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Wiener Morgenzeitung · 1926-07-08 · Heft 2648 (8.7.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2648 (8.7.1926)
Date
1926-07-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wen, DonkderSVg mtt Tagesdericht. SanaeDetg, der -aurjud. ES war ein Luftiger Nachmittag. Der sonst jfo langweilige Nationalrat wurde mit einemmal angeregt und interessant. Auf ^Her Galerie sahen auswärtige sozialdemokratische Sportler und Turner. Den Gästen mußte wohl bewiesen werden, daß ihre Parteigenossen in Wien sich kein Blatt vor den Mund nehmen. Wenn es um die Korruption geht, dann stellen sie wohl ihren Mann. Ueber den Begriff «der Korruption gehen die Meinungen auseinander. Es gibt Leute, die unter Korruption den Zustand verstehen, in dem diese Republik nun schon seit sieben Jckhren lobt, das ist seit ihrem ersten Tage. Dos ist ein Zustand der Versumpfung der öffentlichen Moral; die klare Vernunft der Menschlichkeit ist überwuchert von Parteiprogrammen. Was beim Gegner rücksichtslos in Grunid und Boden geschimpft wird, das findet in den eigenen Reihen höchst rücksichtsvolle Beurteilung. Die Lplitterrichterei, die Recherche de ka potermte wird immer nur genau so betrieben, wie es der Parteitag und der Parteivorstand vovschrckben, immer nur so weit, daß keine mißgünstigen Nutzanwendungen und Rückschlüsse notwendig sind. Das ist der Zustand der Korruption, in der die ärgsten Versündigungen gegen den Geist unwidersprochen bleiben, in der Schul«, Gericht, Verwaltung so tief gefallen sind, daß nirgends mehr Vertrauen besieht. Man sollte glauben, daß die besten Menschen sich zusaminensctzcn müßten, um Auswege und Abhilfe zu finden. Es gibt aber noch eine andere Korruption und di« wird von allen Parteien unerbittlich verfolgt. Sie rechnen einander die Juden vor uni) der lustige Nachnrittag von vorgestern war von den Sozialdemokraten der Aufgabe gewidmet, den Ariern nach-'umeisen, ^ß ihr Antisemitismns unwahr sei. Man ging von der Zentralbank der deutschen Sparkassen aus, die dnrch Uebermchme verkrachter antisemit-ifcher Unternehmungen selbst notleidend geworden ist. Diese Bank ist dem praktischen Antisemitismus gcwidn'et, ihr hauptsächlichster Klient, der Großdeutsche Wutte, ist Pogromschrcier, und ihr Wiener Blatt hat die Angriffe auf die Bank als Ehristenversolgung stigmatisiert. Die Regierung will nun die Einleger dieser Bank vor Schaden bewahren und übcrniinmt die Ha flu ng; ihre Kosten sollen durch einen Sichev.ingSfouns gedeckt werden, der von den Geldinstituten aufgebracht wird. Ta diese Institute aber wohl nicht in die eigene Tasche greisen werden, so wird es sich hera-usstellen, daß S'e Einleger den Fonds aus den von ihnen zu leistenden Zinsen werden ftcUeit müssen. Eine Bolkspartei, der es um die Kleinen und Schwachen zu tun ist, hätte hier mit Kvitik und Gegenvorschlägen ausrücken müssen. Aber das wäre doch laug.o eilig, das halte die Galerie nicht 'interessiert. Die Sonaldemokvaiie hat die Korruption zu bekälnpsen. Sie ha.» nachzuweisen, .daß das arische Kapital seiner Bestimmung, Juden;n drosseln, nicht so gerecht wird, wie es das sollte. Es hat sich,, man tföre und staune, sogar jüdischer Spekulanten — sogar ostjüdischer Spekulanten — bedient. Das vn'.iß — das Interesse des Proletariats verlangt das gebieierisch — öffentlich angeprangert werden. Und zwar, da es sich doch '.in« Jwten handelt, kann nur ein Jude dieses Geschäft der 'Korrnplionsbckämpfnng mit Elan und Schneid besorgen. Herr 'Rodert Tanneberg tat es zur Zufriedenheit. Es war ein lustiger 'Nachmittag. Die Zuhörer hielten sich d»e Seiten vor. Lachen. 'Schonungslos hat Danneberg alle Juden ans Licht gezerrt. Zweieinhalb Stunden hat er gesprochen. Ueber die Zentralbank oder über die Sicherung der Einleger? Nein. ' Ueber Isaak Friedman»» ans Kolomea, Leiser Rosenntann aus Budzanow, T-avid Selzer aus Lemberg, über Marius Ieidler aus Peczenizyn und so weiter. Alkes, um zu beweisen, daß diese hakenkrenzlerischl», Arier ihr Programm verraten. Die Banken dieser Art leisten ja fern von Wien in den Bundesländern tüchtige anti- Las kranke Sverskheater. Der eben veröffentlichte Rechenschaftsbericht des Wiener Opernrhcal^rs über die abgclanfene Spielzeit gleicht hem Bulletin von ciitci,\ Krankenlager. Keine Uraufführung, abgesehen von Püldinis „Hochzeit im Fasching", die den Fasching nicht -durchzuhalten vermochte, als einzige Novität der „Sganarcll" von Wilhelm Groß, ferner einige von der BolkSoper her bereits bekannte Erstarlfführungen unb wenige, nicht immer geglückte Reprisen. Keine Kraftprobe für die altberühmte Hofoper, welche — auch dies ein Krantheitssymptvm — noch immer im Geiste der höfischen Traditionen weiterwnrstelt unb ihr Schwergewicht auf die älcßere Fassade, aus Stars mtb prunkvolle Inszenierung verlegt. Ein Operntheater ist »licht nur eine Knnststätte, sondern — leider! — auch ein Gejchüftsnnternehmen. Und jeder Geschäftsmann muß in Zeiten wirtschaftlicher Not durch mannigfaches Angebot und dnrch billige Preise sein Publikum anlocken. Das reiche Angebot eines Theaters, zugleich seine beste Reklame, ist sein buntes Repertoire. Das Wiener Operntheater hat nun in der letzten Spielzeit weder eine alte noch eine repäsentative moderne Oper neu heransgebracht, es hat sich weder um die Händel-Renaissanee noch um den unbekannten Verdi noch um die Mnsikmoderne gekümmert. Und völlig brach liegt das Ballettrepertoire, obwohl das noch immer sehr bedeutende Wiener Opernballett in dem gerade jetzt neu ans blühenden Tanzdrama ein reiches Betätigungsfeld finden könnte. Hierin, in dem ganz lückenhaften, dürftigen, höchst einseitig orientierten Repertoire besteht die Hanptkrankheit des Operntheaters, die wieder eine Folge des Mangels an jugeirdfrischen «»irternehmendeii Dirigenten, eine Folge der ganz nnzttlänglichen Bezahlung - - Sparsamkeit am Unrechten Platze in Bagatellen — der Korrepetitoren, eine Folge des viel zu schlverfällig und unsachlich geführten Opernhanshaltes ist. Das Publikum will »licht iurmer wieder die alten, hundertmal abgeleierten Werke hören. Es verlangt nach neue»» Eindrücke»» in der Musik, in der Szene. Die Inszenierung muß durchaus keine heikle Finanzfrage sein. Es lassen sich auch, mit den alten szenischen Weifet? ''semitische Arbeit und nehmen den kleinen Mischen Kaarfleuten 4-te Existe »»Möglichkeit. Vor den gestrengen Augen des auf Rein- Heit erbitterten Danneberg verschwindet diese für eine Freiheitsjpartei nicht gar so uninteressante Tatsache, die »die Juden Prolcbarisiert und -in die Großstadt treibt. Wozu hat Tanneberg diese EiichMingen vorgenornnicn? Sie ändern doch nichts an dem Meritum der Sache, weder au!dem SiarAe der Zentralbank noch an dem Schutze der Einleger. Die Sozialdemokratie, die alle Tage die gesamten moralischen Energien mobilisiert, hat gegen dos vorgelegte Gesetz an sich 'nichts einzwvenden. Sie hat das Prinzip dev kapitalistischen Banken auch fiir sich adoptiert und sic geht dom schmerzlichsten Teile des Bankenproblems, der Sorge mH die Tausende von Ubgebauten, sorgfältig aus dem Wege. Sie muß es vergesietl machen, daß die ersten Anlässe zu dein Masseuabbau in denr von der Sozialdemokratie begonnenen und glorreich verlorenen Streik »liegen. Das sind peinlich« Erinnerungen, über die die profunde »Sachkenntnis des Genossen Danneberg hmweghclfen soll. Sie soll noch außerdem einem vevehrlichen Publikum beweisen, daß «die Sozioldem-ökratie die arischen Belange zumindest so gut kennt wie Waldegg und Hsdenigg und daß sie zu ihrem Schutze sogar »einen.Hausjuden ausbietet, eben den Genossen Danneberg. Ae zlonWchen Fond». Zur Frage der Vereinigung. Der Klub radikaler Zionisten in Wien veranstaltete kürzlich mchrere Klubabende, welche der freien Aussprache über die Reorganisationsbedürftig k e i t des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth) und des Palästinaaufbaufonds (Keren Hajessod) gewidmet waren. Zur Erstattung der einleitenden Referate waren die Herren Dr. N. Gelber (Leiter des österreichischen Keren-Hajessod-Bureaus) und Dr. Ch. Tartakower (Leiter des österreichische»! Nationalfondsbureaus) geladen. Die überaus sachliche und erschöpfende Debatte ergab, daß sich die überwiegende Mehrheit fiir die Zusammenlegung der beiden Fonds aussprach, da alle Gründe, welchen die Schaffung zweier separater Fo»»ds zuzuschreiben war, längst fortgefallen sind. Der Weiterbestand zweier Fonds bewirkt Doppel- und Gegeneinanderarbeit, schafft unnötige Auslagen, Anwachsen des bureaukratischen Apparates und Verwirrung im jüdischen Publikum. Die Mehrzahl der Redner drückte den Wunsch aus, daß schon der nächste Zionistenkong r e ß vor die Entscheidung dieser wichtigen und für die Entwicklung der Arbeit in Erez Israel hochbedeutenden Frage gestellt werde. Fkne RimeninschM in Amertta »»»gesunden. Nrw-Aork, 7. Juli. (Reuter.) Nach einer Meldung aus S p o k a n e (Staat Wash ugioi») hat der norwegische Gelehrte O p o » e n in der Nähe dieser Stadt auf einem Felsblock Rune ninschriftenentdeckt. aus denen hervorgeht, daß um das Jahr 1010 eine aus 24 Männern, sieb en Frauen und einem kleinen Kinde bestehende skandinavische Exvedition dort angekominen ist. D«'e Jn'chrift berichtet tveilerS, daß die Expedition durch I n d inner nahezu vernichtet worden ist. Ae Pariser Mieter volle» nicht bezahle!,. Paris, 7. Juli. Mehrere - tausend Mieter beschlossen gestern in einer Massenversammlung, die Mieten in diesem Monat n i ch t z u b e z a h l e n. S«e fordern die Aufhebung des von der Kam»ner gutgeheißenen neuen Mietengesetzes. Beständen hinlänglich Neuinszenierungen schaffen, wenn nur der rechte Ma»»n für die Szene verantwortlich ist. Die Zeiten, da Gustav Mahler für die Inszenierung des „Fidelio" echten Samt anforderte, sind vorüber, Tairofs, der mit wenigen herabhängenden Schnüren die ganze Bühne förmlich in Beivegung brachte, hat nns neuerlich gelehrt, daß der einfallsreiche Geist stärker und lebendiger ist als totes Material und raffinierte Techiük. Und daß man im Theater auch mit ganz alte»» Werken Kassenerfolge anstveisen könne, hat uns Max Reinhardt etwa mit seiner Berliner Inszenierung von Kotzebues „Deutschen Kleinstädtern" gezeigt. Da gab es keine Stars, dafür aber eine köstliche Ensembleknnst. Und wie bei Reinhadt so auch in der Oper. Ei»» Ensemble wird nicht dadurch interessanter, daß es durch die Stars mit ihre»» Absagen, Rankünen und Affären gefährdet »vird, vielmehr gerade aus den» Verzicht auf die jede Gemeinsamkeit sprengenden Stars, ans de»n Bewnßtsein der künstlerischen und menschlichen Zusammengehörigkeit, der Mitglieder erwächst die Klein- und Feinarbeit bis in die geringsten Episodenrollen hinein, »vie wir sie bei russischen Gastspielen be- »vnndert haben. Ein solch pflichtbew»ißtes Opernensemble, »velches allmählich »vagen dürfte, 'berühmte internationale Stars unb Quälgeister abznstoßen, käme »vohl in die Lage, neben den erfoderlichen Reprisen ein bis z»vei Novitäten im Monat herausziibringen, Novitäten, die durch die Bühneugesamtkunst,und nicht durch Stars unb Prunkdekorationen das Publikum fesselte»». Das Novitätenrepertoire müßte natürlich ältere Werke und konservative unb moderne Werke der Jetztzeit in gleichen» Maße umfassen. Ein in Wien unbeka»mter Gluck oder Verdis „Forza bet destino" gehört ebenso in die Staatsoper wie eine Händel- Oper, »vie ein Werk von Mehul oder Cherub« ni cksw. Richard Strauß' „I u t e r in e z z o" ist »»och immer nicht für die Staatsoper erworben, „Der heiligen Ente" von Hans Gal »cnd denl „Wozzeck" von Alban Berg, Werken von Wie»»er Toildichtern, dürfte sich die Staatsoper ebensowenig verschließen wie einen» neueren Werke vo»» Leos Ianace k, von S t r a w c n s k h, von P r o k o f i e f f, von Ravel und all den »nodernen Tanzdramen von Bartvk, Cafella, Schulhofs, und Wellesz. Vielleicht könnte man 9. (Mi rm Die Aussichten find bester (nämlich für das Wetter); hoffentlich hält diese Tendenz an und der Städter findet die wohlverdiente Erholung auf dem Lande. Erholung bedeutet aber nicht Langeweile, sondern zur Erholung gehört Anregung. Das beste und gesündeste Anregungsmittel für Körper und Geist ist aechter Bohnenkaffee aber unverfälscht und unvermischt. JrrUrrs MeiM Gegründet 1862 Rene Enthüllungen über Kutiskr. > Sonderbare russische Geschäfte. i<. Berlin, 7. Juli. Das „Acht-Uhr-Blatt" meldet: De Staatsanwaltschaft beschäftigt sich mit der Aufklärung eines neu entdeckten M i l l i o n,e n s ch w i n d e l s Kutiskers, begangen durch Täuschung z a h l r e i ch e r F i r me n. Die Be rliner Handclsvcrtret»lng der Sowjetunion hat den Schwindel vollständig aufgedeckt. Die neue Millionenschiobung bildet heute das Gespräch ganz Berlins. Kintisker »v.'ßte die Bereitschaft deutscher Firmen, ihr russisches Geschäft zu erweitern, für sich zu benützen. Er gründete eine Verla-vsiorganiiattort deurischer Jttdustriewerke A.-G., abgekürzt „Bodiag". Die entscheidenden Verhandlungen über Verträge und Geschäft« verlegte er in die Wohnung eines gewissen Herrn L o e w, «der die Vertreter der großen Firmen mit Kcltisker in Verbindung brachte. Er hatte dabei daraus ansrnerksam zu machen, daß es sich um eine h o h e Pe r s ö n l -i ch k e i t handle, die er nicht nennen «dürfe. Alle erstklassigen deutschen Firn»en wurden herangezogen und zu Bedingungen veranlaßt, cie als ein Unikum betrachtet werden dürfen. Kutisker bedang sich Provisionen von 3 bis 5 Prozent für den gesamten Umsatz der vertragschließenden Finnen in Rußland und den Randstaaten ans, und zwar für solche Geschäfte, mit oenen die „Vodiag" gar nichts zu tun hatte. Er verlangte und echielt die Kopien »wn allen Geschäftsabschlüssen dieser Firmen in Rußland und benützte seine Kenntnis der Verträge und der Geschäftsgeheimnisie dazu, sie auch b ö r is e n m ä ß i g a n s z u b e u t e n. Die hohen Provisionssummen begründete er mit der Notwendigkeit, >daß er die Beamten der Landesverwaltnng bestechen müsse. Mordversuch im Gerkchtrsaal. Budapest, 7. Juli. Das Strafgericht verurteilte heut« den. Tagköhnec Johann F o d o r, der seine Geliebte aus C » f ersuch t e r st o ch e n hatte, zu f ü n f I a h r e n Z u ch t h s u Vei V e r l e s u n g d e s U r t e i l s begann der Angeklagte zu toben n»cd verlangte, man möge ihn h i n r i ch t e n, da er keinen Tag länger im Kerker sitzen wolle. Als der Jnfti»soldat den Mann abiühren »voltte, entriß ihm Fodor das Bajonett und st ach aus den Soldaten los. Iin Gerichtssaal entstand eine Panik, die sich erst legte, als der Verteidiger des Fodor ans seinen Klienten zusorang und ihn mit einem Jiu-Jitsu-Grisfz u Boden warf, »vorauf der rabiate Häftling gebändigt werden konnte. Der Justizsoldat ist s ch w e r v e r l e tz t. Ler Wein im Rhein. Berlin, 7. J»«li. Die Blätter berichten zu den V o r g äuge n n n ch o e m Zerschellen des W e » n , m > r > >: s. daß dieZalilderToten nurdrei betrüg. Die Todesursache rst Alkoholvergiftung. Der Wein war noch nicht vollkoininen ausgegsren. gar einmal später einen H i n d e m i t h wagen, es käme eben auf ben Versuch an, der keinesivegs mit dem Hinweis auf den Konservativismus des Wiener Pilblikums abgelehnt werden darf. Reaktionär ist nach dem Gesetze der Trägheit jedes Publikum der Welt, hier muß eben die kunstpolitische Erziehung und Aufklärung einfetzen! . Wenn man die J-ahresansiveise der deutsche»» Opernbühnen durchgeht, so erstaunt mau, welche Fülle von guter, vorn Publikum dankbar hingcnommener Opernmusik »roch immer Produziert wird, an »velcher die Wiener Staatsoper achtlos vorübergeht. Und darin scheinen mir die Wirrzeln des kürrstlerischen und finanziellen Debakels der Staatsoper zu liegen. Sie verdorrt, da sie sich auf die Tradition und auf klingende Namen stützt. — Ein arbcitsfrcudiges Ensemble »rnter Führung energischer Dirigenten und Korrepetitoren vermag wohl, »vie es die Ans»veise reichsdeutscher Bühnen betveisen, etrva dreißig dtovitäten und Reprisen in der Saison herauszilb»ingen, »voinit — wenn »urr erst einmal das Vertrauen des Publilmns in die Arbeitsfähigkeit und Arbeits- »villigkeit der Wiener Oper »viedergekehrt ist — 100 bis ISO Shr gut besuchte Häuser »vährend einer Saison gesichert sind. Rechnet man dazu noch eine größere Anzahl erstklassig besetzter Wagner-, Mozart- und Richard-Strauß-Abeude, die noch immer Zugkraft haben, so erscheint rnir die niaterielle Grirudlage . des Opernhauses gefestigt, vielleicht gar ein geringer Preisabbau mit der Zeit möglich. Man komme nicht mit de»n Einivand, daß das ausgepumpte Pttbliknnl in der Zeit des Radio, des Kino und des Sportes für ernste Kunst kein Geld mehr habe. Es hat immer noch Geld, etwa für interessante Gastspiele, die meist einen Massenbesuch ailfweisen; aber es »vill eben für sein Gold nicht abgestandene höfische Kilicst, sondern etwas Anregendes in — ob nun reaktionär oder modern zeitgemäßer Wiedergabe sehen. Auch das alte Hofoperntheater »vird, »vill es im Kampf ums Dasein bestehen, an einer zeitgemäßen Unrgestaltung nicht vorbei können. Diese geschieht jedoch nicht durch schöne Worte, diploinatische Enuntiationen, Entschuldigungen der Staatsthiniterverwallung, »velche im Grunde SelbslanNagen sind, sondern durch Arbeit, Arbeit und noch einmal Avbe-ü- Dr, Erw.in Felder

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