Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2633 (23.6.1926)
- Date
- 1926-06-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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fmt* *».»..—r «tot, Mittwoch rtflrtf ■ i Uli litiiimi ftfaM 'WUWU wifiifT sworflc it&c ivnwR m . He isse |H|m| . \\\\'>w nw-v*» KLUB RADIKALER ZIONISTEN Rente MHtmock den LZ. JrtnU 8 Uhr abends im Cafi Atlashof (Klnbtokat), /, Aspemplatt Klubversammlung Tagesordnung: Aktuelle zionistische Fragen Fortsetzung der Debatte Über die Reorganisation der zionistischen Fonds CUe Ktubvtr*«jnifliungen finden regelmässig jeden M Ittsroeh statt Alle Klnbmitglieder haben zu erscheinen. Von Klubmitglieäern eingeföhrte Zionisten, welche im österreichischen Landesverband organisiert sind, als Oiste willkommen. Der Obmann: Robert Stricker Sie kinwandermigsmöglichleiteu inkrez Sfrael Die Mandatsprobleme in Genf. — y. Wien. 23. Juni. In dieser Woche hat die Mandatskommission die Palästinafrage zu behandeln, nachdem sie in der Angelegenheit Syriens die Beschlußfassung bis zum Oktober ausgesetzt hat. Sie hat Herrn Jouvenel einvernommen, der die Berhältnisie in Syrien vom Gesichtspunkt der französischen Politik auseinandersetzte. Syrien ist »och immer Kriegsgebiet und so waren auch die Darlegungen des inzwischen bereits abberufenen Oberkommiflärs von den Momenten einer politischen Strategie beherrscht. Schält manchen Kern heraus, so ergibt sich, daß in der arabischen Masie der Kleinbauern eine ausgleichssreundliche Stimmung und Vertrauen zur Mandatsmacht besteht, während die Oberschicht der Großgrundbesitzer in ihrer Feindschaft verharrt. Aus den Kreisen dieser Schich ten ist die Regierung entnommen worden, die im Lande friedliche Verhältnisse wieder Herstellen soll. Aber Regierung und Präsident sind bereits nach wenigen Tagen in Konflikt geraten. Syrien hat den europäischen Schmuck einer Krise erhalten und damit tritt wieder eine Berschlintmerung des Pazifizierungsprozesses ein. Die arabischen Nationalisten, der Vortrupp der Latifundienherren, haben in Syrien das erreicht, was sie in Palästina anstreben. Eine Wendung zum Besseren, eine Ausgleichung der inneren Spannungen ist aber nicht eingetreten und aus den Berichten englischer Zeitungen geht hervor, daß allgemein an neue kriegerische Operationen geglaubt wird. Es ist kein Geheimnis geblieben, daß diese nationalistisch-arabische Partei einen kräftigen Rückhalt an Italien, dem weltlichen sowohl wie dem vatikanischen, gefunden hat. Diese Gegensätze wirken sich auch in der Mandatskommission aus, die am Ende des Vorjahres, Äs sie in Rom tagte, sogar zu einer Rüge Frankreichs vorschreiten wollte. .. Nunmehr steht das englische Mandat über Palästina zur Beratung. Der Kontrast zwischen der Entwicklung Syriens und jener in Palästina liegt so klar, daß auch die Mandatskommission unter seinem Eindruck stehen muß. Hier war Krieg, dort herrschte Frieden und der Ausbau der von der jüdischen.Energie geschaffenen Wirtschaft konnte fortgeführt werden. Freilich nicht in dem Tempo wie vorher. Die Ausstrahlungen aus dem Krankenhaus des europäischen Ostens sind auch nach Palästina gekommen, der Zustrom bemittelter Einwanderer hat eine Einschränkung erfahren und parallel damit wurde auch die Bautätigkeit reduziert. Das hat wieder auf alle anderen Erwerbszweige übergegriffen und eine für das kleine Land recht empfindliche Krise erzeugt, zu deren Lokalisierung alle Kräfte aufgeboten werden. Aber nur die jüdischen Kräfte. Sie finden nicht nur keine Unterstützung seitens der Organe der Mandatsmacht, ja im Gegenteil: die der Kommission vorgelegten jüdischen Memoranden verweisen in der nüchternen Sprache der Tatsachen, darauf, daß die Praxis den Erfordernisien des Mandatesin keiner Weise gerecht wird. Palästina belastet nicht den Etat der britischen Macht. Alle Ausgaben werden von der' Bevölkerung getragen und da nur der jüdische Teil der aktive, agile und produktive ist, so hat die jüdische Bevölkerung die volle Schwere der staatlichen Lasten zu fühlen und nebenbei auch noch an der eigenen kulturellen Konsolidierung, an der Absorption der Einwanderung und an der Organisierung des Arbeitsmarktes zu arbeiten. Die englische Verwaltung markiert den vielen Beschwerden gegenüber eine gewisie Verständnislosigkeit. Sie ist sehr wohl in der Lage, alle Unterlassungen aus irgend einer Vorschrift zu erklären. Sie tut so, als wären die jüdische und die arabische Bevölkerung in ihrem ziffernmäßigen Verhältnis zu einander feste unabänderliche Posten in der Rechnung. Das Mandat bestimmt jedoch, daß die Mandatsmacht eine geschlossene jüdische Siedelung zu fördern und daß sie alles zu tun hat, was diesem Zweck entspricht. Das Mandat erklärt sogar die jüdische Vertretung als die Körperschaft, die mit Rat und Tat mitzuwirken hat, deren Rat und Tat demnach eingeholt und berücksichtigt werden muß. Was dagegen verstößt — und die jüdischen Memoranden zählen eine ganze Reihe solcher Verstoße auf — widerspricht dem Mandat, weckt aber andererseits die Begehrlichkeiten der arabischen Nationalisten. Der Spruch der Mandatskommission muß, gerade im Hinblick auf den syrischen Kontrast, diese Konfliktflächen abschleifen. Denn schließlich ist die Ruhe in Palästina einzig und allein der jüdischen Arbeit zu danken, nicht aber dem englischen Militär, das auf ein Minimum reduziert worden ist. Die Komnlission muß verhüten, daß das Mandatsproblem zu einem problematischen Mandat wird. 61» Srsprö« Der Chef des EinwanderungSdepartementS der Palästinaregicrung, Albert M. Hyamfon, weilte, wie berichtet, in Polen. Bor seiner von uns bereits gemeldeten Abreise nach Riga äußerte sich Hyansson jüdischen Pressevertretern Menüser über die gegenwärtigen Einwanderungsmöglichkeiten in Erez Israel. ' Er sagte unter anderem: „lieber die Zukunft läßt sich schwer ein« sichere Prognose ausstellen, da die Bedingungen für eine Einwanderung sich naturgemäß von Zeit zu Zeit ändern. Die gegen wärtige Lage in Erez Israel ist nicht befriedigend. Palästina macht jetzt eine große wirtschaftliche und finanzielle Krisis durch, die eigentlich ein Teil der in der ganzen Welt zutage getretenen Wirtschaftskrifis, zum Teil aber auch eine Folge der gegenwärtigen Lage in Polen ist. Während des letzten Jahres haben die Juden Polens die Hälfte der gesamten Einwanderung in Erez Israel gestellt, wovon 50 Prozent der vermögenden Klasse angehörten. Palästina ist sehr arm an eigenen Kapitalien, wes'halb es völlig vom ausländischen Kapital abhängig ist. Die gegenwärtige wirtschaftliche Lage in Palästina ist eine schr schwere und weist eine größere Anzahl Arbeitsloser auf. Die Lage wurde noch dadurch besonders erschwert, daß eine große Zahl der in den letzten zwei Jahren eingewanderten Juden sich nicht der produktiven Arbeit zuwandte, sondern Kleinhandel begann. Man trifft in Palästina neue kleine Städtchen, in denen aus weniger als 150 .Häuser über hundert kleine Krämerladen entfallen. Im gegenwärtigen Augenblick ist die Lage schlecht. Aber dieser Zustand kann nicht lange dauern. Wann diese Llenderung eintreten werde, kann nur schwer vorausgesagt werden. Deshalb mußten die Juden in Polen sich mit ihrem Drang nach Erez Israel in Geduld fassen. Das Land ist heute nicht imstande, alle, die dahin auswandern mochten, aufzunehmen. Wir dürfen es nicht dazu kommen lassen, daß die neu Angekommenen der Notlage ausgosetzt werden. Die Palästinaregierung hat die Einwanderung durchaus nicht ganz eingestellt. Sie glaubt aber, daß es in diesem Moment notwendig sei, tös Einwanderung zu beschränken, und es werden daher nur solche Personen einwandcrn können, die mit Arbeit berschen werden können, oder junge Leute, die bereit sind, schwere Arbeit zu leisten und materielle und physische Opfer zu bringen. Solche Elemente sind sehr erwünscht und bezüglich dieser wird keinerlei Beschränkung gemacht. Dasselbe gilt auch für Kinder, Frauen, Eltern und Schwestern derjenigen, die bereits in Erez Israel wohnen und die Möglichkeit haben, ihre nahen Verwandten - zu erhalte». Besonders mache ich darauf aufmerksam, dirß im gegenwärtigen Augenblick völlig unerwünscht die Einwanderung von Mädchen sst, welche keineVerwandten oder keinen bestimmten Ausmit Htzlms««. nahmSplatz im Palästina haben. Völlig ausgeschlossen ist jetzt die Zulassung von Menschen, welche die Absicht haben, sich dort mit Krämerei zu befsDen. Die Lage in den Kolonien ist ein« bessere als in den Städten, weshalb es vorzugiehen wäre, daß der Einwanderungsstrom sich den Kolonien und nicht den Städten zuwende. Eine AenderuNg des Einwanderungsgeisetzes vom Jahre 1926 betreffend die ^.vermögenden Einwanderer dürfte meiner Meinung nach in absehbarer Zukunft nicht erfolgen. Wir wollen noch während ei-n ofce* zwei Jahren Erfahrungen auf diesem Gebiete sammeln. Es sst jedoch w a h r s ch e i n l i ch, daß di- Einreisebedrngungen miit der Zeit * Me Milderung erfahren werden. Ich hoUe durchzusetzen, daß die verschiedenen Anfragen wegen DisiimserteikiM für die Einwanderer mit Vermögen im Verlaufe vqn drei bis vier Wochen erledigt werden. Unser Ziel ist, die TcmristenbeweKmg nach Palästina zu fördern. Was wir verhindern wollen, ist bloß, daß sich unter den Touristen keine tatsächlichen Einwanderer befinden. In allen Fällen, wo wir die Ueberzeugung gewinnen, daß es sich um einen wirklichen Touristen handelt, bekommt er dar Visum ohne jede Schwierig!e'i t." .Auf die Frage über die Lage der Arbeiter in Erez Israel antwortete Hyamson: „Die gegenwärtige Krise in Palästina unter den Arbeitern hat versMäiene Ursachen. 70 bis 80 Prozent der Arbeiter waren im Baugewerbe beschäftigt. In der letzten Zeit hat die Baubewegumg nachgelassen und ist fast auf ein Zwanzigstes herabgefunken.^ Die Ursache dieser Situation liegt in der Begrenzung der EiMvandenmg und in dem.Mangel neuer Kapitalien. Nahezu 15.000 Arbeiter waren im Baugewerbe beschäftigt, von denen mehr Äs die Hälfte jetzt arbeitslos ist. . Ein Teil der Neuarckormnechden leidet auch an Wohnungsmangel. . Was die Möglichkeit einer Einwandenmg ans Sowjetrußland betrifft, so ist sie im letzten Jahre der Zahl der EingetvanderM nach an den zweiten Platz nach Polen vorgerückt. Ich sehe keinen Grund für eine Verringerung der Einwanderung von Juden aus Sowjetrußland. Die Palästinaregierung macht, ihnen keine besonderen Schwierigkeiten. Die Beziehungen zwischen dem Palästinaamt in Polen und dem" englischen Konsulat sind sehr befriedigend. Der Zweck meiner Reise war, im Wege des PMstmaamtes in Warschau das für uns in Betracht kommende Einwanderungselewent per- -sönlich kennen zu lernen. Letzten Dienstag, habe ich selbst etwa siebzig Emigranten, darunter fünfzig Chaluzrm, durchkontwlliert und ich bin mit der Auswahl des Menschemnateriäls sehr zufrieden..-. Journalisten- und Preiserecht. Eine Enquete des Internationalen Arbeitsamtes. Aus Genf wird uns geschrieben: Das Bureau des Internationalen Arbeitsamtes beschäftigt sich gegenwärtig'mit dem Spezialstudium der Frage, in welcher Lage sich die I o u r n a l i st e n in den einzelnen Ländern befinden und unter welchen Bedingungen sie arbeiten. Das Bureau hat soeben einen detaillierten Fragebogen versendet. Von 33 Staaten, in welche die Fragebogen ausgesendet wurden, sind bisher aus den folgenden 17 Staaten Antworten eingelängt: Belgien, Brasilien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Holland, Italien, Luxemburg, .Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Spanien, Tschechoslowakei, Ungarn, Vereinigte Staaten. Die Fragebogen wurden nicht nur an die verschiedenen Journalisten- und Presseovganisationen, sondern auch an Persölichkeiten, die im Presseleben des betreffenden Landes eine Rolle spielen, geschickt. Auf Grund des eingelangten Materials wird das Internationale Arbeitsamt einen Bericht veröffentlichen. Das aus die preßrechtlichen Gesetze der einzelnen Staaten bezügliche Material wurde auch dem Pariser I n st i t u t für geistige Zusammenarbeit zur Kenntnis gebracht. Die Aufarbeitung des in vielen Sprachen abgefaßten Materials wird wohl längere Zeit in Anspruch nehmen, doch hofft man, daß es bereits im Herbst anläßlich der ordentlichen Tagung des Völkerbundes in Form eines Generalberichtes wird veröffentlicht werden können. Me griechische Universttöt in Saloniki. In der Billa Mattni. Saloniki, 21. Juni. Es sicht nunmehr fest, daß Saloniki eine eigene Universität erhält, die vom Präsidenten der Republik, Pangalos, bei feiner für die nächste Zeit erwarteten Ankunst in unserer Stadt feierlich eröffnet wevden soll. Bezüglich der Unterbringung der Hochschule gab es bisher Mei« nungsverschiedenheiten, da einstußreiche Kreist für die Benützung der Billa des gewesenen Königs Georg des E r st e n eintraten, während andere die historisch berühmte Billa A l l a t i n i für geeigneter erklärten. Die Entscheidung fiel mm zugunsten der letzteren. Die Billa Allatini, das schönste Gebäude von Saloniki, am Molo gelegen, war vor dem'Kriege der Fcvmilienbesitz des Mischen Finanziers und Großgrundbesitzers Allatini. Diest Billa diente auch als Intern!emngsvrt für den durch die JUngtürken dort festgehaltenen Sultan Md ul .Hamid. Bon der Billa 'ließ ihn dann Kaiser Wilhelm während des ersten Balkankrieges durch das Stationsschiff Loreley" abholen und nach Kleinasien hringen. Ae Fürstenabfindung in Deutschland «ch die österreichischen MonaNWen. Die Großdisutfchen gegen ein« Entschädigung der HabsVnrsM^ Sie Abstimmung in Deutschland über die Frage der Fürstenabfindung ist auch in Oesterreich nicht ohne Folgen geblieben. Die konservative Bolkspartei (Schager-Monarchisten) ihatte sich unter Berufung darauf, daß in Deutschland die deutsche Volks- Partei und die deu-tschnationccke Bolkspartei entschieden gegen eine VevmögenskönsiMtion ausgetreten sind, an die großdeutsche Bolkspartei mit dem Ersuchen gewendet, in Oesterreich für die Aufhebung der Kon-fiskati on de s ha'bsbnngische« P-ribatvermögens einzutreten. , Wie verlautet, werden sich die Großdeutschen raft der von den Monarchisten an sie gestellten Forderung befassen. Großdeutsche Politiker erklären aber heute schon, daß die Sachlage in Oesterreich eine ganz andere sei als in Deutschland. Die deutschen Fürsten hätten sichgroßö Verdienste um die wirtschaftliche und kulturelle Hebung des deüsschen Volkes erworben, wÄhrend die Habsburger in, Österreich immer eine «dem deüsschen Volke feindliche Politik, gemacht haben. Auch in der gestrigen Sitzung der Exekutive des Landesverbandes Wien der KviegSinvaliden kam die Forderung der österreichischen Monarchisten'nach Aufhebung des konfiszierten habsburgifchen Vermögens zur Sprache. Es wurde betont, daß an eine Aufhebung des Berfaffungsgesetzes, mit welchem die vormaligen habsburgischen Güter — soweit sie nicht Pridatgüter sind — dem Kriegsgeschädigtenfonds zugefprochen wurden, nicht zu denken sei. Der Kriegsgeschädigtenfonds hat nach dem Gesetz Äüe Aufgabe, diese Güter zu verwalten, und den' Reingewinn M Fürsorgezwecken zu verwenden. Die Kriegsopfer Oesterreichs stehe» auf dem unverrückbaren Standpunkt, daß zuerst, die bedauernswerten Opfer dieses so furchtbaren Krieges versorgt wevden müssen, «he mau an die Abfindung der Fürsten denken könne. Der Zucker wird billiger. Me wir aus Fachkreisen in Erfahrung bringen, zeige» die Großhandel-Presse für Zucker eine sinkende Tendenz. Die Preiserntäßigung betrug in der abgelaufenen Woche drei bis vier Groschen bei einem Kilogramm. Es ist somit mit Sicherheit zu erwarten, daß auch die Zuckerpreise im Kleinhandel in kürzester Ze4t zurückgehen werden. E Kinder anfs Land. In dA Ferienkolonie Böslau sind noch einige Zahlplätze für israelitische Knaben und Mädchen von 6 bis 14 Jahren frei. Anmeldungen ehestens bei Herrn Ignaz NerrM, 7. Bez., MariaWsevstraHe 80, Tel. 39-4-93.