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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-18 · Heft 2331 (18.8.1925) · p. Seite 27

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2331 (18.8.1925)
Date
1925-08-18
Page
Seite 27 (sequence 27)
Language
German
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Men, MerSkag Wiener MoVgenMtmrg 18. August 1926 Serie 87 W # O G wiEn vii G Litsehau Seidengasse3.5 CvatVwe& .w&kerw G XM\fZJCv m Aniüvvvt: FeigenMätter. Niemand hat dort mehr an ails FsigenIlMtter. Nur die Kurzsichtigen müssen auch noch Brillen tragen und die gottesfürchtigen Frommen auch ein „Talitlh- KaLan" (,^Zidackell"). Wahrliich, es ist keine leichte Sache, fromm zn sein. Frage: Aber... wie -ist das möKich??? Antwort: Sie schon doch! Frage: Sind wirklich dort so Viele Feigen? Antwort: Jawohl. Und die meisten gehören den Juden. Das ist eine jüdische Frucht. Jeder Jude, der nach Palästina kommt, kriegt dort sicher-eine Feige.*) — Zum Beispiel: Die Chaluziini, wenn sie in eine jüdische Kolonie kommen, um Arbeit zu suchen, da bietet man ihnen eine Feige. Frage: Und wie können sie bloß von Fergen leben? Antwort: Anfangs ist es wohl schwer, aber im Laufe der Zeit geiwöhnon sie sich dazu. Frage: Me eiuipfängt man dort die Chailuzrm? Antwort: Sobald ein SchU ankommt, das Cha-luzi-m bringt, kanmrt Seme Hoheit der High Commissioner Herbert Samuel mit der Suite der Großen um ihn zum Halfen. Samuel hält in der einen Hand eine j-üdische Fahne und Mit der anderen drückt er jedem Chaluz die Hand — mit einen: breiten Schalom! Die Militärkapelle spielt die „Haiikwah" und unter lMtem GÄlünge und Trampetonschall werden die Neuangekommenen zum Palast Samuels geführt, wo für sie ein Mahl vorbereitet ilst wie einist beim König Salomon. Bei einem Becher KavmMvoin werden feurige Begrüßungsansprachen in einem ebenso tadellosen wie blumigen Hebräisch gchalten. Ussischlkm stnnmt ,Iechezcvklrah" an und die ganze Gesellschaft singt 'laut mit. Der Rabbiner Kuk spricht ein „Milscheiberach" für jeden einzelnen Chaluz, dann werden die SegenÄpprüche gesprochen und es beginnt ein Tanzen und Hupfen bis zum lichten Tag. — Während der ganzen Zeit steht Lady Samuel bei den Gästen und drängt sie in der liebenswürdigsten Weise zum Essen und Trinken. Frage: Und wie ist sein, Samuels, Verhältnis zum Judentum? Ist er gotteMrchtig? Antwort: Sehr gotteMrchtig. In seinem Palast hält er sich einen Rabbiner, einen Schochet und einen Kantor. Früh beim Aufftchen wäscht er sich die Hände, zieht sich an, badet in der ,MMvah" (dem rituellen Bad), betet bei einem ,Minjan" und alle Mischen Generale — nur Generale — mit. Lady Samuel und andere vornehme Damen stehen im zweiten Zimmer, jede ein .^ytzban-Mmchah-Sildur" in der Hand. So verbringen sie in heiligem Dun alle Tage und Nächte. *) Im Jiddischen heißt „eine Feige geben" oder „krregen" soviel! wie „nichts geben" oder „kriegen",' mit dem Untertan der Verhöhnung, welcher in der deutschen Wendung: »Eine Fchge bieten» weisen" rOv. dominierend ist. ■ Frage: Warum aber läßt er daun' sich den Part rasieren? Antwort: Nu, das ist ein Politikum. Frage: Verkehrt dort die Eisenbahn auch am Sabbat? Antwort: Gott bewahre! Vor dem Äichtziüuden am Freitag wird mit ein-onr großen Schafar geblasen und alles bleibt wie erstarrt stehen. Bis am Sabbatausgang Hawdallah gemacht wird, dann beginnt das Lüben wieder zu pulsieren, Frage: Welche Verkehrsmittel gibt es -dort? Antwort: Bis zum Weltkrieg pflegte man auf Kamelen und Elephanten zu reiten — die Reichen hatten weiße Elepharrten; jetzt ist dieser Brauch bereits veraltet. Seit der Amerikaner Ford, der Automöbilfabvikant, ein so schrecklicher Antisemit geworden ist, haben die palästinensischen Juden die Ford-Auws öingeführt. — Ford reitet auf den Juden herum und die Juden auf seinen Automobilen. Frage: Und gibt es dort „Parnosse"?*) Antwort: „Parnosse?" „Parnosse?" — Sehen Sie, gerade in dem Fache hapert's ein wenig in Erez Israel. Und darum bin ich eben hicher nach Wien gekommen. MH bin gekommen, uyr „Parnosse" zu suchen.-Vielleicht kennen Sie den heutigen Kurs des Schillings? Doch da mein Interviewer das Wort „Schilling" von mir hörte, stellte er keine Fragen mehr und war im Augenblick derischdvunden... E Seit seinem 22jährigen Bestand erwarb sich der Herrenkleidevsalon Heinrich Segal, 1. Beg., Schottenving 8, in -der distinguierten Wiener und ausländischen Herrenwelt den Rus, daß in seiner Wevkstätte von erprobten Arbeitskräften aus den allerfeinsten englischen Stoffen Herrenkleider jeder Art im elegantesten, modernsten Schnitt gediegen ausgearbeitet werden. Schneidermeister Heinrich Segal, eine Koryphäe in der Zu- - chneidekunst, der die Zuschneideakademie nrit glänzendem Erdig absolvierte und in großen in. und ausländischen Maß- - chnoi-dereien als erster Zuschneider seine künstlerische Veranlagung vervollkonvmnete, berechnet stets solide Preise. Seine Svezmlitäten: Sportdreß, Sport, und Stadtpelze, letztere mit tadeAosen Fellen, sind allseits beliebt. E „Rikola-Bücherschrein." Ein schönes Bücherverzeichnis mit S4 Dichterbildnissen und ebenso vielen Originalbeiträgen von Dichtern und Denkern über das Thema „Ueber Micher. Lesen und Menschen." Verlangen Sie kostenfreie Zusendung vom Rikola Verlag, Wien, 3. Bez., Radetzki-platz 6. E Mn Besuch in Jankes Haarfärbesalon wird jeden überzeugen, daß es keine grauen Haare mehr gibt. Mt seiner nach eigener Erfindung aus echt türkischem Henna zubereiteten Haarfarbe zaubert er jede gewünschte Farbe in der kürzesten Zeit hervor. Nebst einfachster Behandlung, so daß es jede Dame sehr leicht selbst machen kann, sind unbegrenzte Haltbarkeit um natürlicher Glarrz, so daß selbst Fachleute die Färbung nicht erkennen, die Hauptvorzüge. Wollen Sie jung fein, dann müssen Sie zu Meister J anke ins Zentralbad, Wien, 1. Bez., Weihburggasse 20, gehen. *) MMmflOicher KchenZuntechgilt, „Wacht an -er Warthe." Von Sammy Gronemanu. (Aus dem. unveröffentlichten Romane des Autors „Berliner Wacht an der Warthe".) . . Der Gang der Geschäfte der Alexander Brunnstein G. m. b. H. war erfreulich und so trafen die Herren Rabbiner Dr. Merzbacher und H. Z. Finkelstein, als sie Herrn Alexander Brunnstein in seinem Bureau in der Kochstraße zur Zeit des Geschäftsschlusses aufsuchten,. ihn in einer für den Zweck ihres Besuches überaus günstigen gehobenen Stimmung an. Es handelte sich darum, Herrn Alexander Brunnstein zu bewegen, das Ehrenpräsidium des neu gegründeten Vereins „Berliner Wacht an der Warthe" (Berlin WW.) zu übernehmen. Brunnstein schaute zwar etwas verdutzt drein — was in aller Welt hatte Berlin an der Warthe zu bewachen? Und wo in aller Welt war überhaupt diese Warthe? Und was hatte er mit der Warthe zu tun? — aber Dr. Merzbacher wußte ihn aufzuklären. „Es handelt sich um eine verdienstvolle Gründung unseres Ihnen gewiß dem Namen nach rühmlichst bekannten Freundes hier, des Herrn Harold Zwi Finkelstein", begann Dr. Merzbacher seinen Vortrag. „Selbst gleich mir aus jenen östlichen Gefilden unseres geliebten deutschen Vaterlandes .stammend, welche von dem Warthestrom durchbraust werden —> mit anderen. Worten, aus der Provinz Posen, ehemals dem Bezirke des fünften Armeekorps, sucht er alle Glaubensgenossen, die, aus jener Gegend stammend, nach unserer Metropole verschlagen sind, zu sammeln. Es soll ein geistiger und ideeller Mittelpunkt geschaffen werden und der unmittelbare Zweck ist . ..." „Nur. der vorläufige", warf. Finkelstein dazwischen. „Ich habe größere Pläne — man wird schon sehen." „ der nächste Zweck ist, sittlich im Strudel der Großstadt gefährdeten Glaubens- und Heimatgenossen eine moralische und materielle Hilfe zu gewähren. Ich fühlte mich verpflichtet, obwohl ich hervorheben muß, daß ich nicht aus dem Posenschen stamme — ich bin in Schlesien beheimatet —, dem an mich um Beistand ergangenen Rufe Folge zu leisten, zumal ich als Seelsorger leider, leider, die Notwendigkeit dieser Fürsorge nur zu gut kenne. Und deshalb haben wir Sie ausgesucht . . ." Brunnstein wurde unruhig. „Erlauben Sie — halten Sie mich für sittlich gefährdet — ich weiß, worauf Sie anspielen, aber ich versichere Sie . . ." „Aber um des Himmels Willen, kein Mißverständnis!" beteuerte der Rabbiner^ „Ich fahre fort, wo Gie mich unterbrachen. Hin —'ja. Ich weiß, daß gerade in heutiger Zeit bei der bekannten Zeitströmung es unser Aller Pflicht ist, zu verhüten, daß Entgleisungen unserer östUHen Brü-» i

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