Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2637 (27.6.1926)
- Date
- 1926-06-27
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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«r. MI , Wen. Sonnt«« t*" - —- .»■ .....~ .... der BKlsttz durch Zeichnungen aufznbringen und ihr« BereitiMiflketz dmch Anmeldungen <m das Komitee ^rend-Büste fte Jerusalem" zu Händen des Dr. Arnvvd Ascher, Wen, 1. 2fe&., FaHeftvatze 2. -mvdzugeben. ObewaRner Dr. ChaZes, M-itta MüLler, Ober- >tea«t Robert Stricker, Prüf. Ehrinann, Dr. A. Ascher, / Ä» Bondi. Zahlungen rönnen geleistet werden im Inlands auf das kDesterreichifche PostsParrasienklMto des Dr. Arnold Ascher 'Kr. 00.601, rn Ausland« an di« BeÄchrSbanik, Filiale Wien, 'S. Bqz., Stuibenving L4, für das Komitee ,Zreud-Girste für IJlvkA^aMrv. Sur Den Theatern. Bürgt-eater. Morgen, */i8 Ubr abeubS, »Duell ä m ß i b o*. (Theatergemeinde, Serie A, weiß.) Atad ernterh eater. Dienstag, V,8 Uhr abend-, »R Ldel von heute*. Operntvearer. Morgen, 6 Uhr abends. »$i t Meistersinger von Nürnberg*. Dienstag »M an o »*. Kammersängerin Lehmann und KammerlLnger P i e-;< o » e i treten in dieser Vorstellung zum letzienmal in dieser Spiel-!zeit ans. Deutsches Volkstheater. Das Gastspiel Leo- >voldi»e Konstantin dauert um noch diese Woche. Zur Aufsührung gelangen »D r. Inet Szabo', ,B «r o n i k a* und ^D i e T L n z e r t n*. ■ _ Renatsjaneeüühne. Morgen wird die Aufführung des französischen Lustspieles «Das Sprungbett der Liebe* durch eine einmalige Aufführung vonStrindbergS »Totentanz* unterbrochen. ■ Lustspteltheater. Dienstag findet ei« l« st t g e i iA.b e n b unter dem Titel .Worüber die Alten lachten* statt. Zur Darstellung kommen di« Einakter »Ein Wort an >o e u M i u i st e r*, ,E t n e verfolgte Unschuld* Und »DerGevatter von d e r S t r a ß e* von Anton L a nsger, »DerMord in der Kohlmessergasse* von 'Alexander Bergen. .Moderne» Theater. Heule, */.9 Uhr abends, findet ein Gastspiel des C ä e t l t e - C e r r t - B a l l e t t 8 : statt. An diesem Abend gastiert das Moderne Theater im R a d i o ' W i e n mit GalSworthys »Urwald*. , Verpachtung der Wiener Vottsoper. Das Wiener Volks .'operutheater .gelaugt am 1. September 1926 zur regulären V-er .Pachtung. Ein Auszug aus den Pachtbeddugnissen ist gegen Ein 'senidung von zwei Schilling beim StMtheaterverem in Wien Währingerstraße 146, erhältlich.. Offerte sind bis J5. Juli 1921 an den „Stadtihoatenverein Bolksoper in Wien", 9. Bez., Wäh rvugerstrahe 78. zu richten. Else Lehmann wird haute sechzig Jahre alt. Di ,große Darstellerin gönnt uns jetzt selten den Genuß ihrer Herr Archen Kunst. Es war ein Festabend, .wenn sie in Wien die Muttei Wulffin in Hauptmanns „Biberpelz" sprelre. oder anläfjtid ihres letzten Gastspieles — die alte Millerin in Kabale uns Liebe." Aus der Epoche des naturalistischen Theaters stammend Lat sich ihre Kunst des Gestalrens nicht überlebt, weil sie wesen- Hast ist. Else Lehmann bereicherte die nicht germge Zahl der Prominenten, toelche das Inoenrr.m der deutschen Bühne gegeber hat. Sie ist die Gattin des Publizisten Oskar Kuh. des Herausgebers des „Monragsblatt aus Böhmen" und lebt geaenwärtu .gurückgozogen in Prag. Mrttstenprlifnng. Im überfüllten Iohann-Strauß-Theate, .hielt gestern die Internationale Artistenorganisation ihre dies, monatliche Prüfung ab. Nicht weniger als'14 junge Damen ver suchten mit ihren Mützen, sich in das Artistenlebcn hineinzutanzen Die Jury war diesmal nach dem, überemstmt.menden Urteil bei Anwesenden nicht ganz aus der Höhe was Wohl ans die etwa« bunte Zusammensetzung derselben zurüchnführen sein dürfte .Jüngerinnen der TaWkunst, die kaum über die einfachsten technischen Grundsätze hinausgekommen sind, wurden in die Organisation ausgenommen. während mehrere wivkliches Können verratend! 'Tänzerinnen zur Nachprüfung beschieden wurden. Unter den Neuans,genommenen ragten Daisy Corra, Lea Claudius Blanche M a l y, Hilde Blank und das Duo Fritzi Dorn— Magnus Stifter besonders hervor. Di« meisten Tanzschülermnen stammten aus der Schule Grete Groß, einer belvährter Künstlerin, die ihr großes Können in einer Einla-gennmmer zeigst und hiefür reichen Beifall erntete. Ganz besonders hervorzuheben find die Cinlagenummernder rumänischen sechs Belescd s, einer echten und rechten Artistentruppe. die in einer gehaltvollen Stimmnngsszene. zunächst rumänisches VvWeben' vorzauberte, um daun gut abgerundete Akrobatenkunststücke vorzu- Whren. wofür sie reicher Beifall lohnte. Auch -der Original Caligar i gefiel schr. Schriften der hebräischen Universität in Jerusalem, herausgrgebeu von: Institut für Wissenschaft des Judentums, Band 3 Das Institut für Wissenschaft -des Judentums, das im Winter vorigen Jahres eröffnet wurde, gab schon zwei Hefte ^nstituts- ,Nachrichten" heraus, zu Ende jedes Schulsemesters j« ein Hast. Di« Nachrichten enthalten wissenschaftliches Material und Details 'über die Vorträge und über die Hörer. Jetzt erschien die erste Sammlung, die sich von den „Nachrichten" sowohl m der Quantität — das Format und der Umfang sind viel größer —und auch 'im Inhalt, der nur wissenschaftlich ist, unterscheidet. Diese Samm- MUg beginnt die Reche der wissenschaftlichen Sammlungen, die ldas Institut für Wissenschaft des Jr.dentums -herausgeben wird, utld die sich in zwei Gruppen testen: 1. Ori-gmalbeiträste bekannter WissenischafÜer, Dozenteir der Universität und -solcher Autoren, die für das Instdrt wissenschaftliche Arbeit leisten; zu -dieser Gattung gehört dieses Heft. 2. Textanthologien, deren 'Herausga-be die Leitung soeben vorbereitet. Vereine, VortrSge und Versammlungen. B «t h w a a d l't w r; m. Heute, 9 Uhr früh. Gang zum Hrabe Herzls. Zusammenkunft Lannerstrabe, Ecke Blaasstraße. — 'I ü d i s ch - a t a d e m i s ch e r I u r i st e n v er e i n, 2. Bez.. 'Taborstraße 1. Mittwoch den 60. d. nm */»8 Uhr * abends Vortrag Op. A. Kaminkas Über: „Akademische Jugend und die Wissenschaft deS JndentumS*. — Zionistische Sektion Prater. DkenStag den 29. d. um 8 Uhr abends im Sektionshetm. 2. Bez.. Jungstraße 9, Vortrag des Gg. Obervaurat Ing. Robert Stricker überr „Probleme des Zionismus*. — Zionistische Jugend g ru v v e Leopold ft ad t. Heute Herzlgrab rang. Treffpunkt */,8 Uhr früh En statwn 40er-Wagen. Nachmittag« 4 Uhr, Olymviasaal, 1. Bez., Notgasse. Mittwoch Plenarversammlung mit Referat. — MttderHakoahdurchAmertka Ueber dieses Thema sprechen Dr. I. H. K ö r n e r und Doktor Eugen Felix Montag den 28. d. um 8 Uhr abends im Feltlaal deS Nieoerösterretchischen GewerbevLrvinS. 1. Bez. Ekchenbachgasse 1t. Korten bet Löwtt. 1. Bez, Rotenturmstlaße 22: Haloah. 1. Bez., Mpplingerstrobe 24; Rath, 2. Bez., Taborstraße Rr. 20», und lLazar, 6. Bez., Koltngaffe 11. . * Jüdisches Realgymnasium. Aufnabmsprüfuttgen in die L."Klasfe werden Montag den 28. d. um 4 Uhr nachmutagS avge- Mtm. Federstiel «ch Feder sind nützubriu-e«. Mener Moegrnzett«n^ An unsere geehrte» Abonnenten I Am 1. Juli beginnt ein nettes Abonnement auf die „Wiener Morgenzeitung*. Wir ersuchen, die BezugSgebützren rechtzeitig zu Überweisen, damit in der Zustellung der Zeitung keine Unterbrechung eintrete. Jene unserer geehrten Bezieher» welche die DezugSgebÜhr für ein Jahr im vorhinein entrichte», erhalten das bekannte dreibändige Werk (in Halbleinen) «RABT2 fQESCNI<HT£ DER JUDEN4 als Prämie. BernogeMre« ab 15. Straf 1926: Abonnement fflt Wien fzum Ahholen im Expevit oder in einer Derfchleißstelle) monatlich.Schtttina 5 — DaS Abonnement wolle gefälligst rechtzeitig in der Nächstliegenden Verschleißstelle erneuert und die Bezugsgebühr gleichfalls dortselbst erlegt werden. OsNerreich monatlich.. Schilling 8.— Tschechoslowakei monatiich ..tschech 4t. — Pole« monatlich. Zloty 0 — gngoflawten monatlich.. . Dinar «v.— Deutschland monatlich .Voldmark 4 — Rumiknien monatlich.Sei 170.— Bulgarien monatlich.. . Lewa 100 — Aottanmonatlich.... holl fl. Ä. - Italien monatlich... . Lire SO.— Schweiz monatlich ...... Schweizer Franken 5.- Frankreich monatlich.franz Franken SS — Belgien monatiich .belg Franken SS — England und PalSstlna monatlich . . . Schilling 4.- Amerika monatlich ..Dollar 1 — ««Wellen: Oesterrelchisches Pvsisparkassenkonto ISO.OOS. Tschechoslowakisches Pofifparkafsenkonto (Prag) SO.SSl. Polnisches Poftfparkaffenkonto (Warschau) 100.887. Deutsches Postscheckkonto (Berlin W 7) 108 78» BurnÜnlerr und Bukowina r Ostbank A. G. in Cernauli und deren Filialen. Schweiz: Schweizer BolbSbank in St. Gallen. Juaoslawien r Postsparkassenkonto (Zagreb) 40.08S. Italien r Soetvta bi Lrebilo Commereiale Triefte Dia Mazzint 80. Die Vermattung der „Wiener MorgenzettunZ" Wien, II.» Taborstratze 1—3 Telephon 44.0S8, 4S.Ä1». |i m mt in yri t?8u 111 m ni i mi i 111 in i mii m 11 m imi 11 ui mi mi 11 m i j 'ü'v% «***«■♦ Ätschlag wegen einer nngünftige« «engenonssage. Ter SSjähvi-ge Buchbindevgehrlfe Jakob Fuchs stand gestern vor einem Schwurgerichte des LandeLgerichtes 2 nrrter der Anffage des T o t s ch l a g e s, weil er am 22. Jältner -d. I. d-ie Hilfsavbeitersgattm Diarie Slezak, d-i« itt einem Chrenbel-ei'dsi gun-gsprotzeß ungünstig gegen Hu aus-g^agt halben soll, durch Stiche mit einem Tascheumesser getötet hat. A-m 26. Jänner fand beim Bezirksgericht Füulshaus eine Verhandlung über eine von Mari« S >l e z a k und andren Persone,r -gegen Jakob Fuchs erhobene E h r e n b e l e i d i >g -u n g s k l a g e statt und er wurde zu 14 Tagen Arrest verurteilt. Er soll darüber furchtbar erbittert gewesen sein mvd mit Bezug auf Frau Si-ezaE und Fran Anna Lchnha-rt ausgerufen haben: „Die zwei S . . . kommen noch auf ihr« Rechnung!" Nachmittags traf Fuchs und seine Lebensgafä-hr-tin Anna G o t t w a l d die S (c j a E. Zwischen beiden Frauen entstand ein heftiger Streit. -Fuchs ging mit der Gotttvald nach Hanfe, verließ aber -bald wieder d'e Wohnung. Gr traf abermals die Dlezäk rmd vcrs-ctzt-e ihr einen Schlag ins Gesicht. Hierauf zog or sein Messer >.n-d stach dir Frau nieder. Dabei rief er aus: „Jetzt har es ein End c." Bei seiner Festnahme sagte er zu seiner Lebensgesähnin: „Cs ist erledigt." Zu seiner Beranttvort-u-ng gab der Ang-vksa<gte an, ldaß er zu-r Zeit der Tat in seiner maßlosen Erregung nich, .ge-wnßt habe, was er tue. Die Geschworenen schenkten dieser Verantwortung keinen Glauben -und b-ranrwort.'l.'n die auf Totschlag lautete Hau-ptfrage mit 12 Ja, verneinten dagegen di« Zusatz» frage auf Sinnesverwirrnng zur Zeit der Tat mit dem selben Stimmenverhältnis. Der Gerichtshof verurteilte Fuchs zu dre-ieinhalb Jahren schweren Kerkers verschärft durch Mfperrung in dunkler Zelle an jedem Jahrestage der'Tat. Eine cchgewiesene Schadenersatzklage gegen Aerzie. Der Kaufmann Gabriel Wurth, welcher an einem Gailenleiden litt, hatte sich zu Anfang des Jahres 1926 zu einer Operation zur Gniferu-ung von Gallensteinen entschlossen, Ivelche der Chirurg Primarius Dr. Viktor Silbrrmark unter Assistenz des behandelnden Arztes des Patienten Dr. Paul Straßer vorgenommen hatte. Bei 'der ersten Operation in, Jänner wurden keine Gallensteine gefnttden. Im März wurde eine neuerliche Operation dorge-nommen. Aber erst nach einer dritten Operation wurden Gallenstein-e entsernt. Wür-ih klagt« -nun beim ZHilland-esgerichte sowohl den Pri-marins Dr. Silbermark als auch Dr. Straßer aus Zahlung eines Schadenersatzbe- »»« IS«*« acht«,»«, M M, faMm MM-> 27. Ami 1»8®rttt » kal« Operation durchgestthrt wurde, wodurch drei Oprrarione» notivendig wurden. Di« beklagten Aevste führten ans. baß btz beiden Operationen m.t in klein«,n Umfange gemacht wurden, weil bei dem beforgniSerregeiöden Zustand deü Patienten dir Durchflihrnng einer radikalen Operation eine LebenS-resahr bedeutet hätte. Der als Sachverständige venrommene Pros. Hofrrrt Dr. Büdin-ger erklärte, daß beide vom Primarius Silbermart vorgenommeno Operationen einwandfrei durchgesührt wurden und daß, selbst wenn der Patient körperlich nicht zu herabgekommrn gewesen wäre, dem Operateur daraus vom wissenschaftlichen Standpunkte kein Vorwurf gemacht 'werden könne, wenn rt nicht sich z,. einer radikalen Operation entschlossen habe. Der Senat wies mit Rücksicht ans das Gutachten de« Sachverständigen Prof. Dr. Büdinger die Kla^e kostenpflichtig ab. Kino geht über Mutterliebe. Herr Anton Ch. («6t von seiner Frau Johanna g-eschieven. Cr genießt die Rechte, sein Ki,ch mit 10 Schillmg wöchentlich ailimentieren -und es jede Woche einmal für vier Stu,tden bei sich haben zu dürfen. Ms er unlängst zu dem gestatteten Besuche des Kindes kam, hieß eS, das Kim» sei krank und nicht p, sehen Er l-'eß den Geldbetrag dort, welcher denn auch gnädig entge-gengenommen wurde und entfernte sich Von Sorge ^trieben, fragt« -er -gegen Abend nochmals um das Befinden des KilweS Da erfuhr er, daß dessen Mutter ins Kino gegangen s-ei. Auf der Straß« begegnete er die gerade aus dem Kino in Gesellschaft heimkomtwende Fmn. Er apostrophierte sie mit dem Worte „Rabe-nmuner". worauf die resolute Frau replizierte. Daraufhin versetzte ihr der Mann einige Ohrstigen, tve^alb -ihn seine Frau auf Ehrenbe-leidi-guna klagte. Sein Verteidiger. Regierungsrat Liszt, wies aus die!berechii>Med A'ffrvgung des Mannes über das lieblche Benehmen der Klägerin hin, weshalb der Richter Dr. Arlt nur mit einer GeldstraLe von 30 Schilling vovging. Volkswirt. Irr Res der vrodMven JnduftricholM. Zur Wiederaufnahme des Betriebes der Delfiner Seidenfabril in Tcl-Awiw. Die Tatsache der Anfhebmrg einer Reihe wichtiger Ern-« fuhrMe in Palästina und die darauffolgende Wiederaufnahme des Betriebes der Delfiner Seidenfabrik haben bisher noch nicht jene öffentliche Wertung gefunden, die sie in Wirklichkeit verdienen. Bedeuten sie doch in ihren weiteren Auswirkungen nichts mehr als den Sieg der produktiven Jnidustriefördern-ngspolitik in Palästina. Sie zeigen, daß bei zielbewußter, energischer industrieller Tätigkeit große Erfolge erzielt werden können, und daß selbst der Konservativismus und die Bureaukratie der englischen Wirtschaftsbehörden schließlich diesem Ziele untergeordnet werden können. Der Tatbestand ist folgender: Vor zwei Jahren hat der Seidenindustrielle Delfiner mit einem Aufwand von 40.000 Pfund in Tel-Awiw eine eigene Seidenfabrik errichtet. Die Anlage tvar in großem Stile gedacht. Es wurde nicht nur eine Seidenfabrik, sondern dazu auch eine eigene Färberei, welche die gesponnene Seide herrichtet, eine eigene Appretur und eine Spinnerei erbaut, Das Unternehmen bestand aus 84 We-bstühlen, was zirka 240 Baumwollstühlen entspricht. In der Seidenfabrfl wurden echte Seide, wie Crepe de Chine, Georgette, Marocain, Waschseide, Popelin, Eponge usw. erzeugt. Der Gedanke einer solchen Seidenfabrik war naheliegend. Das benachbarte Syrien ist die Heimat der Seidenkokons, aus welchen die Seidenfäden erzeugt werden. Jährlich werden in Syrien fünf Millionen Kilogramm Seidenkokons produzierte 300.000 Menschen sind dabei beschäftigt. Diese Seidenkokons werden nach Südfrankrcich und der Schweiz transportiert und dort zu Seide verarbeitet. Ein großer Teil dieser Fertigerzeugnisse im Werte von zirka 120.000 Pfund wird wieder nach Palästina importiert. Die Differenz zwischen dem Preise der Kokons und der fertigen verarbeiteten Seide wird von Schweizer und südfranzösischen Fabriken verdient. Hier handelt es sich um gewaltige Summen. Es war das naheliegendste, diesen B e r d i e n st dem Lande Palästina zu erhalten und zu zeigen, da Palästina ebenso gute Seide erzeugen könne wie die Schweiz. Dabei könne auch eine Anzahl palästinensischer jüdischer Arbeiter einen entsprechenden Verdienst finden und die Handelsbilanz Palästinas sehr günstig beeinflußt werden. Von diesem Gedanken ließ sich Delfiner leiten, als er an die Errichtung der Seidenfabrik schritt. Um die Seidenkokons an Ort und Stelle zu verarbeiten, errichtete er die Spinnerei in Syrien selbst, während die anderen drei Fabriken im Wirtschaftszentrum Tel-Awito ihren Sitz hatten. Sechs Monate arbeiteten die Fabriken. Die Erzeugnisse waren ausgezeichnet. Sie fanden guten Absatz. Aegyptische große Seidenwarenhändler erklärten sich bereit, größere Bestellungen zu machen, da die Seidenprodukte aus Tel-Awiw ihren Anforderungen in jeder Hinsicht entsprachen. Es bestand nur ein Hindernis. Dieses lag bei den englischen Zollbehörden. In Palästina gilt noch immer das türkische Zollsystem, welches einen löprozentigen Werteinfuhrzoll auf sämtliche Produkte Vorsicht. Seidengarne, die in den meisten anderen Staaten der Welk keinem Zoll unterliegen, wurden ebenfalls dieser Verzollung unterzogen. Dadurch wurde selbstverständlich das Rchmaterial verteuert, was auch eine Verteuerung des fertigen Produktes zur Folge hatte. Schon im März 1923 hatte Delfiner sich an Herbert Sa^ muel gewendet und ihn in einer Unterredung ersucht, die Zollsreiheit fiir die notwendigen Maschinen und für die Einfuhr deS Rohmaterials znzugestchen. Herbert Samuel hat dies auch versprochen. Er stand der Gründung der Seidenferbrik schr sympathisch gegenüber und leitete den Antrag auf Erlaffung der Zollfreiheit an die kompetenten englischen Wirtschaftsbehörden. Diese, aber verzögerten in bureaukratischer Manier die ganze Angelegenheit. Erst Äs die Seidenfabrik als Protest gegen die verzSgerte Aufhebung der Einfuhrzölle im Jänner dieses Jahres stillgelegt worden war, nahmen die englischen Wirtschaftsbehörden die Sache nunmchr sehr ernst. Dnö S&ptulärt har MwwfthmuMiit M hur SBfcmfat . ‘Tf*; kMdMWMR