Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2650 (10.7.1926)
- Date
- 1926-07-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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OM 4 Me«, SamStsg SMinec MorMnzettsns 10. Or« im 9ft« SWO Wetterkatastrophen in Sesterreich. Srotzer Vmveitn im Semmeünggeblet. — Wetter« Settervoraaesage: Aettveise reoaertU. aeivtttrrlg. FurchlLarer Wolkeabrach ln MedeMerreich. Aus Wiener. Neustadt, 9. d., witÄ uns gemeldet: Gestern nachmittags wurden die Bezirke Wiener-Neust adt und Nennkirchen von einem furchtbaren Wolkenbruch heimgesucht, der ungeheuren Schaden anstiftete. Die katastrophalen Wassermengen verursachten zahlreiche Verkehrs st ö r u n g e tt. Zwischen 9 und 4 Uhr nachmittags entlud sich das Gewitter am stärksten bei St. Egyden sowie im Gebiete zwischen Würslach nnd Winzendorf. In St. Eghd e n, S a n b e r s d o r f, N e u s ie d l und Urschendors waren die Straßen zwei Meter hoch überschwemmt. Reisende, die in St. Egyden ankamen, muhten im Stationsgebäude bleiben, weil die Straßen unpassierbar waren. Heute früh stand das Wasser nach dreiviertel Mete r. Zahlreiche Telegraphenstangen sind umgestürzt, Baumstämme wurden nmgelegt und Strauchwerk vom Wasser davongetragen. Biel Vieh ist ertrunken. Am stärksten ist die Ortschaft Weikersdorf am Stoinfeld betroffen. Mannschaften de8 Bnndesheeres muhten die ganze Nacht arbeiten, mn die dringendsten Notstände zu mildern. Atlch zwischen P a y e r b a ch und Gloggnitz ging ein Unwetter nieder, das einen Bergrutsch im Gefolge hatte. Der Schnellzug, welcher um 5 Uhr die Stelle passierte, wäre fast entgleist. Die nachfolgenden Züge erlitten stundenlange Verspätungen. Auf dem Semmering riß das Wasser viel Strauchwerk mit, welches die Brücken v e r st o p f t e. Die Bahn Neunkirche n—W illendorf mußte den Verkehr e i n st e l I e tt; heute früh wurde ein Notbetrieb ausgenommen. Bei P i t t e n ging ein Wolkenbruch mit Hagel nieder. Auch in der Badener Gegend gab es einen Wolkenbruch. Im Gebiete von P i e ft i n g ging ein derartiger Wolkenbruch nieder, datz die Straßen ü b e r e i n e n M e,t e r hoch überschwemmt waren. Entsetzliche Berheerunze« ln Sachsen. Dresden, S. Juli. Heute früh ist in der Gegend der Moritzburg und Coswig ein Überaus fchw-erer Wolkenbruch niedergegangen, der entsietzliche Verh e e ru n g c n anrichtete. Der Bach wurde in kurzer Zeit in einen gewaltigen Strom verwandelt, der alles mit sich fortriß. Die beiden in der Gegend gelegenen Teiche brachen sich mit furchtbarer Gewalt Dahn und wühliten die S taat8st r a ß e bis zu einer Tiefe von v üe r Meter auf. Hunderte von Bäumen liegen quer über der gänzlich unpassierbaren Straße. Der Bach suchte sich vor der Mühle ein neues Bett und schoß quer durch das Grundstück, wodurch großer Schaden angerichtet wurde. Lar tzeimgesirchte Svmatra. Fortgesetzte Erdstöße. Aus Amsterdam'wird gemeldet: Auf Sumatra herrscht unbeschreibliche Panik. Täglich werden grauenhafte Berichte über den Umfang der Erdbe b e tu katastrophe bekannt. Die Zahl'der Todesopfer soll bereits tausend erreicht haben. Noch immer werden neue Erdstöße festgestellt. Unterirdisches Getöse im Gebiete des Merapiberges läßt auf ungeheure Eruptionen, die eine neue Katastrophe hervusbeschwören können, schließen. Der M er u Pi Vulkan ist seit gestern in T ä t i g k e i t. Ein stundenlanger Aschenregen ging auf die Dörfer am Abhange des Merapi nieder. Das Wasser des Ombritinflufles und seiner Nebenflüsse, die im Merapigebiet entspringen, ist auf stundenlange Entfernung getrübt. HOTEL CENTRAL Wien, II. fibersirasse 8 a Stadtzentrum * 150 neu eingerichtete Zimmer » Zentral» heizung, kalt- und warmfliessendes Wasser, Telephone, Lift, Cafe-Restaurant » Preise von S 5.— aufw., t aufleute 10% Rabatt. n>5 Auch bei den Sozialdemokraten kann es Vorkommelt, daß sich ein oder der andere Mandatar an derartigen Geschäften beteiligt. Ein solcher Mensch wird aber, wenn die Sache ailfkommt, rücksichtslos ans der Partei entfernt, was bei den Christlichsozialen nicht der Fall ist. Die Zentralbank der deutschen Sparkassen ist dadurch, daß sie " t verkrachten, von christlichsozialen Politikern geführten arischen Banken stützen mußte, selbst in eine schiefe Lage geraten. Pflicht der Regierung ist es, durch Einsetzung eines parlamentarisch«,.'!: UntersuchnngsanKsclmsses diese Zusammenhänge restlos aufzttdecken. Wenn sie das nicht tut, so wird sie die Verantwortung dasür zu tragen Habelk. In einer Verteidigungsrede entschltldigte Getneiuderat K n n s ch a k das eigenmächtige Vorgehen der Regierung damit, daß cs ihre Pflicht war, sofort helfend bcizuspringen, mn die nachteiligsten Folgen ans die Währung und Wirtschaft zu verhindern Sie konnte mit der Opposition keine Fühlung nehmen, weil diese jeden Verkehr mit ihr abgebrochen hat. (Scitz: Weil das eine unmögliche Regierung ist, mit der man nicht verkehren kann!) Kunschak suchte die Gründung der christlichen Unternehmungen mit dem nach dem Umsturz entstandenen Gründungssieber und mit dem Bestreben sich vom jüdischen Kapital zu befreien, zu entschuldigen. Auch die Sozialdemokraten haben einsehen müssen, daß ihre seinerzeitigen Spezialisierungsbestrebungen fehlschlugen. Dasselbe Schicksal habe die christlichen Gründungen betroffen. Gemeinderat Kunschak erging sich in Beschimpfungen des „Abend", den er der Brunnenvergiftung und Brandstiftung beschuldigte. Die Referatpost auf Bewillgung von 20.000 Schilling für Repräsentationsspesen wurde nach diesem zwei Stunden dauernden Exkurs in die große Poli-tik angenommen. Von den übrigen Punkten der sehr umfangreichen Tagesordnung' ist die Bewilligung eines Kredites von 300.000 Schilling für Ergänzungen und Abänderungen an der Stadtbahnanlage hervorzuheben. Für die Anschaffung von 30 Stadtbahntriebwagen und 40 Beiwagen sowie 30 Straßenbahntriebwagen und den Bau ctitcc Wagenhalle in Michelbeuern wurden 7,9 Millionen Schilling angesprochen, die im Wege eines Bankkredites zu decken sind. Am Schlüsse der Sitzung wurden zwei Dringlichkeitsanträge der Opposition verhandelt. In dem einen wurde die Einsetzung einer Kommission verlangt, ir< die Mißstände bei den Wahlert in Arbei-lerkammer, bei der der Gehilfenausschuß Gelder für Par-teipropaganda verwendete. Dem Antrag wurde die Dringlichkeit nicht zuerkannt. Der zweite Antrag sollte eine Untersurhrrng wegen der im "städtischen Lagerhaus vorgekommenen Färbung von gespaltenen Erbsen herbeisührcn. Dem Antrag wurde die Dringlichkeit zuerkannt, er wurde jedoch in merito abgelehnt, weil die Erbsen von der staatlichen Untersuchungsanstalt als genießbar bezeichnet wurden. Mit den besten Wünschen für die Ferien ° schloß Bürgermeister Seitz die Sitzung. Rintelen verhandelt mit den Sozialdemokraten. Auf Einladung des Unterrichtsministers Dr. R i ntelen erschienen gestern in Vertretung des Verbandes der sozialdemokratischen Abgeordneten und Vundesräte Bürgermeister Seitz, die Abgeordneten Dr. Bauer, Dr. Sanne* berg und Glöckel beim Unterrichtsminister nnd teilten ihm den Mittwoch gefaßten Beschluß ihres Verbandsvorstandes mit. Auf den vom Minister Dr. Rintelen geäußerten Wunsch, mit den Parteien in meritorische Verhandlungen über die Frage des Volksschullehrplanes einzutreten, verwiesen die Vertreter des sozialdemokratischen Verbandes darauf, daß sie int Hinblick auf den bestehenden Beschluß hiezu keine Vollmacht besitzen. Dr. Rintelen machte darauf aufmerksam, daß die Zeit wegen des Schulbeginnes im Herbst dränge nnd kennzeichnete einige Entwirrungsmöglichkeiten. Er erklärte, er behalte sich vor, nach Rücksprache mit den Mehrheitsparteien einen konkreten Vorschlag zu machen, der die Voraussetzungen für meritorische Verhandlungen Herstellen soll. Das vorstehende Comnulniglte zeigt sehr deutlich, daß die Packelei Rintelens mit den Sozialdemokraten in der Schulfrage unmittelbar vor dem Abschluß eines Komprom i s s e s hält, das im Wesen die Ersetzung der Schneiderschen Verordnllng durch ein neues Abkommen beinhaltet. Darüber hinaus dürfte Dr. Rintelen auch den Sozialdemokraten auf den Zahn gefühlt haben, wie sie sich zu seinen sonstigen Entwirrnngsplänen stellen. Lndendorffr 8he geschieden. München, 9. Juli. Die Ehe des Generals L u d e n d o r s f wu-de durch die e sie Zivilkammer des Landgerichtes München l . e- I hieben. Ter Kläger und Widerbeklagte wurde für den schuldig e n T e i l e r k l ä r t. Die Klage hatte ursprünglich Ludendorff eingebrachl. FrauLudendorff stellte die Widerklage. woraus der General feine Klage zurückzog. (Frau Ludendorff ist eine Tochter deS Berliner MilchkönigS B o l l e.l Mische Anekdoten. Nacherzählt von Jsachar Bursztyn. RrrÄbr Mair und der Wohvbelewte. Zu dem bedeutenden Rabbi Mair kam einst ein Rabbiner aus einer Kleinstadt nach Przemyslanh. Der Gast war ein Mann von nicht gewöhnlichen Körperdimensionen und überaus wohlgenährt. Rabbi Mair begrüßte den Eintretenden also: „Borich habil Reb Stecken, Borich habu Reb Lilke (Pfeife), Borich habu Reb Bauch, Borich habu Ruw (Rabbiner)." Der also Angesprochene war von dieser Begrüßung nicht gerade erbaut und fragte betreten, was diese Begrüßungsformel zu bedeuten habe. Rabbi Mair antwortete ihm: „Zuerst kam der Stock, dann die Pfeife, dann der Bauch — und dann erst der Rabbi zu mir. Ich habe die Eintretenden in der Reihe begrüßt, in welcher sie sich mir vorstellten. Hiebei konnte ich mir endlich über den Unterschied zwischen einer Henne und einer Ente klar werden. Ich habe mir nämlich den Kopf darüber zerbrochen, warum die Henne am Bauch mager und am Rücken fett, die Ente hingegen am Bauch fett und am Rücken mager ist. Alles Geflügel, Bruder, fürchtet die" Nacht. Wenn sich die .Henne zur Ruhe begibt, steigt sie hoch auf eine Leiter hinauf. Dort muß sie nicht einen Schlag auf den Rücken befürchten, weil sie das Dach schützt. So ist sie nur für ihren Bauch besorgt; der Rücken setzt Fett an, der bangende Bauch bleibt mager. Die Ente hinwiederum schläft auf der Erde. Sie hat also keine Ursache, für ihren Bauch zu fürchten, bloß für den ungeschützten Rücken. Ihr aber, Rabbi, bangt nicht vor Gefahren von oben noch vor Gefahren von unten, darum seid Ihr seit von vorne und rückwärts. Die Prüfung. Als Rabbi Mair einst über Land reiste und in einem Dorfwirtshaus abstieg, ersuchte ihn die Wirtin, ihren Knaben zu prüfen. Sie stellte ihm einen 18jährigen Bengel vor und Rabbi Mair prüfte ihn: „Was lernst du?" „Ich lerne schon, Gott sei dank, Chumesch." „Welche Sidra lernst du düse Woche?" „Die Sidra Bechikosai mit Raschi (Kommentar)." „Was kommt in der heutigen Sidra vor?" „Gott sagte: Ich werde euch bm Regen geben zur günstigen Zeit" „Was sagt Raschi dazu?" „Zur „günstigen Zeit" heißt, es regnet am Freitag Abend." „Warum gerade am Freitag abend?" „Weil die Judert Freitag abends nicht auf die Gasse kommen, also nicht naß werden können." „Warum gehen die Juden Freitag abends nicht auf die Gasse?" Da bekam der prüfende Rabbi die lobhafte Antwort: „Du willst ein Rabbi sein? Begreifst du denn nicht, daß die Inden deshalb nicht ans die Gasse kommen, weil es regnet?" Lebend benraben. Eine Tragödie ans dem Friedhof. Der Friedhof in S k o t n i k i, einem kleinen polnischen Städtchen, war vor kurzem der Schallplatz einer Tragödie, wie sie nur selten vorkonlnlt. Bor einigen Wochen erkrankte in Skotniki die einzige Tochter des Ehepaares Pokoeki so schwer, daß ärztliche Hilfe vergebens schien. Der Arzt konstatierte den Eintritt des Todes. Den Höhepunkt erreichte aber die Tragödie auf bau Friedhof, wo unter herzzerreißendem Jammern der Eltern der Deckel des kleinen Sarges zugenagelt wurde. Einen Augenblick war alles still. Plötzlich hörte man aus dem Sarg ein durchdringendes Weinen des Kindes und ein dumpfes Pochen an die Wände des Sarges. Sofort wurde der Sarg geöffnet. Darin lag ein lebendiges Mädchen mit blutigen Augen und von den Hammerschlägen verletzten Händen. Trotz der Rettung des Kindes endete der Vorfall tragisch. Die Mutter des fast lebendig begrabenen Mädchens konnte die starke Nervenerschütterung nicht überstehen und starb noch am Friedhof. Eine unmittelbar hierauf vorgenommene ärztliche Untersuchung des Mädchens stellte fest, daß das Kind in einen Ohnmachtsschlaf versunken gewesen war. Der Kampf gegen den Paß. Der internationale Fremdenverkehrskongreß, der seine Beratungen In Prag begonnen und in Brünn und Podebrad fortgesetzt hatte, faßte geifern eine Entschließung, in der dis Abschaffung der Pässe Überhaupt, vorläufig jedoch eine möglichst rasche AbschasfungderBisa, verlangt wird. Die Entschließung wird dem Völkerbundsekretariat vorgelegt werden. Die Hera-bsetzung der Pahgebühren in Polen. L. Warschau, 9. Juli. Heute hat unter dem Vorsitz des Regierungschefs Prof. Bartel eine interministerielle Konferenz stattgefunben, welche sich mit der HerabsetzungderPaßgebühren beschäftigte. In den RegierungSkrets en herrscht die Tendenz, die Herabsetzung schon von fünf Zloty angefangen durchzuführen. __________ Wildwest in Wilna. Berlin, 9. Juli. Nach einer Blättermeldung aus Wilna überfielen Banditen in der vergangenen Nacht e t n Bauerngut b e i P o st a w y, er mordeten denBes i tz e1 und dessen beide Söhne und verletzten die Frau schwer Die Banditen steckten dann das Haus in Brand. Der Frau gelang eS, die Polizei zu alarmieren. Das Bnüapester Schachtarnier. Budapest, 9. Juli. Im Schachturnier wurden heute die Hängepartien auSgetragen. Pis 6 Uhr abends waren vier Partien beendet, und zwar gewann R i t i gegen Vajdci und G r ü n f e I b gegen AateS. Die Partim Prokesch-Röti und Kmoch Rubinstein wurden remis. Der Fall Aimpaistnger. In der Angelegenheit der vermißten Karoline S P i e tzlech n e r konnte bisher trotz eifriger Erhebungen nicht nachgewiesen werden, daß der Vater des Mädchens, Johann W i m p a s s i n g e r, der seine Frau ermordet unb zerstückelt hat, an dem Verschwinden schuldtragend sei. Was die Herkunft des im Keller des Hauses Pazmanitengasse 14 gefundenen Koffers betrifft, konnte festgestellt tverden, daß er mit dem Fall Wimpassinger überhaupt nichts zu tun hat. Es wurde ein Mädchen ermittelt, das angab, im März und April 1923 im Hause Pazmauitengasse Nr. 14 ans einige Tage gewohnt und beim Uebersiedeln den defekten Koffer mit unbrauchbaren Kleidungsstücken zurückgelassen zu haben. Sie hat bei der gestrigen Besichtigung den Koffer sofort als den ihrigen erkannt. Wien, 10. Juli. * Slerhefall. Gestern ist hier der Kaufmann Max Klappbolz im 62. Lebensjahre einem Herzschlage plötzlich erlegen. Der Verblichene erfreute sich allgemeiner Sympathien und war in der jüdischnationalen Bewegung hervorragend tätig. Cr war Vorstandsmitglied der zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt. Das Leichenbegängnis findet morgen vormittags am Zentralfriedhof statt. Genaueres wird noch bekanntaeaeben. * Verhaftung. Der 61jährige Prlvatbeamte Leopold Weiß wurde gestern, wie die Korrespondenz Wilhelm meldet, auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft in seiner Wohnung verhaftet und oem Landesaevicht eingeuefert. Gegen ihn wurde seinerzeit von ^der Phönix-Äl.-G. für Industrie und Handel, Wipplingerstraße 6,