Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2331 (18.8.1925)
- Date
- 1925-08-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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gBfence Mora«nzeitun« 18. »>Wst 18GB Wir haben in rechtzeitiger Erkenntnis dtr Entwicklungsmöglichkeit Palästinas und kl Ansehung der Bedeutung der Wasserversorgungaieset Landes schon vor mehreren Jahren ein Ingenieurbüro in Tel-Aviv Pirmawrortlaifts GAUMENS MACHINES, AUMAS A WEIONINO-MACHINBS VE I - A l/f I tf D A R R4 PALISTINI BNOINIERINO OMICi I C fta ■ M W I W P« W« Dl Sf eingerichtet und dort alle Artikel ffir Wasserversorgung, Motoren sowie Arbeitsmaschlnea für Holz- und Meiallbearbeitung ständig auf Lager ✓ Niemand, der an der Entwicklung des Landes Interesse nimmt, verabsäume, uns vorkommenden Falles zu besuchen und zu Rate *■ zu ziehen CARVEMSWERKE WIEN: »Üfe“ ©erbe 4 Men. DknSktz l hiefür nicht zu erbringen ist, scheint doch die Annahnte, daß zwischen dem Lärm und der Reklame des neuen Ziomsmus und den zeitweiligen Einwanderungsbeschränkungen, die in Konstantinopel erlaflen wurden, ein Zusammenhang besteht, von der Wahrheit nicht weit entfernt. Deswegen war der Zionistenkongreß ein modernes Werk. Denn was ist ein modernes Werk? Ein modernes Werk ist kein alltägliches Werk, das in althergebrachten Bahnen geführt wird, mit genauer Berechnung, mit besonderer Vorsicht, mit Zustimmung der Behörden und versehen mit dem Siegel der Obrigkeit; ein modernes Werk ist eine außerordentliche Sache im Sinne des Satzes: „Wenn die Zeit gekommen ist, für Äott ein Werk zu verrichten, zerstört man deine Thora", ein von der Stunde gefordertes Werk, ein Werk, das bewußtermaßen einen Teil ein er Gefahr in sich birgt, dessen Gefahr aber, wenn es nicht getan wird, um vieles größer ist. Und auch das muß man sich merken: Der kritische Zustand allein erzeugt ein solches Werk nicht; es wird geboren in der Krise zwischen Seelenschwung und Zusammenbruch; nientals wird es erzeugt aus runzeligem Gram, sondern aus dem Gefühle des Volkes heraus, aus seinen: Schöpfergeist, aus einem erhabenen Streben und einem mächtigen Willen, aus weitem Herzen und erneuerter Seele — beim Individuum oder bei einer Nation. Herzl, oder noch richtiger das Volk, das an seine nationalzionistische Tradition glaubte und das Herzl als Werkzeug diente, hatte die große Gefahr erkannt, die in dem laissez faire — laisiez Passer, in Müßiggang, in der Verzweiflung, in der inneren Entartung, im Hinduseln, im Zusammenschrumpfen, in der Kriecherei, in dem Mangel an einem Zentrum, in der ewigen Rücksichtnahme, lag. Es erhob sich über alle Zweifel und Befürchtungen und vollbrachte sein Werk. Zum ersten Male versannnelten sich die Delegierten des jüdischen Volkes aller Länder an einem Ort — ein klarer Beweis für die Einheit der Nation; zum ersten Male verkündeten jene Juden namens ihrer Vollmachtgeber ihre Volkszugehörigkeit, nicht in kleinen Zirkeln und in verschlossenen Räumen, nicht untereinander und in Büchern, sondern vor aller Welt; ein lebendiger Beweis für den Glauben ihres Herzens und ihren Mut; zum erstenmal betätigten sie ihr historisches Anrecht auf Palästina, ein Beweis, für ihr Streben an ihrer historischen Tradition festzuhalten und für die Erneuerung des natürlichen nationalen Lebens. Das sind die Grundquadern, auf denen sich alle Taten unseres Volkes in unserer Zeit in nationaler und zionistischer Beziehung gründen. Und dieser zionistische Kongreß muß alljährlich im Laufe der Zeit zu dem Kongresse werden, der alle Juden umfaßt. Wieviel Schöpfungen hat er hervorgebracht, wie viele gegnerische Meinungen hat er bezwungen, wie viele Zehntausende von Juden, die abgestorbene Glieder am Körper unseres Volkes waren, hat er wieder an unseren nationalen Körper befestigt; wieviel Adel, Herzensreinheit, Hochspannung des Ehrgefühls, Sehnsucht, Poesie und Feuer an Helligkeit strömten von ihm auf seine Teilnehmer au§ und durch deren Vermittlung auch auf das Volk, das seine Augen zu ihm erhob und seine Seele. Wie armselig, kleinlich und versteinert wären wir gewesen, hätten sich nicht dieser lebendigen Quelle von Zeit zu Zeit frische und fruchtbare Ströme über uns ergössen! Wie wäre der Geist des Judentums in uns herrschend geworden, wenn sich nicht allmählich all die Geistesfunken au einem Orte vereinigt hätten! Wo hätterr wir die Kraft gefunden, die zerrissenen Glieder des Volkes wieder zu vereinigen, das infolge seiner geistigen und körperlichen Zerstreuung die Neigung besitzt, sich zu zerbröckeln, em jeder Teil in den Grenzen seines Gesichtskreises und seinem Radikalismus, ohne dieses einigende Ideal und desien einzigartige Verwirklichung in Form dieses Kongresses? Es mögen sich also die Kritiker des Kongresses sowie die Leser seiner Verhandlungsprotokolle an die majestätischen Reden Professor Albert Einstein. Vfc .. T," fiüi -!■ iJ.H •fu i>jH , lipiilÜ '-.fr vort Herzl, an die rnachtvollen Ansprachen von Nordau und noch viele andere Reden erinnern, ausgezeichnet durch tiefe Weisheit und wundervolle Schönheit. Man muß aber verstehen, daß nicht bloß diese allein auf den Kongreß gewirkt, sondern daß umgekehrt auch der Kongreß auf die Entstehung dieser Ideen Einfluß hatte, soivie auf die Empfindungen, die sich entwickelten und gerade diese Formen annahmen. Wenn aber irgend jemand sagen wird, dieser Kongreß war herrlich, jener schlecht, dieser Kongreßabschnitt war herzerhebend, jener niederdrückend, so hat der Kritiker das Recht, die Einzelheiten zu prüfen und Licht und Schatten gerecht zu verteilen. Aber nicht die Einzelheiten sind das maßgebende, sondern das Allgemeine, nicht die einzelnen Posten, sondern die Gesamtsumme. Und diese Gesamtsumme war — ein Strom von Licht und Herrlichkeit, von Begeisterung, Mut und Ehrfurcht, der ausftrömte vom Kongreß. So begann auch das allgemeine jüdische Publikum den Wert des zionistischen Kongreßes einzuschätzen — nicht mit Befürchtungen, Drohungen und Protesten, sondern mit großem Ernst und hoher Einschätzung. Vor etwa dreißig Jahren — im Leben eines Volkes ein Augenblick — hat die jüdische Gemeinde in München uns brüsk behandelt. Gibt es jetzt noch irgend eine Gemeinde in der Welt, die nicht den Zionistenkongreß mit offenen Armen empfangen würde? Bor siebenundzwanzig Jahren unterschrieben deutsche Rabbiner einen Protest gegen den Zionismus — wo gibt es heute einen deutschen Rabbiner, der einen solchen Protest unterschreiben würde? Womit beschäftigt sich die öffentliche jüdische Meinung, worüber wird gesprochen, welche Sache hält die Seelen gefangen, beherrscht die Gedankenwelt, was verursacht Aufrüttelung der Gemüter, Agitation, Diskussionen, was erhebt das Gemüt der weiten Judenheit auch außerhalb des zionistischen Lagers über die traurigen und mederdrückenden Dinge beS alltäglichen Lebens und der kleinlichen lokalen Dinge — wenn nicht diese erhabende und belebende Erscheinung, die in sich eine Quelle der Erneuerung, der Erlösung und des Strebens nach eigenem Leben birgt? gender und gegenwärtiger auszudrücken, hast du, Rede« rendissime, die Gesichtszüge des Papstes Leo des Vierten, der diesen Sieg in der Vorzeit errungen hat, durch die des Papstes Leo des Zehnten ersetzen lasien, der zur Zeit jener Ausmalung regierte. Und als einer seiner Begleiter ist der damalige Kardinal Giulio de'Mediei, jetzt als Clemens der Siebente glücklich auf dem PeterSfesiel sitzend, aufs Schönste abgebildet und sieht im Bildnis jener ruhmvollen Tat zu, deren baldige Ausführung durch meinen Vorschlag gefördert werden soll. So wünschen wir denn, daß Gott sowohl dich als uns die Erfüllung unserer genteinsamen Wünsche, die wir so lauge gehegt haben, erblicken lasien möge, bald, in unseren Tagen!" Ihm erwiderte der Kardinal, indem er zunächst au die Worte cmknüpfte, die jeder Papst spreche, wenn ihm bei seinem Triumphzug die Judenältesten an der Engelsbrücke die Schriftrolle darreichen: Confirmamus, sed non eonsentimus. So habe auch er durch seine Beschäftigung mit kabbalistischen Werken ihren geheimen, auf die Erlösung durch Christus hindeutenden, von den Juden noch immer geleugneten Sinne bekräftigen, nicht aber die irrigen jüdischen Auslegungen der Schrift ermrttigen wollen. Was jedoch alle anderen Worte des Botschafters betreffe, die weise und eines erleuchteten Geistes lvürdig seien, so stimme er mit ihnen überein und es könne chm nichts willkommener sein als die Hilfe eines tapferen Königs, dessen Handschreiben er seiner Heiligkeit übergeben werde, unter Hinzufügung der Berichte portugiesischer Kapitäne, die der Botschafter milüberreicht habe und die über Eiurichtung und Streitkräfte jenes neu entdeckten jüdische» Königreiches Chabor erwünschte Auskunft gäbe». Es sei dies überdies offenkundig dasselbe Reich der verlorenen Stämme, desien auch Methodius in seinem Buche „De fine mundi" und in jener Geschichte Alexanders des Großen, die mit den Worten beginne: „Sapientissimi namque Eghpkli", ferner der Bischof von Allkan in seiner „Geschichte Jerusalems" Erwähnung tun. Alle Berichte der Kirche meldeten ühevemstimwond, daß diese Stämme XttJtätfit Äilntanafler in faie iMtuAENHuA QAthiRai alles, was er sagte und tat, war von solch festlicher und dabei doch heiterer Sicherheit, daß man die Ungewöhnlichkeit dieses öffentlichen Zusammentreffens zwischen einem der höchsten Kirchenfürsten, dem Ordensgeneral der Augustiner-Eremiten, und einem Juden sofort vergaß, ohne indes das Gefühl für die Bedeutsamkeit des Augenblickes einzubüßen. Die Verhandlung vor dem Judenrat Venedigs war viel peinlicher in Zwang und Befangenheit vor sich gegangen. Das Gefolge beider Herren blieb an der Saalwand. Reubeni trat vor und überreichte einige Dokumente, die der Kardinal offenbar schon vorher gelesen hatte, detrn er sah sie jetzt nicht mehr durch. Nickte nur zuftimmend und ließ den Sar auf dem Sessel neben seinem eigenen Sitz Platz nehmen, die beide unter einem Thronbaldachin auf mehrstufiger Erhöhung standen. Dann sprach Reubeni (und die Ratsleute, die mit ihm gekommen waren, hörten diese Eröffnung zum erstenmal): „Ich bin Dawid, der Sohn des Königs Salomo Reubeni, das Andenken des Gerechten sei zum Segen, und mein Bruder Josef, der älter ist als ich, sitzt auf dem Throne des Königreiches Chabor und er ist König über dreißigmal Zehntausend der Kinder Gab und Reuben und des halben Stammes Manasse. Und ich bin vom Könige, meinem Bruder, sowie von seinen Räten, den siebzig Aeltesten, beauftragt, nach Rom und zum Papste zu gehen, dessen Ruhm erhoben werden möge. Es ist an unser Ohr der Ruf von Eurer Bedrängnis gelangt, mit der unser gemeinsamer Feind, der Türke Soliman, euch bedrängt, nachdem ihm eure Bollwerke Belgrad und Rhodos in die Hände gefallen sind. Und man sagt, daß er noch in diesem Jahre seine Landtruppen gegen das Königreich Ungarn und seine Flotten gegen eure Apulien werfen will. Gegen diesen graujamen Fürsten steht der König Josef, mein Bruder und Herr, euch als Bundesgenosse zur Seite. Ein Heer von fünfzigtausend Mann, alle kraftvoll und kriegserfahren, wird er gegen den Sultan vorrückeu lassen, und seine Stärke lvird sich mit der euren vereinigen, um Konstantinopel und ganz Griechenland und die Inseln zurückzugewtnnen. ^erulalsm n»d das &**!*<*> ftnuh wr vn»mt mir es mit gemeinsamer Heeresmacht erobert haben, der Anteil des Messias und Jakobs Erbgut sein." — Um die Türken erfolgreich bekämpfen zu können, bedürfe sein Bruder (so fuhr der Ambassadeur fort) einer Anzahl von Schiffen und Geschützen, ferner von Geschützgießern und Ingenieuren, die er vom Papste erbitte. Denn noch gebe es in jenem Königreiche keine Artillerie und nur in diesem einem Puntte^ der allerdings den Ausschlag gebe, sei das Heer der Stämme dem Osmanenheer nicht gewachsen. Ferner bitte er den Papst um Erlaubnis, unter den Juden, die in den Ländern der Christenheit wohnten, zum Kriegsdienst werben und die Tüchtigsten militärisch ausbilden zu dürfen, damit auch diese Hilfstruppe auf Schiffen des Papstes zum Kampf gegen die Jstnaeliten verwendet werden könne. Diesen gemeinsamen Kriegszug der Christen und der Juden werde niemand mit größerer Berechtigung unterstützen als der große Philosoph von Biterbo, der in seinen gelehrten Werken einige Schriften der Kabbala übersetzt und erläutert, ihre tiefere Uebereinstimmung mit manchen Lehren des Christentums nachgewiesen und somit eigentlich schon den gemeinsamen christlichMdischen Kriegszug gegen den Unglauben in eigener Person eröffnet habe. Reubeni erinnerte dann den Kardinal an dessen berühmte Rede, mit der er bei Eröffnung des Laterankonzils zum Kreuzzug gegen die Türken aufgefordert, ferner an die andere große Rede inder Ordenskirche San Agostino, bei Eintreffen der Nachricht von der Eroberung Aegyptens und des Heiligen Landes durch die Türken, in welcher er schmerzerfüllt die Einigkeit Frankreichs, Englands, Spaniens und ihr Bündnis mit dem Papst zur Vertreibung des furchtbaren Feindes verlangt habe. Der Augenblick dieses Bündnisies sei jetzt gekommen, die Gefahr drohender als je. „GS ist uns auch nicht unbekannt, daß auf Rat und Betreiben Eurer Eminenz jener große Maler, die Zierde deS Menschengeschlechtes, Raffael Sanzio, desien frühen Tod alle beklagen, eitles der Wohnzimmer des Papstes mit einem Fresko geziert hat, das den Seesieg bei Ostia über die Sarazenen darstellt und damit Seiner Heiligkeit sowohl die nahe Gefahr als auch die Kreuzzugsverpflichtung ständig vor Auge» halte« soll. Und um dies alles noch