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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-18 · Heft 2331 (18.8.1925) · p. Seite 22

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2331 (18.8.1925)
Date
1925-08-18
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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«rtfc g_Men, _ - Wien«» Morft-nztitung 18. August 1925 Nr. 8831 Die Thorarolle,, welche die Wiener sephardische Gemeinde dem Obcrkommissär Sir Herbert S a m n e I bei seinem Besuch überreichte. h b»» iä leben, twb so lange voran litten, bis sie ihre Sehnsucht «De», * Wir stehen am Anfänge dieser Bewegung und wissen, daß sie riesige Schwierigkeiten zu überwinden haben wird. Aber wir glauben, daß sie uns Hilst, aus dem Zionisums eine wahre BoÜSbewegung zu machen. Besonders interessant und anziehend ist, da das Verhältnis zwischen den chaffidischen Chaluzim (notabene Familienvater!) und den Kolonisten aus den Reihen der Arbeiter. Auch hier ein Verhältnis wie zwischen Brüdern, als ob zwischen ihnen «in geistigen Dingen keine Kluft bestände. Innig, ehrlich, freundschaftlich sind diese Beziehungen. Denn beide fühlen und wissen, daß ihnen das jüdische Schicksal die Aufgabe gestellt hat: Das alte Israel, das feit zwei Jahrtausenden entwurzelt ist, wieder im eigenen Erdreiche wurzelfest zu machen. Ich glaube daran, daß dieser chaffrdische Strom, der die wunderbare Kraft besaß, in den östlichen Ghetti die jüdisch leidenden, von der Welt verlassenen Massen, neu zu beleben, ihnen Glück und Freude zu bringen, außergewöhnliche Energien zu wecken — in Erez Israel eine historische Aufgabe zu erfüllen hat: Den Geist des trockenen, lebentötenden Rationalismus, wie er leider üppig im neuen Jsschuw lebt, zu verdrängen, die Schleusen des Gemütes zu offnen und unserem Volke den Weg zu öffnen zu den reichen inneren Welten, die uns unter dem Einflüsse Europas verschlossen wurden. Produktive, schöpferische, physische Arbeit und jüdisches Gemüt, gellährt an den vielen Jahrhunderten jüdischen Lebens, werden erst jene Harmonie schaffen, die wir mit der Seele suchen: Wiederbelebung von Volk und Land. Amerikanischer Judentum. Bon Schemarjahu Levin. Ich muß bestimmte Widerstände überwinden, ^bevor ich mich entschließe, über amerikanisches Judentum zu schreiben, denn ich bin als Anhänger des amerikanischen Judenttuns verschrieen. Als ob meine Anhängerschaft primär gewesen wäre und nicht erst die Folge neunzehnjähriger Tätigkeit in Amerika! Leichtsinnig war es und auch logisch unbegründet, wenn man in vielen Kreisen der zionistischen Welt das amerikanische Judentum als einen BEsterl ansah, der nicht vollwertig ist und gerade noch für ökonomische Fragen „etwas" Verständnis erübrigt, während man es im jüdischen Westen Eigene Modell - Werks taffe Vornehmste Pelzkonfektion Josef Sonnenschein & Co. PELZGESELLSCHAFT Wien, V1L Mariahüferstrasse Nr* 70 TELEPHON 39-5-90 — EN GROS 312 EN DETAIL einfach als Tatsache hrnnahm, daß den amerAamrschen Juden der Drang nach Erneuerung und geistiger Freiheit fremd sei, dass über dem großen Wasser Regungen der Seele zu den Imponderabilien des Lebens zählen, für die man doch nicht leichtsinnig bare Münze toeFfcfjftoenbm könne. Diese Vorstellung war falsch. Ich habe die amerikanischen Juden immer als einen integrierenden Bestandteil der jüdischen Nation betrachtet und habe auf Grund! langjähriger Beobachtungen gewußt, daß im Falle der Not — sei es eine rein ökonomische oder eine geistige Not — das amerikanische Judentum als Teil des Ganzen emspvingen und seine Funktionen auf allen Gebieten des jüdischen Lebens intensivieren wird. Man braucht nicht daran zu erinnern, in welchem hervorragendem Maße das amerikanische Judentum in der Nachkriegszeit diese Aufgabe auf sich genomnren und durchgeführt 'hat. Aber es wäre verfehlt, nur die materiellen Leistungen der Nachkriegsjahve in Betracht zu ziehen. Ohne Uebertreibung kann ich behaupten, daß die Zahl der hebräischen Schulen — vom Kinder- S garten bis zur höheren Lehranstalt — sich während der MchkriegsPeriode in Amerika zumindest verfünffacht hat. In allen Schichten der jüdischen Bevölkerung wächst das Interesse für die sich erneuernde 'hebräische Kultur, sogar in der Mischen Arbeiterschaft, die mit starker Hand von der jüdischen Renaissance ferngehalten wird. Eine solche Erscheinung darf man nicht unterschätzen, denn ohne tiefen Drang nach Bereicherung der Seele werden keine Millionen aufgebracht und ausgegeben. Selbstverständlich hat das amerikanische Judentum für den A u f b a u v o n E r e z Jsraelnoch nicht einmal einen Bruch teil dessen gegeben, was es zugebeu-inder Lage ist. Darin besteht ja die Hauptaufgabe der Zionistischen Organisation und sie wird sie in der nächsten Zeit mit weit größerer Kraftinstrcngung als bisher erfüllen müssen: die Mische Psyche zu gewinnen und umHusovmen. Was das Krimprojckt betrifft, will ich vor allem ftsthalten, daß die Männer, welche an der Spitze dieses Kolonisationshilfswerkes stehen, Piarshall und Marburg, über jeden Verdacht erhaben sind. Es wäre ein schweres Unrecht, wollte man behaupten, daß sie eine Konkurrenz gegenüber dem zionistischen Aufbauwerk und seinen wichtigsten Finanz i nstrumente, dcmKerenHajc ssod, ins Leben rufen wollten. Solche Aktionen kann man nicht vom Aspekt der Führer ansehen. Man muß sie historisch objektiv betrachten. Historisch genommen ist die geplante Krimbestedlung eine Wiederholung der alten Erscheinung: man schafft Blitzableiter, um das Interesse der Judenheit von Palästina abzulenken. Es wiederholt sich dieselbe Erscheinung, die seinerzeit bei der argentinischen Aktion zu beachten war. Daß bestimmte Machtfaktoren inRußland selbst sehr starkes Interesse daran haben, die Juden von der Arbeit für Erez Israel abzuzichen, braucht wohl nicht erörtert zu werden. Noch ein Punkt erscheint mir wesentlich: die Mischen Führer Amerikas, auch diejenigen, welche denr Zionismus sympathisch gegenüberstchen, verfügen gegenwärtig nur über ihre Sympathie, denn sie sind noch lange nicht so tief in die Fragen des Judentums emgedrungen, daß sie' sich in zionistischer Aktivität ausleben könnten, ©ic sind aber Führer. Und Führer müssen über einen inneren Fundus verfügen. Man sorge dafür, daß dieser Fundus ihre zionistische Aktivität wird. Auch hat die Zionistische Organisation eine große Ausgabe zu erfüllen. Kanu man die Juden noch nicht nach Palästina bringen, so muß man Palästina zu den Juden bringen: auf dem Doppelwege der Verbreitung unserer Lchre und der Mitteilung unserer Arbeit in Erez -Israel. _ Sin Interview mit Henriette Szold. Die Gründevin und Leiterin der Hndassach. Von P. Dungot. Im Bureau der amerikanischen Zionistischen Organr-- ätion sitzt eine Frau mit grauen Haaarcn und jugendlichen Augen. Sie verwaltet einen der wichtigsten Zt.veige der zionistischen Bewegung in Amerika — die Frauenorganisation Hadassah, welche in allen Städten Amerikas vertreten ist. Ihr «Vater, Benjamin Szold, war Rabbiner in Baltimore. Als Rabbiner Vorkämpfer für ein modernisiertes Judentum auf thoratreuer Grundlage, tzkber sein Kampf wurde nicht durch schreiende Publizität, nicht durch Diskussionen in der breiten Qeffentlichkeit ausgetragen. Mit den Geisteswaffen der Schaalokh und Teschunoth, von Fragen und Antworten, durch Hunderte von Briefen an Anhänger und Gegner seiner Idee führte er seine Sache, wie es von jeher Gepflogenheit unserer Lehrer und Meister in Israel war. " Und Henriette, seine Tochter und Erbin seines Geistes, arbeitet in seinem Sinne weiter. Sie widmet ihr ganzes Leben großen, gesellschaftlichen Aufgaben. In ihrer Jugend war sie schriftstellerisch tätig und verfaßte viele interessante Ueborsetzungen religionsphilosophischer Werke. Sie war eine der ersten Gründerinnen >der Jewish Publication Society und trug viel zur Entwicklung des jüdischen Bewußtseins in Amerika bei. Mich hat der Name Henriette Szold schon lange interessiert. Wer mag wohl diese Frau sein, von der alle, die mit ihr in persönliche Berührung kommen, mit einer Berohrung sprechen, die an Heiligenkultus he raureicht, diese Frau, welche in Amerika die zionistische Frauenbewegung organisiert lhat und im Verlaufe von dreizchn Jahren eine Armee von 27.000 Mitarbeiterinnen um sich scharte, diese tapse« Jüdin, die gleich nach dem Kriege die Hadassah Medical Unit für Palästina schuf, mit einem ganzen Stab von Aerzten und Krankenschtvestern nach Palästina fuhr und übe, alle Städte und Kolonien von Erez Israel ein Netz von Spitälern und hygienischen Stationen zog? Wer ist diese Frau, deren Arbeit nicht nur in Mischen Kressen Begeisterung auslöst, deren Wirken auch von Arabern und von der englischen Regierung in Palästina bewundert und Hoch eingeschätzt wird, die den ersten Grundstein zu freundlicheren Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Palästina legte? Mein Besuch in ihrem Bureau war kurz und nicht ungestört. Die Tür zu Miß Szolds Arbeitszimmer stand nicht stille, der Faden unseres Gespräches riß immer wieder ab. Und sie sprach mit dem einen hebräisch, mit dem anderen deutsch, zwsschidurch englisch mit mir, sie behielt in dem Tohuwabohu, das sie umgab, ihre Ruhe und Äieb aus der Höhe der Situation. Während der ganzen Dauer unseres Gespräches sprach sie kein einziges Wort über ihre eigene Person — nur von ihrer Arbeit und von ihren: LieMngskind, der Hadassah. Es gibt Menschen, die so sehr in. ihrer Arbeit aufgehen, daß diese ein Teil ihrer selbst wird. Mir dünkt, Miß Szold übertrifft diese Menschen. Nicht die Arbeit sst ein Teil ihres Ich, ihre Persönlichkeit sst ein Teil ihrer Arbeit. Sie selcht steht sozusagen tief im Schatten, während alles Licht über ihre Arbeit flutet. Vom ersten Augenblick der Begegnung weiß man, daß diese Frau ein außerordentliches Organisationstalent besitzt. Sie, die in vornehmer Abgeschiedenheit erzogene Tochter des Rabbi von Baltimore, ging im Schopper von New- Aork herum, zwsschen nicht immer einwandfreien Elementen und agitierte in den Kreisen der Arbeiterfrauen und Arbeiterinnen für den Zionismus. Hielt Meetings ab, ertrug die unvermeidlichen Spötteleien der Allesbesserwisser und erlahmte nicht in ihrer Arbeit, wenn der Mißerfolg sich an ihre Fersen 'heftete. Sie sagte: ,Meine Arbeit ist im Anfang Wohl nicht erfolgreich gewesen. Aber die Ursachen dieses Mißerfolges sind nicht aus seiten der Arbeiterinnen zu suchen — sie müssen in mir gelegen sein. Ich fand nicht den rechten Weg zu diesen Frauen. Meine Methoden waren falsch." Dafür erzählt sie mit Stolz von ihren Erfolgen in der Arbeit für die Hadassah. Roch vor einigen Jahren wollte man in den Mischen Kreisen Amerikas von der Hadassah nicht einmal hören. Man bezeichnete diese Arbeit als „eine ftemde Bewegung". Jetzt ladet man sie ein, aus Meetings des Council of Iewijh women zu sprechen. Das sst die Schwesterorganssation der reformierten Te-mpolgemeindc. Und «s gibt zahlreiche Städte, in denen alle Frauen, welche Mitglieder des Councils of Jewssh iwomen oder Dewpelschwestern sind, zugleich für die Hadassah arbeiten. Gleich nach denr Kriege ging sie nach Erez Israel u>rck leistete dort intensivste Arbeit. Dann kehrte sie nach Amerika zurück, um die HadassahOrganssation auszubauen, und als sie diese gefestigt hatte, fuhr sie wieder nach Palästina, um -die Arbeit dort zu erweitern. Vor wenigen Monaten kam sie wieder nach Amerika zurück, weil hier ihre Arbeit gegenwärtig sehr notwendig ist. Ich fragte sie, welchen Unterschied sie -zwischen dem Erez 'Israeli ihres ersten und dem ihres Zweiten Aufenthaltes gefunden habe? ,-Palästina sst jetzt eine Lebenswirklichkeit," antwortete sic. ,Mauben Sie, daß Palästina die jüdische Emigration zur Gänze aufnehmen kann, die zurzeit keine Heimstätte finden kann?" „Palästina kann derzeit nicht alle diese Emigranten aufnehmen. Aber bei guter Organisation können zwei bis drei Millionen Juden dort Platz finden. Und Palästina hat noch lange nicht alle seine Möglichkeiten ausgeschöpft." ,Me finden Sie das jüdische Amerika nach einer langen Abwesenheit von dieser ihrer zweiten Heunat?" Festvorstellung SCHMATES IbPMi mm niMP

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