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Wiener Morgenzeitung · 1926-07-11 · Heft 2651 (11.7.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2651 (11.7.1926)
Date
1926-07-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Rr. SEI Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung 11. JE 1926 Seite 5 Die Krimsrage. Ae Haltung der Sohlt Die in Buffalo abgchaltene Konvention der amerikanischen Zionisten hatte, wie berichtet, in einer Resolution den Kolonisationsplänen in kor Krim ihre Sympathien ausgesprochen, Labci jedoch gegen die Bestredungen Stellung genommen, die darauf hinansgohm, das in der jüdischen Oeffentlichkeit bcstchcnde Interesse stir Palästina in den Hintergrund zu drängen. Diese Resolution zielte gegen das Verhalten des Joint, dessen Führer seiner,zoil auf der Konforen; 'zu Philadelphia den Primat Palästinas gegenüber allen anderen Notstandsaktioncn anerkannt, später aber in ihrer Propganöa für die „Iointkanipagne" diese Konzession verleugnet iMtcn. Es ist bekannt, daß der Joint seine ganzen Sympathien der Kr imfachc iribmct und daß ihm die Arbeit für Palästina ihres nationalpvlitischcu und nationalkultnrctten Inhalts wegen nur eine lästige Verpflichtung darstellt, von der er sich je eher je lieber befreicll möchte. Tie Resolution von Buffalo ist nur ein der politischen Höflichkeitspslicht abgez.vungenes Kompromiß. Sie spricht nicht so deutlich, wie dies wünschensiverl wäre, aus, daß die Ausiedknig von Juden in der Krim, die von Sowjetrußland zu dem durchsichtigen Zweck eines Angriffes auf England und auf die Position des Zionismus ausgehellt wurde, k >e i n c L ö su u g d e r J-u den-frage i n R ußland, geschweige denn eine Lösung des jüdischen Gesamprobiems bringe, daß sie in ihrer Durchführung von der jüdischen Ocffentlichkeit nicht kontrolliert werdet! könne, daß die russische Regierung die Mittel zur Kolonisation nicht aus eigenem beistelle, sondern ans dem Ausland heranzichen wolle, daß der ganze Plan der Siedlung auf enteignetem Gebiet die Iudeuschaft den größten Gefahren eines Rückschlages aussetze und daß aus allen diesen Gründen die größte Vorsicht geboten sei. Keinesfalls darf aber die Arbeit für Palästina, das einzige jüdische Eiuwandcrungsaebiet, gestört werden. Die Resolution der Konvention von Buffalo ist aber trotz ihres Kompromißcharakters verstanden worden. Wahrscheinlich voll der gesamten jüdischen Oeffentlichkcit. Darauf deutet eine am 8. Juli veröffentlichte Gegenerklärung des Joint hin. So anfechtbar sie ist, vor allem wegen ihres ll)ochfahrendeu Dollargcklimper, so ist sie doch auch als ein Zeichen für die Kraft des zionistischen Gedanken zu werten. Das Joint Distribution Committee wirt den Zionisten vor, daß solche Entschlüsse danach angetan sein können, die vereinigte jüdische Kampagne zu stören. Joint bestreitet mit aller Entschiedenheit, daß der russische Kolonisationsplan eine Gegnerschaft zum Palästinawerk in sich trage. Der große Erfolg der vereinigten Mischen Kanrpagnc, die Aufbringung von Riesensummen in verhältnismäßig kurzer Zeit beweist, daß die amerikanischen Inden zu den Intentionen des Joint Distribution Committee Vertrauen haben. Wäs Palästina IbetriM, so setzt Pas Joint Distribution Conrmittee sein , iUnterstützungswerk für Palästina durch Bereitstellung von ' Kapital fort. In der Erklärung wird weiter gesagt: Die Angriffe, die von einer einflußreichen Gruppe innerhalb der / Zionistischen Organisation Amerikas ausgehen, zeugen von bösem Willen, Die Führer der vereinigten Kanipagne haben sich während des andauernden Guerillakrieges eine Reserve auferlegt, jetzt aber, da die Zionistische Organisation durch eine offizielle Beschlußfassung das Joint Distribution Committee öffentlich zu diskreditieren sucht, stehen die Führer des Joint nicht an zu erklären, daß die Beschuldigung, daß die Wsichten des Joint gegen Palästina gerichtet feien, eine bewußte Entstellung von Tatsachen ist. Die Erklärung schließt: Wir werden den Weg gehen, den uns unser Gewissen diktiert und uns durch fälsche Beschlüsse nicht in die Irre führen lassen. ' ’• * * Es ist ein falsches Beginnen, wenn der Joint die Angriffe „von einer einflußreichen Gruppe innerhalb der Zionistischen Organisation Amerikas" herleiten will. Der Widerstand ist vielmehr eine Sache der gesamten Z i on i st i sch e n O r g a n i is a t i o n. Ebenso unrichtig ist es, von einem „Vertrauen der amerikanischen Inden zu den Intentionen des Joint" zu sprechen. Die Sache steht so, daß der Joint seine allerdings sehr großen Mittel teils von seinen reichen Führern, teils aber von reichen Juden erhält, die politisch ü b c r h aupt u t d) t interessiert sind und ihre Spenden nur deshalb machen, weil sie von den reichen Jointführern darym angegangen werden. Es wäre nur zu wünschen, daß der Joint die Beschuldigung, seine Absichten seien gegen Palästina gerichtet, durch die Tat widerlegt. §o steht es in der Krim aus. Die Bauern gegen die jüdisch: Kolonisation. Das in Moskau erscheinende Bancrnorgan „Bijednola" veröffentlicht die Zuschrift des Bauern A. Micha? off aus dein SmotenÄcr Gouvernement, der darauf aufmerksam macht, daß der bereits äbgeslaute u n t i o n a 1 e Ha ß g e ge u 'b i e I ltib c n wieder mächtig erwacht fei. In Bailern-kreisen höre man immer lauter die Klage: „Weshalb gibt man den Juden die Krim und schickt man uns nach Sibirien?" . . . „Die Krim ist das Land, >vo einst Kaiser und Fürsten in ihren Palästen lebten, wo Bauern i.nd Arbeiter Erholung und Heilung finden —- da werden Juden angesiedelt. Uns aber schickt man nach Sibirien, wohin nvan im Zarenreich die politischen Verbrecher geschickt hatte . . ." Michalofs habe wohl die Bauern zu beruhigen versucht, aber ohne sichtlicheu Evjolg. Roch interessanter ist ein anderer Artikel in derselben Nummer der „Bjeduota", in welchem der Führer der .^Jowsekeija" Mereschiu osseubar zur Beruhigung der Bauern einen Bericht über den Stand der jüdischen Kolonisat-ion in ganz Rußland gibt. Hiernach sollen im Jahre 1926 Gesuche von 22.250 jüdischen Familien um ihre Anstcdlung aus landwirtschaftlicher Grundlage eingolangt sein, In djch,n Jahre büHte sich die Zahl solcher Gesuche auf 30.000 jüdische Familien mit 160.000 Seelen belaufen. Alles in allem wurden bis jetzt 10.000 jüdische Familien kolonisiert. „Der Boden, der den Juden zugswiesen wurde, befindet sich nicht ineiner fruchtbaren Gegend. Binnen kurzem wird der Vorrat au freiem, kultivierbarem Boden in jenen Gegenden, wo die Juden jetzt wohnen, erschöpft sein und sie werden gezwungen sein, in entfernte Gegenden abzuwa nd c rir." Das heißt, dann werden die Juden auch nach Sibirien gewiesen werden. „Die jüdische Republik." Ans Moskau wird uns geschrieben: Am 1. Oktober wird die bereits vor längerer Zeit erlassene Verordnung in Kraft treten, nach der zwei selbständige jüdische Kreise mit eigenen jüdischen Kreis-Jspolkomen (Exekutivkomitees) gebildet werden. Diese sollen eigentlich das darstellcn, was in der ausländischen Presse mit dem Namen „Jüdische Republik" bezeichnet wird. Es ist selbstverständlich keine Republik, aber eine breite Selbstverwaltung, in der alle Agenden durch Juden und in jiddischer Sprache geführt werden sollen. Bis heute hatten Beschlüsse der jüdischen Räte in den Dövfertl, die in der Gegend der jüdischen Kolonien liegen, letzten Endes einen sehr geringen Wert, weil sie von den Kreis-Jspolkomen als letzter Instanz abhängig waren; der Kreis-Jspolkom war imnrer mit Ukrainern besetzt und die ukrainischen Sowjetbehörden, insbesondere der Finanzinspektor, haben fast nie den Beschlüssen der jüdischen Räte Rechnung getragen. Jetzt erst, wenn auch die Zentralbehörden des Kreises mit Juden besetzt sein werden, wird sich die Lage vom Grund aus ändern. Diese Kreis-Ispolt'oine werden sich in zwei Zentren befinden : für den Kriworoger Kreis in der Kolonie N o w o-S ch it o m t r, für den Chersoner Kreis in der Kolonie „Sode h- M e n u ch a". Die Kolonie „Sodeh-Menucha" ist eine der ältesten jüdischen Kolonien, die seit hundert Jahren besteht und es nun erleben soll, daß in ihr ein Pulsierendes jüdisches Leben und ein Verwaltungszentrum für eine ganze Gegend entstehe. Mit der Aufstellung dieser Kreis-Jspolkome wird ein Schritt vorwärts im Ausbau des administrativen Apparates gemacht. „Privilegien" für Inden bedeutet das natürlich nicht. In jedem dieser Kreise leben nur je 10.000 jüdische Kolonisten. Das merkwürdigste aber ist, daß vom 1. Oktober an die kleinen Gruppen von Nichtjuden, die auf dem Territorium dieser jüdischen Kreise leiben, in den Stand „nationaler Minoritäten" versetzt werden, die von den jüdischen Ispolkomen in ihrer Sprache betreut werden sollen, ebenso wie die Juden bis jetzt, als Minorität, von den nichtjüdischen Kreis-Jspolkomen behandelt wurden. Rnftlcrnd braucht jÄbrfcbes Kanonenfutter, Fimfzehntausend Juden sollen in die Kasernen. X. dl. Moskau, 8. Juli. Die jüdische kommunistische Sektion entfaltet zurzeit eine starke Propaganda anläßlich der im September dieses Jahres bevorstehenden Einberufung in den Militärdienst. Es soll der Jahrgang 1904 zum Militärdienst herangezogen werden. Die jüdische Sektion berechnet, daß die Zahl der Mischen Rekruten sich in diesem Jahre aus 15.000 Personen bcföuft. Die Sektion soll alles anwenden, um sämtliche jüdische- Militärpflichtige zur Meldung zu veranlassen. Besonderen Wert legt die „Jewsectija" darauf, die jüdische kommunistische Jugend aus dem sogenannten „Komsomol" für den Militärdienst zu gewinnen. Die Zahl der militärpflichtigen jüdischen Jugendlichen aus dem Komsomol" beläuft sich auf '7500 Mann. Diese Zahl ist interessant, wenn man bedenkt, daß die (Gesamtzahl der Militärpflichtigen 15.000 beträgt. Das heißt, daß laut offiziellen Angaben die Halste der jüdischen Jugend kommunistisch sei. Die jüdische kommunistische Sektion verspricht sich viel davon, daß 7500 junge jüdische Kommunisten frisch in die Armee eintreten. Insgesamt befinden sich zurzeit in der Armee 110.000 Mitglieder des Komsomol". Die Kampagne wird in allen Städten Großrußlands, Weißrußlands und der Ukraine geführt Zas Budapefter Schachturnier. Budapest, '10. JE. In der zwölften Runde des Schachturniers gewann Reti gegen Takocs, Rates gegen Kmoch, Monticelli—Nagh remis, Rubinstein gewann gegen Vajda, Borowski—Tartakower rem's. Stand nach der zwölften Runde: Takacs, Reti je 7V,, Grünfeld, Kmoch. Monticelli, Rubmsteln je 7, Colle. Uates. Tartakower ie 0, Nagy 5'/,. Mattison 5, Vajda, Prokesch je 4'/,, Steiner, Havasi je 4, Borowski 3'/?- Rücktritt der Direktors des polnischen Maaapolwesens. L Warschau, 10. Juli. Ter Direktor des Staatsmonopolwesens, Swiatkowski, ist heute zurückgetreten. Wie verlautete, sind in seinem Departement Unregelmäßigkeiten aufgedeckt worben. kmordnng einer Polizeikonfidenten. Lodz, 8. Juli. Gestern abends wurde hier der Hauptzeuge der Anklage in dem jetzt stattfindenden Prozeß gegen 41 jugendliche Kommunisten, der Polizeikonfident Rafael Witkowski, ermordet. Der Ermordete war Mitglied der Leitung des kommunistischen Jugendvereins Jta in Lodz und wurde für den Verrat zum Tode verurteilt. Zum Vollstrecker dieses Urteiles wllrde der siebzehnjährige Jakob Szylinski bestimmt. Witkowski erfuhr von der Gefahr und wollte gestern Lodz verlassen; als er sich jedoch gerade auf de>n Bahnhof befand, wurde er von Szylinski durch drei Schüsse getötet. Der Täter wollte entkommen, doch gelang es der Polizei, ihn zn verhaften. Szylinski wird vor ein Standgericht gestellt werden. 'jliiiliillllllllllillililUlliniilllOiliiiiiiiiniiiHiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiifliiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiüifuiiiiiii KRUPNIK das durch einen grossen Umbau wesentlich erweitert wird, bietet im Augenblick eine seltene Gelegenheit, sieh zn niedrigen Preisen vornehm zu kleiden Die Preise unserer gesandten Frühjahrs- und Sommerkonfektion sind gewaltig ermässigt lim üi ond darastor 1 Es werden durchwegs die aller- . letzten Modelle in Crepe-Georgette- Complets, Mödellmäntel, Modellkostümen, Abendtoiletten, Seiden-, mäntel und Abendcapes um jeden; annehmbaren Preis abgegeben Moden Palais Julius Krupulk VII- Kaisers tr. 111—115 Die Eiseubahnkatastrophe bei Rogo«. Ein Wiener unter den Verwundeten. L. Lodz, 10. Juli. Die große EisenbahnkatastroPhe bei Rogow, über die wir schon kurz berichtet haben, forderte iue!- gesaint zw e i To t e und 23 Verwundete. Unter den Berwundeten befinden sich auch einige Inden und ein Mann ans Wien, der Samuel Jelen heißt. Die zwec Toten sind ein alter Mann und ein junges Mädchen, deren Namen man noch nicht feststellen konnte. Die Katastrophe ist ans die Weise entstanden, das; in einr Entfernung von acht Kilometer von Rogow der' Schnellzug Zakopane—Warschau bei der Biegung mit den letzten Waggons an den Zug Warschau—Krinica anstieß. An dieser Stelle ereignen sich schon seit längerer Zeti fast Periodisch ,Eiscnbah nkatastrophe n. Die Berkchrsrcgulicrung besorgt hier ein einfacher Arbeiter. Dieser Leichtsinn der Eisenbahn'bchörden kostete schon viele Menschenopfer. Die Folgen des Zusammenstoßes uxweit furchtbar. Die letzten vier Waggons des Zuges Nr. 3, der ans Warschau kam, sind zertrümmert tvordcn. Zwei Waggons fielen die Böschung hinab und wurden vollständig vernichtet. Eine Ncttungsexpeditivn aus Warschau mid Skenierwicc nahm die Bergum der Verunglückten und Aufräumung am Unglücksorte vor. MgverbindiMü zwischen Wien und Bslen. Herabsetzung der Tarife. Zwecks Hebung der Hände l s b e z i c h u n g e ft zwischen Oe st erreich und P o l e n hat sich die Polnische Luftverkehrs A.-G. A e r o l o t entschlossen, sowohl die F r a ch tt a r i f e als auch die F l u g v r e i s e aus den Strecken von Wien nach Krakau. Lemberg. W a r s ch a u, P o s e » und Danzig bedeuten!) zu er m ä ßi g en. Die Flugpreise von Wien betragen jetzt: Nach Krakau S. 65.—. nach Lemberg S. 85.—. nach Warschau S. 86.—, nach Posen S. 130.—, nach Danzu S. 160.—. Durch die Anpassung der Start» und LondungSzeiten in deu einzelnen Flughafen wurde es ennöglicht, von Wien aus alle erwähnten Strecken t n e i » e m T a g zurijckzulegen. Ms eine Neuerung im Luftverkehr ist die Einführung des einheitlichen Frachtsatzes ohne Unterschied auf dm Flughafen zu betrachten, «nd zwar beträgt der Frachtsatz von Wien nach allen Flughäfen, die von der Polnischen Luftverkehrs A.-G. Aerolot angeflogen werden, nur S. —.75 pro Kiloaram'" 5803 9

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