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Wiener Morgenzeitung · 1926-06-13 · Heft 2623 (13.6.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2623 (13.6.1926)
Date
1926-06-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Men, Sonntag 13. Juni 1926 Nr. 2888 A“*'" Retthoffer-Anderseife Ueberatl erhältlich! 133 Tagesbericht. Das Attentat Vchwmbarths. Fälschungen der Motive. In einer Reihe von Zeitungen wird jetzt der offenbar Ion seilen der Petljura-Frennde ausgehende Versuch unternommen, Schwarzbarth als einen Agenten der Sowjetregierung hinzustellen, der im Auftrag Moskaus einen Mordbesehl gegen den Ataman vollstrcckt hat. Das geschieht zu -dem Zweck, den Hintergrund/der Tat zu verdecken und die Aufmerksamkeit der Untersuchungsbchörde von den Judenpogromen abzulenken. n Bien hat sich gestern die von Bethlen ausgehaltene „Wiener Allgemeine Zeitung" zu dieser Fälschung hergegeben. Eine Erklärung dieses Treibens gibt der Verteidiger Schwar-zbarths, der Pariser Rechtsanwalt Torres, der in einem Gefträch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphenag'.itur erklärt: Ter W c l t a n t i s e m i t i s m u s sucht die Tat Schwarzbarths für seine Agitation auszunützen; er fühlt, Satz diese Tat eine Reaktion auf die antisemitische Verhetzung ist. Schwarzbarth selbst hat seine Motive mit seltenem Freimnüdargelegt: die Tat liegt citab von politischen oder konfessionellen Tendenzen: sie ist e ine menschliche Rache für die Abschlachtung vieler tausender Brüder. Die Seele des jüdischen Volkes hat diese Tat begriffen. Schwarz'barch selbst trägt die Leiden seiner Haft mit bewundernswerten! Mut. Die Behauptungen, gewisser Zeitungen, daß Schwarzba-rth auf Befehl der Sowjetgesandtschaft gehandelt und daß er kommunistische Komplicen habe, ist einfach abgeschmackt. Ich versichere: es besteht nicht die geringste Spur einer Beziehung zwischen Schwarzbarih und der Sopjetregierung oder de-r kommunistischen Parier in Rußland oder in Frankreich. Schwarzbarth ist nicht Kommunist, ja er ist ein Gegner^des Kommunismus, seine Tat steht in keinerlei Beziehung zum, Kommunismus oder zur Politik überhaupt. Sie ist ein Protest gegen Pogrome und sie wird das Gewissen der- Welt gegen die Duldung grauenvoller M e u s ch e n ,s ch l ä ch t >e r e i e n aufrütteln. In dieser Linie werde ich die Verteidigung führen, und ich gbrube,. daß die Jury des französischen Volkes, jenes Volkes, «das als erstes den Juden Menschen- und Bürgerrechte gegeben hat, dies verstehen wird. Ich sagte „Verteidigung", in Wahrheit aber wird es eine' schwere Anklage gegen die verbrecherische Mordhetze des Antisemitismus in der ganzen W e l t sein. Schwargbarth ist mein jüdischer Bruder und zugleich mein Waffenbruder, der mit mir gemeinsam Frankreichs Boden hat verteidigen Helsen. Ich habe Vertrauen zur französischen Justiz nnd zum Gewiffen des französischen Volkes. Die Untersuchung dürste ftr Pier bis .fünf Monaten beendet sein, - . ■ i i; Das jüdische Regiment im Weltkrieg. Von Dr. Artnr Roseuberg. Das Erleben des Weltkrieges beginnt allmählich Geschichte zn Wehrden. Was er an dauernden Ergäbniflen dem Mischen Volk gebracht, liegt in der Zukunft; au tiefgreifenden Erscheinungen hat er 'ihm unendlich viel geschaffen, nicht zuletzt die Tatsache, daß zunl erstenmal seit zwei Jahrtausenden Juden in einer geschlossenen Gruppe in hie Kämpfe der Weltgeschichte eingegviffen habe. Der Volksmund bezeichnete diese Streitkraft als das jüdische Regünent; ihre Geschichte hat ihr Befehlshaber, der britische Oberstleutnant John Henry Patterson, niedergeschvielbeu. Es soll um versucht weiden, sie nach einer Darstellung (Wich the Judaeans in the Palestine Campaign) hier kurz wiederMeben, weil zur Zeit der Geschchnisse die Kunde hievon nur unvollständig, oft unrichtig in die Oeffenftichkeit der mitteleuropäischen Staaten dringen konnte. Im Frühling 1917 stand «s schlecht um die Sache des Verbandes. Belgien, Serbien, Rumänien waren in den Händen der Mittelmächte, Italien in den Grundfesten erschüttert, Rußland verloren. Die führenden Staatsmänner des Bereiches sahen überall nach Hilfe aus. Stimnrung der Juden, vor allen: ihre wirtschaftliche Mitarbeit und Unterstützung, erschien ihnen wichtig. Eine politische Verbindung mit den zionistischen Bestrebungen entsprach einer weitvorschanenden britischen Kolonialpolitik. Auf jüdischer Seite in England wie in Amerika bestand freudige Bereitwilligkeit. Schon seit Kriegsbeginn, bisher jedoch immer vergeblich, war Lloyd George im Kriegs rat dafür eiugetreten,.die Mittelmächte an ihrer schwächsten Stelle, der Türkei, uiitz hier wiedermn in Palästina, anzugreifen, uur die Entscheidung herbeiznführen. Jetzt endlich konnte er durchdringen. Die Eroberung Palästinas war das nächte Kriegsziel. Der Augenblick für eine Verständigung war gegeben. Gesinnung sollte durch Blutsbande gefestigt werden. Schau früher gab, es im Verbaudsheer ein kleines jüdisches .^'lfskorps, Im März 1915. meldeten sich etwa 500 Juden, Wiener Ärorgenzeitmrg „Me man weiß." Gine Hetzerei der „Frankfurter Zeitung" gegen den Zionismus. Die „Frankfurter Zeitung" hat etwas Neues erfunden. Nachdenl das Gezeter über den doppelten Patriotismus der Zionisten verhallt ist, wendet sich das demokratische Organ wieder den Arabern, diesmal den drnsischen Stämmen, zu. Jouvenel hat eine jüdische Kolonisation im Hauran angeregt, in einem Gebiet, in welchem sich schon früher einmal jüdische Siedlungen befunden haben. Das Angebot muß, wie sich's von selbst versteht, ernst behandelt werden, wobei auch die politische Seite der Frage von eminentester Bedeutung ist. Eine abschließende Erklärung der Zionistischen Organisation liegt nicht vor und könnte naturgemäß nur vom zionistischen Kongreß abgegeben werden. Die „Frankfurter Zeitung" ist aber nichtsdestoweniger mit ih«m UAeil schon fertig: „Der Hauran ist, wie man weiß, mit dom Dschebel Drus identisch. Die Taktik der französischen Regierung ist ohne weiteres klar: sie will im Hauran, dem durch den Mandatsbeschluß des Völkerburches innere Autonomie zngesichert ist, durch das Mittel d^r jüdischen Kolonisation ein künstliches „Gleichgewichtsverhältnis" gegenüber den Drusen Herstellen. Der zionistische Führer Dr. W e r z m a n n wird, wie verlautet, demnächst nach Paris kommen, nm in Gegenwart von M. de Jouvenel mit Briand über diese Frage zu verhandeln. Wie aus dem „Palestine Weekly" ersichtlich, scheint man in gewissen zionistischen Kreisen eine künftige Kolonisationstätigkeit im Hauran als eine wünschenswerte Erweiterung der zionistischen Aktivität außerhalb Palästinas zu betrachten; die trotzdem noch vorhandenen Bedenken sind lediglich wirtschaftlicher Natur . , » Eine solche Haltung der Zionisten würde natürlich eine weitere Rückwirkung in der Einstellung der avAischen Welt znm zionistischen Problem haben. Sie würde jenen recht geben, tue behaupten, daß dem Zionismus an einem Ausgleich mit den Arabern nur soweit gelegen ist, als es seine eigenen Ziele erfordern, daß der Zionismus im übrigen nicht nur taktisch, sondern auch gefühlsmäßig dem europäischen Imperialismus verbunden ist. Es fragt sich nun, ob sich die Zionisten bei ihrer Entscheidung über das Angebot de Jouvenels dieser Zusammenhänge bewußt sein werden." Die Sorgen der Frankfurter Demokraten sind überflüssig. Sie kann darauf bauen, daß sich die Zionisten bewußt seiL werden, zumal die Zionisten besser Geographie kennen. Wir man weiß, ist der Hauran mit dem Dschebel Drus nicht identisch. Der Hauran liegt südöstlich von Damaskus, der Dschebel Drus westlich. Im Hauran, dessen Bevölkerung an KLUB RADIKALER ZIONISTEN Mittwoch, den 16. Jrihi, kalb 9 Uhr abends, findet im Cafe Atlashof (Klublokal) L, Aspernplatz, eine Klubversammlung statt Tage-soxdming: Freie Aussprache über die Arbeit unserer Fonds (K. fl. und N. F.) und ihre Reorgcudsation. Einleitendes Referat: Dr. N. Gelber, Leiter des K. H. Die Klubversammlungen finden regelmässig jeden Mittwoch statt Alle Klubmltglieder haben zu erscheinen. Von KlubmttgUedera eingeführte Zionisten, welche Im österreichischen Landesverband organisiert sind, ais Gäste willkommen. Der Obmann: Robert Stricker die aus Palästina nach Aegypten geflüchtet waren, über Initiative Jabotinskys zu freiwilligen Diensten im Kampf gegen die Türkei. Sie bildeten das Zion-Mule-(Mauttier-) Corps, das bei den Kämpfen auf Gallrpoli lverwolle Dienste leistete. Zum Kommandanten wurde der gerade dienstfreie Oberstleutnant Patterson ernannt. Wieder war es jetzt Jabotinsky, der die Initiative ergriff. Er glaubte, eine Freiwilligenschar von 50.000 Mann für die Eroberung Palästinas aufbringen zu können. Hand in Hand damit gingen die Verhandlungen der zionistischen Leitung in London, die zu der Balfour-Deklaration führten. Zum Kommandanten der zu bildenden Einheit wurde Patterson aus ersehen, den sein« Mischen Soldaten im Gallipoli-Fekdzug kennen und lieben gelernt hatten. Am 8. August 1917 fand im Kriegsministermm unter Teilnahme von Vertretern des Judentums und der Ministerien gleichsam die gründende Versammlung der jüdischen Heeresgruppe statt. Und schon begann der innere Kampf. Eine halbe Stunde nach Beendigung der Sitzung wurde Patterson zu einem Vorgesetzten besohlen. Er ivar von zwei angesehenen englischen Juden beschuldigt worden, zionistische Versammlungen a b z u h a l t e »'. Ueberall erwuchs Widerstand. Dieser steigerte sich, als die amtliche „Londoner Gazette" die Bildung des Regiments meldete und gleichzeitig die Absicht bekannt wurde, es durch eine jüdische Bezeichnung und ein eigenes jüdisches Abzeichen zu ehren. Der Staatskanzler für Heerwesen konnte dem Ansturm des Unwillens nicht widerstehen. Er versprach einer jüdischen Abordnung, daß ein besonderer Name und ein eigenes Abzeichen unterbleiben würden. Als „königliche Füsiliere" wurden die jüdischen Bataillone ausgehoben. Damit begnügten sich jedoch die Gegner nicht. Eine mächtige Agitation wurde unter der jüdischen Bevölkerung, ja selbst an der französischen Front entfaltet, um den Eintritt in die Freiwilligenschar zu verhindern. Das Ergebnis dieser Tätigkeit war, daß statt der 40.000 Mann, die man allein ans England in kurzer Zeit erlvartet hatte, über vier Monate verstrichen, che das erste Bataillon aufgebracht werden konnte. Sette-' TW ARNOLD UCHHAU5 SCHNEIDER DAMENuHEDREHSTOFFE Ph I. BcuJteiriirLQurkt 21 leite vad. Flteischmarkt l/ETAILVERKAUFzuENGR05PREI5EN und für sich sehr gering ist, leben nur sehr wenige Drusen, die dorthin vor der Herrschaft der arabischen Notabeln nn Libanon geflüchtet sind. Es wäre vielleicht angezeigt, wenn die „Frankfurter Zeitung" auch diesen Arabern eine Borlesus? über Imperialismus halten würde. Ein Borweltriese. In einer Ziegelei inSobernhei m in Hessen wurden die Reste eines riesigenMammuts aus dem Lößboden ausgegraben. Bisher wurden der Schädel mit Stoßzahnresten, Unterkiefer, mchrere Rippen und Gliedmaßenknochen geborgen. Die Ausgrabungen werden fortgesetzt. Die Skclettteile wurden dem Frankstrrter Museum zugeführt. Eine Aufstellung ^des Skeletts düvste aber kaum möglich sein, da zahlreiche wichtige Knochen zerschlagen sind. Fund eines Neawdertalschädels in Gibraltar. In Gibraltar hat mau bei Ausgrabungen das Stirnbein und andere Teile eines menschlichen Schädels gefunden, der gleicher Art sein soll wie dei^ berühnite „G i b r a ltarschädel", der in den Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts gefunden worden ist. Er soll nach vorsichtigen Schätzungen 2 0.0 0 0 Jahre alt sein. Der Mann, der ans den Mond geschaffen werden wollte. Robert Matthews war ein junger, lebenslustiger Mann, der sich in seiner Vaterstadt Birmingham glücklicher 'Lebensumstände erfreute, als er mit neunzehn Jahren nach Amerika ging, um dort sein Glück zu machen. Der intelligente junge Mann bestand in New-Aovk mit gutem Erfolg seine Jngenieurprüfung und ging darauf nach San Franziska, wo er als zweiter Direktor einer Seifenfabrik eine glänzende Stellung erhielt. Alles wäre gut gegangen, wenn nicht Mr. Matthews im innersten Helfen eine Poetisch veranlagte Natur gewesen wäre, die auf die Dauer an dieser wenn auch notwendigen, so doch allzu nüchternen Beschäftigung keinen Gefallen fand. So verschrieb er sich zu seinem Unglück ganz dem astronomischen Studium. Mer mit der Zeit begann er einzusehen, daß es doch eigentlich wenig Zweck habe, stundenlang durch das Fernrohr zu starren; er fühlte sich überflüssig auf dieser Welt und verfiel der Melancholie. Bis eines Tages das berühnite Projekt des Professors G o d d a r d bekannt wurde nnd in ganz Amerika großes Aufsehen erregte. Goddavd wollte bekanntlich eine Rrefenrakete nach dem Mond abschießen. Er .hatte genau die Menge des notwendigen Explosivstoffes berechnet, um das Geschoß über die Zone, in der die Anziehungskraft der Erde wirksam ist, hmauszutreiben. Die Rakete sollte aus Einzelgeschossen bestehen, deren.letztes die Zone erreichen sollte, wo die Anzichungskrast des Mondes zu wirken beginnt nnd auf diese Weise auf dem fernen Planeten landen. Als Matthews diesen Plan in der Zeitung gelesen hatte, war er begeistert; er fühlte seine alte Liebe für die Wissenschaft und mit chr die Lebensgeister wiederkchven. Augenblicklich schrieb er den: Professor und bat um die Erlaubnis, in der Rakete Platz nehmen zu dürfe«. Vergebens versuchte der Physiker, ihm Dazu kam aber noch eine Schwächung von innen. Patterson schreibt: „Sonderbarerweise blickte auch das Zionistrsche Mronskomttee, soweit ich beobachten konnte, mit Ausnahme Dr. Weizmanns, voll Mißtrauen auf uns... Wie verschiedenartig wäre doch die Position der Zionisten aus der Friedenskonferenz gewesen, wenn sie auf 50.000 Mann jüdischer Truppen in Palästina hätten Hinweisen können, statt auf die 5000, die bei Kriegsende dort Dienst leisteten." Und doch kam endlich das erste Bataillon zustande. Die Ausbildung erfolgte in Plymouth. Geschwindigkeit und Geschicklichkeit, mit der die jüdischen Freiwilligen die Schwierigkeiten einer für sie ganz neuen Lebensführung überwanden, erregten die Bewunderung ihres Kommandanten und der iuffnzierenden Generäle. Nach einigen Monaten hätte nieman mehr „in den prächtigen wettergebräunten Leuten, -die in selbstbewußter Haltung, stolz auf sich , und ihr Bataillon emhevschritten, die bleichen, gedrückten, armseligen Rekruten wiedererkannt, die nach Plymouth kamen". Am 8. Februar wurde das erste Bataillon eingeschifft. In Alexandrien setzte sich Patterson sofort mit Allenbh als Höchsckommandierenden in Verbindung, um die Bewilltzung für Neuanwerbungen in Palästina und Aegypten zu erhalten. Nur nach Schwierigkeiten bekam er diese. Wie überrascht war Patterson, als er auch hier auf verschlossene Türen stieß. Der Generalstabschef bedeutete ihm, daß der Höch stko in m a ndierende keine weiteren jüdischen Truppen wünsche und durchaus gegen die jüdischen Bestrebungen in Palästina sei. (Allenbh legte größeren Wert auf die Unterstützung der Araber im Ostjordanland, die er durch Begünstigung der Juden zu verlieren fürchtete.) Der Stab suchte in ablehnender Haltung, wie immer in solchen Fällen, seinen Kommandanten zu übertveffen. Patterson wußte nun, was er zu erwarten hatte. Erinnerung an seine Kindheitstränme, in denen das Alte Testament die größte Rolle gespielt hatte, hatten ihn mit Eifer und Begeisterung bei dem Gedanken erfüllt, Juden in ihre Heimat führen zu dürfen. Nun überkam ihn eine plötzliche Ernüchtung. Er, der vor dem Gallipolffeldzug nie mit Juden in Berührung gekommen war, fühlte sich nun als Jude, Mir

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