Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2331 (18.8.1925)
- Date
- 1925-08-18
- Page
- Seite 35 (sequence 35)
- Language
- German
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Nr. 2331 Men. Diens'tag Wiener Mov-enzertuna IS. itp’f i m Süle 88? erfolgen müsse. Tatsächlich sind bereits im Osten seit fcicleit § Jahren Juden im Ackerbau tätig gewesen, glicht nur in! Galizien und der Bukowina, sondern auch in Südrnßland! haben viele Juden die Landwirtschaft aue-geübt. Allerdings! ist ihr Prozentsatz in den letzten Jahren im Osten erheblich 1 verringert worden. Die jüdischen Kolonien, die in Süd- ■ rußland und namentlich in den Gouvernements Cherson : und Jekaterinoslaw' im 19. Jahrhundert begründet wurden, sind fast völlig verschwunden. Ebenso ist von den j jüdisch-ukrainischen Kolonien, die um jene Zeit entstanden sind, nicht'viel übrig geblieben. Die Erfayrungetl, die mit den jüdischen Kolonisten gemacht wurden, sind sehr günstige gewesen. Während des Krieges tvurden in Rußland 23.909 Familien mit 92.000 Seelen gezählt, die über 100.000 Hektar Land bearbeiteten. Unter ihnen gab es nach einer damaligen Zählung eine Kategorie von zerstreut lebenden Landwirten, die über 65.000 Personen zählte und über 21.000 Hektar verfügte. Es waren unter diesen 11.300 O b stgär tne r, 17.000 Tabakpflanzcr, endlich Weinbauern, Bienenzüchter. Es sind dies lauter Kleinbauern gewesen. Sic haben durch die Bolschewisicrung ziemlich viel gelitten. Ein Teil von ihnen ist zur Auswanderung getrieben worden, ein anderer Teil strebt die Auswanderung an. Sie beweisen in erster Reihe die Eignung der Juden für die Landwirtschaft. Dazu kan: noch, daß noch vor deni Kriege zirka 13.000 Juden als Saisvnwandercr gezählt tvurden. Rach Tn -ow wurden zu Beginn dieses Jahrhunderts 10.000 jüdische Familien mit zirka 200.000 Seelen gezählt, welche von der Landwirtschaft gelebt haben. Ihre Zahl hat sich in den letzten Jahren stark vermindert. Krieg, Hungersnot, schlechte Ernteergebnisse, Ueberfällc der Bauern haben ihre Reihen stark gelichtet. Wohl aber bieten sie den Beweis, daß sic als Ackerbauern ihren Beruf erfüllen können. Es ist sicher, daß in nicht allzuferner Zeit, wenn diese nun proletarisierten Massen über genügende Mittel verfügen, sie nach ErezJsraelwandern und dort die Zahl der Landwirte vergrößern werden. Trotz alledem kann gesagt werden, daß hier noch eine tveitere Durchdringung des jüdischen Volkes mit landwirtschaftlichen Berufen notwendig ist. Der Keren Hajessod hat , in dieser Hinsicht beispiellose Erfolge aufzuweisen, indem er den cinströmendcn Massen durch die Beistcllnng der Mittel die Möglichkeit der Heranbildung zu Landwirten gegeben hat. Es ist aber zweifellos, daß die Landwirtschaft nur den Kern der Berufsbildung ausnlachen wird, daß aber in einem weiter entwickelten Erez Israel auch den anderen Berufen eine große Rolle Zufällen wird. Bor der Prolctarisierung dürfte die genossenschaftliche Organisation, die tu immer tveitere Kreise dringt, die jüdische Bevölkerung Erez Israels mit der Zeit fernehalten. Dem Handel ist in Palästina ebenso ein Betätigungsfeld gegeben wie im Galuth. Er hat hier n.och viel wichtigere Aufgaben >n erfüllen, da er sich zum Mittler zwischen Asien und Europa entwickeln wird. In der Spedition, im Frachtgeschäft wie in allen sonstigen Transpvrtgeschäften wird den Juden im neuen Lande weiterhin eine wesentliche Rolle Zufällen. In der Industrie entwickelt der Jude nicht nur bei der Herstellung des Fertigfabrikates, sondern auch bei der Herstellung des Mittelfabrikatcs und, was bisher vermißt wurde, selbst in der U r p r od u k t i o n. Bisher hat man den jüdischen Arbeiter bei der Urproduktion, mit Ausnahme der in der Holzproduktion und im Pctroleumgebiet arbeitenden, vermißt. In Erez Israel hat sich der jüdische Arbeiter auch in der Urproduktion glänzend bewährt. Dies bildet die Gewähr hierfür, daß er auch in diesem Berufe in der Zukunft voll seinen Mann stellen wird. Die Berufsgliederung, die sich allmählich in Erez Israel entwickelt, ist zweifelsohne insoferne auch von großem Vorteil für die Entwicklung des jüdischen Volkes, weil sie nicht eine einseitige Berufsbildung, wie dies in den Galuth-Ländern der Fall war, sich entwickeln läßt, sondern weil hier die Juden alle Berufe je nach der wirtschaftlichen Notwendigkeit ausüben. Diese allgemeine Ausbildung a l l c r B e r u f c b i e 1 e t die Gewähr dafür, daß tatsächlich auch die soziologische Entwicklung der jüdischen Bevölkerung Palästinas mit der Zeit eine ä u ß er st vollkommene s e i n w i r d, die alle Mängel, die zweifellos. bei jeder soziologischen Einseitigkeit vorhanden sind, unbedingt auszumerzen geeignet sein dürfte. Grflndungsjahr 1900 Gründungijahf 1900 BANKHAUS M. ROHATYN Wien, I. 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