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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-18 · Heft 2331 (18.8.1925) · p. Seite 33

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2331 (18.8.1925)
Date
1925-08-18
Page
Seite 33 (sequence 33)
Language
German
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18. August 10-35 ,.kM . 3M' ^n, Dienstag___Wiener Morqenzeitu ng $ um das Bild über den Zionismus in Rumänien t rmmen klar zu gestalten, erübrigt sich noch die ,zivnrstische Bewegung in der Bukowina zu skizzieren. Wenn |m<ut will, so kann man, im Verhältnis zu den anderen «Provinzen, hier von einem aktiven, gereiften Zionismus frcden. Die Bewegung entstand in dieser Provinz zu gleicher kZeit mit dem ädorigreßzionismus und wurde durch markante Persönlichkeiten repräsentiert. Auch in politischer ^Hinsicht hat die Bukowinaer Judenschaft eine rühmliche Ausnahme noch im alten Oesterreich gemacht. Die Bukowina hatte einen nationalen Charakter und war zeitweise durch zehn jüdische Abgeordnete im Landtag und durch einen im Reichsrat vertreten. Die jüdischen Kultusgemeinden waren autonom und hatten das Steuerrecht. Die Bukowinaer Judenschaft war und ist politisch am geschultesten. Auch unter dem rumänischen Regime hat die Landeshauptstadt Cernauti zwei jüdische Mandatare in die Kammer, einen Sozialisten und einen — wir Ä nicht, lvas er noch ist —, und einen Mandatar i Senat entsendet.! Neben der großen Zionistischen Organisation mit ihren kFnnktionen, den Misrachisten, Poale-Zionisten und ZeirekZionisten, existiert noch der jüdische „Bund", der ein j eigenes Organ in jüdischer Sprache herausgibt und sich lnegativ zum zionistischen Problem verhält. Anl stärksten ist die Zionistische Organisation im gau-!zcn Lande ausgebaut und wird durch Dr. Mayer Ebner ^repräsentiert, der auch Herausgeber des politisch-zionistischen Organes, der „Ostjüdischen Zeitung", ist. Auch die ^Kulturarbeit im Lande hat ihre Früchte in dem ausgebauten hebräischen Schulnetz gezeitigt. Wohin auch limmer die zionistischen Emissäre kamen, waren sie in erster (Linie auf die Gründung von hebräischen Schulen und (Kindergärten bedacht. Es bestehen int ganzen Lande gut! organisierte Ortsgruppen, welche 'die Last des Wiederiaufüaues von Palästina freudig tragen und nach Tunlichlkeit durch Geld und Menschen zum Aftederaufbaue beitragen. Die Bukowinaer Frauen sind im „Verbände zionistischer Frauen" organisiert und betätigen sich in allen Zweigen des zionistischen Lebens. Die Jugend ist teils in -den akademischen Vereinen, teils im „Schomer" und in: .„Blau-Weiß" organisiert und leistet auf dem Gebiete der l zionistischen Kleinarbeit sehr viel. In Czernvwitz befindet sich die Zentrale der rumänischen Palästinaämter, welche neben der lokalen Arbeit auch die Transitalijah aus Polen nach Palästina leitet. Die Bukowinaer Poale-Zion geben ein eigenes Organ, die „Arbeiterzeitung", heraus und unterhalten eine Gewerbeschule und eine Arbeitercküche. Im allgemeinen >ist das Niveau der Bukowinaer Judenschaft ein hohes, denn sie verfügt über ein starkes Reservoir von Intellektuellen. Bedeutende jüdische Künstler, wie der Bildhauer und Radierer Benno Reder, die Maler Kolnik und Lerner, haben in Czernowitz ihren Sitz, wenn auch nicht ihr :Publikum. Was die Leistungen für die zionistischen Fonds anbetrifft, so dürfte die Bukowina in diesem Jahre ungefähr 8000 Pfund aufbringen, was in Anbetra^t der Bevölkerungszahl und der ökonomischen Lage als Kraftanstrengung anzusehen ist. Alles in allem muß gesagt werden, daß die zionistische Bewegung in Großrumänien einer Reorganisation noch bedarf, daß die gesamte Judenschaft dieses Reiches eine einheitliche Führung vor allem in politischer und nicht in letzter Linie auch in zionistischer Hinsicht benötigt, um, innerlich gefestigt, geistig gestärkt, den Kampf zu führen. Die an Intellektuellen reiche Bukowina müßte voran marschieren. Die Bukowinaer Juden können die Führung übernehmen, wenn allseits guter Wille vorhanden sein wird. Im Interesse der jüdischen Politik, im Interesse des Zionismus wäre eine Zentralisation der jüdischen Kräfte in Rumänien ein dringendes Gebot. Man muß mit dem Provinzialismus aufhören. E Große Gebiete Deutschösterreichs sind durch herrliche Wälder bedeckl, die nicht nur den wunderbaren Landschcrstsbildern ihr Gepräge Hüben, sondern auch einen der wertvollsten Aktivposten Oesterreichs davstellen. Es kann daher nicht wundernchmerr, lvcnn die Holzwaremndustrie Oesterreichs auf einer besonders hcchen Stufe steht. Die gute und schöne Ausführung der in Oesterreich erzeugten Möbel ist allgemein bekannt doch hier soll vor allem von der Erzeugung von Massenartikeln die Rede sein. Werkzenghefte, Werkzeugstiele, Haudsägen, Waschrumpelu, Wäscheiklammern, Liegesiühle und Feldstockerln, Haus¬ und Küchengeräte aller Art werden in großen Massen sabrdksmäßig heMstellt und in die fernsten Länder exportiert. Eine führende Stellung auf diesem Gebiete nehmen dre Mollner Holzwarenfabriken und Sägewerke A.?G., Wien, 9. Bcz., ein, deren sehr leistugsfähige, modern eingerichtete Werte nicht nur in den waldreichsten Gegenden Oberösterreichs liegen, sondern die auch über eigene Waldbostände verfügen. Das zäheste Gebirgsbuchenholz für Werkzeugstiele und eliferrbeinweißcs Ahornholz für Haus- und Küchengeräte steht der genannten Firma zur Verfügung Der Sogen Oesterreichs, die vielen starken Wasserkräfte, kommt in hervorragender Weise auch der „Molltier" zugute. Es ist kein Wunder, daß die Fabrikate der „Mollner" allgemeinen Anklang finden, nicht nur in Oesterreich, sondern auch im Auslände, in ganz besonderem Maße in Palästina und Polen. E Das Pelzmodenhaus „Zum sibirischen Zobel". Jakob Stern, 6. Bez.. Mariahilferstraße 103, empfiehlt sein erstklapsiges, reichsortiertes Lager zur freien Besichtigung. E Wir empfehlen den Kongreßbesuchern das renommierte Atelier für elegante Herrengarderobe „Victrosa", Wien, 1. Bez., Graben 16 (Eingang Habsburggafse 2). Bei Berufung auf dre .Mener Movaenzeitung" beisondere Preisbogünstiaung. E Die OSkar Schubert «. Co.. Spegialmaschlnen-A.-G., Wien. 16. Bez., Schallergasse 12, Telephon 50-0-96, ist die einzige Fabrik in der chemaillgen österreichisch-ungarischell Monarchie, die Maschinen zur Erzeugung von Kuverts fabriziert. Sämtliche Fabrikate sind aus erstklafsigem Rohmaterial hergestellt, werben in Serien erzeugt und zeichnen sich durch ihre besondere Präzision aus. Die Fabrik beliefert die Mentendsten Firmen des In- und Auslandes und ist in-der Lage, erst- Rassige Neserenzen zur Verfügung zu stellen. . E Dlauabad-A^v. Wir machen varcmf mchnerksaur, daß die Direktion der Dianabad-A.-G. entreaerckomnrendevweife den Delegierten des Zionistenkongresies auf alle Bäder 30 Prozent Nachlaß gewährt, Anweisungen kt Kongr/ßbureau» Pelz'ans 0. J. Pipersberg WIEN Pratersirafje 9 Tel. 40-2-60, 49-6-JO Export-Abteilung: Auswahl in nur erstklassigen Pelzmodellen * LONDON LEIPZIG » GEGRÜNDET 1898 l-ii® 1 mm VICTROSA FEINE HERRENBEKLEIDUNG WIEN, I. GRABEN Nr. 16 TELEPHON NR. 70-2-03 (EINGANG HABSBURGER GASSE 2) FUr cfen Herbst! Schilling 43,58,88,85 Wollmäntel H. HOLZER VI., Marlahllferitrasse Nr. 89 (neben Flotten-Kino) II», Taborstrasse Nr. 18 (im Hotel National) sis HOTEL NATIONAL ipKiV.nl >l»\lytil* I Of'iM ,... 11> ■ ■ KAUF E N il fc B l ÜiVo iT 0 E(: BHl'LvDNG! ERI-ARTIKEL für die feine Schuhpflege Wr.-NeustSdter chcm. Industrie A.-G., Wien, I., Parkring 4 Vertreter im Auslände gesucht! 102a Beatrixbad! »»»»«. s!2 Minuten vom KongreesgebSude entfernt! Dampf«, Heissluft-, Wannen* und FamiMenschwImmbäder 885 Kuranstalten unter fachürtzllcher Leitung Export nach allen Ländern REMjCCR ALLER ART S « ™ 9m HB WB liefern preiswert BECK, KOLLER & Co. 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Strabenbahnlinie SS, 13,118 Bitte Adresse für HochzeilS- und EelegenheitSgeschenke aufzubewahren I 'Seite 33 güdifches Berufsleben und Berufs eignung im Galnth und in krez Israel. Bon Dr. Max Rosenberg. Das Problem der jiiöifdjcn Berufsbildung ist bil heute noch nicht genau ersaßt. Einerseits trägt daran dir unausgebildete Statistik derjenigen Länder die Hauptschuld iu welchen die Inden bisher in großen Äcassen zusammen woyilten. Andererseits aber dürfte dieser Zustand auch da. durch verursacht worden sein, daß die Objekte der Statistik^ in diesem Falle die zu untersuchende Bevölkerung, für das soziologische Studiurn nicht dicjcnigeil genügenden Anhaltspunkte bretet, die eine genaue. Erforschung dieses Problems ermöglichen könnten. Was bisher in dieser Hinsicht veröffentlicht wllrdc, ist nur Stückwerk, basierend auj demographischetk Gcsamturtcilen, ohne eine genau spezialisierte Unterlage. Vor allein muß schon bei Betrachtung der Verhältnisse im Galuth genau zwischen den w e st e il r o p ä ischen Ländern und Osteuropa unterschieden werden. Während im Westen der Handel bei der jüdischen Berufsbildung eine große Rolle spielt, ist dies iu Osteuropo nicht in diesem hohen Prozentsätze der Fall. Es darf dabei aber nicht der Handel als solcher, wie er nach der soziologischen Untersuchung zum Ausdrttck komnlt, präzise genommen werden. Im Westert sind die Juden zürn größten Teil im Handel teils selbständig, teils als Angestellte tätig. Ebenso sind sic auch starkxin rein finanzicllerl Berufen wie im Bankgewerbe, sowohl in leitender, als auch untergeordrieter Stellung beschäftigt, was ebenfalls unter die Gruppe „Handel" fällt. Die Zahl der in dieselbe Kategorie gehörigen Transportunternehmungen, in welchen Juden beschäftigt sind, ist relativ geringer. Der Prozentsa^ der Juden ist hier ein niedriger. Allerdings ist auch hier eine gewisse Unterscheidung notwendig. In den reinen Vermittlungsgeschäften für den Transport, wie irr der Warenspedition, in der Schiffsagentur und endlich in den Vermittlungsgeschäften des Personenverkehrs, sind Juden beruflich etwas stärker vertreten. Geringer hingegen ist ihre Zahl in den reinen Transportbetrieben, wie sie die moderne Entwicklung herausgebildet hat. Zum Beispiel bei den Bahnen, int Schiffahrtsbetriebe usw. Beim Handel selbst läßt sich ebenfalls eine gewisse Differenzierung feststellen. Jnr Großhandel sind iyt Verhältnisse zur übrigen Bevölkerung relativ mehr Juden beschäftigt. Ebenso ist auch ihre Zahl in der Vermittlertätigkeit zwischen Groß- und Detailhandel sehr ansehnlich. Hingegen ist die Zahl der im Detailhandel beschäftigten Juden sowohl im Gesamtverhaltnisse zu der übrigen Bevölkerung, als auch im perzentuellen Verhältnisse zum Beschäftigungsgrad der Juden in den einzelnen Berufsschemen lange nicht so stark wie es bei oberflächlicher Betrachtung den Eindruck gewahrt. In manueller Hinsicht, sowohl im Gewerbeals auch in der Industrie, spielen die Juden im Westen eine relativ geringere Rolle. Trotzdem darf nicht übersehen werden, daß in manchen Gewerben die Zahl der beschäftigten Juden eine ziemlich hohe ist. So sind zum Beispiel im Schneidergewerbe, Uhrmachergewerbe und im Juweliergewerbe ziemlich viele Juden auch im Westen beschäftigt. Allerdings ist ihr Prozentsatz unter den übrigen Berufstätigen in diesen Branchen sowohl in der Selbständigenals auch in der Angestelltenkategorie prozentuell gering. In der Industrie zeigt sich eine stärkere Beschäftigung der Juden nur in denjenigen westlichen Ländern, die über eine verhältnismäßig junge Industrie verfügen und dabei nicht auf die persönliche Qualifikation des manuellen Arbeiters allzusehr angewiesen sind. In solchen Industrien fanden Inder: Verwendung, die aus den Jmmigrationszentren Osteuropas stamrnten und ohne jede individuelle Schulung irr Industrien des fernen Westens, die der Massenerzeugung von Artikeln dienten, Arbeit fanden. Es sei hier nur an die S ch w i tz a r b e i t s z e n t r e n des Ostens von New-York gedacht, in welchen Juden gleich nach ihrer Ankunft Verwendung fanden und auch dort blieben. Selbstverständlich haben sich dann in den Zerrtren dieser Jndrrstrien auch andere Juden schon vorher arrgesiedelt, die sich dem Kleinhandel widmeten und diese Arbeiterzentrerr versorgten. Von einer qualifizierten Berufsbildung kann aber auch hier nicht die Rede sein. Es hat sich Wohl arich in Anrerika ein jüdisches Proletariat herausgebildet, dem aber deswegen kein ausgesprochener Beruf nachgcsagt rverderr kann, weil die Verwendung dieser Arbeiter in vielen Fällen eine so systemlose ist, daß sie mehr als ,,„H i l f s a r b e i t e r" qualifiziert werden könnten, welche keinen ausgesprochenen Beruf haben und je nach dem Bedarse sich der einen oder anderen Berufsrnöglichkeit anpassen. In dieser Hinsicht sirrd die Verhältnisse in Osteuropa schon viel besser. Hier läßt sich die B e r u s s e i n t e i l u n g genauer verfolgen. Aber auch hier ist man in vielen Fällen nur auf die Kombirlation angewiesen. Wenn cs in manchen Statistiken, die vor dem Kriege veröffentlicht wurden, hieß, daß zum Beispiel zwei Fünftel aller Juden Polens dem Haridel angehören, so kann den: nicht ganz zugestinrmt werden, weil oft gerade in den Statistiken unabsichtlich von Jrlden das Wort „Kaufmann" angegeberr wurde, ohne daß tatsächlich bei dem betreffenden statistischen Zählobjekte alle Voraussetzungen vorhanden waren, welche den Gezählten als Angehörigen der Berussgruppe Handel erscheinen ließen. Es sind in dieser Zahl eine Reihe von Einzelindividuen mitgezählt, die sonst statistisch zu den Berufslosen gerechnet werdenmüßten. Manche voll ihnerr könnten vielleicht auch in andere Berufsgruppen ullterstellt werden. Auf feinen Fall aber dürften sie kritiklos der Berussgruppe „Harchel" überlassen werden. Es - ** 1U4.'*'t&'W -WWWWIW 15311522^8221131411212177

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