Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2331 (18.8.1925)
- Date
- 1925-08-18
- Page
- Seite 31 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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«KAM_«Btat, Di«i««-g Sie Zionistische Berelniguna für Deutschland. Von Dr. Georg Herlitz. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland, die , organisatorische Zusammenfassung sämtlicher in Deutschiland wohnenden Zionisten zu einem Landesverband, dürfte! wohl zu den ältesten zionistischen Verbänden der Welt zählten. Bereits kurz nach dem Erscheinen von Herzls „Judenistaat", Anfang 1697, gründeten in Köln drei Männer, von Ebenen zwei späterhin im zionistischen Leben eine hervor- ' ragende Rolle gespielt haben, David W o l f f s o h n, Dr. M. I. B o d e n h e i m c r und Fabius Schach, eine „Ratio- 'naljüdische Bereinigung". Aus dieser zahlenmäßig naturgemäß noch recht kleinen Vereinigung ist der nach Zehntausenden zählende Verband hervorgegangen, der heute den Namen Zionistische Vereinigung für Deutschland" führt. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hat ihren /heutigen Namen nicht von ihren ersten Anfängen an ge- 1 tragen. Als sich am 11. Juli 1897 die genannten drei Mänj ner mit Vertretern der übrigen in Deutschland lebenden j Anhänger der zionistischen Idee in Bingen am Rhein i trafen und die Gründung eines sich auf das ganze Reich er-! streckenden Verbandes deutscher Zionisten beschlossen, wähl- E ten sie für ihn, in Anlehnung an die Bezeichnung des Ur-! sprungsvereins, den Titel „Nationaljüdische Vereinigung für Deutschland". Die Leitung des neugegründeten Landesverbandes der deutschen Zionisten übernahmen die oben genannten drei Männer, die dann auch die zweite, gelegentlich des ersten Zionistenkongresses in Basel stattfindonde Tagung deutscher Zionisten leiteten. Die Zahl der Anhänger der zionistischen Idee wuchs in Deutschland auch nach dem ersten Zionistenkongreß, obwohl die „Nationaljüdische Vereinigung" sofort in die Propaganda eintrat, nicht in erheblichem Maße. Die Schwierigkeiten in den Reihen des in feinem Hauptteile liberal-assimilatorisch eingestellten deutschen Judentums, den Boden für zionistische Gedankengänge zu bereiten, waren damals besonders groß. Trotzdem erschienen bei der dritten ich Laufe des Jahres 1897 abgehaltenen zionistischen Tagung, die als der zweite offizielle DAegiertentag der deutschen Zionisten anzusehen ist und in Frankfurt a. M. stattfand, bereits 45 Personen, darunter 21 offizielle Delegierte. Der wichtigste Beschluß dieser Tagung war die Aenderung des Namens der „Nationaljüdischen Vereinigung. für Deutschland" in „Zionistische Vereinigung für Deutschland". Die Leitung der Vereinigung übernahm auf dieser Tagung ein aus sechs Mitgliedern, darunter Bodenheimer, Wolffsohn, Dr. I. Rülf und Professor Schapira, bestehendes Zentralkomitee, den Vorsitz B o d e n h e i m e r. Köln blieb, da der Vorsitzende dort seinen Wohnsitz hatte, auch weiterhin der Ort der Leitung der Vereinigung. Gegen diesen Zustand, daß der Sitz der Leitung der Zionistischen Bewegung in Deutschland nicht im Zentrum des jüdischen Lebens, in Berlin, sondern an der Peripherie des Reiches in Köln lag, wandte sich die Kritik der Gesinnungsgenossen schon frühzeitig. Bereits auf dem dritten Delegiertentag, der im März 1899 in Köln stattfand, wurde daher die Frage der Verlegung des Bureaus der Vereinigung nach Berlin eingehend erörtert, ohne daß es allerdings zu einem dahingehenden Beschlüsse kam. Von den Delegiertentagen der nächsten Jahre hatte entscheidende Bedeutung der im April 1901 in Anwesenheit von 60 Delegierten abgehaltene 5. Delegiertentag, der für die Propaganda des zionistischen Gedankens in Deutschland wichtige Beschlüsse faßte. Nachdem bereits Anfang des Jahres 1901 die Breslauer Ortsgruppe mit der Herausgabe einer bescheidenen Zeitschrift für die deutschen Zionisten unter dem Namen „Der Zionist" begonnen hatte, beschloß der Delegiertentag, dieses Organ zu übernehmen, mit der in Berlin erscheinenden nichtzionistischen „Israelitischen Rundschau^ zu vereinigen und als offizielles Organ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland erscheinen zu lassen. Die Leitung dieses Organs übernahnr zunächst ein aus Dr. Adolf Friedemann, Dr. Artur Hantke und Dr. Theodor Zlocisti bestehender Presieausschuß, bis im Mai 1902 Heinrich L o e w e zum Redakteur bestellt wurde, der dann im Oktober 1902 der Zeitschrift endgültig den Namen „Jüdische Rundschau" gab. Um die durch das Erscheinen der neuen offiziellen Zeitschrift eröffneten Propagandamöglichkeiten voll auszunützen, wurden noch im selben Jahre, auf Grund eines Beschlusses des 6. Delegiertentages, der im Mai 1902 in Manheim stattfand, in einzelnen größeren Orten Deutschlands Distriktsbureaus der Bereinigung gegründet, die an Stelle des weitabgelegenen zentralen Bureaus die Propaganda des zionistischen Gedankens in Deutschland übernahmen. Die Frage der Zentralisierung der gesamten zionistischen Arbeit an einem im Mittelpunkt des jüdischen Lebens in Deutschland gelegelten Orte stand auch in der Folgezeit im Vordergrund der Erörterungen und fand ihre vorläufige Lösung durch den Beschluß des 8. Delegiertentages vom Jahre 1904, auf Grund dessen die Errichtung eines Zentralbureaus der Zionistischen .Bereinigung für Deutschland in Berlin erfolgte. Dieses neue Bureau der Vereinigung, in das Dr. Artur Hantke, Dr. Eduard Lesczynsky und Dr. Emil ' S i m o n s o h n sowie Max W o l l st e i n e r als Leiter der jBMefte? MorHerrHeituira Kongress« Besucher müssen unbedingt das grösste Spezial-Modellbaus für Damenkonfektion Leopold Ascher & Bruder 7. Bez., Mariahilferstraße SO besuchen 518 Herbst« und Wintermodelle in elegantesten Kleidern Mäntel, Kostüme und Blusen Muss modell~ Abteilung Separate Abteilung für gestrickte Modeartikel und Lederbekleidung in allen Preislagen Nationalfondssammlungen eintraten, übernahm nunmehr die gesamte Propaganda und technische Verwaltung der Zionistischen Vereinigung für das Reich. Der Sitz des Vorsitzenden und der Leitung blieb allerdings vorläufig auch weiterhin in Köln. Erst der 12. Delegiertentag vom Jahre 1910 machte diesem unnatürlichen Zustande ein Ende. Dr. Bodenheimer legte auf diesem Delegiertentage sein Amt als Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung fiir Deutschland nieder, und aü seine Stelle trat Dr. Artur Hantke, der auch bis dahin schon lange Zeit im Mittelpunkte der vom Berliner Zentralbureau geleisteten Arbeit gestanden hatte. Die Verlegung des Sitzes der Leitung von Köln nach Berlin hatte aber nicht nur diese äußere, organisatorische Bedeutung. Mit ihr trat vielmehr in gewisiem Sinne auch eine starte Aenderung in der Auffassung von den Grundfragen der zionistischen Ideologie und der zionistische Politik innerhalb des deutschen Zionismus in die Erscheinung. Sowohl der neue Vorsitzende der Vereinigung, wie insbesondere der ungefähr zur gleichen Zeit in die öffentliche zionistische Arbeit eintretende Parteisekretär Kurt Blume n f e l d vertraten, in Anlehnung an den Zionismus des rusiischen Judentums, den Standpunkt eines „radikalen" Zionismus, der in dem Streit zwischen „politischem" und „praktischem" Zionismus dem letzteren zuneigte, die sofortige Aufnahme kolonisatorischer Arbeit in Palästina forderte und für die Propaganda der zionistischen Idee die Vertretung des radikalen jüdischen Nationalismus mit allen Konsequenzen verlangte. Diese scharfe Betonung der nationaljüdischen Grundanschauung des Zionismus und die unmittelbare Einstellung auf das palästinensische Ziel fanden ihren prägnantesten Ausdruck in der vom 13. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland angenommenen Resolution, die es als Pflicht jedes Zionisten erklärte, die Uebersiedlung nach Palästina in sein Lebensprogramm aufzunehmen und sich mindestens persönliche Interessen in Palästina zu schaffen. Unter diesem Gesichtspunkt wurde fortan die zionistische Propaganda in Deutschland, insbesondere in den Kreisen der Jugend, geführt, und es ist nicht zu leugnen, daß die zionistische Idee und der zionistische Wille seit der Annahme der erwähnten Resolution in Deutschland eine sehr starke Vertiefung und Intensivierung erfahren haben. Die Annahme der Resolution führte andererseits zu einer großen.Verschärfung des Kampfes gegen den Zionismus, der in Deutschland vor allem vom „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" inszeniert wurde. Dieser Kampf erreichte seinen Höhepunkt in dem Streit um die Unterrichtssprache am Haifaer Technikunr (Sprachenkampf). In Preßpolemiken, Broschüren und Versammlungen wurde damals leidenschaftlich um die Idee des Zionismus gestritten, und diese Auseinandersetzung ist seitdem das zentrale Problem aller innerjüdischen Känipfe in Deutschland geblieben. Dabei hat es auch in den Reihen der Anhänger des Zionismus nicht an Stimmen gefehlt, die der Betonung des radikalnationalen zionistischen Gedankens aus grundsätzlichen Anschauungen und praktischen Erwägungen Widerstand leisteten. Der letzte vor dem Kriege abgehaltene Delcgierteutag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland bot ein anschauliches Bild dieser innerzionistischen Kämpfe, zeigte aber schon, daß die Vertreter der radikalen Anschauung die Majorität des deutschen Zionisnms hinter sich hatten. 16. August 1925 Seite 31 Ter Weltkrieg, der der innerzionistischen Auseinandersetzung ein Vorzeit gce Ende bereitere, erschütterte dadurch daß er den größten Teil der deutschen Zionisten ihrer zionistischen Arbeit entzog, naturgemäß das Gefüge der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Trotzdem getane cs noch während des Krieges, den Bau der Organisation wieder auf sichere Grundlagen zu stellen, und so korlntc die Zionistische Vereinigung für Deutschland ungebrochen das Ende des Weltkrieges überdauern. Vorsitzender der Zionistischen Bereinigung für Deut'chland war seit 1910 ununterbrochen Dr. Hantke, dem erst, als er 1920 als Mitglied der Exekutive nach London übersiedelte, eitle neue Leitung folgte. Sie bestand aus zwei Personen, Dr. Alfred Klee und Rechtsanwalt Felix Rosenblüth, die vorn 16. Delegiertentag mit gleichen Rechten zu Vorsitzenden der Vereinigung gewählt runroen Die Tatsache, daß damals an die Spitze der Vereinigung zwei Männer traten, ab'r noch mehr die Gegensätzlichkeit ihrer beiderseitigen Anschauungen in grundlegenden Fragen des Zionismus bewies, daß auch nach dem Weltkriege dialten Gegensätze innerhalb der Zionistischen Vereinigung für Deutschland weiter bestanderl. Diese Gegensätze fanden ihren schärfsten Ausdruck in der Gründung des B i n j a n Haarez, einer Sondergruppe innerhalb des deutschen Zionismus, die sich besonders mit Rücksicht auf die durch die Kriegsereignisse nahegerücktc Verwirklichung des zionistischen Endzieles und die hierfür erforderliche Mitarbeit aller Juden, der radikalnationalen Grundanschauung der Mehrheit der deutschen Zionisten entgegenstellte und em Minimalprogramm als ausreichend für die Bekenner des Zionismus erklärte. Der Kampf zwischen den beiden Richtungen wurde mehrere Jahre mit großer Leidenschaft geführt. Schon in seiner ersten Phase trat Dr. Klee von der Leitung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zurück und Felix N o s c n b l ü h übernahm allein ihren Vorsitz, den er bis zu seiner 1923 erfolgten Uebersiedlung nach Palästina führte. Rosenblüths Verdienst ist, die Zionistische Vereinigung für Deutschland, die organisatorsch unter ihren inneren Kämpfen naturgemäß stark litt, wieder zu einer straffen organisatorischen Einheit zusammengefaßr zu haben. Einer der Exponenten der radikalen Anschauung, verstand er es, innerhalb der Zionistischen Vereinigung für Deutschland die Arbeit für den Aufbau Palästinas zu der entscheidenden Tendenz zu machen. In der Zeit seiner Führerschaft wurden alle die Institutionen geschaffen, die noch heute die Arbeit der Zionistischen Vereinigung für Deutschland repräsentieren: das Palästinaamt, das in den letzten zwei Jahren, unr nur einige Zahlen zu neunen, 9^1 Auswanderer, 1104 Durchwanderer und 666 Touristen befördert«hat; das Chaluz-Sekretariat, das in ständiger Zusammenarbeit mit dem deutschen Landesver- Land des Hechaluz die Hachscharah der Chaluzim leitet, v?n denen heute über 500 allein in der l a n d w i r t s ch <i f i* l i ch e n Ausbildung (auf einigen großen Gütern und einer eigenen Siedlung der Vereinigung) begriffen sind, während etwa ebensoviele handwerkliche Chaluzim in einer eigenen Tischlerwerkstätte und an zwei speziellen Berufs- Zentren für Maurer und Schlosser ihre Vorbereitung für Palästina erhalten; die (neuerdings ausgebaute und mit dein Palästmaamt verbundene) Palästina-W irisch aftsstelle, die für alle Berufszweige wirtschaftliche Auskünfte über Palästina erteilt und die Uebersiedlung wirtschaftlicher Unternehmungen nach Palästina fördert, die zur Verbreitung der Kenntnis der neuhebräischen Sprache begründeten hebräischen S p r a ch s ch u l t n in Berlin, Breslau, Köln, Frankfurt a. M., Hamburg und Leipzig sowie die Leiden Grundschulen mit hebräischer Unterrichtssprache in Berlin. Sein Hauptaugenmerk aber richtete Rosenblüth. der kurz nach Gründung des Keren Hajeffod die Leitung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland übernahm, auf die Heranziehung weitester jüdischer Kreise in Deutschland für den Gedanken des Auf Laues des neuen jüdischen Palästina. Die Gründung dcs neutralen Keren Hajessod in Deutschland und die Gewirr nung führender Persönlichkeiten des deutschen Judentums sowie einer großen Zahl zentraler jüdischer Organisationen für die Förderung des Keren Hajessod sind das Resultat einer schwierigen, aber schließlich alle Hindernisse überwindenden Arbeit von Felix Rosenblüth und Kurt Blumenfeld, die hierbei von einer Reihe unermüdlicher Mimrbei'.er unterstützt wurden. Die zionistische Arbeit in Deutschland wurde 'n den; gleichen Geiste nach der Uebersiedlung Rosenblüths nach Palästina von seinem Nachfolger Dr. Alfred Lands b c rg fortgesetzt, der in vorbildlicher Weise einen Beweis zionistischer Pflichttreue gab, indem er ein Jahr lang seiner umfangreichen beruflichen Tätigkeit entsagte, um freut an ihn ergangenen Rufe, die Führung des deutschen Zionismus zu übernehmen, Folge zu leisten Das Jahr seiner Amrsführung zeichnete sich durch den tatkräftigen Ausbau aller Institutionen der Ziomsl-schcn Vereinigung für Deunchland aus und erhielt seinen äußeren Stempel durch die Erwerbung eines eigenen Hauses durch die Zionistische V'rx'iuigung für Deutschland, in dem alle ihre Abteilungen und die mit ihr zusammenhängenden Institutionen untergebracht werden Icumen IDA REICH & BRUDER WIEN, VI., MARIAHILFERSTRASSE 39 ORIGINAL¬ PARISER MODELLE . aw. i,.