Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2630 (20.6.1926)
- Date
- 1926-06-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Der Schekel, das äußere Symbol der Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation legt uns die Verpflichtung auf, eine möglichst große Anzahl von neuen Anhängern zu gewinnen, sowie seitwärts stehende Mitglieder zu reaktivieren. Der vierzehnte Zionistenkongretz hat den Einheitsschekel eingeführt. Zionisten aller Richtungen und Parteischattierungen werden geschlossen für die Verbreitung dieses Schekels eintreten. An Euch, Mitglieder unserer Zionistischen Landesorganisation ergeht hiermit der Ruf, durch energische und tatkräftige Mitarbeit das Gelingen der Schekelaktion sicherzustellen. Unsere Zionistische Exekutive hat uns ein Kontingent von 35.000 Schekalim vorgeschrieben. Es mutz daher unsere Aufgabe sein, von diesem Kontingent den der Anzahl der in unserer Landesorganisation organisierten Zionisten entsprechenden Teil aufzubringen. Zionisten! Je mehr Schekalim Ihr verkauft, desto stärker wird unsere Organisation. Jeder Schekelzahler bedeutet die Gewinnung eines neuen Menschen für u n s e re I d e e. Wir fordern Euch zur Arbeit aus und sind überzeugt, daß jeder Zionist, seiner Pflicht eingedenkt, sich voll und ganz in den Dienst der Schekelaktion stellen wird. Auf zur Arbeit, werbet für den Schekel! Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich: Dr. Destder Friemann m. p. Dr. Leo Goldhammer m. P. Kommerzialrat Max Markus m. p. 2er mohammedanische Kongreß in Mekka. Seit anfangs dieses Monats tagt in Mekka die von dem wahabitischen Sultan Jbn Saud, jetzt König , von -Hodschas, einberufene mohammedanische Konferenz. Sie steht in keiner Verbindung mit dem im vorigen Monat in Kairo abgehaltenen Kongreß, der feine Hauptaufgabe, die Ordnung der Kalifatsfrage, nicht lösen könnte. Es war in Kairo erklärt worden, daß das Kalifat obligatorisch sei, derzeit aber unmöglich ausgeübt werden könne. Die Schwierigkeiten hiefür liegen innerhalb der mohammedanischen Welt selbst, die sich für längere Zeit auf einen Kalifen nicht einigen kann. Der von Jbn Saud angeregte Kongreß beschäftigt sich nicht mit dieser Frage, der er nur untergeordnete" Bedeutung zuerkennt. Er hat sich eine Tagesordnung-gesetzt, die die Angelegenheiten des Islam in einer dem abendländischen System nachgebildeten Form ordnen will. Aus der Aufstellung der Tagesordnung allein ist bereits ein für die orientalischen Verhältnisse neuer Gedankengang erkennbar. Punkt eins ist die Regelung der Regierungsform in den heiligen Orten des Islam, d. i. in Mekka und Medina, Punkt 2 die Erzielung der mohammedanischen Verwaltung der Hedschasbahn, Punkt 3 die Rückgabe von Akaba und Maan an der: Hedschas, Punkt 4 die Bildung eines allgemeinen Verwaltungsausschusses. Das Programm kulminiert im Punkt 5, der die Gründung eines Bundes der mohammedanischen Völker mit der Zentrale in Hedschas anstrebt; die religiöse Einigung steht im Punkt 0 an der letzten Stelle. Die logische Ordnung in dieser Tagesordnung ist unverkennbar. Es ist die Tendenz einer von einem verwaltungstechnisch gesicherten Zentrum altsgehenden Expansion, die auch die Zugangsstraßen und Verbindungswege zu den syrischen und türkischen Mohammedanern unter ihre eigene Kontrolle nehmen will. Als Träger dieser Tendenz erscheint Jbn Saud, der Führer der Wahabiten, einer von einen: festen Willen beseelten Sekte, deren Tätigkeit bisher allerdings nur auf dein Gebiete der religiösen Reform lag, der sie mit allem Radikalismus zustrebte. Unter blittigra Kämpfen hat sich Jbn Saud — es tritt einstweilen nur sein Name heraus — der Herrschaft über den heiligen Bezirk bemächtigt. Seine Nebenbuhler haben ihn: teils der Krieg, teils die Hilfe Englands aus dem Wege geräumt und in dieser letzteren Tatsache ist wohl die Erklärung für den politischen Kern der Bewegung enthalten. fUfaMbti — In der imrerpMischen Kvkst ist, wen» nicht alle Anzeichen trügen, eine Wendung eingettetm. Der Landeshmqrtmamr von Steiermark, Dr. Renteren, P gestern E Graz hier eingetrofsen und tafc darauf verlautete, daß er nicht mehr für das durch den Rücktritt Dr. Sch ne ide r s verwaiste UnterrichtsPörteseuM« in Betracht komme» wohl aber auf-«Kanzlerschaft aspiriere. Zn dieser Sinnesänderung sei er durch die steirische LandeSPartEitung veranlaßt worden, die die prominenteste Perpnlichkeit der Partei nicht m dem minderwichkigen Unterrichtsamt verbrauchen lasten wolle. Wenn sie ihn freigebe, so könne dies nur für die Stelle des Bundeskanzlers geschehen. Dr. Rintelen konferierte den garten Tag über mit den einzelnen Führern der christlichsozialen Partei. Mit dem Bundeskanzler Dr. Ramek hatte er am Vormittag eine sehr eingehende Aussprache, desgleichen mit Finanzminifter a. D. Dr. K i e n b ö ck. Abends hat er sich wieder nach Glaz begeben, wo er am Montag in einer neuerlichen Sitzung der christlichsozialen Landesparteileitung sich die endgültigen Vollmachten seiner engeren Parteifreunde einholen wird. Seine Kandidatur, die vorerst noch als Versuchsballon lanciert wird, findet bei den Christlichsozialen eine sehr geteilte Aufnahm c, Vor allem will nnm den derzettigen Bundeskanzler nicht so unmittelbar nach den Angriffen der Sozialdemokraten in der Versenkung verschwinden lasten. Dann macht man sich auch Gedanken darüber, ob denn dem Parteichef Dr. Seipel, der jenseits des großen Wassers Milt, die Ersetzung seines Platzhalters Ramek durch den sehr definitiven Dr. Rintelen genehm wäre. Andererseits — so heißt es — würde er auch nur die Kabinettsbildung fibernehmen, wenn er Garantien 'dafür hätte, iaß seine Kanzlerschaft von längerer Dauer wäre. Er findet aber recht desolate Verhältnisse vor. In der christlichsozialen Partei grollt Abg. Kunschak noch immer darüber, daß ihn Dr. Ramek und der Gesamtparteirat durch Aufhebung des zwischen Kunschak und Glückel abgeschlossenen Kompromisses in der Schulsrage desavouiert haben. Er blieb der gestrigen Sitzung der Wiener christlichsozialen Parteileitung, deren Obmannstelle er niedergelegt hat, d e m o n st r a t i v fern. Sie beschloß, Kunschaks Demission nicht zur Kenntnis zu nehmen und ihn #u ersuchen, neuerlich die Obmannstelle zu übernehmen. Kunschak bleibt aber fest und erklärt, seine Demission nicht zuriickgcmehmen, so lange in der Partei in der Sch Umfrage keine Einigkeit besteht und so lange Außensteh^n d e auf die politischen Wege der Parteileitung Einfluß nehmen. Knapp vor einer Abreise nach Graz hatte Dr. Rintelen abermals eine Besprechung mit Dr. R a m e k. Eines scheint sicher .zu sein, daß der steirische Landeshauptmann, wenn seine Bewerbung um die Kauzkwschaft auf unüberwindliche Schwierigkeiten stößt, auch auf die Betrauung mit dem Unterrichtsresfort verzichten wird. ^Dauerwellen nur im Ww ■■■■■■■■■■■■ GRABEN-FRISIEfrSALON Wien,!. Graben 12 im Telephon 74-2.2« Herriols Bemühungen. X! . Paris, 19. Juni. Herriot konferierte in den Vormittagsstunden mit P a i 11 l e v e, Bonner, B.o k an o w s k i, de M o n 3 i e, C h a u t e m p S nnd einer Reihe Won Senatoren. Nachmittags empfing Herriot den Generaldirektor der Bank von Frankreich, de N o b i n e a u, den Generalsekretär der Bank und den Vorsitzenden des Finanzsachverständigenkomitees mit drei Mitgliedern dieses Ausschusses. Nach der Agence Havas werden die Verhandlungen HerriotS noch den morgigen Tag in Anspruch nehmen, bevor er dazu übergehen kann sich mit der eventuellen Zusammenstellung seines Kabine ts zu beschäftigen. Die Revolution in Portugal. Ein monarchistischer Putschversuch. Lissabon, 19. Juni. (Wolfs.) Nach Bekanntwerden der Tatsache, daß General G o m e z C o st a die Kontrolle über die Regierungsakte übernommen habe, spielten sich gestern vormittags einige Kundgebungen ab. Erregte Menschenma s f e n versuchten einen Angriff auf den General, der unter Begleitung einer militärischen Eskorte im Atltomobil die Stadt Durchfuhr. Der Lerbivache gelang es jedoch, trotz der d r o h e n d e n H a l t u n g d e r Menge deren Borhaben zu vereiteln. Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" hat General Gomez Costa einen Aufruf erlassen, in bem es heißt: „Das Ziel des Aufstandes ist durch politische -Haudhrngen und Spekulationen, die auf e in e n V er ra t am f ePublitauischen Regi m e abzielten, verschoben worden. Ich bin aber entschlossen, an der Spitze der Truppen meinen Ansichten über die Führnng der (Geschäfte in Portugal unter deni republikanischen Systenr mit bewaffneter Hand Achtung p erzwingen. Ich werde meine nationale Aufgabe unter Mitarbeit der Armee und des Volkes durchführen." englische Bergarbeiterftreik. Leere Streittasten. London, 18. Juni. Znm ersten Mal seit Beginn des Streiks konnle der Bergorbeiterverband von Lancashtte die Streikunterstützung an seine 80.000 Mitglieder n i ch t m e h r z a h l e n. Der Sekretär des BergarbeiierverbandeS, Cook, brachte gestern abends in einer Rede zum Ausdruck, daß die Arbeiter v.i e l l e i ch t d u r ck d e n H u n a e r zur Annahme rürdrt- Ü&Hil Dauerstr ümpf e haben Wettruf m Btcgiiit, untmrtMneh / U eberaU «rhiHlteH Zentrale: LEO SUSS.MANN Wien, 1. Bezirk, Schwerfgatw* Nr. % gerer Lohnsätze gezwungen werben könnten. Sie würden sich aber selbst durch den Hunger nicht zur Annahme einer längeren Arbeitszeit oder zu bezirksweisen LohnveretnbaruNgen zwingen lasten. Verlängerung -er Arbeitszei London, 10. Juni. Montag wird im Unterchanö eine Vorlage eingebracht werden, die eine Verlän gerung der täglichen Arbeitszeit ht den Bergwerken auf acht Stunden gestattet. Die Regierung beabsichtigt. diese Bestimmung für fünf Jahre in Kraft zu setzen Eine endgültige Entscheidung über diesen Punkt wird aber erb Montag in einer Sondersitzung des Kabinetts erfolgen. Sine Wendung in der tschechische« Fnvenpoltt». Die Deutschen im Majoritätsblock. Prag, 19. Juni. Es scheint, daß die Abstimmnugsgemeinschaft der d e« t s ch e n u n d tfche ch i s ch e n B k rg e rl i che n, die sich beim Zollgesetz zeigte, nun auch auf die politischen Vorlagen ausgedehnt werden wird. Das Beamtengesetz und die Spiritussterler sind im Ausschuß bereits von dieser neuen Majorität verabschiedet, unb die Kongrnavorlage, die gegenwärtig in Beratung steht, wird nur mehr von den Kommunisten bekämpft. Sie wird mit der tschechischdeutschen Mehrheit zunr Gesetz werden. Die .Heranziehung ter Deutschen, unter ihnen pikanterweise auch der Nationalsozialisten, erweckt in der tschechischen Oeffentlichkeit keine 'besondere Gegnerschaft. Es ist eigentlich nur mchr Kramarsch, der sich schärfer widersetzt. Die jüdische Kultnrantonomie in kstlaiÄ. Anr 5. d. hat in Reval die feierliche Eröffnungssitzung des jüdischen Kulturrates stattgefnnden. Diese Körperschaft, in der sich die kulturelle Autonomie der jüdischen Minderheit verkörpert, ist gHnäß dem im Frühjahr 1925 vom estländischen Parlament beschlossenen M i n d e rh e i t s g e s e tz konstruiert. In ihre Kompetenz fällt die Verwaltung der Schulen und die Sorge für dje sonstigen k u l t u r e l l e n B e d ü r f n i s s e der jüdischen Bevölkerung. Der Kulturrat, der Ende Mai aus den Wahlen hervorgegangen ist, besitzt auch das Steuerrecht. Der jüdische Kulturrat wird als eine spezielle Aufgabe auch die der U n t e r r i ch t s f p » a ch e in den ' jüdischerr Schulen zu lösen und ein Kompromiß zwischen Hebräisch und Jiddisch herbeizuführen haben. - In der Eröffnitngssitzung, die unter Leittrng des Präsidenten des jüdischen Hcmptwahlkomitees, Dr. K l o m- P u s, stattfand, wurde mitgeteilt, daß die Zionistische Landesorganisation die e st l a n d i s ch e R e g i e r u n g in Vas Goldene Buch des Jüdischen N a t i o n a l s o n Vs eintragen laste. Der jüdischen Minderheit waren die Deutschen in Estland mit der Durchführung des Autonomiegesetzes vorangegangen. Die Russen, die über keine nationale Organisation verfügen, können derzeit noch nicht an die Schaffung von . Selbstverivaltungsinftitutionen beulen, während die Sch Weden, die an der Nordwestküste des Landes geschlossen wohnen, ohnehin bereits die lokale Kow-- mrmalverwaltmrg besitzen. Gemeinsamer Rat der jüdischen und litauischen Bötterbnndligen. Aus K o w n o Wird uns berichtet: Vorige Woche faE hier zwischen den Vertretern der litauischen Völkerbundliga und der jüdischen Völkerbundliga für Litauen, ein* Beratung statt, in welcher die Vereinigung beider Ligen erörtert ivurde. Es wurde schließlich von einer Vereinigung abgesehen, hingegen beschlosten, einen aus den Präsidien beider Ligen zusammengesetzten Rat zu gemeinsamem Vorgehen in den wichtigsten Fragen zu schaffen. Selbstmordversuch Plotrowslis. Der Protokottflihver im Steigsr-Prozeß. Lemberg, 19. Juni. Der Gerichtsausülltant Dr. Roman P i o t r o w s k i verübte einer: Selibstnlordversuch. Piotwwskispielte. während des Steiger-Prozesses eine große Rolle.^Dainerte stellte sich nämlich heraus, daß er als Protokollführer die Steiger entlastenden Aussagen nicht zu Prcaokoll gab und dadrlrch das Untersnchnngsmaterial zimngunsten Steigers entstellte. PiotrowSki stand damals deshalb in Disziplinär-- Untersuchung. Gestern hat nun PiotrowÄi, der seit denk Steiger-Prozeß sehr nervös ist, nach einem Streit mit seinem Vater und feinem Binder sich an beiden Händen die Ader aufgefchnttten. Er wurde ins Spital gebracht. 14.000 Mnwanderer im Aprtt in Amerika nalmalifierl. srew-Aork, 17. Qfctni. (I. T. A.) Laut Bericht de» Natnralisationskommistion wurden in den Bereinigten Staaten im Verlauf des Monats April 14.000 Einwanderer, -unter ihnen eine große Zahl Inden, naturalisiert. Bon den Naturalisierten stammen 2663 aus Paten, 1593 aus Rußs land, die übrigen ans Italien, England, Deutschland und anderen Ländern.