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Wiener Morgenzeitung · 1926-07-11 · Heft 2651 (11.7.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2651 (11.7.1926)
Date
1926-07-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Me«, SsmtW n. tm Sr. SM Jas Unwetter. Verheerende wottenbrüche. — Grobe SrnteschSden. Die Nachrichten über Unwetterkatastrophen werden nicht weniger. Aus allen Teilen der Welt lausen unausgesetzt neue Mavmmeldungen, über Wottenbrüche, Ueiberschwemmungen und Aitzschläge ein. Die dadurch angerichteten Schäden sind sehr bedeutend und gehen in die Milliarden. Eine besondere Aenderung des herrschenden Wettercharakters ist noch nicht zu erwarten. Die Prognose spricht von unsicherem Wetter, Ausklären nicht ausgeschlossen, Winde aus westlichen Richtungen. Ueberschwemmungen ln NIederSsterrelch. Ein schwerer Wollenbruch ging über die Gemeinden Zwettl, G r o ß - We i ß e n b a ch, G ro ß-Gö tt fr i tz, Klein-Schönau, Br uß mann und Friedersbach nieder. Die Ortschaft Klein-Schönau steht gänzlich unter Wasser. Der untere Teil der Ortschaft Fried ersbach steh: gleichfalls unter Wasser; eine große Flache von Wissen der Umgebung ist überschwemmt. Die Straßenbrücke zwischen Friedersbach und Nastenfeld sowie.die Brücke zwischen Oberwalzenreith und Rastenberg wurde weggerissen In D r u ß m a n n wurde eine Person vom Blitz erschlagen. In Reuthenberg soll eine Person ertrunken sein. UnwetterschSden!m Burgenland. Aus Sauerbrunn wird uns berichtet: Infolge der furchtbaren Wolikenbrüche, welche in den letzten Tagen über das Burgenlland niedergingen und große Schäden anrichtcten, wurde in den Gemeinden Wiesen, Forchtenau und Neust ist die Ernte total vernichtet, wodurch di« Bevölkerung einen Schaden LLOYD TRIESTINO / TRIEST Direkte Linie Triest- Jaffa Rituelle Verpflegung _Reduzierte Preise I Expresslinie nach Aegypten, Konstantinopel, Indien Postlinien nach den Schwarzen-Meer-Häfen, Syrien und dem fernen Osten ^BQenural-Agentur: Wien, f., Kärntnerring Von S. 50.000 bis 60.000 erleidet. Much über di« Neckenmarkter Gegend ging ein schweres Unitvetter nieder, welches von Sturm begleitet war und die ganze Ernte vernichtete. Auch Oberpullendors und seine Umgebung wurde von einer schweren Unwetterkatastrophe heimgcjuchi. Grobe Ueberschwemmungen kn Salzburg. Salzburg, 10. Juli. Di« wolkenbruchartigen Regengüsse der letzten Tage verursachten in vielen Gebieten des Landes, basonders im Pinzgau, Pongau und F l a ch g a u Ueberschtvendmungen. Die Kulturen wurden durch Erd- und Steinlawinen verwüstet, Straßen verschüttet uns Brücken zerstört. In einigen Ortschaften mußten die Parterrewohnungen geräumt werden. Bei Halle in ist bei. der Bergung einer herrenlosen Zille in der Salzach ein Mann ertrunken. Sie Donau steigt. Infolge der in den letzten Tagen eingetretenen starken Niederschläge im Gebiete des Inn und der bayerischen Donau ist mit einem neuerlichen Ansteigen der Donau in Niederösterreich und in Wien, die am Reichsbrückenpegel bereits einen Wasserstand von plus 308 erreicht hat, zu rechnen. Für heute früh ist in Wien ein Wasserstand von 322 zu erwarten. Schwere Wolkenbrvche ln Deutschland. Berlin, 10. Juli. Die Serie der über Deutschland niedergehenden Wottenbrüche hat auch heut« ihre Opfer gefordert. Schwere Wolkenbrüche sind über Mitteldeutschland und Augsburg niedergegangen und haben großen Schaden angerichtet. In einigen Ortschaften wurden die Häuser u n t e r w ü h l t. Infolge eines Dammrutsches entgleiste der Personengug auf der Strecke Augsburg-Ingolstadt. Der Verkehr ist unterbrochen. In Schwaben wurden mehrere Häuser durch Blitzschlag eingeäschert. Ein junges Mädchen wurde vom Blitz getötet. Auch in der Gegend von Weimar und im Ilmtal gingen schwere Wolkenbrüche nieder. Die Felder sind zum großen, Teile verwüstet, die Straßen tief aufgewühlt. Ein schwerer W o l lk e n b r u ch ging gestern abends über K o b u r g nieder. Die Wasserflut strömte in die östlichen Teile der Stadt und setzte alle Erdgeschoß« unter Wasser. Die Bewohner wurden teilweise in ihren Betten überrascht. Der Zugsverkehr mußte unterbrochen wenden. Grobe Ueberschwemmungen in Polen. Kolomea, 10. Juli. Hier ist in der Gegend Worochta- Ja re mcg e ein großer.Woskenbruch nieidergegangen, wodurch der P r u t h aus den Ufern ging, was g r o ß e n S ch a d e n Verursachte. Auch Menschenopfer, ^sonders unter den Kindern, sind zu beklagen. Bisher wurden aus dem Pruth sieben Kinder hervor gezogen. Auch zahlreiche Biehstücke wurden alaa OcA€i UV durch Oft Hoffbauers Entfettungs -Tabletten Dieselben sind von bester Wirkung, angenehmem Oe« sei,mack, vollständig unschädlich, stellen eine schlanke, graziöse Figur her, ohne Diätzwang oder Aenderung der Lebensweise. Prompte Gewichtsabnahme. Vom Volksgesundheitsamt bewilligt Nr. 911 Kein Abführmittel Keine Schilddrüse; Dapoti Apotheke „Zum Römischen Kaiser", Wien, J., Wollzelle 13 j Opfer der Ueberschwemmnng. Bel Kolomea mutzte das Militär und die Feuerwehr den Einwohnern bedrohter Wohnungen zu Hilfe eilen. Furchtbare Hitze in Rew-Pott. New-Avrk, 10. Juli. Die Hitze hat bisher drei Todesopfer gefordert und zahlreiche Hitzschläge verursacht. Tausenden von Personen ist das Schlafen am Strand gestattet worden. Sin Tornado. New-Aork, 10. Juli. 12 Personen wurden im mittleren Westender Vereinigten Staaten durch H i tzschlag, beziehungsweise durch Gewitterstürme g e t ö t e t. In mehreren Gegenden von I ndrana und M i ch r g a n rissen Stürme die Dächer von den Häusern. Auf einer Insel im St. Josef River entwurzelte ein Tornado Hunderte von Bäumen. Hiebei wurden drei Personen getötet und einige verletzt. Der Blitz im Radio. Wie wichtig das Erden der Radtoantennen während bcff Gewitterzoit ist, zeigt ein Vorfall, der sich loährend des letzten Gewitters in Wien ereignet Hai. Ein Blitz schlug in den Rauchfang eines einstöckigen Hauses in Floridsdorf ein. Er nahen seinen Weg über das Dach und die dort über den Garten gespannte F r e i a n t e n n e. Bon dieser ging er durch den Z u l e i t u n g sdraht zum Apparat, in das Klosett und schließlich durch die Erdlei tun g in die Erde. Der von der Antenne ins Klosett führende Z u l e i t u n g s d r a h t sowie ein dort befindlicher zuni Apparat führender Draht schmolzen ab. Bon dem Dach hatte der Blitz den Ranchfang beschädigt, Dachziegel zertrümmert nnd in den Zimmern mehrere Ziegel herausgeschleudert. Der Wohnungseigentümer und seine Familie kamen mit dem bloßen Schrecken davon. Die Weinorgien am Rhein. Köln, 10. Juli. Die Woinorgien hatten in der Nähe vott U e r d i n g e n ein Nachspiel. Feldarbeiter fischten gestern noch ein Faß mit 1000 Litern Wein aus dem Strom und schlugen es auf. Die. Ansammlung wurde so groß, daß die Strornpolizei eingreifen mußte. Eine große Anzahl von Männern und' Frauen hatten sich jedoch bereits wieder sinnlos betrunken. Sie hatten in wenigen Minuten über 300 Liter Wein ansgetrunken. nun auf der .flotten.Strömung eines größeren Flusses in eine Gegend hinein, wo Land und Wasser in eins zu verschmelzen schienen, wo Ufer und Fluß das gleiche Gewand trugen wie Bruder und Schwester in ihrer ersten' Kindheit. Doch bald warf der Fluß seine grüne Schlammdecke ab, teilte seine Strömung nach vielen Richtungen und erweiterte sich schließlich zu einem Marschsee, aus dem hie und da ein Stück grasbewachsenes Land hervorsah, so daß ich an die Jugend unserer Erde denken mußte, wo das Land eben anfing, aus den endlosen Wassern sein Haupt hervorzustrecken und das Feste und Flüssige noch nicht deutlich geschiedene Reiche waren. Rings um die Stelle, wo wir vertäut liegen, haben die Fischer Bambusstäbe aufgepflanzt. Ueber uns kreisen Gabelweihen, immer bereit, aus die Netze herabzustoßen, um einen Fisch zu erhaschen. Auf dem Schlamm am Rande des Wassers stehen die Reisvögel, wie in frommer Betrachtung versunken. Alle Arten von Waffervögel sind hier reichlich vertreten. Kleine Inseln von Tang treiben auf dem Wasser. Hie und da erheben sich Reisfelder, die nur besät werden und um die man sich nachher bis zur Ernte nicht weiter kümmert, aus dem fruchtbaren, feuchten Lehmboden. Ueber den stillen Wassern schwärmt es von Moskitos . . . Wir brachen heute morgens wieder bei Tagesgrauen aus und kamen durch Katschikala, wo das Marschwassrr in einen sich vielfach windenden Kanal abfließt, der nur sechs bis sieben Meter breit ist und eine sehr starke Strömung hat. Es war kein kleines Kunststück, unser schwerfälliges Hausboot dort durchzubringen. Die Strömung trug es mit Blitzesschnelle dahin und gab der Mannschaft genug zu tun, mit ihren Rudern, die sie als Stangen benützten, zu verhindern, daß das Boot gegen das Ufer geschleudert wurde. So kamen wir hinaus in den offenen Fluß. Der Himmel war dicht bewölkt, ein feuchter Wind Ivehte und ab zu kam ein Regenschauer. Die ganze Mannschaft zitterte vor Kälte. Solche nassen, düsteren Tage in der kalten Jahreszeit sind äußerst unangenehm, und ich habe einen jämmerlich öden Morgen verbracht. Um zwei Uhr nachmittags kam die Sonne heraus,' und seitdem ist es wundervoll. Die Ufer sind hier hoch und mit stillen .Hainen bewachsen, .und die Wohnstätten der Menschen dänischen wie in Frieden und Schönheit eingesponnen. Der Fluß fließt in vielen Windungen dahin, ein unbekanntes, kleines Mässerlein im Innersten Bengalens, das stetig seinen Gang geht, weder träge noch hastig; während es den Reichtum seiner Liebe nach beiden Seiten in gleicher Fülle ausschüttet, plaudert es von den gemeinsamen Freuden und Leiden und den Familienneuigkeiten der DochniidHen, die zu ihm kommen, um Wasser zu holen und sich an se'ner Seite niederzulassen, um sich mit ihren nassen Handtüchern von oben bis unten eifrig abzureiben, bis ihr Leib in jugendlicher Frische erglänzt. Heute abends haben wir unser Boot in omer einsamen Bucht vertäut. Der Himmel ist klar. Es ist Vollmond. Kein anderes Boot ist zu sehen. Das Mondlicht schimm'.rt auf dem Wellengekränsel. Einsamkeit herrscht an den Ufern. Das ferne Dorf schläft, eingenestelt zwischen dichten Bäumen. Das schrille unablässige .Zirpen der Heimchen ist der einzige Laut ringsum. S ch a s a d p u r, Februar 1891. Gerade vor meinem Fenster an der anderen Seite des Flusses hat eine Zigenncrbande ihre Zelte aufgeschlagen, Bambusgerüstc, die sie mit Matten und Zeugstreifen überdeckt haben. Es sind nur drei solche kleine Bauten da, und sie sind so niedrig, daß man nicht aufrecht darin stehen kann. Sie brauchen dies Obdach nur für die Nacht, wo sie, dicht zusammengedrängt, darin schlafen; am Tage spielt sich ihr Leber: im Freien ab. Das ist Zigeunerart: an kein Heim gebunden, von keinem Miete fordernden Hauswirt belästigt, mit Weib und Kind und einigen Hunden und Schweirren nach Belieben umherzuziehen, während die Polizei stets ein wachsames Auge ans sie hat. Ich beobachtete oft das Treiben der Familie, die mir am nächsten wohnt. Ihre Hautfarbe ist dunkel, doch sie sehen gut aus und es sind schöne, kräftige Gestalten, wie das Landvolk im Nordwesten. Ihre Frauen sind hübsch, groß, schlank und gut gebaut; mit >hrcn freien und leichten Bewegungen und ihrer natürlichen Sicherheit im Auftreten erscheinen sie mir wie gebräunte Engländerinnen.. Der Mann hat soeben den Kochtopf aufs Feuer gesetzt und ist jetzt daber, Bambusrohr zum Korbflechten zu spalten. Die Frau hält sich einen tte-nen Spiegel vors Gesicht und reibt es sehr sorgfältig mit einem feuchten Luch ab, darauf ordnet sie mit der gleichen Sorgfalt die Fallen ihres Obergewandes und setzt sich dann sauber und adrert zu ihrem Mann, um ihm bei der Arbeit zu helfen. Dies sind echte Kinder der Erde, irgendwo auf ihr geboren, an der Srraße ausgewachsen — hier und da und überall —, um schließlich irgendwo zu sterben. Tag und Nacht unter freiem Himnrel, in der freien Lllft, auf dem nackten Erdboden, führen sie ein einzigartiges Leben, und doch ist alles da: Arbeit, Liebe, Kinder und Haushaltspslichten. Sie sind keinen Augenblick müßig, sondern immer mit irgend etwas beschäftigt. Ist eine Frau mit ihrer eigenen Arbeit fertig, hockt sie hinter einer anderen nieder, löst ihr das Kyar und kämmt und .ordnet es neu. ob sie dabei dre häuslichen Angelegenheiten der drei kleinen Zelthaushalte besprechen, kann ich aus der Entfernung nicht feststellen, glaube es aber richtig zu vermuten, Heute morgens wurde dies friedliche Zigeunerlager in große Aufregung versetzt. Es mochte etwa halb neun oder nenn sein. Sie waren dabei, zerrissene Steppdecken und allerlei andere Lumpen, die ihnen als Bettzeug dienen, über ihre Zeltdächer zu breiten, um sie zu lüften und zu sonnen. Die Schweine, die sich mit ihren Ferkeln eng aneinander geschmiegt in einer Kuhle in die Sonne gelegt hatten, wo sie wie ein Schmutzhanfen anssahen, waren von den Leiden Hundemitgliedern der Familie aufgeschencht und rannten nun grunzend und quieckend auf die Frühstückssuche, unwillig, daß man ihnen nach der kalten Nacht den bchaglichen Genuß der Sonne mißgönnte. Ich war dabei, einen Brief zu schreiben, und sah ab und zu zerstreut hinaus, als der Lärm plötzlich begann. Ich stand auf und trat ans Fenster. Eine ganze Schar von Menschen hatte sich um die Zigeunereinsiedclei versammelt und ein Mann, dem man die Amtsperson ansah, stand, einen Stock schwingend, in der Mitte und erging sich in den stärksten Ausdrücken. Der Zigeunerhäuptling, eingeschüchtert und ängstlich, versuchte sich augenscheinlich zu rechtfertigen. Ich reimte mir zrrsammen, daß allerlei verdächtige Vorkommnisse in der Ortschaft zu diesem Besuch des Polizisten geführt hatten. Die Frau war bis dahin bei ihrem Kvrbflechten sitzen geblieben, so ruhig und unbekümmert, als ob sie da allein säße und es nichts Aufregendes um sie her gäbe. Plötzlich aber sprang sie auf, ging aus den Polizisten zu und sagte ihm in schneidendem Tone ihre Meinung, indem sie mit den Armen dicht vor seinem Gesicht herumgestiknlierte. Im Nu war dreiviertel der Erregung bei dem Beamten verschwunden, er versuchte milde zu protestieren, konnte aber nicht zu Worte kommen und ging endlich kleinlaut davon — ein anderer Mann. Nachdem er sich fet sichere Entfernung zurückgezogen hatte, wandte er sich um nnd schrie: „Das laßt euch gesagt sein, ihr räumt den Ort auf der Stelle!" Ich dachte, meine Nachbarn gegenüber würden sofort ihre Matten und Banrbusstangen zusammenpacken und mit ihren Bündeln, Schweine:: und Kindern davongehen. Abe* bis jetzt machen sie noch keine Miene. Sie sind noch unbekümmert dabei, ihre Körbe zu flechten, ihr Essen zu kochen od< Toilette zu machen. (Aus dem Englischen übersetzt von Helene Meyer-Frcmck.)

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