Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2618 (8.6.1926)
- Date
- 1926-06-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Gerte»2 Wen, Dienstag S« BmWche Memorssdum an de« Völkerbund. W« WdMder Wtfb^rmrbert In Ziffern. G e u f, -1. Juni. Dos Memorandum der Z i v n i st i s ch e n E x c k ntive an die pcvnmnente Mmdatskommission gibt sich als eine ergänzende Fortsetzung des Memorandums vont Oktober 1925 und behandelt in neun Kapiteln die Angelegenheiten der Einwanderung, der landtvirtschaftlichen Kolonisation. der städtischen Entwicklung, der Industrie, der öffentlichen Gesundheitspflege, des Erzichungswcsens, der Organisation der jüdischen Gemeinschaft in Palästina, des Ausbaues der Jewifh Agency und schließlich der zionistischen FinvUFrnstitntionen. Auch das vorliegende Me-- morandnm ist in allen seinen Teilen und seinen Angaben positiv gehalten Und vermeidet jode palentische Stellungnahme. Die st atistischen Da>t cit umfassen das Jahr 1925. In diesem Zeitraum erreichte die Zahl der jüdischen Einwanderer urrtcr Abrechnung der 2151 Ansreisenden den hohen Stand von 31.650 Personen, von denen 16.983 ans Pölert aüein kamen (Oesterreich ist mit 423 Personen vertreten). Insgesamt ist die jüdische Bevölkerung bis Ende 1925 von 55.000 Seelen zur Zeit des WafscnstillstanideS auf 138.000 Seelen (114.000 in den Städten, 24.000 auf «dem Lande) gestiegen. Das in der Avrichtszeit mit den Einwanderern cingeflvfsene private Kapital wird unt 2 Millionen ägyptischen Pfund beziffert, wobei zu erwähnen ist, daß sich im .Her^t ein Rückgang der bemittelten Immigranten zeigte, der durch die Wirtschaftskrise in Polen hervorgcruscn wurde, aber auch zu einem Teil infolge der bureaukratischen Handhabung der Einwanderungsbestimmungen durch die Palästinaregrevung eirrgetreten ist, die retardierend wirkt. Dem Vernehmen nach sollen in Zukunft die Eimvanderungsgosnche, die nach Jerusalem geleitet werden müssen, mit größerer Beschleunigung behandelt werden. Die wirtschaftliche Stagnation in Palästina, die in Verfolg der großen Weltkrise eintrat, zeitigte Symptome von Geldknappheit, loas sich in Kreditcinschränkungcn und Unterbrechung der Bautätigkeit äußerte. Die Zahl der jüdischen Arbeitslosen erreichte im Jänner 1926 mit 4600 den höchsten Stand und ging bis Mitte April auf 3000 zurück. Infolge der Maßnahmen der Zionistischer: Palästinacxekrrtive nnd der anderen jüdischen Körperschaften konnte eine Belastung der öffentlichen Mittel vermieden werben, wie denn überhaupt der-füdische Wirtschaftsbarl die erste Probe dieser Krise ohne schwererer! Schaden Werstanden hat. Der jüdische Bodenbesitz wurde in der Berichtszeit von 90.000 Hektar auf 110.000 Hecktar (1 Hektar gleich 10 Dunam) erweitert, wovon 18.500 Hektar Eigentum des jüdischen Nationalfonds sind. Aller Bodenkauf mußte auf dem offenen Markt erfolgen, da die Palästmaregievung nichts tat, um der in A-rtikel 4 des Mandats übernommenen Verpflichtung einer geschlossenen jüdischen Idrsiedlrmg gerecht zu werden. Diese Unterlassung hat auch zu einer- Verteuerrlng der Boden preise geführt, tvas wieder die landwirtschaftliche Kolonisation beeinträchtigt. Die jüdische städtische BevöKermrg betrug Ende Dezenrber 1925 in: Jerusalem 42.000, Jaffa und Tel- Awiw 48.000, Haifa 14.000, Liberias 5000, Safed 3000, Afulch 1000, Hebron 800 imd in anderen Städten 200 Personen. Das Vtemorandurn gibt sodann eine Ueberstcht der industriellen Entwicklung, die sich hauptsächlich in Haifa und in Tcl-Awiw konzentrierte, irr welch letzterer Stadt im September 777 Unternehrnungen mit 3427 beschäftigten Personen gezählt wurden. Das in Palästina investierte Kapital der Jaffa Electric Cy. (R u then b c rg-G es e ll sch aft) stieg voll 90.000 ägypt. Pfund inl September 1923 auf 270.000 ägypt. Pfund Ende 1925. 42 jüdische Textilunternehmungen, ferner die Zemenffabrik Nescher in Hais a, die Streichholzfabrik Nur in A k k o (25.000 ägypt. Pfund Kapital) sind in Betrieb gefetzt und 5 4 jüdi s ch c Fischer augesiedelt worden. Die jüdische Arbeiterorganisation unrfaßte Ende Februar d. I. 21.000 Miglieder, die A r b e i? erbau k hat ihre Ein- und Berkaufsgenossenschaft (Hanraschbir) aus 20 Filialen mit einem Umsatz von 179.000 Pfund ausgebant, die Baugilde S o l e l b o n e h, der größte Unternehmer für öffentliche Arbeiten, beschäftigte nn Monatsdrrrchschnitt 2000 Arbeiter. Der öffentliche sanitäre Dienst wird in der Hauptsache durch die Ha dass ah gelefftet. Sic hat irn Berichtsfahre 0708 Patienten in Spitälern und 101.390 Personen in Kliniken betreut urrd hält 20.000 Kinder unter ihrer Aufsicht. Ergänzt wird ihre Tätigkeit der zionistischen F r a u e n o r g a » i s at i o n und durch die Ä r a n k e n I a ff e der jüdischen Arbeiterorganisation. Der Karnpf gegen Malaria und Trachom wurde »»verdrossen mit gutem Erfolg fortgesetzt und fand seine Anerkennung in dom Bericht der Malariakommission des Bölkevbnndes über ihre Studienreise durch Palästina. Das unter der Perwaltnug der Zionistischen Palästinaexekutive stehende __Wiener Moraenzettuns Schulwesen kontrolliert 168 Anstalten (im Vorjahre 132) mit 622 Lehrern (550) und 16.132 (13.246) Kindern. Bon anderen Körperschaften wurden 9319 jüdische Kinder in Schulen unterrichtet, so daß insgesamt 25.451 jüdisch« Kinder eingeschrieben tvaren. Die Erhaltungskost«» des h e b r ä i s ch e n Schn-lwerkes sind für das 'Sehriljahr 1925-26 auf i 37.000 ägypt. Pfund veranschlagt, wozu der Keren Hajessod 70.000 Pfund beitragen soll. Diese Rcgierurtgssllbvciltioil betrug im vergangenen Schuljahre 2700 Pfund, also cttva 25 Prozent der Gosanttkosten. Für das laufende Jahr ist dieser Beitrag noch nicht fixiert worden nnd er bildet bekanntlich iit der Gegenüberstellung der Leistungen für die arabischen Schulen einen (^genstand ernstester Beschwerde. . Des weiteren berichtet .das Morrrorandum über den Ausbarl des H o ch s ch n l tv e s e » s nrrd der National-« b i b l i o t h c k. ' Die im Dezember 1925 nongowählte Nationalversarrmtlurtg besteht aus 200 Delogierten, die von 33.044 jüdischen Wählern gewählt werden. Diese Versammlung entbehrt des gesicherten rcchtlichcrk Charakters. Doch wird es im Zuge der Organisation des Gomeindewosens möglich sein. Diesem Uebclstand abzuhelfen nnd der Nationalversammlung sowie ihrer Exekutive, dem Waad Lcnmi, ein gewisses Maß von Autonomie zu verleihen. Die notigen DurchfühnrngSbestim-nningen sollen bereits in Ausarbeitung stehen. Was die Beschwerden der aschkenasischen Genteindc (Agudath Israel) anbetrifft, so lohnt das Momorandunr ihre Anerkennung als die einer zweiten jüdischen Gemeinschaft ab und erklärt weiters, daß bei der Verteilung der Einwandcrungs,Zertifikate die vollste Objektivität beachtet wird. Das MomorandU'nr zitiert sodann zur Frage der Erweiterung der Jewifh Ageney die bekannten, auf die Errichtung eines Councils abzielenden Beschlüsse des 14. (Wiener) Zivnistenkongresscs und referiert schließlich über die vom K e r e u H a j e s s o d, Keren Kajenreth und anderen jüdischen Organisationen in Palästina gemachten Ausgaben. Danach ergibt ein Uoberblick über die ganze Periode vom Beginn der britischen Bosetzrmg, also 1. Oktober 1917, bis zum 31. März d. I. die folgenden Tatsachen: Die Zionistische Organisation hat insgesamt 4,286.000 Pfund, die I. C. A. und P. I. C. A. zusanimen 1,500.000 Pfund, andere öffentliche und private Gesellschaften sowie Einzelpevsorwn 4 Millionen Pfund ins Land gebracht. Somit erreicht der Gesamtbetrag jüdischen Geldes, der in Palästina in Zirkulation kam? die verhältnismäßig sehr hohe Summe von etwa 10 Millionen Pfund, -wovon das Berichtsjahr etwa 3 Millionen erbrachte. Das Memorandum ist ein Dokument der Pflichttreue. Diese öffentliche Rechnungslegung, die sich in jedem Detail an den Grundsatz der strengsten Wahrheit hält und jede Schönfävbung vermeidet, kanrr der jüdischon Arbeit nur zur Ehre gereicherr. Im Gegensatz zu dieser Eingabe enthält die arabische Protestschrift kein einziges Detail, keine einzige Ziffer, arrs der man den Wert der arabischen Arbeit erkennen würde. §ine Mm der Marshsü-HwM fBc «PalWim,. Aus Rew-Aork wird berichtet: Wie schon kurz mit« geteilt, hat Herr Bernard F l e x n e r, der Präsident der Palestine Economic Corporation, des Finanzorgans der Marshall-Gruvpe, der I. T. A. mitaeteilt, daß die Korporation eine M i l l r o n Dollar für Arbeiten in Palästina zur Verfügung gestellt hat. Der größte Teil der Summe, und zwar 760.000 Dollar, wurde zwecks Finanzierung der Vollendung der h h d r o - e l o k t r >i s ch e n Station am Jordan unter Vervollkommnung der Kraftstationen irr Tel-Awiw, Haifa und Liberias bestimmt. Dem Präsidenten der Palestine Electric Corporation, Ing. Pinkas Nuthenberg, wurde mitgeteilt, daß der Betrag von 750.000 Dollar ihm für seine Arbeiten zur Verfügung stehen. 250.000 Dollar wurden für Finanzierung des Häuserbanes siir Arbeiten in der Nähe von Tel-Awiw zur Verfügung gestellt. Neuerdings hat die Palestine Economic Corporation in New-Aork beschlossen, Landwirtegruppon nnd anderer! Korporationen irr Palästina die Erlangung langfristiger Kredite zu erleichtern und hat siir diesen Zweck .als Anfangssnmrne 200.000 Dollar bestimmt. Die Kredite werden durch die palästinensische Kooperativbarrk abgegeben werden. Das Komitee der Korporation in New-Aork beriet über den Vorschlag des Herrn Ä a n V r i e s l a n d, geivisse Schulden palästinensischer Kolonisten an den Keren Hajessod zu übernehmen, um so Kapitalien des Kererr Hajessod für weitere Anfbanarbeiten freizumachen. Ler imgarifche Rumervs rilmsus. LoWon, 7. Juni. (I. T. A.) Herr Lueien Wolf veröffentlichte foeberl eilten dokumentarisch belegten Bericht über die Intervention des Joint Foreign Eorrrmittee beiul Völkerbundrat gegen das ungarische Gesetz vonr Numevns rlaustrs. Das Resultat dieser Intervention, heißt es irr diesen! Bericht, ist, daß Ungarn sich verpflichtet hat, das Nurnerrlö-ctanstrs-Gesetz in Einklang mit den Bestinnnnrlgen des Triauonvertrages zu bringen,' dies tat die ungarische Regierung unter denr Eindruck des Beschlusses des Völkerbrtndes, daß der Numerus clausus dem Vertrage widerspricht. Der Beschluß des Völkerbundes war deshalb in eine versöhnliche Form gekleidet, um der ungarischen Negierung dazu zu verhelfen, mit Würde aus der schwierigen Lage herauszukontinert. Das Joint Foreign Connnittee wird aber n i ch t a u f h ö r e n, die Angelegenheit irn Auge zu behalten u»b darüber zu wachen, daß das Nunrernselansus-Gesetz im Sinne des Beschlusses des Bölkcrbnudrates (eine Erledigung ftndet. 8. Juni isW mumm Frankreich ln Stzrim. Aeußerungen Jouvenels. Paris, 7. Juni. Der französische OberkommWr Dr Syrien, Henry de I o ü v e n e l, ist im, Paris angÄommen. Nach seiner Landung in Ma r seiltT beantwortete der Oberkommissär die Fragen der PreffOertreter über die bisherigen Ergebnisse seiner Tätigkeit in Syrien mit folgender Erkläruiig: „Ich war dastrebt, ein humarres, das heißt logisches Programm zur Anwendung zu bringen. Ob meine Bemühungen von Erfolg waren, kann erst die ^kurtft lehren. Wird man auch weiterhin denselben Weg gehen, so wird man reüssieren, wenn nicht, so kann der Weg sehr lang werden. Im Orient »intim man Ministerwechsel gar nicht zur Kenrrtrris, dort kennt irran rmr Frankreich und halt sich nur an Frankreich. -Syrien ist ein brodelnder Keffes mit Zuflüssen von allen Seiten. Ich ging nach Angora, ging ltach Palästina und verhandelte mit I b n Sau d. Das war eiu genau umschriebenes Programm. Es handelte sich vor allem unt die Sicherheiiei! von außen. Mit den Türken ging die Sache, dank der vortrefflichen Vorbereitung durch S a r r a u t, erstaunlich leicht. Nach meiner palästineuftscheu Reise hatte sich die Atmosphäre aufgchellt. Tie Aufständischen setzten ihre ganze Unternehmung auf eine Karte: die französischenglische Nn st i m nt igkei t. Als sie sich überzeugen rmlßten, daß sie keine .Hoffnung hätten, von unserem Streit zu profiticreu, hatten wir schon halb gewonnenes Spie!. In einem gut verschsosseneu Haus konnten wir beginnen, uns häuslich riuznrichten ..." Der Weise von Zion im sranzöstschen Senat. Paris, 7. Jurri. (I. T. A.) Irn französischen Senat trat derkatholischercaktionäreScnatorDel a h a y nrit einer Hetzrede gegen De u ts ch e und I u b c n hervor. Er sprach von den Weltmachtsträmnen der Deutschen und der Juden. Wenn der Deutsche auch europäisch zu sprechen beginnt, setzte er fort, hüten Sie sich vor seinen! Ton und Akzent! Nehmt euch irr acht vor der Verwirklichung der vier Träumer der Welthegcmonie: des Deutschen, des Engländers, des Novdarnerikaners, besonders aber des Juden. Der Jude evtvartet noch imrner eilten Mesiias und sein Reich hienicdeu. D e r geheime W u n s ch jedes organisierten Juden besteht darii!, daß der Präsident der Weltrepublik ein Jude, ist, damit das Reich Israel herrsche. Der Redner schloß, er werde gegen den Locarnovcrtrag stimmen, der den Krieg nicht vcrhrndern kann. * Nie Mfettens ton Most«! »ach Hais«. Die „Daily News" vom 28. Mai schreibt rmter dem Atel „Der britische Korridor": In den gegenwärtigen Ve'rhanAlurrgen in Angora über die Oekfrage wird dem bemerkerrstverteu Projekt der Anglo-Persiau Oel Conrpany dar Anlegung einer Oil- Pipeline aus Persien und dem Irak nach dem Mitte lnteer-besondcwcs Interesse zugewandt. Die Pffrcline joll eine Länge von fast 700 Meilen haben; man plant ihren Verlauf von Khanrkin an der Jvak-Persien-Grenze bis zu denr palästinensischen Hafen Haifa, quer durch die syrische Wüste. Es ist dies derselbe Weg wie der der L u f t p o st. Es wird beabsichtigt, entlang der Prpokme auch eine E i s e n b a h n l i n i c zu Lanen. Das Unternehmen hat ziemliche polrKfche Bedeutung, denn cs läuft auf die Blldnng eines Verb-rüdun gskorridors hinaus, der gleichzeitig für P a l ä st i n a und T r a n s j o r d a n i e n als Schrrtzbarricre gegen die Wüstmstämme Nordarabiens dienen würde. teiisehMk. Rew-Aork, 7. Juni. Präsidetrt Co-vbidge unter« zeichnete ein Gesetz, laut tvelAent etwa zehntausend Ausländer, die den Weltkrieg in der aruerikanischen Armee mrtmachten, denen jedoch auf Grund des Eürwanderungs- . quotengesetzes die Mckkehr nach Amerika verbotert war, die Entreffennd AtrfLNthaltSbÄvüligrmg zugebilligt erhalten. SNHviQtvi flvsvR wmumn London, »7. Jnm. Der wogen seiner >sozialistrschen Gesinmm bÄanrvte Srchn .des Prennerimrüsters, -Oliver B a l >dw-!», hielt .honte in Liverpool eine Rode, in der er die Haltung seines Bakers im B erga rbe it e rfo n f I i f t einer vernichtenden KritU nutevzog. Oliver Baldwän erklärte, die Rogierung sei nur ein Spiel zeug der Banck von E n-glan-d, und es sei hochan der Zeit, daß s« -vc»n der Bildflächc vcvschiomde. Lickenvorss» Me. Aus Berlin wird gemeldet: Me das .Abendblatt" erfährt, hat nicht General Äudendorff, sondern seine Gattin gegen ihn die Ehescheidungsklage überreicht. Frau Luden-dorff hat den Antrag auf Ehaschoidttng desihalb gestellt, weil der Gmeral sie infolge seiner Ueüerlastnng mit polöbischeut und anderen Geschäften angeblich schlecht b ehande l te. Frau Ändendorff, die lewend ist, hat sich w yi» Samdorimn begeben. Sie ist eine geborene wto ftommt ans der bekannten Famike B okle, die Ae M r l ch^> g u n q der R e i ch s h a u p bst adt ovganifiert hat.