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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-18 · Heft 2331 (18.8.1925) · p. Seite 17

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2331 (18.8.1925)
Date
1925-08-18
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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Pfund Im Jahre 5683 betrugen die Auslagen für Erziehung . . 100.218 Davon trug der Keren Hajessod bei. 70.607 , Die Jewish Kolonisation Association.9.516 Und die Bevölkerung Palästinas an Schulgeldern und Subventionen ...17.944 Im folgenden Jahre betrug das Budget........ 92.677 Dazu trug der Keren Hajessod seinen Teil bei .... . 63.000 Die Palesttne Jewish Kolonisation Association 8.346 i Die Regierung. 2.255 1 Und die palästinensische Bevölkerung.14.600 t In de« ersten acht Monaten 6686 betrugen die Ausgaben 73.910 1 Dazu trug der Keren Hajessod seinen vollen budgetmäßigen Teil bei. 40.000 I Außerdem zahlte er auf Grund früherer Rückstände. . . 5.663! Beitrag der Regierung. . . . 2.327 Palesttne Jewish Kolonisation Association . . .. . . 5.057 /Schulgelder. 1.359 Jüdische Stadtverwaltungen und Kolonien in Palästina . 9.61 And in Abzahlung früherer Defizite. 848 So hat der Keren Hajessod das volle vom Zionistil scheu Kongreß oder vom Aktionskomitee bestimmte Budget j für hebräische Erziehung in Palästina gedeckt. Dennoch ist, ' wie bekannt, durch das Versagen des Jischuw, den von ihm übernommenen Anteil zu decken, eine Krise entstanden, bei! der von einem Teil der Lehrerschaft der Standpunkt vertreten wurde, daß die Zionistische Exekutive nicht nur das festgesetzte Budget, sondern die gesamten Auslagen des Erziehungswesens, auch diejenigen, die andere Körperschaften zu decken übernommen haben, decken müsse. Aber nicht immer hat sich dabei die Oeffentlichkeit darüber Rechnung gelegt, daß das bedeutet, daß der Keren Hajessod erhöhte Einnahmen haben müsse, und daß es daher Aufgabe aller derer ist, die eine Erhöhung des Erziehungsbudgets fordern, mit aller ihrer Tatkraft für eine Erhöhung der Eingänge des Keren Hajessod Sorge zu tragen. Resolutionen nützen nicht, wenn nicht in denen, die für diese Resolutionen stimmen, der entschlossene Wille wohnt, den Keren Hajessod mit allen Mitteln zu kräftigen. Alle Schulen Palästinas erfahren vom Keren Hajessod ihre Unterstützung. 37 Kindergärten, 61 Volksschulen, 3 Mittelschulen, 3 Lehrerseminare, 7 Handwerks- und Gewerbeschulen, das Technikum in Haifa, die hebräische Universität, die hebräische Nationalbibliothek, all dieser Vergrößerung und Ausbau erfordern die Vergrößerung der Einnahmen des Keren Hajeffod. Die stets wachsende Einwanderung nach Palästina erfordert den Bau neuer Schulen, neue Kredite an die aufblühende kleine Industrie und das Handwerk, die Anlegung neuer Siedlungen auf den großen Böden, die der Jüdische Nationalfonds erworben hat. Das neue Leben voll 'von Zuversicht und Tatkraft, das sich in der letzten Zeit in Palästina entfaltetkann nur schwer in dem engen Rahmen des bisherigen Budgets der Aufbauarbeit eingefaßt werden. Alle Zweige der Zionistischen Tätigkeit erfordern den Zufluß größerer Geldmittel. Dies bedeutet aber, in die Sprache der Wirklichkeit übersetzt, für die Gegenwart erhöhte Einnahmen des Keren Hajessod. Der Zionistische Kongreß wird sich dies vor Augen halten müssen. Wenn er den Beginn einer neuen Epoche in der Sammeltätigkeit des Keren Hajessod bedeutet, in der die Einnahmen des Keren Hajessod im nächsten Jahre um die Hälfte gesteigert werden, dann hat er den Grund auch zu einer neuen Epoche in der Geschichte des jüdischen Ausbaues Palästinas gelegt. Bon Dr. Hugo Herrmann, Pressechef des 14. Zionistenkongresses. Bei den ersten Zionistenkongressen war Theodor Herzl der Einberufer und Initiator, der Präsident des Kongresses und der President des Aktionskomitees, das dem Kongreß Rechenschaft ablegte, Chefredakteur der „Welt" und alles andere; er führte auch selbst und größtenteils persönlich die Arbeiten für die technische Vorbereitung der Kongresse, verhandelte wegen der Lokalitäten, empfing Journalisten und 'bestimmte die Verteilung der Eintrittskarten. Als die Organisation wuchs und die Kongresse zu immer größerer Bedeutung gelangten, vergrößerte sich naturgemäß auch der Kreis der Kongreßinteressenben außerordentlich und damit die Arbeit der Kongveßvorbereitung. Lange Zeit wurde die Kongreßvorbereitung vom Bureau der zionistischen Leitung mitbesorgt, allmählich aber erwies sich auch das als unmöglich und man mußte sich entschließen, für die Organisierung des Kongresses jeweils ein besonderes „K o n g r e ß b u r e a u" einzurichten. Heute bilden die Kongreßdellegierten und offiziellen Teilnehmer nur mehr einen Bruchteil von zehn oder gar fünf Prozent der Kongreßteilnehmer im weitesten Sinne; neben dem Kongreß findet eine lange Reihe von Tagungen, Konferenzen. Festlichkeiten, künstlerischen und sportlichen Veranstaltungen, Ausstellungen ustv. statt, und es ist offenkundig, daß zur Beherrschung des ganzen Getriebes und zur klaglosen Abwicklung ohne Reibungen und Kollisionen schon ein ganz erhebliches Quantum von regulierender Tätigkeit erforderlich ist. Die zionistische Oeffentlichkeit hat sich schon daran gewöhnt, daß diese Arbeit von dem jeweils am Kongreßort eingerichteten Kongreßbureau geleistet wird; wenn das Aktionskomitee den Ort des Kongresses endgültig festgesetzt und auch seinen Termin bestimmt hat, so erfolgt in der zionistischen Presse der ganzen Welt die stereotype Mitteilung: „Das Bureau des Zionistenkongresses wird am soundso vielten eröffnet; seine Adresse lautet so und so; Telegrammadresse: Congvezipn." Es ist vielleicht von Interesse für eine weitere Oeffentlichkeit, etwas über die Organisierung und Arbeitsweise des Kongreßbuveaus zu erfahren. In diesen Tagen kommen einige tausend Menschen zum Zionistenkongreß nach Wien und jeder einzelne von ihnen macht in mehr als einer Beziehung von den Vorarbeiten und Einrichtungen des Kongreßbnreaus Gebrauch, die meisten ohne überhaupt zu wissen, daß die Einrichtungen, deren sie sich bedienen, nicht Selbstverständlichkeiten sind, sondern das Ergebnis eingehender Aeberlegung und emsiger, monatelanger Arbeit. Am ehesten erinnert man sich noch an das Kongreßbureau, wenn man Anlaß hat oder zu haben glaubt, mit einer seiner Einrichtungen unzufrieden zu sein, sei es nun das Wohnungsamt, der Bahnhofdienst oder die Gastkartenvevterlung. Es ist hier wie mit allem im Leben: daß der Mensch einen Magen hat, der ganz wichtige Funktionen in seinem Organismus verficht, bemerkt er gewöhnlich erst, wenn dieses Organ einmal nicht funktioniert. Was die Arbeit des Kongreßbureaus so schwierig .macht und von der Arbeit eines regulären zionistischen Bureaus wesentlich unterscheidet, das ist der Umstand, daß das Kongreßbureau immer nur für eine re<Lativ sehr kurze Zeit eingerichtet wird, daß es innerhalb dieser kurzen Spanne von dem Stadium idyllischer Borbereitungsmaßnahmen sehr rasch bis zur Intensität eines permanent laufenden Großbetriebes wächst und dann sozusagen über Nacht sich wieder vollständig autzulösen hat. Nimmt man noch dazu, daß der Kongreß sehr häufig seinen Ort wechselt und sich das Kongveßbnveau also jedesmal ganz neuen lokalen Bedingungen anpassen, sie ausuützen und ihnen Rechnung tragen muß, so wird man verstehen, warum in der Zionistischen Organisation einem Beamten ein hohes Lob zuteil wird, wenn man von Hm sagen kann, er habe ein Kongreßbureau gut geleitet. Das Kongreßbureau beginnt seine Tätigkeit gewöhnlich drei Monate vor dem Termin des Kongresses, und die Erfahrung hat gezeigt, daß diese Zeit gerade ausreicht, um die nötigen Vorarbeiten zu leisten. Es besteht aus vier Abteilungen: der Leitung, dem -Generälsekretariat, der Presseabteilung und dem Kavtenamt. Die beiden, ersten Abteilungen beginnen ihre Tätigkeit sofort, während Pvefseabteilung und Kartenamt eigentlich erst sechs oder sieben Wochen vor dem Kongreß aktiviert «werden. Die Kongreßbureauleitung repräsentiert das Kongreßbureau nach außen, sowohl gegenüber Behörden und Regierungen als auch gegenüber der Zionistischen Landesorganisation des Kongreßortes. In allen die Durchsührung des Kongresses betreffenden Angelegenheiten ist das Kongreßbureau ein bevollmächtigtes Organ der Zionistischen Exekutive, nur ihr unterstellt und Rechenschaft schuldig. Die Leitung des Kongreßbureaus führt die erforderlichen Besprechungen, vor allem mit den amtlichen Faktoren des Kongreßortes, mit städtischen und staatlichen Behörden, mit Polizei, EiseNbahnverwaltnng, Post ufw. Sie nimmt Fühlung mit den diplomatischen Vertretern aller Staaten am Kongreßorte. Sie stellt natürlich auch sogleich einen engen Kontakt mit der Zionistischen Landesorganisation her, die dem Kongreßbureau ihre Lokal- und Personenkenntnis und ihre Verbindungen natürlich bereitwillig zur Verfügung stellt. Die Leitung des Kongreßbureaus hat aber auch noch einen zweiten sehr wichtigen und umfassenden Aufgabenkveis, nämlich den Abschluß aller für die Durchführung des Kongresses wichtigen Verträge und Vereinbarungen. Das für die Abhaltung des Kongresses geeignete Gebäude muß ausfindig gemacht und mit seinem Eigentümer eine genaue Vereinbarung über Miete und Benützung des Gebäudes stipnliert werden. Dazu kommen dann Verträge mit einer großen Reihe von Unternehmungen, welche die für den Kongreß notwendigen Materialien liefern: Bureaubedarf, Schreib- und Vervieksältigungsmaschinen, Möbel, Kongveßabzeichen, Postkarten, Delegiertvnmappen, kurz, alle Dinge, deren Vorhandensein der Kongreßhabitne als Selbstverständlichkeit hinzunehmen gewöhnt ist. Mit diesen Verträgen ist eine Reihe anderer Vereinbarungen verkniipft, die zum Zwecke haben, die großen, bei jedem Kongreß vorhandenen Propagandamöglichkeiten für die Finanzierung des Kongresses selbst auszunützen. Im Kongreßgebäude oder in seiner nächsten Umgehung werden AusWungen, AerkastMtände und Reklametafeln errichtet, die entweder in ihrer Gesamtheit zur Weitergabe oder direkt vom Kongreßbureau an einzelne Firmen vermietet werden. Es ist nicht inrmer leicht, in dieser Beziehung das richtige Maß zu finden. Die Leiter des Kongreßbureaus halben .den begreiflichen Wunsch, einen möglichst großen Teil der Kongreßkosten auf diesem kaufmännischen Wege auszubringen, um die Organisation selbst von materiellen Opfern für den Kongreß zu entlasten. Andererseits aber müssen sie immer im Auge behalten, daß der Kongreß nicht zu einem Jahrmarkt oder einer Messe werden darf, daß der Ernst und die Würde seiner Verhandlungen nicht durch allzu buntes geschäftsmäßiges Getriebe gestört werden darf. Das Generalsekretariat wirkt an allen Arbeiten der Leitung intensiv mit, hat aber darüber hinaus noch einige Aufgaben, deren richtige Lösung die Arbeit des Kongreßbureaus außerordentlich erleichtert. Vor allem untersteht den: Generalsekretariat das Personalressort. Wenn auch in dieser Beziehung oft übertriebene Auffassungen herrschen — bei Eröffnung des Kongreßbureaus in Wien int Mai 1925 meldeten sich so viele Bewerber um Anstellungen, äls ob es sich um einen industriellen Großbetrieb mit Beschäftigungsmöglichkeiten für Taufende gehandelt hätte —, so stellt doch das Kongreßbureau einen nicht unbeträchtlichen Apparat dar. Allerdings besteht er, wie gesagt, zu Beginn nur aus ganz wenigen Personen, erweitert sich stufenweise und erreicht seine volle Besetzung erst zu Beginn des Kongresses selbst. Während des Kongresses aber beschäftigt er in den verschiedensten Funktionen doch.insgesamt etwa 400 Personen, davon 200 als Ordner. Da die Arbeiten des Kongreßbureaus zum großen Teil schwierig und verantwortungsvoll sind, andererseits aber nur wenige Wochen dauern, ist es keineswegs leicht, die richtigen Menschen ausfindig zu machen, und es gehört vor allem eine sehr große Kenntnis aller in den verschiedensten zionistischen Landesorganisationen arbeitenden Menschen dazu, nur die für die Kongreßarbeit Geeigneten und Verfügbaren auch wirklich ausfindig zu machen. Natürlich muß ein großer Teil der Arbeit von solchen Personen geleistet 'werden, die ständige Beamte der Zionistischen Weltorganisation öder ihrer Institutionen sind, denn es gibt kaum einen Zweig der Arbeit im Kongreßbureau, der nicht zur notwendigen Voraussetzung «hätte eine genaue Beherrschung der Verhältnisse in der Zionistischen Organisation und eine weitgehende Kenntnis der arbeitenden Zionisten in aller Welt. - Dem Generalsekretarit obliegt ferner die technische Durchführung des Kongresses im engeren Sinne des Wortes. Es überwacht die Durchführung der vom Kongreßbureau abgeschlossenen Verträge, es sorgt für die richtige und zweckmäßige Verteilung aller Räumlichkeiten an die AbteRungen des Kongreßbureaus, an die während des Kongresses hier amtierenden Abteilungen der Exekutive und der zentralen Institutionen, an die Kommissionen des Kongresses und an die zionistischen Landsmannschaften und Sonderverbände. Es kontrolliert die Matcrialienverwaltung und es sorgt überhaupt für Ordnung im Kongreßburean und beim Kongreß selbst. Daher ist das Generalsekretariat auch die oberste Instanz für das gesamte Ordner- Wesen. Es organisiert den regelmäßigen Bahnhofsdienst, der beispielsweise in Wien mit seiner großen Zahl von Bahnhöfen, die von einander recht weit entfernt sind, keineswegs einfach ist. Das Generalsekretariat leitet auch in erster Linie das Wohnungsamt, das für die zweckmäßige Unterbringung aller Kongreßbesucher sorgt. Wie man sieht, eine Fülle verschiedenster Aufgaben, die alle nur durch Aufwendung emsigster Arbeit und mit bedeutendem Organisationstalent bewältigt werden können. Die dritte Abteilung des Kongreßbureaus ist. die P re s s eab te i lu ng, deren Aufgaben allerdings über den reinen Pressedienst auch weit hinausgehen. Die Presseabtieilung informiert die jüdische und die nichtjüdifche Oeffentlichkeit über alle Fragen, die mit dem Kongreß zusammenhängen, sie nimmt Fühlung mit der Presse, gibt Informationen und vermittelt Interviews mit den führenden Persönlichkeiten der Organisation. Die PresseabteRung besorgt auch die Berichterstattung über den Kongreß, und Zwar in mehrfacher Form je nach den Bedürfnissen des Publikums. Es gibt während des Kongresses die Kongreßzeitung heraus^ das täglich erscheinende verkürzte Ksngreß- V'-MLMWMWWWWWMM

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