Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2644 (4.7.1926)
- Date
- 1926-07-04
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. m Men. Sonnktz Wiener Morgenzettung 4. M IM Sette-- liliWMiMMiMiiiWiiNiii! WWWW!^FNbtsssÄl!!k?Ä!s18mk^'^kÄmWs1 riiMiiiMWiMiliM MWWWA MMMHUWEUW =iiri^iiri=fi|i=r»t=tn(5 lifflsi!iinPn=iiiTiw^Br OINIWIWMWZ siiBsnSs!inilsiiii=!Hi3Hiigmt5iiiig»n=l MWZWZMUMZM %H> mische ftelialon und der Frieden. -Gilt* Rede des Großrabbiners von England. Ans London wird uns^berichtet: In der von der englischen FriMnsgesellschaft jÄnO in der Gurld Hall.abgehaltenen 110. Jahresversammlung befaßte sich der Großrabbiner des britischen Reiches als einer der Festredner mit der Frage der Friedenspropaganda durch die verschiedenen Kirchen. Das hebräische Wort für Friede, „Schalvm", sei — führte der Chefrabbi aus — ein Friedensgebet in einem einzigen Wort. Es bedeutet Gesundheit, Frieden, Wohlstand und Harmonie zugleich. Eine Welt, in der r Krieg gegeben hat, könne keine gesunde, prosperierende Welt sein. Der große Krieg und die Nachkriegsjahre haben gelehrt, daß Kriege nicht humanisiert tverden können, aber auch, daß die Vorbereitungen auf den Krieg nutzlos und gefahrvoll sind. Ein verlorener Krieg sei gewiß eine grüße Kalamität für das betreffende Volk, aber ebenso wahr sei es, daß es keine furchtbarere Situation, keinen traurigeren Hohn des Schicksals für ein Volke gebe, als einen siegreich abgeschlossenen Krieg. Der Sieg ,'rniag das siegreiche Volk nicht einmal vor Arbeitslosigkeit zu schützen. Die Welt sei jetzt geneigt, B r i a n d znznstintmeU, der ias Wort geprägt habe: „Krieg ist eine zu ernste Angelegenheit, als daß sie den Soldaten allein übertragen werden dürfte." Diese Ueberzeugung habe dazu geführt, daß ein großer Teil der Menschheit seine hoffnungsvollen Blicke dem Völkerbund znwendete. Gewiß seien die Errungenschaften des Völkerbundes gegenüber der an ihn geknüpften Hoffnungen noch verschwindend geringfügig. Ein neues Herz und neuer Geist seien erforderlich und da müßten alle moralischen Kräfte mobilisiert werden, um dieses neue Herz und diesen neuen Geist Mt schassen. __ Sie Mische Fakmttschule in Peiwstzlvanien. Bon befreundeter Seite wird uns geschrieben: Kürzlich wurde in diesen Blättern von der Errichtung einer jüdischen Farmerschule in Kanada berichtet. In den Vereinigten Staaten besteht schon seit 28 Jahren die „National Farm School" in Pennsylvanien, die von einem voraNsbkickendett Mann, Rabbi Josef Kran stopf, gegründet' wurde. Wir entnehmen dem Jahresbericht folgende Daten: Durch zahlreiche Stiftungen ist die Schule mit Bauten (SchlasrauMe, Institute, Bibliothek usw.) glänzend ausgestattet, außerdem besitzt sie nicht weniger als sieben Bevsnchsfavmcn, deren größte 205 Acres (600 DunaM) mißt. Auf diesen wirtschaften zumeist die Schüler der obersten Klassen vollkommen selbständig. Der Zulauf zur Schule wird immer größer, .1925 wurden 90 Jungen neu ausgenommen (die Gesamtzahl der Schüler wird nicht angegeben). Irgend welche jüdische Fächer, scheinen in der Schule — so weit aus dem Bericht zu entnehmen ist — nicht gelehrt zu werden. Die Direktion spricht davon, daß Inden in Palästina, Rußland usw. zur Landwirtschaft übergehen und daß die Absolventen der Farm School ihnen als Lehrer und Führer dienen könnten, soweit sie nicht eigene Farmen gründen wollen. Bekanntlich gibt es in den Bereinigten Staaten über 70.000 jüdische Landwirte. Bericht de» „Palestlne Exploration Fund". Aus London wird uns berichtet: In der Generalversammlung des. Palestine Exploration Fund (der Fonds zur Erforschung Palästinas) hielt Ehrensekretär Dr. E. W. G. Masterm a n einen durch Lichtbilder unterstützten Vortrag über den Besuch des Internationalen Archäologenkongresses in Syrien und Palästina. Es wurden die historischen Stätten in Palmy-a, Petra und Jebail einschließlich der Höhlen von Tabgha, die Moschee von Hebron und die Grabstätten der Höhle von Machjelcch besucht. Die hervorragende Konserviernngsarbeit, die vonr Departement sür Altertümlichkeiten der palästinensischen Regierung dort geleistet wurde, hat auf alle Kongreßmitglieder einen tiefen Eindruck geübt. Redner klagte darüber, daß der überwiegende Teil der Ausgrabungen nicht von. Engländern besorgt worden sei. In Zukunft müßten die in Betracht kommenden englischen Kreise eine größere Aktivität auf diesem Gebiete bekunden. Sin Mischer Professor an der Ulliverfitüt von Tokio. Das japanische Unterrichtsministerium berief dieser Tage den Aachener Universitätsprofessor Dr. Theodor Ka>rman an die Universität von Tokio, wo er über Aerodynamik, den: neuesten Problem der Flugtechnik, Vorlesungen hätten wird. Prof. Theodor Karman, einer der anerkanntesten Theoretiker der Aviatik, ist jüdischer Abstammung >nnd gehört unseres Wissens auch heut« noch dem Judentum an. Er Ist ber Sohn des Budapestsr Philologen und Pädagogen Moritz Karman, des Schöpfers und Erneuerers des Mittelschulwosens in Ungarn. Pogromgefohr begründet fite «ovorhr. T8 war in der Weihnacht des Jahres 1983. Der jüdische Gastwirt von K o v a e s i, einer Keinen Ortschaft in jenen Teilen des Pester Komitates, das von den Pogromen des weißen Terrors am schwersten heimgesucht wurde, Ladislaus Ujvari, hatte die Wirtsstube längst geschlossen» als er um Mitternacht durch Lärmen und Poltern getveckt wurde. Zwei Burschen des Ortes forderten unter Drohungen und antisemitischen Beschimpfungen, daß er öffne und ihnen zu trinken gebe. Ujvari trat mit seinem Jagdgewehr -vor die Türe und forderte di« Bauerickurschen erst bitietck, dann energischer auf, sich in Ruhe zu entfernen. Die Angreifer ließen nicht locker, eS kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf einer der Burschen von einer Kugel getroffen tot zusammenbrach. Das Landesgericht verurteilte Ujvari zu vier Monaten Gefängnis. Der Kallay-Senat der Königlichen Tafel, vor welchem die Bernfungsverhandlung vor einigen Togen stattfand, hob das landesgerichtliche Urteil auf und sprach Ujvari frei. In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß ,Mr damals in einer Zeit der nächtlichen Uüberfälle auf Inden lobten, Mf dent Lande Gewalttätigkeiten gegen Juden aus der Tagesordnung waren. In solcher Atmosphäre hat Ujvari in begreiflicher Not» wehr gchandelt ..." Sa» Sude de« -ersten antisemitische» gournaiiüen". Im jüdischen Spital gestorben. Vorgestern starb im Spital der Budapester jüdischen Gemeinde ein Mann, der viele Jahre hindurch stolz das seiner Gesinnung nach ehrenvolle Prädikat der „erste antisemitische Journalist Ungarns" trug. Der Mann, Aurel Csatho, hatte das volle Recht auf diesen Ruhm, denn er war schon vor dem Kriege einer der gefährlichsten, weil aalglatt jesuitischen geisttgen Führer der Antisemiten in Ungarn. Einer uralten Siebenbürger Gentryfamilie entstammend, wurde er, bald nachdem er als Offizier quittiert hatte, der „Hof- und Leibjournalist" des Nationalkaftnos. Er gehörte zum intimen Kreis des Grafen Albert Apponyi, der ihn zur ersten interparlamentarischen Konferenz nach Amerika mitnahm. Esacho war der Hauptmitarbeiter des inzwischen eingegangenen katholisch-antisemitischen „Hazank" und gab dann selbst eine klerikal-antisemitische Korrespondenz heraus. Und dieser um eine ungerechte Sache so hochverdiente Mann mit den hohen Beziehungenlebfe, nachdem er sich im letzten Kriegsjahr ein unheilbares Rücketrmarksleiden zugezogen hatte, von all seinen einstigen, reichen, hochmögenden Gönnern verlassen, unter grüßen Entbehrungen in tiefstem Elend. Selbst in einem Spital oder Siechenhaus konnte der verdiente Judenhasser keine Aufnahme für seine letzten, gezahlten Lebenstage finden. Schließlich gelang es einem seiner Bekannten, den arMen Teufel in — d a s j ü d i s ch e Spital zu bringen. Csatho half sich über diese Groteske seines Schicksals mit einigem Humor hinweg. Zwei Tage vor seinem qualvollen Tod sagte er noch zu einem Besucher lächelnd: „Es ist doch komisch, daß ich, der ich einer der ersten sogenannten christlichen Journalisten und als Antisemit bekannt war, die Gastfreundschaft der jüdischen Kultusgemeinde in Anspruch nehmen mußte. Ich bitte bloß Meine Journalistenkollegen, mir den Freundschaftsdienst zu erweisen, daß sie nach meinem Ableben dem jüdischen Spital den Dank dafür aussprechen, daß es mich mit so viel Liebe behandelte, mich — den Antisemiten a. D." Gestern Samstag wurde Csatho zu Grabe getragen. Es war ein. typisches Armeleute-Begräbnis. Einige vom jüdischen Pflegepersonal des Spitals der Judengemeinde erwiesen dem Vorkämpfer des christlich-nationalen Kurses „die letzte Ehre". Wie ist doch das Leben so phrasenreich. I. Kr. Besuch des Präsidenten des Bukowina«! Verbandes in den Vereinigten Staaten in der Bukowina. Aus New-Aorik wird uns berichtet: Herr A. D. Kätscher, Präsident des BuWüiUaer Verbandes in den Vereinigten Staaten, ist nach Europa abgereist und wird aus seiner Europareise Cizernowitz und andere Städte der Bukowina besuchen, um die gegenwärtige Lage der Juden in der Bukowina aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Mr. K ätsche r, der auch Präsident des Jewish Centre der New- Aorker East Side ist, zählt zu den populärsten Persönlichkeiten der New-Norker Ostseite. Ein Moskauer Auftrag an Architekt Mendelsohn. Der Architekt Erich Mendelsohn in Berlin» der Erbauer.des Technikums in Haifa, hat jetzt den Auftrag erhalten, sein Bauprojekt für eine neue Textilfabrik in Leningrad auszuführen. Es handelt sich um einen nach gam modernen Grundsätzen auszuführenden Industriebau. Das Modell ist zurzeit in der Großen Berliner Kunstausstellung ausgestellt. Die Dozentur für jiddische Literatur in Kiew. Der bekannte Etymologe NahUm S t i f wurde im die Kiewer Universität als Dozent für. jiddische Literatur berufen. Der Gelehrte, der in der letzten Zeit in Berlin lebte, hat seine Vorlesungen in Kiew bereits begonnen. Schulmtchrickterr. E Knaben-Ferienheim des Institutes Duschiuszki VöSlau, Hügelgasse 20. 1. Juki bis 16. September, täglich, Wien, 1. Bez., Hoher Markt 3. Tel. 65-2-96. -Bauer in Aufnahme Handelsschule Dertsch, 9. Bez., Hövlgasse 12, Tel. 17-2-36- Zweijährige und einjährige Tageshandelskurse, Abiturientinnenkurse (dreimonatig), Stenographie- und Maschinschreibkurse. Privat-Frauenaewerbeschule für Weißnähett und Kleidermache« nüt Oeffentuchkeitsrecht. Zwei Jahrgänge. Staatsgültige Zeugnisse. 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Eine reiche Tochter setzt sich in den Kopf, einen Bildhauer, dessen Bild sie in der Leipziger Illustrierten" gesehen hat, zu heiraten. Gesagt, getan. Als arme Tochter seines biederen Briefträgers bietet sich die Pstffige dem Bildhauer als Modell an, in das sich der Künstler prompt Verliebt. Sie läßt ihn nach bewährtem Rezept durch drei Monate zappeln, schreckt ihn mit einem erfundenen Nebenbuhler, einem Fensterputzer, bis er schließlich mürbe ist. Doch als der Schwindel entdeckt wird, bäumt sich das Männchen auf. Für einen Tag ist es mit der Liebe aus. Die Berlobungsgdsellschaft ist aber schon sür den nächsten Tag geladeir und prompt siegt die Siegesgewißheit. Etwa, wie die Kaprice einer amerikanischen MlliaMrstochter. Maria West: reizend ist sie und Versteht es, sich noch reizender zu entkleiden. Spielen kann sie aber, abgesehen Von ejnigen gewinnenden Köpfchenbewegungen, nur wenig. Sie spricht Vor allem nur in den seltensten Fällen zum Partner, meist in die Luft oder zum frisch gekehrten Fußboden.' Nee .. . Von den anderen war Otto S t o r m als Männchen in der Not der Beste. Gustav Tellheim machte als Briefträger dem Namen Plüschke, der wohl genug sagt, alle Ehre. l. RoM Über die Mischen Theater. Alexander Moissi weilt gegenwärtig in Polen, wo er in verschiedenen Städten ein längeres Gastspiel absolviert, um daun auch in Rumänien aufzutreten. Wir haben seinerzett ein Gespräch' Mit dem hervorragenden Schauspieler über das hchräische Habima-- Ensemble veröffentlicht. Interessant ist, was er einem Interviewer des jüdischen „Lemberger Tagblattes" über die anderen jüdischen Theater sagt: „Interessiert Sic das jüdische Theater und seine Schau-« spieler?" „Nicht weniger als das einer anderen Nation. Ich memo selbstverständlich das jüdische Theater im vollen Sinne des Wortes. Ich hatte Gelegenheit, zlvei jüdische und ein hebräisches Theater^ zu sehen: das New-Vorker jüdische Kunsttheate.v unter der Leitung von Moris Schwarz, die Wilnaer Trupipe und die Habtmq. Ich möchte mich aber auch nur über die beides-, letzteren äußern, denn außer Dr. B a r a t o f f (Ben Zwi), devi jetzt bei Schwarz spielt, bin ich beim Now-Uorker jüdischen Kunst* theater keinem einzigen mehr oder minder bedeutenden Schau»