Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-06-19 · Heft 2629 (19.6.1926) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2629 (19.6.1926)
Date
1926-06-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981716--26809-3014674
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

M«, SamStqg 10. Juni 1926 eene?» Tagesbericht. MQI gttUl ®WW yvfJB* GSe LeveitS mitgelerlt, findet der Gang zmn Grade > HerM morgen statt. Montag den 21. Juni um halb 7 Uhr 'abends findet eine Zusammenkunft aller Nationalfondsjkommistare und Vertreter der Jugendgruppen in Angelegenheit deS am 27. d. stattfindenden Herzl-Grabg-arrges statt. Der Keren Kajemeth ersucht um voll-; zWigeS und Pünktliches Erscheinen. 9dkm*ß der AWre Leffln«. Prof. Lesfing erhalt einen dawemdm ForschnngsLnftrag. BerKn, 18. Juni. Führende Professoren an den preußische« technischen Hochschmlen und Universitäten haben aus swier Entschließung den Versuch gemacht, die an der technischen Hochschule zu Hannover entstandenen Unruhen zu beseitigen. Sie haben mit Prof. Le f s i n g und mit der Veritretuny der Hannoverschen Studenten Fühlung genomrnen. Die Studenten haben zugegeben, daß die an der Hochschule zu Hannover vorgekommenen Störungen und Unregelmäßig- -keiten dem Rechte und der akademischen O r dnung widersprechen und daß darum zur Wahrung der akademischen und staatlichen Mtorität die Du r chifüchrnng der Disziplinarverfahren unvermeidlich ist. Andererseits hat sich Prof. Lessing bereit e-vklärt, kollegial an der Befriedigung der Hochschule mitzuarbeiten. Das un ent zieh bare Recht der Venia legendi müsse ihm jedoch gewahrt bleiben. Er beabsichtige, die von ihm für diesen Sommer angekündigten Vorlesungen bis zum Schluß des Sommerhalbjahres zu Ende zu führen und erwarte, darin keine Störung durch die Studenten zu erfahren. Seine Vorlesungen an der technischen Hochschule in Hannover würde er mit Ablauf des Semesters einstellen in der Erwartung, daß er vom Ministerium ein dauerndes Arbeitsgebiet zerr Durchführung seiner wissenschaftlichen Forfchungspläne erhalte. Die Professoren haben dem Kultusminister empfohlen, auf dieser Grundlage das weitere zu veranlasien. Hiezu schreibt der amtliche Preußische Pressedienst, daß der Minister diesen Anregungen im Einverständnis mit Professor Lesfing entsprochen hat. Prof. L e s f i n g erhält vom Wintersemester ab an Stelle seines bisherigen Lehrauftrages einen dauernden Forschungsauftrag. Professor Lessing wird seine Vorlesungen bis znm Ende des Sommerfemestcrs sortsetzen. Er wird der technischen Hochschule in Hannover vermöge seiner Venia legendi weiterhin als außerordentlicher Professor angehören. Die Disziplinarverfahren gegen die schuldigen Studenten werden vom Rektor und Senat der technischen Hochschule in Hanarover ordnungsgemäß weitergeführt. Ae amerikanische AntamMlraserel. 25.000 Tote, 750.000 Verletzte. New-Aork. 18. Juni. Der National Safety Council (Nationale Sicherheitsrat) veröffentlicht eine Statistik, nach welcher im Jahre 19 25 in den Vereinigten Staaten 26.000 Personen bei AutomobilunfäNen getötet und 750.000 verletzt worden sind. Mehr als 6000 Kinder unter 15 Jahren sind im vorigen Jahre der amerikanischen Antornobilraßerei znm Opfer gefallen. 26.000 Mark aus einem Geldlranstzort BiMIen. Barmen, 18. Juni. Gelegentlich eines Transportes von Geldern für die Erwerbslosen von der Bank zur Auszahlstelle, brachen in einen: unbewachten Augenblick Diebe den Transportwagen auf und stahlen 26.000 Mark in Fünf- und Zehnmarkscheinen. Der Diebstahl wurde erst beim Eintreffen des Transportes in der Stadthalle entdeckt. Bisher ist die Verfolgung der Täter ergebnislos geblieben. kvzisten zerstören jüdische Häuser durch Handgrmmien. Czernowitz, 17. Juni. (I. T. A.) In dem Städtchen Scrbora, in der Nähe des Kurortes So'lka, schleuderten .Euzisten um Mitternacht Handgranaten gegen einige von Juden bewohnte Häuser. Ein Haus wurde' sehr stark beschädigt und stürzte zusammen, wobei der jüdische Sägeiverksibesitzer Osias Wolf Haß und seine Gattin erhebliche Verletzung« n davontrngen. Andere Häuser wurden .'leichter beschädigt. Unter der jüdischen Bevölkerung des Städtchens herrscht große Panik. Ten Behörden ist es bis jetzt nicht gelungen, die Täter zu fassen, man weiß aber, daß im Orte ansässige Euzisten, an deren Spitze der Bürgermeister von Ar'bora steht, die Tat vollbracht haben, die schon mehrere Tage fvi'cher von den Radanantiseiniten angekündigt worden war. Der letzte Sultan. Neberführung nach Syrien. Triest, 16. Juni. Der Sarg mit der Leiche des in San Remo verstorbenen Exsultans M o h a m nt e d vi. ist gestern hier eingetroffen und wache auf t>eu Llohddampfer „Caruaro" gebrach^ der nachmittags die Fahrt »ach Syrien angetreten hat. 8laß in Doorn. Berlin, 18. Juni. Der Vorsitzende des Alldeutschen Verbandes, Justizrat El atz, der in die kürzlich ausgeflogene Rechtsverschwörnng verwickelt ist, ist als Gast des früheren Kaisers in Doorn eingetroffen. BPnn-f FnHRT pER WFü Jall... ich bestelle noch heule per Postkarte zu der am 22. u. 24. Juni beginnenden Ziehung d. Klassenlolterie _Vs Los S 4 - _l/i Los 8 8 - _Vs Los S 16 - .......Vi Los 8 32 - buO % Millionen S oder einen der vielen anderen Haupttreffer 8 500.000,250.000,100.000, 75.000, 60.000, 50.000 etc. Meine Zahlung erfolgt sodann sofort nach Erhalt der Lose mit Posterlagschein. Die Bestellung richte ich an: GLÜCKSTELLE STE WJEN,I./W!PPUNGER$TR.21 AN DER HOHEN BRÜCKE Ae Seefenffingetei In Nmi«- LlMMdNf. Der gute Fang, den die Klosterschwestern von Maria- Lanzendorf an der Seele eiües ihnen anvertrauten jüdischen Kindes gemacht haben, ist unter sehr interessanten Umständen gelungen. Wir haben festgestelll, da ß d äs Kind zu einer Zeit getauft wurde, als die W i e ne r israelitische K u l t n s g emei nd e n och die ll n t e r h a l t s k o st e n f ü r I a k v b' Klei n m a n n an das Elisabethheim in Maria-Lanzendorf bezahlte, und daß die. frommen Schwestern das jüdische Pensionsgeld noch geraume Zeit nach der Taufe Kleinmanns bedenkenlos entgegenuahmen. Es steht ferner fest, daß dieser Anstalt r e i ch l i ch j üdis ch es Geld z u f l i e ß t und sie die Mitwirkung jüdischer Berater im Kuratorium nicht verschmäht. Da Maria-Lanzendorf nicht zur' Gemeinde Wien gehört, wurde die Tatsache der erfolgten Taufe der Wiener Kultusgemeiude amtlich nicht mitgeteilt und sie hat nur durch Zufall, ungefähr ein halbes Jahr später, von dem erfolgten Seelenfang Kenntnis erhalten. Es ist ferner Tatsache, daß eine K l o st e r s ch w ester der Anstalt im jü'di scheu Jugendamt d er W i en e r K u l t u s g e m e i n d e zu ei n er Zeit v o r s p r a ch, als das Kind feit M ckn a t e n getauft war, die erfolgte Taufe verheimlichte, und daß sogar Verhandlungen mit der Knltnsgemeinde wegen Veistellnng und B e z a h l u n g eines H a n dw n g e l ch e n s oder geeigneter Prothesen für das verkrüppelte Kind gepflogen wurden. Wir loerden die ganze Angelegenheit noch ausführlich darlegen und veröffentlichen für heute bloß neuerdings einen Brief ans Satanow, dem Wohnort der bedauernswerten Mutter des Kindes. Er ist von einem dort ortsansässigen Juden geschrieben, an den Vater des Herrn Sälomon Kupferinanu gerichtet, der sich des Kindes in Wien seit Jahren nmtinuui und zeigt, w a s die K l o st e r s ch w e st e r u v o it M aria - L a n z e ndorf an der Mutter des Kindes verbrochen haben. Der Brief lautet: Verehrter uttb teuerer Freund Kupfermaun! Sie werden sich sicherlich noch au mich, Leibisch Lemberger aus Satanow, erinnern. Wir trafen uns einige Male in Hnsiatin und waren anch zusaiilmen in Szavnica. Das war schon vor einigen Jahren. Ans den Korrespondenzen, die Sie mit Frau Schewa Kleinmann geführt haben, kann ich entnehmen, das; Sie sich ihres Kindes wie eitt eigener Vater angenommen haben. Heute ist nun die Wistw e Schewa ztt mir mit einem schrecklichen Weilten gekommen. Die vielen Tränen ttnd der schreckliche I a m ni e r dieser F r a n i st n i ch t z u b e s ch reib e n. Sie hat mir eine Karte voll Eurem Sohn Salamon gezeigt, iu der er Sie von dem großen Uilglück Ihres Kindes benachrichtigt. Als ich die K'arte gelesen habe, habe ich das große Leid der ganz gebrochenen Witwe mit ihren zwei kleinen 1 Kindern verstanden. Ich fühle auch die großen SchmerM, die Sie selbst haben müssen, nachdem Sie so lange Zeit sich für das Kind eingesetzt haben. Es ist aber auch große G e f a h r, d a ß die Witwe d as L e i d n i ch t ü b e rstehcn wird. Ihre Sinne sind jetzt schon so gestört, daß sie mich gebeten hat, die Korrespondenz mit Ihn« zu führen. Ich habe diese Pflicht selbstverständlich sofort übernommen und habe sic beruhigt, daß Gott bestimmt Rettung bringen wird. Ich will nun mit Ihnen in Verbindung treten, damit wir genau überlegen, wie das Kind gerettet werden könnte. Mein Freund! Sie haben sich nm das Kmd so sehr bemüht, daß Sie jetzt ein Teil und ein Recht ans den Knaben besitzen. Fast wie ein Vater sind Sie zu dem Kmde gewesen. Sie schreiben in der Karte, daß die Mutier, zusammen mit der hiesigen Knltnsgemeinde, das Kind znrückverlangen muß, und daß ein solches Gesuchs Wirkung hätte. Ich muß Ihnen aber erklären, daß die hiesigen Verhältnisse derart sind, daß es gar nicht leicht ist, sich über derlei Angelegenheiten, die bis ins Ausland reichen, zu orienricren. Nicht einmal ein Advokat' weiß hier, was man in so einer Sache tun mtlß. An wen ntu| matt sich wende n u n d W i e muß das Gesnch lanten? Ich wende mich nun an Sie, damit wir zusammen überlegen, was zu tun ist und Gott wird uns helfen. Zunächst, bitte beraten Sie sich dort mit klugen und verständtgen Männern, wie die Sache einzuleiten ist. Schicken Sie vielleicht auch eine Kopie des Gesuches, das Frau Schewa Klemmann von hier absenden muß und auch die Adresse, an wen cs gerichtet werden soll. Schreiben Sie mir also genau, was wir tun sollen. Wenn auch die hiesige Knltnsgemeinde verlangt, daß das Kind nach Hanse zurückkehrt, wird der Knabe selbst beim russischen Konsitl in Wien vorsprechen müssen, damit er ihm die Erlaubnis zur Einreise erteilt. Schreiben Sie mir, ob das Kind noch Mnttergefühle hat und ob es nach Hause zurückkehren will. In der Karte Ihres Sohnes waren vier Zeilen bis zur Unleserlichkeit gestrichen. Hat Ihr Sohn das gemacht oder h-ack man die Karte am Wege verstümmelt. _ Leibnsch Lemberger. Eine Konferenz Mr Wische Kuttnr md Erziehung in Sesterreich. Heute und morgen tagt in Wi en die erste Konferenz für jüdische Kultur und Erziehung in Oesterreich, zu welcher Vertreter sämtlicher jüdischen Parteien und Institutionen geladen sind. Die Konferenz trägt den Stempel der strengen Unparteilichkeit und ermöglicht es deshalb allen Schattierungen, sich an ihr zu beteiligen. Sie bezweckt eine rasche Aenderung des jüdischen Erziehungswerkes in Oesterreich zum Besseren. Ueberall werden jetzt Klagen laut über die mangelhafte Erziehung des jüdischen Kindes in Oesterreich. Sie wird von den Rabbinern auf ihren Tempelkanzeln und den verschiedenen Parteiführern auf ihren Rednertribünen konstatiert. Alle wissen, daß die heutige jüdische junge Generation in Oesterreich dem Judentum fast entfremdet ist und alles schaut noch mit größeren Sorgen und Bangen in die Zukunft der nächsten jüdischen Generation in Oesterreich. Denn in Wien existiert heute, außer einigen hebräischen Kursen und dem jüdischen Realgymnasium, keine einzige Mische Schule. Die ungefähr 20.000 jüdischen schulpflichtigen Kinder in Wien sind mit ihrer jüdischen Erziehttng nur ans den leider mangelhaften jüdischen Religionsunterricht in den Wiener Volks- und Bürgerschulen angewiesen, deren Absolventen das hebräische Alphabet nicht lesen können. Die schwere ökonomische Krise Oesterreichs einerseits, die fremde Kultnrumgebnng und die unbewußten Assimilationstendenzen andererseits, brachten es hier so weit, daß die meisten jüdischen Eltern in Wien sich honte überhaupt nicht mehr nur die spezielle jüdische Erziehung ihrer Kinder kümmern. Man kann also die Sorge für die jüdische Erziehung nicht mehr den einzelnen überlassen, es muß ein überparteiisches Kultur- und Erziehungskomitee ins Leben gerufen werden. Die erste Sorge des Komitees muß sein, die Gleichgültigkeit der jüdischen Eltern zu durchbrechen und ehestens neue jüdische Schulen (Kinder- und Jugendheime) zu eröffnen. Bei genreinsamer Arbeit werden die hiezu nötigen Geldmittel aufgebracht werden können. Zn der Konferenz werden anch Vertreter der Wiener Knltnsgemeinde kommen. Die Konferenz wird daran erinnern müssen, das; die Multnsgemeinde die am meisten berufene und verpflichtete Instanz ist, für das jüdische Er-' ziehnngswerk in Wien zu sorgen. Sie hat den jüdischen Religionsunterricht in den Wiener Gemeindeschulen besser auszugestalten und auch größere Summen für neue jüdische Schicken auszuwerfen. Es wäre auch die Forderung,! daß die Wiener israelitische Kultusgemeinde überhaupt f ü r d a s ganze jüdische E r z i e h u n g sw c r k in W i en a u f k o m m t, kein unbilliges V e rlange n. Mit einer ernsten Mahnung wird sich die Konferenz auch an sämtliche jüdischen Parteien in Oesterreich wenden müssen. Denn es ist Tatsache — über die Gründe soll hier nicht diskutiert werden —, das; die jüdischen Erziehungsfragen in Oesterreich von allen jüdischen Gruppen arg vernachlässigt wurden, anch von jenen, deren Zukunft ansschließlich von der jüdischen Erziehung der jungen Generation abhängig ist. Es ist deshalb zu erwarten, daß alle Parteien den an sie gerichteten Einladungen Folge leisten und sich an der Konferenz beteiligen werden. Die Konferenz wird ein interparteiisches Komitee für Kultur und Erziehung zu wählen haben, dessen Aufgabe sein seil: 1. Sorge für die jüdische Erziehung des jüdischen Kindes und der Jugendlichen in Oesterreich. 2. Maßnahmen zur Fördernilg des Interesses der Inden Oesterreichs an jüdischen Knlturwerten. 3. Verbreitung der hebräischen Sprache und Literatur. M. Ungerfeld. Heute wird im Hanse „Anitta Müller", 2. Bezirk, Angartenstraße 35, 9 Uhr abends, die erste Konferenz für jüdische Kultur und Erziehung eröffnet. Tagesordnung: 1. Eröffnung: Prof. I. Gelernter. 2. Einleitungsreferat: Oberrabbirrer Prof. Dr. Z. P. C h a j e s. 17^7

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.