Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2635 (25.6.1926)
- Date
- 1926-06-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. S6AS Wien, Freitag LagesberW. Scr Sang rnm «rabe Herzl,. Die Zugsordnung. Am S o n n t a g den 27. d. findet um 9 Uhr vormittags der GasgzumGrabe Theodor HerzlS auf dem Döblinger Friedhof sta't. Im nachstehenden gibt das Zionistische LandeSkomitee die näheren Instruktionen für den Grabgang r Die Leitung der Organisation des Zuges liegt sei enS des Landeskomitees in den Händen des Herrn Paul F ö l d e S, die Leitung der Sammlungen für den Keren Kajemeth obliegt dem B ureaudeSKerenKajemeth. O r d n e r r Jede Körperschaft wird ersucht, mindestens fünf bis sechs O r d n e r für die Zugseinteilung zur Verfügung zu stellen. Die Herren, die sich für den Orimerdienst zur Verfügung stellen, versammeln fich bereits am Sonntag um V,6Uhr früh vor derHochschnle fÜrBodenkultur, wo ihnen die entsprechenden Weisungen erteilt werden. Tafeln.: Wie in den vergangenen Jahren sollen die einzelnen Körperschaften wieder durch große Tafeln gekennzeichnet werden. Die Tafeln sind von den Organisationen entweder im Zionistischen Bureau, 1. Bez.. Rärntnerstraße 28, abzuholen oder werden am Sonntag früh beim Treffpunkt an die Bevollmächtigten der einzelnen Körverschaflen ausgehändigt Die Jugendlichen erscheinen in Wandertracht mitKopfbedeckung. DieWeisungen derOrdner sind unbedingt zu befolgen, Ru heund DiSziplinsindzubewahren. Im nachstehenden der genaue Aufstellung 8« plan: Die Teilnehmer versammeln sich u m 9 U h r früh wie folgt r Gruppe I: Die Mitglieder des Aktionskomitees, LanbeskomiteeS, Parteirates, Mandatare, der Keren-Hasessod- und Keren-Kaiemeth-Kommission, des Palästinaamtes, die den Zug eröffnen, bei der Hochschule für Bodenkultur, Ecke Peter-Jordan- Straße—Hochschulstraße. Gruppe llr Jüdische Studentenschaft, gegenüber dem Haupteingang der Hochschu'e für Bodenkultur. Gruppe III: Chaluzim, Jugendgruppen, Mittelschüler, Turn- und Sportverband, Karl-Ludwig-Platz bis Feiix-Mottl-Straße. Gruppe IV: Bezirkssektionen I, II, Prater, III, XI, Jehuoa Halewi, Peter-Jordan-Straße. Gruppe Vr Bezirkssektionen IV/V, X, VI/V1II, Feistmanielstraße, Ecke Hochschulst raße. Gruppe VI: Bezirkssektionen IX, Xil/XV, Felix-Mottl- Straße. Gruppe Vtl: Bezirkssektionen XVI/XVIl, XVIII, XIX, Eotregegasse. Ecke Hasenauerstraße. Gruppe VlJI: Bezirkssektionen XX, Zwischenbmcken. XXI. Blaasstraße 1, Ecke Hasenauerstraße 32 bis Feiix-Mottl-Suaße Gruppe IX: Franenor an sation, Hochschule für Bodenkultur, Ecke Feistmantelstiaße - Hochschulstraße. Gruppe X : H tachduth, Lannerstiaße, Ecke Blaasstraße. Gruppe XI: M i s r a ch i, Lannersiraße, Ecke Blaasstraße. Die einzelnen Organisationen werden aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, daß sich ihre Mitglieder sehr zahlreich an dem Gange zum Grabe Theodor Herzls beteiligen An Besuch bei den Tnvolttaner Süden. Nach langem Marten und mehrfacher Kontrolle unserer Dokumente wurden wir endlich ans Land gelassen. Zufrieden, festen Boden unter den Füßen;u haben, beachten wir nur wenig den uns folgenden Polizeiagenten. Mir sind nämlich die einzigen Ausländer, die mit dem Schiff angekommen find, und da Mrrsfoliui am selben Tag ebenfalls hier eintreffen sollte, werden wir strerrg beobachtet. Wir verlassen sofort den festlich geschmückten Hafen, den man honte wegen der dort stationierten Kriegsschiffe nicht besichtigen kann, und begebe« uns direkt in die alte Stadt. Der erste Eindruck ist sehr stark. Enge Gäßchcn, meistens, ungepflastert, mit niedrigen orientalischen Häuschen, voll buntgekleideter Männer und Frauen, Gruppen lebhaft gestikulierender Araber und Juden, die hier ihre Geschäfte abschließen, und das Rufen der Krämer, die, einander überschreiend, ihre Waren anbieten, verwirrt uns im ersten Augenblick ganz. Wir schleudern langsam in den schmalen Gäßchen umher, vor jcdent Gassenladen stehen bleibend, jeden Straßengänger angaffend. Alles ist für uns neu. Wir scheinen die Einheimischen ebenfalls za interessieren, da sie alle stehen bleiben und uns nachschauen — wir sind die einzigen Ausländer in -ex Stadt und dazu bloßköpfig, in Lederjacken und mit Rucksäcken ausgestattet — alles Dinge, die man hier nur selten zu sehen bekommt. * Nach einigen Tagen beginnen wir allmählich verschiedene Typen zu erkennen, die sich oft nur in kleinen Trachtunterschieden nach außenhin kundgoben. Und so konnten wir bald einen Juden von einem Araber unterscheiden. An einem Freitag nachmittags begaben wir uns in die .Harra Hebira (Großes Ghetto). Die Gassen sind ganz leer, alle Geschäfte gesperrt, nur kleine Kinder, rein gotvaschen (eine zieullich seltene Erscheinung im Orient) und in Samstagkleidung, spielten auf der Straße. Wir werden uns an einen alten Juden mit der Bitte, er möge uns den Weg zum Tempel zeigen. Erstaunt schaut er uns an und erkundigt sich in einem gebrochenen Italienisch, was wir dort suchten. Als er erfuhr, daß wir Juden sind, war er außer sich vor Freude. „Gott hat mir Orchim zugeschickt", sagte er, uns warm die Hand drückend. Und noch größer war unsere Freude, Wiener Morsenzeiturrg_ gtinnetunflen an Böslau. Bon I. Gaugoltz Nun haben sie, dem Zuge der Zeit folgend, dieses große, prächtige Vöslauer Bad noch größer und prächtiger gemacht und mit viel Feierlichkeit eröffnet. Wie glücklich wäre unser heißgeliebter, ein ganz klein wenig gefürchteter Vöslauer Schwimmlehrer, Herr v. Szabo, gewesen, hätte er diese Galatage noch erlebt. Ein eigentümlicher Mythos umgab diesen wunderbaren Mann. Einiges ans seinem Leben war bekannt, manches wnrde hinzngedichtet, ehemaliger Offizier und so fort. Daß er wahrhaftige kleine Erherzoginnen mit der Schwimmkunst bekannt gemacht, erhob ihn damals auf ein gewisses Piedestal. Vielleicht war seine Lehrmethode nicht besser als die anderer Lehrer, an Monotonie konnte es seine „Eins, Zwei" sicherlich mit allen anderen „Eins, Zwei" aufnehmen, aber dazwischen gab es unvergleichliche, anfmunternde Witzworte. Nein, die Schwimmstunde schwänzte niemand. Ein sonderbarer Reiz ging von diesem streng-gütigen Menschen aus, der schon die Herzen der im Gurte zappelnden Schwimmanalphabeten gefangen nahm und die Schüler zu außerordentlichen Leistungen anspornte. ■ Es gehörte damals zum guten Ton, bei Herrn v. Szabo schwimmen gelernt zu haben, und wer durch diese Schule gegangen war, galt ein Schwimmer von besonderer Klasse mit der Befugnis, dereinst Rekorde zu brechen. Nahezu Vierzig Jahre sind seither verstrichen. Ein Bad im Vöslauer Teich galt damals besonders den Kindern unter den Wasserfreunden als das Fest aller Feste. Zu jener Zeit gab es in Wien bis auf das kleine Holzer-Strombad an der Reichsbrücke keine nennenswerte Gelegenheit, im Freien zu baden und was die Hallenbäder betrifft, so waren sie durchaus nicht auf der Höhe und nach jedermanns Geschmack. Kam, man also zum ersten Male an den Vöslauer Teich, den man fast schon einen See nennen konnte, blickte man in das quellklare Wasser, hatte man erfahren, daß es sich hier besser schwimmen ließ als anderswo, wagte man sich endlich unter die mächtigen Douchen, so war man diesem Bade für ewige Zeiten verfallen und blieb sein treuester Anhänger. Das Wort „Familienbad". auszusprechen, hatte danrals noch niemand den Mut. Es gab, wie es sich gehörte, Herren- und Damenstunden. (Nur die ganz kleinen Herrchen durften ungestraft ins Damenbad.) Wie sahen nun die Damen im Bade aus? Den „verfluchten Kerlen" unter den Männern, die diese Neugier Plagte, kam der Berg hinter dem Bade sehr zustatten, der einen erwünschten Einblick in das Mysterium des Frauenbades erlaubte. Da standen sie nun auf den Zehenspitzen, diese Schwerenöter, sahen durch das Laub der Bäume hindurch in das Frauenbad, kamen sich weiß Gott wie verrucht vor und waren selig, der Moral ein Schnippchen zu schlagen. Ohne die, Nymphen von damals verletzen zu wollen, muß indes gesagt werden, daß es ein dürftiger Genuß war, sie in ihren unförmigen Badekleidern zu sehen, die die Züchtigkeit allzusehr auf Koste» des Geschmacks betonten. Vorbei! Glück und Sonne über dich, Böslauer Bad, köstliche Erinnerung, süßer Traum, Paradies der , Jugend! Wie die Kkimlolonisation bezahlt wird. In unserem gestern nach dem New-Aorker „Jüdischen Volk" veröffentlichten Artikel über die B a k s ch i s ch - K o I onisationdes Agrojo int in Rußland ist durch einen Druckfehler eine Titelüberschrift sinnwidrig entstellt worden. Es soll richtig heißen: „Ter Joint subventioniert 75.000 r u s s i s ch e (nicht: jüdische) Bauern." als es sich herausstellte, daß der Alte zwar schlecht italienisch, dafür aber sehr gut hebräisch spricht. Wir mußten ihn nun nach .Hause begleiten, damit er sich für Sabbat festlich kleide, dann führte er uns in die alte Schul, ein Beth-.Hamidrasch, das angeblich einige Jahrhunderte alt ist. Bald wußten alle Anwesenden, daß die' „Stranieri" (Fremde) Juden sind und begrüßten nns sehr herzlich. Lange Zeit nach dem Beten blieben wir dann mit dem Rabbi und mehreren älteren Bürgern beisammen, bis die ersten Fragen über die Lage der Juden in Europa und unsere Fragen über die dortigen Verhältnisse beantwortet waren. Nachher mußten wir unseren 'Alten nach Hanse begleiten, unr Kiddusch zu machen. In einem niedrigen, von den Feiertagskerzen hell erleuchtetem Zimmer trafen wir die ganze 36 Köpfe zählende Familie (der Alte wohnt mit seinen sechs verheirateten Kindern und zwei verheirateten Enkeln samt Nachkommen in einem Hause), welche schon ungeduldig den Großvater erwartete, um von ihm den üblichen Segen zu bekommen. Die Frauen am Boden ans Matten, die Männer um den Tisch sitzend, hörten wir nun de:: unendlich langen spaniolischen Kiddnsch, der teilweise im Chor gesprochen lvnrde. Nachdem der Alte die Anwesenden nochmals gesegnet hatte, begann das Erzählen von neuen:, wobei der Alte von Zeit zu Zeit den nicht hebräisch verstehenden FamilienmitgUcdern das Gesagte ins Arabische übersetzte. Es war schon sehr spät, als wir das gastliche Haus verließen, nicht ohne vorher versprechen zu müssen, den nächsten Tag wiederznkommen. * . In den 'nächsten Tagen besuchten wir die Zionistische Organisativn. Die Tripolitaner Inden, welche kann: erst das Ghetto verlassen haben (1909, beziehungsweise 1911), scharen sich eifrig um die von den italienischen Zionistenführern verbreitete Idee. Während einer Versammlung rühmte sich ein alter Jude: „Mein Sohn ist Chaluz!^, aber den Stolz und die Freude, mit welchen diese Morte gesprochen wurden,' wird man wohl kann: schildern können. In Tripolis (Stadt) leben an die 20.000 Inden. Durchtvogs kleine Kaufleute, .Handwerker (Silberarbeiter) und viele gewöhnliche Taglöhner, die nur schwer das tägliche Brot für sich uüd ihre gewöhnlich sehr zahlreichen Familien verdienen. Di« .Umgangssprache ist arabisch, welche sie jedoch mit hebräischen 25. Inn: 1926 Gelte h Ser magaktlsche Nordpol. Don Amundsen n«u bestimmt. Amundsen hat nicht nur kürzlich den geographischen Nordpol überflogen, sondern, was wissenschaftlich viel bedeutsamer ist früher schon eine neue Bestimmung des magnetischen Nord» Pols geleistet, über die in den „Geo-Physikalischen Beröfffentlichungen" der geo-physikalischen Kommission zu Oslo eingehend berichtet wird. Die magnetischen Pole der Erde sind bekanntlich darunr von großer Bedeutung, weil die Kompasse ihr« Richtung nicht nach dem geographischen, sondern nach dem magnetischen Nordpol haben. Die magnetischen Pole sind diejenigen Punkte der Erde, bei denen die horizontale Kraft gl e i ch Null ist, oder wo die magnetische Nadel senkrecht steht. A m u n d s e n hatte sich angelegen sein lassen, den magnetischer Nordpol — das heißt also den Pol, der den Südpol der magnetischen Nadel anzieht, genauer festzulegen, als er bisher durch Roß vor 100 Jahren bestimnit worden war. Nun ist es an sich schwierig, von einer Festlegung des magnetischen Pols zu sprechen, da der Pol wandert. Die täglichk Wanderung des Pols besteht, wie Prof. Dr. Nippold im „Weltall" ausführt, aus einer Ellipse mit etwa 23 Kilometer vom westlichen zum östlichen Punkt und 13,6 Kilometer zwischen Nord unt Süd. Die jährliche Bewegung umfaßt ein nur schmales Gebiet das in der Hauptsache südwest-nordöstliche Richtung hat, und zwar beträgt diese Schwankung ungefähr einen halben Kilometer Amundsen beobachtete nun diesen magnetischen Nordpol am Südostrand vom König Wilhelmsland während 23 Monaten. Er benützte dazu Magnetometer der Potsdamer Bauart, die er selbst ein Jahr vor Beginn seiner Reise am Potsdamer Observatorinni untersucht hatte. Mit diesem ausgezeichneten Untersuchnngsmaterial stellte er fest, daß der magnetische Nordpol der Erde im Innern der Halbinsel Boothia-Felix gelegen ist, und zwar unter 70 Grad 30 Min. Breite und 96 Grad 30 Min. westlicher Länge. Nach diesen Feststellungen ist der Pol in der Zeit von 1830, wo er von Roß festgestellt wurde, bis 1904, wo ihn Amundsen feststellte, um rund 60 Kilometer nach Nordost gewandert oder durchschnittlich int Jahre um 0,7 Kilometer. Für die Schiffahrt und für die Luftschiffahrt ist diese Feststellung Amundsens jedenfalls von viel größerer Bedeutung, als die Ueberfliegung des geographischen Nordpols. Englische gnselkönige. Hin und wieder hört man von dem Tode eines britisches Lords, der auf einer Insel wie ei« König und mit den Rechten eines Herrschers hauste, und solche Nachrichten erinnern daran, daß König Georg der Fünfte von England viele Untertanen hat, die auf den rings um Großbritannien liegenden Inseln noch mit unumschränkter Machtvollkommenheit regieren. Wer eine solche käuflich erwirbt, der wird dadurch zum Potentaten, der über das abgeschlossene, ihm gehörige Gebiet nach Belieben verfügen kann. Manche „Jnfelkönige" beherrschen ihr Land von ronrantischen Burgen aus, andere wieder wohnen in schlichten Häusern oder gar in primitiven Hütten. So beherrscht T. A. Dorrien-Smith die Scillyinsel von der malerisch gelegenen Tresco-Ahtei aus, die von einem Palmenhain llmgeben ist. Weiter nördlich hat sich ein früherer Geschäftsmann, Coles Har man, auf der Insel L u n d y festgesetzt, die man „das Königreich des Himmels" nennt. An der Küste von Wales liegen auch die beiden berühmten Vogelinseln S k o m e r und G r a ß h o l m, die. bis vor kurzem Lord K e n s i n g t o n von seiner unzugänglichen Festung, der St. Donäts-Burg, beherrschte. Der stolzeste aller dieser Jnselkönige der westlichen Küste ist Lord St. L e v a n, der einen wahrhaft königlichen Palast hoch oben auf der Felsspitze des St. Michaelberges bewohnt. Die meiste Romantik aber umgibt die Mil- Lettern schreiben. Ihr Kulturniveau ist recht niedrig. Im Alter von zwei bis drei Jahren beginnen die Kinder das Cheder zu besuchen, in welchem nach veralteter Methode Bibel und ein wenig Tenach unterrichtet wird. , Mit zwölf bis vierzehn Jahren (in den ärmeren Schichten sogar noch früher) beginnt das Kind ein .Handwerk zu lernen oder ans eine andere Art für seiner: Unterhalt allein zu sorgen. Nach dem Kriege wurde zwar von der italienischen Regierung der Schulzwang wieder eingeführt', der jedoch nicht streng gehandhabt wird und dessen Früchte sich derweil darin äußern, daß die Kinder italienisch sprechen, beziehungsweise verstehen und die „Giovinezza" (-das Faszistcnlicd) singen können. Bon den Vorgängen in Europa fyafoit die dortigen Juden fast gar keine Ahnung. Die «leisten wissen sogar nicht, ob außer Italien, England, Frankreich und Deutschland noch ein anderer Staat in' Europa existiert. Die dort erscheinende Zeitung weiß nämlich bloß von Italien zu berichten und die am europäischen Kontinent erscheinenden Zeitungen kommen bloß jede zweite Woche hieher, ohne auch dann viel gelesen zu werden. Das geistige Niveau der Frau ist noch tiefer und unterscheidet sich wohl gar nicht von dem der arabischen Frau« Sie ist ein Haustier, das oft den ganzen Tag schwer arbeitet und — immer in „andere« Umständen" ist. Eine Frau, die nicht schwanger ist, gehört zur Seltenheit. Die jüdischen Mädchen genießen gar keine Erziehung. Nur sehr wenige besuchen die Volksschule. Vom fortwährenden Sitzen in verschlossenen Räumen ohne '’uft und Licht sind sie alle blaß und schmächtig, haben aber anmutige Züge und sehr schöne Augen. Wir besuchten noch viele andere jüdische Genieinden in Lybien, unter anderen auch eine größere Gemeinde (800 Köpfe) in einer Oase bei Schuk-el-Dznmaa, welche uns mit Stolz ihre aus den: sechzehnten Jahrhundert stam:nende Schall zeigte. Im allgemeinen sind die Juden auf dem Lande physisch gesünder und entwickelter. Vorwiegend beim Wegebau und tu der Landwirtschaft beschäftigt, unterscheiden sie sich von den Arabern höchstens durch ihre Samstagruhe, während die Araber für gewöhnlich alle sieben Tage arbeiten. Von Kultur kann hier überhaupt keine Rode sein. Mit sehr kleinen Ansnahnven sind sie hier alle Analphabeten. Bar is, im Juni 1926. Dr. M. Rose« bau m.