Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2644 (4.7.1926)
- Date
- 1926-07-04
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite Z Weit, Somrtatz pickt begegnet. Dieses Theater hat mich als ganzes nicht über- .ascht. Im Gegenteil, ich war im Bergleich zu dem, was ich «rüber gehört und gelesen habe, enttäuscht. Die Wilnaer Truppe ,ber war zweifellos ein gutes Theater. Es ist in seiner Gesamtheit mf der Höhe seiner Aufgabe gestanden. Es besaß ein gut zu- 'ammenspiclendes Ensemble und machte den Eindruck eines harmonischen Orchesters. Unter den Wilnaern habe ich zwei hervorragende schauspielerische Individualitäten gefunden: M ocewski und Bulow. Die anderen find mehr oder weniger, talentierte Schauspieler. Mau hat mir gesagt, daß Fräulein?l l o m i § eine bedeutende Schauspielerin sei. Ich habe sie nicht gesebeu und kann daher über sic nichts sogen. Einen sehr starken Eindruck hat auf mich das hebräische Theater Habima gemacht. Gesehen habe ich „Iaakobs Traum", den „Ewigem Juden" und )en „Dybuk". Tie Habima ist innerhalb des Theaters auch Welt für sich. Eine religiöse Sekte, die das Leben, den grauen Alltag, nicht kennt, sondern nur — die Kirnst. Sie verschwägern sich mit einander und heiraten unter einander. Alle, alle Schauspieler der dabima gefallen mir, alle, ohne Ausnahnre, sind Schauspieler, deren sich keine europäische Bühne schämen müßte." Aas den Theatern. Bnrgtbeater. Morgen, J/#8 Uhr abends. „I m V e i ß e n R ö ß l". B u r g g a r t e u b ü h n e. Montag: Tanzabend, Schwestern Wie'enthal. Dienstag: Bruckner-Festkonzert. Mittwoch: Symvhonie-- konzert. Donnerstag: Bunter Abend. Freitag r Wiener Komponistenabend. Samstag: Sommerover „Rigoletto". Sonntag : Sommeraper, „Maskenball". Oöeriitbeater. Morgen, V«8 Uhr abends, „Les etitriens.“ — „C a r n a v a l." — .Klein Jdas Iutite n." Deutsches Bolkstheater. Heute verabschiedet sich Leopoldine K o n st a n t i n*iit „D i e T ä n z e r i n". Morgen gelangt ZnckmayerS Lustspiel „Der fröhlicheWetnberg" zur Aufführung. ModernesThearer. Heute beendet die russische Tänzerin Jleana Leonidoff mit ihren Partnern Dimitry o b st o f f und Genia N e l i d o v a ihr Gastspiel. Montag Erstaufführung - von „Z o s h i v a r a" („Das Haus der Laster") von Hans Bachwitz. Der Staatskunstpreis für 1926 wurde in der Frühjahrsausstellung der Kunstgemeinschaft dem akademischen Maler Professor Johann Biktor K r ä m e r zuerkannt. „Die Zirkusprinzessin" ging im Theater an ddr W i e n bereits zum 100. Male in Szene. Die Darsteller und Darstellerinnen Lia Bayer, Erik W i r l, Frch Steiner, Lizzi H o I z s ch u h, Mizzi Z w e r e n z, Hans M o's e r und Rudi M e r st a l l r n g e r konnte:! oftmals vor der Rampe erscheinen und mußten die meisten Lieder wiederholen. Russischer Ballettabend. Das russische Tänzerpaar Jleana Leonidoff und Dimitri R o st o s f haben ganz bedeutende technische Fähigkeiten, wie mau sie in solcher Vollkommenheit und Körpecbeherrschung nur selten findet. Sie hatten am ersten Abend unverdientes Pech. Infolge von Paßschwierigkeiten kamen sie verspätet au und die Eröffnungsvorstellung im -Modernen T h c a r s r konnte erst in vorgerückter Nachtstunde .vor sehr schü/tcrem Publikum beginnen. Auch gestattete ihnen die kleine Bühne nicht, sich tänzerisch voll zu entfalten. Eine der wichtigsten Nummern, di? „griechischen Miniaturen", nrüssen sie aus diesem Grunde streichen. Sehr eindrucksvoll formt die Leonidoff oen „sterbenden Schwan", vollwertig ist Rostoffs „Gaukler", auf ansehnlicher Höhe sind die nationalen Tänze des Paares. Hingegen ch die getanzte „Ekstase" ein seelenloses akrobatisches Kunststück. Die dritte im Bunde, Genia Nelidova, ist bloß-tüchtig. Die Habima in Paris. Wie man uns aus Paris milteilt, hat das Moskauer hebräische Theater nun. auch vor.dem Pariser Publikun: mit großen! künstlerischen Erfolg gespielt. Die Eröffnungsvorstellung im Theater Madeleine fand'am 1. d. statt. Die Habima führte „Dybuk" auf, das dichtgefüllte'Haus spendete begeisterten Beifall. Am vorhergehenden Abend wurde An—skis .Dybuk" vor geladenen Gästen der Pariser Kunstkreise und der ^itik gegeben. Die Blätterstimmen sind äußerst günstig. Vereine. Bortröge und Versammüurge». Z i o n i st i s ch e I u g e n d g r u p v e L e o p o l d st a d t- Heute Tagesausflug. Treffpunkt. 7 Uhr, Stadtbahstation Schottenring. Mittwoch Plenarversammlung. — Bereinigung misrackisttscher Akodemike r. Heute findet je.t schönem Wetter ein Ausflug der misrachistischen Akademiker ngch Hütteldorf-Hacking statt. Treffpunkt. 2 Uhr, bet der Stadtbahnhallestelle Schwedenplatz. Jas Tagergelvröch der Leotzoldftadt bildet der großartige .Aufschwung des Warenhauses Brüder Schi ffmann, 2 Bcz., Taborstraße 48. Dreimal im Laufe der letzten Monate war der Seniorchef der Firma, Herr Max Schiftmann, genötigt, durch Ankauf und Anglrederung umliegender Lokalitäten die Warenhausräume zu vergrößern, um den gesteigerten Anforderungen der täglich wachsenden Kundenfrequenz entsprechiru zu können. Ein unwiderleglicher Beweis dafür, daß die sprichwörtliche Billigkeit dieses führenden Leopolostädter Kaufhauses trotz der schlechten Wirtschaftslage das konsumierende Publikum anzieht. .... Brüder Schissmann führen ihr Unternehmen nach den: strengen Prinzip „Großer Umsatz — Kleiner Nutzen" und sind durch Kassakäufe großer Warenmengen aus erster Hand in der Lage, erstklassige Qualitätswaren zu beispiellos billigen Preisen abzugeben. Gegenwärtig wird das Lokal umgebaut und vergrößert. aus welchem Anlasse ein allgemeiner Räumung sverkaus sämtlicher Sommerwaron stattfindet. Seide und Waschstoffe für Kleider und Kosttime, Badeartikel, Wäschewaren usw. sind ab Montag den 5. d. zu bedeutend reduzierten Preisen erhältlich. Niemand versäume chese außerordentlich günstige Kalifgelegenheit! Verbilligung der Seereisen von Trieft nach Piriius und Kouftantinopel. Vom'Lloyd Triefttno wird mitgeteilt, -aß von nun an für Fahrten von Trieft nach Piräus und Konstantinopel und zurück bedeutend ermäßigte Rückfahrkarten ausgegeben werden. Auskünfte erteilt das Passagierbureau, 1. Bez., Äärntnerring 6, Tel. 56-0-53, welches in der Reisesaison an Wochentagen ununterbrochen von dreiviertel 9 Uhr vormittags bis halb 6 Uhr abends geöffnet ist. Wir beginnen mit unserem Oaison-RLmnungsvertauf, der besondere L.kkasionen in allen Abteilungen bringt. Lesen Sie, bitte, unser Inserat auf Seite 11. A. Gerngrotz Aktiengesellschaft. Me«er Morseirzettims 4. Juli 1926 Nr. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiii om Büchertisch lllllllllllllllllllllllllllllllli Re Nasse Mensch als Maschine. Rene MlKp-Ottller: „Geist und Gesicht des Bolschewismus." Die „Masse Mensch" ist eine Entdeckung, auf die sich die Literatur unserer Tage viel zugute tut. Ehedem war der russische Muschik stark umworben. Wenn sich, so konnte man es immer wieder lesen, seine graue Masse in Belvegung setzt, von einem einzigen Gedanken erfaßt, dann wird die lügnerische, gleißnerische Maske der Zeit fallen. Die unverdorbene und unkomplizierte Seele des Landes wird mit dem Schutt Md Plunder aufräumen, neue Impulse der Welt schenken und dem Befreiungsdrang der Menschheit neue Wege weisen. Nun hat sich die Masse in Bewegung gesetzt. Nicht aus freiem Antrieb; nicht so, wie cs sich die" Dichter und Philosophen ausgedacht hatten, von der Wucht der Idee oder auch nur von der Kraft eines ungeformten unbewußten Sehnens getrieben. Die Masse wurde vielmehr vom Zaren gerufen. Der Mobilmachungsbefehl brachte sie in Bewegung, der große Krieg war die Idee, die neue Welten vor ihre Augen brachte. Diese Bauern und mit ihnen die Arbeiter waren von der Kaserne mechanisiert worden. Sie waren immer nur an den Staat gewöhnt worden, an eine über ihnen in den Wolken thronende unverständliche Macht» der zu dienen, zu fronen, für die sich und andere zu opfern, höchstes Ziel des Lebens sei. Dieser Staat ist der Inbegriff alles Guten und Erstrebenswerten. Er ist das Eins und alles, er ist identisch mit dem Zaren und seinem .Haus, er manifestiert sich in dem Beamten, vom Minister bis zum Hausmeister. Er ist die Uniform, und alles Wirken und Arbeiten, Denken, Pflügen muß so weit'als nur möglich uniform, gleichgestaltig werden, damit das Wohl des Staates, dieser Gemeinschaft der Ungleichartigen, durch die möglichst rationelle Dressur aller erreicht werde. Dieses Ziel schien durch einen feindlichen Angriff verlegt. Also gab es Krieg. Der Zar rief den Mn-, schik. Die Masse Mensch trat unter Gewehr, ging in den Krieg, blutete, hungerte, starb, ließ andere bluten, hungern, sterben. Und als sie erfuhr, daß alles vergebens gewesen sei, zermalmte die Masse den Zaren,' sein Haus, seine Macht, seinen Reichtum unter ihren Stiefeln. Sie bekam neue Führer. Bon nun ab,' predigten wortschnelle Beglücker, ist die Macht beim Voll, bei der Masse Mensch. Die Masse war es zufrieden und verlies sich wieder in ihre Dörfer und Städte. Die Herren in Moskau trugen andere Namen. Die Masse wußte nichts von ihnen. Mer draußen in der Welt, wo es auch Massen gab, sah man begierig auf das große, weite Land, dessen neue Führer versprochen hatten, den Menschen das neue Eden zu'bereiten, die Freiheit der Seele zu schassen, das Leben neu zu beschwingen. Unerhörtes sollte begonnen werden und tausend Hoffnungen starrten zu dem Gebiet hinüber, in dem sich hinter Kordons die Befreiung der arbeitenden Masse, ihre Erfüllung mit wertesHaftenden Idealen vollziehen sollte. Hier sollte das Muster erzeugt werden, wie die Form der Gesellschaft zu gießen sei. „Geist und Gesicht-des Bolschewismus" heißt ein Buch des Schriftstellers Rene - F ü löp - M i I I er- (Wien, Amalthea-B erlag), das uns mit der großen Wandlung vertraut machen will; das Interesse, das sich diesem Buch suchendes ist. ungewöhnlich groß, wie ja auch die Sache,-um die es geht, ungewöhnlich groß ist. Der Autor sieht den Bolschewismus hls eine Antithese zum europäischen Wesen, als eine radikale Peränderung des gesamten menschlichen Lebens in allen * seinen Grundlagen, Zielen und Interessen. Sein Buch aber, das auf etwa 500 Seiten den kulturellen Inhalt dieser Bewegung darstellen, uns ihre Wege und Möglichkeiten, die Linien ihrer Entwicklung vorzeichnen will, lehrt uns, daß der Bolschewismus die schnurgerade Fortsetzung der Aera ist, deren äußerliches Gerüst .in der Revolution zerstört wurde, ja, daß der Bolschewismus als -Staats- und Gesellschaftstheorie nichts anderes will als die -scheinbar vertrocknete verkrustete Lehre vom Staat überhaupt. Das.Volk ist die ungelenke und ungefüge Masse, die erzogen fyerden, muß. Nicht für sich, nicht für den einzelnen, der'das Mewußtfein erhalten soll, daß das Wohl aller auch das seine verbürge/und daß somit sein Wohl eine Voraussetzung und Vorbedingung'des Gedeihens des Ganzen sei. Nein, er verschwindet, er'hat sich, sein Wollen, Streben, Fühlen zurückzustellen.' Gr wird --wieder Knopf oder Rädchen einer Maschine, die doch wie er aus atmenden, wollenden, beseelten Individuen besteht. i ‘ Und was ist das Ziel, was der Sinn dieses Selbstentsggens? Die Gesellschaft, der Staat. In Gedichten, in Liedern tpird-dem Menschen cingetrichtert, daß er nichts ist als'ein Atom der Masse. Aber was ist das Glück der Niasse'? Darauf gibt auch der Bolschewismus die Antwort: der Staat. Gewiß ist in diesem bolschewikischen Rußland alles, Gesetzgebung, Erziehung, bildende und..darstellende Kunst mit eisernster Zweckmäßigkeit auf den Staat-.als Ziel eingestellt. Alles ist ihm unterordnet',, geistiges mtd -materielles Streben, und die Vollendung ist die Maschine „Masse -Mensch", oder der Ameisenstaat, in dem die Königin mit ihrer Brut Sinn und Zentrum aller Arbeit darstellt. j^>ev--Sozialismus .vergeistigt und veredelt die Beziehung zwisch-n Mensch uzch Umwelt. Der Bolschewismus mechanisiert sie. Er überwacht und ordnet und regelt. Er ist das System Schutzmann. Das russische Leben lenkt wieder dorthin, wo es nach dem Kriege unterbrochen wurde, es ist nur eine andere Form -,der europäischen Entwicklung hinter einer sozialistischen Fassade, versetzt durch asiatische Elemente. Fülöps Buch bringt eine Unmenge von Material. Es will -das Neue beweisen und zeigt doch nur das Me. Hofdichter, HofküMer und Hofnarren hat es immer gegeben und es hat auch Westlich von Rußland Personen gegeben, für die da--. Volk die Masse war, die zu irgend einem Zweck — er schillerte immer in den schönsten Farben und war sentimental untermalt ----- erijÖJfcn und geknetet werden mußte. 2>u sollst und mußt glücklich werden, auch ivcnu du nie du selbst sein darfst, sondern ein dienendes Glied in der Kette, ohne Willen und-ohne Erkenntnis des Zweckes. Das war die preußische Staatslehre, das ist die Lehre des Bolschewismus, die Lehre des Faszismus und der in dieser Woche eingesetzte Reynlaiivstaat Mussolinis ist nichts anderes als der Leninismus. Eine seelenlose Maschine, in Ordnung gehalten von der Tscheka (früher hieß sie Ochrana) und geschmiert vom Volk, vou der Masse Mensch, die der Zar gerufen hat und die heute das ist, was sie seit eh und je gewesen ist,—I. * Francesco SMti: „Bolschewismus, Faszismus und Semokratie." (Verlag Franz Hansstaengel, München.) Der j-cht gezwungenermaßen im Exil lebende italienische Exministerpräsident hat schon eine Reihe vortrefflicher Bücher im Dienste der Wiederherstellung dauernd friedlicher Zustände in Europa veröffentlicht. Auch die neue Broschüre ist ein unbedingtes Bekenntnis zur Demokratie, die — nach Nitii . allein imstande ist, Freiheit uno Fortschritt der Völker zu verbürgen. Bon tvsonderem Interesse ist der Nachweis, das; das ursprüngliche/Programm Mussolinis bei Begründung des Faszismus 191 ü sozial revolutionär war. hält cs auch für möglich, daß M l i n i einmal;n seinen! Ausgangspunkt zurmkkchrl. Sehr scharf wendet er sich gegen den italienischen Imperialismus uns sagt zutreffend, daß heute nur Staaten, die Kapital, aber nicht Menschen zu exportieren in der Lage sind. Kvloniälreichc schaffen können. Im ganzen ist die Broschüre weniger durch ihren Inhalt, der kaum Neues bringt, als durch die Persönlichkeit des Verfassers von Interesse. Die Darstellung bleib! im ökonomischen-und politischen hasten, die psychologischen Momente werden selten gestreift. Die politischen Vorgänge seit Kriegsende können aber ohne Berücksichtigung dieser Momente nicht verstanden werden. Vor allcnr hat der Sturz der Autoritäten eine starke soziale Unruhe und Unsicherheit erzeugt, der Consensus oiunium, der unbewußt jeder Gesellschaftsordnung zugrunde liegt, ist erschüttert und damit die staatsbrldende Kraft der Gemeinschaft, deren Exponent die Demokratie ist, in vielen Staaten problematisch geworden, welche zwei Momente allein schon ausreichen, -um den Ruf nach dem. Diktator zu verstehen. Immerhin kann man auch vom Psychologischen Gesichtspunkt aus Nitti darin beipfliichten, daß er das Mitren von der Demokratie als unmittelbare KriegÄft-lge ansieht, daher glaubt, daß diese Nachwirkung des Krieges nicht allzu lange dauern wird und die Zukunft der Demokratie MÄrt. b. Eine neue Broschüre über Tel-Alaiw. Das BemerkenÄr-erteste an dieser neuen, knappen, aufschlußreichen Schrift über Tel- Awiw ist der Vermerk auf der letzten Seite: „Gedruckt int Aufträge des Keren Hajesscd -in der Knnstdruckerei ,-Hamardis' in Jerusalem. Mai 1926." Der neue Iischnw ist also schon in der Lage, ein so gut und geschmackvoll ausigostattetes Heft mit künstlerisch wertvoller Umschlagzeichivung herzuftellcu. Neben der sehr wichtigen propagandistischen Bedeutung der Broschüre — sie Werst nach, wie sehr der Keren Hcijessod auch die städtische Siedlung fördert — zeichnet sich das neue Wörtchen durch kuappe. sachliche Darstellung der Entwicklliung von Tel-Awiw aus und ist tatsächlich für jedermann, der sich iilber diese einzige rein-jüdische Stadt der Welt unterrichten will, ein traffliches Handbuch. De-r illilstrative Heil ist reichhaltig und anschauilich. A. Zwei Bücher von A. M. Fuchs. „Unter der b r i k", ,/Oifn dergl" (beide Kulturliga. Warschau). .Unter den nicht qlllzu zahlreichen neueren Belletristen der'jiddischen Literatur ist Ai M. Fuchs einer der binnedkenswertcsten.- Nicht was er erzMt, sondern wie er erzählt ist' interessant.. Der ' typischen Kleinmalerei verfallen, ist der StofsbeAirk. de>r ihm gveisbar ist. eng. Aber was ihmliegt, das. -gestaltet - er mit ganz lurgewöhnlicher Pracht. Gestalten -und Sacheu,' s-est und eng' nmrlssen, gleiten aus den! typisch Naturalistischen ins Bizarre. Die. unbarmherzigste.-kühlste Schibdermig, die man sich nur denken ikann, aber Gefahr läuft, zur Manie zu werden. Was alber für die jiddische Erzählungslfterat-ur von nicht geringer Bedvntuna ist: ungvw,ähnliche Plastik des Ausdrucks und der Bilder; kla-r, knapp, gedrängt. Allerdings nur dort, wo er sich in das ihn! zugängliche, wurzelf-elste Milien bogkbt. Wenn er's verläßt, verdirbt er sich. Deutlich sichtbar, in der Sammlung „Unter der brik", wo die in Wien spielenden. Begebenheiten in ziemlich konfuser Manier geschildert werden, hingegen die -im Ostjsüdischen bleibenden übrigen Erzählungen des Buches sowie die größere Erzählung „Oisn ^bergl" alle oben genannten Merkmale au-ftveisen. P. H. Neuerscheinungen des Berlages „Eschkol". Im Anschluß an die Reihe - der im Verlag „Eschkol", Berlin, bisher erschienenen Werke des Rassischen hebräischen Schrifttums ist vor kurzen! eine ^Anthologie der jüdkschen Neliaiynsph-l>los ophie von Jakob Klatzkin zur Ausgabe gellangt. Die Änthosygie enthält eine sorgfältige und reiche Sammlung von a-us-- gewMien Kapiteln aus Schriften der jüdischen und arabischjüdischen Philosophie des Mittelalters. Durch Beigabe von wissenschaftlichen Beurerkungen und Erklärungen der Termini ist, das Hevk auch breiten Kreisen zugänglich gemacht worden. Diesem ersten Bande sollen noch zivel Bande folgen, die ein großangelegtes .Wrlerbuch der philosophischen Terminologie nnt Qnellenan-gav'e bieten werden. -- Ferner ist der erste Teil der „Machbarot" Von Cmanuel Haronii soeben i>m Verlage „Eschkol" erschienen. Die Edition dieses eigenartigen poetischen Werkes wurde von Prof. H. Brody ans Grund mehrerer Handschriften besorgt. -- Bor einiger Zeit bat der Verlag „Eschkol" ein philosophisches Puch von Jakob Klatzkin („Schlkiat H-achajinsth herausigelgeben. das den Versuch eines geschlossenen philosophischen Systems darstellt. — Demnächst erscheint der dritte Band der bekannten „Geschichte der jüdischen Martyro'logie" („Seser hadmaot") von Dr. Bernfeld. T. DwiuskY: rßtiQ Aw r ohom" (Buchverlag,,Riga). Eine Sarmnlung von größeren Erzählungen eines'in die fkddische Erzählungsliteratur neu Eintretenden. Sie spiegeln durchwegs tue durch Krieg und Revolution entstandene Bevwrrruna im ostjüdischen Loben wieder.,Oft scharf gesehen und gut geschildert, oft feuilletonistisch 'leerllaufend. Immerhin lassen sie den Eindruck einer Mtlwickl-nngsfähigen BogabNM zurück. P. H. D.:./.4A