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Wiener Morgenzeitung · 1926-06-12 · Heft 2622 (12.6.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2622 (12.6.1926)
Date
1926-06-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wkmer Morgett-ettuttg 1% 9fuui 1SZ6 tetn* K ns der üdi elf!, Buch. AM HHKw IDu Ptvnmil KOtCiH Bon M. Eharttmr <^tufdtnt). 4s** DvS Gesetz fft für das Lebe« geschaffen und nicht umgekchrt. Mein was in unserem Falle „Seiten* genannt wird, ist nirM akS mechanische Sprachkorruptiou, und was „Gesetz" genannt wird, ist eigentliches» ästhetisches, nationales Kulturleben. Wen« wir unsz. B. entschlöffen, unsere Schüft der jetzt so populär gewordenen pseudosephardtschen Aussprache anzu« paffen, mutzten wir sechs Konsonanten und (mindestens) fünf Vokale abschaffen — oder für die betreffenden Sprachelemente ganz neue Schriftzeichen einführen. Im ersten Falle wäre es ein „etynwlogischer Putschversuch" und ein vollständiger innerer Bruch mit unserer sprachlichen Vergangenheit, mit unserer bisherige« Literatur. Im zweiten Falle wäre es eine unerhörte, auf dem Gebiete der Sprachentwicklung noch'nie dagewesene Neuerung. Der dritte Teil des Alphabets geändert! Schon das bloße Proklamieren derartiger Reformen aus „Nützlichkeitsgründen" könnte für unsere ganze nationale Ideologie katastrophal werden. Warum sollten wir nicht lieber gleich die ganze „Emcs"-Orthographie von Moskau akzeptieren? Die ist viel praktischer. Warum nicht, wie Matthias A ch e r einst vorgeschlagen hatte, die lateinische Schrift bei uns einführen? Dos ist noch viel praktffcher. Noch mehr. Warum nicht eine viel bequemere Nationalität anstreben, als die jüdische ist? Das wäre doch am allernützlichsten , . . In unserem Falle können Nützlichkeitsgründe nur eine bedingte Nolle spielen. Auch die hier angeregte Reform ist Praktischen Bedürfnissen entsprungen, jedoch in den Grenzen nationaler Grundsätze. Und um diesem Bestreben gerecht zu werden, müssen wir folgenden Satz als festen Programmpunkt ausstellen: Wollen wir die hebräische Sprache weiter als Nationalgut in der Galuth behalten, müssen wir mit der Reaktivierung des hebräischen Alphabets beginnen. Der Orthographie muß eine Orthophemie Vorangeyen. Es mutz die alte Differenzierung, der Konsonanten wenigstens, wieder hergestellt werden. Führen wir die wirklich hebräische Aussprache ein, d. h. die alten Sprechprinzipien, so wie sie im alten Palästina, in den Gelehrtenkreisen von Babylon, in den Zentren der großen arabisch-jüdischen Kulturepoche geübt wurden und wie sic heute noch im ganzen jüdischen Orient, von Buchara und Persien über das Urpalästina von Pekün, Schefaram und Sichern hinweg bis nach Algier und Marokko hinauf geübt werden. Das ist der wirklich „sephardische" Dialekt. Mit der Schwierigkeit der Aussprache ist es nicht so gefährlich. Die Aussprache des Arabischen, sogar des Englischen, ist viel schwieriger. Und doch darf man sich Arabisch oder Englisch mit Pfoudoaussprachen nicht gestatten und schon gar nicht darf man sie zum wissenschaftlichen oder nationalen Prinzip erheben. Es ist daher nicht einzusehen, warrrrrr wir gerade im Erlernen des Hebräischen, unserer Nationalsprachö, zu Kompromiß- und Vcrfälschungsmcthoden greifen sollten. Das Arbeitsprogramm wäre im Sinne folgender Thesen auszuführen: .1. Die Grundlage des hebräischen Unterrichtes in der Galuth ist die schriftliche Arbeit. 2. An unserer alten Orthographie darf nichtgerütteltwerden. 3. Die rudimentären Konsonanten müssen reaktiviert werden. 4. Die bereits eiugeführte halbsephardische Aussprache bleibt als Grundlage bestehen. 6. Die zum Ztvccke der Reaktivierung nötigen Korrekturen sind der vollsephardischeu oder palästinasephardischen Aussprache zu entlehnen. 6. Die Reaktivierung darf nicht das praktische Ziel der Differenzierung überschreiten. Es wäre zum Schills; noch die Kompetenzfrage zu erledigen. Ein „Kongreß" etwa hebräischer Lehrer, Schriftsteller u. dgl.? Keineswegs. Cs hat kein Kongreß die hebräische Sprache in unserem Zeitalter wieder als lebellde Sprache, kein Kongreß unsere neue, halbsephardische Aussprache eingesührt. Nicht eininal der ZionisiiruS wurde von einem Kongretz geschaffen. Kultnrströmungen werden vom Volke geschaffen; von Kongresseil können sie höchstens sanktioniert werden. Auch hier wird das Volk selbst ans Werk greifen müssen. Insbesondere aber i ft b t e Jugend dazu b e rufen, deren grandiose Pionierarbeit nicht bloß auf die Wiedere rob er u n g u u f cr c§ verw ahrlosten Landes, sondern a u cX; auf unsere arg verwahrloste Kultur u n d Sprache sich e r st r e ck e n sollte. Auch darin hat sie schon Tradition gemacht. War es doch die Jugend, die. nach Erez Israel blickend, die wohlklingenden Vokale des dortigen Sephardisch eingeführt hat. Möge sie umt in zweiter Etappe auch die Stützen der Sprache, die Konsonanten, unsere Konsonantorl, die echten, Palästina sephardischen, den: Galuthjudentum übermitteln. Das wirkliche Erez Israel, das farbenreiche, orielltalische, überlieferte, sott ihr dabei als Muster gelten. Siehe „Wiener Morgenzeitung" vom 5^ 6. und 11. Juni, AM», U«M«S, klektrizM skr Erez Fsrae?. (Von imferem Jerusalemer F.-L.-Berichterstatter.) Die ungeheuren technischen Fortschritte der Kulturmenschheit gerade in den letzten Jahren berühren Palästina nur zum geringsten Teil. Man hat mit dem Radio auf der Ausstellung in Tel-Awiw gelttngene Versuche gemacht — man konnte London hören — aber bisher ist das Radio noch nicht eingeführt worden. Ein alter Plan, der für die Entwicklung des Landes von großer Bedeutung Ware, betrifft die Einrichtung eines regelmäßigen Flugverkehres zwischen AlexandrienundTriest sowie einer Linie Jerusalem- Alexandrien. Diese Sache ist seit langem projektiert, aber die Verhandlungen zwischen der ägyptischen Regierung und den betreffenden europäischen Gesellschaften haben noch zu keinem Ergebnis geführt. Was ein Gelingen des Planes bedeuten würde, wird daraus klar, daß man mit einer etwa vierzehnstündigen Ueberfahrt von Alexandrien nach Triest rechnet, während die Dampfer des Lloyd Triestino bekanntlich drei Tage fahren. Die Verbindung Jerusalem etwa mit Mitteleuropa, die heute ziemlich eine Woche in Anspruch nimmt, würde damit auf etwa fünf Tage verringert werden können. Auch in diesen Wochen taucht das Gerücht über den Abschluß eines solchen Flugverkehres auf, ohne aber bisher bestätigt worden zu sein. Dagegen ist die Tatsache bemerkenswert, daß es zwischen der Stadtverwaltung von Haifa und Ruthenberg zu Verhandlungen gekommen ist, die den Bau einer elektrischen Bahn von der Altstadt bis zum Karmel betreffen. Die Verhandlungen sollen durchaus günstig stehen und die arabische Presse verlangt bereits dringend, daß dabei die arabischen Interessen nicht zu kurz kommen sollen. 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Elias Cohen Pascha im Alter von 81 Jahren. Der Verstorbene, der einer Familie bekannter Acrzre augehörte, war selbst eilt angesehener Augenarzt. Gebaren in Konstantinopel, studierte er in Deutschland, wo er >rach Absolvierung seiner medizinischen Studien auch eine Zeit lang als praktischer Arzt tätig war. Bei Ausbruch des deutsch-französischen Krieges lehrte Dr. Cohen nach Konsrannnopcl zurück, wo er bald zum Leibarzt des Sultans Abdul Hamid mit dem Rang eines Dlvüsivnsgcnerals ernannt wurde. Als vor mehreren Jahreil auf der asiatischen Küste blutige Judenpogrome ansbrachen. erwirkte Elias Cohen Paicha vom Sultan einen. Befchl. durch welchen die Inden unter Militärischen Schuh gestellt wurden. Verbrenttmrgstod einer jüdischen Gelehrtenfamilie. Große Teilnahme erweckt in NcwMrk das tragische Schicksal des bekannten Aegyptologeil der John-HoPkin-klniversität, Prof. Doktor Aaron Ember, der mit Frau und Sohn bei einem Hausbrände umkam. Der Familie wäre es ein leichtes gewesen, bei Ausbruch des Feuers die Wohnung zu verlassen, allein Pros. Ember wollte seine wertvollen Mannskripte in Sicherheit bringen, darunter sein noch im Manuskript befindliches Werk über „U r s p r n n g und Verwandtschaft der semitischen und ägyptischen Sprarhenfamilie". Seine Angehörigen halfen ihm dabei, bis es zu spät wurde. Alle drei starben an den Folgeit der schweren Brandwunden. Präsident Weizmann und Moscicki sind Jugendfreunde. Einem I. T. A.-Boricht entnehmen wir, daß zwischen dem Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Weizmann, und dem Präsidenten der polnischen Republik, Prof. Ignaz Moscicki, als sie beide in der Freiburger Universität gemeinsam Chemie studierten, eine intime Freundschaft bestand, die bis zum heutigen Tage gepflegt wird. Moscicki als der ältere Gelehrte hegte große Bewunderung für die Begabung seines jüngeren Kollegen. Ans dem wissenschaftlichen Gebiet schieden sich später ihre Wege, indem sich Weizmann der F a r b e n ch e m i e zuwandte, während Moscicki das Gebiet der Stickstoffchemie nicht verließ. Aber die freundschaftlichen Beziehungen daüern bis heute fort. Oskar F. Oppenheimer — Ehrenbürger der Frankfurter Universität. In Anerkennung seiner Verdienste um das rcchtsverflleichende Institut wurde Bankier Oskar F. Oppenhetmer zum Ehrenbürger der Frankfurter Uni- Vvrsität ernannt. Ein neues jüdisches Mitglied der indischen Regierungskontmission. Wie uns aus London berichtet wird, wurde Sir Philipp Hartog vom.Staatssekretär von Indien;um Mitglied, der Indian. Public Service Commission ernannt. Sir Phrliipp Hartog, ein Jude, war bis vor kurzem Vizekanzler der Universität m DaKa in Bengalen, Zum letzte» Male „Giniffat" in Der Habima. Heute Samstag um halb 8 Uhr findet die letzte Vor^ stellnng der modernen Tragikomödie „S i n t f l u t" des norbischen Dichters H. Berger durch das Moskauer Theater H ** b i m a im Carl-Theater statt. 125 Zähre Theater an der Me». Für die anläßlich des 12bjährigen Bestandes stattfindendeN Feierlichkeiten stebt nun das Programm, wie folgt, fest: Heute Samstag, */ß Uhr abends, Festvorstellung der Kalmaitschen Operette „Die Zliknspriuzesstn" unter persönlicher Leitung des Komponisten. Sonntag den 13. d, 2 Uhr nachmittags, F e str e v u e ,12» Jahre Theater an der Wien". Zu Beginn spielen die Wiener Philharmoniker die Ouvertüre der Oper „Die Zauberflöte" unter Leitung Direktor Franz Schalks. Hierauf hält Präsident Dr. E mund Wcngraf in Vertretung der „Concordia" die Festrede. Kammersänger Leo Slezak singt die Florestan-Arie ans „Fidelio", es folgen Szenen aus „Käthchen von Heilbrünn", „Die Ahnfran" und „Lumpazivagabundus" dargestellt von Burgiheatermitgliedern. Frau Kammersängerin Selma Kurz singt Arien aus der Oper „Die Boheme", Opern'anger Manowarda singt ein Lied ans „Waffenschmied", Prof. Retchenberger dirigiert die Philharmoniker. Das Opernballett tanzt Schuberts „Rosanutnbe" unter Leitung Prof. LebnertS. Den Schluß der eisten Abteilung bildet ein Dnett Betty Fischer und Hubert Marischka von Wenzel Müller aus dem Jahre 1824 und die Aufführung der Szene „Staberl vor Gericht". Die zweite Abteilung (1860 bis 1900) wird durch d e Ouveriüre „Dichter uns Bauer" von Suppd eingeleitet, bringt e ne Szene ans „Pfarrer von Kirchfe d" (Burgiheaierm tglieder) und Lieder aus Operetten von Offenbach, Millöcker. Zeller und Johann Strauß, gesungen von Frau Kammersängerin Achsel, Kammersängerin Kiurina. Prof. Streiiwaim und Kammer'änger Ziegler. Die dritte Abteilung (1901 lnS 1926), die moderne Overette, bei weicher die Komponisten am Dirigentenpult erscheinen, wird durch die „Eoa"-- Ouveriüre eingeleiler und führt über Straus. Eysler, Fall, Granichstaedten bis zu Kalmans „Zirkusprinzessiu", vorgetragen von den Operettenlieblingeir Wiens. Mit Rücksicht auf die Reichhaltig eit des Programmes beginnt die Veranstaltung präzise 2 Uhr nachmittags. __ AchenrichMski l» Warschau. Ter hebräische Dichter Saul T s ch e r n i ch o w s k i, der vor einiger Zeit nach Erez Israel übersiedelt ist, weilt gegenwärtig in Polen. Der Verband der jüdischen Schriftsteller und Journalisten irr Warschau veranstaltete Sonntag den 6. d. einen Abend zrl seinen Ehren. Es wurden drei Referate gehalten, die sich' gegenseitig ergänzten und ein Gesamtbild des dichterischen Schaffens Tschernichowskis gaben. — Als Erster sprach I. N cutna n n, der den landläufigen Begriff des „Hellenismus", mit dem die hebräische Kritik das Schaffen Tschernichowskis abzntnn pflegt, einer eiirgchenden Analyse unterzog. Der Referent stellte dem Hellenismus Tschernichowskis die moderne Lebensbejahung Whitmans entgegen und meinte, daß Tschernichowskis Hellenenschwarmerei nur oberflächlich war, während zrtm Beispiel Hölderlin in die Tiefen der griechischen Seele eingedrungen ist. Wir müssen in erster Linie Tschernichowski, den Juden, den Schöpfer der meisterhaften jüdischen Idylle, feiern. — Hillel Zeitlin würdigte Tschernichowski als Ethiker, als Dichter der Idyllen, als Uebersetzer der „Ilias" und des „Gilgamesch". Der große Glaube an den Menschen bedeutet die ethische Höhe int dichterischen Schaffen Tschernichowskis. — Aaron Zeitlin beschäftigte sich eingehend mit der Formenfülle in den Gedichten Tschernichowskis. Bialik benützt nur in einem Gedicht den Hexameter, während Tschernichowski diese griechische Versform in der hebräischen Sprache geradezu zu klassischer Meisterschaft brachte. Die Erotik Tschernichowskis ist in der hebräischen Literatur die schönste und gesündeste. Es ist nicht die schwache Erotik des Jcschibazoglings Blalik und nicht die iiltranwderne krankhafte Schncurs, sbnvern eine gesunde, männliche, natürliche. Nach diesen Referaten las der Dichter aus seinen eigenen Werken vor, und zwar einige seiner letzten Gedichte. Erster Inteenationafst Sch»»!vielerlo»greb. Bekanntlich hat der französische Schauspieler Firmin G e m i e r schon vor längerer Zeit die Gründung eines interna tionalen Schailspielerbnndes angeregt. Die Anregung fand in allen Ländern lebhafte Zustimmung und die inzwischerr geführten Verhandlungen zeitigten das Ergebnis, daß der erste internationale Schauspielerkongreß bereits am 26. und 27. d. in Berlin abgehalten werden wird. Es ist die Gründung eines internationalen Bundes mit einem ständigen Generalsekretariat in Aussicht genommen. Der Sitz des Generalsekretariats soll in W i e ir sein. Wie verlautet, haben sich die f r a tr z ö s i s ch e n, englischen, i t a l i.: n i s ch e n, a m e r i k a n i s ch e n und rnssis ch e rt Mitglieder des Bundes für Wien als Sitz des Generalsekretariats 'allsgesprochen. Bus den AMten,. B n r g t h e a t e r. Morgen, */»8 Uhr absnds, „D u e l l a m L i d o". A k a d e m t e t h e a t e r. Morgen. l/ß Uhr abends. „I u g e ll d f r e n n d e". O p e nt t 1) e n t e t. Morgen, 7 Uhr abends. „3(1 d a". N e d o n t e n s a a l. Morgen, 'Iß Uhr abends, „D i e Entführung a u ö d e m 3 c r a i l". V o l k s o p e r. »Morgen. 8 Uhr abends, „S ch w a r zw a l d m ä d e t". R a i m u n o - T h e a t e r. Ab Donnrrstag gelangt dis Posse mit Gesang „D a s M ä d e l aus der Vorstadt" oder .Ehrlich währt am I ä n g ft e n" von Neltroy in der Premiöienbesetzung des Volkstheaters zur Aufs üh g.

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