Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2613 (3.6.1926)
- Date
- 1926-06-03
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ne. M3 Me«, LsmmSisy Wiener MorAenzetttms s. Am IM i Möbelfabrik Kunst, Bühne, Buch. „ifoatofcs Statt«." Gastspiel des hebräischen Theaters HolDma im Carl-Wat«. 1. Die Dmrftellttng. In der Großstadtwüste hat ein Wischer Dichter den Jaakoibs- FLychas erlebt, hat über Zeit unld Raum den Mg zn den Müttern gefunden. Richard Beer Hof mann s .Lsaakeckis Traum" ist das Vorspiel eines noch auAsielhenden großangelegten ökblstchen Kühneuwevkes. Das Gedicht ist tief, kristaMlar, aber Nicht gerade dkkhnenwirksanr. Die Bedeutung dieser. Schöpfung Kr das werdende hebräische Theater wurde hier jüngst behandelt. Die Habima ging mit dem Sinngedicht eitzsriherÄich um. Zweifellos. Vom Part der RelbeKa blieb nur ein Rudiment. 'Man hat ihr die große Szene genommen, in der sie die Schwiegertöchter in die Knie zwingt. Die Zwiesprache Jaakobs mit feinem Sklaven und andere wichtige Dialogstellen sind gekürzt. Dem Schätzer des Buches befremdlich, dem Dichter bcjtüwnt kein Wohlgefallen. . Aber was hat die Habima dem Werk gegeben! Nichts Geringes j Sie hauchte ihm dramatisches Leben ein. Menschen von antikem Format — einige erinnern Überraschend an die Gestalten des urjüdtschen Malers Lesser Ury — sind in Mhrrenbllder von gewaltigen Maßen gestellt, phantastisch, hart, eigenwillig aufgetürmt, weniger den gepflegten, im Streben nach Vollendung jahrelang gefeilten (und dabei zu glatt gewordenen), gesiebten und gezählten 15K.Versen Beer-Hosmanns angepaßt, als RelbeWa, der Patriarchin, Edom, dem biblischen Jäger, and Jaakab, dem hebräischen Jüngling, der mit Gott ringt. . Wie taugt diese dräuende Szenerie des ersten Bildes mit der nachlduMen, ragenden Palme, dom nackten Gestein und der hochgelegenen Behausung Abrahams zum Schmerzensschrei des betrogenen Edom, zum Antritt der Jagd auf Jaakob. Wie taugen diese blutvollen, heißen Weiber Gdoms, seinen Stolz zu spornen, seinen Rachedurst zu schärfen — die eure von Ehrgeiz fiebernd, die andere von gesundem Verlangen nach dem Manne, der Herr ist. Wenn Edom nach der.Hunbemsute rauft, Jacckob anfznspuren, sind die beiden, Basmatih und Oholibamach, seine lafzenden Hündinnen. Und die eine trägt ihm mit den Zähnen d^/Wpffe zu ,.. Ich begreife: Mit dieser cmWießrnden Szene , m u ß der Aü schließen. Die G>om-Weiber rennen mit auf die Jagd und Rebekka kommt um ihren Triumph, den ihr der Dichter;ugedacht hat. . . Wie taugt dieses Geklüft des zweiten und dritten Teiles mit der Felsknppe in der Mitte und den hochragenden Ditzen der Halbgötter ringsum für das Anschleicheu Gdoms, für den Blutbund der Brüder, für den Wachtraum Jaakobs. (Die Landschaft ist übrigens m ihrer Stilisierung palästinensisch weseichaft. Sie erinnerte mich an die barbarische Pracht des Wadi Kelt und an Bergpartien Obevgaliläas.) Hier kann Jaakab mit. Majestät den Sklaven zu sich empocheben, die Befreiungszeremonie „zelebrieren", hier erzeugt das Anschleichen Edoms dramatische Spannung, hier sind die Biedestale der Engel, die Klüfte der Dämonen, hier ist „die Schwelle Deiner Himmel". Und hier kann sich der Gesang der Erzengel zum brausenden, orgelnden Chor steigern. Der letzte Teil — Jaäkobs Traum —, wie ihn die H.ibima nachschaUt,- ist eine veritM? Oper. Die klang mir heilig und stark. Ein MihnenweihesPi'Ä. Ohne das taugliche Ensemble der Darsteller wäre diese Inszenierung lachhaft aufgerissen, fpassiges Unterfangen eines Gernegroß. Die preisen, heißt die Schauspieler dieses hebräischen Theaters preisen. Bis ans die matte Darstellerin der Rebekka sind die Gestalten der handelnden Menschen, die Sprecher und Sänger der Erzengel, Engel und des Damast alle groß. Ein technisches Ungemach — die Dekorationen hatten durch den Bahnmrnsport arg gelitten und die Reparatur bedingte einen unendlich langen Zwischenakt — konnte die gewaltige Wirkung nicht beeinträchtigen. Otto Ab el es. Die Musik zu ,^Jmrkobs Tnruin". Wie im „Dybuk" geht auch in „Jaakobs Traum" die Musik nicht ihre eigenen musikalischen Wege, sondern dient lediglich dem musikalischen „GesaMtkunstwerk" der Habima. Dämmt entbehren die beiden ersten Akte der musikalischen Ergänzung (bis cnlf das erhebende, schlichte Lied, in welchem sich —ein schöner Regieeinfall! — der eben frei gewordene Knecht Jdnibacü gleichsam m FreilM singt), Die Musik von Michael Milner, der gemeinsam mit Achron, Alman, Engel, Gnestin, Krem, Lewiu und anderen auf ein Wiedererstehen der national-jüdischen Musik hinavbeitet. setzi erst dort ein, tvo das Mysteriaun, das Wunderbare nach ihr verlangt: in Jaakobs Traumwelt, die sein höheres Leben ist. . JACQUES WALLIS Wien, l„ Weltzeile 21 VPohnungaeinrichinngen bi» tum feinsten Genre, reichhaltiges Lager ih fünf Stockwerken Silberner VHP"» zirka 3 kg schwer, mit altem Bethauszeichen, in Originaikassette, sehr billig zu verkaufen! Besichtigung an Wochentagen von 8—12 u. 2—5 Uhr Fischer, V., Strohbachgasse S (beim Margaretenplatz) ri Die Aufführung sorgt für 'charfe Heransarbeitung der echt orientalischen Ucbergänge von der Sprache zum Gesang, wie ja überhaupt die Darsteller auch begabte Sänger sind, die die mit Feingefühl in die Musik eingeslochtenen Volksweisen in ihrem Empfindultgsgehalt ausschöpfen. Gleichwohl — trotz der prachtvollen Aufführung — bleibt die Musik das tiefgründig Geheimnisvolle des Traumes und der nationalen Offenbaruirg schuldig. Milner findet mit den einfachen Mitteln der Volksmusik eben nicht sein Auslangen, er braucht stärkere Kunstmittel, grellere Farben, schärfere Kontraste und gerät damit — leider — in den Bann der abendländischen Kunst- .mufif. Die orientalisierenden Solfeggien seiner „Festspielmusik" sind vielfach nur geschickte Umdeutungen abendländisch-impressionistischer Melismen, in seinen Akkordmischungen gehet' heterogene Stilelemente — Mendelssohn, Wagner, Debussy, Skrjabin usw. — auf dem Umwege eines scharfen musikalischen Intellekts ein dramatisch äußerst wirksames mechanisches Gemenge ein, doch keineswegs eine aus jüdischem Geist und jüdischer Technik heraus organisch gewordene Verbindung. Ein Beweis mehr dafür, daß Material und Technik der werdenden jüdischen Kunstmusik noch nicht tragfähig genug sind, um das sichere Fundament für komplizierte und doch national eigenartige Kunstgebilde abzugeben! Erwin Felber. * Die gestrige zweite A«f fü h r u n a vo n „I a af ob s Traum" paar naä) .Bchcbungder technischen Mängel womöglich noch vollkommener als die erste und fand vor ausverkauftem Hause statt. An dem Abend nahmen u. a. Artur Schnitzler, Max Reinhardt mit einer Anzahl von Künstlern des Jasefstädter Theaters, darunter Helene Und Hermann Thimig, teil. Oberrabbiner C h a j e s, der ebenfalls de: Vorstellung . beiwohnte, sprach sich dem Vertreter der „Wiener Morgenzeitung" gegenüber sehr, lobend über die hebräische Nachdichtung von G u t t ni a n n aus. Nach dem letzten Fallen des Vorhanges bereitete das Publikum den Künstlern der Habima und dem Dichter, der im Theater anwesend war, begeisterte.Ovationen. Um den zahlreichen Wünschen und Anfragen nachzukommen, .hat sich die Direktion der H a b: m a entschlossen, für die letzten Tage des Gastspiels bis inklusive 7. d. den verschiedenen Organisationen (Vereinen, Lehrern und Schülern) eine Anzahl ermäßigter Karten nach Maßgabe der vorhandenen Sitze zur Verfügung zu stellen. Ausgabe der Plätze gegen Legitimation von 12 bis 1 Uhr in der Direktion des Earl-Theaters. Matinee zu Ehren der Habima» Die für Donnerstag festgesetzt gewesene Akademie des Hechaluz, österreichischer Landesverband, findet diesen Sonntag um halb 11 Uhr vorniittags als Matinee zu Ehren der Habima in den Olympiasälen, 1. Bez., Rotgasse, statt. Außer einigen palästinensischen Künstlern wird die Habima selbst mit einigen Proben ihrer hervorragenden Kunst aufwarten. Karten im Vorverkauf bei Buchhandlung Löwit, 1. Bez., Notenturmstraße 22, Hechaluz, 1. Bez., Bauernmarkt A, und an der Kassel Dins jüdisdieHausl as jüdische Blaiil ein Generaldirektor für die BundeMeater. Generalkonsul Schneiderhau. Der gestrige Mmistervat hat beschlossen, den GemrattonfuT Franz Schlteiderhan zum Generaldirektor der A u n d e s t h e a t e r zu bestellen. Generalkonsul Schnei devhan hat sich grundsätzlich zur U ebernahine dieser Funktion bereit erklärt und wird nach Abschluß der Verhandlungen über seinen Wirkllngskreis, der von: Ministerrat noch genehmigt werden muß, di« Führung der Geschäfte so zeitgerecht übernehmen, dost er noch die für das nächste Spieljahr nötigen Vorsorgen treffe*" kann. Ans den Theatern. Bürgt beater. Morgen. 7 Uhr abends. o « t 9 i Ferdinand Prinz v o tt Pre «st e-n* (Theatergemeinde Serie A, weiß). A k a d e m t e t h e a t e r. Morgen, ll,8 1% abends. „Hochzeitstag e." O p e r n t d e a t e r. Morgen, V,8 Uhr abends, „%o s ea* mit Vera Schwarz und Grosaveseu. Bo^lksoper. Morgen Ballettabend des CLeilte- Cerri-BalletteS. Deutsches Volkstheater Elisabeth B e r gn e r wird Samstag und Sonntag tu der Erstaufführung des reuen Lustspieles „M r s. Cheneys E n d e" von Frederik L o n S d a l e und Montag in Benard Shaws „Die h e i l t g e I o h a n n a" gastieren. Raimund-Theater. Morgen, 7*8 Uhr abends, zum 50. Mal „Ich h a b' d t ch l i e b . . .l" von Leo Ascher unter persönlicher Leitung des Komponisten. Johann-Strauß-Tb e a t e r. Mittwoch den 9. d. gelangt „Adieu Mimt!", Overette von Alexander Engel und Jiklienne Horst, Texte und Musik von Ralph Benatzky, zllr ErstauMhrung.? Wiedereröffnung des Schönbrunner Schlotztheaters. Die Arbeitsgemeinschaft der Wiener Volksoper wirÄ im Schön- < brunner Schloßtheater im Monat Juni Samstag und Sonni tag Opern und klassische Operetten zur Aufführung bringen. > Als Eröffnungsvorstellung ge>yt Samstag den 12. d. „Der Bar- : bier von Sevrlla" in Szene; Sonntag den 13. d. gelangt „Die \ Fledermaus" zur Aufführung. Die volkstümlich gehaltenen Preise der Plätze bewegen sich zwischen 1 und 6 Schilling. Musirschriftsteller Dr. Robert Konta wurde vom Bun- , desprästdenten der Titel eines Professors verliehen. „Der Orlow" im Wiener Biirgertheoter. Die erfolgreiche; Operette „Der Orlow", die im Theater an der Wien bereits über s 400 Ausführungen erzielte, wird ab Samstag den 5. d. am Bürgertheater en smte zur Darstellung gelangen. Vereine. BortrSge und Versammlungen. I u g e u d I o r v s B r i t h h a Z o r t m. Heute, ab s 5 Uhr nachmittags, im Sommerheim allgemeine Sich« unter > Leitung des Führers I Babad. Vorher freie Znsammeukmrst. Ttlboscheth! — Jung»tonistische Gruppe bet i S e ktton VI-YHl, 8. Bez., Benuoplatz 1a. Heute, präzis i .. 8 Uhr abends, N o r d a u -- F e i e r. Festrede. Dr. Maüha l ' Hoffman n. * Jüdisches Realgymnasium. 2. Bez., Castellezgafse 36. Ani Meldungen für die 1. bis Vllt. Klasse täglich zwilchen 12 und; 1 Uhr. Keren-Kajcmeth-Büchsenleerung 1926. Das Wener Bureau des Jüdischen Nationalfonds teilt uns mit: Die dies- : rnalige Büchsenleeruna findet im Lause des Monats Juni; statt. Die endgültige Verrechnung muß am 21. Juni erfolgen.! Diejenigen Gruppen, die sich trotz unserer Aufforderung zur; Uebernahme der Sprengel nicht gemeldet haben, müssen dies bis zum 4. Juni tun, widrigenfalls ihr Material anderweitig! verteilt werden wird. Die Mitarbeiter haben die Legitimationen unaufgefordert vorzuweisen. Die Büchseninhaber werden! ersucht, nremanden die Leerung zu gestatten, der nicht eine: gültige Legitimation vorzuweisen vermag. Diejenigen Zionisten, die während der Sommermonate beabsichtigen, einen Schweizer Kur- oder Erholungsort aufi zusuwen, werden ersucht, ihre Adresse dem Hanptbureau des Jüdischen Nationalfonds für die Schweiz, St. Gallen, Weber-; gaste 14, mitzuteilen. Der Jüdische Nationalfonds will so zum! ersten Male versuchen, an hie jüdischen Touristen in der Schweiz heranzutreten. E Kinder aufs Land. In der Ferienkolonie Böslau sind noch! einige Zahlplähe für israelitische Kruder von 6 vis 14 Jahren M l besetzen. Anmeldungen chestens bei Herrn Ignaz Neufeld, 7. Aez., Mariahalserstraße 80. Tel. 39-4-93. E Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie. Verkauf Mm l Schiffs-, Eisenbahn- und Schlafwagenkarten für In- und Aus- ' land, Flugschein«. Auskünfte über Hotels, fachmännische Veran- . staltungen von Gesellschafts, und Vereinsfahrten, Geldwechsel.; Bureaustrmden ununterbrochen von 9 bis 5 Uhr nachmittags (Samstag von 9 bis 2 Uhr). Wien. 1. Bez., Kärntnerstraße 38. Geh' uicht am Glück vorbei! Die größten Haupttreffer, und Prämien der lassenlotter,e. welche so oft bet der „Glücks^; stelle" Jo efStein, Wien. 1. Ber., Wippttngerstraße 21, eri zielt worden find, sind allgemein bekannt. Die neue Klaffenlotterie ' beginnt am 22. und 24. Juni. Wir rufen unseren Lesern zur i Geh' nicht am "llück vorbei! Jedermann bestelle per Postkarte sofort sein GlückSlos bet der »Glücksstelle" Jolef Stein, Wien. 1. Bez.. WipvtiNgerstraße 21 Preise: V, Los 32 S., V, 16 S.,. lU 8 S., Vs 4 S. Losversand überallhin. Man beachte unser: heutiges Jn'erat. I JEDERMANN i Bankhaus Schelhamvner & Schattera, Wies, PW Ziehung am 22. und 24. Juni 1926 *HM Preise der Lose; lA S 32,—, Vs S 16.—, V Prämie; 500.000 Schilling Haupttreffer: 25C 5. iwMwlW KMOM .HIN I., Stephansplatz 11 . S 8.-. V- S 4.— >.000 Schilling Bei der 13. tfsterreichfsehen Klassenlotterie wurden sowohl die ersten Haupttreffer der II., III., IV. Klaese, ale auch der grüßte Haupttreffer der V. Klasse ' im Betrage von 200.000 Schilling und dis Prämie im Betrage von 300.000 Schilling mit Schelhammer<Loeen gewonnen.