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Wiener Morgenzeitung · 1926-06-30 · Heft 2640 (30.6.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2640 (30.6.1926)
Date
1926-06-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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»!Sm* *_ Wien, Miliwoch_ -TMtncr Mo«ü«n,-Itun- Sie Mfchiedsrede ves GeneralkommiffSkr. Dr. Zimmerman bleibt weiter der beste Freund Oesterreichs. Anläßlich des Abschiodsessens für den Generalkommissär Tr. Zimmerman hielt Bundeskanzler Dr. R a m e k eine Ansprache, in der er unter anderem erklärte: „Die Ihnen vom Völkerbund übertragene Funktion war eine außerordentlich schwierige -und ganz n e u a r t i g e, für die es kein Vorbild und kein Herkommen gab. Sie und wir mußten das erste Beispiel durchführen, das dann in anderen Staaten wiederholt worden ist. Als Fremder sind Sie zu nns gekommen, als Freund, ja, ich darf sagen, als einer der Unseren scheiden Sie von uns. Oesterreich tvird Ihrer nie vergessen, unsere inuigsten Glückwünsche begleiten Sie auf Ihrem weiteren Lebensweg." Generalkommisiär Dr. Zimmerman erwiderte unter anderem: „Die Zurückziehung der Kontrolle beweist, daß die große Arbeit gelungen, daß die finanzielle Stabilitiät erreicht ist. Wenn ich an die ersten Tage meiner Tätigkeit zurückdenke, dann sehe ich nicht nur den Unterschied zwischen dem finsteren, eisig-kalten Dezemberabend, an dem ich nach Wien kam, und der strahlenden Sommerszeit, in der uh Oesterreich verlasse, dann sehe ich vielmehr den Unterschied zwischen einem Lande, das sich in einem finanziellenChaoS und am Rande des Abgrundes befand und an dessen Rettung viele verzweifelten, und einem Lande, dessen Währung unerschüttert feststeht während der Schwankungen vieler ausländischer Devisen, einem Lande, dessen Bud g e t i m G l e r ch g e w i ch t ist, sogar Ueberschüsse aufzuweisen hat, dessen Finanzgebarung sich wieder 'den alten, guten Grundsätzen zuwendet und dessen Anleihe in allen Finanzzentren der Welt zu den besten Kapitalsanlagen gerechnet wird. Dies ssnd die Errungenschaften der Sanierung, auf die die Regierung stolz .sein kann, und was mich anbelangt, so bin ich dankbar, daß es mir gegönnt war, für meinen Teildaran mitz-uavboiten. Daß diese Errungenschaften dauerhaft sein werden, so lange Weisheit und Kraft deL Geschick des Staares lenken, daran zweifle ich nicht. Es hat sich gezeigt, daß Oesterreich eine viel größere finanzielle Widerstandskraft besitzt, als im Anfang der Aktion angenommen wurde. Sicherlich herrscht derzeit eine ernste und bedauerliche W irisch a f t-s d e p r e ss i o n, aber der Umstand, daß trotzdem das Budget sich ausrecht erhält, berechtigt zu Optimismus, und schließlich wird es in Europa zu Vereinbarungen auf wirtschaftlichem Gebiet und im Lande selbst zu Vereinbarungen auf Politischem Gebiet kommen, durch welche die Leiden der österreichischen Wirtschaft behoben und aus jeden Fall gemildert werden können. Mir wird es im ferneren Leben unmöglich sein, Oesterreich als ein s r e m d e s L a n d und Oesterreich als Ausländer zu betrachten. Oesterreich wird im Ausla'.w keinen besseren Freund haben wie mich, keinen, der inniger wie ich hoffen kann, daß dieses Land, das in vergangenen Zeiten der Kultur, der Zivilisation und der wirtschaftlichen Entwicklung Europas unschätzbare Dienste erwiesen hat, auch in Hinkunst immer mehr den Platz behaupten wird, zu dem seine natürlichen Hilfsquellen sowohl wie der Fleiß und die große Begabung seiner Bevölkevung es berechtigen." KLUB RADIKALER ZIONISTEN Heute Mittwoch den 30. Juni, 8 Uhr abends . im Cafi Atlashof (Klublokal)t /., Aspernplatt Klubversammlung Thema: Wollen vir noch den Jndenstnnt? Freie Aussprache Die K I u b v e r s a m m I u n g e n finden regetmSssIg jeden Mittwoch s’att. Die KJubmitglieder werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. Von Klubmifgiiedern eingeführte Zionisten, welche Im österreicnischen LanJesverband organisiert sind, als Oäste willkommen. Der Obmann: Robert Stricker Marokko. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng") Paris, 29. Juni. Wie den Blättern aus Fes gemeldet wird, hat sich der Schwiegersohn Raisulis, Mulay Habod B o g g a r, an der Rordfront zunl S u l ta n de r D s che ba l la ausrufen lassen und Aufständische in der französischen Zone aufgesordert, ihn anzuerkennen. Noch zwei andere Agitatoren in dem gleichen Gebiete versuchten, die Stämme zu ihren Gunsten auszuwiegeln. Nach dem „Matin" hat der Eingebornenftihrer Sidi Rahv in einer Proklamation an die Dissidenten der Gegend von Taza erklärt, er werde sich nicht unterwerfen, sondern kämpfend sterben. 8k« dritter mohammedanischer Kongreß (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 28. Juni. „Morning Post" meldet aus T e h eran, daß der Premierminister wegen der Zerstörung heiliger Schreine in Medina durch die Wahabiten eine Proklamation an alle M och a m m e da n e r erlassen hat, in der er gegen diese gotteslästerliche Handlung Einspruch erhebt und alle Mohammedaner auffordert, an einer Konferenz teilz n n e h m e n, tim über die Zukunft der heiligen Stätte zu entscheiden. Die persische Regierung hat bekanntlich die Teilnahme an dem von Jbn Saud nach Mekka einberufenen Kongreß abgelehnt. Eine eigene Wsthrung sür den Irak. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) London, 29. Juni. Ter Finanzmmister des Mandatsgebietes Irak ist hier eingetroffen, um mit der englischen Regierung Verhandlungen über eine selbständige Währung des Irak und eine Landwirtschaftebank zu beginnen. 2er neue Min'-stervröstvent von Transjordanien. Jerusalem, 28. Juni. (I. T. A.) Der Finanzminister der Regierung Transjordaniens, Hassan C h a l e d Pasch a, der bisher an Stelle des zurückgetretenen Ali Ridci Pascha Rikabi das Amt des Premierministers versehen hat, ist nunmehr definitiv an die Spitze der Regierung Transjordaniens berufen worden. Wie die Palästinensische Telegraphenagentur erfährt, gehört Hassan Chaled Pascha zu denjenigen, die sich um das Zustandekommen einer Verständigung zwischen Arabern und Juden bemühen; auch ist er der Führer jener Gruppe, die sich bestrebt, zwecks Entwicklung des Landes ausländisches Kapital nach Transjordanien zu ziehen. Die Wanderungsbewegung. Vom österreichischen Wanderrngsamt wird uns mitgeterlt: Die Lage des deutschen Arb ent smark tes har sich anfangs Juni nicht wesentlich geändert. In einigen Bezirken hat die Zahl der Erwerbslosen sogar noch zugenommen. Dazu kommt noch, daß auch die Landwirtschaft ihren Bedarf in Arbeitskräften in diesem Jahre rmgewöhnlich stark eingeschränkt hat. Der französische Minister des Aeußern beantwortete eine im Senat eingebrachte Interpellation über die Möglichkeit des Erwerbes von Immobilien in Frankreich durch Ausländer dahin, daß infolge von Verträgen mit einer Anzahl von Staaten, darunter auch Oesterreich, beziehungsweise die Meistbegünstigungsklausel, die Ausländer hinsichtlich der Steuern bei Transaktionen von Immobilien den Inländern gleichgestellt seien. Wie die „Wirtschaftlichen Nachrichten" mitteilen, hat das jugoslawische Handelsministerium eineu Erlaß herausgegeben, nach welchem auch fremde Staatsangehörige Hotels, Kaffee- und Gasthäuser errichten dürfen, was ihnen bisher nicht gestattet war. In den Bereinigten Staaten wurde vom Arbeitssekretär Davis den Einwanderungsausschüssen der beiden Häuser ein Anhang zum Einwanderungsgesetz vorgelegt, dessen erster Artikel die auch von anderer Seite gestellte Forderung berücksichtigt, die nächsten Verwandten der legal in die Vereinigten Staaten zugelassenen Ausländer als „bevorzugte" Einwanderer zu qualifizieren. Ferner soll jeder Nation eine Spezialquote von 500 Visa zur Verfügung gestellt werden, die nach Erschöpfung der monatlichen Teilquoten im Fiskaljahre 1926- 1927 zur Ausnützung gelangen kann. Auch soll für alle Nationalstaaten kollektiv eine Reservequote in der Höhe festgesetzt werden, die der Zahl der im abgelaufenen Fiskaljahre nicht benützten Quotenanteile entspricht. Amundsen hat genug. Seattle, 29. Juni. Amundsen, der gestern hier elnge- , Nossen ist, erklärt?, daß er an keitierPolarexpedi- Mo n ra e t>x tetlnehrnen werde. 2ie jüdischen Schuisragen in Polen. Warschau, 23. Juni. (I. T. A.) Einer Abordnung der j ü d i s ch e n S ch u l o r g a n i s a t i o n, die ihm Wünsche und Beschwerden vorbrachte, erwiderte der Unterrichtsnlinister, die Zweisprachigkeit der jüdischen Schulen mache es der Behörde schwer, Entscheidungen zu treffen. Im übrigen versprach er die sofortige Zurückziehung gewisser gegen die jüdischen Schulen sich richtenden Zirkulare des früheren Ministers G r a b s k i und eine Subventionierung des jüdischen Schulwesens in einem späteren Zeitpunkt. Die Abordnung erhielt den Eindruck, daß man in Regierungssphären nunmehr den jüdischen Schulsorderungen V e r st ä n d n i s entgegenbringt. Sie Berliner Slndenlenwahlen. (Eigendienst der „Wiener Morgeii.zeitung".- Berlin, 28. Juni. Das endgültige Ergebnis der Berliner Studentenwahlen zeigt eine kleine Verschiebung zugunsten der republikanischen Studentenschaft. Die Wahlbeteiligung betrug 70 Prozent. Die vereinigte jüdische Gruppe erhielt (von insgesaint 5217 abgegebenen Stimmen) 163 Stimmen, somit drei Sitze im neuen Studentenparlament. 2er Kampf um den Achisinndentag in England. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 29. Juni. Die Debatte über den Achäistundent a g i n d e n B e r g w e r k e n ist abends au! m o r g e n vertagt worden. Sellens der Negierung wurde die Annahme derNegierungSvorlage beantragt. DteArbeiter» v a r t e t brachte einen Abänderungsantrag ein und verlangt die A b l e h u u n ß der Negierungs- Vorlage. Verlängerung des Notzustandes. London, 29. Juni. Lord Salisbury verlas heute im Ober Hause eine königliche Note, in der mitgeteilt wird, daß wegen der Fortdaiier des Bergarbeiterstreiks der Notstandszustand in Großbritannien um einen weiteren Monat verlängert wird. _30. fotni 1986_9t. SM I Sie Miliiiirerhebung in Spanien. Große Verhaftung«! Paris, 29. Juni. „New-Dort Herold" meldet von der spanischen Grenze, daß General W e y I e t und General Aguil e r a S sowie mehr als hnndertOffizlere wegen Beteiligung an dem kürzlich aufgedeckten Komplott gegen dasspantscheDirektortum verhaftet wurden. _ Fnland. Berkündermig der FinanzverwMmg? Wie verlautet, soll schon in naher Zeit im Hinblick auf die günstigen Erfahrungen, die mit der Verländerung der politischen Verwaltunggemacht wurden, auch die Verländerung der Finanzverwaltung erster und zweiter Instanz in Angriff genommen werden. Die Vorteile für die Allgemeinheit liegen auf der Hand: Vereinfachung der ganzen Steuerverw a l t u n g, die sich namentlich in Wien sehr wohltätig fühlbar machen würde, wo bekanntlich die Einhebung und Exekution auch der von den staatlichen Steueradministrationen vorgeschriebenen Steuern dem M a g i st r a t obliecst und wo infolge dieser Doppelverwaltung, die Steuerträger nur allzu oft von einer Behörde zur anderen heruiugeschickt werden, weil das magistratische Exekutionsamt die unangenehme Verantwortung für die zwangsweise Steuereintreibung auf die Staatsbehörde abzuwälzen sucht und umgekehrt letztere wieder die Verantwortung für allfällige Uebergriffe der magistratischen Exekutionsorgane ablehnt. Die Verländerung der Finanzverwaltung in den beiden unteren Instanzen würde aber auch eine große Zahl von Departements des Finanzinillisteriu ms überflüssig machen, welche sich in der Nachkriegszeit durch Aufnahme von überzähligen Beamten aus allen möglichen Ressorts zu einem richtigen Wasserkopf entwickelt haben und immerfort noch neue Agenden an sich ziehen, um einen Vorwand für die Existenzberechtigung ihres hypertrophischen Beamtenapparates zu schaffen. Sie ArbeiterknmmerwMen in Steiermark. Verluste der Sozialdemokraten. Bei den Wahlen in die steirische Arbeiterkammer v e rloren die Sozialdemokraten nach einer nunmehr vorliegenden Rohbilanz 16.00 0 Stimmen. Ueberraschend ist die Zunahnke der kommunistischen Stimmen. In der Arbeitersektion erhielten die - Kommunisten 3712 Stimmen, die Christlichsozialen 3402, die Deutschnat'iona'len 1381 Stimmen. Die Sozialdemokraten dürsten sechs Karnmermandate verlieren, davon zwei an die Christlichsozialen, drei an die Kommunisten und eines an die Nationalen. In der Angestelltengruppe haben die wahlwerbenden Parteien ihren Besitzstand, behauptet. In der Gruppe der Verkehrsangestellten 'werden die Sozialdemokraten ein Mandat an die Deutschnationalen abgeben müssen. __ Die 25.000. Wohnung der Gemeinde Wien. 1600 Wohnungen mit 7000 Einwohnern. Die Anlage, in der die Gemeinde Wien die fünsund- Zjwanzigtauscndste Wohnung errichtet wird in Floridsdorf längs der Jedleseerstraße—Voltagasse ' erstehen. Dre Gemeinde hat urlter drei Architekten eine Konkurrenz ausgeschrieben und zur Ausführung das Projekt des Architekten Hubert Geßner gewählt. Die getvaltige Mohnhausgrnppe wird rntld 160 0 Wohnungen umfassen, also eine kleine Stadt mit rund 7000 Einwohnern. Eine neue Straßenbahnlinie wird zu ihr führen, sie wird ein eigenes Postamt, Krankenkasse, Mütterberatungsstelle, Kindergärten, zentrale Waschküchen, einen Saal Jxt Volksbildungszwecke usw. enthalten. Von dem Bauplatz werden nur vierzig Prozent verbaut, während sechzig Prozent für Gartenhöfe verbleiben. Die einzelnen Häusergmppen werden drei bis fünf Stockwerke haben. Die Vorarbeiten für den Bau dieser Anlage sind nun so weit vorgeschritten, daß gestern die Grundsteinlegung vorgenommen werden konnte. Bei dieser Feier verlas Stadtbaudirektor Ingenieur Dr. Musil eine Urkunde, die eine Geschichte der Wiener Gemern'dewohnhaus-- bauten enthält. Ter Feier wohnte auch Bundespräsident Doktor Harnisch bei, der die Urkunde mitunterfertigte. VergrSßrrung der Aranlenhanser der Wiener Kanfmmnischoft. Die starke Inanspruchnahme des Krankenhauses der Kaufnrannschaft auf der Türkenschanze und des mit ihm verbundenen Sanatoriums hat das Gremium der Wiener Kaufmannschaft veranlaßt, den Belagraum der Anstalt zu vergrößern. Durch Verlegung der Wohnungen für die Aerzte und Pflegeschwestern wurden im Hauptgebäude neue Krankenzimmer gewonnen, so daß der Belag des Krankenhauses von180auf250Betten und der des Sanatoriums von 40 auf 60 Zimmer gesteigert werden konnte. Gleichzeitig wurde den bisherigen Abteilungen des Krankenhauses, den zwei internen und einer chirurgischen, eine vierte Abteilung für Urologie angegliedert. Bei einer Besichtigung des Spitales würdigten der Präsident des Gremiums Langer und der erste Sekretär Dr. Brichta die Bedeutung dieser Erweiterung der Anstalt. Eine Krise beim Ersten Wiener Konsumverein. Wie die Korrespondenz Herzog melde l, erhielten im Lause des gestrigen Tages bei 100 männliche und weiMiche Ausgestellte des Ersten Wiener Konsumvereines die Kündigung. Diel- Wstrttgungen der Gekündigten betragen drei bis vier MonatD bezöge.

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