uub Messe sprachen, hat der Schreiber dieser Zeilen davoil erfahren. Sogleich wnrde die Zentrale der Bereitschaft verständigt. Tatsächlich hat dann das Sekretariat des Vereines alle Sektionen informiert und ausdrücklich gewarnt. Wir erhofften uns von dieser Warnllng einen vollen Erfolg. Er ist ilicht gänzlich ansgebliebett. Im Vorjahre war das Heim in Hadersfeld, das zwanzig Schützlinge anfnehmen kann, in der Zeit von: Mai bis September viermal voll b e s e tz t. Heiler aber sind bisher insgesamt 19 Kinder eingeschrieben. Deshalb mußte das Heim zuerst an alle Juden. jüdische Frauen beherbergen, denen allerdings drei Kinder angeschlossen waren. E r st a m 16. I u l i sollen die r e st l i ch e n 16 K i n d e r k 0 m m e n, es sind also einige Plätze frei. Aber die Missionäre hoffen noch so sicher auf neuem Fang, daß sie allen Eltern sogleich mitteilten, falls neue Kilider später eintreten sollten, müssen die ihrerr schon am 1. Allgttst das Heim verlassen. Da die Missionäre auf neuen Zustrom hoffen, haben sie wahrscheinlich wieder irgend einen interkonfessionellen Verein hinters Licht geführt.?lllerdings dürften die Missionäre nicht sehr von dem Erfolg entzückt sein, den sie bei den Kindern hatten, deren Eltern über den Charakter des Hoirnes nicht aufgeklärt waren. Die kleine R. T>, ein Kind ans gut jüdischem Hanse, 12 Jahre alt, schildert das Leben' in dem Heim folgendermaßen: Morgens wird „Vater llnser" gobetet, hernach komutt eine Bibelvorleftmg, hauptsächlich ails dem Nellen Testament, m» Ab^nd, wenn die Kinde: mt Bett liegen, kommt in jeden Saal eine „Schlvester" und erzählt C h r i st n sg e f cf; t cht c n. Es sind eigentlich imnter nur 15, 16 schulpflichtige Kinder im Heim gewesen,, vier, fünf schulentwachsene Mädchen aber, die schon lange Schützlinge der Mission waren, suchten in der gleicheil Weise wie die drei Schwestern „erzieherisch" auf die Kleinen einzuwirken. Kaum war die kleine R. T. in dem Heim, da ivnrde ihre Miltter auch schon regelmäßig von einer Missionärin, Fräulein Esther W e i n h a il s e n, besticht. Es ist dies die Tochter des Missionärs und getauften Jliden Weinhausen, welcher die metften Sonntagspredigten in dem Heim hielt. Es ist selbstverständlich, daß die Mutter der Kleinen bald den urtgebetenen Gast aus denr Hause wies und als dann weder die Mlktter noch das Kind der Eiilladung zu den Sonntagsandachten in der Seegasse Folge leisteten, schrieb ein 16jährige8 jüdisches Mädchen B. L. ilmner wieder an die Kleine, sie möge doch kommerr. B. L. fängt auch andere jüdische Kinder ein und es ist bezeichnend, daß die ganze vierköpfige Familie L., welche seit fünf Jahren Lehren lind Wohltaten der Mission genießt, e iv i g e P e t e n t e n der j ü d i s ch e n W 0 h lt ä t i g k e i t s v e r e i n e silid und die eine Tochter, die erst im Juni gratis in Hadexsseld war. hiezlt von der Kultus-