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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-18 · Heft 2331 (18.8.1925) · p. Seite 18

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2331 (18.8.1925)
Date
1925-08-18
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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Seite 18 Wien. Dienstag Protokoll, ferner eine ganze Reihe von Prcßbulletins in den verschiedensten Sprachen und je nach den Bedürfnissen und Interessen der Presse in beit verschiedensten Ländern abqe stuft. Die Presseabteiluug ich auch verantwortlich für die ^Herstellung des stenographischen Kongreßprotokolls, und es ist fa bereits bekannt, daß beim 14. Zionistenkongreß zuni ersten Male das Kongreßprotokoll nicht durch Steiwgraphen, sondern durch mechanische Nebertragung mittels des elektrischen Mikrophons und des Phonographen hergestellt wird. Vielleicht ist es bei dieser Gelegenheit nicht unangebracht, darauf yinzuweisen, daß Theodor Herst, der ja fti viele Einzelheiten dcl zionistischen Entwicklung vorausgesehen und vorweggenomn«n hat, auch diese merkwürdige technisch« Einrichtung in seinem 1906 erschienenen Roman „Altneuland" schon vorgezeichnet hat. Jeder Leser dieser „Utopie" erinnert sich daran, daß die Besucher von Altnenland einen Sedcrabcnd in der Billa Littwak am Ufer des Tiberiassecs verleben. Der Hausherr sagt dort: ,Zch dachte mir, daß es immerhin merkwürdig wäre, die Stimme des Befehlenden fcstzuhalten, der den neuen Auszug der Juden anordnete. Darum bat ich Josef Levy, den Bericht über die Besiedlung unseres Landes in den Phonograph hineinzusprechen. Sie kannten ja diese sinnreiche Erfindung schon vor zwanzig Jahren, meine Herren. Ich «ließ die Wachsrollen auf die Joe seinen Bericht gesprochen hat. vervielfältigen ... Es war der Kingscourt wohlbekannte Apparat, verbessert durch eine einfache automatische Bonichtunq. welche die Rollen nacheinander abglerten ließ." Mit großem Scharfblick lat -L»erst eine der Hauptschwierigkeiten der technischen Durchführung erkannt, nämlich das Problem, ohne Störung der Aufnahme oder Wiedergabe die doch nur kurze Zeit lausenden Wachswal-en des Phonographen zu wechseln und eine kontinuierliche Aufnahme zu sichern. Mit der Presseabteilung eng verbunden ist ein besonderes Uebersetzerbureau. welches dafür sargt, daß alle Bulletins, Anträge. Memoranden usw. rasch und verläßlich in alle gewünschten Sprachen übertragen -werden können. Um alle diese verschiedenen Schriftstücke den Delegierten und den Pressevertretern rasch zugänglich zu machen, ist eine eigene Vervielfältigungsabteilung eingerichtet. Wenn ein Delegierter dem Präsidium einen Resolutionsantrag überreicht, so wird der Antrag dank der Arbeit der beiden letztgenannten Abteilungen schon zehn Minuten später in hebräischer, deutscher und englischer Sprache jedem Delegierten und Journalisten im Saale zngestellt. Diejenige Abteilung des Kongreßbureaus, aus die sich, wenigstens rat letzten Augenblick, die meisten Flüche konzentrieren, ist das Kartenamt. Der Kongreßsaal faßt natürlich nur eine begrenzte Anzahl von Menschen, und da schließlich auch die Delegierten im Kongreß Platz finden müssen, steht für Zuhörer nicht einmal diese volle Zahl von Plätzen zur Verfügung. Im Wiener Konzerthaus beispielsweise be-läuft sich die Zahl der Gastplätze auf etwa 1400 und kann aus Gründen der Sicherheit unter keinen Umständen Zweiter erhöht werden. Natürlich will aber jeder, der zum Kongreß nach Wien kommt, auch tatsächlich in den Kongreßsaal gelangen, und da ergeben sich dann die größten «Schwierigkeiten. Die Gastkarten werden nicht vom Kongreßbureau direkt abgegeben, sondern alle Bestellungen müssen an die zionistischen Landesorganisattanen gerichtet werden, die ihrerseits wieder dem Kongreßbureau zu einem bestimmten Termin ihren Bedarf an Gastkarten bekanntgeben. Zu diesem Termin überschreiten gewöhnlich die Bestellungen schon die Zahl der verfügbaren Plätze und es ist in der Regel notlvendig, die Bestellungen zu kontingentieren, das heißt, jedem Land nur einen Teil der von ihm bestellten Karten zu geben. Es wäre nicht menschlich, wenn die enttäuschten Kartenbesteller nicht fest überzeugt davon wären, daß ihnen ein persönliches Unrecht zugefügt wurde und Wiener Morgen-eitung 18. August 1922 Nr. 2881 im Das TocbnlÜtmi In Halls. beim Kongreßburean die übelste Proi cionswirffchifl bezug ans die Verteilung der Gastkarter. herrscht. In schwierigste Lage aber kommt das Karte, tritt des Kongreßbureans in den letzten Tagen vor der Kongreßerössnunv. Ta haben sich dann so und soviele Zion sten un letzten Augenblick entschlossen, zum Kongreß zu .rffen, und beanspruchen nunmehr Eintrittskarten zum Kongreß. .In »er Regel wird in solchen Fällen als Hauptargi'msnk ins D j fen geführt, daß der betreffende Kartenbewc.ber iu febt*.: Lande seit vielen Jahren in aufopferndster u 'bselbstlosest Weise für die zionistische Sache gearbeitet 1 i5c und ab jetzt wohl «beanspruchen könne, daß man ihn °? besonde. bevorzugter Weise behandle. Cs ist gar kein Zl.ve ffl, daß all diese Behauptungen über die zionistischen Verdic. sie der sin zelnen Kongreßteilnehmer vollständig der Wal cheÜ entsprechen; die Schwierigkeit liegt nur darin, daß dn 'er Grün eben für alle zusammen und für je-den einzeln grl. GewK fahren nicht die größten Gegner des Zionismus wen Zionistenkongreß, sondern seine Anhänger, Freunde und Mitarbeiter. Aber auch sie müßten verstehen, daß ein Saal mit 2000 Plätzen nicht 4000 Personen fassen ka-nn und daß diejenigen verzichten nrüssen, die aus irgend welchen Gründen die vom Kongreßbureau verlaukbarten Bedingungen nicht eingehalten haben. Viel leichter ist schon die Verteilung der Presse- und Beamtenkarten, da für diese beiden' Kategorien von vornherein nur ein vergleichsweise geringerer Kreis von Personen in Frage kommt. Immerhin haben sich für den 14. Zionfftenkogreß etwa 300 Journalisten um Presseplütze beworben und das Kongreßburean ist genötigt gewesen, auch von diesen eine Anzahl mit ihren Gesuchen abzuweisen. Natürlich wurden nur solche Gesuche abgelehnt, die entweder von ganz unbedeutenden Presseorganen stammten oder die erst im letzten Augenblick beim Kongreßburean eintrafen. Die von Kongreß zu Kongreß steigende Nachfrage ist ein Zeichen für die Entwicklung des Zionismus in der öffentlichen Meinung der ganzen Welt. Wenn man in Herzls Tagebüchern von dem verzweifelten Kampf liest, den dieser hervorragende Mann mit -der Zeitungsredaktion, der er selbst ängehörte, um eine elende Notiz führen mußt«, so versteht man erst, was es bedeutet, daß heute die Zionistische Organisation nicht die Presse aufzusuchen braucht, um dem Kongreß Publizität zu verleihen, sondern daß die Presse 'mm mi '' * '' ' m selbst es als unabweisbare Notwendigkeit empfindet, sich di« Röglichtttt eingehender Berichterstattung über den Kongreß «r schaffen. Znm Schluß soll noch auf einen Punkt hingcwiesen rverden, der sicherlich zu den wichtigsten und «interessantesten > «!en der Kongreßorganrsation gehört und über den die 7-.ffcntli:ht?:t so gut wie gar nicht informiert ist, nämlich e Firra iif .e ru n? des Kongresses. Es unterl gt keinem Zweifel, daß ein Kongreß von dem Umfang d den technischen Erfordernissen wie die eines heutigen -oniftenkongnsses erhebliche Kosten verursacht. Natürlich criieren diese ^kosten je nach dem Lande, in welchem der Kongreß abgehalten wird, seinen Valuta- und PreiSver- ' ltnrssen und je nachdem, in welchem Maße das Kongretzureau die Möglichkeit har, sich, um ein jetzt beliebtes Wort gebrauchen, zu kommerzialiisieren. .Im allgemeinen ..rsle cs der Wahrheit nahe kommen, wenn -wir sagendaß ein Zionistenkongreß heute an reinen Organffatiansauslagen etwa 5000 bis 7000 Pfund «Sterling in Anspruch nimmt. Die.Hauptausgabenposten sind Mieten und Gehälter. Da diese Anslagen von der Zionistischen Organisation bestritten werden müssen, die ja bekanntlich ihrerseits mit über außerordentlich spärliche Einnahmen verffigt — die großen Sammelaktionen dienen ja nicht der Zionistischen Organisation, sondern direkt dem Aufbau Palästinas —, so ist die Hauptsorge des Kongreßbuveaus, so viel Einnahmsquellen als möglich zu erschließen, um das von der Organisation zu tragende Deffzit tunlichst herabzudrücken. Trotz dem, was ftüher über die Ausnützung der sich beim Kongreß ergebenden geschäftlichen Propaganda- Möglichkeiten gesagt wurde, hat die Erfahrung gezeigt, daß der weit überwiegende Großteil der Einnahmen des Kongreß-- bureaus (da die Information der „Deutschösterverchifchen Tageszeitung" über eine Mllionensubvention der tschechosowakischen Regierung nicht zutreffend war) aus dem Verkauf von Gastkarten stammt. Natürlich würde es den Intentionen der Zionistischen Organisation und ihres Kongreßbureaus am meisten entsprechen, den Eintritt zum Kongreß unentgeltlich zu gestatten. Das würde aber letzten Endes darauf hinanslaufen, daß die Kongreßbesucher, die sich hie Auslagen einer Reffe in 'den Kongreßort und des Aufenthaltes daselbst für acht oder vierzehn Tage leisten können, eine diesen Ausgaben gegenüber unbeträchtliche Mehrauslage ersparen «würden, die Zionistische Organisation aber mit einem Defizit von ein paar tausend Pfund belastet würde, das dann von den einzelnen Landesovganffationen durch «Sammlungen aufgebracht werden müßte. Es ist Wohl offenkundig, daß es das kleinere Uebel ist, dis Gastkarten nur gegen Bezahlung abzugeben. Eine andere Frage ist die Festsetzung der Preise. Schon 'bei den letzten Kongressen, insbesondere aber vor dem 14., sind sehr viele «Stimmen laut geworden, die sich über die allzu 'hohen Eintrittspreise zum Kongreß beklagten. Diesen Stimmen ist entgegenzuihalten, daß ja auch Plätze in recht billiger Preislage vorhanden sind, und zwar die überwiegende Mehrzahl der Plätze, während nur ein kleiner Teil des Kongreßsaales zu hohen Preisen für diejenigen Gäste reserviert wurde, die es sich eben leisten können und die gern anläßlich des Kongresses der Organisation einen Betrag in Form des Eintrittspreises zusließen lassen, der zur Bestreitung der Kongreßkosten dient. Gerade der 14. Zionfftenkongreß ist ja in der glücklichen Lage, in einem Saale zu tagen,der auch vom letzten Platze aus einen sehr guten Ueberblick über den Kongreß ermöglicht; daß jeder Kongreßbesucher auch hört, .dafür sorgt die vom Kongreßburean eingerichtete Lautverstärkungsanlage. Sowie der Kongreß zusanmientritt, verschwindet dae Kongreßburean. Es ist ein HilfSorgan, das seinen Dienst versieht, so gut es kann, und keinen Anspruch darauf erhebt irgend welche Anerkennung zu finden. Die größte Genugtimng für daS Kongreßburean ist es, wenn sich der Kongreß tu voller Ordnurtg und ohne Reibungen abwi«kelt und dnrck die Ausschaltung aller technischen Schivierigkeiten und Unbequemlichkeiten eine geeignete Atnwsphäre für sachliche «uni Beratungen des Kongvessts geschaffen wird- Kindergarten ln Chederah.

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