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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-18 · Heft 2331 (18.8.1925) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2331 (18.8.1925)
Date
1925-08-18
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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GeWr 8 Men, Dienstag °*i3r L WEIN »Ä.-- Wien, L, Kärntnerstrasse Nr. 27 Eleganteste Herrengarderoben nach Mas» au« nur feinden englischen Stoffen Sämtliche Herrenmodeartikel in reichster Auswahl m und erst die Neuzeit mit ihren VolkSbilbungsbestrebungen, mit dem Streben nach Zusammenhang des Städters mit der Natur, beginnt hierin Wandel zu schaffen. Der Bauer ist im allgeiminen weniger raffiniert, nxniger von der Zivilisation beleckt, aber wen« er von Natur irgendwie begabt ist, dann ist er tiefer veranlagt; er ist ein Sinnierer, ein Grübler, während der Durchschnitt der Städter spielerisch an der Oberfläche haftet,' im Grunde kindisch bleibt. Die Jntelligenzschicht der städtischen Bevölkerung gleicht der Pflanze, die nur kurze Zeit blüht. Es gibt wenige hervorragende städtische Familien, die in dritter und werter Generation noch jenes geistige und sittliche Niveau behalten, das die vom flachen Lande in die Stadt gekommenen Großeltern erworben haben. Die Zahl der Geburten solcher Familien nimmt in demselben Maße ab als den Jahren entspricht, in denen die Familie stadtanjassig ist. Die Abnahme der Geburtenzahl geht parallel mit Degenerationserscheinungen, und die Städte wären längst ausgestorben, wenn ste nicht immer durch Zuzug vom flachen Lande sich erneuern würden. Darum ist es zu begrüßen und eine von jeder Parteizugehörigkeit unabhängige Angabe, gerade die städtischen Ghetti zu entleeren und ihren Bewohnern die Möglichkeit zu geben, im Kampfe mit der SHolle zu gesunden, die überhitzte Gehirn tätige it zu ordnen und das Gleichgewicht zwischen physischer und geistiger Arbeit herzustellen. Landerwerb in den europäischen SieblungSländern per Juden ist aber in entsprechendem Maße nicht möglich, luch nicht zu ivünschen, weil dann sofort die Klagen über Wegnahme des Bodens durch die Juden, über Verdrängung der eingeborenen Bevölkerung usw. entstehen, wie alle die Vorwürfe lauten, die dem Juden in solchem Falle entgegengehalten werden. In anderen überseeischen Ländern haben aber die Erfahrungen gezeigt, daß die Ansiedlung von Juden nicht über die nächste Generation hinaus- -cht. Derselbe Prozeß, der sich in Deutschland und Oesterreich geltend macht, daß die früher auf dem flachen Lande wohnhaften Judenfamilien schließlich in die Stadt gezogen sind und die alten Landgemeinden verödeten, dieselbe Erfahrung macht man nun in Argentinien. Der Jude fülht sich eben nur sicher in größeren Verbänden. In den Dorfgemeinden Böhmens und Mährens hat ja die Angleichung und der Verkehr mit der ortsansässigen, nichrjüdischen Bevölkerung in dm besten und angenehmsten Formen sich abgespielt, und doch, ein wirkliches Zusammenfließen konnte nur bei Getauften und das erst nach mehreren Generationen beobachett werden, und so sehr es zu bedauern ist, daß diese Gemeinden sich aufgelöst haben, es ist ein soziologischer Prozeß, dem man kaum Einhalt tun kann, wenn eg auch wünschenswert Ware, daß die in die Satdt gezogenen Mitglieder und ihre Kinder doch nicht so Pniz der Heimstätten ihrer Vorfahren vergessen, wie sie es in Wirklichkeit tun. Doch dies nur nebenbei! Die Organisation Mischer Farmer m Amerika und in K a n a d a prosperiert, weil es sich hier um größere Siedlungen handelt und well im Lande bereits jüdisch« Traditionen in höherem Maße vorhanden sind als in anderen überseeischen Ländern.' Freudig drückte ihm der Papst die Hand. Ein Breve an Johann von Portugal würde sofort ausgestellt, vom portugiesischen Gesandten sollten Päsie für Reubeni und seine Begleiter verlangt werden. Eine neue Hoffnung schien dem Papste aufgegangen, während Reubeni, wiewohl am Ziel seiner Wünsche angelangt, keinerlei Bewegung zeigte. Clemens aber wies auf die schimmernden Türme RomS hinüber, wie aufgelöst in Rührung: „Das schöne Italien! ES wird noch großer Mühe bedürfen, ehe wir eS vom Joch der Barbaren befreien. In der Tat, es scheint mir manche Aehnlichkeit zwischen dem Schicksal der beiden, von Fremden beherrschten Völkern zu bestehen, zwischen dem italienischen und dem jüdischen Stamm. Als du zuerst davon sprachst, mein Sohn, — verzeih mir, da hielt ich eS für etwas anmaßend! Doch der Mensch ist verblendet, der sein Elend nicht erkennt und nicht eiingesteht. Wir Italiener pochen auf unsere höhere Bildung, in der wir tatsächlich die Lehrmeister der Welt geworden find, wir zeigen stolz die Schätze des Altertums vor, die unserem Erdboden und unseren alten Bibliotheken von Tag zu Tag in immer reicherer Fülle entrisien werden und denen unsere Meister des Verses und der alten Sprachen, unsere Bildhauer und Maler nur um ein weniges geringere Wunder der Neuzeit anreihen. Doch was Hilst uns unsere Wissenschaft, unser fein gebildeter Geschmack, unsere alte Erziehung! (Und dasselbe kann man von euch Juden sagen.) Beherrscht wird unser Italien heute schon von den gröberen Köpfen, aber stärkeren Fäusten der Franzosen und Deutschen, von der genialen Militärorganisatlon der mürrischen Spanier und vor allem von ihrem Gold, das unerschöpflich aus dem neuen Ozeanien in ihr Land einftrömt. Solches sind die wirklichen Mächte, gegen die es keinerlei zarte Kultur und Kunst, gegen die es nur harten Krieg auf Leben und Tod gibt." Der Papst» der bisher sicher und sprechsreudig seinen _ Wiener Morgenzeitung_ Der Ansiedlung in Palästina fomnti deshalb eine so überragende Bedeutung zu, weil Gefühlswerte in gewaltiger Weise mit am Werke sind, um die Ansiedler bodenständig und die Ansiedlung zu einer dauernden zu machen. Die psychischen Kräfte sind eben trotz materialistischer Geschichtsauffassung aus dem menschlichen Geschehen nicht wegzudenken. Auch die mechanische Auffassung der Evolutionsvorgänge von Darwin mußte der geistigeren neopitalistischen weichen. Die Kolonisten suchten in allen Weltteilen dem Neuland wenigstens in den Namen die Illusion der alten Heimat zu geben. Ne-w-Dork, Neu-Amsterdam, Cleveland, Neu-Süd-Wales ufw. in der amerikanischen und australischen Wildnis sind Zeugen dieses HeirnaksehneriS. Wieviel begreiflicher ist dieses Sehnen bei einem geschichtlich so kontinuierlichen Stamme wie die Juden nach dnem Boden, der nie aufhörte in Liturgie und Literatur, in Dichtkunst und Gesang auch nichtjüdischer Poeten und Sänger das heiß ersehnte Ziel zu sein. Möge aus seitze Schollen der Segen niedersteigen wie der Tau des Hermonl Vorrede zu »Palästina". Bon Sven Hediu. Es dürfte schwierig sein, aus der ganzen weiten Erde ein Geb'et zu finden, das im Altertum eine solche Rolle gespielt hat, in der Gegenwart spielt und für alle Zukunft ohne Zweifel in der Geschichte der Menschheit spielen wird wie Syrien und Palästina, das Land, daS in den Psalmen und im Hohen Lied besungen worden ist. Es ist Verbindungsglied zwischen dem Olßident und dem Orient, zwischen Europa und Asien, zwischen Asien und Afrika, zwischen den Mittelmeerländern im Westen und den uralten assyrischen, babylonischen, persischen und indischen Reichen im Osten. Während der Jahrtausende war es immer wieder ein Schauplatz weltgeschichtlicher Geschehnisse, von der Zeit an, da die Könige Assyriens und Aegyptens einander bekämpften, bis zur Zeit, da England und Frankreich als Mandatarmächte austvaten, über die größte Zahl der asiatischen Provinzen des römischen Reiches. In vornehmem Ernst, oft in bezaubernder Schönheit erhoben sich in Palästina die mevsdioualen, zur Kreideunh Tertiärperiode gehörenden ünd nicht selten mit eruptiven Kuppen gekrönten Kalk- und Sandsteinketten wie ein Bindeglied zwischen dem Taurus und der Hochebene Westarabiens. &ie wirkten wie ein mächtiger Grenzwall zwischen dem Mittelmeer und der syrischen Wüste. Von der Akababucht streckt sich nach Norden hin zum Toten Meer durch das Jovdantal und die Senkung zwischen Vor Haifa. IM: -f >- - •£££''%?+ 4 <■ *?&***$&*?■/ Gedanken entwickelt hatte, stockte plötzlich. „Das schöne Rom, — und wenn der Feind vis hierher dränge — mit Brand und Rauch dort von meiner Billa am Monte Mario bis gegen die Engelsburg und Torre di Nona, mit Plünderung durch all die Gassen, in jedem Palast . . Auf all dies, was mehr den Künstler und Denker als deck Politiker anging, hatte Reubeni nichts zu erwidern. Der Papst aber sah Rom in blutigen Flammen ausfliegen. Als wolle er diesen schrecklichen Traum nicht auSträumen, schlug er den Rückweg über die Terassenstiege ein. Die leisen Pfiffe der Vögel, die über die besonnten Bäume und Gewächshäuser hintönten, klangen traurig, — > eine Klage des Frühlings. „Seltsam, wir beide wollen also nichts als den Frieden der Welt", sagte der Papst. „Wie kommt es nur, daß wir eigentlich die ganze Zeit über von nichts anderem als von Kriegen gesprochen haben, von solchen, die schon geführt werden, und von neuen, die wir führen wollen!" Reubeni zwang sich das Folgende nur ab, offenbar betrachtete er derlei Ueverlegungen nicht als zu seiner Aufgabe gehörig. „Es wird noch lange dauern, ehe die Menschen reif dazu werden, den Krieg zu vermeiden." „Und bis dahin muß der fetng'liedrige Mensch vom Tier, das keine Umstände macht, zerrissen — oder selbst zum Tier werden —?" Weich, widerstandslos blickte Clemens in die Ferne, nochmals gegen Rom hin, ehe er durch das Portal in den Belvedoregarten trat. Es war, als suche er in den festen Mauern, den prächtigen Kuppeln Beruhigung, irgendeine Gewähr für die Zukunft. Er schüttelte den Kopf, Gedanken abwehrend. Endlich drehte er dem großen Bilde, das ihm nichts zu sagen hatte, den Rücken. 18. August 1925 Nr. 2881 DANUßlA internationale TranaportgefteliaeHaft isi. H. N. Mitglied des Rhenania-Rhelnschlffahrts* Koniern 1 (Sayftrtsolts 8oMff*hrf».fupp«) Wim, I. Rotmturmitrasfte 13 Telephon 68-3-38, 69-4-51. Telegrammadr.: „Tr*n«öanubla“ Rheln-Mflln-Döfuu-Sdilffahrt, Massentransporte. Schiffs- Sammelladungen, fteexpeditlonen, Verzollungen, Einlagerungen ln Magazine mit Oelelseanschluss 114 Ipuialvirkihr nach Triest und lieber««« Libanon und Antilibanon eine Niederung, die das ganze Land in zwei ausgedehnte Teile gliedert, von denen der westliche steil gegen das Mittelmeer abfällt, aber auch Küstenebenen au/fwvist, lvährend die östliche Hälfte allmählich in die syrische Wüste übergeht, die ihr« unfruchtbare Oede bis zum Ufer des Euphrat auSdehnt. In pittoresken Talmulden werden diese Gebirge von schäumenden Flüsien durchbrochen: Orontes und Leontes, Barada und Jarmnk. an deren Ufern die knarrenden Wasserräder die belebenden Wasier noch den Aeckern und Gärten der Bauern treiben. Es gibt auf Coden auch nicht viele Lander, die eine solche Mannigfaltigkeit des Klimas aufweisen können wie Syrien und Palästina, von der alpinen Kälte der ewigen Schneefelder auf des Libanon ^dämmen und des Hermon Gipfel bis zur erstickenden Hitze am Toten Meer. GS kann ja auch nicht anders sein in diesem Lande, dessen Höhe bis auf 9068 Meter über dem Meeresspiegel steigt, dessen Tiefe bis 394 Meter unter dem Meeresspiegl sinkt. Leichte Winde bringen Niederschläge vom Meere, und die trockenen Winde tragen den lähmenden Atem der Wüste über das Land. Vom Oktober bis April zaubert der Regen ein sattes Grün und eine reich wechselnde Blumenpracht hervor. Dann folgt der kurze Frühling. Er bildet den Uebergang zu der trockenen Jahreszeit, in der der Fremde die Gebirge JudäaS öde, vertrocknet und verbrannt findet. Aber in den Tälern umd an den Flüssen, wo Quellen oder künstliche Bewässerung Feuchtigkeit geben, wachsen Eiche, Tevebinthe, Johannisbrotbaum, Buchsbaum, Kiefer, Zypresse. Platane. Olive und MaPe. Dort reifen Aprikosen, Feigen, Apfelsinen, Zitronen, Granatäpfel, Nüsse, Maulbeeren, Pistazien, Mandeln, ja auch, wie in Jericho, Datteln. Die wichtigsten Früchte sind Oliven und Wein. Weingärten und Keller sind ebenso charakteristisch für Palästina wie die Olivenhaine und die jährlichen Ernten der Oliven. Seil dem Tage, an dem ich vor vierzig Jahren zum erstenmal meinen Fuß auf die klassische Erde Assyriens setzte, habe ich von diesem Augenblick geträumt. Aber etnunddveißig Jahre lang, bis 1946, mußte ich warten, bis ich jene Gegenden besuchen durfte, die ja außerhalb meines eigentlichen Arbeitsfeldes im Herzen des großen Kontinentes lagen. Mit welch hochgespannten Erwartungen überschritt in die Grenze zum heiligen Land: aber die Wirklichkeit übertraf meine Traume. Mit Ehrfurcht und Beben ^wandert man in diesem Lande. Neben dem Glanze, der über dem Land schwebt, besitzt es noch einen anderen Reichtum: den seltsamen Reiz wunderbarer Landschaften und fesselnder Naturschö-nheit. Ich kann mich keines Flecks der Erde entsinnen, der einen tieferen und mächtigeren Eindruck auf mich gemacht hätte als Genezareth, das Galtläifche Meer, eingebettet in einen Kranz öder Berge, die Höhen Galiläas im Westen, über die der Mittelmeevwind seine saufende Botschaft führt. Die alten Rabbiner sagen, daß Gott sieben Meere geschaffen habe; aber das Meer von Genazareth war seine Fronde. Dort liegt im Nordwesten Safed, dort liegt daS alte Magdala, heute die Mische Kolonie Mig'dal, dort befindet sich Tabiga, von dessen Strandhöihe man einen unvergleichlichen Blick über den See gewinnt. Da ist Kapevnaum mit seiner erinnerungsoeichen Synagoge. Hier leert der Jordan sein trübes Wasser in den Schoß des kristallklaren GenezarethseeS, und hier segeln Wer b’-e heiligen Wellen die Fischerboote mit hohen Masten, malerisch anzuschauen, wenn sie am Strande vor Anker liegen? Wir setzen den Weg durch das zerklüftete Samaria fort, wo er ununterbrochen Über Höhen und Täler führt. Im Schäften der Olivenbäume grasen schlvarze Ziegen und weiße Schafe. Unser Blick folgt den Konturen des mächtigen Hohenzuges zwischen dem Meer und dem Jordantal, der im Altertum Ephraim genannt wurde, und der weiter nach dem Süden hin unmerklich in die Höhe JudäaS übergeht. Ephraims GebirgÄand ist wie eiu Meer von erstarrten Wellen, grauen, oder im Sommer braun gebrannten. ES ist kahl, oft von dunklen, kräftigen OZiverrbäumen mit Üppigen, grünen Kronen goschmückt. Nachdem man NabluS passiert, iw die Samaritaner auf dem Berge Garisim opfern, erreicht man das hochgelegene Dorf El Bi«, wo die Tempelherren im Jahre 1146 eine Kirche bauten, Hier fängt man den ersten Anblick Jerusalems aus, „der Stadt Gottes auf seinem heiligen Berg, der Stadt des großen Königs". Bor uns breitet sich das GebivgSland JudäaS aus, dunSslgrau, feierlich, majestätisch, ein Hochplateau mit flachen Stufen, den großen Wellenbänken des Meeres ähnelnd. Die sich nach Süden auSweitende Landschaft zeigt sich in immer helle«« und lichteren Farben, bis.die entferntesten schließlich undeutlichen - Nvbelschwaden über dem Horizont gleichen. Diese Landschaftistmit -einer feierlichenernsten, düsteren Schönheit gesättigt: sie erhebt ihre mächtige AMbnng zwMm

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