Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2637 (27.6.1926)
- Date
- 1926-06-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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M8e 6 Wien, Tönning Wiener §7 *!' * o '!!? 1926 i$at Gänze erspart: ja, die Behauptung ist gestattet, daß die sMgerneinen Terchenzen der Union ihren: Wesen nach die einiAvge Plattform bedeuten, die dem Gosamtjndentum ohne 'Unterschied seiner Parteiungen und Strömungen gemeinsam H. Andererseits steigert sich die Bedeutung, die gerade eine -eigene Völkerbnndl iga für alle Minoritäten hat, in Unserem Falle ins Aarßerordentliche, da diese die Juden de sfacto als aktives Mitglied in die große Gemeinschaft der VMer zurückführt und, solange die Rechtslage des zionisti schen Aufbauwerkes noch äußerst unklar ist, das wichtigste offiziöse Forum der nationalen Bewegung erschließt. Während;der Genfer Gepflogenheit entsprechend die Abgesandten des iJrschuw mit der Mandatskommission keine direkte Fühlung nehmen dürfen, bietet sich im Rahmen der Union bei den Plenornnd Korrmnstionssitzungen mehrnmls im Jahre die Möglichkeit, daß jüdische Vertreter als Gleichberechtigte, und Uwar auch in nichtjüdischen Angelegenheiten, mit sehr maß -gobenden Politikern von 50 Staaten zusammentreten. Keine Angelegenheit der modernen jüdischen Bewegung hat deshalb auch weniger Widerstände vorgefunden als die Wüschen Völkerbnndligen. Ihre Werbeversammkmgen sind Äberfüllt, die jüdische Presie unterstützt sie verständnisvoll, Lie loyale Kooperation mit den Majoritätsligen derselben Länder ist erfreuliche Tatsache geworden, die jüdische Jugend hat ihre politische Reife durch das nahezu beispiellose spontane Eintreten für die Liga in wirkungsvoller Weise dokumentiert, trotzdem könnte der Mitgliederstand der bestehenden jüdischen Ligen ein vielfacher des tatsächlichen sein, ihre Aktivität dadurch wesentlich gehoben werden, die Organisierung weiterer jüdischer Verbände sich in einem weit stärkeren Tempo voll ziehen. Die Ursache ist nicht schwer zu ergründen: Dem national orientierten Juden muß es es als ein Novum erscheinen, politische Arbeit außerhalb der bestehenden Organisationen geleistet zu sehen. Er ist es gewohnt, die Zionistische Organisation, die auch nahezu überall der Träger der Landespolitik ist, als ausschließlich politische Instanz zu betrachten. Die dürch das Statut der Union notwendige spezielle Organisierung eines neuen, anscheinend parallel gerichteten Verbandes ist ihm neu und beispiellos. Trotz aller Propagandaarbeit, trotz der Identität der leitenden Männer der Ligen mit den Führern der zionistischen Bewegung ist er sich noch micht ganz klar darüber, ob es sich nicht am Ende nur um eine politische»Extratour handelt, die genau zu prüfen ist,- bevor man sie unterstützt. - Es fejlt — im vierten Jahre nach der Konstituierung der ersten Mischen Liga! — noch immer eine S t e ll u n g n ahm e der berufene mF a kt o r e ni m- Z i on i s m u s. Wir besitzen leider bis heute noch keine für die breiteste jüdische Öffentlichkeit bestimmte Aeußerung unserer leitenden Männer in der Exekutive, keine Stellungnahme des Kongresses, keine Diskussion in den zionistischen Vereinen, keine Kette ständiger Hinweise auf die Ligen in den Reden unserer Mandatare, kein Eintreten unserer KirlturgemeinÄen für dieses wichtige Werkzeug der Völkerverständigung. Es ist klar, daß durch'diese Unterlassung das Tempo des Anschlusses der jüdischen Bevölkerung gehemmt werden muß. Seit den historischen Refemten Herzls und N ö r d a ü s, seit dem Kopenhagener Manifest der Zionistischen Exekutive betrachtet zumindest der Zionist mit Recht seine Organisation als bi e maßgebende I n st a n z des politischen Lebens und wünscht eine Klärung des Sachverhaltes, wenn er neue Vereine an der Politik stärksten Anteil nehmen, sie Delegierte zu internationalen Kongressen entsenden sieht. Wir jüdischen Völkerbundfreunde müssen den größten Wert daraus legen, unsere Arbeit seitens der jüdischen Massen nicht als eine politische Extratour gewertet zu sehen, eine Arbeit, die sich im innigsten Kontakt mit av?.n maßgebenden zionistischen Faktoren vollzieht, die in be* Ländern mit Mischen Ligen größtenteils durch ihre berufensten Vertreter an ihr teilnehmen, denn wir persönlich wissen sehr genau, daß es sich hier lediglich um einen Regiesehler handelt. Trotzdem muß hier Klarheit geschaffen werden, Nicht nur im Interesse der Beschleunigung der jüdischen Völkerbundarbeit, sondern auch' um im Urteil der nichtjüdischen Oeffentlichkeit nicht die Jrrmsinung aufkommen zu lassen, als wäre den leitenden Faktoren der zionistischen Bewegung eine Verbreiterung der politischen Basis, ein persönlicher Kontakt weiterer jüdischer Politiker mit Staatsmännern und .Parlamentariern anderer Nationen, eine allmähliche Vermehrung der auch weltpolitisch Geschulten unerwünscht, als wäre das demokratische Prinzip nach außen hin für. die Mische Bewegung ausgeschaltet und ihr Verkehr mit der Außenwelt das Privileg weniger. Keiner nationalen Gemeinschaft Lage ist so glänzend, daß sie sich den Luxus gestatten könnte, das wichtige. Instrument der Liga nicht oder doch nicht voll auszunützen, und die Situation des Judentums macht hier alles eher als eine Ausnahme. Und eS gibt keinen besieren Zeitpunkt für die maßgebenden zionistischen Faktoren, diesen notwendigen aus- Kärenden Schritt nachzuholen, als den Augenblick, in welchem zum erstenmal Mische Delegierte zuw Unionkongreß eng- Wschen Boden betreten, als die Tagung von Aberystwith, bei tpeUtac big ß-ygit SßtegjL WurtfifWf Mardan toll. Ler Gang „im Grabe Herzls. Die Zngsordnung. Heute findet um 9 1U;Y vormittags der Gang znm Grabe Theodor Herzls ans dem Döblinger Friedlich statt. Die Leitung der Organisation des Zuges liegt seitens des LandeskomiteeS in den Händen des Herrn Paul F i> l ö c o. dt« Leitung der Sammlnngen fiir den zieren Kaiemelv obliegt dem B ur e a u d e s K e r e n K a i e m e t b. Jede Körperschaft wird ersucht, mindestens fünf bis sechs Ordner für die Zugseintcilnng zur Verfügung zu stellen. Die Herren, die sich für den Ordnerdicnst zur Verfügung stellen, versammeln sich bereits um halb 9 Uhr früh vor der Hochschule für! d e n k u l t u r. wo ihnen die entsprechenden Wer srrngen erteilt werden. Die I n g e n d l t ch e n erscheinen inWandertrach mitKopfbedeckung. DieWeisunaen derOrd net sind unbedingt zu befolgen. Ruhtttn Dis,iplin sin dz n bewahren. Im nachstehenden der genaue Anfstellungöplan: Tie Teilnehmer oci ammcltt sich uw 9 il h r früh wie folgt: Gruppe I: Die Mitglieder des Aktionskomitees, LanbeSlomi tees, Parteirates, Mandatare, der Keren-Hajessod- und Keren-Kaje meth-Kommission. des PakästinaarnteS, die den Zug eröffnen. bei der Hochschule für Bodeniultur, Ecke Peter-Jordan Straße—Hochschulstraße. Gruppe II: Jüdische Studentenschaft, gegenüber dem Haupt eingang der Hochschu'e für Bodenkultur. Gruppe III: ChaluZm, Jngendgruppen, Mittelschüler, Tnrn und Sportverband. Karl-Lndwig-Plntz bis Felix-Mottl-Straße Gruppe IV: .Bezirkssektionen I, II. Prater, III, XI, Jehüöa Hasewt, Peter-Zordan-Slrcrße. Gruppe V: BezirlSsektionen 1V/V, X. VI/VIII, Feistmanlel straße, Ecke Hochichnl'iraße. Gruppe VI: Bezirkssektionen IX. Xtl/XV, Felix-Mottl Straße Gruppe Vll: Bezirkssektionen XVI/XVII; XVlti; XIX. Eot wgegasse. Ecks Hasenmierstratze. Gruppe VtN: Bezirls'eklionen XX, ZwUcl enbi ückett. XXl BlaaSstr-iße 1, Ecke Hasenauerstr^ße 82 bis Feltx-Mottl-Snaße Gruppe IX: Frauenor an sation, Hochschule für Bodeniultur Ecke Feistmäntelsnaße - Hochschnlstrasie. Grupve.X: H tachduth. Launerst-aße. Ecke BlaaSstraße. Gruppe XI-. M i s r a ch i. Lannerärahe, Ecke BlaaSsirotze Die Hevzl-GedLnkfLier der zionistischen Mttndntare. Die Wiener zionistischen Mandatare veranstalten heute, Präzise 8 Uhr abends, in den O l y m p i a s ä l e n eine Herzl Gedenkfeier. Die Gedenkrede hält Herr Oberrabbiner Prof. Doktor Z. P.-Chajes. Es wirken an der anschließenden Akademie mit:. Oberkantor Müller (Gesang mit Ehor), Oberregisseur Hans Rhodenbcrg (Rezitation), Professor I. W o l f s o h n (Klavier), Konzertmeister Z in, bl er (Geige). Regiebeitrag.!.k.0V0 Tf^PESTINO / TRIEST Sdward Filene In Men. Wivtschnftspolitische Konferenzen. Seit einigen Tagen sind in Wien wirtschaftspolitische Besprechungen im Gang, die mit den Vorarbeiten für die von L o u chenr vorgeschlagene europäische Konferenz in Verbindung stehen. Zur Leitung dieser Expertise ist am. letzten Donnerstag der bekannte amerikanische Wirtschaftspolitiker Edward A. F i l e n e eingetroffen. und .hat sich mit dem Bankenverband, der Handelskammer, der Arbeiterkammer, dem Hauptverband der Industriellen. und der. österreichischen Kaufmannschaft in Verbindung gesetzt. Mr. Filene, der Autor eines in Amerika sehr viel beachteten Werkes „Der Ausweg" („The way out") vertritt die Ansicht, daß die Sanierung der Volkswirtschaft durch Steigerung des Realwertes der Löhne der breiten Ma s s e n angestrebt werden muß. Er empfiehlt ferner die Vereinheitlichung der Produktion sowie die Organisierung des Mastenabsatzes. Er ist einer der Begründer des Trade Barrier C o m m i t t e e s, das von der Tagung der Handelskammern in: Vorjahre in Brüssel gebildet nnd mit dem Studium der europäischen Handelsverhältnisse betraut wurde. Die Beschlüsse dieser Kommission werden für die Weltwirtschaftskonferenz sehr wichtig sein und Herr Filene will nun in direktem Gedankenaustausch mit den österreichischen Faktoren die Wünsche uitb Vorschläge Oesterreichs feststellen. Er wirkt auch in seinen Expertisen für das i n t e rnationale Institut für wissenschaftliche B e t r i e b.s f ü h r u n g in Genf, an welchem die Führer des industriellen und.kommerziellen Lebens in Amerika und Europa auf den: Wege von Borträgen und Diskussionen einander nähertreten sollen. Die Kosten dieser Institution, welche ursprünglich auf einen Vorschlag Walter Rathenaus zurückgeht, trägt die von Filene und einigen seiner Freunde begründete „Twentieth Century Fnnd"-Stiftnng in New-Aorl. . Die Wiener Handelskammer veranstalet Montag abends einen festlichen Empfang zu Ehren des Herrn Filene, der auf diese Weise auch mit den führenden politischen Kreisen in Verbindung gebracht wird. ■ •: ' WWWWWWWWW>>>W>AW ir ekte Triest Jaffa r-:fe MM ■€ ' 110VD TjRIf SI JNO l Rituelle Verpflegung Reduzierte Preise Expresslinie nach Aegypten, Konstantinopel, Indien PosUinien nach den Schwarzen-Meer-Häfen, Syrien und dem fernen Osten ■ <2«narat-Agentur: tVfan, Kärntnarrlng 6 J Pas amerikanüche Paßvlsum. Materiell« Haft««« des Koufnlö für verweigerten Sichtvermerk. Aus New-Aork wird uns berichtet: In letzter Zeit ndchreu sich di« Fälle, daß amerikawfchL Konsuln gegen Amerikareiiseuide ganz willkürlich nrit der Verweigerung des Visums Vorgehen. In der Regel geschieht dies mit Berufung auf das Washingtoner Außruam:. Besonders kraß soll «der amerrk-an 1 is ch e Konsul in Budapest in dieser Bezichung gehandelt haben, der mehreren Personen, die zu verschiedenen Weltkongressen reisen wollten, die Reise durch die Verweigerung-des Visums unmöglich machte. Die anterikanijche Preise beschäftig: sich lclbhast mir dieser Anigülegenheil. In den „Rsw?)ork Times" behandelte nun ^der Experte für Ein>wandrrnngSlvesen, H. Ery Goldsmith, die Frage vom Rechtsstandpnnkt und kommt zu einem Schlnsse, der von außerordentlicher orinzioieller Bedeutung ist. Mr. Gv.d»' smith Iveist nämlich nach, -aß rin Konsul der Bereinigten Staaten im Atrslande selbst auf Weisung des amerikanilschen A-ußenmittisteriums nicht berechtigt sei, das Brsnchsvisnm zu verweigern, wenn die gesetzlichen BoranssvtzlMgen für dre Pisnmscrteilung gegeben sind. Der Konsul kann nach den Gesetzmr vor den aimerikanischel- Gerichten für den durch die Verweigerung eritstandenen Schaden persönlich Hai: 'b a r gemach d., werden. Mchrere solcher Schaden er satzklageu sind bei den Gerichten der Veremigten Staaten gegenwärtig im Zuge. Nach der auf* sthenerreigenden Ansich: GoldsmNhs Hai j-sdernmnn dos Rech:, dm Bcden der Verein-igten Staaten z'l betreten. Der anwrikanische. Konst.l habe bloß auf zlvei Dinge zu achten, sich entweder persönlich davon ä" überzeugen, ob der Erklärunig L*s Reisenden, nach Ablauf des Visums?lmcrika verlasset, zu wallen, Vertrauen ge-, schenkt werden könne, cder daraus zu besteigen, daß der Redende' ine Kaution bis zur Höhe von 500 Dollar erlege. Jedzv,. dem der Konsul das SSi.fUrtit vevtoeigert, kann ihn wegen stagranter Pslichwcrletzt.ng auf Schadenersatz klagen. Der amerikan-ische Konsul kann sich nicht einer Weisung des Außenministers fügen, die das amerikanische Gesetz verletzt; ebensowenig wie ein Polizist berechtigt sein kann, jenrainden niederzusch-ießen, well sein Venogesttzter. ihm eine solche Gesetzesvevletzung anbefiehlt. Wenn demnach e:n Konsul einer solchen gesetzwidrigen Weisung Folge leistet, kann., er es nur unter persönlicher Verantwortung- und auf eigens Gefahr tun. Man ist hier gespanntem welcher. Weise- Washington auf dieses Gutachten des Experten reagieren wird. - I Werber Mnuemenliirdie ( 1 „Wiener Mornemeitung VI Mlttelmeer und Lotes Meer. Das Pwjekt des Ingenieurs Gaudillon. . Ein französischer Ingenieur immens Pierre Gaw d.l l o n tritt mit dem Plane der Verbindrlng zwischen dem Mittelnwer und dem Toten Meer aus. Solche Projekte sistdr chvn Viole in der Fachpresse erörtert worden und auch jü« dische Ingenieure haben sich viel damit beschästigt, dem driveuunterschied zwischen den beiden Meeren für die tech-> Nische Ausschließung auszunützen xtub im Jahre 1916 hat dev Ingenieur Dr. Elioscr Rieger in Tel-A-wiw dem jüdischen- Nationalfonds eine Geldspende zum Sludinm der Frage überwiesen. Der genleinsame Grundzug aller dieser Projekte ist die Hebung des Wassers ans dem Mittelmeer bis zur Paß-! höhe und die Einrichtung von zwei Gefällsstusen nördlich vom Toten Meer. Nun würde aber für die zugeführten Wasser»? mengen kein Abfluß sein und Ingenieur Gaudillon' chlägt nun vor, den Jordan vor der Mündung abzustanen' und die Stanwässer zur Bewässerung des Jordantales bis zrlm See Genezareth zu verwenden. Ein Techniker, den wir befragt haben, erklärt uns: DaS t zweifellos ein sehr großzügiger Plan, der großzügige Mittel erfordert. Einen: phantasievollen Ingenieur ist nichts zuteuer. Mkan müßte genau so viel Wasser hereinlassen, als der^ Jordan führt. Wäre es da nicht praktischer und sogar bil-»' liger, das Jordanwasser als Kraftquelle zu benützen? Gestorben am Numerus rla«snr.j Ans Budapest wird uns gemeldet: Der 19jährvg^ Abiturient Paul Ranschbnrg, der im Vorjahre mit Auszeichnung maturiert hatte, wollte sich an der medizinischen Fakultät der Bndapester Universität inskribieren lasten. Sein Anfnahnlsgesnch wurde jedoch unter Berufung auf den Numevuifclausus abgewiesen. Der junge Mann, der für das rnedizinische Studium besondere Neigung hatte, nahm sich dies ss zu -Herzen, daß er sich in der Nähe von Budapest vor enmt dahechrausenden Schnellzug warf. Gr blieb ayf der Stelle