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Wiener Morgenzeitung · 1926-06-30 · Heft 2640 (30.6.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2640 (30.6.1926)
Date
1926-06-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite -1 Wien, Mittwoch Ar. m ißöi^WWPr 30. Ami i®c Feinste Henengmdttüve nach Mich liefert zu mäßigen Preisen >n tadelloser Ausführung (auch aui Teilzahlnug^ Rutzülf Goltzstrin. ,';i-'il- und Nniformschnetder Gegr. 1566 Wie», s. D^z.. Lsborstratze 84 Tel. 15-6-29 Knritts- und Fn:iz-Ta are sowie Barette ,35 lMMMMMiMWW Nus der jüdischen Welk ..... . . ....^ ... .. .» WwZ.nn« ittti riili^jint. A.l ..... ..... — WWW»» * Das Wetter. Gesten! war der dritte Tag ohne Regen. Tie Voraussage läßt keine '.'leudcrung des Wcttercharakters" erwarten. * Die Wiener Her;l.Gedenkfeier. In uirserer gestrigen Inhaltsangabe der Rede, die Herr Oberrabbiner C h a j e s bei der Hcrzl'Gcdenkfeier der Wiener zionistischeil Mandatare hielt, wurde Gustav Geiserstan! irrig als dänischer statt richtig als schwedischer Dichter bezeichnet. * Die Lebensmüden. Gestern nachts hat sich der 14jährige Dreher Leopold Mische' ans einein Fenster des dritten Stock Werkes seiner Wohnung n die liefe gestürzt und blieb tot liegen. Das Motiv der Tat ist nnbekainit. — Vorgestern hat sich ein zirka .äOjährigcr mittelgroßer Mann mit graumeliertem Haar, dunkelblondem, langen Schnurrbart, bekleidet mit graukarriertem Anzug, schwarzen Schuhen, voii der Heiligenstädterbrücke in das Wasser gestürmt, witrde jedoch von zwei' Wachcbeamten geborgen und in das Lprtal' der Barmherzigen Brüder gebracht. Dort ist er irn Laufe des Abends gestorben. Leine Identität konnte bisher nicht festgestellt werden. -- Gestern mittags wurde im Schöubrnilnerpark hinter der Brunnenfigur im 'Gebüsch ein zirka .üvjahrigcr Rkauu erhängt aufgesiiiiden. Der Selbstmörder ist der 50jährige Johann H u r'l a k, der die Tat, wie aus einem ber ihm Vorgefundenen Zettel hervorgeht, wegen Verschuldung begangen hat. — Am 28. d., um halb, 6 Uhr aberrds, gcr:et der Dreher Leopold M i s ch e k in seiner Wvhnnng, Erlachgasse 129, mit seiner bei ihm zu Besuch weilenden Geliebten Marie Hauser wegen der Lösung ihrer Bestehungen in Streit. Plötzlich rief Mischek „Achtung, da habt ihr's!" und sprang aus dem Fenster. Er blieb auf der Stelle tot. * Tod durch Leuchtgasvergiftung. Am 28. d., abends, wurde die 21jährige Hausgehilfin Anna Mayerhof er, Brnnogasse Nr. 21 wohnhaft, in der mit Leuchtgas erfüllten Küche tot auf- ^efunden. Ter Unfall dürfte auf den Gas-Hahn, der schlecht verschließbar war, zurückznsühreu sein. * Vorsicht mit Schutzwaffen. Gestern mittags hantierte in der Ankerbrotfabrik der Arbeiter Bartel derart unvorsichtig mit einer Flaubertpistole, daß ein Schuß losging und den 31jährigen Chauffeur Johann Hufnagel in den Rücken traf und schwer verletzte. * Schwerer Autonnfall in Vösendorf. Anl 28. d. stellte sich im Wachzinlnrer Franz Josefs-Spital der Chanffenr Paul Lcvin mit der Selbstanzeige, daß er ans der Strecke zwischen Bösendors und Wiener-Neudors ein Kind überfahren habe, das ihm trotz Hnp^rnsignalell in das Auto hineingerannk sei. Der Chauffeur übersührte das Kind in das Frauz-Josefs-Spitäl. Das verletzte Krnd ist,die lljährige Franziska Linhard ans Bösendorf. Es erlitt anscheinend schwere innere Verletzungen und hat bisher noch nicht das Bewußtsein wiedererlangt. , * Ein folgenschwerer Speerwurf..Am 'Arbeiter-Sportplatz bei der Floridsdorferbrüctc vergnügten sich gestern nachmittags kleine Kinder, die mit ihren Eltern auf den Sportplatz der „Natn/.-freunde" gekommen waren, mit harmlosen Spielen. Auch eine Gruppe von 16- und lljährigen Burschen begann Speere zu werfen. Unter ihnenbefand sich der 17jährige Schneidergehilfe Viktor Vogl. Mährend des Speerschlcuderns war nun von einer anderes Gruppe, kleiner Kinder der sechsjährige Hilfsarbeiterssohn Hans Stampfer in die Wurfliniegekommen und wurde von o»aem Speer, den Vogl geschleudert hatte, derart unglücklich getroffen, daß die Spitze ihm durch das Schädeldach mit' Verletzung des Knochens in den Kopf drang und der Unglückliche einen Austritt des Gehirns erlitt. Das lebensgefährlich verletzte Kind mußte sofort einer Operation unterzogen werden. Die Amtshandlung wurde eingeleitet. . * Wildwest in der Inneren Stadt. Gestern nachts wurde de 26tährrge Ludwig T i s ch l e r,. Obere Donaustraße wohnhaft, ii der Adlergasse,, Ecke Schwedcnplatz, von fünf chm nicht bckanntei Burschen überfallen und durch Fanstschläge mißhandelt. Die Ans forschung der Gewalttäter ist im Zuge. * Der-Badener Säuglingstod. Die „Wiener medizinisch Wochenschrift" kündi-zt den morgen Donnerstag, 7 Uhr abends, ir Hörsaal des Hhgienischen Universitätinstituts, 6. Bez., Kirwer spitalgassc 15, stattfindenden Vortrag Professor Gratzberger! über die Badener Jmpfunfällc an, denen bekanntlich sechs Säug linge zum Opfer gefallen sind, die mit dem von Dr. Bujson n Wcen hergestellten Präparaten zur Verhütung einer Ansteckurv mct Diphtherie geimpft worden tvar-en. ,. *. Oesterreichische Bundesbahnen. Reisegepäckversicherune ^>ce. Oe>terreichischen Bundesbahnen haben die Einrichtung ge troffen, daß das Reisegepäck bei der Aufgabe am- Gepäcksschalte bei der Europäischen Güternnd Reisegepäcks-Bersicyerungs-Ak tiengesettschaft, versichert werden kann. Besonders für Reisei innerhalb Oesterreichs ist die Versicherung in diesem Jahr wesent lrch verbilligt worden. Durch die Versicherung kann das gesamt Gepäck einschließlich Handgepäck sowohl für Reisen als auch fü Aufenthalte versichert werden. Auf diese Einrichtung werden di Reisenden im Hinblick daraus, daß die Bahnverwaltung für Reise aepack nur mit dem für je ein Kilogramm jeweils festgesetzte, .pochstbetrag haftet, besonders aufmerksanr gemacht. E Personalnachricht. Rosa Schwarz geb. Dritter, Max Schwarz Direktor der Montan-Handels-A.-G. empfehlen sich als Ver mahlte. . * Das Budapester Schachturnier. Jnr internationale, Schachturnier gewann heute R e ti gegen Havassy. Die Par tien Nagy-Grünfeld, Takacs-Kmoch. Prokesch—Mattison un Borowsky—Bajda wurden remis. * Einbruch in das Warschauer Auswärtige Amt. Aus Warschau wird gemeldet: Samstag nachts sind in die Kurierabteilung oes Auswärtigen Amtes Einbrecher eingedrungen und haben die renerreft;' Kaste der diplomatischen Kuriere aufgeschnitten. Das Auswärtige 'Amt versichert oitf eine Anfrage, daß den Einbrechern ke,ne diplomatischen Dokmneütc in die Hände gefallen seien. Trotzdem verlautet, daß die gestern hier angekommene diplomatiiche Kurierpost doch gestohlen wurde und daß sich darunter cine jolche ans Rußland befunden habe. Die Untersuchung der Warschauer Polizei hat b.'sh-r noch kern positives Ergebnis erzielt. * Höhere Staatsbeamte alä Doüarfälscher in Litauen. Wie dis Wilna er Blätter melden, hat die litauische Polizei eine weitverzweigte Dollarfälscherbande verhaftet. Dre Bande hat sich vorwiegend mit der Fälschung von . Füufzigdollar,roten beschäftigt. Der Bande sollen auch einige höhere litauische Staatsbeamte angehoren. ' * 2.9» Geistliche in der Sowjetnkraine verhaftet. Ans Warschau wiro gemeloet: Nach einer Meldung aus Schitomir wurden in den letzte«. Ta^en in den Gejäirgnisseu der. Sowjettscheka Äuwa 1O0 Geistliche verschiedener Konfession interniert, die in der Sowsetukraine verhaftet wurden. Diese Verhaftungen haben nrster, der Bevölkerung große.--Erbitterung hervorgerufen mtb es tarn sogar an vielen Orten iu der Ukraine zu blutigen Kämpfen -wischen den Aufständischen und den sywjetukrainischeu Trrrppen. ' * Eine internationale Presseausstellung. Aus Köln wird gemeldet: Jni Iünneer 1928 findet in Köln eine internationale Preiseausstellung zur Förderung der Beziehungen der Völker statt. (Hm Wische Fakmlehranftalt in Kanada. Aus Toronto wird uns geschrieben: Sonntag den 13. d. wurde in I 0 h n st 0 n (Staat Ontario in Kanada) eine Lehranstalt für jüdische Farmer unter besonderen Feierlichkeiten eröffnet. Me erste jüdische Anstalt dieser Art in Kanada wurde von der Vereinigung jüdischer Farmer im Staate Ontario trotz nicht geringer Schwierigkeiten, auch von mancher jüdischen Seite, ins Leben gerufen. Die Bereinigung erwarb ein großes Stück fruchtbaren Landes, auf welchem neben der Lehranstalt mehrere Mufterfarmen eingerichtet wurden. In dem Lehrplan nimmt die praktische Arbeit auf allen Gebieten des Farmerwefens einen großen Raum ein. Es sind Abteilungen für Haussarinbetrieb, allgemeine landwirtschaftliche Arbeit, Klein- und Großviehzucht, Gärtnerei, Milchverwertung usw. vorhanden. Wie der Präsident der Bereinigung in einer Presseerklärung hervorhob, hat die Lehranstalt auch große politische Bedeutung. Die Gegner der jüdischen Eiuüxrnderung operierten bis jetzt mit dem Argument, daß die jüdischen Einwanderer nur in sehr geringem Maße praktisch an der Kultivierung des kanadischen Bodens Mitarbeiten. Diese judenfcindlichen Politiker erreichten damit, daß, obwohl den Schiffahrtsgesellschaften ziemlich große Begünstigungen zur Förderung produktiver Einwandererclemente zugebilligt wurden, die Quote für jüdische Einwanderer noch immer die alte, 50 Personen pro Woche, geblieben ist. Die Gründer der neuen jüdischen Anstalt hoffen, daß die führenden Politiker ihren Widerstand gegen eine stärkere jüdische Einwanderung aufgeben würden. Hhamson in Riga. Aus Riga wird uns berichtet: Der Chef des Eintvanderunasdepartenlents der palästinensischen Regierung, Albert M. H y a m s 0 n, ist am 21. d. ln Riga eingetroffen und in der englischen Gesandtschaft abgestiegen. Während seines zweitägigen Aufenthaltes hat Mr. Hyamson sämtliche der Hachscharah, der Borbilduttg zur Eignung für die produktive Mitarbeit am Aufbau Erez Israels, dienenden Anstalten des hiesigen Pa-lästinamtes besucht, eingehende Beratungen mit dem Palästinaamt gepflogen und auch eine gemeinsame Konsererrz mit den Vertretern der übrigen zionistischen Vereine und Institutionen abgehalten. Mr. Hyamson hat auch in Riga den von uns wiederholt bekcmntgegebenen Standpunkt der palästinensischen Regierung in der Einwanderungssrage auseinandergesetzt und sich über die in Riga vorhandenen zionistischen Einrichtungen lobend ausgesprochen. Von Riga fuhr Mr. Hyamson nach Kowno. Die jüdischen Schätze der Wiener Nationalbibliothek. Nor einigen Tagen veranstaltete der ,M,evoin für jüdische Geschichte und Literatur" eine Besichtigung der. in der Wiener NationalbAiothek -befindlichen hebräischen Handtschristeu- Die Führung hakte Herr Ravbiner Dr. A. Z. Schwarz übernommen, der an der Hand des von ihm vor kurzem her-ausgegebenen großen Katalvgies siebzehn auSgÄvählte Codices demonstrierte. Der Vortragende zer-ate an diesen "wenigen Beispielen, üvclche Schätze sich in dieser der eihemaligen Hoisibibliothe>k angehörenden Sammlung befinden und wie es gelungen ist, diesen kostbaren Bänden durch Kom-bmation^ ikunft so manches Geheimnis zu entlocken. Die ntesst künstlerisch avsgeführten Handschriften enthalten bisweilen noch u-ngsdruckte WeÄe, Kvsi von ihnen waren schon zweimal, und zwar mit Emigranten. die arrs Böhmen zur Zeit der sabbatianischen Belvegnny nach Erez Israel zogen, im heiligen Lande, <»m dann errdgiiltig nach Wien verschlagen zu werden. In anderen Codices smd wieder Glätter aus Büchern, die zur Zeit der Wiener Ges er ah im Jahre 1431 den Wiener Märtyrern abgenomntetl nnd in Hemde Buchumschläge geklebt ttwrden waren, zllsammengeftellt und so enthält fede dieser Handschriften auch ein gutes Stückchen jüdischer Leidensgejschichte. Das besondere Interesse der Teilivchmer erregten die federgszeichneten Verzierungen, die voit denr hohen Stande jüdischer Buchkunst noch vor der Erfindung des Buchdrucks zeugen. Tie zahlreich cnschienenen Interessenten spendeten Herrn Dr. Schwarz folvie denr Vorstand des Vereines herJllchm Beifall für die iuteressantcir und anvegeuden Darbietungen dieser Führung. ’ L. M. Die Berliner Hochschüler für die Wisseirschast des Judentums. Letzten Sonntag hielt die Berliner Hochischule für die Wisstnschaft des Judentums ihre Generalvevsanrmlun-g ab, in welcher Justizrat Selig mann nach einem Nachruf für die ^vährend des Jahres verstorbenett KuratoriuniSnütglicder den Jahvesbericht erstattete, denr -wir folgendes entnehmen: Lllä wissenschaftliche Abhanidlung der Hochschule wiro demnächst eine Arbeit von Rabbiner Dr. Baeck über das Thema „Pharisäer und Sadduzäer" erscheinen. Die Hochschule wird arMublicklich von 46 Hörern beisucht, unter denen sich 22 aus Dc-uittschland. 11 aus Polen, 1 aus JugMawien, 3 aus Litauen, 1 Oesterreicher nnd einer aus Griechenland befinden, dazr. konrnren 29 Hospitanten. Die Rabbmalsprnfung hckben im Berichtsjahre der nach Aachen berufene Dr. Schönberger und der nach Bingen berulfeire Dr. M a y b a ll m bestanden. Bon ehemaligen Hörern wurden berufen: Dr. Wiener von Stettin nach Berlin, Doktor Appel von Bingen nach Dortmund, Dr. Gott schal-, früher in Posen, als ReligionÄShrcr nach Franlksurt a. M., Rabbiüer Kr anheim als zweiter Rabbiner nach Stockholm, Dr. Rofenzweig aus Stuttgart nach Schneidemühl, Dr. Zlocifti ars Mannheim nach Offenburg in Baden, Dr. Eisenstadt. früher Rabbiner in St. Petersburg, als Rabbiner nach Paris. Die Gibliotihek hat jetzt einen Gcsamlbestand von über 10.000 Bänden. Die Einnahmen betrugen ctlvas über 106.0W Mark. Das .Kuratorium wurde, durch die -Hinzuwahl.des Regierungsdirektors Dr. Weiß, des bekannten Leiters der Kr-imiualMeiluug des Berliner Polizeipräsidinnrs. eirces Sohnes des verstorbenen Kurators Dr. Max Weiß, ergänzt. . Die jüdischen Senatoren in Rmnärrieu. Denr rumänischen Senat gehören die folgenden fünf jüdischen Mltzlieder an: Laudesrabbmer Dr. i e nt i r 0 w e r (Vertreter der jüdischen Könfession), Mendelsson (Jassyer Handelskammer). Rabbi Zirel son Wischinew), Karl «K'lk-SS« MmaMtz Mb Streitmann (StorozyrveD. l .! zu Nein wird der Ramn und es wird immer schwieriger, die täglich wachsende Kmldeufrequeuz des drstrenomlnierten Warcuhauses der Brüder Schijfmann, 2. Bez., Taborstraße 48, zu bewältigen. Der Seniorchef dieser Fir:aa, Herr Max Schiffmanu, war daher genötigt, den gesteigerte,r Anforderungen entsprechend die Räumlichkeiten hes Warenhauses zu vergrößern. Im Zusammenhang mit dem jetzt stattflnoenden aäuzlicheu Umbau des Warenhauses wurde eine bedeutende Prersredurtiou sämtlicher Waren Vovgenommen, Ivelche den zahlreichen treuen 5tunden dieses führenden Leopoldstädter Unternehmens eine» neuerlichen Beweis vorr der unerreichten Leistungsfähigkeit dieses großzügige» neuzeitlichen Kaufhauses liefern wird. Der wachsende Konsum ermöglicht eine Verbilligung der ohnedies niedrigen Warenpreise. Gue Besichtigung der künstlerisch äußerst geschmackvoll arrangierten Schaufenster wird jedermann von der hervmragenden Qualität der Waren und der außerordentlichen Kaufgelegenheit überzeugen. KM, Bühne. Buch. Ja« Aiiricher Mnsitseft. 2 Den stärksten künstlervschen Erfolg des Musikfestes errang Paul Hindemith mit seinem Konzert für Orchester, Op. 38. Das viersätzige Werk ist sozusagen im alten Stil gehalten, aber durchaus neuartig in seiner freien Harmonik, in seiner motorischen Kraft, in dem ungestümen Temperament, welches sich ebenso in dem unpathetischen, unromantischen ersten Satz wie im anschließenden, scherzoähnlichen Gebilde, im grotesken kleinen Marsch für Holzbläser und in der dämonischen Schlußpassacaglio über einem einaktigen obstinaten Baßthema im Sicbenviertettakt anslebt. Eine viel verfnnerte Klaidgkult-ur atmet die „ Partita" für Klavier und Orchester von Alfreds Casella. Auch hier ein starkes Temperament, ein archaisierender Stil, der in der „Sinfonia" ettva mit Bach beginnt und in der „Burlesca" in einem modernen Rossini mündet. Dazwischen. eine „Passacaglia" mit zwölf abwechslungsreichen Variationen. Der Vollblutmusiker schöpft aus dem Volkstum in den neapolitanischen Volksweisen mck> in einem „Diciliano", alles ist von südlichem WohMang, von Dinnenfreude erfiillt, doch das Volkstum ist raffiniert umgedcutel nnd schließt gleichsam ein Kompromiß mit dem modernen Salon. Hingegen ist der.junge Kurt Weill, der Komponist der i» Deutschland aufgeführten Oper „Der Protagonist" in seinem von Stephan F r e n k e l virtuos vorgetragenen Violinkonzert mit Bläjevbegleitung jedem Kompromiß abgeneigt. Spröde in der Melodik, hart in seinem Bläserklange, in seinen kombinierten Akkorden mit Notenköpfen förmlich überladen, ist es ebenso reich in der Erfindung wie mannigfaltig in der formalen Ausgestaltung deS Mttelsatzes. Und wie Kurt Weill ist auch der bekannte russische Symphoniker Nikolai Mjaskowskh in seiner vierte» Klaviersonate, die sich im ersten Satze ruppig revolutionär gebärdet und nachher in der Sarabande und im Rondo mehr ins Archaisieren gerät, durchaus eigenartig. Nicht recht charakteristisch ist die Ouvertüre „Portsmouch Point" des Engländers William T. Walto n, ivelche geräuschvoll Eindrücke mcd Erle-buisfc in einer impersönlichen englischen Haienstavt wivdergibt. Elegante impressionistische französische Um- AanMönnkN wahren ei» OrMterstück ,Aoules." des. MrijerS P. O. Ferrond und ein Septett für Streicher, Klavier, Fkote. und SingMnme ohne Worte des Parisers Arlmr Hoeree. Weniger manierlich, aber fesselnd in der RhyLhuckk -und im Ausdrucks--. Wechsel von Naivität nnd Groteske find zwei Symphomesätze (Pa-, storale und ein recht ilebendiger Marsch) des Deutschbohmen Hans Krasa. Ein farbutfrohes, chychmssch schavf profiliertes und gesteigevtes Ballettfragment „Hexentanz" des Polen Alexander T ansmann, in dessen MusA die UebersiMung nach Paris in mancher Klcmgfreihert kennWch wird, verrät starke Begckbung^ * Alles in allem ein gelungenes MusMst, nicht zuletzt daük der vortrefflichen Organisation, dank der Mitwirkung der hervorragenden Dirigenten Fritz Busch (Dresden), Gregor Fitelberg (Warschau), Walter Straram (Paris), Hermann Schmerdk (Prag), Volkmar Andrae — des Organisators fcc£ Musikfestes — und Hermann Dubs (Zürich). Neben diesen Dirigenten gaben auch die Solisten — darunter der unvergleichliche Pianist Walter Gieseking — und die Kammermusik-, Chor--, und Orchestervereine — ganz besonders das Züricher Tonhalleorchester ihr Bestes. Wie in der Jnternatwnaiken Gesellschaft für Musst! haben sich auch in der Mustkmoderne die Verhältnisse immer mehr konsolidiert. Es handelt sich heute nicht mchr um Schlagworte, ob naiv oder sentimentail, ob formal oder ausdruckslhaft, ob klassisch oder romantisch, ob polyphon oder harmonisch. Es handelt sich nicht mehr um Experimente, nicht mchr um intellektuell geKüchtete Mlstk, sondern der gesunde ursprüngliche Einfall kommt iviodev zu Ehren, und «der Künstler darf wieder wie vor dem nmsikalischen Umsturz sein Herz am rechten Fleck haben. Diese vielleicht reaktionäre Erkenntnis ist das erjreMche Ergebnis des modernen MnWWs. " Erwin AellH-er. Anr den Theatern. Overutbeater. Morgen, VjS lkhr. abends, findet ein Ballettabend statt, bei dem .die Ballette .Ba chu 8 f e st", .Do» Juan" ««d .Puleinellä- Wv AnOhrrm« gelanaen. Deutsches Volkstheater. . LeopMtne , K 0 ustantin wird in dem Lustspiel .Dr. Iuci ah0 rm noch heute, morgen und Freitag austreten, um sich Samstag um» ~ ■ ' " -■ * “ *-r "" zu ver- 7Der r aus setzt. Dienstag gelaugt als Festvorstellung anläßlich des öfter scheu Turn- und Sportfestes, stvorltelluna ueaetnstudie

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