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Wiener Morgenzeitung · 1926-07-09 · Heft 2649 (9.7.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2649 (9.7.1926)
Date
1926-07-09
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Üt. S64S Dren, Freitag JHRktfyii^MMMli «oRutt VfwrgCnpTninB, S. IM Mg «WS Sie mUVSrWe KsntroSe 8»er ürsterretch. Auf Einladung der Votschafterkonferenz haben sich Vertreter mehrerer österreichischer Ressortministerien nach Paris begeben, um dort' unter Vorsitz des Gesandten Dr. Gr ü n b e r g e r an einer Besprechung teilzunehmen, die heute beginnen soll und der Durchführung der m i l itärischen Ve st im m ungen des Staatsvertrages von Saint Germain gewidmet ist. Ler Handelsvertrag mit Ungarn. Wie berichtet, hat die ungarisch« Regierung das gleichzeitige Inkrafttreten des österreichisch-ungarischen Handelsvertrages und des Veterinärabkommens verlangt. Aus diesem Grunde hat sich die Regierung zu einer expeditiveren Behandlung des VeterinäraLkonrmens entschlossen, das heute vom HandelsauSschuß und voraussichtlich am Dienstag vom Nationalrat genehmigt werden wird. N<»hdem dos Abkommen den Bundesrat passiert hat, wird es samt dem Handelsvertrag-sofort in Kraft gesetzt werden. Arbeiter «nd Unternehmer Kr die Novellierung der Arbeitrlosennnterftühnng. 150 MM!«-» Schwing für dir «Atitflejai. Mittwoch fand eine Sitzung des Beirates für die Arbeitslosenversicherung statt. Zunächst stellte Minister für soziale Verwaltung Tr. R e s ch fest, daß, wenn nicht sofort eine durchgreifende Reform der Arbeitslosenversicherung im Sinn« der Regierungsvorlage erfolge, selbst bei optimistischer Schätzung bereits ab 1. d. eine Erhöhung der Beitragsleistung von 120 Prozent auf 220 Prozent des Krankenversicherungsbeitrages erforderlich wäre. Diese würde für die höchste Lohnklasse, in der sich gegenwärtig etwa 80 Prozent aller VcrsicherungSPslichtigen befinden, eine Erhöhung des wöchentlichen ArbeitslostnversicherungSbeitrageS von 3,62 S. auf 4,62 S. ergeben, wovon je die Hälfte Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu tragen hätten. In diesen Beiträgen sind die besonderen Umlagen zur Deckung der außerordentlichen Beihilfen, die insbesondere die Industriegebiete schwer belasten, noch nicht inbegriffen. Soweit sich die wirtschaftlichen Verhältnisse gegenwärtig überblicken lassen, ist für das Jahr 1926 mindestens mit einem durchschnittlichen Stand von 17 0.0 0 0 u n t e r st ü tz t e n Arbeitslosen und etwa 16.0 0 0 Beihilfeempfängern zu rechnen. Der gesamte Jehresauswand für 1926 der Arbeitslosenversicherung ohne Beihilfen wird auf ritnS 15 0 Millionen Schilling geschätzt. Der Beirat gelangte übereinstimmend zu der Auffassung, daß bei der herrschenden schwere»! Wirtschaftskrise eine Erhöhung der Beitragsleistung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gleicher Weise unerträglich wäre. Er erblickt daher den einzigen Auktveg in einer durchgreifenden Reform der A r b e i l s l o s e n v e r s i ch e r u n g. Der Beirat richtet an den Nationälrat den dringenden Appell, die Beratung über die 18. Novelle zum Arbeitslosenversicherungsgesetz ehestens zun: Abschluß zu bringen. m Ende Juni wurden in Oesterreich 135.831 untnstütztL Arbeitslose gezählt. Dazu kommen noch etwas mehr als 14.0 0 0 ausg e st e u c r t >e Arbeitslose, die im Genuß einer Beihilfe stehen, und jene Arbeitslosen, die in den ArbeitSnachweisestellen zur Arbeitsvermittlung vol'gemerkt sind, aber kei-nerlei Unterstützung beziehen; diese sind mit etwa 2 0.00 0 Personen zu veranschlagen. Die Verminderung der Zahl der unterstützten Arbeitslosen gegenüber Mitte Juni beträgt 4 0 47. BerbMauna der Seereise« von Trieft »och PirSll« und Kovftaminopel. Vom Lloyd Triestino wird mitgeteilt^ daß von nun an für- Fahrten von Triest nach Piräus und Konstantinopel und zurück bedeutend ermäßigte Rückfahrkarten ausgegeben .werden.' Auskünfte erteilt das Passagierbureau, 1. Bez.» Kärntnerring 6, Tel. 56-0-53, welches in der Reisesaison an Wochentagen ununterbrochen von dreiviertel 9 Uhr vormittags bis halb 6 Uhr abends geöffnet ist. eH. W i e n, 9. Juli. * Der Arzt aus Innsbruck. Der Bundespräsident hat den Innsbrucker Nnioorsitätüprofesior Dr. Leopold Arzt zum ordentlichen Professor der Dermatologie und Syphiliologie in der Wiener Universität ernannt. Prof. Tr. Arzt übernimmt im Wintersetnester die Klinik Pros. Riehls, der in den Ruhestand tritt. Tie Vakanz dieser Lehrkanzel war vorauszusehen, und schon vor geratltner Zeit waren Kräfte aur Werke, um dem keineswegs als Lltmon mundi geltenden Jtnrsbrucker den Weg nach Wien zu bereiten. Zu diesem Zwecke schlug die Fakultät an erster Stelle den Züricher Dermatologen Bloch vor. Das geschah ebenso sehr in der Absicht, um zu zeigetl, das; die Fakultät auch einen jüdischen Gelehrte n zu schätzen wisse, als andererseits doch die Lehrkanzel für Prof. Arzt frelzrthalten, war es doch ein offenes Geheimnis, daß Prof. Bloch seine reiche Klientel, die sich ans der Schweiz und deni angrenzenden Frankreich rekrutiert, nicht aufgeben »verde. Die zunächst Vorgeschlage»»en, Prof. Zumbusch in München und Prof. Kreibjch in Prag, haben, wie es die Fakultät nicht anders erwartet hatte, ans ähnlichen Gründen wie Prof. Bloch abgclchnt, ntch Wien zu komrneu. So blieb schließlich, da inan atuf den Wiener O p p e tt h e i m nicht greifen wollte, well er ja doch die Berufung augenommeu hätte, niemand anderer als der Innsbrucker Arzt übrig, dem die Lehrkanzel von allem Anfänge zngedacht war, ist er doch, wie es heißt, ein Neffe des Kardinals Piff l. * Das Wetter. Gestern nachmittags Herrschtve klares, heißes Sommerwetter. Nachmittags begann es zu regnen, worauf eine merkliche Abkühlung eintrat. Die Voraussage lautet: Ein» : r ü v u u g, G e w i t t e r, S ch l e ch t w e t t e r. Temperatura b n a h »»l i, vor Ihrer Abreise in die Sommerfrische soiMN Me für de« regelmLi^lgen VeMg des Blattes? m wtfew P. I. Mnmrnten! Wir ««suchen St«, möglichst drei oder vier Tage «6t Sfttct Abreiieden nachfolgenden Schein genauester's anSgeiÜvk samt der Bezuq-bestötiMng der Trafik vns einnüenden, dam^ Jbnen unser Blatt während Ihrer Abwesenheit von Wien ohne jede Unterbrechung vünktlich nachaesendet werden kann. Wkr bitten. Ihre Verständigung möglichst frühzeitig an «n? gelangen zu lassen Dir Mministratisn Ht „Wiener Morgenzeitu«^. Sn di« Sdmintstrattsn der.WienerMsrgenzeitnn g"' Wien H.. Taborstraße 1—8. Hiedurch ersuche ich Sie, mir bieMienerMorgenz e itu n g", welche ich bisher durch die Trafik......... . . Bez.....Straße (Gaffe) Nr . . begehe nnd welche ich bis zum..be.obll habe. vom... . atz an folgende Adresse zu senden: ,,i4i4i'iit.iil.iiilt4*i. »4.,. Die Nbonnenient-qusttunz (Traftkbestä igung) sü-re ich hier bei. .»»»,««»» (Dsr- »nd Zmir»>e) I i I I t i . I ... 4 4 4 i ... (Mnsne SSientt Stbnfje.) Mittwock ncichts h/'t sich die Slfähriae Private Fanny Grünwald, Zirknsgasse Nr. 34, anS einem Fenster ihrer im dritten Stockwerk gelegenen Wohnung in den Hof gestürzt. Sie blieb tot liegen. Gram über den erst kürzlich erfolgten Tod ihres Gatten dürste das Motiv der Tat gewesen sein. * Verhaftung des Juweliers Antonio Bissinger. Zu Be-i ginn des vorigen Monats wurden im Stadtkommissariat zahlreiche Anzeigen Wiener Juweliere erstattet, denen zufolge der Juwelier Antonio Bissinger,, der mit seiner Gattin in einem der ersten Hotels der Inneren Stadt wohnte, den Juwelieren Darlehen und Schmucksachen im Werte von Tausenden von Schillingen entlockt hat und flüchtig geworden ist. Nach gestern hier vorliegenden Zeitimgsmeldilugen ist Bissiuger in San Sebastian von der dortigen Polizei verhaftet worden. * Lin vermißtes Mädchen. Seit dem 25. Juni ist die I8jähr:ge Karoline K l e m e n s ch i tz, 12. Bez., Wolfganggasse 11, spurlos verschwunden. Das junge Mädchen war bei einer Ovstverkäuferiu a»n Naschmarkt bedionstet, mußte immer um 3 Uhr früh vom Hause Weggehen und kain nachmittags nach Hause. So bat sie sich auch am 26. Juni aus dem Wohnhaus entfernt, ist aber seither nicht mehr gesehen worden. Ihr Verschwinden dürfte mit einer aussichtslosen Liebschaft Zusammenhängen. * Ein nnanfgeklärter Mord in Stanislau. Die Polizeiexpositur in Stanislau hat dieser Tage dem Wiener Sicherbeitsbureau mitgeteilt, daß dort am 9. Juni in einem Felde die Leiche eines Mannes aufgefunden worden sei. der Schußwunden aus einer Browningstistole aufwies. In dem Besitze des offenbar ermordeten Mannes wurde ein Militärpaß gefunden, der auf den Namen Wladislaw H e r z st e i n ansgestellt war. Die Erhebungen ergaben, daß dieser Mann in Begleitung eines zweiten Mannes sich wenige Tage vorher in Stanislau aufnehalten habe. Herzstein hatte einige lausend Dollar bei sich. Es besteht der dringende Verdacht, daß sein Begleiter mit einem gewissen Kasimir G l i n s k i aus Czenstochau identisch ist. * Der Fremdenverkehr in Wien im Monat Juni. Während im Mcki 42.912 Fremde nach Wien kamen, sind im Juni 44.570 Fremde, also rund 2300 Fremde mehr, nach Wien gekommen. Davon waren 14.094 Oesterreicher, 67 Asiaten, 1893 Amerikaner, 132 Afrikaner, 23 Australier, 159 Belgier, 159 Bulgaren, 8035 Deutsche, 278 Franzosen, 640 Engländer, 677 Italiener, 198 Niederländer, 30 Palästinenser, 1494 Polen, 1130 Rumänen, 897 Russen, 479 Schweden, 473 Schweizer, 1538 Jugoslawen, 43 Spanier, 7486 Tschechoslowakeu, 105 Türken und 6800 Ungarn. * Der Motorbootverkehr auf der Dodau wieder ausgenommen. Der infolge Hochivasser eingestellte Motorbootverkehr nach den Strandbädern Klosterneuburg, Kritzendorf und Greifenstein wird am Sonntag den 11. d. ab Landungsstelle Marienbrücke ui vollem Umfang wieder ausgenommen. * DaS Amalienbad eröffnet. Gestern vormittags wurde in feierlicher Weise das neue Amalisnbad in Favoriten eröffnet. Nach musikalischer: Vorträge:: der Musikkapelle der Straßenbahner und des Arbeitcrsängerbundes begriißte der Bczirksvorsteher S i e g l die Festgäste. Der. amtsführende Stadtrat Siegt schilderte den Bau des AmalwnbadeS, woraus Bürgermeister Seiy mit einer Festansprache das Bad für eröffnet erklärte. Der Bürgermeister betonte, daß das Bad mit Absicht rm 10. Bezirk errichtet wurde, um das Proletariat einer gesünderen Zukunft cutgegenzuführen. * Ein Besuch im Wiener jüdischen Realgymnasium. Die Direktion des Wiener jüdischen Realgymnasiums schreibt uns: „In dem Aufsatz „Ein Besuch i:n Wiener jüdischen Realgymnasium" in der „Wiener Morgenzeitung" von: 7. d. befindet sich ein Satz, welcher zu Mißdentttngen Anlaß geben könnte. Es heißt dort: „In: jetzigen Lehrkörper, der über 20 Lehrkräfte umfaßt, gibt es mit den: Leiter nur vier Lehrer, die Hebräisch spr-echen und eine ausgesprochen positive Beziehung zum Judentum bekunden." Hier liegt ein M i ß v e r st ä n d n i s vor. Direktor Dr. Kellner äußerte, daß es mit ihm v:er Hebräer an der Anstalt gebe, welche die eigentliche uationale Erziehung der Jugend in Händen hätte. Allerdings sind nicht sämtliche Lehrer der Anstalt ausgesprochene Zionisten, doch gibt es noch mehrere, die innerhalb der nationalen Bewegung stehen und zum Teil aktiv darin wirken." * Kartell der zionistischen technischen Verbindungen. Bon der Jjar-Aktion angeregt, haben sich die bereits in: Berufsleben stehende:» Mitglieder der zionistischen Verbindungen jüdischer Techniker Ehewrussa (Bielih), Hasmonea (Brünn), Jordania, Avodah und Jerernia (Wie::) zu einem Kartell znsammenae- ^0»:. das unter Ablehnung aller studentischen Äeutzerlichd:e Zusammenfassung von 500 technisch vorgebildeten Zionisten bezweckt. Der neue Zweckverband hat ein eigenes Organ: „Nachrichten des Kartells der zionistischeir technischen Berbindnngen" gegründet, welches in Bielitz erscheint u nddessen erste Folge bereits vorliegt. Diese Zeitschrift will den Kontakt Kutschen den Mitgliedern Herstellen, wirtschastlkche, kulturelle und politische Fragen behandeln, wichtige Ideen und Projekte zur Diskustton stellen und snthält auch.eins Stelleirvernukllungsrubrlk. * Ermäßigt« Fahrpreise za den EtranddSdera. Wie M* Generaldirektton der venerreichtschen «Wdeßdahnm mttieilt, gelanaen Kahrtartenblocks znjelOFcrhrkartr« drrtter Klasse Personen»«« für den BLderaerkehe anfder Franz-Jos ess-VahN-Streck.SM «nsaabe. und?war für b'e Verbindungen r Wien-Franz-Isfefs-Bahn— Klosternenbnrg zum Prelle von S. 5.—, Wien-FranzMo^^Edabn--- Kridendorf zum Pre-ie von S. 7.60, Helligenstadt^Mosterne»b»rg ,um Prelle von S. 3.50, Heiltaenstadt - Kritzenvorf zum Prelle von S. 6.— oder umgekehrt. Die Hah:karten gelten an allen Tage« btr einschließlich 80. September 1926. Die Blocks können aleichzeittg von mehreren gemeinsam reisenden. Personen benützt werden. D>e Ausgabe erfolgt in Wieu-Franz-Zosefs- Babnhof, Heiligenstadt, Klosterneuburg-Weidling «nd Kritzendvrf. in der Fahrkartenvorverkaufsstelle der Generaldtrektion der OesterreM'chen Bundesbahnen. Wien» 1. Bez., Schwerzenbergplatz 3 ferner im Oesterreichllchen Berkehrrbureau, Wien, 1. Bez^, Fr'edrtchstraße 1» und in den Haltestellen der Wiener Stadtbahn. Webers sind m den Stationen der Franz-Josefs-Bahn-Strocke Badekarten für da- Klosterneuburg« Strandbad erhältlich. Bühne und Kunst. SIWfche» Snftrtt in London. DingUeffs jüngste Schöpfung: „LeS Roces." Der Napoleon des Balletts, Serge D i a g i l e s f, weilt ^derzeit in London, wo er am His Majostys Dheatre ein vierwöchiges .Gastspiel absolviert. Eine Reihe alter und neuer Ballett sch öpsungcn werden dem englischen PMik-nm geboten, unter denen „Les Nvces" — den sensationellsten Erfolg tzat'e. Der Erfolg di-chs Balletts — wenn ma-n es überhaupt noch so nennen kann — ist vor allem ein Erfolg der N i j i n s t a, die von ihrer Inszenierung von „Train blue" und „BicheS" her als witzige Datir-llorin bekannt ist. „Les NoceS" zeigte sie als Genie des modernen Balletts, wie Strawinski das Genie der modernen Musik und Picasso das der modernen Malerei ist. Dieses Ballett ist ein-e Tragödie. Ein nervenauspeit'schendes, quälendes und tiesiimerst erschütterndes Erlebnis. Die eigenartige Musik für zwei Doppelklaviere, ,Mopsen" und Chor, ist interessant/doch wie ich von den Tänzern höre,' außewrdsnllrch schwierig zu wnzcn. Ti-agiless hat Poulene, Anri-e, Riete, den Komponisten von „Baraban", und Dukelski, den ^Komponisten von „Zephir und Flora", für die Klaviere gewonnen» ein fo senible am Piano, das nur di-sser Zar des Balletts M'sammeustellen konnte. Das Grundchema ist einfach. Hochzeit ei-neS russischen Bauernmädchens. Ti-e Feierlichkeit ist ihrer traditionellen Lustigkeit vollkommen entkleidet und wir sehen die nackte grausame Wahrheit. Die junge Braut wird ihre Freiheit verlieren, sie wird Sklavin, wird dem neuen Herrn Kinder gMren rasch altern. Wenn er es will, wird e-r sie schlagen — sie ist sein Elgentun:. Auch der Bräutigam ist beklommen, von dem Gedanken bedrückt, daß ihm dieses junge Leben anvertraut wird. Höhepunkt ist der Tanz der Gäste. Sie tanzen, tanzen — doch auch sie fühlen die Tragik dessen, was vor sich geht. Jede ihrer Bewegungen ist ein Echo der Gedanken der Braut. Die Musik ist kein Hochzeitsmarsch, sondern ein Lamento <lwie das Heulen bei einem östlichen Leichenbegängnis). In vollster Harmonie damit ist auch die Szenerie von Gontscharova. Zunächst nichts als eine starrende Wand nt.it .einem kleinen vergitterten Fevsterchen, hoch oben. Ausdruck dev GösanMnschaft.' Es gibt kein Erckfüchen für »die Braut. Später die kahle Dorfstube mit dem Tisch, den sie'morgen Uüd alle kommenden Tage wird scheuern müssen, das hochgetürmte Bett, in hem sie unzählige Ki.ider unter unsagbaren Leiden zur Welt bringen wird. -Die Nijinska erzählt die große Leidensgeschichte einfach mit ihren Gruppierungen. Das Eovps de ballett bewegt sich wie ein Körper, Monotie, Sorge, Angst, doch niemals Freude ausdrückend. Unvergeßliche wenn Braut und Bräutigam langsam.durch die'.offeue Tür gehen, der Vorhang fällt und vor. ihm die Gäste weitertanzen. Ohne Freude, in dumpfen, mechanischen Belwegungen. Man behauptet, daß das russische Ballett der einzige Ausdruck, die einzige Zukunft der modernen Ta-n-zknnst Überhaupt sei. Von allen rusiifchen Balletten nun ist dies das russischeste und wird wohl nur von Russen voll begriffen werden. Ist dies alles jedoch überhaupt noch Ballett? Im streng klassischen Sinne zweifellos nicht. Es ist Tragödie, Pantomime, oder wie sonst man es nennen will. Doch daraus kommt es nicht an. Welchen Namen wir ihm auch geben mögen, es bleibt Kunst. London, im Juli. _ ' A. C. Haskell. Aus dm Ämter». Burfttbeater. Morgen, l/g8 llhr abends, w weißen Rößl'. Opernltzeater. Morgen. */,8 Uhr abends. „.Don Juan' (Ballett) — „DieRuinenvonAthen". Tdeater in derJoiefstaür. Heute findet dis letzte Vorstellung von „Die Gefangene" tu dieser Svielze't statt. Als Sommerpremiere gelangt der Scbwank »Der Igel' von Toni Jmpekooen und HcmS Neimann zm Aufführung. R o l a n d b ü h n e. Heute. 8 lldr abends, Premiere, von ..Caf6 Electric, die Tragödie einer Gefallenen" von Felix Fischer. rltenatiiancebühne. Heute Premiere der Lustsvirlnovi'ät „Die Glatze und der Bubikopf' von LajoS L u r i a. _ Die Ghakesdeare-Sommerfestspiele in Stratforl vn Avon finden in diesen: Jahre in einem — Kino statt, da das Shakespeare-' Theater bekanntlich durch Brand vernnchtet wurde. Die Spielzeit dauert zehn Wochen. Am Eröffnungsabend lrmrden „3>ic lustigen Weiber von Windsor" gespielt. _— CENTRAL-KINO___ U., Taborstrasse 8 Telephon 4a-3-4i Von heute bis 12. jull Mortom Leidenschaft mit Kafhleen Clifford und das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstelluugon?

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