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Wiener Morgenzeitung · 1926-07-06 · Heft 2646 (6.7.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2646 (6.7.1926)
Date
1926-07-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite s M«>, AenMg L MISS« WkM« MorMyr««« ki«e PalWnadebatte auf dem Kongreß der Bötterbundligen. Vr. 5. 6. A b e r y st w y t h, 2. Juli. Me Sitzung -es zionistischen Aktionskomitee». Sie Zdflesar&nuna. In den Sitzrkngen der Union der Völkerbundligen in ,Ä('<rysNvyth Hot die Aufnahme der jüdischen Liga in Palästina (über Mlche die „Wiener Morgenzeitung" bereits kur; berichtet hat) einen ziemlich breiten Raum eingenommen. iSchon im Generalrat wurden Bedenken teils juristischer Natur in bezug auf den allgemein präjudizierenden Charakter eines Mandatsstaates, als auch mit Rücksicht auf die Tatsache, daß diese Liga nur die Minorität des neuen Landes vertrete, erhoben. Ter Hauptsprecher war der Vertreter des faszistischen Italien Exzellenz Giannini. Die meisten Leiter der Delegationen halten sich im Prinzip für die Aufnahme ruisgesprvchen, jedoch wegen der juristischen Bedenken die Anhörung der juristischen Kommission empfohlen. Der Vertreter der jüdischen Liga in Oesterreich Herr Dr. S. B a r o n nahm in der Debatte selbstverständlich den jüdischen Standpunkt ein. Am 30. Juni tagten die juristische Kommiffion und die Kommission für Inneres. An beiden Sitzungen nahm Herr Dr. Baron als allgemein Österreichischer Vertreter teil. Die juristische Kommission hat nach kurzer Debatte und einigen Erklärungen von seiten Diesengoffs, des gewesenen Bürgermeisters von Tel-Awiw, der als Vertreter der neuauf.zunchmenden Liga anwesend war, einstimmig sich für die Aufnahme, als dem Geiste der Statuten Entsprechend, ausgesprochen. In der internen Kommiffion hingegen gab e§ eine interne Debatte, die sich fast zu einem Rededuell zwischen Giannini und Dr. Baron gestaltete. Giannini machte in breiterer Form seine Bedenken geltend, beantragte aber nicht mehr die Mlehnung, sondern die Vertagung bis zu dem Zeitpunkt, in welchem auch die Majorität in Palästina eine Liga haben werde. Für die Aufnahme setzten sich außer dem britischen Vertreter Davres auch noch sehr -warm Senator Lafontaine (Belgien), der erste Vorsitzende der , Kommiffion, und Proudhoummeau (Frankreich) als der Berichterstatter der Kommission ein. Trotz Geltendmachung weiterer formeller Bedenken durch andere Mitglieder hat die Kommiffion mit 7 gegen 3 Stinunen die Aufnahme beschlossen, daran jedoch auf englischen Antrag den Wunsch geknüpft, die jüdische Liga in Palästina wöge sich in eine allgemeine staatliche umwandeln, die den Einwohnern jeder Raffe und Religion zugänglich sein soll. Am. 1. Juli wurde die Frage der Ausnahme neuer Ligen gleich nadj den Berichten der einzelnen Delegationen übc^ die Tätigkeit ihrer Ligen verhandelt. Die Liga in Luxemburg wurde ohne Debatte ausgenommen. Die jüdische Liga i n L i t a u e n und die deutsche Liga in Polen konnten, ebenso wie voriges Jahr, wegen der Nichtvorlegmig der Statute». nicht ausgenommen werden. Ueber die palästinensische Liga wurde abermals lebhaftdebattiert, doch hat sich die Diskussion beinahe in eine Demonstration für die Aufnahme gestaltet. Schon der Berichterstatter Proudhoummeau hatte sich alle Argumente dafür aus der Vortagssitzung zueigen gemacht und sie mit aller ihm eigenen Wärme vermochten. Giannini' sprach wohl wieder dagegen, aber er hatte vereits seine Opposition stark abgeschwächt, indem er n u r a u s opportunistischen, nicht mehr Prinzipiellen Gründen für die Vertagung eintrat. Für Palästina sprach in zwei wirksamen, männlich gehaltenen Reden Diesengoff. Nachher sprachen sich noch warm für die Aufnahme Marburg (Amerika) und Prof. W e b st e r (England) aus. Die Aufnahme wurde hierauf fast einstimmig gegen die Stimme Ungarns und sieben Zehntel von Italien (die drei Zehntel der deutschen und slawischen Minoritäten waren dafür) beschlossen. Auch Rumänien und Polen stimmten dafür. Auch die zur Erleichterung der Stimmeneinteilung in der Tschechoslowakei Mischen der Majoritäts- und Minoritätsliga (auch der jüdischen) vom Generalrat in Lausanne empfohlene Statutenänderung, wonach einem jeden Staate zehn an Stelle von bisher fünf Stimmen zustehen sollen, wutde angenommei' Kolonel KW — Bürger von ValBfKnn. L. Jerusalem, 5. Juli. In einer großen jüdischen Volksversammlung sprach Kolonel K i s ch, das Mitglied der Zionistischen Exekutive, über die Einbürgerungsfrage. Er beklagte die traurige Tatsache, daß sich jetzt so wenige jüdische Einwohner in Palästina naturalisieren. Er appellierte an alle Juden Palästinas, die Pflicht der Zeit zu erkenn e n und sich um die Bürgerschaft zu bewerben. Um ein Beispiel zu geben, erklärte Kolonel K i s ch, daß er selbst ein Gesuch zwecks Einbürgerung eingereicht habe. Er werde der erste e n g l i sch c Offizier sein, der für Palästina optiert. Diese Erklärung hat auf den Jischuüp einen tiefen Eindruck gemacht. gilt politisches Attentat in Jugoslawien. Belgrad, 5. Juli. (Avala.) Gestern abends hat in B i t o lfe tMona ur) >n der König^Peter-Straße e>n Unbekannter den Direktor des in Bitolje erscheinenden nationalistischen Blatte» «Der Stidstrrn", Hadschi P o p o o t c, durch RevolvtrschÜsse getötet. Die Zionistische Exekutive teilt mit: Die Exekutive der Zionistischen Organisation hat im Einvernehmen mit dem Präsidium des Aktionskomitees eine Sitzung des Aktionskomitees für den 28. d. einberusen. Di« Exekutive hat als Ort der Tagung London befttmmt. Die Tagesordnung dieser Sitzung, die laut der Beschlüsse d«S 14. Zionistenkongrefles auch über das Palästinadudget für das Jahr 5687 zu beschließen hat, lautet: 1. Allgemeiner und politischer Bericht der Exekutive. 2. Mitteilung der Exekutive zur Frage der Jewish Agency. 3. Ergänzung der Exekutive. 4. Palästinabudget. 5. Arbeit und Entwtckluug des Keren Hajefsod. 6. Stand der landwirtschaftlichen Siedlung. 7. Stand der städtischen Siedlung. 8. Fragen der Organisation. 9. Budget der Organisation. 1V. Bericht Über den Keren Hajeflod. 11. Bericht über die Banken. 12. Universität und Technikum. 13. Bericht der vom Aktionskomitee gewühlten Kom- Nrifsionen. 14. Bericht Über die Aktionen auf dom Gebiete der Gegenwartsarbeit« Nahum Sokolow besucht Sude Zull PalSstina. Jerusalem, 1. Juli. (I. T. A.) Nahum Sokolow wird nach Beendigung seiner Mission in Südafrika nach Palästina reffen. Er wird Ende Juli in Jerusalem erwartet. Paliiftim vor der Maudatskommissto«. Der Bericht der Delegation des Waad Leumi. Zu Ehren der Delegation des Waad Leumi zur Mandatskommisston des Völkerbundes gab die Londoner Zionistische Organisation am 30. Juni, wie schon kurz berichtet, einett Empfang, der sehr gut besucht war. In seiner Begrüßungsrede betonte Dr. W e i z m a n n, daß zum erstenmal der jüdische Nationalrat eine Delegation zur Mandatskommission entsendet habe. Im Hinblick auf das Statut und die Funktion dieser Kommission war es kaum zu erwarten, daß die Delegation empfangen werden würde. Hätte die Kommission, entgegen ihrem Statut, die Vertreter der jüdischen Gemeinschaft von Palästina ausgenommen und angehört, so wäre sie verpflichtet gewesen, sich den Vertretern der arabischen Gemeinschaft gegenüber in derselben Weise zrl verhalten, und die Folge davon wäre gewesen, daß die konsultative Körperschaft des Völkerbundes in eine Art Genchtstribunal verwandelt worden wäre,..Die Vertreter des Waad Leumi leistete!« aber doch nützliche und notwendige Arbeit, indem sie in Genf nrib jenen Stellen in Berührung kamen, deren Aufklärung über das in Palästina bereits vollbrachte Werk, aber auch über die verschiedenen berechtigten Forderungen unerläßlich notwettdig .ist. Die Delegation, deren Wahl als glücklich bezeichnet werden kann, hat sich ihrer Aufgabe vorzüglich entledigt, und die Zionfftrfche Ex^utrve freut sich, dieser Anerkennung in der Hauptstadt der Mandatsmacht öffentlich Ausdruck zu geben. Dr. Ch. A r l o s o r o s f dankte Dr. Weiznrann in einer hebräischen Ansprache im eigenen Namen sowie rm Namen seiner Kollegen Rabbi Uz i el und Diseng off für die ihnen gewidmeten anerkennenden Worte. Er lege Gewicht daraus, festzustellen, daß zwischen ihnen und den offiziellen Vertretern der Zionistischen Organisation in Gens volle Uebereinstimmung und enge Zusammenarbeit geherrscht habe. Ihre Aufgabe sei nicht leicht geivesen. Er dürfe jedoch der Hoffnung Ausdruck geben, daß sowohl durch die Besprechungen in Genf wie auch durch das Memorandum des Waad Leumi der gemeinsamen Sache ein wichtiger Dienst geleistet worden sei. Es freue ihn, feststellen zu können, daß unsere wirtschaftlichen Probleme bei den leitenden Beamten des Internationalen Arbeitsamtes, ganz besonders bei den Herren Albert Thomas und G r i m s h a w, volles Verständnis gefunden haben Im Sinne des Völkerbundpaktes gebe es drei Klassen von Mandaten. Der ersten, der A-Klaffe, gehört Palästina an. Aber eine genarle Prüfung der errtstandenen Probleme muhte zu dem Schlüsse führen, daß das Palästinamandat eine Klasse für sich darstelle. Die Mitglieder der Mandatskommission begegneten naturgemäß bei der Erfaffung der vielen Fragen, die bei der Schaffuitg des jüdischen Nationalheims auftauchten, manchen Schwierigkeiten. Der Waad Lellmi war selbstverständlich bemüht, die Mandatskommission hierbei zu unterstützen, und wird dies auch in Zukunft tun. Abreise Bialiks und Lewinr ans Amerika. W. New-Aork, 5. Juli. Morgen reifen B i a l i k und Döktor Schmarjahu L e w i n v-u Amerika ad. Sie kehren wieder nach Palästina zurück. Sa« Budget der iransiordanifchen Schuhirupve. London, 3. Juli. Auf eine Anfrage Kolonel Wedgwoods erklärte Kolonialminister Amery im Unterhause, daß die Kosten für die tranSjordanische Grenzmacht im laufenden Finanzjahr von der Palästinaregierung getragen werden, die jedoch hierzu von der Londoner Regierung einen Zuschuß in der Höhe von 108.000 Pfund erhält. PalMua und Lransjordanieu. Wir haben in der vorigen Woche nach der I. T. A. über die Ersetzung R i k a b i Paschas dllrch den eine Versöhnung zwischen Juden und Araderil anstrebendeu Hassan Pascha Saidi im Amte des Premiers Transjordaniens und über dn KonzessionSerteilung an R u t h e n b e r g durch die neue tränst jordanische Regierung berichtet. Der Jerusalemer Korrespondent des „Berliner Tageblattes" verbindet diese beiden Tatsachclr irnd spricht von einer bevorstehenden V c r s ch m e I j it n g der beiden Territorien Palästina und Transjordanien. Er telegraphiert: „Wie weit die Bestrebungen der Engländer, die ans einen Anschluß Trausjordaniens an das übrige Verwaltungsgebiot Palästinas abzielen, mit diesen Vorgängen etivas zn tun haben, ist gegenwärtig noch schwer zu übersehen. In diesem Zusammenhang ist es jedenfalls interessant, daß die Juden in nächster Zeit ihre Kolonisation ans das Ostjordanlaud ausdehnen werden, und zwar wird die Ruthenberg-Gesellschaft, die das Monopol auf die Elektrizitätsversorgung Palästinas (mit Ausnahme Jerusalems) hat, dort mit der Errichtung ihres großen Jordan-Stauwerkes beginnen." U-eber Bestrebungen der Engländer, eine solche Fusion vor- >zunehmen, ist bisher nichts Ailchentisches bekannt geworden. Keinesfalls aber ist die Tätigkeit des Ruthenberg--Konzcrns als eine mit solchen Plänen verbundene Ausdehnung der Kolonisation aufzufassen. Die Red. Ae Beratungsstelle des ziovWschen ArbeltsdevarteWents. Gemäß dem Beschluß des 14. Zionistenkongresses hat die Palästinaexekutive die Schaffung einer B e r a t u n g s st c l I e beschlossen, welche mit dem Arbci tsdepartement der Exekutive Hand in Hand arbeiten soll. Dieser Rat soll bestehen aus fünf Vertretern der Allgemeinen Arbeiterorganisation, einem Vertreter der Arbeitersektion des Misrachi, einem Vertreter der Handwerkervereinigllng und einem Vertreter der jemenitischen Arbeiter. Außerdem soll der Waad Leumi drei und die Gemeindcvertvaltungen von Tel-Awiw und Haifa je einen Vertreter entsenden. BalWuawanderer m Bagdad zurKügchattrn. London, 1. Juli. (I. T. 2t.) Oberstleutnant Kenworthy richtete im Unterhaus an den Staatssekretär siir die Kolonien die Anfrage, ob ihm bekannt ist, daß etwa 140 jüdische Familien aus dem Irak und aus Kurdistan auf ihrem Wege nach P a l ä st i n a, wo sie sich ansiedeln wollen, inBagdadznrückgehalten wurden, obwohl diese Siedler mit genügenden Mitteln versehen sind und ihr ganzes Eigentum bereits veräußert haben. Dieses Vorgehen ist für die Wanderer nicht allein mit Verzögerung und Entmutigung, sondern auch mit beträchtlichen Ausgaben verbunden. Welches sind die Ursachen dieser Maßnahmen? Will der Minister Anweisung geben, daß diesen Siedlerfamilien 'sobald als möglich Zerbi-ftkate siir die Einreise nach Palästina ge- , gelben werden? Die Juden im litauischen Sejm. Kowno, 5. Juli. In der fast zwanMtündigen Sitzung des litauischen Sejm, in welcher die Debatte über die Regierungserklärung abgeführt wurde, gab Deputierter Dr. I. Robi nsön namens der jüdischen Fraktion die Erklärung ab, daß diese Vertrauen zur gegenwärtigen Regierung -habe, wenngleich die den Minderheiten gemachten Zusicherungen in der Erklärung f e h r k u r z g e h a l t e n seien. Die jüdischeMinorität kenne aber die Persönlichkeiten, die heute die Macht ,m Händen haben, und habe Vertrauen zu Wen. Großes. Aufsehen erregte die Rede des Führers dev litauischen Nationalisten, Prof. Waldemaras, der mit erhobener Stimme erklärte: „Die ersten, die Litauen in -seinem Kampf um die Unabhängigkeit hilfreich zur Seite standen, waren die Juden. Die Reaktionären erhoben gegen Dr. R oj c n b a u m die schwere Beschuldigung, daß er sich zu unrecht den Titel und die Prärogative eines Ministers angoeignet habe. Es sei Pflicht des neuen Kabinetts, diefenr um die litauische Republik f »hochverdienten Gr e i s von dieser unwahren Beschuldigung zw reinigen. Nicht im Wege der Amnestie, sondern in Erkenntnis der Ungerechtigkeit der Anklage. Wir müssen uns glücklich, fühlen, daß wir wieder den Weg der allgeme4 nen A u s-» spicache mit den Judenbetreten haben und diese wieder die Möglichkeit haben, zum Mohle unseres Staates zu. arbeiten^ Hakenkreurttawalle i« Weimar. K. BvrW, 5. IM. Zu dem Habenikvöchlertag irr Weimar waren anstatt 15.000 Teilnehmer nur 5000 g-ekonunen. Trotzdem genügte diese Zluzahl, um in der ruhigen Stadt die ärgste Verwirrung und Erregung zu stiften. Es kam zu' schweren,Ausschreitungen und zu Zusammenst'ößen mit der Polizei. Wer nicht -das Haterikreuzaibzeichen trug, wurde a n geha k t e n. Ein RoichSbannevmaml wurde durch Messerstiche verletzt. An: Sonntag nachmittags wurde auf dem großen Platz ein Pvivatautamoibil ohne Anllaß überfallen, die Insassen mit Stöcken geschlagen Md em Mann durch Messerstiche am HaHe verletzt. Die Prügeloien Ackerten bis in den Abend hinein. Die Polizei mrrßte viele Verhaftungen vornehmen. Bei den abMührten Leuteir fand man -Schuß- und Stichwaffen. Bar Bndapester Schachtamier. Budapest, 6. Juli. Im internationalen Schachturnier ivurdett beute die Hängepartien beendet. C o l l e gewann gegen Havasi, Havasi gewann gegen N-a t e> S, Pr o k e f ch -egen NaghundNagy gegen V a H> a. Die Partien Da ka-e'S-?- Pro k e s ch und R S t i—S t e ine r wurden remis. Stand nach der achte» Nu nder DakaeKfMenj'5^. - Grünfeld, Rubinstein, Kmoch, Eolls je 6, Monti-eeSi, Ragy je M,/ Aajda, N4tt je 4, Matttson, Prokesch je N/„ NateS, Tartakower, Steiner, Havasi je v, Borowsly 2%

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