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Wiener Morgenzeitung · 1926-06-05 · Heft 2615 (5.6.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2615 (5.6.1926)
Date
1926-06-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Lr. SSV Me», SamMtz Auslriile aus de« Judentum. Landes Robert, geb. 20. Jänner 1810, Men. 20. Bez., Dammstraße 6. RetchSfeld Wilhelm, geb. 18. Jänner 1903, Wien, 18. Bez., HÜtteldorserstraße 66. Brecher Dora. geb. 3. Dezember 1889, Beriwmetsch, 11. Bez., Krause gasse 19. Sabath Ludwig Richard, geb. 17. Jult 1896, Wien. 13. Bez., Am Platz 6. S p a d t Adele, geb. 17. September 1889, Wien, 13. Bez., St. Veitgasse 20. Biß Martha, geb. 28. Mai 1906, Wien, 17. Bez., Elterleiuplatz 8. Dr. H e r r m a n n Karl, geb. 36. August 1890, Wein, Beamter, Brüx. R o t b k o v f Max. geb. 26. November 189?, Wien. 3. Bez., Ruepvgasse 13. S ch u st e r Karl, geb. 14. Jänner 1903, Wien, 11. Bez, FelSgasse S. W e i ß n t ch t Stephanie geb. Ronaszkan, geb. 9. Mai 1891, Wien. 9. Bez., Währingerstraße 82. Z e r n e r Gertrud, geb. 8. Juni 1899, Wien. Pian-sttn, 1. Bez. Adlergasse 4. Z e r n e r Elise, geb. 22. Oktober 1905, Wien. Beamtin. 1. Bez, Adlergaffe 4. K a n d e r Erwin, geb. 16. November 1893, Wien, Wieselburg a. d. E. H e k e z e g Bela, geb. 26. Oktober 1838, Wien. Beamter, 9. Bez.. Neulinggasse 19 S ch a f r a n i k Stephanie geb. Klaus, geb. 20. August 1893. Wien, 9. Bez., Servitengasse 4. Löwe Hans, geb. 23. Februar 1897, Mödling, 8. Bez., Große Sperlgaffe 7. W e i l Gertruds geb. Lichtenstein geb. 3. Juni 1895. Karlin. 1. Bez., Schottenring 10. B i n t tz k y Jda, geb. 14. August 1880. Wien, 16. Bez.. Kirchstetterngasse 51. Krön Marie, äeb. 16. September 1898, Wien. 8. Bez, Josefstädterstraße 46 Moldauer Kamilla, geb. 4. Oktober 1888, Lemberg, 8. Bez., Schlösselgasse Nr. 11. M i k l o s (Unaermann) Heinrich, geb. 3. November 1893, Karczag, 16. Bez., Koppstraße 74. Wteiree MoVge-zettung Ittfer Art BRUDER WETZLER Internat« Spedition II., OBERE DO 9t All STRASSE 107 Telephon 49530 Sorte Automobil-" ' . HOTEL CENTRAL Wien, II. 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Das Erziehungswerk ist bloß eine Linie im Gesamtbilde der Volksarbeit, aber eine charakteristische. Wir kennen keine jüdische Erziehung ohne Hebräisch. (An dieser Stelle muß> es nicht erst bewiesen-werden.) Es kann somit die hebäische Sprache schlechtweg als Gradmesser dienen für das Maß von faktisch vorhandenem Judentum in einer der gegebenen Kulturgruppen. In zwei der erwähnten Gruppen hat das Hebräische einen Hochstand zu verzeichnen: im Altjudentum und in Palästina. Und im Sinne einer allgemeinen Graduierung des Wissens, dem oi^es fachmännischen, eines enzyklopädischen und eines populären, darf man unbestritten dem hebräischen Wiffett Alt- Judas trotz seiner unmodernen Formen und seiner Steifheit den Grad des Fachmännischen zuerkennen. Unser neues Palästina mit seinem fließenden, modernen, ja natürlichen Hebräisch reicht noch lange nicht an das große, tiefe und ' umfassende Können von Alt-Israel heran. Die großen Erfolge des alten Chinuch und die in ihrer Art ebenfalls großen Erfolge des palästinensischen Chinuch haben wir nicht irgend einem Wunder zu verdanken. Das alte Cheder- und Beth-Hanndrcrsch-System war auf dew Prinzip des „Lernens" gegründet. „Tag und Nacht sollst du die Thora lesen!" schreibt die Bibel vor. „Wie einen Ochsen sollst du dein -Kind mit Wissenschaft mästen!" lautet das talmudische Echo. Der Jude hat wirklich Tag und' Nacht, sein ganzes Leben läng „gelernt". Dementsprechend war auch sein Wissen. Noch viel günstiger für das Aufblühen der hebräischen Sprache ist der heimatliche Boden von Erez Israel. Was die Schule gesät, treibt der Boden, das Milieu, iu die Höhe. Bon selbst, ohne jede Anstrengung, teils blütentreibend, teils regel- - los wuchernd wie der Dorneirkaktus am Karmel, wie die Rose vom Saron... Ganz anders steht es aber um die hebräische Sprache in der zionistischen Galuth. Auf den Ruinen von Cheder und Beth-Hamidrasch ist die moderne hebräische Schule eingerichtet. Ein dichtes Netz solcher Schulen umspannt bereits unsere ganze jüdische Welt. Tausende von Lehrern sind an der Arbeit. Und trotzdem uuv geringe Resultate. Nicht einmal einen populären Wisseusgrad haben wir bis heute erreicht. Höchstens ein vulgäres, fragmentarisches Wissen. Nicht zehn gesprochene Sätze, nicht drei geschriebene Zeilen werden ein richtiges Hebräisch ergeben. Kein Wunder. Die beiden günstigen Umstände des ylten und des palästinensischen Chinuch fehlen hier. Keine hebräische Umgebung, uitb überdies wird wenig gelernt. Warum aber wird wenig gelernt? Wir Juuden sind nie iul Lernen saumselig oder oberflächlich gewesen. Oder ist gar unser jüdischer Nationalismus ein oberflächlicher, und der Nationalismus, der den Chaluz geschaffen hat, kann nicht Energie genug aufbringen, um die nationale Sprache zu erlernen? Vielleicht wird es parodox klingen, es ist aber doch wahr. Gerade der jüdische Nationalismus ist die Ursache der Bernachlässigung uni) Verflachung der hebräischen Sprache in unseren Kreisen. Nationalismus ohne Palästina ist hei uns heule nicht denkbar, und wo Palästina der Zentralgedanke, das Ziel wurde, kann das Hebräische nur noch Mittel zum Zweck fein. Nicht mehr bewußter Zweck wie bei den Alten und nicht jewstteuumdes Resultat wie iu Erez Israel. Dieses geringe Interesse dem „Mittel" gegenüber wird durch einen anderen Umstand noch weiter verringert. Eine tr.ansmarine Psychologie hat sich der Seele des bewußt jüdischen Volkes in der Galuth bemächtigt. Das „Drüben" in Palästina beherrscht uns. Diesem Gedanken unterliegt nun auch der Hebräisch lernende Zionist. Wir lernen Hebräisch für Palästina. Kein Zionist kann den Gedanken aufgeben, einmal nach Palästina zu kommen, als Chaluz, als Einwanderer, wenigstens als Tourist. Da wird nun soviel Hebräisch gelernt als notwendig ist, um sich in Palästina verständigen zu können. Und wird man in Palästina bleiben, wird man ja dort das Hebräische „von der Luft" lernen. Grund genug, um hier in der Galuth. nicht zu lernen oder nur wenig und oberflächlich zu lernen. Dieses Hebräischlernen besteht hauptsächlich in ein wenig Konversation, die das Jdeengebiet von „ani medaber ivvith", „ata medaber ivrith" nicht weit hinter sich läßt. Es ist leicht, bequem, patriotisch und modern obendrein. O korruptes Hebräisch, Berlitz School ist dein Name! Dabei wird das Buch arg vernachlässigt, die Feder möglichst geschont... So ungefähr kernen wir Zionisten unsere. nationale Sprache i« der Galuth. Dar hebräische Lehrbuch einer Araber«. Aus Kairo - wird uns berichtet: Der bekannte ägyptische Gelehrte Mohammed Bei Badar, Autor mehrerer philologischer und philosophischer Werke, hat soeben eine hebräische Grammatik nach moderner, leichtfaßlicher Methode herausgegeben, zu welcher der Orientalist Hassan Efendi Hussein das Vorwort schrieb. Von besonderem Interesse ist das angeschloffene Verzeichnis von tausend Wörtern, die der Aussprache und dem Sinne nach in der arabischen und hebräischen Sprache vollkommen gleich sind. Wertvoll ist auch die Einleitung, die einen historischen Ueberblick über die-Geschichte und Entwicklung der hebräischen Sprache und der anderen semitischen Sprachen darsteüt. Das ägyptische Untervichtsnrinistevium hat dieses im Selbstverläge des Verfassers erschienene. Buch als Lehrbuch der hebräischen Sprache in den höheren Klassen der arabischen Mittelschule genehmigt. Re NouiWsche Sruauisaüon in Pole» legaiifiett. Warschau, 2. Juni. Innenminister Mladzianowski richtete an sämtliche Woiwodschaften ein Rundschreiben, in Melchern die Legal iifterung der zionistischen Organisation in Polen bekannt-gegeben wird. Das Rundischverben bezieht sich auf seinerzeitige Schreiben des Ministevpräjsbdenten Strzynski an den Präsidenten der zionistischen Exekutive Ncchum So ko low. Die zionistischen Organisationen worden im Zirkular als politische und als wirtschaftliche Bereinigungen gesondert behandelt. Die politischen Organisationen müssen ebensowenig wie andere politische Organisationen behördlich angemeldet werden und unterliegen den für politische Organisationen bestehenden Normen. Hingegen müsse,: die zionistischen Verbände mit rein gesellschaftlichen Zielen bei der zuständigen Behörde angemeldet werten. Die Posaunen von Jericho. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Dieser Tage weilte hier eine Gesellschaft ungarländischer Juden, die unter Führung des Buvapester jüdischen Publizisten Dr. Josef Patai das Land bereisten. In der Reisegesellschaft befand sich Herr M. Schey aus Budapest, der einige sehr intereffante Musikinstrumente mitbrachte und den: Schülerorchester der Tachkemonischule zum Geschenk inachte. Herr Schey hgtte, wie er erzählte, einmal ein Bild, das die Einnahme von Jericho durch die Posaunenklänge der Priester darstellt, gesehen und es sich als Musikliebhaber und Zionist in den Kopf gesetzt, dieses altjüdische Musikinstrument rekonstruieren zu lassen. Er setzte sich mit Musikkritikern und den ersten Musikalienfabrikanten in Verbindung und glaubt nun, laut Anweisung dieser Fachleute tatsächlich eine Posaune geschaffen zu haben, die dem Aussehen nach und in oer Konstruktion der alten „Posaune von Jericho" entspricht. Herr Schey brachte auch einige Kompositionen für die Posaune mit, die jetzt vom Pfandfinderkorps der Tachkemonisd)nle auf ihren Wanderungen gespielt und gesungen werden. S. Am, 1986_ Kunst. Bühne. Auch. „Der Salem." Gastspiel des hebräischen Theaters Habima. — Carl-Theater. Aus L e i w i k s Golemdichtung in Dialogform — die Buchausgabe zählt an die 300 Seiten — hat die Habima als das erste Theater, welches dieses Wagnis unternahm, den Stoff für drei Akte geholt und einen dreiteiligen Prolog hinzugefügt. Der hohe Rabbi Löw in Prag hat sein Geschöpf, den Golem — die gewaltige, lenkbare Kraft — zum Retter bes Volkes bestimmt. Eifernd für^ seine Idee duldet er den Messias, der zu den bedrängten Prager Juden niederstieg, nicht auf Erden, und bewirkt, daß er vorläufig in die himmlischen Gefilde zurückkehrt. Mit der Gewalt seiner Arme vertreibt der Golem die dunkeln Mächte der Inquisition, welche in das Asyl der jüdischen Bettler ein eorpus delicti für vollbrachten Ritualmord schmuggeln wollen. Aber der Golem läßt es dabei nicht bewenden. Von seinem Schöpfer abhängig, rasend geworden, sowie ihn der Maharal allein läßt, stürzt sich der Golem in die Judengasse. Ein furchtbarer Pogromist. Der Narr, eine Gestalt Shakespearescher Provenienz — in seinem Wahnsinn ist Methode—,hat die Rolle des Raisonneurs. Der Inhalt der Bühnenbearbeitung ist mager, ganz besonders der gedankliche, aber die Vorgänge sind bunt, es entstand taugliches Theater, dem starker Publikumserfolg sicher ist. Selbstverständlich: Die Künstlergemeinschaft Habima hat volle Arbeit geleistet. Fraglich, ob die scharf expressionistische Einstellung (Masken, Bühnenbild, Stil der Gesten) diesen an der Oberfläche haftenden Vorgängen angemessen ist. (Einem Golem-Pantomimenspiel wäre solche Aufmachung tauglicher.- Aber bewundernswert der Mut ihres Bekenntnisses zu diesem Stil, die Treue, die sie ihm bewahren, die Verantwortung, die sie für seine strikte Durchführung tragen. Sie konnten nicht verhindern, daß es darstellerische Höhepunkte und dazwffchen mattere Stellen gibt. Der zweite Akt mit der reichgegliederten Bettlerszene ist diesmal doch nur „mit Stimmung überzuckert". Die bezwingende Kontinuität, wie sie beim „Dybuk" und bei „Jaakobs Traum" zu bewundern war, vermißt der differenzierte Theatergast — nicht das große Publikum. Eine große Freude die naive, schwerfällige Kraft, welche Meßkin dem Golem einhaucht. Die unbeschreibliche Szene, in der er den schlafenden Rabbi zunächst erschlagen will, dann, von seinem Instinkt belehrt, daß er sich selbst vernichtet, wenn er den Erzeuger vernichtet, mit treuen Hundsaugen ihn angafft, sich neben ihn niederläßt und seinen Schlummer nachahmt, sollte man im Film festhalten. Prachtvoll beweglich, eine schauspielerische Leistung, die von Kunstverstand und intuitiver Gabe des Gestaltens in gleicher Weise zeugt, der wahrhaft „entfesselte" Narr Ben Chaims. Tschemerinskys Maharal fft eher ein tüchtiger, kluger, pedantischer, hochmögender als ein „hoher" Rabbi Löw. Nm so überzeugender wirkt fern Gram im Schlußakt. Nach meinem Gefühl nicht angebracht, den Zuschauer beirrend, daß den Messias eine Frau spielt. Aus der Fülle der Episoden herauszuheben: der humorvolle Tempelsänger, den der bevorstehende Gottesdienst nicht in Weihestimmung antrifft, sondern sehr bekümmert um die Tauglichkeit feines Stimmaterials; die ergreifende, durch Gesang und Haltung ergreifende Bettlerin mit den: Kind in der Wiege; der Schammes; jener unter das Prager Bettelvoll aus dem Orient verschlagene schlanke, junge Schnorrer; die Gattin Maharals (insbesondere,. toenn sie den Golem füttert!); der Inquisitor. Die Aufzählung ließe sid) fortsetzen, denn dieses schwache Stück lebt von den - starken Darstellern. O. A. Professor Max Reinhardt Wer Re Habima. Zu den fast ständigen Besuchern der Vorstellungen der Habima gehört auch Prof. Max Reinhardt. Ein Zeichen des Interesses, welches er der Habima entgegenbringt. Es ist sehr interessant, was der anerkannte Bühnenfachmann über die Habima sagte. Ich stellte Herrn Prof. Reinhardt mehrere Fragen, die er in folgenden Worten beantwortete: „Der „Dybuk" umchte auf mich einen großen Eindruck. Die Darstellung und das Zusammenspiel waren sehr gut, zum Schluß außerordentlich. Der Bettlertanz, in hervorragender Weise vorgeführt, wirkte geradezu überwältigend durch das Phantastisch- Gespenstische. Ein unheimlicher Tanz. So etwas zu erreichen ermöglicht den Künstlern der Habima ihre fast religiöse Hingabe an die Kunst und das ist das Große an der Sache." „Wie 'denken Sie, Herr Professor, über „Jaakobs Traum"?" „Nach den ersten zwei Akten schien es mir, daß das Spiel eines jeden Stückes in demselben Stil, obzwar er durch seine Geschlossenheit außerordentlich fesselt, künstlerisch eine gewisse Arnmt bedeutet. Es sollen doch nicht alle Stücke in derselben Richtung gespielt werden. Zum Schluß sah ich aber ein, daß der Spielleiter bei der Habima einem jeden Stück die Atmosphäre gibt, die ihn: zukonlmt. Von der deutschen Fassung dieser großen Dichtung von Beer-Hofmann weicht ja die hebräische stark ab. Ich räume dem Spielleiter das Recht ein, vieles abznändern, doch der Stil muß beibehalten bleiben, und das tut die Habima in „Jaakobs Traum". Das dritte, letzte Bild machte auf mich einen übertvaltigenden Eindruck. Es stellt die wunderbare Lösung des Ganzen dar, die ohne die Musik nicht zu denken ist. Dieses Bild ist etwas Außerordentliches durch die Überlegenheit, durch die ergreifende Frömmigkeit. Ein Ganzes. Die Leistung Semaels, ein jedes Wort, eine jede Bewegung ist erhaben, vollendet. Sein Klagelied rührt bis zu Tränen. Es erschüttert." „Wie denken Sie über das Musikalische bei der Habima?" „Wort und Ton unterstützen sich bei der Habima in ganz hervorragender Weise. Der Uebergang von wirklicher Sprache zur Melodie, zum Gesang, bildet das Wertvollste, das dieses Ensemble bringt" 01003102 7064^6

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