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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-18 · Heft 2331 (18.8.1925) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2331 (18.8.1925)
Date
1925-08-18
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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ffe. am Wien, DknStag Mener Morgenzeitung 16. August IMS Seite 9 bqn Meer und -er Senkung, Me hen Jordan und das Late Meer verbirgt. Keine andere Landschaftsform hätte ein würdigeres Denkmal für das wunderbare Altertum fei» Statten, dessen Chronik hier wie eine Hymne aus der! Erde steigt. Seit Jahrtausenden sind die Semiten, die! hier mtd i« den Nachbarländern «wohnen, die Vermittler , zwischen dem Orient und dem Okzident gewesen. Sie : waren die religiösen Führer der Menschheit und haben die größta« Propheten der Welt hervorgebracht. Sie haben de« ftfefcCofen Wanderern der Erde die drei monotheistischm Relignmen geschenkt. « A« der Ferne erblickt man jetzt Jernftckeml Bei diesem Anblick fühlt man sich von einem heiligen Schauer durchbebt. Man zögert und bleibt gern im Schatten des Okmmbcmime» sichen, um mit Ruhe die Eindrücke in sich au^rnchme«, dir einen bestürmen. Es sind Berge Judäas, d:e diese Stadt tragen, ein würdigeres Piedestal hatte man sich nicht «für das Denkmal des ergreifendsten Dramas der Weltgeschichte denken können. Aber die Fahrt geht weiter, und mit einemmal zeigt sich die Stadt -es großen Königs, seitlich vom Skopusberg, östlich der Stelle, wo DituS im Jahre 70 sein Hauptquartier ausschlng. Worte Lormen dieses Gemälde nicht schildern, diese merkwürdige Sammlung christlicher, iüd'- scher rm^ mohammedanischer Kuppeln über einem, Gewirr von Hausern, von denen so viele alte Erinnerungen berge». Schöner noch und fesselnder ist aber die Aussicht vom Oekbevg. Don feinem Gipfel schweift unser Blick über M»z Jerusalem und die umliegenden Taler. Im Westen sehen wir die östliche Stadtmauer mit dem Goldenen und dem StoPhanStore, den Haram esch Scherif (Tempelplatz) mit QmarS heiliger Moschee und der El Apsa. Nicht weniger ergreifend ist die Aussicht ostwärts über das Tote Meer und über das schmale grüne Band, das aus dem hellgelben Boden des Jordamtales hervorgezaubertwird. Lichte, unvergängliche Erinnerungen drangen sich mir auf, wenn ich an die kurzen Monate zurückdenke, die in diesem Lande zu verbringen mir vergönnt war. Im Vorhergehenden habe ich nur flüchtig einige dieser Erinnerungen gestreift. Ich habe lediglich versucht, den Unzählige», die niemals nach Palästina kommen werden, einen allerdings nur allzufchwachen Eindruck von einem der bedeutendsten Brennpunkte der Weltgeschichte zu geben. Aber Worte reichen hier nicht aus. Diese Bildevsammlung wird eine viel plastischere Vorstellung vermitteln, wie Palästina sich dem Beschauer zeigt, als eine noch so eingehende Schilderung es vermöchte. Hier finden wir die Stadt Jerusalem mit ihren Mauern und Pforten, mit ihren Kirchen, Synagogen und Moscheen, mit ihren engen Straßen und Gaffen, oft mit Treppe» und Bogen, unter Pittoresken Strebepfeilern sich durchwindend und dem Beschauer eine Mannigfaltigkeit archnektonssch lockender Anblicke bietend. Unsere Blicke streife» in bunter AbweMung Männer und Frauen verschiedener Rassen und LMenskvei.se. Wir sehen die Basare mit ihren Laden und Ständen, die Händler, die ihre Waren ausrufen, die Handwerker Lei ihren verschiedenen Beschäftigungen, und wir werden wie von einem geschickten Cicerone zu den wichtigsten Städten Palästinas geführt, ins Innere des Landes und zur Küste. Wir bewegen uns durch die chavccktersstsschen Landschaften, durch die feierlichen, dunikslgrauen, ftachgewellten Berge, durch Täler, wo die neu einwandernden zionistischen Juden angefangen haben, die Llecker zu bebauen, und da'bei sind, in Palästina einen neuen Bauernstamm zu bilden. Wir wandern durch die Gärten und Olivenhaine, wo die Ernte schon im vollen Gange ist, und machen Bekanntschaft mit den neuen Mischen Kolonien in verschiedenen Teilen des Landes. Auch das religiöse Leben ist in diesen Bildern vertreten. Hier können wir die bedeutendsten Heiligtümer der verschiedenen Bekenntnisse und Zeiten betrachten, die religiösen Sitten und die Gewohnheiten, die mit chnen verbunden sind, die Jahresfeiern und die Prozessionen, die von ihnen ausgehen oder sie zum Ziele haben. Das ganze Werk ist daher geeignet, dem Betrachter ein sehr klares Bild des Landes, der Berge, der Küsten und der Wüsten zu vermitteln, der wilden Natur und des bestellten Bodens — der Architektur vom Altertum bis zur Gegenwart — und dann der Menschen» ihres Lebens am Arbeitsuvib Feiertag, ihrer Werke und Beschäftigungen. Und endlich können wir auch hier zu den Gräbern unsere Wallfahrt antreten, zu dem Grab des Erlösers und zu den jüdischen und mohammedanischen Begräbnisplätzen aus den Abhängen der Berge. Das ist das Palästina unserer Tage. Hinter uns liegen die Jahrtausende einer nur teilweise durch den Sagennobel hervorlugenden Zeit, als die Weltgeschichte hier ihren Brennpunkt hatte und als die großen, die entscheidenden und bahnbrechenden Taten und Gedanken von diesem Lande ausgingen. Tyrus und Sidon bewahren das Gedenken an die Macht des Phöniziers, und die Weltkriege früherer Zeiten habeil Palästina zuni Schauplatz gehabt. Sein Glanz erbleicht allmählich vnt Laufe der Jahrhunderte, und noch vor nenn Jahren, zur Zeit meiner Reise, lag das heilige Land wie tu Schlaf versunken. Das Echo der Vergangenheit war langst zum Schweigen gebracht; die Felder, die reiche Ernten für das Brot der großen Völler getragen haben, dienten jetzt als Weide für die Ziegen und Schafe, und der Verfall schien wie eine Seuche um sich zu grossen. Aber währender letzten Jahre haben neue, frische Winde über Jerusalems Berge zu wehen begonnen, und wenn nicht alle Zeichen täuschen, stehen wir vor einer neuen Entwicklung in der Geschichte Palästinas. Wenn die Einwanderung der Juden aus der ganzen Welt, im Gefüge der Bewegung, die unter dem Namen Zionismus bekannt sst, erfolgreich wird, dann wird Palästina zweifellos einer Renaissance von größter Bedeutung entgegengehen. Angesichts der Blindheit, mit der die Kulturvoller des Okzidents ihrem Untergange entgogeneilen, und angesichts des Erwachens der Böller Asiens muß man mit Ueberraschung und mit Beben der Zukunft entgegensehen. Mer was auch die kommenden Zeiten in ihrem Schoße tragen werden — laßt uns hoffen, daß Palästina wieder wie früher ein Zentrum der Kultur werden möge, zu seinem eigenen Segen und zum Besten der ganzen Menschheit. Bekenntnis rum Judentum. Mn Brief. Von Felix Salten. Du hast mir nun Deine Gewissensnot vertraut und meine Meinung zu hören verlangt. Wir sind Freunde von Jugend an, wir verstehen einander in allen Angelegenheiten des Geistes, wie in allen Regungen der Seele. Nur von einer einzigen Sache ist zwischen uns noch niemals und mit keinem Wort die Rede gewesen: davon, daß Du als Jüngling die Tauft empfangen hast, während ich der geblieben bin der ich war. Nun, mein Lieber, da Du es jetzt willst, können wir davon reden. Erinnerst Du Dich, welche innige Freundschaft den herrlichen Wassili Jlitsch mit nur verband? Er war ein Russe, war fromm, beinahe bigott, und für sein Zarentum von einer mystt'chen Begeisterung erfüllt. Wir haben uns ausgesprochen und sind Freunde geblieben bis an seinen Tod: er, der „Rechtgläubige", zarentreue Russe, und ich. Warum sollten wir beide, Du und ich, nicht ruhig über unsere Sache reden können? Ich sage: unsere Sache. Denn daß Du Dich taufen ließest, sst meine Sache ebenso wie Deine. Und daß Du Französisches Mandatsgebiet Syrien und Libanon Meromm 4la Seitab tSMtflu, Zeichenerklärung: Erovlnzen J^gierungs-Sjtz«. Jüdische Kolonte/t und öesitsui&ea Safad Nord - Pro vin hoschPmeh VS ErGamrer Eisenbahnen, Stand von W?«. Wichtigste landstraOen Projektierte Verkehrs verbindungen •Schefa Amr Saffurle azarehh (Uestba) KtoltiSmfBh (Alcndcherruah (Utk 5cVo«vA ammarin) fJ'tACh HovriS (faümM, isan CA^amA aria Messucieh Sebasfe [Karejn Nabjus Achate A. KfarUla! Jerusaietyu.u./Jaffa (JudaecS) »helle Transx: rdamen ftjim/Allah Jebna<r Rechobaih Jericho uSenüSche th Anesnm to/ibi Chutde trthrum 9)erj/sälem Anruf IftlOt» Bethlehem Beit Djibrir» Südr o v i n z Hebron fiuQhkmj l. 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