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Wiener Morgenzeitung · 1926-06-15 · Heft 2625 (15.6.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2625 (15.6.1926)
Date
1926-06-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Men, -rnen-M xmtntt Mök-e«Aenu«A m. {tum jwsm wm » ' ^aßMüwrÜük w fwfpvf ÄwVw®5 Mw. Girr Protest des Professors Haus Drieseh. Der Lechziger Rechts-Philosoph Hans Driesch nimmt im „Berliner Tageiblalt" Stellung zu dem bekanntest Pamphlet der Hannoverschen Professoren gegen Lessing. Professor Driesch zieht eilt« Parallele zu dem Dreyfuß-Fall und sagt weiter: „Der Kundige weiß, daß die Studenten nur die Porgcschobenetl sind und daß ltngenannte Hintermänner da sind, denen der Hindenbrrrg-Anfsatz Lcssiilgs nur ein B o r w a n d ist, um einen Lehrer zu entfernen, weil er für das neue Reich einsteht itnd ihiren dadurch unbequem ist . . . Das deutsche Ansehen in der Welt, durch die Morde an Erzöerger und R a t h e n a u, durch die F e in e m o r d e, durch alle ntöglichen Putschversuche und durch die Inflation und ihre Folgen schwer erschüttert, beginnt zn steige,«. Ader wir dürfen das kleine Kapital an Ansehen, das wir uns wieder erworben haben, tvahrhaftig nicht leichtsinnig aufs Spiel... sehen." Dheovov veMn^Ä Beziehungen zum Judentum. Im« „Prager Tagblatt" veröffentlicht Professor Lessing eine autobiographische Skizze, in der es unter anderem heißt: „^ch wuchs auf als ein Knabe ans religiös-indifferentem Elternhaus. Die Eltern waren beiderseits Inden. Aber es hatte schon unter den Borgeschlechtern christliche und arische Elemente gegeben. Ein Großonkel war englischer Erzbischof-Kardinal. Der Berliner Zweig der Familie war mit Nachkommenschaft ans Gotthold Ephrairn Lessings Familie versippt und wollte von jüdischer Abstammung u i ch t S w i s s e n. Ein Großonkel war leidenschaftlicher Antisemit; ebenso ein Bruder der Mutter. Als ich mündig wurde, ließ man mir die Wahl, zn welcher Konfession ich gehören «volle, llnd ich wählte, dnrchaus nur ans Bequemlichkeit, die ev a n g e l i s ch e. Gerade damals aber kanr mir zun« Bewußtsein,. was es heißt, als Jude geboren z«« sei««, Unter meinen Schul- und Stitdrengenosseu hatte ich nicht als solcher zu leiden. Aber nun sah «ch unter diesen Gefährten zum« erstenmal sich „antisemitische" Neigungen erheben. Ich schämte rnich dann, bei dergleichen nicht zu tviderfprechen. Andererseits wußte ich ja aber fast nichts vom Judcutnu«. Da hörte ich «im 1900 zum erstenmal vom Zionismus" «md stieß auf ein s^lbstbctontes, würdebereites Prinzip. .Ich wurde nur« zwar an meiner derrtschen Wesensart nicht irre, aber ich empfand es als geschmacklos, deutsch sein zu wollen; ich fühlte ja, daß man «nich abdrängte «nrd ausstieß. — Die Entscheidung aber brachte der mächtigste der Götter. — Ein Mädchen aus altem Preußenadel schenkte dev« namenlosen Studenten fanatische Leidenschaft und Verließ, als ihre Militär- und Junkersippe, stolz auf Verwandtschaft mit dem Hohenzollernhause, die bürgerliche und j.n dewblmiii^ e Verbindung äblehnte, folgerichtig ihre ganze alte Tradition. BeDe wurden nun Freiwild.' — Die Folge davon war, daß meine junge. Frau und ich, allen zi«m Trotz begeisterte Zionisten wurden, daß unsere Kinder jüdische Namen bekanien und daß ich nunmehr erst offiziell z,«m-J4tdentum übertrat oder besftr zrwücktrat." KnÄGnuftvecht. Berlin,. 14.. Juni. (Wolfs.) Der KuliMminister Doktor Becker erklärte einem .Vertreter des Wolff-Telegrapheubureans 51t de«: Vorfällen in Hannover: „Wir leben nicht in der Zeit des. Faustnnd. Fehderechtes. Das illegale Vorgehen der Siude««teuschast, das stch heute gegen Professor Lessing «veudet, kann sich morgen gegen joden anderen Dozenten wenden. Es ist daher, befremdlich, wie aus Kreisen heraus, die mit ^Worten für die.Aufrechterhaltung der staatlichen Autorität eiutreteu, das Borgehe«« der Studentenschaft eine nrchr oder weniger versteckte moralische Unterstützung erfährt. Das gilt besonders von den Aeußernngen ei n z e ln e r Pr 0 f es so r e n tu der Oesseutlichkeit. Was die Studenten treibe««, ist nack ter Scrro r, der nicht weniger Terror wird dadurch, daß er ein akademischer ist.'. Das kann in einem' R ech t s st a a t nicht geduldetwerden und wird von der prerrßvschen Regierung auch nicht geduldet werden." Der StudentenstDeil in Hannover. Hannover, .14. Juni. (Wolfs.) Gemäß dem Boschluß der Studeuteuschaft der hiesigen Technischen Hochschule hat heute der größte Teil der Studenten die Hochschule nicht besucht. Aus diesen« Grunde sind auch he««te keine Vorlesungen abgehalten «vvrden. Der Hochschnlbetrieb soll erst Mittwoch «vieder cnifgenmmne«« werden. Kundgebungen in Wien. Für he««te vormittags si««d an alle«« Wiener Hock)schnlen ociiischnationale Demonstrationen a««gokündigt. Um 1l Uhr vormittags soll in der Universität eine gemeinsame Knirdgebimg für die Streikende«« i«c Hannover stattfinden. Wildwest in Griechenland. Ueberfall auf einen Geldtransport. Paris, 14. Juni. Den Blättern wird a««s Athen genceldet: Ein Automobil «nit einen« für die Nationalbank best imntten Transport von 15 SKittioncn Drach «it e n ist zwische«« P r e v e z a und I a n i n a von Räubern überfalle n worder«. Zwischen den herbeigeeilten Gendaru«e«t uub Räubern kam es 51t einen« Feuergesecht, bei den« drei G e n d a r m e«« und drei A r« g e st e l l t e der Mtioualbank getötet wurde««. Die Bar«diten sind schließlich mit der Beute geflüchtet. Fvdttau« der dratzttose« Leiegravhie. GyeurWen für Mareorri. Anläßlich des dreißigsten Jahrestages der Erteilung des ersten Patents für drahtlose Telegraphie au Guglielmo Marc 0 n i fand gestern in B 0 l 0 g;«a, der Vaterstadt des ErftMrs, eine Feier statt, au der sich die Vertreter aller staatlichen ««««>) städtischen Behörden sowie der intellektuellen Kreise Jtalier«s beteiligten. König Viktor Ernauuel sandle au den Bürgermeister von Bolog««a ein Telegramm,, «vorin er sich den Kundgebungen zu Ehren des berühmten Sohnes Bolvgnas aitschwß. Seirator M a x c 0 «t i begab sich voriltittags in Begleitung des Bolkswirtschaftsminisier Bellnzzo und zahlreicher anderer Persönlichkeitei« ««« den großen Saal des Archi- Gymnasiunrs, «vo er von den versammelten Festteilneh>««ern begeistert begrüßt «vurde. Der Kommissär der Handelska:«imerteilte die Stiftung von jährlichen Goldpreisen «rnd Goldmedaille«« mit, die zu Ochren Mareonis an den ch e nt t s ch c n lut d math e m atischen Fakultäten «erkannt werden sollen. Bölkswirtschaftsminister Belluzzo sprach sodann im Namender Regierung u««o sagte unter anderen«, Italien wolle seine großen Geister ehren, ohne ihren Tod -erst abzuwarten. Er schloß «nit dem Ausdruck des Tankes Italiens an seinen große«« Schn. Marconi dankte für die .Kundgebungen und gab sodann eine«« Ueberblick über die verschiedenen Phasen seiner Ersindung, .«vvbei er unter Anspielung auf die von ihm erdachte Bereinigung elektrischer Wellen in Bunde,!«« (sascio) bemerkte: Ich gebrauche heute das Wort „BündeLsystem", nicht, weil ich Faszist dir« und «veil der Faszismns zum Glücke Italiens triumphiert. Ich beanspruch.' für «««ich die Ehre, aus den« Gebiete der Radiotelegraphie der erste „Faszist" gewesen z«l sein, der erste, der die Nützlichkeit erfaunt hat, die . elektrischen Strahlen in eitlem Bündel zu vereinigen, «vie Mussolini zuerst auf dem politischen Gebiete die Not.nendigkeit erkannt hat, die gesunden Energien des Landes in einen« Bündel zn vereinigen. -i- Die Marconischen Versuche gehen aus die Entdeckungen des jüdischen Physikers Wilhelm H c r tz zurück, an den heute niemand mehr denkt. Wettrennen um das bette Lininanten^tv. 10.000 Diamanteugrirber. Ans .Johannesburg wird gemeldet: Die Ausrufung des neue»« Diamantenfeldes bei der'Farn« Elandspu^tcd führte zr« Szenen, wie sie in der Geschichte des südafrikanischen Diamantengräbertums noch nicht dagewesen sind. Der Kampf um die Mutun-gen «var ein anifr egendes Geschäft. Es hatten sich «"«her 10.000 Diamantengräber eingebunden, und diese wurden, wie Pferde bei ei neu« Pfe «derer« nen, gleichzeitig a b g e l a ss e n und mußten über eine vier Meilen lange, felsige Landstraße rennen, um zu den« Diamautenseld zu gelange,«. Die von dieser jagende«« MeNjckMmasse oufgewirbelten Staubwolken glichen den Pillverschwadcn in e«««er große«« Artillerieschlacht. Viele Feldtiere wurden zertranchelt. Eitrige der wohlhabenden Diamanterrgräbcr hatte berufsmäßige Läufer angeworben, um sich dü: besten Mntungen zu sichern. Mit Frauen und Kindern befinden sich etwa 20.000 Menscher« auf Elandsputted, und wo vor «venigen Tagen noch ein ödes Feld itvar, ist eine Barackenstadt erstanden. Die Behörden sehe«« sich plötzlich vor schwierige Ausgaben gestellt. Me «re««e Stadt «nutz verproviantiert «verden. Es müssen Maßnahnrcn zur Nusrechterhaltung von Gesetz und Ordnung «zetroffei« tverden, die nötige«« sanitäre«« Eir«r«chtungen müssen geschafft>«, Aerzte Hera««gezogen tverden »sw. Familiendrame». Ein russischer Bildhauer in Prag erschossen. In der Prager russische» Errrigrantenk 0 l 0 n i e spielte sich mn Sonntag e-ne blutige Ehetragödie ab. Der russische Bildhauer N«kolat A n a t c e j, den seine Frau verlassen hatte, batte sich nach der Wohnung des junge«« Studenten Ajevolod Stukow aufgen«acht, um dort s e i n e f l «1 ch t i g e G a t t i n zu suchen. Als er in die Wohnung des Studenten kan«, «vurde er von diesem^aus einer russischen Armeepistole in d e n K 0 v s geschossen. Der Student m«d die Gattin des schwerverletzten Bildhauers wurde verhaftet. Eine TvngSvie in BndrrHeft. J«n B r« d a p e st e r A r b e i t e r v i e r t e l hat am Sonrrtag der eben erst aus Konstantinopel heimgekehrte Maschineningenie««r Johann M a n e r a, vor« einen« Spaziergang zurückkehrend, feine bildschöne junge Fra«« u««d seinen dreijährigen Knaben erschösse««. Dann schoß er sich selbst eine Kugel durch den Kops. Alle drei «varen sofort tot. Der Selbstmörder richtete an die Polizei einen langen Brief, bei« er noch auf der Fahrt von Konstantinopel nach Budapest verfaßt hatte «u«d in de««r er die Gründe, welche ihn zn der-Tat bewogen, darlegte. Er erklärt «>« diesen« Briefe, daß er sich «rnd seir«e Fan««lie a>«srottei« lverde, da ihn das unglückliche Fa n« i l i e n l e b e«« i«nd «natericTtc N 0 t dazu zlvingen. * Grotzfe«»er in Wiener-Neustadt. Aus Wiene.r-Neustadt loird berichtet: Samstag nachts brach im Lagechaus der landruirtschaftlichen Genosserrschast in der Wienerstraße ein großer Bra««v a««s. Das Objekt mit mehreren Waggons Heu und Stroh loi«rde ein Raub der Flmnrne««. Der Saiaden geht in die hn««derte M«llio>«eu Kronen. Die Ausbreitung der Brandes ««'»rde durch die Feuerwehr, von der einige Mann Berlehiingen erlitte««, verhinder« und das Feuer nach mehrstündiger Arbeit gctöjchl. vß Ü2he sgriricF fohrt itfr Mü -RjU Ja!!... teil bestelle nochHeute per Postkarte zu der am 22. u. 24. Juni beginnenden Ziehung d. Klassenlolterie _Vs Los S 4 — 7< Los S 6— . Va Los S 16 - Vi Los S 32'- uul pwiane % Millionen S oder einen der vielen anderen Haupttreffer 8 500.000,250.000,100.000, 75.600, 60.000, 50.000 etc. Meine Zahlung erfolgt sodann sofort nach Erhalt der Lose mit Posterlagscheln. Die Bestellung richte Ich an: GLÜCKSTELLE STEIN WIEN,I.,'WPPUNQ£ß STR.21. AN DER HOHEN BROCKE W t c «t, 15. Jimi. * Sie hat sich überflüssig gefühlt. Die Berliner Scha««- spielerin Ellen Neustadt er hat sich gestern mit Betonal vergiftet. Eva, die Töchter ans ihrer Ehe «nit-Dr. Einil Gehe r, dem jetzigen Direktor des Theaters in der Josefstadt, hat die schützende Hand der Mritter schon entbehre«« können, der Geliebte, der Berliner Schauspieler Leo Reuß, hat die Alternde verlassen u««d heiratete die Schauspielerin Agnes Straub, die ^Kunsthielt a««ch «««cht alles, was sie in der Jugeird versprach, — lvas blieb noch einer sei««ftchligen, überreizten, einsamen Frau anderes — als der Tod. Das heißt, was anderes glarvbte die arme Schauspielerin Neustädter, daß ihr blrob?... Seit «ltersher kennt man die Tragödie der vereinsamten, „überflüssigen", alternden Frau. Erst in Unserer Zeit hat sie aber all' die Schärfe und Aktualität erhalten, die gleich nach Bewn-alpulver oder dem Revolver greifen laßt. Die Nerven sind zerrütteter, das seelische Gleichgewicht ist von« sexuellen in starke Abhängigkeit geraten und d>«e. Liebe braucht wahrlich he««te nur oirres kleinen Wiirdstoßes, um aus dem Gleichgewicht zn kommen. Gerade für die sensiblsn, feinen Fvauen ist die Zeit besonders gefahrvoll: sie gehen meist ar« der Ueberempfindlichkeit zugrunde, denn n««r die Stärkten fühlen sich heute nicht „überflüssig". Die Stärksten und die Eingebildeten... Die Frauen, die bekcn«ntlich «n«r sehr selten ein Leben der Phantasie führen können nnd an der Wirklichkeit a«n meisten leiden, sind den Stürvren der Zeit kaum gewachsen. Sie firrchten nicht den Kampf, wie Ellen Neustädter in ihrem Abschredsbrief schrieb, aber sie wissen nicht, wozu... I. th. * Regen nnd Abkühlung. Nach der Hitze am So««««tag trat noch in der Nacht ein großer Umschwung ein, der sich in Wien in einem heftigen Sturm äußerte. Gestern mittags setzte wieder Rege» ein, der bei starker ÄMhlnng unvermindert a'ndanerte. Me Vora««ssage lautet: Trrüb, Regen, kühl. * Einbruch in der Leopoldstadt. Sonntag irachts sind von« Keller aus Einbrecher in das Ledergeschäst FÄschl, Lilienbrnnngasse ll, nach Durchbrechung einer Mauer g<»riu«gen und haben Ledertvaven im Werte von 2500 bis 3000 S. gestohlen. * Streik in der staatlichen Prothesenwerkstätte. Dem Beispiel der streikenden Arbeiter der Bandagisten folgerrd, sind ünch die Arbeiter der staatlichen Prothesenwerkstgtte tvegen unerfüllter Lohnforderimgen gestern i n den Aws'st a nd getreten. * Warnung vor. Hyänen der Wohltätigkeit. Herr J.^Burszckyn, der Besitzer des Beatrixbades, ersucht uns, die Oeffentlichkeit ans einrge J««dividuen auftneMan« zu «nache««, welche unbefugt für Woh-ltätigkeitsz w e ck e G e l ü e r sammeln, also Summen heräuslocken, die ihrer Bestimmung r««cht -««geführt werden. Bor einigen Tagen sei ein ungofayr 35 Jahre alte« Mann in Begleitung eines ungefähr Sechzigjährigen bei ii)u« erschienen, habe sich als Mabbi««er ans Litauen vorgostellt, «.m für eine Jöschibah zu läulmeln. Er wies eirvige Samnrlungsbücher vor, in welchen Beträge von insgesamt nnndestens 10.000 S. verzeichr«ct waren. Die Schtvindler beriefen sich auf Rabbiner Maversohi« «md auf Oberrabbiner Dr. Chajes. Herr B««rsztyn stellte fest, daß diese Angaben erlogen sirrd nnd daß die beiden kemerlei Kenntnisse des Talmuds cnrfwivsen. Ferner sei bei Herrn Bursztyn ein scmberes Paar erschierren, zwei Männer, von denen der eine sich als Rabbiner aus Jerusalem auAgab. Sie sammelten ebenfalls für eine JeWbcch. Mch sie hxvtefen sich fälschlich auf Oberrabbiner Dr. Chajes und.es.paar nicht schwer, die beiden als Schturpdlev^ m -meii,

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