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Wiener Morgenzeitung · 1926-06-12 · Heft 2622 (12.6.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2622 (12.6.1926)
Date
1926-06-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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u Men, SamStag Wiener Mor^enzeitung 12. J»mi 1926 Nr. 2632 Modernes Theater. Morgen, 7,9 Uhr abends, zum 26. Mal ,D i e B tt ch s e o e r P an d o r a". Die? ist zugleich die 10V. Wiener Aufführung dieses Stückes. L n st s p i e l t h e a t e r. Henre 1jiS Uhr abends, 75. Aufführung der Revue „R u n d n m d i e N i e f e". Roland-Bühne. Mittwoch den 16. d., 8 Uhr abends, Berliner-Ensemble Gastspiel, znm ersten Male „Die b l a u e S t u n d e". Molnars neueste Ehe. Ans Budapest, 11. b.{ wird berichtet: Bor einigen Tagen hat sich der Dramatiker Franz Molnar mit der bekannten Schauspielerin Lili Darvas vermählt. Die Hochzeit fand unter strengem Ausschluß der Oeffentlichkeit in der Wohnung des Dichters statt. Nur die Trauzeugen waren zugegen. Franz Molnar und Gattin haben gestern ihre Hochzeitsreise angetreten. Sie wollen mehrere Wochen in Italien verbringen und dann nach Salzburg fahren, wo Lili Darvas-Molnar im Rahmen der Festsprele anftreten wird. Ein Konservatorium für — Pfeifer. Eine MirfMchule, die zweifellos auf Originalität Anspruch erheben darf, ist dieser Tage in Los Angeles eröffnet worden. Die Begründerin und Leiterin dieses neuen Konservatoriums ist Mrß Agnes Wood ward. Die Schüler dieser Lehranstalt lernen dort weder Singen noch irgend ein gebräuchliches Musikinstrument stielen; einziger Lchrgegenstand ist vielmehr das kunstgerechte Pfeifen. Miß Woodwavd verfiel ans diese Idee, als sie eines Tages dem Schlag einer Nachtigall lauschte, und sic hat sich ait diesem vorzüglichen Lchrmeifier in der Kunst, die setzt die Grundlage einer ganz neuen Lehrmethode darstellt, weiter ausgebildet. Daraus hat sie mit Hilfe einer besonderen Notenschrift die einzelnen Bogellicdcr sestgchalten, und sie wird nun die Weisen der gosiederten Sänger' auch ihren Schülern beibringen. Das Pseisen, das bisher bei gewissen Gelegenheiten nur im Parkett produziert wurde, hat also jetzt sogar eine Zukunft aus der Dich ne und im Konzerffoal. ^11 Kein Schadenersatz für zerstörtes Eheglück. Der Kaufmann A. Sch. hatte beim Bezirksgericht Gmundengegen den Kaufnrann M. St^, der mit seiner Gattin einen Ehebruch begangen hatte, eine Schadenersatzklage auf 1500 S. eingebracht, weil der Beklagte dadurch sein Eheglück zerstört habe und ihm infolge der Auflösung des Haushaltes ein materieller Schaden in der angegebenen Höhe erwachsen sei. Kläger sei als kranker Mensch infolge des Ehebruches und der darauf erfolgten Scheidung um seine bisherige Pflege gekommen, habe Hilfskräfte bezahlen müssen und stir die außerhalb des Hauses erforderliche Erziehung seines Sohnes gesteigerte Auslagen gehabt. Der Beklagte bestritt seine Verpflichtung zum Schadenersatz, da sich der Kläger den Schaden selbst zugezogen habe. Er hätte seiner Frau den Fehltritt verzeihen und mit ihr weiterleben können. Der Richter Oberlandesgerichtsrat Dr. H ö p l e r gab dem Klagebegebren Folge und verurteilte den geklagten Ehebrecher zur Zahlung des geforderten Betrages, mit der Begründung, daß er für einen Schaden, den er in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise absichtlich zugesügt habe, volle Genugtuung leisten müsse. Dem Ehemann rönne nicht zugemutet werden, mit einer Frau, die Ehebruch begangen habe, weiter in gemeinsamem Haushalt zu leben. Das Kreisgericht Wels als Berufungsgericht bestätigte diese Entscheidung.--Dagegen hat der Oberste Gerichtshof der Revision des geklagten Ehebrechers Folge gegeben und die Schadenersatzklage a b g e w i e s e n. In der Begründung wird hervorgehoben, daß eine derartige Schutzbestimmnng gegen den Ehebruch gesetzlich nirgends festgelegt sei. Der Ehebruch sei rein familienrechtlicher Natur und könne nicht in einen vermögensrechtlichen Anspruch umgewandelt werden. Uebrigens fehle auch eine ausreichende Konkretisierung und Begründung der Schadenersatzhöhe. Eine ähnliche Schadenersatzklage wird demnächst die Wiener Gerichte beschäftigten. Ein bekannter Wiener Restaurateur hat gegen den Verführer seiner Gattin eine Schadenersatzklage auf 10.000 S. eingebracht. Ter betrogene Ehemann hat die Scheidung von seiner Frau bewirkt und ist nach Amerika ausgewandert. Von Schalom Alejchem. (Ans dem Jüdischen von P. H.) Es scheint, Reb Schimschen — er möge es mvr verzeihen — hat das Sterben nicht erwartet. Er wollte es wahrscheinlich nicht wahr haben, daß der Todesengel in jedem Augenblick aus uns lauert, unsere Schritte überwacht, sonst würde er ein Testament verfaßt haben oder würde von Zeugen erklärt haben, wem er seine Erbschaft vermache. . Was gibt es -da noch zu denken? Es versteht sich von selbst, daß gleich am ersten Sabbat, nch den Trauertagen, der Streit der Brüder ausbrach. Meir — versteht mich recht — behauptete, daß von Rechts wegen te» Vaters Platz i h m gebühre, denn er ist ja der Aeltere (um eine gute halbe Stunde!) Schneir hingegen hatte gleich zwei Behauptungen auf Lager: erstens weiß man es nicht, wer von ihnen älter ist, -denn die Mutter erzählt, daß sie als Kinder verwechselt wurden; es ist also sehr wohl möglich, daß er, Schneir also, Meir ist und Meir Schneir; zweitens hat Meir einen reichen Schwiegervater, der gleichfalls einen eigenen Platz an der Ostwand im Beth-Hammidrasch besitzt, und keinen Sohn hat. Der Platz wird über hundertundzwanzig Jahren mit Gottes Hilfe Meir zur Vorifügung stehen. Daraus folgt, daß Meir zwei Plätze an -der Ostwand haben wird und Schneir — nicht einen halben! Soll man da nicht fragen: wo ist Gerechtigkeit, wo ist Menschlichkeit? Diese Rede hörend, fuhr Meirs Schwiegervater, ein reich gewordener Mensch, aus dem Häusel: „So eine Frechheit! Ich bin noch nicht einmal vierzig Jahre alt, außerdem habe ich die Absicht zu leben und zu leben, und sie teilen meine Erbschaft schon auf. Und dann, woher weiß man, daß ich nicht noch einen Sohn haben werde? Es ist wahr, ich werde keinen mehr haben, aber meine Frau kann einen haben, und nicht nur einen, sondern einige Söhne. Diese Gemeinheit eines Frechlings!" Da mengten sich Leute ein, um Frieden zu stiften oder sonst einen Ausweg zu finden. „Gcht es nicht ganz, so gcht es halb." Man soll den Platz auf seinen Geldeswert prüfen. Der eine der Brüder hat dann demgemäß den anderen zu bezahlen. Ein ganz annehmbarer Ausweg, nicht wahr? Der Fehler ist nur, daß beide .Brüder von einer solchm Aus- Volkswirt. ScfterreWsche Nationalbank. Znm Ende der BStterbun-konttoll«. Aus- Anlaß der Aufhebung der BMerbundkontrolle hat Gouverneur Norman der Bank von England an den Präsidenten der Oesterreichisch-m Noftonalbank nachstehendes Telegramm gerichtet: „Präsident Reisch. Men. Anläßlich der Beendigung der Kontrolle des Völkerbundes in Ihrem Lande bitte ich Sie, meine Gratulation emgegenzunehmen und an Ihre Minister weiterzuleiten. Ich vertraue darauf, daß sich die Schwierigkeiten der vergangenen Jahre in der Zukunft durch Prosperität belohnt ma Heu werden und b'tre Sie, von meinem Wunsche nach steter Zusammenarbeit überzeugt zu sein. Der Gouverneur der Banik von England." In Erwiderung dieses Telegramms har Präsident Doktor Richard Reisch dem Gouverneur der Bank von Etvgland im Namen der Regierung und in seinem Namen den herzlichsten Dank ausgesprochen, wobei er des hervorragenden Anteiles des* Gouverneurs Norman am Säuern o-gswevk gedachte und seinerseits betonte, -welch großen Wert er auf eine ständige Kooperation mit -der Bank von England lege. Heftige Schwankungen auf den DevksenmSrften. Kurssturz der Lira und. der Frankendevifen. — Erholung der Devisen Madrid und Oslo. Die gestrigen Devisen markte standen unter starken Abgaben in Lire- und Frairlkendevisen. Besonders avg wurde die Lira durch Kontermineopevatronen, Molche angeblich aus London in größerem Maße getätigt wurden, mitgenommen. Es senkte sich die Devise Mailand in Zürich von 18.90 auf 18.92. — Aber auch die beiden Frankendevisen lagen sehr schwach. Die Spekulation wagte sich mit neuerlichen Leerabgaben hervor und drückte die Kurse um 3 bis 4 Prozent. Paris senkte sich von 15.28 aus 15.—, Brüssel von 15.60 auf 16.35. — Behauptet blieben der Zloty und der Leu. New-Aork notierte gegen Warschau im Wiener Usancenhandel 10.— bis 10.10, Bukarest gegen Zürich 2.16 bis 2.18. Sehr fest lagen die Devisen Madrid und Oslo. Madrid erhöhte sich in Zürich von 78.96 auf 79.75, Oslo erhöhte sich auf Intervention der Staatsbank von 116.— auf 116.95. Ungarischrr Handelsvertrag und WemfteuerermWgimg. Im Bnn-desrat wurden gestern die in den letzten Nationalratssitzungen beschlossenen Gelsetze genehmigt, darunter auch der Handelsvertrag mit Ungarn und die Verbrauchs st eu e rn ove lle, durch welch letztere bekanntlich die Weinsteuer um 10 Schilling ermäßigt wird. Der ungarische Handelsvertrag wird, nachdem erijetzt die letzte parlamentarische Instanz passiert hat, nunmehr unverzüglich in Kraft gesetzt werden. Beschwerden gegen die Ansgleichsverwalter. Der Reichsverband der Holzhäitdler hat an das Präsidium des Handelsgerichtes eine interessante Eingabe gerichtet, in der es heißt: „Dem Reichsverbande der Holzhändler sind aus dem Mitgliederzahlung nichts hören wollten. Es ivar ihnen nicht ani Geld I gelegen — was ist schon Geld? — aufs Ausharren ist es , ihnen angekommen. Warum muß ein Bruder so verbissen sein? Dem anderen Bruder nichts gönnen? Und warum mußt >du auf des Vaters Platz sitzen und nicht ich? Jeder dachte da nicht mehr so sehr an sich wie an den anderen. Wie sagt man das doch: nicht mir, nicht dir... Die Meirs und die Schneirs legten nun los, bekriegten einander und taten einander alles zuwider. Es ging um den Sieg (keine kleine Sache „Sieg"!). Anl ersten Sabbat kam Schneir ein wenig früher in die Schul und setzte sich auf des Vaters Platz und Meir stand die ganze Zeit auf den Beinen. Am zweiten Sabbat kam Meir früher und setzte sich ans des Vaters Platz und Schneir stand die ganze Zeit auf den Füßen. Am dritten Sabbat bedachte sich's Meir, kroch flink aus den Federn in aller Herrgotts Fri'ch', setzte sich auf den Platz, bedeckte das Haupt mit dem Tallis und — tu mir was! Da bedachte sich's auch Schneir am vierten Sabbat, kroch in aller Herrgotts Früh' stink aus den Federn, noch früher als der andere, setzte sich auf des Vaters Platz, bedeckte sein Haupt mit dem Tallis und — mach' mir es nach! Wieder bedachte sich's Meir am fünften Sabbat und kroch noch früher aus den Federn... Die Meirs und hie Schneirs krochen so lange aus den Federn, bis sie an einem schönen Sabbat — Schabbes Hagodel lvar's — beide zu gleicher Zeit gekommen waren. Draußen war es noch nicht einmal hell. Sie pflanzten sich beide am Tor des Belh- Hamidrasch auf (das Beth-Hamidrasch war noch gesperrt). Blicke trafen einander wie die von Räubern oder wie die von Kampshähnen, die bereit sind, einander zu überfallen und die Augen auszupicken... So ungefähr, wir können es annehmen, standen einst die zwei Briider einander gegenüber, die ersten zwei Feinde der Welt, Kain und Abel. Einsam auf weitem Felde unter Gottes Himmel, voll Wut, bereit zu morden, zu verschlingen, unschuldiges Blut zu vergießen. Der Name des Ewigen sei gelobt, daß wir den Leser bis zu diesem Punkt führen konnten, wo die Geschichte schon beginnt, und wenn ihr Geduld habt, werden wir bald erfahren, was das Ende der Geschichte war. Wir haben die Meirs und die Schneirs am Beth- Hamidrasch-Tor frühmorgens am Sabbat zurückgelassen, in Kampfstellung, bereit, einander in die Bärte zu fahren oder in die Augen. Man darf aber nicht vergessen, daß die Meirs kreise zahlreiche Beschwerden darüber zugekommen, daß die Wahl der Ansgleichsverwalter gerade in der Holzbranche im letzten Jahre eine durchaus nicht angemessene ist. Bekanntlich ist in der durch die Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie in Wien zlisammengestellteri Liste eine ganze Reihe von Ansgleichsverwaltern unserer Branche enthalten. Trotzdem ergibt eine Uebersicht über die Bestellungen zn Ansgleichsverwaltern in den Jnsolvenzfallen des vergangenen Jahres, daß nur ein ganz kleiner Kreis von Personen vom Gericht immer wieder mit dieser Funktion betraut wird, während die anderen Herren ansgeschaltet werden. Abgesehen davon, daß die Betrauung ein und derselben Person mit mehreren Ausgleichen dieselben naturgemäß daran hindert, sich dem einzelnen Falle mit der nötigen Sorgfalt zn Widmen, wie dies in verschiedenen Enqueten immer wieder einhellig hervorgehoben wurde, muß eine derartige Praxis in Interessentenkreisen das grüßte Befremden Hervorrufen. Der Reichsverband ersucht das Präsidium des Handelsgerichtes, beim Konkurs (Ausgleichssenat) durch entsprechende ÄSeisnngen dafür Sorge z« tragen, daß in Hinkunft von dieser gewiß nicht zu billigenden Praxis Llbstand genommen wird." Deutfchösterreichische Interessengemeinschaft in der Emailbranche. Die gestern unter Vorsitz des Soktionsobmannes Chrrstanovich abgehaltene Tagung der Emailsektion des Verbandes österreichischer Exporteure faßte den Beschluß, mit den Hamburger Exporteuren gemeinsam an die Berliner Email- Werke mit dem Verlangen heranzntreten, den deutschen und österreichischen Exporteuren günstigere Konditionen zu gewähren und ganz besonders den Orient nicht selbst zn beliefern, sondern in den Exporteuren zu überlassen. Um die Exportmöglichkeiten günstiger zu gestalten, wurde überdies der Beschluß gefaßt, mit den Schiffahrtsgesellschaften in Verhandlungen einzutrcten, damit sie die Frachtsätze für Emailgeschirr ermäßigen. Neuerlicher Rückgang des Wechfeleskomptes der Oesterreichischen Nationalbank. Ter letzte Ausweis der Oesterreichischen Na'wnalbank mit dem Stand vom 7. Juni 1926 zeigt eine Senkung des BarschatzeS um 10,187.899 S.. der jetzt 503,182.196 S. betragt. Das W e chfelportefeuille hat sich um 10,432.866 S. auf 78,814.426 S. r elenkt. Eine starke Verminderung erfuhr der N o t e n u m l a u f, der sich um 32,511.659 S. auf 787,766.499 S. ermäßstte. Die Novelle zum Goldbilanzengesetz. Der Finanz- und Budgetausschuß hat gestern die Novelle znm G o ldb ila n zenge fetz mit einigen vom Berichterstatter beantragten Abänderungen a n g e n o m m e n, durch welche unter anderem der Finanzminister ermächtigt wird, die sechsmonatige Frist für die zuristischen Personen, welche die Golderöffirnngsbilanz für den Beginn des Geschäftsjahres 1924 (1924-1928) crufftellen. über Ansuchen bis 31. Oktober d. I. zu verlängern. Gestrichene Notierung. Ab Montag den 14. d. entfällt -im amtlichen Kursblatt der Wiener Börse die Notiz für die Aktien der Wiener Versicherungsgesellschaft, welche gegen Aktien der Phönix und Wiener Vereinigten Versichernngs-Mtiengeselllsch-aft umgetauscht wurden. Das Postsparkassenamt im Mai 1926. Nach dem letzten Ausweis des Postlpai kasienamtes betrugen im Mai bte Einlagn 2,864 940 S . an Rückzahlungen wurden 1.865.282 S. geleistet. Der Stand der Einlagen hat sich somit um 1.029.658 S. vermehrt Im Scheckverkehr wn'den 668,071.819 S. eingelegt, rückgezablt wurden dagegen 680,652.410 S. Das Guthaben auf den Scheckkonti hat sich deswegen um 7.419.409 S. erhöht. , Bargeldlos wurden 630.334 706 S. umgeletzt. Der Umsatz in beiden Geschäftszweigen betrug 1373,484.452 S. Das Ge amtguthaben im Spar- und Scheckverkehr beläuft sich auf 199,299 227 S. Die- Anzahl der Teilnehmer hat sich im Sparverkehr um 1342 auf 2,477.680, im Scheckverkehr um 168 auf 179:247 Teilnehmer erhöht. und Schneirs wohlerzogene Söhne waren, anständige junge Leute; bewahre, keine Gassenjungen, die einander überfallen wie Raufbolde etwa. Sie warteten nur, bis der Schammes Asriel das Beth-Hamidrasch-Tor öffnen werde. Tann erst wird man ja sehen, lver an des Vaters Platz früher gelangt: Meir oder Schneir? Jede Minute des Wartens schien ihnen zchn Jahre. Endlich war Asriel mit den Schlüsseln da. Aber Asriel mit dem verfilzten Bart konnte mit den Schlüsseln zum Schloß nicht gelangen, weil beide Brüder mit den Füßen am Tor gelehnt standen, einer mit dem rechten- Fuß, der andere mit dem linken, keiner gewillt, seinen Platz zn verlassen. „Was wird daraus?" fragte Asriel und steckte lvährenddessen Schnupftabak in die Nase. „Wenn ihr beide wie die Ziegenböcke an die Tür gelehnt stehen werdet, werde ich die Tür nicht öffnen können und das Beth-Hamidrasch wird den ganzen Tag gesperrt bleiben. .Hat das einen Wert? Nun, sagt doch selbst." Es scheint, daß diese Worte Wirkung hatten, denn die Meirs und die Schneirs schnellten beide gleichzeitig zurück. Ter eine nach rechts, der andere nach links, machten Asriel Platz, damit er mit den Schlüsseln an die Tür herankolnmen und den Riegel zurückschieben kann. Als der Riegel sich rührte und die Tür aussprang, schnellten die Meirs und die Schneirs wie Sprungfedern vor und — hinein. „Langsam, ihr zertretet ja einen Juden!" schrie Asriel der Schammes aus, und bevor er noch ein Wort hervordringen konnte, lag er zertreten unter den Füßen, jämmerlich schreiend. „Langsam, ihr zertretet einen Juden, einen Vater von -Kindern!" Die Meirs und die Schneirs hörten aber damals auf Asriel den Schammes mit seinen Kindern wie auf das Piepsen eines Vogels. Sie hatten damals nur den Platz im Sinn, des Vaters Platz. Sie li-eifen beide dorthin, gegen Osten z»l, sprangen übor alle Bärcke und Ständer. Am Platz angelangt, hauten sich beide hin, stemmten ihre Rücken au die Wand und die Füße auf den Boden. Dieses Hauen und Stemmen führte sie so weit, daß einer auf den andeven fiel, ihre Hände sich in den Bärten verflochten, ihve ZAHne knirschten und daß sie murmelten: ,^öilde dir nicht ein, daß du auf dem Platz fitzen wirst " (Fakffetztmg folgt.)

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