Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2639 (29.6.1926)
- Date
- 1926-06-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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M. 2889 Men, LNLNSWg Wiener Mor«enzerrnn» . XJ Lagesbericht. Erdbeben und Hochwasser. Die gestrigen Erdbeben in den verschiedenen Ländern des Mitelmeeres waren so starker Natur, daß sie die Seismographen aller europäischen meteorologischen Stationen in heftige Bewegung versetzten. So hat die Wiener Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik ein starkes Beben am 26. d. um 20 Uhr 50 Minuten 13 Sekunden mitteleuropäischer Zeit registriert. Die .Herdentfernung wurde mit zirka 1660 Kilometer berechnet, so daß der wirkliche Herd an der Südwestküste von Kleinasien zu suchen war. Die Maximalbewegung trat in Wien um 20 Uhr 56 Minuten ein und erzeugte hier eine Bode «Verrückung von einundeinhalb Millimeter. Das Beben ist daher als ein ausnehmend st arkeszu bezeichnen und dürfte an Ort und Stelle eine starke, zerstörende Wirkung ausgeübt haben. Es dürfte auch eine D e b e n f l u twelle ausgelöst worden sein, die sich an verschiedenen Küstenstrichen des Mitelmeeres unangenehm fühlbar gemacht hat. Neuere Meldungen berichten, daß auf der Insel Rhodos 2000 Häuser zerstört worden sind. Das Dorf A rcangelo mit 600 Häusern ist vollkommen zerstört. Die Bevölkerung ist obdachlos. Die Zahl der Menschenopfer ist zum Glück gering. In die heimgesuchten Gebiete sind Truppen zur Hilfeleistung abgegangen. Weniger stark wurde das Erdbeben im Pelopones und Piräus verspürt. Das berühmte Museum in K a nd i a erlitt beträchtlichen Schaden. An mchreren Orten der Insel Kreta kam es zu einer Panik. Dir UeberHchwemM«ttgskatwftropHe in Mexiko. Mexiko, 28. Juni. Nach Meldungen aus Billa de Leon ist die Lage dortselbst infolge des Eintreffens von Hilfszügen, die Lebensmittel, Kleidung und Heilmittel brachten, etwas erleichtert. Da die Straßen und Eisenbahnlinien durch das Hochwasser beschädigt sirck, gestaltet sich die Beförderung von Vorräten nach den von der Katastrophe getroffenen Orten sehr schwierig. Fortgesetzt werden Leichname von Ertrunkenen aufgefunden, die zur Verhütung von Seuchen eingeäschert werden. Die Ernte in der Umgebung der Stadt ist vollständige vernichtet. Hoch^mfferkrrtirstroHHe in DentsMnnd. Berlin, 28. Juni. Die Hochwasserkatastrophe bei Magdeburg breitet sich noch immer weiter aus. Durch einen Dammbruch bei Dannenberg wurden weitere 12.000 Morgen Aecker und Wiesen überschwemmt. Hoch-Waffe? rn Rumänien. Berlin, 28. Juni. Nach einem Bukarester Telegramm des „Berliner Tageblatt" wurden in der Umgebung von Klausenburg fünf Dörfer durch das Hochwasser überschwemmt. 200 H ä u s er wurden z e r st ö r t. Acht Bauern sind ertrunken, zwei wurden vom Blitz erschlagen. Von weiteren 40 Personen fohlt jedes Lebenszeichen. Sie sind von den reißenden Fluten der Maros weggerissen worden. Die Ernte ist vernichtet, der Schaden an Vieh enorm. Me Mener Herzl-Gedenkfeler. Sbenabbiner Sr. Wales über Das Werk Herzls. Unter überaus starker Beteiligung des Publikums, welches nur;unr Teil in den Olympiasälen Platz finden konnte, fauv Lonntag den 27. d. die diesjährige .Herzl-Gedenkfeier statt, veranstaltet von d?r Bereinigung der Wiener zionistischen Mandatare. Es «war eine würdige nn>d stilvolle Feier e-iirgeleitet durch die Rezitation von Hugo Zirckermanns „Prolog zu einer Herzl-Feier", welchen Regisseur Hans Rhodenberg (Deutsches Volkstheater) nvit tiefer Wirkung sprach. In seiner Gedenkrede führte Oberraiblbiner Prof. Dr. i^ajes aus: Der dänische Dichter Geyerstam sagt m einem seiner Werke, Moses habe das gelobte Land mit seinem Mick nur deshalb umfassen können, weil er es vermochte, Gott zu Zwingen, seinen Traum von der Seßhaftmach,rüg des jüdischen Volkes in Palästina zu verwirklichen. Wenn es nicht gelungen rväre, das Volk Israel in das Land zu bringen, hätte es Moses in die Wüste zurücksühven müssen und das jüdische Volk wäre vielleicht ein Räubervolk geworden. Wehe uns, wenn Herzls Gedanke keine Wirklichkeit geworden wäre. Denn das Mische Volk hat Herzls Traum als Wirklichkeit empfunden. Wehe uns, wiedechole ich, wenn Herzjls Traum verflogen wäre und jene Leere hinterlassen hätte, welche seinerzeit der sabbattamsche Traum hinterließ. Dtan horte insbesondere in der Zeit vor dem letzten Zionsstenkongveß und man hört auch jetzt noch in z i o nist i'sch e n Kreisen die Parole: „Zurück zu Herzl." Diese Parole ist falsch. In der Geschichte kann es kein Zurück geben. Herzls Werk wäre nichts wert gewesen, wenn wir bei Herzl hatten stehen bleiben müssen. Sein großer Gedanke war der dom Judeustaat. Wir verstehe« heute dieses Wort.Judenstaat" anders «nd tief«, <*3 es Herzl vor 30 Jahren verstand. Hevzl kannte u. a. nicht das arabische Problem. Man kann auch sagen: Er wollte von der arabischen Frage keine Kenntnis nehmen. Mr halben uns unter die Kontrolle des Völkerbundes gestellt, einer Institution, von der wir alle hoffen, daß sie das Gewissen der Welt wenden wird. Uiksere freiwillige Unterwersung unter den Völ kerb und und unsere jüdische Ethik verpflichtet uns, nichts zu fordern unid nichts zu tun, was gegen die in Palästina siedelnden Araber gerichtet ist. Jeder: Schritt, den wir unternehmen, unterwerfen wir der Kontrolle höchster Sittlichkeit. Aber gerade deshalb haben wir den Anspruch, den Judenstaat zu verlangen, unsere Souveränität in Palästina zu fordern, mit der einzigen Einschränkung der Kontrolle durch den Völkerbund. Wir hÄbrn dieses Recht auf Grund unserer Ueberzsugung, daß nur wir Juden Palästina zu einem Zentrum der Kultur und des Segens für die Menschheit machen können. In vielen Ländern haben die Aräber Kulturzentren geschaffen, m Palästina albet vermochten sie es nicht. Die Juden hingegen haben in den kurzen Jahrhunderten ihrer staatlichen Selbständigkeit Palästina zu einem Kulturzentrum erhoben uO in dem kurzen Jahrzehnt der jüngsten Aufbauarbeit ein kulturelles Werk begonnen, welches nach Jahrhunderten der Verwahrlosung des Landes eine ungeahnte Entwicklung Palästinas gewährleistet. Bei aller Anerkennung der Schwierigkeiten, welche die englische Regierung ja bewältigen hat, müssen wir ihr Vorhalten, daß die Balfour-DeÜamtion implictte die Zusichemng enthielt, das jüdische Volk werde in Palästina souverän sein. Bis zum Tage von San Remo haben die fiihrenden englischen Staatsmänner uns versichert, daß bei Abfassung dieser DeKavation tatsächlich an den Jndenstaat gedacht wurde. Wir verlangen von d«r englischen LoyalttA, daß man uns sage: Es ist wahr, wir haben an den Jndenstaat gedacht und es bleibt aufrecht, was in der Balfonr-Deklaratio« eindeutig «iedergelegt ist — aber wir müssen von euch Juden fordern, daß ihr «ch in Gednll» fasset. Statt dessen wird uns von den Führern der englischen Politik der Verzicht ans den Judeustaat zugemutet. Wenn uns Entstand sagt: Was ihr euch bis jetzt vorgestellt habt, war ein Irrt««, dann bricht man Misere moralische Kraft. Chcrjes schloß seine politisch bedeutsam« Rede mit den Worten: „Es ist mein tiefstes Glück — und ich dair-ke dieses Glück Theodor Herzl —, daß ich Wer sein Werk, über die Entwicklung seiner Idee vom Judeustaat und daß ch zu der englischen Regierung so frei sprechen kann."" Herr Oberkantor Müller sang sodann mit Ehocketzleitung das El Molo Rachmim (das Publikum hatte 'sich von den Sitzen echoven) und es folgte eine musikalisch-deklamatorische Akademie, «durchaus dem Rahmen der Gedenkfeier angepaßt. Theodor Herzls Essay „Mmrschel" von .Hans Rhodenberg mit nicht gewöhn!ich.'v Kunst des Vortrages und mit geistiger Beherrschung des Inhaltes wiedergegeben, Me zündende Wirkung. Dieser kraftvolle Streitrns Hevzls aus der ersten Zett des politischen Zionismus ist frisch wie am ersten Tage. Mit gewohnter Meisterschaft spielte Prof. Jnlins; Wolfsohn eine eigene Paraphrase über Mische Volksweisen sowie den Trauermarsch aus Chcpins Sonate und Konzertmeister ZimbIerdie Konzertphantasie „Jesajah" von Dr. Jonas Feuer. Es war einte der schönsten zionistischen Feiern, die je in Wie,: veranstaltet wurden. Ä«r ISV-Aahr-Feler der amerikanischen Unabhängigkeit. Eine Veranstaltung -er amerikanischen Aerzte in Wien. Anläßlich /des 160jährigen Bestandes der Vereinigten Staaten von Amerika veranstaltet die Vereinigung » m e r i k a n i s ch e r A e r z t e in Wien (American Medical Association os Vienna) am Montag den 5. Juli (Day of Jndep-endence) eine große Feier, die im Schloß und in den Parkanlagen von Laxenburg stattfindet. Zu dieser Feier sind die Vertreter 'der österreichischen und amerikanischen Regierungen, der Lehrkörper der medizinischen Fakultät sowie die gesamte amerikanische Kolonie in Wien eingeladen. Außerdem werden auch zahlreiche Gäste aus den Nachbarstaaten erwartet. Das Gesam'tarrangement der Feier wurde dem Reifebureau Continent, 9. Bez., Spitalgasse 3, übertragen. Alle in Wien weilenden Amerikaner werden zu dieser Feier eingeladen. Die Anmeldung erfolgt im Klub der American Medical Association, 8. Bez., Ali>erstraße 9 (Del. 26-4-69), wo auch Karlen (spätestens am 2. .Juli) zu beziehen find. * Die American Medical Association wurde in Wien vor 20 Jahren gegründet und ist gegenwärtig die stärkste amerikanische Aerzteorganisation in Europa. Zirka 1000 Aerzte kommen alljährlich nach Wien, um an den Kliniken der Universität sich in den einzelnen Spezialfächern zu vervollkommnen. Die American Medical Association bildet auch die Mehrheit der amerikanischen Kolonie in Wien. „Panzerkreuzer Patemkin" im BorftadMno. „Um einen Löffel Suppe" steht auf einem Karton geschrieben. Er ist auf die Leiche des Matrosen gelegt, der als erstes Opfer der Rebellion fiel. In der Offiziersmenage waschen die Soldaten — deren Nahrung aus Fleisch besteht, das von den Würmern, die es bevölkern, von den: Platze getragen werden könnte — die Teller der Schlemmer unb Prasser. Auf einem Teller steht geschrieben: „Gib uns heute unser tägliches Brot". Der Teller erscheint in einer Großaufnahme und ist sehr lange sichtbar, damit nur ja alle die Aufschrift deutlich lesen können. Die Matrosen, von maßloser Wllt aufgepeitscht, beginnen zu revoltieren. Da erscheint der Pope mit dein verkniffenen Gesicht, hält ihnen das Kreuz vor und sagt: „Fürchtet ihr euch nicht vor Gott?" Kleine, Ausschnitte aus einem großen Film. Er macht Propaganda (die man billigelt kann oder nicht), muß sie machen, dafür bieten die angeführten Proben Gewähr. In fast sämtlichen Wiener Lichtspieltheatern „läuft" jetzt „Panzerkreuzer Potemkin". Trotz des Sommerwetters sind alle Vorstellungen ausverkauft, das Publikum stürmt die Kassen. Ich sah den Film Sonntag in einem Praterkino, das um diese Zeit von Bewohnern ganz Wiens, von Provinzlern und Fremden bestlcht wird. Da ich ihn in diesem Praterkinv erlebte, konnte ich seine künstlerische Wirkung doppelt erkennen. Nur wenige Besucher des Kinos gehörten der sogenannten besseren Gesellschaft an, bei denen es „shoking" ist, sich von einem Theater- oder gar Kinostück Hinreißen zu lassen. Sie stehen über den Dingen und bewahren in jeder Lage des Lebens „vornehme Reserviertheit". Das Sonntags- Publikum war jene große Masse des unverbildeten Volkes, dessen Mund spricht, was sein Hirn denkt und dessen Hand tut, was sein Mund spricht. Der Weg vom Herzen zum Kopf ist bei diesem Menschen nicht mit. angehäuftem MMverk verrammelt. Dieses Volk muß man beim Potemkinfilm geschert haben und mari wird begreifen, warum die Lichtspieltheater in Berlin, in Wien, wahrscheinlich auch in Paris und London während dieser Vorstellung Szenen sehen, wie nie zrzvor. Bei uns ist es nicht Brauch, daß die Zuschauer den Darstellern, die sie nicht vor sich in Fleisch ujtb Blut haben, Applaus spenden. In anderen Ländern ist es anders. Bei recht spannenden Stücken kann es Vorkommen, daß sich mancher Brust ein befreiendes „Ach" entringt, wenn der Verfolgte von einer Turmspitze springt und auf der Straße weiterläust. Daß aber das Wiener Publikum bei einem Film derart in Ekstase gerät wie bei diesem, hat mgn hier noch nicht erlebt. Die Zuschauer begleiten jede einzelne Handlung der meuternden Matrosen mit solcher Leidenschaft, daß sie ohne Unterlaß in Beifallssalven ausbrechen. Die rufen „Bravo", wenn sich die Brüder weigern, auf ihre Brüder zu schießen, die wie räudiges Vieh mit einem Segeltuch zuscnnmengefangen wurden, sie rufen „Bravo", wenn die Bevölkerung von Odessa den meuternden Matrosen Lebensmittel auf das Schiff bringt, sie rufen „Bravo", wenn die Geschütze des „Potemkin" klar zum Gefecht gemacht werden, um sich gegen das Admiralschiff zu wehren, sie rufen „Bravo, bravo, bravo", wenn das Admiralschiff die Fahnen hißt, sich mit den Verschwörern solidarisch erklärt und den „Potemkin" entkommen läßt. Sie rufen aber auch „Bravo" und das ist ein weniger erfreuliches, aber um so mehr beabsichtigtes, mit eiserner Konsequenz durch raffinierte Aneinanderreihung der Bilder hcrvorgerufenes Symptom, wenn die Matrosen ihre Offiziere erschlagen und sie rufen „Bravo", wenn der Schisfsarzt, der den Kneifer aufgesetzt und mit wissenschaftlicher Genauigkeit festgestellt hatte, daß in dexn Fleisch keine Würmer sind, den Fischen zum Fräße vorgeworfen wird. Gefühlsroheit? Durchaus nicht. Jeder einzelne, der im Kino sitzt, ist eine Stunde lang Matrose auf dem „Panzerkreuzer Potemkin", jeder einzelne ist durch die Grausamkeiten der Offiziere bis zur Explosion geladen, jedem einzelnen ekelt es, faulendes Fleisch essen zu müssen, jeder einzelne wird hier ein Revolutionär, mag er auch zu Hanse, bei Weib und Kind fromm wie ein Lamm sein. In einer solchen Stimmung muß man es ihm verzeihen, wenn er den Schiffsarzt über Bord wirft, man muß es ihn: auch verzeihen, wenn er seine helle Freude daran hat, daß einige Offiziere, die es gar zu bunt getrieben haben, massakriert werden. In dieser beabsichtigten Wirkung liegt die Größe des Films. Die Bevölkerung von Odessa strömt zum Hafen, um den meuternden Matrosen zuzujubelu. Männer, Frauen, Greise, Kinder, Krüppel, sie sehen den Tag der Freiheit in greifbarer Nähe. Im Theater tagt indes der Goueralrat. Nicht lange dauert es, und die Kosaken nrarschiercn im Sjech? schritt, mit gefälltem Bajonett, durch die Straßen Odessas, geben von Zeit zu Zeit eine Salve ab und vernichten alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Die russische Dampfwalze. Frauen mit Säuglingen atu Arm stürzen sich ihnen entgegen und flehen wn Erbarmen. Trapp, Trapp, Trapp ... es gibt kein Erbarmen. Die Menge heult wie besessen: „Pfui, pfui, pfui!" Würde man den Film im Freien spielen und wären Steine zur Hand, die Leinwand würde arg zugerichtet werden. Jeder einzelne muß seine hilflose Ohnmacht erkennen, seinem Munde kann sich nur ein Wutschrei entringen, dann aber muß er die Zähne zusammenpressen und sich von den Stiefelsohlen der Kosaken zertreten lassen. Die Wiener Kinobesucher werden in Odessa zu Paaren getrieben; darin liegt die Größe des Films. So sehr hält er die Zuschauer in seinem Banne, daß einer bei einem Bilde noch Bravo rief, bei dem er schon lange hätte „Pfui" rufen müssen. Seine Gefühlsemotionen lassen sich eben nicht so leicht umstellen, wie die Bilder auf der Leinwand. Noch ein Hilfsmittel steigert das Raffinement, mit dem der Film angelegt ist, zur Rekordleistung: Die Musik. Jede Phase der Handlung ist durch Töne in der richtigen Klangfarbe untermalt, Bild und Ton ergänzen einander wie ztvei im Spiegelschnitt geteilte Hälften eines Ganzen. Wenn die Erregung zur Siedehitze gesteigert ist und sich in Gewaltansbrüchen Luft macht, setzt immer wieder die „Marsailles" ein. „Anx armes ehtoiens . . ." Wer kann da widerstehen? Mitsingen und mitmarschieren heißt die Losung. Oder: die Maschinen des „Potemkin" arbeiten mit Hochdruck, es geht zum. Gefecht. Das Bild zeigt einen Maschinenkolben, der gleichmäßig auf- und niedergeht. Die Musik versetzt den Zuhörer in den Maschinenraum einer großen Fabrik. Der Hebel saust mit monotonem Gepolter auf und nieder. Kosaken marschieren. Trommelwirbel . . ., eins, zwei, eins, ztvei. Dann wieder Kanonendonner. Dumpf brüllt es „Bum bum". Man muß sehen und hören, muß leben und fühlen. So will es der Regisseur und der Zuschauer ist sein Werkzeug. „Wir bringe:: keine Stars, jeder einzelne fugt sich in die Schablone", kündigt der russische Film an, der die Welt erobert. Der einzelne Akteur ist namenlos. Und diese anonyme Gruppe von Künstlern bannt Millionen Menschen. Aristoteles verlangt von einem Drama, das; es „Furcht und Mitleid" errege. „Panzerkreuzer Poternkin" ist in diesem Sinne ein Drama. Zuschauer und Zuhörer ist den Vorgängen verhaftet, muß „Bravo" und „Pfui" rufen. Robert Schreier.