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Wiener Morgenzeitung · 1926-06-27 · Heft 2637 (27.6.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2637 (27.6.1926)
Date
1926-06-27
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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SM,-« Wie», Soitntafl Plattfuß Veschverdea 0«ch tn dt» sch«rrfien FLllrn. sowie Froftvt«le«, »«VSchS» ««» Ech«>elenvildttng werden unter Garantie in der fett Sv Jahren mit den modernsten htlferstrafte loa, behoben. Dieser Spqtaltst arbeitet für gesunde Fiitze nicht. hatten, fand, aber die ausgestreckte Hand mit dem Geld (eS waren zuweilen riesige Summen) war so erstarrt. Diese Tatsachen mit dem Geld stellte die Regiernngskommission fest, die die Pogromstätte inspiziert hatte. Nachher hatte ich Gelegenheit, mit vielen ernsten Proskurower Juden über den Pogrom zu sprechen. Es ist interessant,^daß alle den Aufstand bestritten. Sie 'behaupteten,^ daß es eine Provokation gewesen war. j Selbstverständlich stellten sie dann die Sache dem Ausland; ft> dar. Aber in diesem Fall waren sie und sind sie noHh jetzt im Irrtum. Der Aufstand war eine Tatsache. Semesenko verließ ProSkurow krank. Dann wurde er verhaftet. Zuerst saß er in einem Waggongefängnis, dann in Kmnenetz-Podolski und schließlich wurde er in Freihoit ge-;setzt. In Wirklichkeit hieß er Doroschenko (und nicht Semesenko) und diente dann im Jahre 1920 in der ukrainischen Nationalarmee als Hauptmann Doroschenko. Er war >der Division Zdowiczenkos zugeteilt, der ihn aber aus seinem Truppenkörper entfernte. * ... Das ist die Geschichte dieses schrecklichen Pogroms, der unsere Befreiungsbewegung befleckt hatte. Ich schrieb ldaS, was ich sah. 8in Artikel Winnitschenko». Der bekannte Schriftsteller und ukrainische Dramaturg, de: gewesene Ministerpräsident der ukrainischen Regierung, W. Winnitschenko, deräffentlicht rm ukrainischen Fachblakt ,H)ilo" einen Artikel unter dem Titel: „Gefährliche Stimmungen", in dem er nach einer Analyse der Tat Schwarzbarths fehr scharf gegen dir Pogromtendenz mnerhulb des ukranchchen Bockes austritt. Hier die wichtigsten Stellen dieses Aufsa(es: Ich zweifle nicht, daß auch"u-nter dem Großteil der kulturellen ukrainischen Gesellschaft aller Schattierungen keine Stimme e i n e r n a t >i o n a l e n Rache für das Verbrechen eines einzelnen Juden herrschen kann. Ich will nicht das gantze Problem der Reche berühren; ob überhaupt solche Ge- Whle Sinn haben, ob .sie vom Standpunkt der Moral, der »Logik und der Boliksinteressen gerechtfertigt sind, in diesem Kall entstehen folgende Fragen: Gegen wen soll sich im vor- MogenSen Fall die Rache richten und in wessen Interesse? Wenn man von einer nationalen Rache spricht, so nü'lßte deren Objekt diega ^ze Nationalität sein. Ma.n kann aber auf keinen Fall bewVisen und sogar nicht verdächtigen, daß -das ganze Judentum an dem Verbrechen teil hat und auch nur der Gedanke daran ist ein Unsinn. Und wenn die Rache, die sich gegen das ganze Judentum richtet, ein Unsinn ist, .so kann vrn einer nationalen Rache nicht die Rede sein. Wofür denn Rache? Für die Ermordung eines ukrainischen Vollsführers, der eine gewisse politische oder nationale Bedeutung bestß? Tie Ermordung einer lebensvollen Kraft, -die für irgend eine Gemeinschaft nützlich ist, muß bei deren Mitgliedern Bedauern nnd Schmerz Hervorrufen. Im vorliegenden Fall 'st die Beurteilung der Bedeutung^ P e t l j u r a s verschieden und darum verschieden das Gefühl seines Verlustes. Auch bei höchster Bewertung und be'' dem schwersten Vermissen ist das Gefühl der Rache unlogisch, unzweckmäßig -und schädlich. Schwarzbarch maß sich verbrecherisch das Recht des Richters und der Rache, über eine Person der ukrainischen Gesellschaft bei. Woher also kommt man zu der wilden Folgerung, daß jeder ukrainische „Patriot" sch das Recht des Richtens und Rachens über das ganze jüdische Bott nehmen soll? Aber haben wir denn schon nicht in der Vergangenheit genug von diesem verbrecherischen Recht des Richtens, der Rache und der Gewalt gehabt, trug dies alles nicht zu dieser verhängnisvollen Tat bei? ' > N remand kann den schwarze« Augenblick in der Geschichte der ukrainischen Revolution leugnen, der durch die jüdischen Mafsenpogrome gezeichnet ist. Hier ist nicht der Ort, sich mit einer Detailanalysc zu befassen. Tatsache ist, daß das Judentum aller Klassen und Schichten in dieser Zeit grotzesUnr echt und vieleLeiden von seiten einiger Elemente der ukrainischen Gesellschaft zu ertragen hatte. Die Hauptkräfte in diesen Exzessen waren die elementaren losgelassenen Instinkte. Nur haben gewisse ukrainische Elemente diese Vorgange sür die Ziele ihres sozialen und nationalen Kampfes ausgenützt. Sie hahen diese dunklen Elementarkrafte mit einer blutigen Romantik aus der ukrainischen Geschichte geschmückt, sie haben demagogisch gehetzt, indem sie die Juden als Feinde der nationalen Wiedergeburt der Ukrainer, ^stellten ... Au? der Suche nach dem Mörder SrMos. Warschau, 26. Juni. Die Untersuchung in der Angelegenheit der Ermordung des Atamans Oskilro in Grodek wird weitergeführt, doch sind bis jetzt noch keine positiven Resultate zu verzeichnen. Es gilt als sicher, daß das Attentat einen politischen Hintergrund hat, doch weiß man noch nicht, welche Kreis« dahinter stehfti, ob kommunistische oder mtional-vkraii3g$e. $«( 8HBt vn»W Mvt iw ms ms tzchMm Wie««» Morgerrzeitunft 27. Juni 1926 Nr. 2637 Arbeiter, der in einer Ziegelei, die nur einige Kilometer von Grcdek entfernt isst beschäftigt tvar. De: verdächtige Arbeiter soll ei» Poizeikonfident sein. Gleich nach der Tat ist er aus der Gegend verschwunden. In der erwähnt..'« Ziegelei hat er seit drei Monaten gearbeitet. Für die Polizei ist auch der Umstand verdächtig, daß die Hunde in der Villa Dskilkos beim Rahen des Mörders nicht gebellt haben, woraus eventuell zu folgern wäre, daß der Täter zu den Hausgenossen des Atamans gehört. Wie wir bereits berichtet haben, wurden in der Angelegen- OsMo§ einige Personen verhaftet, untS Amerikanerin, die während des Leichen» 'heit der Ermordung? anderen eure jüdisch j begängnifles Oskilkos p hoto g r a Phis ch e A u f n a h m e r s gemacht hatte. Tie Polizei iah darin einen Vcrdachtgrnnd nn! verhaftete sie. Sie wurde aber ball) wieder auf freien Fuß gefetzt Schließlich wurden zwei Ukrainer angehalton, bei denen ei« Revolver desselben Kalibers, mit dein Oskilko erschossen wuroo gefunden imlrde. Die Untersnchungsergcbnisse über die beide«? itiiHTi rt'rfTif 'nrrTnitff'dr! Die Krise der Demokratie. Sin gnterview Malaruk«. Prag, 26. Juni. Die morgige Ausgabe des „Narodni OSVobozenij" ertthält ein Interview, das der Präsident der Republik vor kurzem einem Redakteur dieses Blattes über eine Reihe aktueller Fragen gewährte. Auf die Frage, ob der Präsident die Beamtenregierung gewünscht habe, antwortete der Präsident: Ich habe sie nicht gewünscht und habe nichts zu ihrer Berufung unternommen. Sie entstand ans den Schwierigkeiten der Koalitionsregierung. Unter den gegebenen Verhältnissen halte ich es für angezeigt, in eine parlamentarische Regierung die erforderlichen Fachleute zu übernehmen. Die Parteien haben diesen Grundsatz bei Dr. Be n e s ch anerkannt und erkennen ihn auch bei Doktor Englisch an. Auf die Frage, ob die Existenz einer Beamtenregierung auf eine Krise des Parlamentarismus oder gar der Demokratie Hinweise, sagte der Präsident: Von einer Krise des Parlamentarismus und der Demokratie kann ' deshalb keine Rede sein, weil wir erst am Anfang der Demokratie stehen, und es wäre unrichtig, die Beamtenregierung in einen vollständigen Gegensatz zur Demokratie zu stellen. Amerika ist gewiß eine Demokratie, und dort darf es keine Regierung aus Parlamentariern geben, sondern aus Nichtabgeordneten, Beamten und Nichtbeamten. Demokratie ist eine große Lebensanschauung, hauptsächlich in bezng auf daS Verhältnis zwischen Bürger und Staat. Bei uns gibt es im Gegensatz zu England und Amerika viele Parteien und es besteht daher die Gefahr, daß Mißverständnisse zwischen.d e n P a rteien in die Regierung selbst üb,crtvagen werden. Durch die Erlangung der Selbständigkeit und die Notwendigkeit'der Teilnahme an positiver Administration und durch eine neue Außenpolitik machen alle Parteien programmatisch oder organisatorisch gewiss? Hxise^tzrM. Kurz gesagt, ich erblicke unsere Schwierigkeiten, insbesondere auch gegenwärtig, darin; . daß wir einen n e u e n Sta a t Anftsemftenkrawall Im vreußischen Landtag. Berlin, 26. Juni.' Bei Beratung des Gesetzentwurfes im ireußischen Landtag über die Verlängerung des Schutz- ) o l i; e i b e a m t e n g e s e tz e s bis Ende 1926 wendet sich Abg. Borck (deutschnational) dagegen, daß Ministerialdirektor A b e g'g aus dem Briefe des Vorsitzenden des Landesverbandes in Berlin ein Lob der Polizei für den Schutz der Demonstrationen herausgelcfen habe. In dem Brief wird tatsächlich Abegg direkt beschuldigt, 'daß erselbstdaran Schuld trage, wenn der Radikalismus immer weiter um sich greife. Abg. Marckwald (Sozialdemokrat) erklärt: Wir nehmen das Bekenntnis, daß die Deutschnationalen ein schärferes Vorgehen der Polizei gegen ihre eigenen Angehörigen und die Demonstrationen der Bottichen wünschen, hin, und stimmen diesen Anregungen durchaus zu. (Sehr gut links, großer Lärm rechts und Zurufe: Rabbinische Rabulistik!) * Der deutschnationale Abgeordnete S e m m l e r, von einigen Fraktionslollcgen gefolgt, drängt gegen die Sozialdemokraten vor und es kommt zu. einer erregten Kontroverse zwischen ieiden Fraktionen, wobei Abg. Temmler fortwährend ruft: Ihr laßt euch ja von den Juden unterdrücken! Ten» Gesetzentwurf selbst stimmt das .HauS in zweiter und dritter Lesung endgültig zu. Das Kompromiftgeseh Wer die Fürstenabfindung im Rechtsausschuft angenommen. Der RechtSausschutz des Reichstages hat heute. das grämte Gesetz über die Fürstenabfindung mit l 1 gegen Ü Stimmen angenommen. In der Schlußabstimmung enthielten sich die Deutschnationalen und die Sozialdemokraten der Stimmenabgabe. Ministerra! in Paris. Noch keine Entscheidung über das amerikanische «Abkommen. Pari-, 26. Juni. Im heutigen Ministerrat gab Ministerpräsident Briand die Grundzüge der am Dienstag abzugebenden Regierungserklärung bekannt und schiliderte ausführlich die internationale Lage. Hierauf wiederholte Fmarrzminister C a i l l a u x sein gestern im Kabinettsvat beneS Expose Wer die Finanzlage. Landwirtschaftsister B i n e t er-Xäutertc die Probleme der Getreide- und Brotversorgung, mit denen sich der nächste Ministerrat weiter befassen wird. Nach Schluß des Ministerrates erklärte B r i a n d vor Pressevertretern, Sie Frage des Schuldenabkommens mit den Vereinigten Staaten sei zwar erörtert.Woöden, doch habe man noch keine Beschlüsse gefaßt, da die parlamentarische Kommission für die Prüfung des Abkommens zur-eit ihre A Beiden noch nicht beendet habe. bilden. Das ist keine leichte Aufgabe; sie ist um so schwieriger; als wir in Oe st erreich gegenden Staat waren und uns so an einen Negativismus gegen den Staat gewöhnt haben, die sich in gewissem Maße auch heute nach dem Um» stürz kunhgibt. Auf die Frage, was man sich von einer Aenderung der Wahlordnung praktisch versprechen könne, erwiderte Präsident Masaryk: Eine Aenderung der Wahlordnung müßte durch das Parlament durchgeführt werden. Diese Frage ist nicht nur eine politische, sondern auch eine Frage der p a r l a nre ntarischen Technik. Auf jeden Fall muß darüber Klarheit herrschen, daß eine Aenderung der Wahlordnung keine Veränderung in der nationalen, sozialen mtb wirtschaftIichen Gliederung der Bevölkerung bringen würde. Zu den Reden und Anspielungen auf die Diktatur meinte der Präsident: Die Entwicklung unseres Staates und seine verhältnismäßige Konsolidierung zeigen doch verständigen Leuten den Weg, den wir verfolgen müssen: Ausbau der Arbeit, Ordnung im Innern und Vorsicht nach außen. Das Beispiel der Diktaturen in anderen Ländern paßt nicht auf unsere Verhältnisse. Auf die Frage: Wie steht es mit der germanophilen Politik der sogenannten Burg? erwiderte Masaryk: Da sich unsere Nationalität und der Staat nicht decken, da wir eine nationale Minorität haben, ist die Frage der Minoritäten in der Zeit des nationalen Gefühlsüberschwanges sehr wichtig. Das - Problem unserer deutschen Mind e^h eit t ft unser w i chtigstes politisches Problem. Sobald sich die Deutschen der Negation unseres Staates begeben, und zur Ätitarbeit an ihn: sich melden, sobald sie eine Regierungsp a*r t e i werden, dann stellen sich automatisch a l l e Konsequenzen ein wie bei den übrigen RegierungS-- Parteien. Sie Märe der Somordia-MWe io Budapest. Der Präsident und der Direktor verhaftet. Budapest, 26. Ju-ni. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft hat die Polizei heute abends den Präsidenten der Concordia-Mühlen-A.-G., Emil Bacher, und den geschäftsführenden Direktor der Gesellschaft, Oskar Fa b r i, verhaftet. Die Verhaftung erfolgte m strengster Heimlich k e i t. Detektivs erschienen in 'den Wohnrlngen Bachers und Fabris und machten sie zur .Oberstadt-Hauptmannschaft stellig, wo die Präventivhast über Bacher und Fabri verhängt wurde. Ueber die Gründe der Verhaftungen, die in Budapest größtes Aufsehen verursachten, bewahrt die Oberstadthauptmannschaft vorläufig größtes SMfchweigen. Emil Bache r war der führende Mühlenindustrielle 'Ungarns und galt bis der vor einigen Monaten erfolgten Deronte an der Getreidebörse von Ehikago als enorm reick». Der „KInbrecherkSnig" verhaftet, Berlin, 26. Juni, Eiher der gefährlichsten WohnungSeinbrecher der Gegenwart,' der 26jährige „Einbxecherkönig" Josef Beer, konnte heute verhaftet werden, Beer hat zusammen mit, der 22jährigen Tänzerin Erna K l i ch, H u nd e r t e v o n ' W o h n u n g s e i n b r ü ch e n im Berliner Westen ausgeführt. Man fand bei ihnen einen Koffer mit den modernsten Einbrecherwerkzeltgen und drei scharf geladene Brownings. Außerdem wurden bei den Hehlern der Verhafteten ganze Warensendungen gestohlener Sachen, darunter auch eine Kiste mit 2 Millionen Mark in rot gestempelten Tausendmarkscheinen, zahlreiche S ch m n ckstücke, darunter eine Perlenkette im Werte von über 100.000 Mark, he-schlagnahmt. Die teurere Semmel. , Angesichts der vielfach mißverständlichen Auffassung» welcher die Verlautbarung der Gebäcksp-reiserhöhung begegnet, -werden wir seitens des Verbandes der Bäckermeister Wiens ersucht, festzustellen, daß in den 21 Bezirksversammlnngen, welche der Verband am 26. d. abhielt, folgende Beschlüsse gefaßt wurden: 1. Der Gebäckspreis soll ab Montag den 28. d. sieben. Groschen pro Stück betragen; 2. die Erhöhung des Stückgewichles bleibt den einzelnen Erzeugern üborlaflen, das Gewicht des Kleingebäcks sott nicht unter vier Dekagramm herabgehen.

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