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Wiener Morgenzeitung · 1926-07-07 · Heft 2647 (7.7.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2647 (7.7.1926)
Date
1926-07-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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•«*fe '4 WM, mmm Das Unwetter. •AftSfte to Sefterrekch. 7. $iuli 1926 Nr. 2647 1 fa mn. Zenttmn im sheM Mtrztal. Die Zentralanstült für Meteorologie tuifc Geodynamik . meldet: Das gestern in -Wien gesiihlte Erdbeben wurde von Sen Seismographen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien um 8 Uhr 39 Min. 21 Sek. mitteleuropäischer Zeit (provisorische Bestimmung) registriert. Die .stärkste horizontale BvVenderrückung ibetrug 0,3 Millimeter. . Immerhin war das Beben kräftig genug, mn die Komponente -es gwßen Seismographen (die schreibet Ncktel) in Unord- NU ng zu bringen. Ms Hierdenffernung von Wien wurde provisorisch die Distanz von 100 Kilometer berechnet, daher dürfte der Herd im oberen Mürztal gelegen sein. Es wirgebeten, Berichte mit genauen Ortsangaben aus Wien (auch Bezirk, StraHe, Hausnummer und Stockwerk) m-it dem Vermerk Amtlicher Auftrag Erdbebcnd i e n st" unfrankiert an die Zentralanstalt, Wien 19. Bez., Hohe Warte 38, zu .senden. Panik in MrzzaiÄkag. Graz, 6, Juli. In Mürzzuschlag hat das heule vormittags vcrzerchnete Erdbeben beträchtlichen Schaden an den Hauern angerichtet. Die Erdstöße waren ungemein heftig uck» von explosionsartigem Getöse begleitet. Kai; rn ein Gebäude blieb verschont. In den meisten Häusern entstanden große Risse in den Wänden und den Decken. Arg beschädigt wurden das Rathaus, die Bürgerschule, das alte Brauhaus und das Gebäude des Bezirksgerichtes. Die aufgeregte Bevölkerung eilte ins Freie und getraute sich erst nach Stunden wieder in die Wchnungen zurttckzulchren. Das Erdbeben wurde auch in Oftst e i e r m a r k, so in H a r t b e r g und R i e g e r s b u r g, deutlich wahrgenommen. Neuerliche Srdbebenlatcchrophe aas Sumatra. London, 6. Juli. Das Reutersche Bureau meldet auS Pa dang:'Ein schweres Erdbeben wird aus Fort de Kock gemeldet. Mehrere Gebäude wurden schwer beschädigt. Allenthalben entstand eine Panik. Die Gesamtzahl der Opfer übersteigt 400. Der in den Städten P a d a n g und P a n d j a n g angerichtete Schaden wird auf etwa sechs Millionen Gulden beziffert. Der weitere schwere, im Gebiet von Padang angeoichtete Schaden wird auf elf Millionen Gulden geschätzt. Das Hochwasser in Jugoslawien. Anderthalb Milliarden Dinar Schien. Belgrad, 6. Juli. Die Skupschtina wurde für die nächste Woche zu einer außerordentlichen Sitzung einbemfen, in der das Haus die erfoäwrlichen Notstandskredite für die von der Hochwasserkatastrchhe betroffenen Gebiete votieren und sich daraufhin wieder vertagen wird. Soweit bisher. festgestellt werden konnte, erreichen die Schäden, die die Üeberischwemmungskatastrophe in der Wowojdina, der Bacska und Baranya verursacht hat, die Höhe von anderthalb Millia rde n D i nar. 8i» Besuch im Wiener Wische« Realgymnasium. Im Nächsten Jahre findet in dem von Oberrabbmer Dr. Chajesim Jahre 1919 gegründeten jüdischen Realgymafium in Wien die erste Reifeprüfung statt. In einem stillen Seiten- -gäßchen in der Leopoldstadt, im .Stiftungshause des Herrn 'Pollak-Rudin, werden schon seit sieben Jahren jüdische Kinder in allen Fächern des Realgymnasiums unterrichtet, aber mit Einschluß der hebräischen Sprache und im Geist des Judentums. Es ist wohl nicht notwendig, auf die Bedeutung dieser jüdischen Erziehungs- und Kulturstätte hinzuweisen. Jedermann, der den fortschreitenden Assimilations- und Zerbröckelungsprozeß der 'jüdischen Jugend beobachtet, wird den Wert einer jüdischen Mittelschule in der Galuth richtig einschätzen können. Die Schule will dem jiMschen Jugendlichen europäische Bildung aus jüdischer Grundlage vermitteln. Dieses Problem, wie man — außerhalb der hebräischen Stunden und des Religionsunterrichtes — auch in allen anderen Gegenständen jüdischen Geist vermittelt, indem man sie mit jüdischen Inhalten durchsetzt, bezeichnet Herr Direktor Viktor Kellner als das Wichtigste im ganzen praktischen Schulfragenkomplex der Diaspora. Wir müssen uns einen eigenen Schultypus schaffen, sagt Dr. Kellner. Er gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß in den Hauptumrissen der jetzige in Wien bestehende Typus der einzig mögliche ist und daß in der Zukunft in Westeuropa sicherlich viele solche jüdische Schultypen entstehen werden. Dr. Kellner nennt Brünn und Berlin, wo man jetzt darangeht, ähnliche Mittelschulen zu gründen. Im.nächsten Jahr wird im jüdischen Realgymnasium die deutsche Mittelschule noch nicht eingesührt, denn zunächst muß das System des jüdischen Realgymnasiums zu Ende geführt werden, was im-nächsten Jahre mit der ersten Reifeprüfung geschehen wird und zweitens erlauben sowohl die materiellen als auch räumlichen Verhältnisse des Gymnasiums eine Gabelung in diesem Zeitpunkte - noch nicht. Vielmehr soll im nächsten Jahre das ganze Problem der Anpassung des Programmes der deutschen Mittelschule an die^Forderungen einer jüdischen Schule durchstudiert und durchbercrten werden, damit man Vorneherein mit einem feststehenden und genau ausgearbeiten Plan beginnen kann. Die Leistungen des Gymnasiums in den sieben Jahren sind sehr zufriedenstellend. Das Gymnasium wird von Behörden sehr oft einer-Inspektion unterzogen (sechs Inspektoren visitieren jährlich die Anstatt)., Das Bildungsniveau der Schüler ist das allerbeste und shrht dem eines deutschen Realgymnasiums in keiner Beziehung-rnach. Das Verhältnis von Lehrern und Schülern ist freundschaftlich, obwohl es selbstverständlich auch hier manchmal zu Differenzen kommt, die aber m«st auf gütlichem Wege beigelegt werden können, ohne daß man zu schärferen Disziplinarmitteln greifen müßte. In drei oberen Klassen bestehen Schulgemeinden, dagegen scheiterte ine Einrichtung der Schulgemeinde in der siebenten Klasse an der Verschiedenheit der Individualität der Schüler. (Vielleicht aber war es gerade hier Pflicht der Lehrer, die verschiedenen Individualitäten in Einklang zu bringen?) Die Wahl der Lehrer ist für alle Bildungsanstalten das schwierigste Kapitel der Schulführung. Im Falle der jüdischen Schule gesellt sich zuden allgemeinen Schwierigkeiten noch die Frage nach der Einstellung zum Judentum und zu seinen nationalen Wiedergeburtsbestrebungen sowie das Problem der österreichischen Staatsbürgerschaft. Im jetzigen Lehrkörper, der über 20 Lehrkräfte umfaßt, gibt es mit dem Leiter nur vier Lehrer, die hebräisch sprechen und eine ausgesprochen positive Beziehung zum Judentum bekunden. Allerdings drücken diese Lehrkräfte ihren Stempel der ganzen Anstalt auf und bestimmen ihren bewußt jüdischen Charakter. Hebräisch, Palästina und die jüdische Bewegung stehen den Schülern sehr nahe. Die AnstÄt besuchen zirka 300 Schicker, die in acht Klasien .(sieben Jahrgänge) eingeteilt sind. Das.Budget der Schule beträgt '>7000 Schilling monatlich^ wovon 4M HHiMz durH die Einnahmen aus dem Schulgeld gedeckt werden. Die Kultusgemeinde trug bisher 1500 Schilling monatlich bei, es besteht aber Hoffnung, daß die Kultusgememde das Defizit von monatlich 2500 Schilling tragen wird. Es ist Pflicht der jüdischen Gemeinde, die einzige jüdische Mittelschule in Wien zu unter stützen. Die brennendste Frage des jüdischen Realgymnasiums ist aber augenblicklich die Raumfrage. In fünf Räumen müssen acht Klassen untergebracht werden. Dieses technische Kunststück konnte bisher nur unter großen Schwierigkeiten gelingen, indem man den Unterricht schichtweise einteilen mußte. Schüler und Lehrer sind darum gezwungen, nachmittags bis 7 Uhr in der Schule zu verbringen, was sicherlich dem Unterricht nur schadet. Der normale Unterricht an Vormittagen ist ein dringendes Gebot der modernen Pädagogik. Im nächsten Jahre kommt nun noch eine neue erste Klasse hinzu und die Unterbringung und Einteilung der Schüler wird technisch unmöglich. Der Verein Jüdisches Realgymnasium schreitet daher an den Aufbau eines neuen Stockwerkes auf das einstöckige Haus. Die Stiftung Pollak-Rudin ist mit dem Aufbau einverstanden und bietet hierfür einen langjährigen Kontrakt. Zur Verwirklichung des Bauplanes sind 50.000 Schilling notwendig. 20.000 Schilling müssen sofort bar erlegt werden. Dank der erfolgreichen Hilfe einzelner Persönlichkeiten ist es bisher gelungen, 10.000 Schilling für den Baufonds aufzubringen. Insbesondere hat sich zum Beispiel Herr Kommerzialrat Markus um die Sache verdient gemacht. Er brachte allein für diesen im doppelten Sinne „aufbauenden" Zweck 1200 Schilling auf. Die jüdische Oeffentlichkeit, der die geistige Kultur des Judentums urid die Erziehung der Jugend am Herzen liegt, ist nun verpfichtet, durch Spenden die Raumnot des jüdischen Realgymnasiums zu beheben. ' Im nächsten Jahre werden also die ersten Abiturienten das jüdische Realgymnasium verlassen. Dr. Kellner sagt, die Reifeprüfung, die unter Vorsitz eines Landesschulinspektors stattstnden wird, werde eine Belastungsprobe für die Schule bedeuten. Wenn die Anzeichen nicht trügen, wird die Probe wahrscheinlich sehr günstig ausfallen. Es wäre dann die schönste Krönung des ersten abgeschlossenen Jahres, wenn Lehrer und Schüler gemeinsam eine Studienfahrt in das Land der Zukunft, für welches sie gebildet und vorbereitet wurden, nach Palästina, unternehmen könnten. Hoffentlich wird diese Anregung von allen beteiligten Kreisen aufgegriffen und im nächsten Jahre verwirklicht werden. l. th. Kutirker und die preußische Staatsbank. Berlin, 6. Juli. Die preußische Staatsbank, die durch ihre Geschäfte mit dem jüngst verurteilten K n t i s k e r um zirka acht Millionen Mark geprellt worden ist, hat jetzt neue schwere V erl ufte zu verzeichnen. Bekanntlich hatte Kutisker der Staatsbank als Deckung für die ihm gewährten vielen Millionen Mark Darlehen das berühmt gewordene Hanauer Lager überschrieben, das aber in Wirklichkeit mit seinen Kriegsmaterialien aller Art aus dem ehemaligen preußischen Heeresbestand höchstens eine halbe Million Wert besitzt. Als Kutiskers Zusammenbruch offenbar wurde, verkaufte die Staatsbank die wertvollen Teile des Hanauer Lagers an einen französischen Kaufmann zu einenc angemessenen Preise. Der Franzose gab jedoch nur eine Anzahlung von achtzigtausend Mark und beglich den Rest mit Wechseln. Diese sind jetzt fällig geworden, der Franzose hat sie aber nicht eingelöst und nähere Erkundigungen haben ergeben, daß das Gel b wahrscheinlich verloren ist. Die Staatsbank ist nicht von dem Vorwurf freizusprechen, daß sie wiederum durch die leichtsinnige Geschäftsgebarung ihrer leitenden Beamten die Verluste heraufbeschworen hat. RICHTER-und PREDIGER» TALARE UND BARETTE von 8 65 aufwärts vorrltig und nach Maas beim Spezialisten 135 RUDOLF GOLD STEIN, Zivil- und Uniformschnettfer Gegründet 1M6 WI«B, II* TabOrilrlll« 84 Teltphon 45-6-2° Elegante Herrenkleider nach Mass, massige Preise, Zalilungserleichtentnqen Sie besten Bücher. V. Moskau, 6. Juli. Die Sowjetregierung hat dem Bölkertund die vierzig besten Bücher, die in diesem Kahr?, j» Rußland evschienxu ftnfy Mvjendet. (Die Sektion für geistige Zusammenarbeit veröffentlicht jährlich eine Neberstcht der 600 besten Bücher.) Unter den von der Sowjetregierung ausgewählten Büchern befinden sich die folgenden Werke von Juden: T r o tz k i: „Wohin geht England?"; Radel: „Die deutsche Revolution"; Käme new: „Das Leninsche SammeHuch"; I. B ab e H „Erzählungen"; Pasternakr „Erzählungen". La« Tagesgespräch der Leovalvstadt bildet der großartige Aufschwung des Warenhauses Brüder Schiffmaun, 2. Bez., Taborstratze 48. Dreimal im Lause der letzten Monate war der Seniorchef oer Firma, Herr Max Schiffmann, genötigt, durch Ankauf und Angliederung umliegender Lokalitäten die Warenhausräume zu vergrößern, um den gesteigerten Anforderungen der täglich wachsenden Kundenfrequenz entsprechen zu können. Ein unwiderleglicher Beweis dafür, daß die sprichwörtliche Billigkeit dieses führenden Leopoldstadter Kaufhauses trotz der schlechten Wirtschaftslage das konsumierende Publikum anzieht. Brüder Schiffmann führen ihr Unternehnten nach dem strengen Prinzip „Großer Umsatz — kleiner Nutzen" und sind durch Kasäkäufe großer Warenmengen aus erster Hand in der Lage, erstklassige Qualitätswaren zu beispiellos billigen Preisen abgugeben. Gegenwärtig wird das Lokal umaebaut und vergrößert, aus welchem Anlasse ein allgemeiner Räumungsverkauf sämtlicher Sommevwaren stattfindet. Seide und Waschstoffe für Kleider und Kostüme, Badeartikel, Wäschewaren nsw. sind ob Montag den 5. d. zu bedeutend reduzierten Preisen erhältlich. Niemand versäume diese außerordentlich günstige Kaufgelegenheit! Wien, 7. Juli. * Fenster schließen! . . . Die „Gesellschaft der Musikfreunde" in Wien hat in einer Eingabe an die Polizeidirektion das Verbot des Musizierens bei offenen Fenstern wegen eventueller Belästigung der Mitlebenden angeregt. Schluß mit dem Zwang, stundenlange Konzerte von Skalen und Uebungen anhören zu müssen. Einerseits. Andererseits aber wird der romantische Jüngling an lauen Abenden dem sentimentalen Schuman-rLied, das seine Liebste spielt, nicht mehr heimlich lauschen können. Soll die Romantik schon offiziell verboten werden? Und die fleißigen Konservatoriumsschülerinnen zum langsamen Erstickungstod in heißen Stuben verurteilt werden, weil zarte Nerven eines Zeitgenossen Klavierspiel nicht ertragen können? Das hieße, der Pedanterie alter, verknöcherter Buchhalter die gesetzliche Weihe erteilen. Durch die Initiative der „Gesellschaft für Musikfreunde" bekommt die Geschichte noch überdies ihre pikante Note. Das wirb wahrscheinlich Konkurrenzneid sein, denn die Herren sind scheinbar überzeugt, daß man Musik nur gegen Eintrittsgeld im Konzertsaal hören sollte. Auch in der Kunst gibt es bekanntlich Schulmeister, die nur auf die Autorität schwören. Durch die offenen Fenster könnte vielleicht ein Ton dringen, der im Jcchresprogramm >der „Mustkfreunde" nicht vorgesehen ist . . . l. th. * Das Wetter. Gestern herrschte heißes, regenfreies Sommerwetter. Die Voraussage lautet: Ziemlich h e i t e r,-sch wül, lokale Gewitter. * Todesfall. Montag nachts ist hier der Seniorchef der Firma Jakob Neurath, Rot Markus B o n d i, im 96. Lebensiahre gestorben. Das Leichenbegängnis findet heute vom Trauer- Hause aus um 9 Uhr vormittags statt, von wo die Leiche nach Baden überführt und dort bestattet werden wird. * Das Ehrenzuchtverfohren. In den Kreisen der deutschen Studentenschaft oder besser gesagt rm Kreise 8 des Hakenkreuzhochschulringes, der sich anmaßt, die deutsche Studentenschaft zu repräsentieren, beginnt man Einkehr zu halten. Man zieht gegen unakademisches Verhalten zu Felde und bedroht alle, die sich kerniger unverfälschter deutscher Worte bedienen, mit dem Bannstrahl. Hat da der cand. merc. Ludwig Pfleger wiederholt gegen den Leiter des „Kulturamtes" unakademische Ausdrücke gebraucht, weswegen gegen ihn das „Ehrenzuchtverfahren" (!) beim Obersten Ehrenrat einaeleitet wurde. Die Versammelten stellten fest, daß ein solches Verhalten im schärfsten Widerspruch zur völkischen und vaterländischen Gesinnung steht, sprachen dem Leiter für seine bisherige aufopferungsvolle Tätigkeit im Dienste der völkischen Sache den aufrichtigsten Dank aus und versicherten ihn des vollsten Vertrauens. So ist es. Herr Kirber bleibt ein ehrenwerter Mann und wer etwas anderes behauptet, wird ebenso wie der Rebell Pfleger von der Kannner der Deutschen Studentenschaft bis auf weiteres seines Amtes enthöbe«. Bleibt noch abzuwarten, ob auch jene Studenten, die gelegentlich einer Judenhatz jüdische Studenten und Studentinnen verprügeln und besiegeln, ebenfalls wegen unakadeinischen Verhaltens diszipliniert tverden. Wir stehen der neuen Richtung sehr skeptisch gegenüber. Derartige Heldentaten sind ja nicht „im schärfsten Widerspruch zur völkischen und vaterländischen Gesinnung". * Ein Ratenlosschwindler. Dieser Tage wurde in einem Hotel in der Leopoldstadt der 45jähr ige Posten lose Alfred Schrick er angehalteu. Er hat in der letzten Zeit ungefähr 150 Personen, zumeist Angehörige der ärmeren Schichten, durch Bezugscheine auf Ratenlose geschädigt. Er ließ sich für emeu Bezugschein im Durchschnitt 8 Schilling auszahleu und redete seinen Kunden ein, daß sie das volle Anrecht auf das Los hätten. Schricker wird nach Abschluß der Erhebungen dem Landesgericht eingeliefert werden. In seinem Besitze wurden noch 100 Stück solcher Bezugscheine auf Ratenlose vorgefunden. * Ein betrügerischer Reisender. Der Provisiousreisende Heinrich Sternberg wurde gestern, wie die Korrespondenz Wilhelm meldet, dent Landesgericht eingeliefert, weil er der Firma Philippe Finkelstein in Bukarest etwa 250.000 Lei von einkassierten Geldern veruntreut hat. Sternberg, der die Veruntreuung zugibt und das Geld für sich verbraucht hat, hatte fast kein Bargeld bei der Anhaltung bei sich. * Große Diebstähle in einer Spielkartenfabrik. Dieser Tage gelangte das Sicherheitsbureau zur Keuntuis, daß uugefteiupelte Kartenspiele in großen Mengen in bcn Verkehr gebracht und größteuteils bei Gastwirten und Kaffeescheitkern abgesetzt werden. Erhebungen ergaben, daß der Gatte einer in einer großen Wiener Sptelkartenfabrik bediensteten Arbeiterin, Wilhelnt Schuster, ungestempelte Spielkarteupakete in bcn Verkehr brachte, die seine Frau im Betriebe entwendet hatte. Die Frau gab zu, bei der Sortierarbeit in der Spielkarteufabrik systematisch seit dein Jahre 1919 Diebstähle begangen zit haben. Es wurde» auch zwei weitere Verkäufer, der postenlose Josef P i ch a und Josef C h a l n p a verhaftet. Der Schaden konnte bisher noch nicht fcstgeftellt werden, dürfte aber sehr hoch sein. Das Ehepaar Schuster, Bicha und Chaluva wurden dem Landesgericht emge liefert, gegen die übrigen Beteiligten sowie die Abnehmer ivurde wegen bedenklichen Ankaufes Anzeige an die Staatsanwaltschaft erstattet.

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