Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2646 (6.7.1926)
- Date
- 1926-07-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wen, DienSkag 8.SMM, 6eNe f Tapeten Wallis Wien, U Wfpplfngerstrasse 15 / Tel. 67307, 69292 Tagesbericht. Dom Regentropfen. Der unaufhörlich oitf uns moderpresseln-de Regen lenkt unsere Aufmerrjamkeit rn erhöhtem Masse auch auf den Regentropfen. Vor einiger Zeit hat ein Meteorologe die Größe der Regentropfen gemessen, und zwar zu verschiedenen Jahreszeiten, wobei er zunächst zu dem Ergebnis gelangte, daß die Tropfen der Sommerrcgen wesentlich großer sind als die Negentropfert, die in der kühlen und kalten Jahreszeit fallen. Als Höchstmaß ergab sich ein D u rch me f,s e r v o n v : er bi s acht Millimeter für den Tropfen, während die kleinsten Regentropfen oft nur Bruchteile eines Millimeters im Durchnlesser halben, damit also eigentlich nur Regenstäubchen darstcllen. Bestimmt wird die Größe der Tropfen jeweils durch die .Höhe, von der aus sie auf die Erde fallen, indem «höher fallende Tropfen größer find als jene aus tieferen Wölkenschichterr. Mährend des Scmrmers, wo die niedrigeren Schichtet: der Luft wärmer sind als im Winter, bilden sich die Wolken gewöhnlich erst in höheren Luftschichten, was zur Folge hat, daß die Tropfen größer «werden, wogegen im Winter, wie überhaupt in den kühleren Jahreszeiten, das Gegenteil der Fall ist. Por kurzem wurden auch Untersuchungen über die Elektrizität der Regentropfen angestellt. Beziehungen zwischen der Tropfengröße und ihrer Tekrifchen Ladung konnten hierbei jedoch nicht festgestellt werden, wenn auch große Tropfen hälffig auch größere Ladungen answeiisen. Be: ruhigem Landregen sind die kleinen Tropfen stets positiv, die großen dagegen negativ elektrisch, wobei die Spannung bei den einzelnen Tropfen zwischen 0,5 und 10 Volt schwankt. Regentropfen, die .während eines Gewitters oder während einer heftigen Regenböe fallen, sind gewöhnlich stärker und hauptsächlich negativ geladen, bei einer Spannung von 0,5 bis 100 Volt, da die Ladung und die Spannungen bei Gewitterregen um 10 bis 30 Mal größer sind als bei NiederWägen, wie sie etwa ein rühriger, andauernder Landregen darftellt. Hierbei mag erwähnt werden, daß es Länder auf der Erde gibt, die die Freuden eines Regens, die wir in diesem Sommer bis jetzt gründlich auskosten konnten, nur in jahrelangen Pausen genießen können. Auf einigen der Kap Verdiis ch e n Inseln regnet es gewöhnlich nur alle sechs Jahre e i n m a I, dann allerdings mit solcher Ausgiebigkeit, daß ganze Gegenden zeitweilig versumpfen. Im Betschuanakand regnet es sogar nur «rille z-wölff Jahre. SnivttfiMsvrofefior als Mafien- Mörder. Das Doppelleben eütes Gekehrte«. - 'Aus N ew-3)ork wird uns berichtet: In der Universitätsstadt Sellhy drille.wurde nunmehr in sensationeller Weise das mysteriöse Verschwinden zahlreicher junger SUchentinnen aufgeklärt. Der Professor der Philosophie Dr. William D o b r o tz k y, ein namhafter Gelehrter' um angesehener Bürger, wurde als Massen m ö r d e r entlarvt und v e rh a st e t. Es stellte sich heraus, daß der Gelehrte ein Doppelleben geführt hat und einer krankhaften Mord!«st frönte. Er hatte seine Opfer, die sich eine Ehre daraus machten, mit dem gefeierten Nniversttätsprofesfor auch außerhalb der Universität wiffenschaftliche Gespräche führen zu dürfen, um derart ihr Wissen zu bereichern, schließlich in seine Wo'hnung e ingeladen und dort ermordet. Der Distriktsanwalt, der die Untersuchung führt, erklärt, daß es sich um e in e n der ä rgste n F rau en m ö rd e r handelt, den die Krimi näsieschichte kennt, um einen R ek o r d V! a n b a r t. Dobrotzky hatte sich bei aller Schlauheit schließlich dadurch verdächtig gemacht, daß er eine Studentin als verschwunden bezeichnete, die erst tagsdarauf v e r s ch w a n d. Durch die Verhaftung des Verbrechers wurde ein junges Mädchen gerettet, das sich bereits in seiner Wohnung befand. Sie Berliner Trimerandacht Kr PeMra. K. Berlin, 5. Juli. Zu der am Sonntag abgehalteilen Trauerfeier für den Oberataman P e t l j u r a war ein Schreiben des gewesenen Hetmans SkoropadSki eingetroffen, in welchem e8 heißt: „Ich ehre das Andenken des MärtyrerSPetli u r ci. Ungeachtet der verschiedenen Wege, die wir gegangen sind, habe ich in Petljura immer, den aufrichtigen ukrainischer: Nationalisten gesehen. Ich verbeuge mich vor dem offenen Grabe Petljuras." Fra« Schwarzbarth lehnt Geldmlterftüwnge« ftlr sich ab. Die Frau Schalom Schwarzbarths, Chane Schtvarzbarth, ersllcht uns nur Veröffentlichung folgender Erklärung: „Ich erfahre, daß manche Geldsammlungen, die im Zusammenhänge mit dem bevorstehenden Prozeß meines Mannes Schalom Schtoarzbarth veranstaltet werden, nnt dem Hinweis dannlf, daß ein Teil des Geldes als Unterstützung für nnch verwendet tverden soll, eingeleitot wurden. Ich danke für die nür bewiesenen SynrMhien rmd die guten Absichten der Sammler. Ich erachte es jedoch für notwendig, zu erklären, daß ich jede G e l d n n t e r st n tz n n g kategorisch ablehne. Mein Mann und ich haben die Me Konferenz der Re «ad neg« das Krirn-Protüt. — amerikanischen «e Smeitern« der Fewfth Aaeaeh Loais Lipsky. Kmiften. - Ur«n» Wr Nsw-York, 1. Juli. (I. T. A.) Am 30. Jnni abends wurde die 29. Jahreskonferenz der Zranistischen Organisation Mwrikas in Buffalo beendet. Die Schlußsitzung erhielt ihre Weihe durch eine Ansprache des Dichters Chairm Ratchman Wal«, der hier vor feiner Rückkehr in feine palästinensische Heimat zum letzten Male vor einer Versammlung amerikanischer Juden gesprochen hat. * Nach einer längeren, sehr hestig geführten Debatte wurde eine Entschließung angenommen, durch welche ausgedrückt wird, daß die Konvention dem Werk der jüdischen Kolonisation in Rußland insofern mit Sympathie gegenüberstoht, als in der Propaganda für diesen Plan die Priorität Palästinas anerkannt wird. Für die Annahme dieser Resolution sprachen Louis L i p s k y, Jakob F i s ch m a n, Robert Silverman, Isaak Carmel und Elihu D. S t on e, gegen die Annahme Mir. M y e r s und Rabbi Hammer. Nach Annahme 'der Resolution schlug Rabbi Silver eine Zusatzresolution vor, die den Eindruck der ersten Resolution mildern sollte. Sie lautet: Die Konvention billigt die vom Präsidenten der Zionistischen Organ ist io n Amerikas in seinem Jahresbericht uiedergelegten Gesicht spunkte hinsichtlich jener B e ft r e H u n g e n, die darauf gerichtet sind, jn öffentlichen Verlautbarungen und in organisierter Propaganda dem Plan der Landansiedlung von Inden in Rußland Wichtigkeit und Bedeutung zu verleihen, mit dem Ziel, dem Appell der Zionisten an die ganze Welt zugunsten der Schaffung eines jüdischen Heims in Palästina entgogenzuarbeiteu. Auch diese Resolution wurde schließlich angenommen. In der Frage tfcfc ErAKHqyuiwg dar Jeüoish Ageney nahm die Konvention die folgende Resolution an: Wir Zionisten der Vereinigten Staaten von Amerika schließen uns voll und ganz der. Willenskundgebung des Zioniftenkongresses in Wien' an und bevollmächtig e n D r. W e i z m a n n, die notwendigen Schritte zrr unternehmen, um die Jewish Agency gemäß den Bestimmungen des Palästinamandates auszugestalten. Mr bedauern die trotz unseres ernsten und nachhaltigen Drängens eingetretene Untätigkeit und Verzögerung. Wir nehmen Kenntnis von den Versprechungen der mit der Zionistischen Organisation nicht liierten Organisationen und Personen, daß die Tätigkeit zu entsprechender Zeit wieder anfgenonmten werden wird. Diesen Gruppen gegenüber betonen wir mit Nachdruck, daß die Zeit für eine solche Tätigkeit nunmehr g e k o m m e n ist. Demgemäß beauftragen wir die Na t i on a lexe knt ive der amerikanischen Zionisten, in Zusammenarbeit mit D r. W e i? nra nn eine Verständigu ng mit den uns nicht liierten Organisationen und Personen herbeizuführen, die sich zur Teilnahme an der Jewish Agency verpflichtet haben, und Schritte zu unternehmen, die eine baldige Erw eiterung der Jewish Agency ermöglichen. Einstrmm'g und unter großen Beffallsküudgebungen wurde Lottts Lipsky zum Vorsitzenden «der amerikanischen Zionistischen Organisation wiedergewählt. Um der Verchrung für Lipsky einen besonderen Ausdruck zu geben, wurde beschlossen, den Titel Vorsitzender in. den Titel Präsident umzwwande'ln. Die Exekutive wurde beauftragt, ein Arrangement für eine besondere Ehrung des Präsidenten Lipsky, besten Geburtstag sich jetzt zum fünfzigsten Male jährt, zu treffen. Die Konvention wählte zn Vizepräsidenten Miß .Henriette S z o l b, Josef Ba> rondeß, Reuben B r a i n i n, Dr. Maz Heller, Hirsch Moslianskh und Richter Lourie. In das Administrativkomitee wurden gewählt Hermann Conh e i m, Jakob F i s ch m a n, Boris G r a b e l s k y, Richter William Lewis, Morrison, Emanuel N e u m a n, S. I. Rosenson, Morris Rothenberg, Maurice Samuel, Louis Topkis, S. I. Weinstein und Benjamin W i nt e r. Hierauf schritt man zur Wahl des Bureaus für die Vereinigte Paläftrnakampagne des kommenden Jahres. Doktor Stephen S. Wise wurde zum Ehrenvorsitzenden, Richter Julian Mack und Rabbi B. L. L e v i n t h a l zu Ehren- Vizevorsitzenden, Richter Lewis zum Vorsitzendm und Emanuel Neu man zum Vorsitzenden des Exvkutivekomitees gewählt. Nunmehr erhob sich die Versammlung, um dein Präsidenten Louis Lipsky eine minutenlange Ovation zu bereiten. Mit dm: Absingen der HatiBwcch -schloß die 29. Konvention de" amerikanischen Zionisten. ganzen Jahre hindurch von unserer'eigenen Hände Arbeit gelebt und auch jetzt erhalte ich mich durch eigene Arbeit. Solange ich arbeitsfähig sein werde, werde ich immer die Möglichkeit haben, mir mein Brot selbst zu verdienen. Gezeichnet: Chane Schwa r z b a r t h." eines Friedhofes aas der Wrnjeit i« LberSfterreich. Lwz, 5. Juli. Nächst Ha rge!lsbgrg bei K r o nslorf wurde eine mindestens hundert Grabhügel umsastende N-ekropole entdeckt, von der rwn vermutet, daß sie der dritten Hallstadt-Stufe (Alte Eisenzeit) angehört, doch ist es wahrscheinlich, daß sich auch Gräber der Bronzezeit oder aus der Uobergangspeviode zur ersten Eisenzeit darunter befinden. Die zu gewärtigenden Grabungen, die in wissenschaftliche: Hinsicht von -i r o ß e r Bedeutung ‘on werden, lverden m ehrere I o h r e beanspruchen. Ae Her8e»«ng von kSufMem Bitomin gegMltt. Aus Leipzig wird uns gemeldet: Drei hiesigen Forschern ist es nach langjährigen Bemühungen gelungert, kürrstlich B i t amin D. herzustellen. Bekanntlich erzeugt das Fehlen dieses wichtigen Nährstosses tpr Körper die furchtbare Volksseuche Rhachrtrs, von der besonders in der Großstadt fast jedes Kind in mehr oder weniger schwerer Forrn ergriffen wird. Die mit ihr verbundene Schwächrrng der Widerstandskraft des Lkörpers bildet auf Lebenszeit die Grundlage der vevschiedeirartigsten Erkrankungen. Dieses wichtige Vitamin D ist nun nicht nur in seiner chemischen Zusam- Ensetzung erkannt, sondern es ist den drei Leipziger Forschern auch gelungen, eine Methode zu sch a f f.en, nach der es küuftig hergestellt werden kann. Diese Methode gestattet auch, Lebensmittel mit Vitamin zu inüirägnieren. Noniftifche Gesellschaft-reife nach Prehbnrg. Die zionistische Sektion der Wiener Bezirke 0/8 hatte am «Sonntag eine Fahrt zum Besuche der Zionisteu in Preßburg unternommen. Der Einladung der Sektion folgten mchr als 300 Zionisten der verschiedensten Organisationen. Die Fahrt wirrde am Sonntag um 8 Uhr früh vom Praterkai aus angetreten. Das Schiff, die „Leda", iixtr bis auf das letzte Plätzen geMt, als der Reiseleiter Herr Sekretär Stein das Zeichen zür Abfahrt gab. Für die oberste zionistische Behörde nahm Herr Kommerzialrat Markus an dein Ausflug teil. Die Leitung der Sektion «oar vollzählig erschieueu und der Vorsitzende Herr Dr. Bernhard «nachte, unrgeben von den Mitgliedern des Ausschusses, in unsichtiger Weise die Honneurs. Die Jllgend hatte sich ihre eigene Hauekapelle nntaebracht, die beim Verlassen der Station die Hatiüvah spielte. In Preßburg wirrde die Reisegesellschaft von einer zahlreichen Menge der zionistischen Freunde empfangen. Für >das Enipfangskomitee sprach Herr Felix Messing er, für die zionistische OrtsgmPPe Herr Soma Komlos'si, für die Ortsgruppe der Weltorganisation zionistischer Frauen Frau Gisela Fleischwanu, für den Misrachi Herr Dr. Bela B e e r, für den Volksverband der Juden in der 'Slowakei Herr Dr. Bernhard Fm r ft, für den Sportklub ^Makkabäa Herr «Diegmund Sgamek, für die jüdische Partei ^Herr Dr. Leo Sipos. Für den herzlichen Empfang dankte 'Herr Dr. Bernhard in kurzer Rede, worauf die Gäste von 'den Pretzburger Zionisten in die Stadt geleitet wurden. In den feiertäglich belebten Straßen erregte der, Zug,!dem die Wiener die blau-weiße Fahne vovantrugen, lebhaftes Aufsehen und >wMde überall sympathisch begrÄßt. Nach einer Besicksirgung des Judenviertöls und des Schloßberges versammelte man sich zrim gemeinsamen Miitagesten, -worauf dann eine ZufcmrmenLrnft im Aucafe folgte. Hier begrüßte wieder Herr Kwmlossi die Gäste. «Seinem Hedad auf das jüdische Voll und die zionistische Idee folgte die Hatilwäh, die stehend angehört tvuvde. Biele tfichechische Offiziere, die sich im Park 'bei einem Regimerrtsfest befanden, wohnten der Feier bei und leisteten der jüdischen Hymne die Ehrenbezeigung. Sie applaudierten dann auch sehr lebhaft der tschechischen Rede des Herrn Dr. Affred Löwy, Präsidenten der Tikwath Jchuda. Herr Oberkantor Margulies brachte einige Lieder in meisterhafter Vollendung zum Vortrag, und erwarb sich den stürmischen Dank des Auditoriums. Um 5 Uhr mußte man wieder aufs Schiff zur Heimreise. Die Paßformalitäten unterblieben vollständig und als das Schiff den Halteplatz verließ, war der Kai von einer Lüchten Menschenmenge beisetzt, die von den Abreisenden mit Tüchevschwenken und Rufen Abschied nahm. Um 12 Uhr die Gesellschaft wiedertvoPbehatzen in Wen ein. j (Rn Berkehrsimsall im FrmrzHosefOahNhos. Die Generaldirektion der Oesterrekchvfchen Bundesbahnen teilt mit: Verkehrsamfall am Franz-Josefs-Bahnhof. Sonntag um 14 Uhr 20 Min. erfolgte beim Anfahren der Zugslokomotive an die mit Reisenden besetzte, aus nerrn Wageil bestehende Garnitur des fahrplanmäßig um 14 Uhr 30 Min. abgeheuden Lotalpersonenzuges 6147 infolge Versagens der Bremse ein Anprall. Durch die Erschütterung wurden sechs Fahrgäste durch leichte Kontusionen »ubedeutend verletzt. Die Verletzten konnten sich nach ärztlicher .HiLfeleiftrmg entfernen. * Dr. S«M Bergmann in Leipzig. Der Direktor der Uni* versitätsbMiochok in Jerusvlenl Dr. Hugo Berg-mann weilte in den letzten Tagen in Leipzig, um oie Deutsche Bücherei und ihre Einrichtungen unter Führung des Direktors Dr. Uhlendahl z>> studieren. Die Deutsche Bücherei mit ihren neuzeitlichen praktischen Einrichtungen soll für den geplanten Nerrbau für die Jerusalemer llniversitätsbibliothek in gewisser Hinsicht als Borbitd dienen. -