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Wiener Morgenzeitung · 1926-06-23 · Heft 2633 (23.6.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2633 (23.6.1926)
Date
1926-06-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I Polen: 35 flro$ty 1 iPf’iiiign Wi en: ^uni Abholen in der Expedition,!!., Taboistt. 1-3, oder ln einer Versehleisstelle Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf In Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1, WoIl2elle II Mit Postversand ffir Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling i sch echo-Slowakei: Mon.K22, Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 6Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich. Belgien: Mon. Frcs. 25 ACltzahluhiien bei Frei»* vorbehalltii orgmxettung England: Mon.4Schfflng. testiert Monatl. 20 Lire: fett nt Anteil: Mob. 170 Lei, Bulgarien jMomJOOLow. Schwei2 und das flfctige Ausland monatlich Pres. 5 Redaktion, Administration: Wien, lI.Tdborstr. 1 Telephone: 44*0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-3 (Druckerei lg. Steinntanni Oesterreichisches Postsparkassen - Konto Nr. 150.09 91t. 2633 * Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Rücktritt der Sejmmarschalls Rataj. Ein Schreiben an den Sejm. (Aigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 22. Juni. Der Sejm ist heute nachmittags wieder zusammengetreten. Das Haus war sehr stark besucht. Der Sejmmarschall Rataj hat seine Rücktrittsabsicht ausgeführt. Er hat an die Versammlung ei» S ch r e i b en gerichtet, in welchem er zunächst erklärt, daß er mit Rücksicht auf seine Gesundheit ins Private Leben sich zurückziehen müsse. Das Schreiben fährt sodann fort: Angriffe brutaler und nichtswürdiger Natur hätten ihn veranlaßt, seinen Platz dem Sejm zur Verfügung zu stellen, damit er einen. Mann darauf setze, der größeren Erfolg haben werde als er. Die Verlesung dieses Demiffionsschreibens erregte ungeheure Sensation. Konservative Minister 1m Kabinett Bartel. Warschau, 22. Juni. Die bisher provisorisch geleiteten Ministerien für Landwirtschaft und Agrarreform sind jetzt endgültig besetzt. Das LandwirtschaftsMMisterium ist durch den Großgrundbesitzer Raczynski besetzt worden, der Mitglied der Krakauer k o n s e r v a t ii ve n Partei ist. Agrarreformminister wurde der Wilnaer Universitätsprofessor Staniew -iec§, der in München studierte und sin Schüler Brentanos war. Er gehört keiner Partei an, stcht aber den rn o nur ch i st i s ch e n Wrlnagr .Großagrariern nahe. Wie«. Mittwoch, 23. Fuai 1926 I. galirgang Briand ohne Finanzminister. Ae Schwierigkeiten der KablaettsbUduug. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 22. Juni. Briand hatte heute lange Konferenzen mit Doumer, Poincare, Painleve, Perrier, Durand, Leygues und Danielou, mit denen er sich ausschließlich über finanzielle Fragen unterhielt. Darauf empfing er die Führer der. verschiedenen Kammergruppen, um, wie er sich Pressevertretern gegenüber ausdrückte, die Gewißheit zu erhalten, daß man ihm nach erfolgter Kabinettsbildung nicht Orangenschalen unter die Füße werfen werde. Unter den Besuchern befanden sich der Radikalsozialist Cazals, ferner Malvy, Bokanowski, Le Trocquer, Leon Blum, Paul Boncour, Dariac, Loucheur, B o r e t und Marin. Briand zeigte sich nach diesen Unterredungen, die eine Klärung hinsichtlich der Aufnahme seines Kabinetts in der Kammer hcrbeiführen sollten, sehr befriedigt. Er meinte, daß sich jetzt in den Geistern eine erfreuliche Entwicklung bemerkbar mache. Die Uebernahme des Finanzportefemlles durch Doumer ist noch keineswegs sicher.. In gut unterrichteten Kreisen versichert Man, daß noch immer Versuche unternommen werden, Poincare von seinem ablehnenden Standpunkt abzubringen. Briand scheint, zu befürchten, daß die Kammer mit einer Rückkehr Doumers ins Finanzministerium nicht einverstanden sein könnte. Großes Aufsehen erregte es, als um 8 Uhr abends Ca illaux am Quai d'Orsay erschien und sofort von Briand empfangen wurde. Man versichert, -aß Briand daran denke, das Flnanzportefeuille Caillaux anzubieten. Man weitst aber auch darauf hin, daß Caillaux von jeher das M i n i st e r p r ä s id i u m und das F i n a n z m i n i st c r i u m und im Zusammenhang damit auch diktatorische Vollmachten für, sich gefordert 'hat. Andererseits ist es bekannt, daß Doumergue von seiner Kandidatur nichts wissen will und an unterrichtete'' Stelle wird versichert, daß der Präsident der Republik eher demissionieren als die Bildung des Ministeriums Caillaux anvertrauen würde, weil er der Ansicht sei, daß das Land gegen eine Ministevpräsidentschast Caillaux' rebellieren würde. Sollte andererseits Caillaux sich mit dem Finanzportefeuille begnügen, so scheidet automatisch Poincare aus der Kombination aus. ■ Abends ist die Lage die, daß Briand faktisch n o ch o h n e Finanzminister dasteht, so daß die Kabinettsbildung noch immer nicht abgeschlossen werden.kann. So leicht auch die Verständigung mit den Parteien war, die für das neue Kabinett in Frage kommen, so schwierig zeigt sich andererseits die Lösung der Personenfrage. Briands Suche nach einem Finanzminister war bisher erfolglos. AnMaNenftche Denwnftratftmen d» Agram. Agram, 22. Juni. Im Lcnrfe des gestrigen Tages ist es zu großen Kundgebungen gegeü die Konventionen, gekommen, die Jugoslawien m i t Italien abgeschlossen hat und die vor der Ratifizierung durch die Skupschttna stehen. Die angekündigten P r o t estv e rs ammlun g en der kr oatischen Föderalisten und der Partoiklubs der Universitätshörer hatte die Polizei verboten. Um ihre Durchführung auf jeden Fall zu verhindern, hatte die Polizei ein starkes Aufgebot in die Universität gelegt. Durch diese Maßnahme waren die Studenten sehr aufgebracht. Gegen Mittag veranstalteten sie gemeinsam mit der Bevölkerung - lärmende Straßenkundgebungen, bei denen feindselige Ruse gegen Italien, Mussolini und die Konventionen laut wurden. Die Polizeiberettfchast Vertrieb die Demonstranten. Hiebei wurde zur Unterstützung auch Kavallerie herangezoge». Die Kundgebungen dauerten bis 1 Uhr nachmittags und fanden gegen 8 Uhr abends eine Fortsetzung. 25 Personen wurden während der Kundgebungen festgenommen. Nie Londoner Konferenz für Answandernngr- (tosen. London, 22. Juni. Heute wurde die internatvt>nale Arbei tex ko nfe re nz für Auswanderungsfragen unter dem Vorsitze des Belgiers Mertens eröffnet. 160 Vertreter der meisten europäischen Nationen, der britischen Dominions und Nord- und Südamerikas nehmen daran teil. Die Union der BAkerbnndiigen. Die Londoner Konferenz. In London beginnt am 25. d. die diesjährige Tagung der Union der Bölkevbundligen. Als Vertreter der jüdischen Völkerbündliga für Oesterreich begibt sich Herr Doktor S. Baron zu der Tagung. Die Session wird bis zum 29. d. in London geführt und dann in einen Ort in der Grafschaft Wales verlegt. Die Arbeiten der Session sollen bis anfangs Juli beendigt sein. Auf der Tagung steht u. a. ein Bericht über die jüdisch-polnische Verständigungsaktion, den Herr Handelsmann aus Warschau erstatten wird. Die vorjährige, in Warschau abgehaltene Konferenz hatte, wie noch erinnerlich, eine Protestresolution gegen den PuMerus clausus beschlossen und ferner an d<:n Rat den Antrag gestellt, es sei alljährlich vom Generalsekretär ein Bericht über die antisemitische Bewegung vörzulegen. Der Vertreter der jüdischen Völkerbündliga für Oesterreich, Herr Dr. S. Baron, ist Dozent für Geschichte am jüdischen Pädagogium in Wien und gehört auch in derselben Eigenschaft dem Jewish institute of religion in New-Nvrk an. Er hat anch an der Unionstagupg in Warschau sowie an den Sitzungen des Generalrates der Union in Lausanne teilgenommen. tzinKomplottgegen KemalPMa. Konstantinopel, 22. Juni. (Reuter.) Im Zusammenhang mit dem Komplott gegen Kemül Pascha)stnd in Konstantinopel, Angora und Brussa weitere Verhaftungen vorgenommen worden, wodurch deren Zahl auf über 200 gestiegen ist. Unter den Verhafteten befinden sich 25 oppositionelle Abgeordnete und Mitglieder des Jungtürkischen Komitees. Wie die Blätter melden, habe Kemal selbst einige Verschwörer einem Verhör unterzogen, darunter insbesondere Ziak Hurschid, der zunächst leugnete, von einem Komplott etwas zu wissen, dann aber alles ein gestand. Der Anschlag aus Kemal sollte während seines Aufenthaltes in Smyrna von; einem Abgeordneten, einem Reserveoffizier und zwei gedungenen Banditen ausgeführt werden. Bisher liegen im übrigen keine Beweise dafür vor, daß das Komplott die Wiederherstellung des Sultanats bezweckte. Die Afssire Lefflng. Hannover, 22. Juni. Gestern hat eine Stndentenverfammlung, an der über 1600 Personen teilnahmen, einstimmig das Ergebnis der Berliner Verhandlungen mit Professor Dr. Theodor Lessing gebilligt und damit den Vergleich angenommen. Professor L e s s i n g könnte gestern seine Vorlesung in Ruhe abhalten. WindischsrStz ist tränt. Budapest, 22. Juni. Wie „Magyar Hirlap" meldet, ist Prinz W i n d i s ch g r ä tz, der seit dem Kriege an den Folgen einer Erfrierung laboriert, wegen seines Leidens ins Jnquisitenspital gebracht worden. Die wirtschaftlichen Folgen der chinesischen Bürgerkrieges. Schanghai, 22. Juni. Während der jüngsten Monate der Militärherrfchaft haben die Militärbehörden der verschiedenen Provinzen das Land mit Papiergeld im Betrage von Millionen von Dollar überschwemmt. Die Noten haben jetzt nur mehr ein Viertel ihres wahren Wertes, die Soldaten werden jedoch häufig mit diesen Noten bezahlt und zwingen deshalb die Händler und .Üaufleute,sie zu ihrem wahren'Werte anznnehmen, was große st'n z u k öm m l i ch k e i t e n, insbesondere in den Provinzen T s ch i l i und Schautung zur Fohge hat. ' Aus P e k i n g wird gemeldet, daß z ah l r.e i ch e K a u silent e z a h I n n g s u. u fähig geworden. und die arm st e n Klassen st a r k betroffen sinh. Die Handelskammer hat gestern den Marschällen T s ch a n g t s o l i n und W u p e i f u, dem Premierminister Wen und dem Gouverneur von Schantung. Scha ng tsu ngschaug, der einer der Hauptschuldigen ist, eine Petition' übersandt, worin Maßnahmen zur Abhilfe ver- .laW wechW. ... Roter Frontlsinyserterror ft» Deutschland. Ätgan, 22. Juni. Gestern abends zog eine iRotte des Roten Front kämpf.erbundes vor das 'Amtsgerichtsgebäude und verlangte die Freilassung eines wegen eines t ä tlichen.Angriffes auf einen Polizerbeamten im Gefängnis sitzenden Gen osten. Di e Polizei trieb die Menge mit G u rnmrknüt.teln auseinander. Da die Roten Frontkämpfer in Sagan Terror ausüben, sind energische polizeiliche Maßnahmen gegen wettere Ausschreitungen angeordnet worden. Die Fordernngen der sisidttschen Angestellten. Montag fand eine Sitzung des, Hauptausschusses des Verbandes der Angestellten der Gemeinde Wien statt, in der über den bisherigen Stand der Verhandlungen mit der Gemeindeverwaltung berichtet wurde. In der Debatte kam zum Ausdruck, daß an den seinerzeit gestellten Forderungen unbedingt festgehalten werden muß, und daß die Angestellten die restlose Erfüllung derselben erwarten. Schließlich wurde noch der Erwartung Ausdruck gegeben, daß bis zur nächsten Hauptleitungssitzung, die für, den 2. Juli in Aussicht genommen ist, bereits ein positives Ergebnis der jetzigen Verhandlungen vorliegen werde. Ramek nnd Knnfchak ftirechen ft» derselben Bersammlnng. Die vorgestrige Hauptversammlung des chrisMchsozialen Vereines Rudolfsheim brachte die Pikanterie, daß Bundeskanzler Dr. Ramek, der bekanntlich die Schulveveinbarungen Kunschaks mit Glöckel aufgehoben hat, und nach ihm Knnschak fef&ft sprach. Dr. Ramek kündigte die Wahl Doktor Rintelens zum Untervichtsminister an. Rinteleu, so sagte er, sei einer der maßgebendsten und kraftvollsten Führer; er biete die Getvähr, daß er die Partei aus der Krise, in die sie in Angelegenheit der Schulsrage geraten ist, wieder herausMven werde. Dann verteidigte Knnschak das von ihm abgeschlossene Schulkompromiß, worauf ihm die Versammlung ihr. Vert ra u e n ausfprach und ihn um die Zurücknahme feiner Demission als Parteiobmann ersucht». Die vemrlnde Wien spendet 1666 Psnnd ssir englische Bergarbeitertinder. Die Gemeinde Wien hat fiir die englischen Bevgarbeiterkinder einen Betrag von taufend Pfnnd Stertling gespendet. Die internattonale Organisation für KinderhAse htt nun an Bürgermeister Seitz ein Dankschreiben gerichtet, worin es heißt: „Wir haben uns beeilt, diese Spende unserem Komitee .in Großbritannien zn übermitteln, das nicht verfehlen wird, sie zum Wohle der Bergarbeiterkinder zu verwenden, und ihnen mitzuteilen, wem sie divst Tat hrüdertichtzu Beistandes verdanken. Die Wiener Spende wird für die Kirwer -er Bergarbeiter in Wales sine der schönsten Seiten HAden, nicht ms m tex Geschichte unserer Unüm, sonder« auch in der'Gefchrchte der

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