Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2627 (17.6.1926)
- Date
- 1926-06-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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St. 2687 mm, SBesitttHos SSUltec Mo-«-N,ettua«_' n. Juni 1S26 _mt I &nvmJtr»f »/htfi DofuHbuftef» ftRerßfinate /*■>! Ae Untersuchung gegen de« Rechtennwalt Dr. Haberleid. In der vorigen Woche wurde über die Verhaftung des Rechtsanwaltes Dr. S-evorin Haberfeld und des hiesigen Vertreters der Retzer Vorschußkaffe, Fritz Pauls, berichtet. Gegen die beiden hatte die Kaufmannsgattin Frau Marie R o l l e d e r beim Landesgericht eine Strafanzeige wegen Bet-ruges und Wucher erstattet. Bei Gericht ist übrigens noch eine ganze Anzahl weiterer Anzeigen gegen die Verhafteten eingelaufen. Vorgestern wurde nun in Retz über Auftrag des Wiener Untersuchungsrichters auch die Verhaftung des Präsidenten des Retze-r VvrschußkonsortiuntS, des Vaters des hier verhafteten Fritz Pauls, vorgenommen, während ein zweiter Sohn des in Retz Verhafteten in Wien als Beschuldigter einvernommen worden ist. Der Präsident des Retzer Vorschußkonsortiums, Fritz Pauls sen., ist im Laufe des gestrigen Tages von Retz durch die Gendarmerie nach Wien eskortiert und dem Landesgericht eingeliefert worden. Wildwest kn Linz. MiMSber Rm»»b«sM In «in« ««MsinSc. Linz, 16. Juni. Heute gegen 1 Uhr mittags kam in die Wechselstube L i e b m a n v im Linzer Hauptbahnhof zu dem dort allein diensthabenden Fräulein ein Herr, der schon zwei Stunden früher vorgeprochen hatte, mit zwei Komplioeu, angeblich, um Dollarnoten auszuwechseln. Einer der Burschen faßte die Kasfierin jählings am rechten Arm, während ein anderer dom Mädchen eine Pistole an die Schläft drückte mit der Drohung, sie solle schwelgen oder sie werde ni ebergeschossen. Die Kassierin hatte aber die Geistesgegenwart, auf eine geh elmangebrachte Alarmglocke zu drücken, durch die der Portier des Bahnhofes und ein Polizist herbeigemftn wurden. Die Täter sind, ohne ihren Zweck erreicht zu haben, uuerkannt-e u tko rnm-em. Wien, 17. Juni. * Üm 1623 Arbeitslose mehr. Der Stand der unter-' stützten Arbeitslosen ist in oer ersten Hälfte des Monats Zuni um 1023 auf 77.269. davon 29.661 Frauen, gestiegen. Die Zahl der im Bezüge der außerordentlichen Beihilfe stehenden Arbeitslosen, deren Zahl um 115 auf 7180 zurückgegangen ist. darunter 823 Frauen, ist in obiger Ziffer nicht etngeschlossen. * Die Verkehrsschutzausstelluug. Die Ausstellung erfreut sich nach wie vor großen Interesses, so daß die tägliche Sveirstunde von 6 auf 7 Uhr abends verlegt wurde. Das Programm für heute lautet: Filmvorführungenum 6. 11, 3 und 5 Uhr: In den Straßen Prags. Unfallfilm der österreichischen Bundesbahnen. Um 10, 12 uab 4 Uhr r Hamburg hat's eilig. Vortrag: 6 Uhr:?iNg. S t a n z i g, Brandrat deS FeuerwehrkommcmdoS, Die Feuerwehr im Verkehr der Großstadt und als Helferin bei Unfällen. Anschließend ein Verkehrsfilm. * Die Raxbahn. Die Verwaltung der Raxbahn ersucht uns, mitzuteilen, daß Anfragen wegen Schülerausflügen zu , einem Sondertarif (bet einer Teilnehmerzahl von mindestens '16 Schülern und einer Begleitperson) von den betreffenden Lehranstalten eine Woche vorher nur an das Wiener Bureau der Raxbahn, Wien, 1. Bez., Babenbergerstratze 5, 1. Stock, 1 Telephon 4530 Serie, zu richten sind. Die Raxoahnverwaltung wird bis auf weiteres für folgende Wochentage, sofern dieselben nicht auf einen Feiertag fallen, Anweisungen für Schülerkarten zu ermäßigtem Tarif abgeben, und zwar für Montag, Diens- . tag, Donnerstag und Freitag. Auf Grund dieser Anweisung können an der Kasse der Talstation der Raxbahn von den Begleitpersonen die entsprechenden ermäßigten Karten gelöst werden. * Ihr Glückslos der Klaffenlotterie erüegt bei der „Glücksstelle Stein". Die Ziehungen der Klassenlotterie beginnen bereits am 22. d. Höchstgewrnn drei Dtertelmillionen Schilling. Die Schalter der „Glücksstelle Stein", Wien, 1. Bez., Wipplingerstraße 21 (an der „Hohen Brücke") sind ununterbrochelt von 8 Uhr früh bis 6 Uhr abends geöffnet. Telephon 51-5-45 Serie. Versand überall hin. Postkarte genügt. Man beachte das heutige Inserat! E Infolge der Regengüsse der letzten Tage muß man bei der Wahl des Trisikwaffers besonders auf dem Land uttfc in der Sommerfrische vorsichtig sein, da die Natürliche Filtration des Bodens die gewaltigen Wassermengen oft nicht genügend reinigen tarnt. Verlangen Sie daher überall den von allen Aerztett empfohlenen rein natürlichen Krondorfer Sauerbmmt, das Tafel- und Hcilwaffer ersten Ranges. E Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie. Verkauf von Schiffs-, Eisenbahnuttb Schlafwagenkarten für In- und Ausland, Flttgfcheine. Auskünfte über Hotels, fachmännische Verattstaltttttgen von Äesollschafts- und Vereinsfahrten. Geldwechsel. Bitreauftunden ununterbrochen von 9 bis 5 Nyr nachtnittags (Samstag von 9 bis 2 Uhr nachmittags), Wien, 1. Bez., Kärntiterstraße 38. * Jubiläum des Gesangvereineder Slcherheitswachebeamten. Samstag und Sonntag begeht der Gesattgvereitt der Sichcrheitswachebeamten in Wien das Jubiläum seines fültfundzwanzigjährtgen Bestandes, das er Sonntag vormittags mit einem große» Festzug über den Ring bei Platzmustk feiert: wird. MMIItMZUM IMMMi mmmwummMin lUMsiMUMlMUM! i=nmi=iiiii=<mt=iiiii=i iänmiü IIIMUISOI HlNlilNUNlllHlllMlilMIimni SUaiiitalll Mische Wolilsahrtrvfiege In Deutschland. Die Düsseldorfer Tagung. Vom 6. bis 8. d. fand in Düsseldorf die Tagung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden statt. Die Tagung war aus allen Gegenden Deutschlands zahlreich besucht. Die Reichs- und Staatsbehörden sowie die allgenteine Wohlfahrtspflege hatten Vertreter entsandt. Die Teilnahme fast aller Wohlfahrtsämter, unter deren Vertretern sich außer vielen freiwilligen Helfern auch recht zahlreiche beruflich tätige Kräfte befaitden und die Beschickung durch fast alle Vereine und Organisationen, zu deren. Aufgaben die jüdische Wohlfahrtspflege gehört, sind ein deutlicher Beweis für den starken Ausbau der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland und für die wachsende Bedeutung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Die Tagung wurde 'am Sonntag Abend durch den Vorsitzenden der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Herrn Eugen Caspary eröffnet. Herr Caspary wies in kurzen Worten auf die Bedeutung des Judentum im Rheinland für das deutsche Judentum hin und auf den Wert der allgemeinen und insbesondere der jüdischen Hygieneausstellung, welche den äußeren Anlaß zur Veranstaltung der Tagung in Düsseldorf gebildet hat. Es folgten Begrüßungsansprachen seitens des Vorsitzenden der Shttagogengemeinde Düsseldorf, Herrn Felsenthal, des Vertreters des Reichsarbeitsministeriums, Ministerialrat von Gemntingen, des Vertreters des Preußischen Ministeriums für Volkswohlfahrt, Ministerialrat Wittelshöfer, des Geschäftsführers der Deutschen Liga für freie Wohlfahrtspflege, Dr. Vöhringer, der auch die Grüße der in der Liga zusammengeschlossenen Verbände: Des Zentralausschusses für die Innere Mission, des Deutschen Charitasverbandes, des Detttscherr Roten Kreuzes, des Fünften Wohlfahrtsverbandes und des Zentralwohlfahrtsausschusses der christlichen Arbeiterschaft überbrachte. Cs folgte ein Vortrag von Herrn Rabbiner Dr. B a e ck über das Thema „Der geistige Gehalt in der jüdischen Wohlfahrtspflege". Am Montag vormittags sprach Herrr Ministerialrat Dr. Wittelshöfer über Grundfragen der staatlichen Wirtschaftsfürsorge mit besonderer Betonung der für die jüdische Wohlfahrtspflege in Frage kommenden Punkte (Erwerbslosenfürsorge, Ausländerfürsorge), während der Korreferent, Herr Rechtsairwalt Doktor Georg Baum, die Haüptgebiete ' der Sozialpolitik (Durchwandererfürsorge, Arbeitsnachweiswesen, Berufsberatung) von großen allgemeinen Gesichtspunkten ans zur Darstellung brachte. Daran schloß sich der Vortrag des Herrn Dr.' Felix Theilhaber über „Jüdische Bevölkeruugsf r a g e it", der in erster Linie die sozial-hygienische Fürsorge im Interesse der Gesunderhaltung der siidischen Bevölkerung eingehend begründete. „Ueber jüdische Jugend not und Jugendhilfe" sprachen sodann Herr Obermagistratsrat Dr. Friedrich Ollendorff und Fräulein Ottesich e im er. Der Nachmittag brachte unter sachkundiger Führung des Rabbiners Dr. Eschelbacher die Besichtigung der Ausstellung „Hygiene der Juden" und nach einigen einleitenden Worten des Herrn Paul Frank, die Vorführung des jüdischen Wohlfahrtsfilms. Der Dienstagvormittag war der Erörterung der Hauptarbeitsgebiete der Zentralwohlfahrtsstelle irr den Arbeitsgemeinschaften, der jüdischen Gefährdetensürsorge und Tuberkulosefürsorge gewidmet. Ueber den wichtigen Punkt der „Fürsorge für jugendliche Psychopathen" sprach Herr Lehrer Sawady, Frau,Paula Ollendorff sprach über „Gcfängnisfürsorge". Den beiden Themen schloß sich eine lebhafte Diskussion an, in welcher wertvolle Ergänzungen, vor allen Dingen durch Herrn Rabbiner Dr. Horowitz (Frankfurt a. All.) und Frau Caro (Köln) zu den beiden Themen, insbesondere aber zu dem Thema „Gefängnisfürsorge", gemacht wurden. In der Arbeitsgenteinschüft der Tuberkulosefürsorge referierten Herr Dr. Samson über „Neuzeitliche Maßnahmen der Tuberkulosebekämpfung und Fürsorge", Fräuleitt Frieda Weinreich über „Stand der Maßnahmen gur Bekämpfung der Tuberkulose un 1 er den Iu de n in Deutsch land". Zum Schluffe sprach Frau B r e n n e r über „Zuknnftsaufgaben der jüdischen Tuberkulosefürsorge". Attch hier fand , eine eingehende Diskussion statt. Sie Tragödie eines Mische« Beamten in Ungarn. Eine erschütternde Tragödie aus dem Leben jüdischer öffentlicher Beamter in Horthy-Ungarn wurde dieser Tage aus S z a t m a r gemeldet. Der jüdische Gemeindesekretär der Ortschaft Csolt, Michael L u sKi g, der gleichzeitig Kreisnotär war, ist im Dezember vorigen .Jahres Plötzlich aus seiner Gemeinde , ve r schw unde n. Man konnte sich dies nicht erklären. In | seinem Amt wurde alles in bester Ordrtung gefunden, ftiR Familienleben war ein glückliches. Die Bemühungen der besorgten Gattin, den Aufenthaltsort des Verschwundenen zu eruieren, blieben erfolglos. Dieser Tage nun erschien ein zerfetzter Zigeunerknabe bei der Gendarmerie in Csolt und erzählte geheimnisvoll, daß der vermißte und vergeblich gesuchte Kreisnotär im nahegelegenett Wald mit einer Truppe von Wanderzigeunern im Zeltlager künipiert und wie ein gewöhnlicher Zigeuner Keffel flicke. Die Meldung erwies sich als Wahrheit. Eine Gendarmeriepatronille fand Lustig tatsächlich in Fetzen gehüllt in einer Erdhöhle. Er protestierte heftig gegen den Versuch, ihn ftiner Waldeinsamkeit zu entreißen. Man hielt ihn für verrückt und brachte ihn gewaltsam, gefesselt, nach Csolt zttrück. „Ich bin durchatts tticht verrückt", erklärte er hier in voller Ruhe. „Die Verbitterung trieb mich in die Waldeinsamkeit. Dreizehnmal wurde ich von einer Stelle in die andere versetzt. Wohin ich auch kam, stieß ich auf Feindschaft, überall wurde ich mit Böswilligkeit ausgenommen uttb verfolgt. Ich hielt es nicht länger ans. Ich ertrug das Leben nicht länger unter den Menschen. Draitßen im Walde, fern von Menschen, hat die einfache Beschäftigung, die ich von den Zigeunern erlernte, meine seelischen Schmerzen gelindert, mein seelisches Gleichgewicht hergestellt und mich fast mit den Mettschen versöhttt ..." Man bemüht sich jetzt, den an der Menschheit verzweifelten jüdischen Beamten von seiner Weltflucht abzubringen. Synagoge in Sarajevo. Synagoge in Sarajevo Sonntag den 13. d. fand in Sarajevo die feierliche Grundsteinlegung für den Ban der neuen sephardischen Synagoge statt. Der Feierlichkeit wohnten zahlreiche Gäste aus ganz Jugoslawien bei. König Alexander delegierte zur Feier der Grundsteinlegung als seinen Vertreter den Armeekommandanten General H. Kroto Smiljanic. Als Vertreter der jugoslawischen Regierung wohnten der Feierlichkeit bei: Die Herren K. Trifünovic, Minister für Kultus und Unterricht, B. M a k s i m o v i c, Minister für Inneres, Dr. B. I ov a n o v i c, Verkehrsminister, Minister für den Gesetzausgleich Dr. M. Srskic und Minister für die Agrarreform Dr. V. Andric. Ferner nahmen an der Feier teil: Der GroßrabLiner Jugoslawiens, Herr Dr. I. A l k a l a y, Oberrabbiner der Agramer jüdischen Kultusgemeinde, Herr Dr. G. Schwarz, und Oberrabbiner der sephardisch-jüdifchen Kultusgemeinde von Wien, Herr Nissim Ovadia. Fast alle jüdischen Vereine und Institutionen des Landes sendeten iha:e offiziellen Vertreter oder beglückwünschten telegraphisch die Sarajevoer sephardifch-jüdischen Gemeinde. Der Wiener Oberrabbiner Dr. Chajes beglückwünschte die Gemeinde in einem hebräischen Telegramm, in welchem er dem Wunsche Ausdruck gibt, daß die neue Synagoge „als Brennpunkt für die Belebung des jüdi-, schen Geistes in ihrem Heimatlande und der Arbeit an der Wiedergeburt unseres Volkes im Lande unserer Urväter dienen möge." H. S. * Die sephardische Kultusgemeinde, die heute etwa 2000 Mitglieder zählt, wurde in der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts durch spanische Flüchtlinge gegründet. In Sarajevo wirkten berühmte Gelehrte als Rabbiner. Unter anderen Chacham Cewi (1687h, Hija Hajon (1700), David Pardo (1764) und Mosche Perera (1840), den Sultan Abdul Medzid zum Chacham-Baschi über ganz Bosnien ernannte. Im Jahre 1580 wurde das erste Ghetto mit Tempel erbaut. Das älteste Gemeindestatut, welches noch heute im Original im Archiv der Gemeinde aufbewahrt ist, stammt aus dem Jahre 1731. Bis heute besitzt die Gemeinde zwei Tempel, von denen einer in der ersten und der andere in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts erbaut wurde. Im seinerzeitigen bosnischen Landtag war die sephardische Kultusgemeinde dtrrch einen Vivilisten vertreten. Eine Bitte der Mtwe David Frischmanns. Behufs Vervollständigung der literarischer Werke des vor einigen Jahren Verstorbenen Schriftstellers und Kritikers David Frischm aittt sollen die Briefe des Verblichenen, sofern sie literarischen Wert und für die Geschichte der jüdischen und hebräischen Literatur von Bedetttung sind, in einem Saanmekbande herausgogeben lverden. Die Witwe Frischmanns wettdet sich daher an alle Fremtde und Bekatmtett des Verswrbenen, die rat Besitze solcher Briefe von Frischmanu sind, diese ihr zu dem bezoichneton Zwecke zur Verfügung stellen zu wollen. Frau Frischmann wird die ihr freundlich überlassenen Originalbriefe nach deren Abschrift mit Dank an den Absender zurückstellen. Die 'erbetenen Briefe sind zu setvden an Frau Mtwe L. Friffchmann, Warszawa, Aleje Jerozolimskie 9/20. Donnerstag den 17. Juni, Illir abends, in den OlvMpttstzlen Feiet aus Anlaß der Aufstellung der zehntausendsten Büchse ✓ Aus dem Programm: 1. Ansprache, 2. gfasechebd»: TcheleSh Lawan, 3. Turnriege: Makkaht IX, 4. „BUChsettspUk“, dramatische Aufführung Blau-Weiß, 5. Verlesung der ersten Eintragungen in den iPinlrnr Hnlrmrn'HrtSnjrimnfh" Ahc Mitarbeticr des Keetn Kajcmeth sowie dk Gesinnungsgenossen überhaupt werden zur Teünahme besfens eiogefiKien ElnOrBtt fral '