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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-18 · Heft 2331 (18.8.1925) · p. Seite 20

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2331 (18.8.1925)
Date
1925-08-18
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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etffe 20 Men. Dienstag Wiener Msraenzeltima 1*. Angnft 1925 ttr. 233f Räumungs-Ausverkauf 50% ermL-rtgt Samtmodelle früher 350.000 jetzt 180.000 Velourhüte * 330.000 „ 150.000 OamenfllzhÜte „ 180.000 „ 98 000 Stumpen „ 95.000 „ 48.000 Herrenhaarhüte „ 180.000 „ 98.000 375 Hminoflenimus Bauer, IX.. SchllcKgnsse 4 Erstarkung der Organisation. Er ist auch dadurch be merkenswert, daß auf ihm die Verhandlungen über die Kulturfrage zum ersten Male in hebräischer Sprache geführt werden. Auf dem elften Kongreß (2. bis 9. September 1913 in Wien) wurde nach einem Referat WcizmannS beschlossen, eine Kommission zum Zwecke der vorbereitenden Arbeiten für die Gründung einer hebräischen Universität in Jerusalem einzusctzen. Mit diesem Kongreß schließt die zweite Periode des politischen Zionismus. Eine fruchtbare Periode der Reife der zionistischen Ideologie und der wertvollsten inneren Arbeit. Tie zionistische Idee wurde verinnerlicht und reif gemacht, alles in sich einzuschließcn, was das lebendige Judentum an Positivem in sich birgt. Der Weltkrieg brach aus. Seine Beendigung bringt die Durchsetzung des zionistischen Programmes. Der Zionismus tritt in die Phase der Verwirklichung. Die Kongresse stehen naturgemäß vor ungeheuren Aufgaben. Die Zionistische Organisation wird völkerrechtlich anerkannt als die Jewish Agency. Der zwölfte und dreizehnte Kongreß (beide in Karlsbad, 1921 und 1923) stehen im Zeichen dieser Verwirklichung und der von ihr hervorgerufenen Problemen. Es sind Probleme, wie sie komplizierter kein Staatsparlament hat. Wanderung, Kolonisation, Wahrung der politischen Rechte, das Araberproblem, das Aufbringen der Mittel'zum Aufbau des Landes, die Heranziehung des gesamten Judentums usw. Die letzten zwei Kongresse waren ein Bild des jüdischen Weltparlamentes mit Parteienschattierungen, Budgetproblemen usw. Alle diese Kongresse waren Zeugen einer großartigen Entwicklung und der Lebendigkeit der zionistischen Idee und der Verknüpfthcit des jüdischen Volkes mit ihr. Der kommende 14. Kongreß wird es in nicht geringerem Maße sein. An Standardwerk: Palästina im Die stattliche Zahl der Bücher über Palästina ist um eines bereichert worden, von welchem das oft mißbrauchte Wort gilt: es hat eine Lücke aus-gefüllt. Das Werk*) besteht aus nicht weniger als dreihundert wunderschönen, prägnanten Lichtbildern, welche'221 Seiten des stattlichen Bandes füllen, und aus ganz wenig Text. Aber tvelch ein Text! Ein Geleitwort von Sven He dir: und ein Nachwort von Georg Landauer, welches gan.z schlicht die 300 Bilder erläutert und doch ein gründlicher, ausgezeichnet informierender Essay über die geographische, politische, kulturelle Bedeutung Palästinas ist und die neueste, die jungjüdische Entwicklung des Landes bi's in die allerletzte Zeit, nämlich bis zur Eröffnung der hebräischen Universität, verfolgt. Der Schreiber dieser Anzeige erfreut sich an dieser Neuerscheinung unmittelbar nach Rückkehr von einer Studienreise durch das Land und kann nur mit Bewunderung von der sehr glücklichen Auswahl der Städte-, Landschafts- und Siedlungsbilder berichien. Nur einige Beispiele: Cs gab bisher kein so richtiges Bild von Tel- Awiw, der neuen jüdischen Stadt, wie das in diese Bilderfolge eingereihte, kein so anschauliches, wie das des ersten Instituts der hebräischen Universität auf dem S'kopusberg. Die Gewissenhaftigkeit, mit welcher die wichtigsten Ansichten der Kolonien des neuen Jischuw gesammelt wurden, ist vorbildlich. Die Städtebilder von Ti'berias, Safed, Jaffa, .Haifa sind ganz entzückend, die wichtigsten antiken Denkmale mit Kennerange gesehen und festgehalten. Es ist ein lebensvolles Buch, dieses neue große Bilderbuch von Palästina, denn man sieht die Menschen, die heiligen Bräuche, die Feste, und man sieht vor allem die Arbeit. Einen weiten Raum nimmt natürlich die Stadt Jerusalem ein. Man genießt den Blick vom Skopnsberg auf die Stadt und aus dem Hinnomtale auf die Westmauer, die Tore (insbesondere das Bild des Damaskustors mit dem Ausblick auf die alte Stadt ist sehr geglückt), man sieht die charakteristischesten Straßen, den Tenrpelplatz, die Klagemauer. Ern herrliches Bild zeigt den Berg Zion vom Süden und den Blick von Casanova auf die großen Synagogen. Außerordentlich gelang die Aufnahme des Sultansteiches mit einer bewegten Gruppe von Menschen und Tieren und des Siloateiches mit dem Ausblick auf die malerischen, den Berg steil erklimmenden Häusergruppen. Auch die landschaftlichen Schönheiten Palästinas sind in einer Anzahl künstlerisch vollendeter Aufnahnren festgehalten. Außerordentlich die drei Bilder des Wadi Kelt, dessen romantische märchenhafte Schönheit noch immer zu wenig bekannt ist. Dieses Buch, eines der schönsten Geschenkworke, welche in der letzten Zeit geschaffen wurden, zeigt alle Punkte, die man auf einer Reise durch Palästina gesehen haben mtlß und gibt ein weit eindringlicheres, klareres Gesamt¬ *) „Palästina." 300 Bilder. Einleitung von Sven He hin. Mit ausführlich beschreibendem Text hevansgegeben von Georg Landauer. M e y e r u. I e s s e n Verlag, München 1925. Siehe auch Se-:re b, bild des Landes, als es irgend ein beschreibendes oder dozierendes Buch vermöchte. Eine wahre Freude die gediegene Ausstattung, das Satzbild, die technisch vollendete Reproduktion der Aufnahmen. O. A. M. de Seaumarchalr, französischer Gesandter in Wien. Soweit man im voraus urteilen kann, scheint es schon jetzt, daß der 14. Zionistenkongreß ein glanzvolles Bild des nationalen Judentums sein wird. Frankreich, das ja als erster Staat den Juden vollständige Gleichberechtigung gewährt hat, nimmt lebhaften Anteil am Geschicke des jüdischen Volkes. Ebenso hat Frankreich als Inhaber des V ö l k e r b u n d m a n d a t e s über das nördlich von Palästina gelegene Land, Syrien, selbst- „ <" -' \ \, s # - »'M * *■ verständlich reges Interesse an einem m a t c x i c 11 c n Aufblühen des Landes und an einer Vertiefung der wirtschaftlichenBeziehungen zwischen P alästina eitierscits und den unter seiner Oberhoheit st e h e n d e n G r e n z l ä n d e r n andererseits. Im übrigen ermächtige ich Sie, in Ihrem Blatte meine Sympathie für den .Kongreß, dem ich beiwohnen werde, zum Ausdruck zu bringen. Im redaktionellen Teile enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesctztes K gekennzeichnet. E Die technischen Einrichtungen einer modernen Molkerei. Die großen Anlagen der Milchindnstrü'-A.-G. an der Erdbergerlände sind seit Jahr und Tag das Ziel vieler Unterrichtsausiflüge von Schulen und Erziehungsanstalten, die irr diesem modern eingerichteten Betrieb alle jenen Vorkehrungen kennen lernen, dir notwendig sind, um einen Großteil der Bevölkerung Wiens mit einer einnvaudfreien und hochwertige» Milch zu versorgen. Imponierend ist die attßerordentlich große Menge Milch die der Betrieb täglich benötigt »nö die in ungefähr 1200 Verkaufsstellen dem Publikum zur Verfügung gestellt wird. Die Geiellschaft tvejorgt einen täglichen Transport von rund 100 Eisenbähuwaggons Milch von den Bahnhöfen, die Belieferung von 1200 Verkaufsstellen und den Rücktransport der leeren Kannen und Flaschen. Die Reinigung, Kühlung und Pasteurisierung der Milch erfolgt in einer'Maschinenanlagc mit einer Leistung von 23.000 Liter stündlich. Ein Wagenpark von 38 Autos, ein Fuhvwerksdenst, der mit 124 Pferden arbeitet und um 1 Uh: nachts seine Tätigkeit aufnimmt, ernwglichen es, daß bereits mn 0 Uhr früh in ganz Wien in allen Verkaufsstellen der Milchindustrie-A.-G. die Milch und sämtliche Molkereiprodukte zur Verfügung des Publikums stehen. Eine von der' Bevölkerung lebhaft begrüßte Einrichtung hat die Gesellschaft dadurch geschaffen, daß sie im letzten Jahr und Heuer eine ganze Reche von Ersrischungsstätten :» den großen Anlagen, im Prater, Vvlksgarten, Schübertpark. ferner in den Strombädern, dann auch in der Umgebung Wiens erösj.iet hat. In diesen Ersrischnngsstätten werden Milch, Joghurt und besonders das beliebte Estuuoeis zu volkstümlichen Preisen verabreich:. PELZHAUS gebr BRAININ ftw— Lmwt 9 Bll—m# I I I I KÜRSCHNER WIEN, II. GLOCKENGASSE 8 TELEPHON 45-4-33 FOURRURES m Nationalstaat und Nationalitäten- Bon Dr. Hans Kohn (London). 1. Die nach dem Kriege aus Gebieten der ehemaligen Oesterreichisch-Ungarischen Monarchie entstandenen oder vergrößerten Staaten, insbesondere aber die Tschechoslowakei, bieten das beste Beispiel fiir eine Darlegung der staatsrechtlichen Probleme von Ländern, die von mehr als einer Natron bewohnt werden. Die Tfchechoslotvakei ist, obwohl sich unter ihren Bewohnern 0,7 Millionen Tschechen, 1,7 Millionen Slowaken, über 3 Millionen Deutsche, fast eine Million Magyaren und eine halbe Million Karpathornssen befinden, als ein Nationalstaat organisiert, das heißt, in den: eine einzige Nation, die Staatsnation, allein und im ganzen Gebiet des Staates unbeschrankte nationale Rechte genießt, tvahrend die anderen Nationen, die sogenannten Minoritäten, zwar für alle ihre Individuen voll,- bürgerliche und theoretisch auch pal-i tische Gleichberechtigung genießen, national aber nur beschrankte Rechte in begrenzten Teil in: des Staatsgebietes besitzen. Mit anderen Worten: nur die Tschechen genießen volles nationales Selbstbestimmungsrecht, nicht däge-gen die anderen -den Staat bewohnendeu Völker. Interessant ist die Begründung, die für diesen Zustand von Seite der Tschechen gegebeit wird. Sie erklären, daß die Deutscher: und die Magyaren eigene Staatsgebilde besitzen, worin ihr Selbstbestimmungsrccht völlig erfüllt sei. Die Tschechen könnten dagegen nur in ihren: Staate ihre Selbstbestimmung erfüllen, mW deshalb müßten die aus geographischen und wirtschaftlichen Gründen in diesen Staat ein geschlossenen deutschen und magyarischen Bovölkert'.ngsteile ans ihr volles Selbstbestrmmuugsrecht verzichten. Dieser ganze Gedankengang beruht aus der Voraussetzung, daß der Staat eine vorwiegend nationale Organisation sei und daß innerhalb eines Staates nur eine Nation das Maximum ihrer Selbstbestmrnmng finden könne. Das Beispiel der Schweiz könne 'deshalb nicht zun: Vergleich herangezogen tvevden, weil alle drei dort lebenden Völker außerhalb der Schweiz Staaten ihrer Nationalität besitzen, wo diese sich voll entwickeln können. Dem einsichtigen Beobachter aber wird es klar werden, daß der National:tätscharakter die Stabilität der Tschechoslowakei n::tergräbt. Die sogenannten Minoritäten werden in eine Opposition dem Staat gegenüber gedrängt und müssen zugleich -Anlehnung bei je,um Nachbarstaaten suchen, wo ihre Nation ihr volles Selbstbestimmungsrecht findet. Daraus folgt, daß der tschechische Staat nicht ans dem Prinzip beruhen kann, in -den: Staaten chre Sichecheit finden, nämlich auf der Zrrfriedenheit der Bewohner, die in dem Staate ihre eigenen EntwicklunMähigkeiten und Ähre gesicherte Zukunft vevbürgt sehen, sondern nur ans den: Prinzip des Zwanges und der Getvalt eines Teiles der Bevölkerung über einen anderen, zahlenmäßig, wirtschaftlich und kulturell nicht viel fchtvächeren. Diese innenpolitische Lage zwingt die Tschechoslowakei auch dazu, außenpolitisch ihren 'Nachbarstaaten gegen obere in der stets gerüsteten Stellung der Abwehr zu lobe:: und sich auf Bündnisse mit anderen Gegnern ihrer Nachbarstaaten zu stütze». Eine Umformung der Tschechoslowakei in eine» Nationalitätenstaat und ein daraus folgender innerer Friede würde der Tschechoslowakei eine weitgehende Abrüstuirg, tvahrscheinlich arich eine außenpolitische Neutralisierung gestatten. 2. Ein ähnliches Problem staatsrechtlicher Organilsation erwartet die zionistische Bewegung auch in Palästina. Es wird notwendig sein, daß der Zionismus schon jetzt klar und deutlich das Problen: ins Auge fasse und sage, wie er sich die Znknnft Palästinas vorstellt, tvenn Jahre weiterer Siedlnngsarbeit die jüdische Bevölkerung zahlenmäßig vergrößert haben Nurde». Die Fragee bleibt als eine innerpolitische für Palästina bestehen, in welchen weiteren äußeren Zusaumwnhang auch innner das Land eingestellt sei, ob es englisches Mandatsgebiet oder Teil des bMschvn Reiches, ob es selbstäiGig oder Teil einer arabischen oder borderasiatischen Konföderation ist. Bei vielen Zionisten besteht die Tendenz, in der Zukunft Palästina sich als einen iüdischen Nationalstaat vorzustellen, tvobei die übrigen Bewohner des Landes volle staatsbürgerliche und wligiöse Freiheit, nicht aber nationale Gleichberechtigung genießen sollen. Wäre ein solches Ziel überhaupt verwirklichbar, so hätte es zufolge, daß das palästinensische Geineimvesen von innen und außen ständig bedroht tväre und nur durch äußerste Gewalt aufrecht erhalten werden könnte. Die in Palästina leben'den Araber wären eine zahlennmßig äußerst starke -Opposition, die in den nnckeberrden arabisch sprechenden Staaten einen Rückhalt fänden. Ein solches Ziel ist auch nur mit Gewalt zu erreichen, und hierin ist Jabotinskys Legionsgedankc Zeichen eines konsequenten u-nto ehrlichen Denkens, während viele andere Zionisten, die von einem Judenstaäte sprechen, aber Frieiden mit den Avaibern wollen »iifcT die Legion ablehnen, nur sich selbst täuschen. Das Ziel des lindenstaates beder.tet die Errichtung und Erhaltung eines starken Atititarismus.

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