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Wiener Morgenzeitung · 1926-06-27 · Heft 2637 (27.6.1926) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2637 (27.6.1926)
Date
1926-06-27
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Sk. SM Wien, Sonntag Wiener MvrWmzettmkst 2-. Juni 1926 GeM L Sit Lelstnngen der Wiener Soorller, Tnener. Waaderbünvr, -och- und MittelschiUer fflr den Mische« Natlonalfondr. Von Prof. Ernst Vogel» Znaim. Aus der Statistik des Keren Kajemeth für Wien, ver- -Affentticht in der „Wiener Morgenzeitung" vom 16. Mai, entnehme ich die folgenden Daten betreffend die im Titel angegebenen Gruppen. Diese Statistik nennt das überj nommene Kontingent und die bisherige Leistung in SchiNing. Sie bezieht sich auf die Zeit vom 1. Oktober 1926 bis 30. April |l926. Durch Angabe von Prozentzahlen wird die Statistik übersichtlicher, weshalb ich sie nachtrage. Hiebei habe ich mich auf tye früher genannten Gruppen beschränkt, weil mir deren Tätigkeit für den Zionismus am besten vertraut ist. Als einziger Sportverein erscheint die Hakoah, die ein Kontingent von 6000 Schilling übernommen hat. Abgeführt hat Je im Laufe eines Halbjahres 167 Schilling, sage und schreibe hundertsiebenundfünfzig Schilling, das sind 2,6 Prozent des Kontingents. Wahrlich, ein beschämendes Resultat! Wo bleibt da die vielgepriesene „Heranziehung bisher Indifferenter" für W gute Sache? Wenn man selbst die Pflichten gegen sie aufs xgröbste vernachlässigt, kann man die Fernstehenden nicht ge- Finnen. Ich habe in der ,Miener Morgenzeitung" vor der Generalversammlung der Hakoah die Anregung gegeben, sie möge beschließen, daß von den großen Einnahmen bei .den Fußballwettspielen ein ganz keiner prozentueller Anteil dem Jüdischen Nationalfonds zufließe. Leider wurde dieser Appell ignoriert! sjHätte man ihn beachtet, so hätte sich heute die Hakoah diese traurige Statistik ersparen können. Ich bin gespannt, ob sie ivielleicht jetzt auf meine Anregung zurückkommen wird. Natürlich steht es ihr sehr übel an, wenn sie erklärt, daß ihre Amerika- > reise mit jenen zionistischen Interessen verknüpft sei, welche sie igu Hause so gering schätzt. Den zahlreichen anderen jüdischen Sportvereinen, welche 'Namen wie Zion,, Kadimah, Hechawer usw. führen, wurde s nicht einmal ein Kontingent auforlegt. Sie erscheinen daher! überhaupt nicht in der Statistik. Kein Wunder, wenn der größte!aafc"J6“‘ Sportverein mit so schlechtem Beispiel vorangeht! . Sehr vorteilhaft unterscheiden sich von den Sportvereine« die anderen Gruppe«. So haben znm Beispiel die Makkabi-Turnvereine von ihrem Kontingent von Ä800 S. schon 61*/, aufgebracht. Die Wandergruppen (Blau-Weiß, Jnngjüdffcher ÄLanderbnnd usw.) leisteten 44% der übernommenen Geldleistung. Die zionistischen Mittelschüler haben 38% & Kontingentes gesammelt, wobei der Verein Massadah r 120% anfbrachte, besonders genannt werden soll. Nicht inbegriffen ist hier d a S Jüdische R e a ljgwnr » a s i« m, welches 115% de» Kontingentes erzielte. MH re dem Lehrkörper, der seine Jugend zu so eifrigen Mümbetter» de- Seren Kajemeth erzieht! Ueber die Leistungen der Hochschüker gibt die folgende Tabette «nffchl«ß4 CI|44»1a A^LLi.vIi MV»W ••••* «•• W7Q KwhUw, f Libammio . .'•% . .78% UnttaS . . Snmnah . . . . . . 66% Jordania Lese- «ud Redehaüv . . 68% Hechawer Theodor Herzl. . . . . SS% Zephirs . Bar-Giora . . . . . .88% Harzionah 7% 7% S% 4-4% 6% 06% Man erficht, daß die alten Verbindungen, mit Ausnahme der Kadimah und UnitaS, am besten abschneid eu. Hoffentlich wird sich diese» Bild bi» zu Rosch-Haschamch z« Ern Vorteil ändern. An jene, welche e» bisher «nterlaffen m, ihre» primitivste», zionistische» Pflichten nachzukommen, fei dringende Bitte gerichtet, fich ihrer zu erinnern! Sas Bndapefter Schaihtnrni«. Reti schlägt WoroWSki. Budapest, 26. Juni. An dem heutigen ersten Tage des internationalen Schachturniers lagen um 11 Uhr abends lfohgende Evgebniffe vor: Reti besiegte Worowski,! Dakars getvann gegen Aales, Steiner gewann gegen Prokesch, sK-moch remisievte mit Mettison, die Partie Colle^—MantzieM -war um 11 Uhr abends noch nicht beendet. 8« Lefterreich gibt er auch keine Rknzensnr. Die niederösterreichische Landesregieruug Hatte denr Ansuchen der Oesterreichischen Apbeitechilse, den in Rußland hergestellten Film „Sein Mahnruf aufführen zu düchn, nicht entsprochen. Ebenso wurde der FAm ,^Die Wunder des Soldaten Iwan" für Jugendlich e Verbotelt. Das erste Verbot wurde damit begründet, daß . der Film ,-De.in Mahnruf mit seiner ausgesprochenen bois chewitischen Tendenz geeignet sei, die öffentliche Ruhe Mich Ordnung zu gefährden. Das zweite Verbot stützte sich daraus, daß der Film Judendliche in moralischer urrd intellektueller Hin- Mlt nachteilig beeinflussen könne. Gegen diese Verbote brachte Dr. Egon Schönhof eine Beschwerde 'fei dem Berwaltungsgerichishof ein. Er begründete dies damit, daß der Verfassungsgerichtshof mit seiner Entscheidung vom 18. März d. I. aus- Mprochen habe, daß jede Zensur in Oesterreich aufgehoben sei. Der Berfassungsgerichtshof unter Vorsitz des Vizepräsidenten Hofrat Menzel hat gestern zu Recht erkannt, daß im Sin»« des Beschlusses der Nationalversammlung vom 80, Oktober 1918 jedeZeu.su r, also auch die K i n o z e n s u r aufgehoben sei. Die Verbote der niederMweiHischen Mdesregierung wurden als verfassungswidrig aufgehoben und das Laich Niederösterreich zur Tragung der Kosten von 300 Schilling verurteilt. Der Magistrat hat an den Bundeskanzler das Ersuchen gerichtet, mit Rücksicht aus diese Erkenntnis das vor zwei Wochen voni Landtag beschlossene Kinogesetz möglichst bald zu levledigen. Möbelfabrik J. Spira Feine Will. III. 1—2 Wohtnmgseifirichtangefl (Ecke Karl «Sch weighoteMiasse) Oertrude Streit Jack. Sommerstein Philadelphia (Kalos*) Wien (2baraz) Verlobte Wien, Juni 1926 Die Mitglieder des Jugendvoralnet iras Israel entbieten ihrem Ausschussmitgliede Chawer ASftlEL FISCHER herzlichsten 21V d)I2 anlässlich seiner Vermählung mit Chawerah FANNY WALLACH Wien, Thamus 5686 Oie zionistische Sektion Prater gratuliert ihrem Vorstandsmitglied Gg. Herrn Psachje Aschkenasy anläßlich der Vermählung seines Sohnes Dr. Linern mit Fräulein Dr. Chaje Feinberg NiederBsterreichisch«r Gewerbeverein, Wien, I., Eechenbadhg. 11 Morgen Montag, den 28. Juni, 8 Uhr abends VORTRAG uns (Persönliche Eindrücke) . Referenten: Dr. J. H. Körner, Dr. Eugen Felix » Restliche Karten an der Abendkassa -KUNSTMÖBELFABRIK-— Joh. GRÜNWALDs WM (., Flefsdunarkt 17 i., Weihburggaste 11 Vohmmjca, Gesdififtslokale, Catii, Kinos, Theater, nad) eigenen Entwürfen. 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Einige Arbeiter machten abfällige Bemerkungen, worauf der Häuptling der Rotte, Roland S t e i n g r u b e r, zum Revolverangriff kommandierte. Müller sank getroffen zu Boden und wurde von de» Rohlingen auf die grausamste Weise erschlagen. Als Täter wurden neun Burschen verhastet. Da sich jedoch, tvie es so völkischer Brauch ist, die 18- bis 20jährigen Buben aufs Leugnen verlegten, konnten die unmittelbaren Täter nicht ermittelt werden. Die Mörder wurden deshalb nur wegen schwerer Körperverletzung angeklagt. In einer zehntägigen Verhandlung wurde der Rädelsführer, Roland S t e i n g r u b e r, zu einem Jahre schweren Kerkers und Robert B e r g n e r zu zwei Monaten schweren Kerkers verurteilt. Die übrigen Angeklagten kamen mit mehrtägigen Arreststrafen davon. Bei der Verhandlung benahmen sich die Burschen äußerst herausfordernd. Obzwar das Urteil sehr milde ausgefallen ist, war es doch das erste Mal, daß Hakenkreuzler zu Kerkerstrafen verurteilt wurden. Steingruber brachte gegen das Urteil die Nichtigkeits^ beschwerde ein, die aber vom Obersten Gerichtshof verworfen wurde. Nun suchte der Verurteilte um Strafaufschub mit der Begründung an, daß er in seinem Automobilgeschäft nicht abkömmlich sei. Gegen Erlag der lächerlich geringen Kaution von 2000 Schilling wurde der Strafaufschub bewilligt. (Mit demselben Recht müßte eigentlich jedem, der nicht gerade arbeitslos ist, Strafaufschub gewährt werden, denn auch Nichthakeukreuzler werden wohl lieber iw ihrem Geschäft Geld verdienen als in Stein Säcke picken.) Als der Strafaufschub zu Ende war und Steingruber seine Strafe antreten sollte, hatte er, wie der „Abend" meldet, längst das Weite gesucht. Vorher hat sein Vater, ein ehemaliger Rittmeister, der offenbar von der löblichen Absicht seines Sohnes gewußt hat, versucht, die Kaution zurückzuerlangett. Diese „Petite", wie das Hakenkreuzblatt schrieb, wenn es sich um einen Juden handeln würde, ist ihm nicht geglückt^ Aber 20 Millionen kann man ohne zu bereuen schon in die Schanze schlagen, wenn man sich ein Jahr lang seiner Freiheit erfreuen darf, und so zog es Steingruber junior vor, spurlos.zu verschwinden. Das Lustigste, wenn •:§ nicht zugleich das Traurigste an der ganzen Affäre wäre, kommt aber erst, jetzt. Steingruber ist nicht seit gestern oder vorgestern flüchtig, sondern befindet sich,'wie dem Gericht wohl bekannt ist, seit längerer Zeit in Sicherheit. In einem solchen Fall ist es bei gewöhnlichen Verbrechern so üblich, daß das Gericht sofort e i n e n S t e ck b r i e f erläßt, damit die Polizei den Flüchtigen sucht, Das ist im Fall Steingruber bisher n i ch t. g e s ch e h e n. Die Polizei hat also gar keinen Anlaß, Steingruber, selbst wenn sie seiner habhaft werden sollte, stellig zu machen. Es ist jetzt bereits genügeird Zeit vergangen, nt der Steingruber dem gemütlichen Oesterreich hätte Valet sagen können. Das Gericht könnte also, ohne viel zu riMeren, den'Steckbrief erlassen. Wenn sich der Hell» auf einem Gut des Raffenschützlers G ö m b ö s befindet, wird er doch ohnehin nicht ausgelietert. Der zweite Verurteilte, Bergner, hat seine Strafe auch noch nicht cmgetreten. Seine Nerven sind so zerrüttet, daß er haftunfähig ist. Es ist immerhin möglich, daß auch gegen ihn — kein Steckbrief erlassen wird. RnrsnnKsversnche »nter den Hakenkreuzlern. Die im letzten Herbst eingetretene Zersetzung unter de» Nationalsozialisten hat, wie berichtet, zur Abtren» nung eines großen Teiles der Ortsgruppen geführt, die fich unter dem Namen Nationalsozialistischer Arbeiterverein zusammengeschlossen haben. Die alte Organisation unter dem Bövsenagenten und Bundesbahnbeamten Gattermaherschrumpft immer mehr zusammen und sie hatte sich auch vor. dem Berfassungsgerichtshof wegen der Verkürzung, der Fürsorgeabgabe Mr die Angestellten zu verantworten. Die Versammlungen beider Gruppen sind fast leer. Einige Parteifunktionäre haben nun den seinerzeit nach dem Salzburger Parteitag ausgeschlossenen. Walter Riehl wieder hervorgeholt und ihm die Aufgahe übertragen, die Einigung zu versuche». Riehl wird dies in einer Versammlung tun, die am Mittwoch im „Auge Gottes" stattfindet. Der Aufruf zu dieser Versammlung tragt die folgenden Namen: Babirath, Chitra, Kaluza, Kosak, Veselh, Greiner, Röhricht, Thüringer, VogL Birrhnndert Millionen für einen antifemNifche« Pfadsinderverband. Aus B udapest wich uns berichtet: In der.letzten Sitzung des Geme.inderates kam es zu großen S k a n d a l s z e n e », als die antisemitische Wolff-Partei mit Hilfe der Stimmen dev liberal schillernden Rifla-Gmppe gegen die Stimmen der Demokraten und Sozialdemokraten dem unter Führung und Kontrolle der E r w a ch e n de n Ungarn stcheMn ungarischen Pfad^ findervevband eine Subvention von vierhundert Mllionen Kronen bewilligte. In der Debatte kam zutage, daß der Verband keine jüdischen Pfadfinder aufnchme. Der ungarische israeAtische Kulturverba nd habe sich gezwungen gesehen, einen eigenen jüdischen Psadfinderverband ms Loben zu ruf^ der jedoch trotz aller Bemühungen vom allgememon uugMsche» Verband wicht anerkannt Wird. *r MNNWWWW, 8900484853485348234848235353232353535353235323012353530001005348235353

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