Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2331 (18.8.1925)
- Date
- 1925-08-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Me 8 Men. DienSky Ausiancter Exporteure kaufen am vorteilhaftesten 51v) Gummimäntel erstklassiger Oummlerung und Ausführung bet OCPUIIU Oummlfit&ftftelfabrllc ntUmHll WJea,m.He=W7,Beatrix*.2ö den Kongreß an diese Bedingungen knüpfen, ist eine fehlerhafte Premisse. Der Kongreß ist bereits so reif geworden, daß er selbst seine Pflichten und seine Aufgaben kannte, sich mit wirklichen Fragen zu befassen. Aber im Sinne der Bestrebungen seines ersten Schöpfers ist die Existenz des Kongresses seine Hauptwirkung. Gehen wir zum jüdischen Volk urL) fragen wir es, ob es neben dem Zionistenkongreß eine Autorität gibt, die die Krone der Hoheit tragt, ob es ein die zerstreute Judenheit des Golus mehr vereinigendes Mittel Mt, ob es eine mächtige und konzentriertere Energie, ob es ein besseres geistiges Spiegelbild der nationalen Bewegung gibt, welches die Stelle des Kongresses einnehmen könnte. Aber wir haben es, und mit seiner .Hilfe werden wir vorwärts schreiten. Denn der Kongreß gibt nicht nur, er erneuert und reformiert nicht nur, sondern er sammelt Schätze für die Zukunft, und wir werden von ihm nicht Weichen. In dieser tiefen Ueberzeugung wollen wir zum 14. Zionistenkongreß gehen uich in dieser tiefen Ueberzeugung wollen wir zu Herzl zurückgehen. _ Sun» 14. Sionsstenkongreß. Bon Julius Löwy. Alles Wünschen und Wollen eines Volkes strömt hier in einen» Punkt zusammen. Alles, »vas in diesen» Volk an politischem Interesse vorhanden ist, alle Sehnsucht, aller Traurn, vereinigt sich vor dieffr Tribüne. Me Energien der jüdischen Volksteile in der ganzen Welt sammeln sich in dem großen Akkumulator dieses Kongresses. Er ist Ziel, Umformer und Quelle zugleich. Er nimmt Impulse auf und strahlt sie verstärkt zurück, hinaus in die weite Mische Welt, bringt ihr Kraft, Anregung, heißes, quellcrldes Leben. Kein Volk hat eine zentrale Stätte solcher Art und solcher Autorität. Hier steht ein Parlament, dessen Grundlage nicht die Verfassung eines organisierten Staates ist. Dieses Parlament r»iht nur auf einer Idee, auf der freiwilligen, freudig erteilten Anerkennung einer Nation, die sich aus der Versunkenheit des Exilschlafes plötzlich, mit einem kraftvollen Akt zur Tat erhoben hat. Die große Welt draußen ist dieser Renaissance anfänglich kühl und gleichgültig gegenübergestanden. Sie hat es nicht erfaßt, welche Wandlung in der jüdischen Seele sich vollzogen hatte. Diesem Volk war die politische Arbeit als Zweck seines Lebens bis dahin fern gewesen. Es hatte iminer unter fremden Nationen gelebt, war immer geringschätzig behandelte Minderheit gewesen, die, wenn es hoch kam, vor Ausschreitungen beschützt wurde. Und diese Minderheit fühlte eines Tages ihre Lage. Sie rieb sich den Schlaf aus den Augen un-d sah um sich. Sie er- Grundsteinlegunf am Einstein-Institut in Jerusalem. a ,-Ä'i MfjM 18. August 19N Nr. S381‘ Möbelfabrik J. Spira WIEN, VII. Siebensterngasse 1—2 :: (Ecke Karl-Schweljfhofer-Oasse) r: w Grosses Laaer ISTT^TTTI kannte, daß sie mit den Minderheiten ihres Mutes, ihrer Geschichte zusammen eine einzige Gemeinschaft biwet. Sie stand auf und forderte für diese Gemeinschaft alle Rechte, wie sie andere Gemeinschaften gleichen Blutes und gleicher Geschichte besitzen und verlangen. Sie sprach aus, daß sie da ist und daß sie etwas zu wünschen und zu fordern hat. Sie schuf sich den Kongreß. Und in dem Maße, als der Kongreß, von Session zu Session fortschreitend, den Ausbau des nationalen Programmes vollzog, wuchs sein Gewicht und seine Bedeutung. Er ist eine ständige Institution im politischen Leben der Welt geworden; seine Existenz ist die Gewähr dafür, daß das Recht des jiidischen Volkes nicht mehr totgeschwiegen werden kann. Der Kongreß lebt, der Zionismus lebt; also lebt auch das Mische Volk. Von der Tribüne des Kongresses spricht das Volk zu den anderen Böllern, sagt es ihnen, was es verlangt. Es versucht ihnen verständlich zu machen, daß es nichts will, was ihre Kreise stört, daß es aber seine Sache selbst führen will. Das jüdische Volk ist mündig, ist frei. Das besagt die Tatsache des Kongresses. Er ist der sichtbare Ausdruck der Demokratie. Er ist aus der Souveränität des Mischen Volles entstanden und er ist ihr Repräsentant. In ihm schlägt das Herz des Volkes; seine Sehnsucht, seine Schaffensfreude erhält vom Kongreß die Antriebe. Dreizehn Kongresse sind vovbeigegangen, jeder einzelne hat sein besonderes Teil zu der Entwicklung beigetragen. Von den programmatischen Definitionen über die Schaffung der nationalen und kulturellen Institutionen bis zur Polittk des Mandates, von den idealisttschen Konzeptionen bis zur realen Tat der organisierten Siedlung, von der Erweckung des Volkes bis zur aktiven Palästirraarbeit ist jedes Detail vom Kongreß beraten worden. Immer weiter dehnt sich der Kreis seiner Geltung, inrmer weitere Schichten des Volkes erfaßt er, gliedert sie ein m das Gefüge der Orgarrssation, das mit der wachsenden Zahl der zu bewältigenden Probleme sich immer weiter und loser gespannt hat, so sehr, daß die Festigung des Rahmens heute unabweisbare Pflicht geworden ist. Der Kongreß ist aus dem Bewußtsein der Galuth entstanden, er hat in das Gefühl der Verbannung das Heimatsempfinden getragen. Er ist, wo immer er tagt, ein Stuck jüdischen Landes, die gedrängteste Konzentration jüdischen Lebens. Er fft das Voll selbst, das durch freigewählte Vertreter seinen Willen äußert. Niemand kann es heute wagen, an dieser Taffache vorbeizugehen. Der Kongreß sagt, daß das jüdische Volk vorhanden ist, daß dieses Voll nicht gealtert ist, daß es würffcht und hofft und sorgt, daß es aus dem Heute das Morgen schaffen will. Es fühlt seine Kräfte, will sie regen und in befreiende Tat unffetzen, es will große und dauernde Werte schaffen. Es will alle, alle, die nur wollen und die ihr Herz und Hirn mitbvingen wollen, zur Teilnahme an der Tat der Erlösung aufrufen. unentschieden weitergeht, jahrelang, vielleicht jahrzehntelang, bis man unsere Städte nicht mehr von unseren Feldern und beide von der Wüste nicht wird unterscheiden können. So gebietet u-ns nicht nur die Menschenliebe, sondern auch die Klugheit, dafür zu sorgen, daß ein Frieden ohne Sieg, ein wahrhaftiger Ausgleich zustande komme. Nach Frieden, Frieden dürstet die Welt. Aber indessen scheint es, daß der Schoß der Erde, nicht zufrieden mit der Fülle der bisherigen Bluttaten, neue kriegerische Volksstämme heraussenden will. Nu« also auch eine Armee von Juden aus dem unbekannten Osten, aus dem einst die Tataren, die Seldschuken und andere Heldeuvöller hervorgebrochen sind!" Neubeni ließ durch den Kardinal seine Ansicht vermitteln, die gleichfalls als letztes Ziel der Politck nichts als den Weltfrieden und die allgemeine Liebe, treu dem Prophetenwort, begreife. „Aber diese Liebe kann nicht in die Herzen ziehen, solange ein Volt, unter die anderen verstreut wie das jüdische Volk, der Fremdherrschaft wtb damit dem Hasse aller auSgesetzt ist. Mit Italien steht es ja nicht anders. Es ist nahezu wehrlos übermächtigen waffenstarrenden Riesen ausgeliefert. Wehrlosigkeit aber bedeutet: Gehaßtwerden und Wiederhassen, somit daS Maß des Zornes in der Welt vermehren und das Kommen des Friedensreiches immer weiter hinausschieben." Lebhaft fiel der Papst ein: „Jedenfalls wäre nichts geeigneter, die kämpfenden Riesen, zu versöhnen, als Eure Nachricht, mein Fürst. Ein Heer von fünfzigtausend Mann, das dem alten Plan der Päpste, dem Kreuzzug ins Heilige Land, zur Verfolgung stünde und ihm Erfolg verspräche, würde mit einem Schlage die Augen gegen den großen Feind der Christenheit und Europas wenden, gegen den wir bisher nur gute Predigten und einige weniger gute venezianische Schisse senden konnten. Mein Vorschlag an Kaiser Karl wie an König Franz, Frieden miteinander zu schließen und ihre Macht gegen Soliman zu vereinen, wäre plötzlich kein bloßer Vorschlag, sondern ein Heer. Und nur Heere gelten." Der Papst war ausgestanden und machte einige Schritte. Dann wandte er sich gegen Reubeni um, immer noch freundlich, aber mit einen» Ausdruck von vorurteilsloser Klugheit, ja Verschlagenheit im Gesicht, der es begreiflich machte, daß ein Gesandter aus Rom an den Kaiser berichten konnte, dieser höchste Priester sei „der geheimnisvollste Mensch der Welt und voll Chiffern wie sonst niemand". „Einerlei, ob Eure Angaben übertrieben sind oder nicht" — sagte der Papst, hielt aber sofort wieder ein, gleichsam um die Sache vom anderen Ende her anzugreifen — „ich tvar selbst lange genug Legat, um zu wissen, daß es ein erlaubtes Mittel ist, nicht nur über die Stärke des Gegners ungünstige Nachrichten in Urnlauf zu bringen, sondern auch die Kraft d^s eigenen Landes in möglichst gutem Lichte zu zeigen. Und selbst, wenn ich den äußersten Fall setze, daß Euer Königreich Chabor gar nicht existiert" — er trat näher und faßte den Sar scharf ins Auge —, „so wäre auch schon, das bloße Gerücht heilsam für uns und könnte eine gewisse Ablenkung der kriegerischen Angriffsabsichten bewirken, die jetzt alle gegen «Pas Herz von Rom zielen." Die Erinnerung an die eigene Gefahr schien dem Papst eine gewisse Weichheit des Blickes wiederzugeben. „Und dabei setze ich natürlich diesen UNS ungünstigsten Fall gar nicht. Und selbst für ihn würde ja der zweite Teil Eures Vorschlages als durchaus-hedliches Angebot bestehen bleiben: die Juden Europas zu bewaffnen und zum Kamps gegen die Küsten des Heiligen Landes zu sende»», sei es nun in Verbindung mit einem HilfSheer des Oste»»s, das die Türken gleichzeitig von Arabien her angreift, oder ohne solch ein Hilfsheer. Wie den» auch sei, — »vir sind fest entschlossen, Eure Anerbietungen an jenen Hof zu leiten und zu empfehlen, der in die europäischen Händel am wenigsten verstrickt ist und in dessen Macht es daher liegt, eine solche überseeische UnternehmuyA mit den besten Aussichten aus Erfolg durchzuführen. Wir meinen den Hof von Portugal, dessen Gesandter Dorn Miguel de Silva ohnehin kürzlich vor uns erschienen ist, urn uns die herzliche und gehorsame Begrüßung des Königs zu überbringen." Während der verfänglichen Rede des Papstes, die ihm durch Kardinal Egidio Punkt für Punkt verdolmeffcht wurde, war Reubeni eiskalt und unbeweglich dagesessen. Nachher ließ er sich die letzten Worte der Uebersetzung wiederholen. Cs blieb unentschieden, ob er sie zuerst nicht genau verstanden oder ob er sie sehr richtig aufgefaßt hatte und nur gerade um ihrer Wichtigkeit willen den genauen Wortlaut festzuftellen wünschte. Jedenfalls erwiderte er nur auf diese Schlußworte; die Zweifel des Papstes an der Wahrhaftigkeit seiner Sendung ließ er, als seien sie seiner unwürdig und gar nicht ausgesprochen worden, vollständig beiseite. Die Empfehlung an König Johann von Portugal hieß er willkommen, sie enffpreche vollkommen den Absichten seines Bruders, des Königs Josef, wie auch seinen eigenen Wünschen. Sein Dank tvar kurzgefaßt und abschließend, er konnte den Uebergang zu einem höflichen Ende der Unterredung ergeben. Doch solch ein Ende schien dem Papst durchaus nicht genehm. Er winkte dem Sar, der sich erheben wollte, er faßte ihn am Arm. „Es ist noch eine andere Angelegenheit, die mich veranlaßt, gerade den portugiesischen König auf Euren Bundesvorschlag hinzuweisen. Dom Miguel hat mir aus Lissabon nicht nur die Obödienz, sondern auch Bitten und Beschwerden seines Herrn überbracht. Beschwerden gegen euch Juden, — vielmehr gegen die Neuchristen, die u»»1er König Manuel die Taufe genommen haben." Reubeni verlor zum erstenmal seine Ruhe und bat den Kardinal um ein unterbrechendes Wort der Widerrede. „Sie haben die Taufe nicht sreilvillig genommen, man hat sie gezwungen, mit Gewalt in die Kirchen geschleppt, — wir nennen sie daher auch: Anutzim, die Gezwungenen." Clemens schien über diesen Punkt schnell hintvegkommen zu wollen, seine abwehrende Gebärde tvar groß und stellte wie mit einem Schlag das Bild des Philosophen, des freimütigen, edlen Menschen wieder her. „Ich weiß, was von derlei Taufen zu halten ist. Auf meine Weisung hat Bischof Coutinho in Lissabon Marranen, die n»an der Einhaltung eurer Sabbat- und Passahrtten und manch anderen JudaisierenS überwiesen hatte, von der Schuld der Ketzerei und des Rückfalls freigesprochen und schlechtweg für, Judeu-erklärt. Auch wohnen solche m»d ärgere Marranen unbehelligt in meiner Mark Ancona