Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2635 (25.6.1926)
- Date
- 1926-06-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Stellt 2 M«n, Freitag Mener Morsenzerrrms so. jyvrtn zum Außenpolitische Rundschau. Polen. Fvankeelch. — Die kleine Entente. Lee polnische Sejm bat seine Nach Revolutions- Session am Dienstag begannen und sie sofort wieder für Bor dem Prozeß gegen Tchwarzbarth. Dettuschuagsversuche der ukrainischen Natloualiften. Paris, 21. Juni. Die hier lebenden Führer der ukrainieinige Tage unterbrechen rnnssen. Die skürintschen Etsigschen Nationalisten bemühen sich, in der sozialistischen irisse des Mai wirkten sich im Landtag in parlamentarischer et«« Petlsnra stenndttche Stimmung für de« de- ^orm aus, in dem ^Tiücffvitt vorstehenden Schwarzbarth-Prszrtz zu erzeugen. In einer Ent chluß, der m diesem kritlichen Attgertbltck dein Landtag ® einen kundigen nnd wohlmeinenden Führer nahm, ist eine ^ihe von Aussätzen wird Petljuras Teilnahme a« den Demonstration gegen die von außen her aufgezwnngenen Pogromen strikte abgeleugnet. Ein Teil der sozialistischen Verhältnisse. Der Präsident beklagt in einem an den Presse zeigt bereits das Bestreben, sich gegen Schwarzbarth, Ministerpräsidenten gerichteten Schreiben die mn Sejm ge-j^r ihr als Bolschewik hingestellt wurde, zu wenden. übte Kritik. Das ist wohl nur vorgeschützt nnd würde zur Motivierung des Rücktrittes kaum ausrcichen. Erst in dem Demissionsbrief an den Sejm gibt der Präsident die persönlichen Gründe, die gegen ihn selbst gerichteten Angriffe eines ^Teiles der Presse, die er als der Marschall des ge samten Sejm doppelt schwer empfinden muhte, bekannt. Sin inristischer Delegierter der Warschauer Ukrainer. Warschau, 24. Juni. Die hiesige ukrainische Kolonie beabsichtigt, in . den nächsten Tagen einen Rechtsanwalt nach Es ist offenkundig, daß die Volksvertretung ihre Paris zu entsenden, der sich der Anklage gegen Schwarzbarth Kraft erschöpft hat. Sie ist von dem Angriff Pilsudskis 'asa.a . . szia. .1. s^L...u!s.'«LtL^i<=s.'it«ss überrannt worden und das wohl nur darum, weil sie durch Kvmmentaren den nachdrücklichen Hinweis auf die Be- Parteigeist und Unfähigkeit das Vertrauen der Bevölkeschlüsse von Veldes entgegengesetzt, die die Fortexistenz rung eingebüßt hatte. Darin scheint sich nichts geändert zu dieses Bundes aussprechett. Sicherlich stand die Konferenz haben und so kann der Sejm auch nicht den Karnpf gegen unter dem Drucke der Prager Regierungskrise und die Dedie in den Regierungsvorlagen ihm zugemutete Selbstent- Mission Benesch', des klugen und umsichtigen Schöpfers hauptung cmfnehmen. Das Rahmengesetz, das wir bereits dieses Bündnisses der Kleinstaaten, war in aktuelle Dismitgeteilt haben, schreibt eine Frist von fünf Monaten für kufston getreten. Er hat'diese Vereinigung zustandegebracht die Budgetberatung vor und führt das alte österreichische in der richtigen Verwertung der historischen Erfahrungen. Notverordmrngsrecht wieder ein. Das ist die Anwendung Die Balkanstaaten lagen inrmer bis zum Krieg im des seinerzeit in Wien so stark abgebrauchten Begriffes der Schlepptau irgend einer Großmacht. Sie führten kein selb- Staatsnotwendigkeiten, der den Volksnotwendigkelten entständiges politisches Dasein. Auch nach dem Krieg wurden gegensteht. Die Witos-Partei hat einen Gegenentwurf aussie inrmer wieder in das Getriebe der neu entstandenen gearbeitet, in welchem sie an der Regierungsvorlage ge- Allianzen hineingerissen. Befreiung und Vergrößerung ringfügige Aenderungen vorn-immt, selbst aber darüber verdankten sie den Großnmchten und d^se präsentierten jede hinaus die von der Regierung geschonte Wahlordnung anfür sich immer wieder den Wechse^uf die Dankbarkeit, greift. Sie will vom Proporz zum allgemeinen Wahlrecht Benesch will diese Bitterkeit auf ein erträgliches Maß einzurückkehren urch das aktive und passive Mindestalter hinschränken. Diesmal ging es in Veldes um die Bestrebungen cmfsetzen. Es ist klar, daß dies nicht aus Liebe zur Demo- Italiens, seine Hegemonie von der Adria bis zum kratie vorgeschlagen wird, sondern gegen die Sozialisten! Schwarzen Meer zu befestigen. Die Verträge mit Jugö- und die nationalen'Minderheiten zielt, deren Vertretung j slawien und mit Rumänien sind abgeschlossen; trotzdem eingeschränkt werden würde. bleiben auf dem Balkan in den Gegensätzen bezüglich Bul- Es kft möglich, sogar wahrscheinlich, daß sich alle gariens, Mazedoniens und Salonikis. Kvnfliktssiunkte Opposrtionskraft gegen diese Vorlage wenden wird, daß genug, an die die Diplomatie des expansiven Faszrsmus also die Kämpfe von der Regierung abgelenkt werden. Das anknüpfen kann. Die Minister der drei Staaten haben nun Kabinett Wird dies gerne sehen, für alle Fälle aber darauf beschlossen, ihren Bund aufrecht zu erhalten und auch die bestehen, daß der Sejm Mine Juli in die Wüste geht. Er wirtschaftliche Außenpolitik einvernehmlich zu regulieren, wird kaum mehr zvrückkehren. Ob er sein Ende selbst aus- Das ist unter den gegebenen Umständen sehr viel, weil es spricht, wie dies die Linke fordert, oder ob ihm eine Verwieder einige Brandstifter matt setzt. Der stärkste Antrieb otdnmkg des Präsidenten das Licht ausbläst, ist vorderhand für den Bestand der kleinen Entente ist aber das Ungarn noch nicht entschieden. Die Beantwortung der Frage hängt der Horthystischen Richtung. So lange dieses System der davon ab, ob die Regierung und die Parteien den Appell Provokation, der Reaktion und der Geldfälschnng besieht, cm die .Wählerschaft wagen werden. so lange kann die kleine Entente sich nicht auflösen, so sehr * I dies auch von den Erwachenden und bert' Alldeutschen ge- Auch Frankreich hat eine neue Regierung erhalten. tvünW wird.- > Das zehnte Briandsche Kabinett mit Joseph Caillaux als ' --- kakllaux' Svarmaßnahmen. schrffes war schon bedenklich auf rechts gestellt. Herr Pom- Girr Nrtwdschreilberr an die Minister, care Machte alle^ Anstrengungen, sich als den Mann mit j Paris, 24. Juni. Die neuen Minister haben heule ihre anschlietz«« soll. Wie verlautet, soll dieser Advokat ei«'bekannter Aarist «ad getaufter Jude sein. Die Hetzkampagne der Ukrainer in Ostgattzien and Wolhynien dauert weiter an. ffe Srmordung SsMor. Verhaftungen. Ans Rowno wird uns berichtet: Die Ermordung des gewesenen 'Atamans der Petlsura-Armee, Wladimir Oskilko, hat in den jüdischen Kreisen Wolhyniens, besonders in Rowuo, Beunruhigung heworgerüse». Im Zusammenhang mit der Mordtat wurden zahlreiche Verhaftungen vorqeiiommen, darunter auch mehrerer Juden. Obgleich bei den Inhaftierten keine Gewehre cder sonstige Waffen vorgesunden wurden und auch die Hansdurch'suchnngen kein positives Ergebnis hatten, wurden die Eingelieftrten in Haft bellten. Au« dem Irak »ach PalMua. Bagdad, 20. Juni. (I. T. A.) Mehrere reiche Juden Bagdads liquidieren ihre Geschäfte, verkaufen' ihre Böschungen Und treffen Anstalten zur U c be r si edlu n g nach Pa last i n a. Tie Bewegung hat einen solchen Charakter angecwmmen, daß H ä u s e r p r e i s e und Mieten gesunken sind. Soeben haben zehn der angesehenen jüdischen Familien Bagdads den Weg nach Palästina ü b e r B a i r n t u n d H a i f a angetreten. Die meisten von ihnen wollen sich in Tel-Awiw ausiedeln. Die Wirtschaftslage der Juden im Irak ist andauernd kritisch; es zeigen sich noch keine Symptome einer Besserung. London, 24. Juni. (Wolfs.) Wie die „Times" aus Basra (Irak) melden, sind 80 Prozent der Bevölkerung an M-.a lar ia erkrankt. d«n Rezepi zur Heilung des Franken bestens zu empfehlen. Autler übernommen. Die allgemeine Aufmerksamkeit kottzen Aber^oer Widerstand war doch zu stark und dre Erinnerung tri-crt sich naturgemäß auf Finanzminister Caillaux, der in tat^bte Sankttonspolrtrk Pomcares nnt ihren militari- Besprechungen mit seinem Amtsvorgänger Peret, dem zu hell vor aller Augen. I Generalgouverneur der Bank von Frankreich Ro b i nean und die den Sieger Frankreich an den Bestegten, hem FinanKsachverständigenausschuß die Prüfung ' der enllQ^ wurzeln der Finanzlage Kreits begonnen 'hat. Währungskrise. Sie schickte ganze Armeekorps an Rhem lieber die Pläne Caillaux' ist noch nichts Bestimm- und Ruhr, sie nahm Frankreich die Bewegungsfreiheit in die Oeffentlichkeit gedrungen. Man nimmt nur an, daß er ö^€tt?fs6st^ch^n EmwendurMn der Krrtlk I Projekte vom vergangenen Jahre unter Anpassung an die vrtt dem Clemenceauschen Zitat, daß die Deutschen alles geänderten Umstände wieder ausgreifen wird. Seine erste Amts zahlen iyewen. Die Deutschen zahltenabermcht, der I Handlung bestand in einem Rundschreiben, mit der er ® stürmischer. Die heu^e seinen Ministerkollegen die Bestimmungen über die Ein- Herrrot-Wahlett, die die Majorität Pmncares vernichteten, schränkung ihrer Privatkabinette ins Gedächtnis ruft, brachten aber nur die innerpolitische Entlastung. Die Bud-I Morgen wird Caillaux den Ministerrat über seine Ab- Ff^ör genagt und die Liquidierung dieser Polrttk, Achten informieren und in weiteren Kabinettssitzungen Samsunter das Diktat Ludendorffs und Dienstag den finanziellen Teil der Regie- ^urch kemes der ll.klovhnltchen Mittel zu! ^u ng se r klärung festlegen, die voraussichtlich Diens-- Es mußte zuerst die Verständigung mitUüg nachmittags in den beiden Kamniern zur Verlesung Deutschland erzielt werden. Das ist m Locarno geschehen, xommen wird Aber in Frankreich, das sich noch aus den Tagen Poincares in den Marokkokrieg verwickelt sah und plötzlich auch, noch den Aufstand Syriens auf den Hals bekam, war das Pimumerttu. Mißtrauen der Massen der Rentner und Sparer erwacht Nrw-Dork, 24. Juni. Aus dem panamerikanische n und ließ sich kaum mehr bannen. Bon hier aus ging es Kongreß, der gegenwärtig in Panama tagt, hat Ekuador über die Grenzen. vorgeschlagen, einen panamerikanischen Bund zu gründen. Wie die neue Regierung sich die Heilung des Uebels Sämtliche Delegierte der amerikanischen Staaten haben vorftellt, ist noch ahzuwarten. Sie ist eine Konzentration|für diesen Vorschlag ausgesprochen der Linken, aber dies wird sich nur auf politischem Gebiete auswirkeu. Caillaux ist tatsächlich Diktator, wenn auch Neuerliche Unruhen ltt Delhi. iat?Qr?Uf öedrängt, daß die Porte- Delhi, 24. Juni. Anläßlich des muselmanischen Feiertages .‘i’ und Han^l nut Männern es hier zu Unruhen. Einzelheiten über die Zahl der Opfer e .. Vertrauens besetzt werden. Das deutet auf ^d noch nicht bekannt. B r i t is ch e Truppe nab t e il u ntlesgrelMde Entschlüsse hm. Aber auchhalten die Hauptstraßen beseht. Panzerautomobile b^^§Een müssen, wo Peret nichtKavallerie durchstreifen die Stadt. Das Militär bewerter. konme. Erwirb zunächst trotz seines inneren yerri'ch^ aeaenwärtia die Laae ' E Rach °lner späkrw M°Idu„a wurden fei den hmiigen rJtiihio™" lä fV l FmanzmiNlster wehrten, Unruhen cill Hindu vor einer Moschee erdolcht und 43 Per- ,u^1 wemgstens auf den: Newverwundet, darunter ein Polizeibeamter, e„r tt2^er-J?% 14 Hindus und 28 Mohammedaner, stellen. In werterer Folge Nnrd aber jebc Kriegspolitik abgebaut werden müssen, was ja auch der ganzen Ver-, gangenheit Caillaux' entspricht. MüMPlöll 0206H MWüPlssK ÄkNKl. * Angora, 24. Juni. (Havas.) Es werden immer weitere Die Konferenz der kleinen Cnttnte in Veldes hat Personen, die in den Anschlag gegen Mnstafa Ke mal den deutschen und magyarischen Chauvinisten Stoff für Pascha verwickelt sind, verhaftet. Alle Abgeordneten Bor dem Kmgrch der Milche» Semüvdr» AkttumKniers. ButÄwsst, 23. Juni. (I. T. A.) Demnächst wir>- in Bukarest ein -Kongreß, der jüdichen Gemeinden A l t r u mrä niens abgehalten werden. . St« ztoillstischer Se»ator in Szenioricktz. Czernowitz, 24. Juni. Bei der gestern vorgenommenen Senatswahl wurde Herr Karl Klüger, der Kandidat den Zionnten, mit 475 von 840 abgegebenen Stimmen in den Sencu. gewählt. * Der neugewählte Senator gchört zu den ältesten Vorkämpfern des politischen Zionismus in der Bukowina. An der Seit« des zum Parlamentsabgeordneten gewählten Dr. Mayer Ebner hat er schon in den Reunzigerjähren in der Bukowina für den Zionismus gearbeitet. Als Chefredakteur des ^Czernowitzer Tagblattes" hat er sich im jüdischnationalcn Sinne betätigt. Rach dem Kriege hat Karl Klüger die Leibung des Joint in der Bukowina übernommen und dabei aus phrlanthropischem Gebiet manches Wertvolle zur Linderung der Not der Juden, beigelragen. Senator Klüger ist auch Präsiden der Czernowitzer B'nai-B'rith-Loge. Vor kurzer Zeit hat er seinen 50. Geburtstag begangen. allerlei rosige Betrachtungen geliefert: Die kleine Entente ist tot. Aber alle verantwortlichen Minister Haben dieseil der F 0 r t s ch r i t t s p a r t e -i wurden feftgenvmMen. Der Prozeß vor dem Sondergericht beginnt nwrgen. Ae Stadt Lodr klagt Deutschland aus KL Goldruhel. ÄNs Lodz wird uns berichtet: Schon vor längerer Zeit faßte der Lodzer Stadtrat den Beschluß, das Deutsch« Reich beim internationalen Schiedsgericht aus Zahlung einer Entschädigung von 62.000 Goldrubel zu klagen. Die Forderung gründet sich ^darauf, daß die deutsche Okkupationsarmee im Jahre 1918 der Stadt Lodz eine S t r a f k 0 n t r i b u t i 0 n auferlegte, weil der Stadtrat gegen den Frieden von Breft-Äitomsk Protest erhob; ferner wird di« Rückerstattung der Kaution gefordert, die zuv selben Zeit für die Befreiung des als Geisel internierten Stadt-. Präsidenten Ingenieur Solawski erlegt werden mußte. Nunmehr entsandte der Stadirat den Advokaten S 0 n ch a z k i nach Paris, der beim internationalen Schiedsgericht die Ver- 'handlung der Klage bewerben soll. Fnland. MinkfterwM in absenlia. Ju den gestrigen Nachmittagsstunden ist Landeshaupt-- mann Dr. Rintelen ngch Graz zurückgekchrt. Vormittags nahm er seine Besprechungen über die Schulfrage mit den Großdeutschen auf, denen der Alternativvorschlag gemacht wurde, daß. entweder der vielumstrittene Ministerialerlaß vom l9. Mai über den Grundschüllehrplan durch einen irrterpretierenden weiteren Erlaß abgeändert werden soll, oder daß die Lehrpläne auf Grund eines Rahmenerlasses nach Fühluitguahme der Landesschulräte niit dem Unterrichtsnlinisterium l ä u D e r w eise festgesetzt werden sollen. Die Großdeutfchen ivürden am liebsten die Aufhebung des Erlasses v 0 m 19. M a i sehen, werdxn sich aber schließlich auch mit einer ihren Wünschen näherkvmmcnden Abänder.nug begnügen. Bis Dr. Rintelen mit den.Chriftllchsozialeil und den Großdeutschen ins wine gekommen ist, wird er auch mit den Sozialdemokraten verhandeln. Die Wahl Dr. Rintelens zum Unterrichtsminister wird in der heutigen Nationalratssitzung in seiner Abwesenheit erfolgen, da er wegen der Verhandlungen über seinen Nachfolger als steirischer Landeshauptmann heute von Graz unabkömmlich ist. Am Santslag wird er als Nnterrichtsnlinister angelobt rverden.